Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Minne-Lieder und Zubehör.

– – – – – – – – – – – – – –
– – – – – – – – – – – – Liebe
– – – – – – – – – – – – – –
– – – – – – – – – – – – Triebe,
– – – – – – – – – – – – – –
– – – – – – – – – – – – Hiebe!

Alex Heinze.

.

In Einer – allen!

Einem Himmel nur eignet die Sonne –
Wer will es wenden?
Doch aber darf sie Leben und Wonne
Allen uns spenden! –
Mag alle Anmut der holdesten Frau
Einem gehören:
Daß ich auch mein Herz gesund dran schau' –
Keiner kann's wehren!

Voller stets schäumt mir der Becher, und reiner
Scheint's, daß er klinge,
Wenn von den Schönen immer nur Einer
Dar ich ihn bringe!
Jeder Ein Glas, das geführt ich zum Mund –
Offen und ehrlich:
Ob wohl die Schönen im Erdenrund
Reichten –? Ach, schwerlich!

Sing' ich ein Lied beim fröhlichen Wandern:
Eine nur preist es;
Aber, versteht sich, all auch den andern
Weih' ich im Geist es!
Singt es dann weiter, wem's wohlgefällt –
Jeder der Seinen:
Flugs alle Mädel in aller Welt –
Sind's nicht die meinen?!

Ob in den Arm ich die Eine, die Feine
Feurig mag schließen:
Gilt doch – nun sagt, ob ich's treu nicht meine?
Jeder mein Grüßen;
Wie sich's hier fügt bei des Liedes Reim,
Beim Becherschalle,
Kommt mir's von Herzen: ganz insgeheim
Lieb' ich sie alle!

.

»Vielliebchen«.

Dies Gedicht wurde gelegentlich der »Kölner Blumenspiele« (Mai 1902) mit dem ersten Preise für humoristische Dichtungen (– silbervergoldeter Pokal in getriebener Arbeit –) gekrönt.

Listig mit Amor im Bunde handeln
Die Mandelbäume,
Wenn sie oft parweis' betten die Mandeln
In engste Räume,
Da sich dann dicht aneinanderschmiegen
Die süßen Kerne,
Und sich in lieblichen Träumen wiegen,
Ach, wie so gerne!

Plötzlich beim schäumenden Sektpokale
Das Flügelbübchen
Sprengt ohne Gnade die Doppelschaale …
»Schau, ein Vielliebchen!
Ist's nicht, als ob sich die Kerne küssen
Eng im Umfassen –?!
Werden nun doch von einander müssen
Und sich verlassen!«

Feurigen Blickes fragt »Er« voll Verlangen:
»Gilt es, Vielliebchen?!« –
Schweigend nur nickt »Sie«; doch zeigen die Wangen
Neckische Grübchen.
Flugs, arme Kerne, lernt durch die Lippen
Scheiden und meiden;
Und – euch zum Abschied – am Kelche nippen
Lächelnd die beiden! –

Ach, aber die unter Lust und Scherzen
Heute euch trennen:
Morgen schon spüren sie tief im Herzen
Schmerzliches Brennen!
Was aber wirkt – wer möcht' es wohl wähnen! –
So jähen Wandel –?
Unwiderstehlich zieht stilles Sehnen
Mandel zu Mandel!

Ob sie die weitesten Pfade durchmessen
Zu fernsten Ländern:
Können einander doch nie vergessen –
's ist nicht zu ändern!
Ruh' findet keines, wo sie auch weilen,
Wo sie auch wandern:
Rastlos treibt es sie, vorwärts zu eilen
Eines zum andern!

Können, ach, nimmer, die armen Närrchen,
Nimmer gesunden,
Eh die zwei Hälften vom Mandelpärchen
Sich nicht gefunden!
Amor aber, der tückische Knabe,
Schabt ihnen Rübchen …
Hütet Euch vor seiner schlimmsten Gabe,
vor den »Vielliebchen«!

.

Der »heimliche« Minnesänger.

Liebe Jette,
Holde, nette,
Meines Herzens Wonne du!
Engel schweben um dein Bette
Und mein Lied singt dich zur Ruh!
Mond und Sterne sollen's hören,
Hören soll's die stille Nacht;
Bei den Wolken will ich's schwören:
Nichts darf deinen Schlummer stören.
Denn dein treuer Sänger wacht!

Holde Jette,
wie die Klette
Nicht von krausen Locken läßt:
Hier mit meinem Seufzerbrette
Steh' ich unentwegt und fest!
Meiner Stimme frohes Grüßen
Kündet laut in Dur und Moll,
Daß sich nun zu wundersüßen
Träumen deine Aeuglein schließen
Und daß nichts dich wecken soll!

Süße Jette,
Um die Wette
Trillert Vetter Fritz mit drein –
Denn zum richtigen Duette
Müssen's immer zweie sein!
Durch des Lebens Lust und Nöte
Hilft mir das fidele Haus:
Stundenweit klingt seine Flöte,
Und vor'm Schein der Morgenröte
Geht der Athem ihm nicht aus!

