Autorenseite

 << zurück 

Gedichte.

Juchhe!

Wie ist doch die Erde so schön, so schön!
Das wissen die Vögelein:
Sie heben ihr leicht Gefieder
und singen so fröhliche Lieder
in den blauen Himmel hinein.

Wie ist doch die Erde so schön, so schön!
Das wissen die Flüss' und Seen:
Sie malen in klarem Spiegel
die Gärten und Städt' und Hügel
und die Wolken, die drüber gehn!

Und Sänger und Maler wissen es,
und es wissen's viel andere Leut'!
Und wer's nicht malt, der singt es,
und wer's nicht singt, dem klingt es
in dem Herzen vor lauter Freud'!

Januar.

Wohin man schaut, nur Schnee und Eis,
der Himmel grau, die Erde weiß;
hei, wie der Wind so lustig pfeift,
hei, wie er in die Backen kneift!
Doch meint er's mit den Leuten gut,
erfrischt und stärkt, macht frohen Mut.
Ihr Stubenhocker, schämet euch,
kommt nur heraus, tut es uns gleich.
Bei Wind und Schnee auf glatter Bahn,
da hebt erst recht der Jubel an!

Frühlingsglocken.

Schneeglöckchen tut läuten!
Was hat das zu bedeuten?
Ei, gar ein lustig Ding!
Der Frühling heut geboren ward,
ein Kind der allerschönsten Art.
Zwar liegt es noch im weißen Bett,
doch spielt es schon so wundernett.
Drum kommt, ihr Vögel, aus dem Süd
und bringet neue Lieder mit!
Ihr Quellen all
erwacht im Tal!
Was soll das lange Zaudern?
Sollt mit dem Kinde plaudern!

Maiglöckchen tut läuten!
Was hat das zu bedeuten?
Frühling ist Bräutigam,
macht Hochzeit mit der Erde heut
mit großer Pracht und Festlichkeit.
Wohlauf denn, Nelk' und Tulipan,
und schwenkt die bunte Hochzeitsfahn'!
Du, Ros' und Lilie, schmückt euch fein,
Brautjungfern sollt ihr heute sein!
Ihr Schmetterling'
sollt bunt und flink
den Hochzeitsreigen führen,
die Vögel musizieren!

Blauglöckchen tut läuten!
Was hat das zu bedeuten?
Ach, das ist gar zu schlimm!
Heut Nacht der Frühling scheiden muß,
drum bringt man ihm den Abschiedsgruß.
Glühwürmchen ziehn mit Lichtern hell,
es rauscht der Wald, es klagt der Quell,
dazwischen singt mit süßem Schall
aus jedem Busch die Nachtigall
und wird ihr Lied
so bald nicht müd',
ist auch der Frühling ferne. –
Sie hatten ihn alle so gerne!

März.

Nun endlich wacht die Sonne droben auf
und ruft dem Frühling zu: »Du! Schieb einmal
die grauen Wolken mir vom Himmel fort!«
Der Frühling tut's, und seht, da lacht sie wieder
auf ihrem blauen Thron, die prächt'ge Sonne!
Und wie ihr Strahl so wunderwarm zur Erde
herniederfällt, gleich schmelzen Schnee und Eis,
und Keim auf Keimchen kriecht aus schwarzem Acker,
und Knosp' an Knospe glänzt auf jedem Zweig;
die Erde fei'rt ihr Auferstehungsfest. –
Doch ein noch schön'res Auferstehungsfest
begeht der Mensch. Rings aus den Kirchen schallt
der Festgesang: »Der Heiland ist erstanden!«
Und alles feiert froh den Ostertag.
Und selbst den Kindern muß ihr Teilchen Freude
bescheret werden. Draußen in den Ästen,
in Busch und Dorn, im Hund'- und Hühnerstall,
was liegt denn da versteckt, so rot und blau
und gelb und violett und bunt gemasert?
Die Ostereier sind's, und der sie legte,
das ist der Osterhas', und wer's nicht glaubt,
der frag' ihn selber; sagt er »Ja« dazu,
so wird es wohl so sein, doch sagt er nichts,
so denket, was ihr wollt, und sucht nur zu,
solang' ihr findet! Wohl bekomm' es euch!