Teure Jette,
Eine Kette
Hält – von Rosen und Jasmin
Uns gebannt an diese Stätte:
Mich die Lieb', die Freundschaft ihn!
Aus vereinten Dauerlungen
Wirst mit Zehn-Tenöre-Kraft,
Holde, du in Schlaf gesungen,
Bis es rings zu Ohr gedrungen
Der gesamten Nachbarschaft.

Liebe Jette,
Flotte, nette,
Wissen muß es alle Welt:
wenn ich, Jette, dich nicht hätte,
Wär' es trüb' um mich bestellt!
Senke sanft sich auf dich nieder
Mohnbekränzt der stille Geist …
Immer rufen meine Lieder
»Gute Nacht« dir, immer wieder –
Bis die letzte Saite reißt!

.

Minne-Färben.

Aus den farblosen Liebesgedichten eines verblichenen Kouleur-Studenten.

Dir tönt mein Lied, du herrliche Maid,
Dir, Krone aller Frauen!
Wie wird mir das Herz so warm, so weit,
Wenn dich die Blicke erschauen!

Des Goldes Schimmer ersehnt der Geiz:
So sehnen nach dir sich die Augen,
Um deinen goldig schimmernden Reiz
Begierig einzusaugen.

Gleich jungem Frühlingsmorgenrot,
Darin das heiße verlangen
Des liebebedürftigen Himmels loht,
Erglühen deine Wangen …

Doch wenn sie zu inn'ger Verschmelzung Glück
Sich lehnen an die meine,
Ein leichter Abglanz bleibt stets zurück
von ihrem Purpurscheine!

Kupido hat sich erkoren zum Sitz
Der Brauen stolze Bogen,
Darunter hervor ist der zündende Blitz
Mir einst ins Herz geflogen …

Nur wenn ich, mich freuend des köstlichen Schmucks,
Die sammetne Wölbung im Scherze
Mit losem Finger berühre: flugs
Erglänzt er in Ebenholzschwärze.

Auf deinen lächelnden Rosenmund,
Den wollustathmend süßen,
Preßt' ich den meinen gern Stund' um Stund'
In unbeschränktem Genießen …

Nur eins stört mir den Hochgenuß
Beim lieblichen Minnewerben:
Daß sich von deiner Lippen Kuß,
Die meinen stets greller färben.

Hernieder wallt dein gelöstes Haar
Wie mächtigen Stromes Wellen,
Die jeder hemmenden Fessel bar
Zum Meere quellen und schwellen …

Doch wenn mich umflutet allzu dicht
Der Locken duftig Gefunkel,
Bald lagert's auf meinem Angesicht
Wie maurischer Stammhaut Dunkel.

Welch süßes Weh, welch schmerzvolle Lust,
Im schneeigen Arm dir zu liegen,
An deine lilienweiße Brust
Mich enger und enger zu schmiegen …

Doch ruhn wir bis in den späten Tag
So selbstvergessen Beide,
Mein Wams zeigt deutlich den Niederschlag
Unendlicher Schichten Kreide.

Drum bist, meine Herzenskönigin,
Du in jeglichem Stück auch vollkommen,
Ein brünstiges Wünschen doch hegt mein Sinn,
Ich künde es leis' und beklommen:

Laß künftig prangen, holdselige Dirn',
An deiner wonniglichen,
Liebreizumwobenen Götterstirn
Die Warnung: » Frisch gestrichen

.

Gute Nacht!

Eine akademische Ballade.

O wundertätige Maiennacht,
Du Zeit der jungen Liebe;
In jeder fühlenden Brust entfacht
Dein linder Hauch, deiner Düfte Macht
Geheimnißvolle Triebe.

Das Käuzchen stöhnt, und die Fledermaus
Reckt seufzend ihre Fänge;
Es schickt in die Dämmerung weit hinaus
Der Katerjüngling von Haus zu Haus
Der Sehnsucht wilde Klänge.

Und soll nur das arme Menschenherz
In stummer Pein vergehen?!
Dahin will schmelzen des Busens Erz,
Es will sich lösen der starre Schmerz –
In süßen Tönen verwehen!

Die Magnifizenz ist just verreis't:
O Musensohn, so weihe
Dein rührendes Werben der Holden dreist,
Die Sonntags du schwangest im Tanz zumeist –
Des Rektors Küchenfeie!

Zusammen sind gar bald gerafft
Ein paar Kommilitonen,
Die wirken mit drei Guitarren-Kraft,
Und mögen im Feuer der Leidenschaft
Des Baritons nicht schonen.

Doch kaum rauscht mächtig der Sang empor
Zu »ihrer« Schlummerstätte,
Da brechen zwei vom »Silesen«-Corps
Aus lauschigem Hinterhalt hervor
Mit Waldhorn und Klarinette!

»Du hast Diamanten und Perlen« – fällt
Das Trio in die Saiten,
Indeß von Inbrunst heiß geschwellt
Das Duo klagt der bewegten Welt:
»Ich weiß nicht, was soll es bedeuten –?!«

Und horch, welch Wimmern wird offenbar
Von neuen Herzensqualen?!
»Gute Nacht, du mein herziges Kind« – bringt dar
Durch der böhmischen Musikanten Schar
Der Senior der »Vandalen«!

Wohl braus't unaufhaltsam der Töne Flut
In wechselndem Liebeswerben;
Wohl prüfen die Sänger den kühnen Mut,
Wohl geht bei ihren Streichen gut
Manch Instrument in Scherben! –

Doch ungestraft kein Sterblicher stört
Das Weben der Nachtgespenster:
Der Rektor, weh! zum heimischen Herd
Hat allzufrüh den Schritt gekehrt –
Ein Steinbild starrt er vom Fenster!

In Purpurglut ihm zur Seite dräut
Penelope – groll-durchgiftet;
Im Hintergrund schimmert die minnige Maid,
Die all das akademische Leid
So grausam hat angestiftet! – – –

Du wunderliebliche Maiennacht,
Wie naht dein Morgen mit Trauern!
Wie welkt dahin deiner Blüten Pracht,
Wie stirbt junge Liebe, kaum erwacht,
In dumpfen Karzermauern!

.

Liebeslied eines modernen Jünglings an seine Mager-Maid.

In altbekannter Melodie zu singen.

Im kühlen Keller sitz' ich nur
Pro forma noch, mein Liebchen;
Ich huldige der Entfettungskur,
Treu deinen Leibprinzipien!
An Rauhheit gleicht die Kehle schier
Der schärfsten Kleiderbürste,
Die Hölle brennt im Schlunde mir –
Ich dürste – dürste – dürste!

Der Gaumen heiß, die Zunge wund,
Saharadürr die Lippen:
Erst nach dem Essen manche Stund'
Thu' ich ein Tröpflein nippen;
Dem Hering wird ein trocknes Grab,
Die rauchdurchwürzten Würste –
Ich würge trunklos sie hinab –
Ich dürste – dürste – dürste!

Schon hab' ich mich, dem Durstsport Dank!
Entledigt einiger Kilos;
Der Bauch wird dünn, die Taille schlank
Gleich dir und Venus Milos!
Und schrumpft' ich selbst zur Mumie ein
Wie ein egypt'scher Fürste:
Ein Blick von dir lohnt alle Pein –
Ich dürste – dürste – dürste!

.

Das Ur-Volapük.

Wie bist du wonnig doch, Wälschtirol,
Wenn es grad eben nicht regnet;
Ach, und wie thun deine Dirnen so wohl –
Wenn man der Rechten begegnet!

Wanderte frisch durch's Ampezzo-Thal,
Dacht' an kein Wildern und Pirschen:
Kam eine Maid über'n Steg zumal,
Lippen hatt' sie wie Kirschen;

Flechten so voll und Hüften so rund
(Die sie dort nimmer noch fälschen) – –
Leider nur, daß sie kein Deutsch verstund
Und ich nicht kundig des Wälschen!

Als ich sie fragt' um des Weges Richt,
Antwort gern gäbe sie schleunig,
Doch die Gelehrten waren noch nicht
Ueber die Weltsprache einig!

Bis die erfunden das »Volapük«,
Konnt' ich doch nimmer dort lauern,
Und so dankt' ich mit stummem Blick,
Stumm nickt auch sie voll Bedauern.

Doch bei dem Blicken just fügt' es sich,
Daß uns're Lippen sich fanden:
Sie küßte wälsch und deutsch küßte ich –
Haben uns gleichwohl verstanden!

Waren drauf »linguistisch« zu zwei'n
Fleißig manch köstliche Stunden – – –
's giebt Eine Weltsprache nur allein,
Und die ist längst schon erfunden!

.

Kasimir und Adelaide
oder
Das verhängnisvolle Doppel-Dreirad.

Eine Nachtballade im Strampelwagen-Zeitmaß.