April.

Vor kurzem, da war die Erde noch weiß,
und nun wird's überall grün.
Vor kurzem, da stand der Bach noch voll Eis
wo lustig die Wellen nun ziehn.
Und sieh! O sieh! – Hab' ich recht geschaut?
Ein Veilchen! Wie das mich freut!
Und der Vogel im Fliederbusch singt so laut:
o du prächtige Frühlingszeit!

Was hilft's?

Wenn's Glück ihm günstig ist,
was hilft's dem Michel?
Steckt er im Weizenfeld,
fehlt ihm die Sichel.

Wenn's Glück ihm günstig ist,
was hilft's dem Stöffel?
Denn regnet's Hirsebrei,
fehlt ihm der Löffel.

Nach dem Sauren das Süße.

Wer erst in saure Äpfel biß
und dann in einen süßen,
der wird den süßen ganz gewiß
dann doppelt froh genießen.
Doch wer in süße Apfel biß
und dann in einen herben,
dem wird der herbe ganz gewiß
die ganze Lust verderben.

Sonntags am Rhein.

Des Sonntags in der Morgenstund'
wie wandert's sich so schön
am Rhein, wenn rings in weiter Rund'
die Morgenglocken gehn!

Ein Schifflein zieht auf blauer Flut,
da singt's und jubelt's drein:
Du Schifflein, gelt, das fährt sich gut
in all die Lust hinein?

Vom Dorfe hallet Orgelton,
es tönt ein frommes Lied,
andächtig dort die Prozession
aus der Kapelle zieht.

Und ernst in all die Herrlichkeit
die Burg herniederschaut
und spricht von alter, starker Zeit,
die auf den Fels gebaut.

Der Strom.

Tief in waldgrüner Nacht
ist ein Bächlein erwacht,
kommt von Halde zu Halde gesprungen,
und die Blumen, sie stehn
ganz verwundert und sehn
in die Augen dem lustigen Jungen.

Und sie bitten: »Bleib hier
in dem stillen Revier!«
Wie sie drängen, den Weg ihm zu hindern!
Doch er küßt sie im Flug,
und mit neckischem Zug
ist entschlüpft er den lieblichen Kindern.

Und nun springt er hinaus
aus dem still grünen Haus:
»O du weite, du strahlende Ferne!
Dir gehör' ich, o Welt!« –
Und er dünkt sich ein Held,
und ihm leuchten die Augen wie Sterne.

»Gebt mir Taten zu tun!
Darf nicht rasten, nicht ruh'n,
soll der Vater, der alte, mich loben!«
Hoch zum Flusse geschwellt,
von dem Fels in die Welt
braust er nieder mit freudigem Toben.

»Gebt mir Taten zu tun,
kann nicht rasten, nicht ruh'n!« –
Und schon hört man die Hämmer ihn schmettern,
und vorbei an dem Riff
trägt er sicher das Schiff
in dem Kampfe mit Sturm und mit Wettern.

Immer voller die Lust,
immer weiter die Brust!
Und er wächst zum gewaltigen Strome.
Zwischen rankendem Wein
schauen Dörfer darein
und die Städt' und die Burgen und Dome.

Und er kommt an das Meer,
hell leuchtet es her
wie verklärt von göttlichem Walten,
Welch ein Rauschen im Wind?
»Du mein Vater!« – »»Mein Kind!««
Und er ruht in den Armen des Alten.

Wacht auf!

Es ruft der Hahn: »Wacht auf, wacht auf!
Bald geht die liebe Sonne auf;
und trifft ein Kind sie schlafend an,
da hat sie keine Freude dran.
Doch sprang ein Kind schon aus dem Bett,
hat sich gewaschen flink und nett,
das liebt sie recht aus Herzensgrund
und macht es kräftig und gesund,
und gibt ihm vieles, was ihm frommt –
wacht auf, wacht auf! Die Sonne kommt!«

Aus dem grünen Walde.

Die Sonne schien so lustig drauß';
es ging ein Kind durch den Wald zu Haus:
Trali, trala!
Wie sang es da!
Trali, trala!
Wie klang es da
so hell in dem grünen Walde!

Und wie es so ging durch Busch und Gras,
da riefen die Vögel ohn' Unterlaß:
Trala, trali!
Bleib hie, bleib hie!
Trali, trala!
Wie schön ist's da
bei uns in dem grünen Walde!

Und als es kam an den blauen Bach,
da liefen und riefen die Wellen ihm nach:
Trala, trali!
Bleib hie, bleib hie!
Trali, trala!
Wie schön ist's da
bei uns in dem grünen Walde!

Und als es da sprach: »Das kann nicht sein,
ich muß zurück zu dem Mütterlein« –
Trala, trali,
wie flogen sie!
Trali, trala,
wie liefen sie da
ihm nach aus dem grünen Walde!

Und andern Tags, als aus dem Haus
das Kind nun schaut zum Fenster hinaus:
Trali, trala,
die Vögel sind da!
Trala, trali,
und die Wellen, sieh,
die bringen ihm Grüß' aus dem Walde.

Mutter.

Mütterlein, sprich,
warum liebst du dein Kindlein doch so inniglich?
Aber die Mutter spricht:
»Das weißt du nicht? –
»Weil's fromm ist all'zeit,
»nicht weint und nicht schreit.
»Und lustig ist's auch
»wie's Vöglein im Strauch.
»Doch geht es zur Ruh',
»lacht es freundlich mir zu.
»Und wenn es erwacht,
»da küßt mich's und lacht.
»Drum lieb ich's so sehr,
»wie nichts auf der weiten Erde mehr.«

Kindlein, o sprich:
warum liebst du dein Mütterlein doch so inniglich?
Und das Kindlein spricht:
»Das weißt du nicht? –
»Weil's mich hegt und pflegt,
»auf den Armen mich trägt,
»wacht, wenn ich bin krank,
»gibt mir Speis' und Trank,
»gibt mir Kleider und Schuh'
»und viel Küsse dazu,
»Und ist mir so gut
»wie's kein andrer tut.
»Drum lieb' ich's so sehr,
»kann gar nicht sagen, wie sehr, wie sehr!«

Kindergespräch.

Grete.

Ich möchte schon meine Mutter sein!
Nur müßten meine Kinder hübsch artig sein:
müßten nur lachen,
nichts Dummes machen,
des Nachts in der Wiegen
hübsch stille liegen,
mich niemals plagen,
sich gut vertragen.
Wären meine Kinder so artig und fein,
dann möcht' ich schon meine Mutter sein.

Hans.

Wären nun aber deine Rinder wie du,
Grete, was meinst du dann dazu?
Denk mal nach:
so den ganzen Tag
die vielen Sorgen
vom Abend zum Morgen!
Ist eines still,
das andre was will.
Das bettelt und schmeichelt,
das weint Und streichelt.
Das eine ist grillig,
das andre nicht willig,
lassen der Mutter doch wenig Ruh', –
Grete, was meinst du wohl dazu?

Grete.

Wären meine Kinder wie ich und du? –
Nein!
Da möcht' ich nicht meine Mutter sein.

Hans.

Aber Grete, ich denk', übers Jahr
sind wir vernünft'ger geworden, nicht wahr?

Der Mutter vorzusingen.

Ach, wär' ich ein Vöglein,
ich wüßt', was ich tät':
Ich lernte mir Lieder
von morgens bis spät;
dann setzt' ich mich dort,
wo lieb Mütterlein wär',
und säng' ihr die Lieder
der Reihe nach her.

Und wär' ich ein Fischlein,
ich wüßt', was da wär':
Ich tauchte zum Grunde
tief unten ins Meer,
holt' Bernstein und Muscheln –
ihr glaubt, nur für mich?
der Mutter den Bernstein,
die Muscheln für mich.