Dreirad zweifellos bequem,
Nütz-, gesund und angenehm:
Muskel recken,
Sehnen strecken,
Knochen knacken,
Warenballen drauf verpacken;
Botendienste, Zeitvertreib,
Heilmassage – Unterleib …
Engeführt drum Knall und Fall
Ueberall! –
Nur betreffs verbot'ner Minne
Höchst gefährlich »Räderspinne«
:
Junges Paar –
Schuldlos zwar,
Aber dennoch Todtenbahr',
Wie aus Folgendem wird klar! –
Adelaide – Kasimir:
»Sie« liebt ihn, »er« seufzt nach ihr;
Leider aber Väter da
(»Romeo und Julia«!)
Beide droh'n: »Enterbung, ha,
»Ew'ger Fluch« – etcetera!
Früher warme Freundschaft und
Spinnefeind jetzt; einz'ger Grund:
Gegenseit'ger Neigungsschwund! – –
Kasimir und Adelaide,
Satt und müde
Strenger Väter harter Zucht,
Planen Flucht;
Schleunigst fort –
Andern Ort –
Mittelst Strampelwagen-Sport.
Sache ohne große Müh'
Wohnen grad' sich vis-à-vis
In der Villen-Kolonie. – – – –
– – – – – – – – – – – – –
Mitternacht –
Niemand wacht:
Leis' und sacht
Kasimir
Hält bei ihr
Vor der Thür –
Glühend heiß vor Liebeseifer –
Mit dem Schnellrad-Doppelläufer
(Zweisitz-Stahl-Veloziped,
Nur damit es schneller geht!) –
Pechkohlrabenschwarzes Dunkel,
Kein Gefunkel
'ner Laterne
Nah und ferne;
Auch am Rad
Brennt kein Licht,
Denn den Pfad
Fehlt er nicht;
Während zum Verräther immer
Wird gewöhnlich Lampenschimmer! –
Stimme: »Pst!«
Ob er's ist?!
Leises: »Ja,
Ich bin da!«
In der Eile nicht 'mal Kuß,
Trotz Verdruß,
Weil man schleunigst vorwärts muß!
Ungestüm
Hinter ihm
Schwingt sich zitternd Adelheide
Auf das Rad – bestimmt für beide
.
Er voll Muth:
»Sitz'st du gut?!«
Sie: »Famos!«
»Na, dann los!!« –
Beide drauf
Dauerlauf;
Wette-Treten
Wie Athleten –
Immerzu
Ohne Ruh!
Athem heiß,
Stirne – Schweiß,
Busen ächzt,
Zunge lechzt …
So geht's, vor Entdeckung bang,
Stundenlang! –
Endlich, kreuzlahm fast gelaufen,
Kurz verschnaufen.
Mit Gekicher
Glauben sicher
Sie bereits
Beinah halb sich in der Schweiz,
Plötzlich aber Morgen graut:
Jammerlaut,
Gänsehaut!
Flucht vollständig ohne Zweck:
Stehn noch auf demselben Fleck!
Sache macht' sich einfach so:
Fuhren beide dos-à-dos,
Adelaide, furchtgehetzt,
Sich verkehrt auf's Rad gesetzt;
Mißgeschick
Lehrt ein Blick:
Er trat vorwärts, sie zurück,
Und statt fort mit Windesschnelle,
Kamen gar nicht von der Stelle!
Selber eingebrockte Suppe …
Väter stehn am Fenster – Gruppe!
Der voll Hohn:
»Weh dir Sohn!«
Jener, wüthend Scheibe pocht er:
»Warte, Tochter!« –
Junges Paar mit Faust beim Wickel!
Vom Tricycle
Weggezerrt,
Rüffel, Prügel, eingesperrt;
Thränen,
Sehnen,
Herzensnot;
Kaum drei Tage: beide todt.
»Er« erseufzt und »sie« erstöhnt,
Väter
Später
Ausgesöhnt:
Stehn an Bahre,
Raufen Haare – –
Hat natürlich keinen Sinn,
Denn was hin ist, das ist hin! –
Darum folget meinem Beirat:
Fahrt, wohin Ihr wollt, auf Dreirad, –
Nur nicht zu verbotner Heirat
!

.

Liebesherbst.

(Geheim-Sonett an Sarah.)

Was warste, Sarah, doch für'n schönes Weib!
Von Wuchs wie schlank, und, Gott! von Teint wie helle!
Fuhr nach Ostende ich ßum Zeitvertreib
Mit dir, du plätschertest wie 'ne Gazelle.

Voll Inbrunst kißte dich de Silberwelle,
Sanft schlängelte se sich um deinen Leib,
Als wollt' se sagen: »Sarahleben bleib'!«
Se konnte gar nicht wieder von de Stelle! – –

Doch ach, die Scheenheit is ein ßarter Hauch,
Ihn ßu fixieren is kein Mensch im Stande!

Wenn du jetzt nimmst das Seebad in Gebrauch:
Die Welle stirzt davon – es is 'ne Schande!

Und kißt se dich 'mal wirklich flichtig auch,
Denn bricht se hinterher sich gleich am Strande!

.

Schwere Wahl.

(Oberbaierisch.)

»Ai Jee, da sitzen's beisamm alli drei – –
Dös hat getreimt mia halt nicht! –
's Nannerl, die Resi und die Burgei – –
Söll is a heikle G'schicht!

» Oanzeln, wann's soan, da woaß i scho Rat,
Fürcht mi halt nimmamehr;
's is nur um die zwoa andern grad –
Dös macht die Sache so schwer!

»Wann i de Burgei mia recht beschau,
Soagt i am liabsten glei: »Du,
Hast a paar Aeugerln so genzianblau –
Paßt grad mai Buschen dazu! –

»Un auf der Nannerl kirschrothen Mund
Drucket i moanen net zag:
Wegen dem Busserl, dös is net der Grund –
Nur wail ia … d' Kirschen gern mag!

»Wann i dann z'letzt schaug auf's Reserl gar,
Wird mia rein narrisch z' Sinn:
Braucht's die zu so oanem goldigen Haar
A no dös Griaberl im Kinn?!

»Sepperl, was nutzt's, wann du seufzest und stöhnst:
's Sträußerl, dös ist mal g'wiß,
Kriagt von die drei nur oanzig die Schönst' –
Wüßt ma nur glei, welch' es is?!

»'s fallt mir a ein grad goar nix G'scheidts,
Wia i die G'schichte mach glatt:
Drei schmucke Diand'ln – 's is halt a Kreiz,
Wann ma oan Buschen nur hat!

»Giab i'n der Oanen, mir scheint olliweil,
's bersten die andern vor Neid;
Un wenn den Buschen i etwan zateil,
Koane hat drauf recht a Schneid!

»Pflücken wohl könnt' i leicht noch oan paar Stuck –
Bleamerln hat's gnua ja im Mai! –
Vor daß i aber damit bin z'ruck,
Laufen's davon oalli drei! – – – –
– – – – – – – – – – – – – – – –
»Juchee! holdroidi! Jiatzt hoab' i's raus –
Nu is vorbei oalla Schmerz:
Burgei kriagt's Busserl, 's Nannerl den Strauß,
Bleibt no für's Reserl – dös Herz!«

.

Ullrichs von Lichtenstein, des Minnesängers, Rettung.

Herr Ullerich von Lichtenstein
Bekanntlich liebt's zu naschen
Vom Wasser, da des Morgens drein
Sein Liebchen sich gewaschen.

Herrn Ullerich von Lichtenstein
Hat man darauf besungen;
Doch ihn verurteilt auch als Schwein
Ob solcher Huldigungen. – –

Für diesen mäßigen Genuß,
Welch hartes Memorandum!
Bedenkt doch fein: de gustibus
Nunquam est disputandum!

Nur Eines freilich bei dem Mann
Ist, was ich schwer begreife:
Daß er nicht zu vermeiden sann
Den Beigeschmack der Seife;

Warum denn hat er nicht direkt,
Wie Kinder beim Konfekte,
Gesicht und Hand ihr abgeleckt –?
Ich gönn's ihm, wenn's ihm schmeckte.

.

Chinesisches Liebesliedchen,
in der Theeblumensprache.

»Silberhell gleißende
Knospe, du feine,
Jüngst durch den Vollmond in's Leben geküßt,
Segen verheißende,
Schneeige, reine;
Sei du mir wieder und wieder gegrüßt,
Die im narkotischen
Duft die erotischen
Wonnen des ewigen Fo uns erschließt!

»Engstens verschwisterte
Blütenverwandte
Stolzer Kamelien: was Tag und Nacht
Leis' ich dir flüsterte,
Heimlich bekannte –
Was mich so namenlos elend macht:
Schließ' es, du Liebliche,
All das Betrübliche
Tief in des Kelches verschwiegenen Schacht!

»All die unsäglichen
Glühenden Thränen,
All meiner Seufzer unhemmbares Leid,
Die ich im kläglichen
Fruchtlosen Sehnen –
Die ich in blutender Wehmut geweiht
Ihr, der verblendenden
Opiumrausch-spendenden,
Spröden, unnahbaren Marmor-Maid!

»Doch wenn die prächtige,
Purpurgetuschte,
Brauengeschwärzte Göttin Nin-Tschun,
Leuchtend durch nächtige
Dunkelheit huschte,
Schön wie das schillernde Perlenhuhn,
Wenn sie die blitzigen,
Sichelhaft schlitzigen
Demant-Augen auf dir läßt ruhn – –

»Dann all die Süßigkeit
Ström' ihr entgegen,
Die ich dir eingehaucht; wolle dann zu
Ihrer Kleinfüßigkeit
Lispelnd dich legen,
Daß dich berühre ihr Kolibri-Schuh;
Dann der bestrickende,
Sinnen berückende
Dolmetsch meiner Gefühle sei du!

»Ihr auch im schwellenden
Herzen die Triebe
Regen sich dann überselig bang;
Nimmer den Wellen, den
Heißen der Liebe
Wehret sie mehr: mit melodischem Klang,
Wie die verlockenden
Stimmen der Glocken den
Beter, ruft sie dem treuen Tschin-Nang!«

.

Tropische Liebe.

Der letzte Menschenfresser.

Fern, auf der Samoa-Insel
Sonnt sich am Lianen-Hage
Bei des Silberbachs Gerinsel
Lächelnd der Antropophage.

Ihm zur Seite: die ein faux-pas
Aus der Heimath hat vertrieben –
Sitzt die Jungfrau aus Europa;
Und ihn faßt ein heißes Lieben!

Ach, sein Busen kann, sein junger,
Soviel Wonne kaum ermessen,
Und es drängt ihn teils der Hunger,
Teils die Neigung, sie zu fressen.

Und er knabbert ungeniertest,
Feiernd des Genusses Orgien – – –
Weh, o Jüngling, du serviertest
Selbst das Gastmahl dir der Borgien!

Die so klar und hell wie Eiweiß
Schienen, rosenduftumflossen:
Ach, mit Schminke voller Bleiweiß
Sind die Wangen übergossen!

Weh, die Büste, welche sehr zart
Ihm sogar geschienen hatte,
Sie war größtenteils gepferdshaart,
Und die Hüften meistens – Watte!

Weh, schon zeigen sich die Folgen
Dieser gift'gen Gaum-Ergötzung:
Denn wer trotzt wohl einer solchen
Reichsgesundheitsamtsverletzung?!

Stündlich kränker, trüber, blasser
Wird der Jüngling von Samoa – –
Natron, Cognac, Bitterwasser
Nützt nichts – noch Arrac de Goa!