Und wär' ich ein Schneider,
ich wüßt', was ich sollt'.
Ich macht' ein paar Kleider
von Seiden und Gold;
das eine wär' groß,
und das andre wär' klein,
der Mutter das große,
das kleine wär' mein!

Und wär' ich ein Schuster,
ich hätt' keine Ruh',
ich machte für mich
und fürs Mütterlein Schuh.
Die wären zum Tanz
nicht zu kurz, nicht zu lang,
bann tanzten wir beid'
nach der Vöglein Gesang.

Und wär' ich ein Schäflein,
da hab' ich im Sinn:
Ich gäb' alle Wolle
dem Mütterlein hin;
die spinnt dann die Wolle
und strickt sicherlich
zwei Dutzend paar Strümpfe
für sich und für mich.

Und wär' ich der Winter,
es sollt' dich nicht reu'n;
das Eis und der Schnee
müßten Zucker dann sein
und die Erde der Kuchen,
den brockten wir fein,
meine Mutter und ich,
in den Kaffee hinein.

Doch mancherlei möcht' ich
denn doch wohl nicht sein:
Nicht Äpfel, noch Kirschen,
nicht Wasser, noch Wein,
dann äßest du mich
oder tränkst du mich aus,
dann hätt' meine Mutter
kein Kind mehr im Haus.

Juni.

Schwellende Kirschen,
strotzend vor Saft,
fröhliche Wangen,
blühend in Kraft!
Rötet die Kirsche sich,
bald ist's getan;
bräunt sich die Wange,
fängt's Leben erst an!

Schön Blümlein.

Bin ich hinausgegangen
des Morgens in der Früh',
die Blümlein täten prangen,
so schön sah ich sie nie.

Dacht' eins davon zu pflücken,
das schönste, das ich sah,
wollt' eben mich drum bücken
ei, was erblickt' ich da!

Die Schmetterling' und Bienen,
die Käfer hell und blank,
die mußten all ihm dienen
mit fröhlichem Morgensang.

Die Bienen unter Summen,
die geben ihm manchen Kuß,
die Käfer unter Brummen –
das ist so Käfergruß!

Und wie sie so erzeiget
ihr Spiel die Kreuz und Quer,
hat's Blümlein sich geneiget
mit Freuden hin und her.

Da hab' ich's nicht gebrochen
es wär' ja morgen tot,
und habe nur gesprochen:
Ade, schön Blümlein rot!

Und Schmetterling' und Bienen,
die Käfer hell und blank,
die sangen mit frohen Mienen
mir einen schönen Dank.

Sonntagsmorgen.

Aus den Tälern hör ich schallen
Glockentöne, Festgesänge,
helle Sonnenblicke fallen
durch die dunkeln Buchengänge,
Himmel ist von Glanz umflossen,
heil'ger Friede rings ergossen.

Durch die Felder still beglücket
ziehen Menschen allerwegen,
frohen Kindern gleich geschmücket
gehn dem Vater sie entgegen,
der auf goldner Saaten wogen
segnend kommt durchs Land gezogen.

Wie die Blumen festlich blühen!
Wie so fromm die Bäume rauschen!
Eine Lerche seh' ich ziehen,
ihren Liedern muß ich lauschen;
alle streben Gott zu dienen,
und ich bete still mit ihnen.

Tanz.

In dem Wald steht ein Haus,
schaut der Hansel heraus,
gehen Kinder vorbei,
sind lustig alle drei.
Juchhei! juchhei!
sind lustig alle drei!

Und da ruft nun der Hans:
»Ihr Kinder, zum Tanz!
Zwar bin ich nicht jung,
aber lustig genung.
Juchhei! juchhei!
aber lustig genung!

Und da kommt er heraus,
und da tanzen sie drauß',
tanzen hin, tanzen her,
die Kreuz und die Quer.
Juchhei! juchhei!
die Kreuz und die Quer!

Und wer spielt dazu auf?
Ei, schau nur hinauf!
Sitzen Vögel im Strauch
und Eichkätzchen auch.
Juchhei! juchhei!
und Eichkätzchen auch.

Die pfeifen und klappern,
die klimpern und plappern,
und die Bienen, die summen,
und die Fliegen, die brummen.
Juchhei! juchhei!
und die Fliegen, die brummen.

Und der Hansel muß singen,
und die Kinder, die springen,
und die Röcke, die fliegen,
's ist ein wahres Vergnügen!
's ist ein wahres Vergnügen!

Das Dorf.

Steht ein Kirchlein im Dorf, geht der weg dran vorbei,
und die Hühner, die machen am Weg ein Geschrei.

Und die Tauben, die flattern da oben am Dach,
und die Enten, die schnattern da unten am Bach.

Auf der Brück' steht ein Junge, der singt, daß es schallt,
kommt ein Wagen gefahren, der Fuhrmann, der knallt.

Und der Wagen voll Heu, der kommt von der Wiese,
und oben darauf sitzt der Hans und die Liese.

Die jodeln und juchzen und lachen alle beid',
und das klingt durch den Abend, es ist eine Freud'!

Und dem König sein Thron, der ist prächtig und weich,
doch im Heu zu sitzen, dem kommt doch nichts gleich!

Und wär' ich der König, gleich wär' ich dabei
und nähme zum Thron mir einen Wagen voll Heu.

Der Hahn.

In der Sonne steht der Hahn,
redet seine Hennen an:
»Seht mich an! Wo ist der Mann,
der mit mir sich messen kann?
Seht dies Auge, groß und mächtig,
meine Federn, golden, prächtig,
meines Kammes Majestät,
diese rote Krone, seht!

Meine Haltung, stolz und schlank,
meines Rufs Trompetenklang
und mein königlicher Gang,
an den Füßen diese Sporen:
alles zeigt euch einen Mann,
der wahrhaftig sagen kann,
daß zum Helden er geboren!«
Also spricht der stolze Hahn,
kräht, so laut er krähen kann.

Plötzlich kommt ein kleiner Mops,
springt und bellt mit lust'gem Hops
nur zum Spaß den Helden an,
und – – o seht, der kühne Mann
läuft, was er nur laufen kann. – –
Ach, du jämmerlicher Hahn!

Gänse.

Nun sagt einmal, ihr Gänschen, mir, ich seh' euch lange zu,
was habt ihr saub're Kleiderchen an und schöne rote Schuh?
Ihr wollt gewiß zum Tanze geh'n;
nicht wahr, ihr tanzet wunderschön?

Das schmeichelte die Gänschen sehr, sie taten gleich manierlich
und fingen drauf zu tanzen an! 's war aber gar nicht zierlich.
Sie wackelten wohl auf und ab
und traten fast den Fuß sich ab.

»Nun aber sagt, ihr Gänschen, mir, ich seh' euch lange an,
was ihr für weiße Hälse habt und rote Schnäbel dran?
Damit singt ihr wohl allzumal
viel schöner als die Nachtigall?«

Da räusperten die Gänschen sich und machten schnell sich niedlich,
und fingen drauf zu singen an, 's klang aber nicht gemütlich.
Sie schnatterten, es war ein Graus,
und schrien sich fast die Kehlen aus.

Wohl manches Kind hat hübsche Schuh und Kleider schön und bunt,
wohl manches einen weißen Hals und einen roten Mund.
Doch ist noch sehr die Frage dann:
Ob's tanzen auch und singen kann!

Was gehn den Spitz die Gänse an?

Es war einmal ein kleiner Spitz,
der glaubt', er wär' zu allem nütz,
und kam ihm etwas in die Quer',
da knurrt und brummt und bellt er sehr.

Nun wackelt einst von ungefähr
Frau Gans mit ihrem Mann daher,
und vor den lieben Eltern wandern
die Kinderchen, eins nach dem andern.