Am gefälschten Nahrungsmittel
Starb er mit gebrochnem Magen –
In des Daseins erstem Drittel:
Letzter der Antropophagen!

Unter blühenden Geranien
Klagt sein Sterbeseufzer linde:
» Falsche Jungfrau von Germanien,
Sind dies deine Liebesbünde?!«

.

Aus König Bell's Liebesliedern.

I.
Ständchen.

Mädchen, lieb Mädchen, flink wie das Gnu,
Lausch' meinem Nacht-Dithyrambus!
Horch, wie so süß schon der Kakadu
Kreischt im Dickicht des Bambus!

Komm, laß' in deine Guckäuglein mich schau'n,
Mit inbrünst'gem Verlangen,
Die so zaub'risch, so meertief blaun –
Fast wie des Pavians Wangen!

Laß meine Hand dir im lockigen Haar
Wühlen – so goldig seiden,
Daß dich das stolzeste Dromedar
Muß in der Seele drum neiden.

Laß deiner Zähne schimmernde Reih'n
Leuchten beim Silberlachen,
Daß sie blitzen mit hellerem Schein
Wie die in Kaimans Rachen!

Laß meinen Skalpskopf, du Göttliche, an
Deinen Busen mich pressen,
Wie ihn nicht Kropfgans noch Pelikan
Ueppiger jemals besessen!

Laß deinen Nacken mich innig heiß
Küssen in Lust und Wonne,
Der gleich der Schale des Schildkröten-Ei's
Glänzt in der brütenden Sonne!

Laß mich, Holde, beim Klang des Tamtams
Deine Sammethaut streicheln,
Weicher wie Wogen des Kongo-Schlamms,
Wenn sie das Flußpferd umschmeicheln!

Mädchen im schwellenden Wüstensand
Drück mich an's Herz, ach, ein Bissel –
Sanft wie der tändelnde Elephant
Palmen umschlingt mit dem Rüssel!

.

II.
Vom Baum der Erkenntnis.

Es schmolz vor meiner Gefühle Brunst
Dahin das Eis der Verwildung;
Mir in den Adern tobt es wie »Kunst«,
In den Knochen liegt mir's wie »Bildung«;

Von innen und außen ist mir's schon,
Als zeigten sich hellere Flecken:
Die Zunge der Zivilisation
Fing an, mich zu belecken!

Milchweiße Jungfrau, das wirktest Du;
Dein Anblick hat mich gerissen
Aus meiner anthropophaglichen Ruh – –
Mir schmeckt mehr kein Menschenbissen!

Bei deinem Lächeln mit wonnigem Ruck
Das Herz ist mir aufgegangen;
Jetzt fahnd' ich für dich nach Korallenschmuck,
Nach demantblitzenden Spangen:

Ich möcht' in den köstlichsten Schurz von Mull
Dich hüllen – mit goldenen Puscheln,
Und kostets aus meiner Privat-Schatull'
Die letzten Kauri-Muscheln!

Es überkommt mich von Minneglück
Ein wundersüßes Ahnen;
Ist leer die Kasse, dann Stück für Stück
Verklopf' ich die Unterthanen:

Ich will mit Geschenken ohn' Unterlaß
Dich werben, du Göttin der Hulden;
Wenn's Geld nicht mehr reicht, so mach ich etwas …
Man nennt es, glaube ich, »Schulden«!

Ich fühl's, dir dank ich den feineren Schliff,
Des Daseins höhere Weihe:
Du hast mir erschlossen den Begriff
Fürs Wesen der »Staatsanleihe«!

Du zeigst durch der Liebe Zauberschein
Die Welt mir im reineren Lichte:
Deines Füßchens Tritt stieß mitten hinein
Mich in die Kulturgeschichte
!

.

III.
Drei-Seligkeit.

Seit des Busens starres Erz
Heiß durchdrang die Liebe,
Blieb im Sumpf – mir hinterwärts
Weit – der »Karaibe«;
Ja, ich fühl's, daß sich mein Herz
Im Empfinden übe,
Regend unter Lust und Schmerz
Tausend neue Triebe!

Meines Urzustands Verlust
Werd' ich freudvoll inne;
Da nun in die dunkle Brust
Einzug hielt die Minne,
Wird sich auch das Hirn bewußt
Ethischer Gewinne –
Die Kultur verspiritus't
Endlich alle Sinne
!

Auf das Menschtum nur ein Hohn,
Nicht Buddhist noch Musel-
Man, saß ich auf meinem Thron
Stumm im Heiden-Dusel;
Aber heut durchzuckt mich schon
Sittlichkeits-Gegrusel:
Mit der Zivilisation
Mehrt sich auch der Fusel!

Der bisher vermodert und
Dick bedeckt mit Schimmel:
Meiner Seele trüber Grund
Spiegelt schon den »Himmel«;
Lichtbedürfnis giebt sich kund
Im Gefühlsgetümmel,
Sehnsuchtsheiß schon lechzt der Mund
Nach Getreidekümmel! –

Der ich höheren Wertes bar,
Früher unausstehlich –
In dem Schöpfungsplane war
Gänzlich überzählig,
Mein Beruf wird jetzt mir klar:
Machen soll allmälig
Liebe, Schnaps und Missionar
Hier mich dreifach selig
!

.

Strohwitwers Lust und Leid.

Ein großstädtisches Ehe-Epos in sechs Gesängen.

Erster Gesang.
Junge Freiheit.

Ein flücht'ger Kuß, ein letztes Nicken –
Die Pfeife schrillt, das Dampfroß schnaubt:
Entschwunden ist der Zug den Blicken,
Der mich der Gattin jach beraubt!

»Sie« scheidet von der Wirtschaft Plage
Und von der »großen Wäsche« Pein – – –
Ich aber darf für dreißig Tage
»Verfluchter Kerl« 'mal wieder sein!

Der Ehe Zwingburg sank in Trümmer;
Wie fühl' ich froh mich und befreit!
Steig' wieder auf im Rosenschimmer,
Du sel'ge Junggesellenzeit!

Ich schlürfe keck, des Joch's entledigt,
Den Freudenkelch zur Neige aus!
Wo ist dein Sieg – Gardinenpredigt?!
Dein Stachel – wo? – »geschlossenes Haus«?!

Rings locken tausend Blütenlippen;
Ich aber darf, o süßes Loos,
Ein Schmetterling – von allen nippen …
Mit einem Wort: es wird famos!!

.

Zweiter Gesang.
Auf der Höhe der Situation.

Gestern: Op'rette;
Hierauf Souper
Mit der Soubrette;
Dann »kleines jeu«;
Ein Stündchen später
Zum bal-champêtre
Und Wasserkorso auf mondhellem See!

Heut: frisch und munter
Café chantant –
Drüber und drunter
Tanz und Gesang;
Sonntag zum »Rennen«
(Wer soll mich kennen?! –)
Dort winkt Erholung von jeglichem Zwang!

Von holdem Schwarme
Bin ich umringt,
(– Wo ihm das »warme
Abendbrot« winkt) – –
Blonden und Braunen!
's ist oft zum Staunen,
Wie viel das »Ewig-Weibliche« trinkt!

Doch wie vom Lager
Aufspringt der Leu,
Eilt dort mein Schwager
Warnend herbei:
Weh' mir, zum Tiger
Würde die Schwieger-
Mutter
, wenn hier sie mich fände »zu drei«!

Rechts naht die Tante –
»Schrecklich Gesicht«!
Links zwei Bekannte …
Flucht wird jetzt Pflicht!
Wenn sie mich sähen,
Wär es geschehen – – –
Hat denn kein Mensch keine Tarnkappe nicht!

.

Dritter Gesang.
Nachwehen.

Im Haupte, welch' dumpfes Pochen –
Im Magen, welch' wildes Weh – –!
Und will mir denn niemand kochen
Einen starken schwarzen Kaffee?!

Hydraulischer Druck auf die Stirne,
Die Nerven ohn' Rast und Ruh – –
Ha, Jette, treulose »Dirne
Für alles«, wo weilest du?!

Sie wollte den Zustand erkunden
Einer kranken Kusine nur,
Und nun schon seit mehreren Stunden
Verloren ist ihre Spur!

Hier lieg' ich ohn Pflege und Nahrung
Und weiß nicht, was wohler mir thut:
Ob, ach, ein gesalzener Harung,
Ob bitt'rer Kamillen-Sud?!

Wer bist du, gespenstiger »Kater«:
Der Sünde irdischer Sohn –
Der Reue höllischer Vater …?
Ich glaube, ich hab' ihn schon!

Die schweren Lider nun senk ich –
Mir wird so weh um's Herz!
Dein, teure Gattin, gedenk ich
In all' meinem herben Schmerz!

.

Vierter Gesang.
Tisch-Verlegenheit.

Einen Punkt von Wichtigkeit
Hätt' ich fast vergessen:
Wo speis' ich zu Mittag heut,
Da die Zeit gemessen?
Wenig zwar der Küchenmaid
Trau' ich zu; indessen …
Jette, machen Sie bereit
Hier zu Haus das Essen!

Ungenießbar, wie bekannt,
Jette, ist Ihr Futter:
Suppe – höchster Wasser-Stand;
Fisch – mit ranz'ger Butter!
Himmelan des Bratens Brand
Dampft, o heil'ge Mutter! –
Die geschwächte Magenwand
Macht das noch kaputer!

Aber auch der Kneipen-Sport
Kann mich heut nicht retten,
Denn ich treff' an jedem Ort,
Darauf möcht' ich wetten,
Ein paar Freunde, die sofort
Haften wie die Kletten – –;
Da giebt's schaales Bier und dort
Schmierige Servietten!

Du machst mich verstimmt und matt,
Restaurant-Bereisung!
Bin ich nicht, so hab ich satt
Solche Massen-Speisung;
Auch mein Arzt gab rund und glatt
Mir die ernste Weisung:
Daß »man streng zu meiden hat
Gastrische Entgleisung!«

In des Kellners böse Lust
Fällt kein Mitleids-Funke;
Meiner »Wittwerschaft« bewußt,
Denkt sich der Hallunke:
»Ob dirs schmeckt, ob nicht – du mußt
Und in Kalbfleisch-Tunke
Bringt er kalte Gänsebrust –
Zäh' wie eine Unke!