Und wie sie um die Ecke biegen,
da schreien alle vor Vergnügen:
»Seht doch die Pfütze da! – Kommt hin!
Wie herrlich muß sich's schwimmen drin!«

Das sieht Herr Spitz und bellt sie an:
»Weg da! Weg da! Nun seht doch an!
Wie könnt ihr euch nur unterstehn,
ins Wasser so hineinzugehn?
Wenn ich nicht wär' dazugelaufen,
ihr müßtet jämmerlich ersaufen!«

Das macht der alten Gans nicht bange!
Sie zischt ihn an wie eine Schlange.
Da zieht mein Spitz sein Schwänzchen ein
und läßt die Gänse Gänse sein;
doch knurrt er noch im vollen Lauf:
»Nun, wer ersaufen will, ersauf!«

Die Gänschen aber, trotz dem Spitze,
sie schwelgen recht in ihrer Pfütze.
Und immer noch aus weiter Fern'
hört bellen man den weisen Herrn. –

Bell' er, soviel er bellen kann!
Was gehn den Spitz die Gänse an?

Der musikalische Esel.

Em Knabe saß auf grünem Rasen,
schnitzt' eine Flöte sich von Rohr,
die hielt er einem Esel vor
und sprach: »Herr Esel, willst du blasen?« –
Der Esel schien dazu nicht faul,
er nahm die Flöte gleich ins Maul;
doch statt zu blasen schöne weisen,
trieb er damit ein ander Spiel. –
Und was denn? – Nun, mit Stumpf und Stiel
tat er das Instrument verspeisen.

Kaninchen.

Kaninchen, Karnickelchen,
was bist du doch so stumm!
Du sprichst nicht, du singst nicht
und läufst so sacht herum.

Kaninchen, Karnickelchen!
Hast Augen groß und blank;
auch fehlt es dir an Ohren nicht,
die sind gehörig lang.

Kaninchen, Karnickelchen!
Kannst essen, trinken, schlafen;
doch mit dem Lernen, merk' ich schon,
machst du dir nichts zu schaffen.

Kaninchen, Karnickelchen!
Ich wette was darum:
Trotz großem Aug' und großem Ohr,
du bist ein bissel dumm!

Die Bremse.

Das Fenster ist zu, der Zeisig singt:
»Summ!«
Die Bremse durch die Stube sich schwingt:
»Wumm!«
Bald brummt sie laut, bald summt sie still,
hat alles vollauf, was sie nur will:
Braten und Wein und Zucker drein,
da kann eine Bremse schon lustig sein.

Die Bremse schaut zum Fenster hinaus:
»Summ!«
Da draußen sieht es anders aus:
»Wumm!«
Sie brummt für sich: »Jetzt seh' ich's klar,
wie garstig es hier drinnen war.
Ich will hinaus! Ich muß hinaus!
Ich halt's, ich halt's in der Stube nicht aus!«

Der Zeisig hört, was die Bremse spricht –
»Summ!« –
Und ruft: »Bleib hier; fort kannst du nicht!«
»Wumm!« –
»Du glaubst, von Luft die Scheiben sei'n;
die sind von Glas und hart wie Stein.
Frau Bremse, sacht! Bald kommt die Magd;
dann werden die Fenster aufgemacht.«

Die Bremse spricht: »Ich warte nicht! –
Summ! –
Und kehr' mich an dein Schwatzen nicht!
Wumm!
Ich will hinaus! Ich muß hinaus!
Ich halt's, ich halt's in der Stube nicht aus!« –
Und dumm genug, mit wildem Flug
sie schießt ans Fenster in einem Zug.

Das gab 'nen Stoß! Der arme Kopf!
»Summ!«
Und noch einmal! – Der arme Kopf!
»Wumm!«
Sie fliegt und fliegt, hört keinen Rat,
mit Summ und Wumm von früh bis spat.
»Ich will hinaus! Ich muß hinaus!«
Sie stieß sich tot; da war es aus.
»Wumm!«

Käferlied.

Es waren einmal drei Käferknaben,
die täten mit Gebrumm, brumm, brumm
in Tau ihr Schnäblein tunken
und wurden so betrunken,
als wär's ein Faß mit Rum.

Da haben sie getroffen an
eine wunderschöne Blum', Blum', Blum'.
Da wollten ganz verstohlen
sie Blumenstaub sich holen
und flogen um sie herum.