.

Fünfter Gesang.
Wachsende Leiden.

Das ist der Menschheit ewiger Fluch,
Der Jammer nie zu ergründen:
Im Wäscheschrank kann ich ein Taschentuch
Ganz absolut nicht finden!

Die Nadel fehlt, die mir bescheert
Mein Weib zu Weihnacht hatte;
Mir scheint's, der Kragen sitzt verkehrt
Und windschief die Kravatte!

Wohl hab' ich wacker, ich armer Tropf,
Wider Sturm und Wellen gerungen:
Doch jetzt ist der letzte Hemdenknopf
Mir meuchlings abgesprungen!

Verknotet ist das Westenband,
Des Rockes Henkel zerrissen …
Wie lange, du weise waltende Hand
Des Weibes, soll ich dich missen?
!

.

Letzter Gesang.
Umschau und Einkehr.

Was wert uns dünkt bewundernder Betrachtung,
Davon verkünden wir's: 's ist nicht von Stroh!
Der Strohkopf träumt in selischer Umnachtung,
Der Stroh sack ist kein Lager comme il faut,
Die Stroh zigarre straft man mit Verachtung
Und selbst das Stroh papier ist nur so – so!
Nicht Duft noch Schmelz beut uns des Strohes Blume
Und gleicher Fluch folgt dem Strohwittwertume!

Wo sonst geeint das Gute sich dem Schönen,
Da schuf der Mägde Hand Zerstörung rauh;
Ringsher ein wildes Chaos seh ich gähnen – –
Mein Zimmer gleicht dem Troglodytenbau!
Es faßt die bange Seele heißes Sehnen:
Nur Rettung bringt der Genius hier der Frau!
Hinsinkend an des Hausaltares Stufen,
Möcht' ich voll Inbrunst sie zurücke rufen!

Vom »Wein der Freiheit« that ich volle Züge,
Und, Hand auf's Herz! er schmeckte leidlich noch;
Doch nun des Trunkes hab' ich Ueberg'nüge – –
Schon fühl' ich klar, am besten sei es doch,
Wenn – ein Bekehrter – ich mich willig schmiege
Ins sanfte wieder, ins gewohnte Joch! …
Ein Telegramm – –! Erschallet, Jubellieder:
Es ist von »ihr« – heut' Abend kommt sie wieder!!

.

Des Vaters Hoffen.

Neuzeitliches Familien-Gemälde.

Sie hatten einst sich gefunden
In weihevoller Stund':
Von Rosenketten umwunden,
Geschlossen ward der Bund.

Des Liebe- und Treue-Hegens
Ward nimmer müde das Paar:
Doch blieb des höchsten Segens
Trotzdem die Ehe bar.

Harmonisch und gemeinsam
Verschmolzen war Herz und Sinn,
Doch rann ihr Leben einsam
Und freudlos fast dahin. –

Schon war manch' Jahr verflossen,
Da ward ihr Flehen erhört:
Um einen jungen Sprossen
Wird bald der Stamm vermehrt!

Mit stumm beredten Blicken
Giebt es die Keusche kund;
Der Gatte in sel'gem Entzücken
Küßt Wangen ihr und Mund.

Und als, statt von blühenden Dolden
Von Früchten der Zweig sich senkt,
Hat das Geschick der Holden
Ein zartes Knäblein geschenkt.

Nach bangem Harren und Trauern
Welch' nie geahnte Lust –
Sie drückt mit heiligen Schauern
Das Kind an ihre Brust!

Kaum ist unter Freudenthränen
Das heiße Verlangen gestillt,
Da wird schon von Zukunftsplänen
Der Mutter Busen erfüllt.

Es schweifen zu fernen Zeiten
All' ihre Gedanken schier:
Schon sieht den Sprößling sie reiten
Als schneidigen Offizier;

Schon hört die junge Mutter,
Umfangen von wachem Traum,
Ihn – einen zweiten Luther –
Pred'gen im heiligen Raum;

Gelüpf't scheint ihr der Schleier,
Der vor die Zukunft sich senkt:
Sie sieht des Staatsschiffs Steuer
Schon von dem Sohn gelenkt.

Und da im süßen Ermatten
Ihr Haupt sich seitwärts neigt,
Erblickt sie ihren Gatten,
Der lächelt milde und schweigt.

Die bleichen Hände gefaltet,
Fragt sie ihn süßen Tons:
»O sprich, wie dir sich gestaltet
Die Laufbahn unseres Sohns?!

Laß mich, du Bester, erraten,
Was in der Seele dir glimmt:
Zu welch' erhabenen Thaten
Glaubst Du den Knaben bestimmt?!« –

Und tief im Schauen versunken
Von Mutter und von Kind,
Dem Vater wonnetrunken
Das Wort von der Lippe rinnt:

»Heil ihm, der heut uns geboren
Zu lösen der Einsamkeit Bann!
Ihn hat uns der Himmel erkoren
Zum Skat als dritten Mann!

.


 << zurück weiter >>