Die Blume, die sie kommen sah,
war grade auch nicht dumm, dumm, dumm.
Sie war von schlauem Sinne
und rief die Base Spinne:
»Spinn mir ein Netzlein 'rum.«

Die Base Spinne kroch heran
und macht' die Beine krumm, krumm, krumm.
Sie spann ein Netz so feine
und setzte sich dareine
und saß da mäuschenstumm.

Und als die Käfer kamen an
mit heimlichem Gesumm, summ, summ,
sind sie hineingeflogen
und wurden ausgesogen,
half ihnen kein Gebrumm.

Das Blümlein aber lachend sprach
und kümmert' sich nicht drum, drum, drum:
»So geht's, ihr armen Dinger!
Ihr machtet lange Finger
und fingt euch selbst; wie dumm!«

Das Bienenhaus.

Im Garten ist es schwül und still,
die Sonne brennt, 's ist Mittagszeit;
kein Blättchen da sich regen will,
kein Mensch zu sehen weit und breit.

Wo sind sie denn nur alle hin?
I nun, da hat es keine Not,
die Leute in den Häusern drin,
sie ruhen aus beim Mittagsbrot.

Und auch die Schwalbe unterm Dach,
im Stall die Ruh, im Feld das Schaf,
die Tauben auf dem Taubenschlag,
hält alles seinen Mittagsschlaf.

Wie still ringsum: – Nein! Horch doch hin!
Dort um den Gartenzaun herum
beim Hopfen, wo die Malven blühn,
was ist das für ein leis' Gesumm?

Ja so! Da steht ein Bienenhaus,
ei freilich, da geht's fleißig her! –
Ihr Bienlein, ruht ihr denn nicht aus?
Die Sonne sticht doch gar zu sehr!

Nu! Nehmt mir's nur nicht gleich so krumm,
ich fragte nur gelegentlich.
Macht doch nicht gleich ein solch Gebrumm!
Ich seh', ihr habt nicht Zeit für mich. – –

Und immerfort hinein hinaus!
Die sammeln Blumenstaub sich ein,
die andern machen Honig draus,
die richten sich ihr Zellchen ein.

So geht es bis zum Abendbrot,
sie wissen nichts von Mittagsruh'.
Ihr fleißigen Tierchen, grüß euch Gott,
wie seh' ich euch so gerne zu!

Ja, tat ein jeder, wie ihr tut,
was wär' das eine Freude doch!
Nu, macht nur euren Honig gut,
es gibt auch fleiß'ge Kinder noch!

Sommerabend.

Das ist ein Sommerabend! Rings der Himmel
so hell und rein, kein Wölkchen nah und fern!
Der Halbmond steigt herauf wie eine Sichel
aus lichtem Silber. In den jungen Buchen
regt sich kein Lüftchen. Einzig nur die Vögel,
die flattern noch vor Schlafengehen auf
und schmettern noch zu guter Letzt einmal
ihr Lied zum Himmel. – Horch! Das Abendläuten
schallt aus den Dörfern her, den See herüber
so hell und klar; das deutet gutes Wetter
auf morgen! – – Nebel steigen aus dem See,
jetzt schweigen auch die Vögel, nur ganz weit
singt einer noch sein leises Abendlied.
Das Läuten ist verstummt, der Abendglanz
erblaßt, die Dämm'rung steigt herauf.
Wie fährt sicher da so schön im leichten Nachen
auf glatten Wellen! Nur das Ruder plätschert
in gleichem Takt; wie klingt der Kinder Lied
weit übers Wasser hin und schallt so rein,
als stiegen all die Töne grades Weges
zum Himmel auf! Das ist ein Sommerabend!

Abends im Walde.

Da unten am Bach im Waldesgrund,
da ging ich gestern zur Abendstunde
Erdbeeren zu suchen ganz allein,
die Sonne schien so warm hinein.
Da standen Blumen die Hüll' und Füll',
und Schmetterlinge flogen und sogen.
Da war ringsum der Wald so still,
und Rehe kamen angezogen
und tranken dort, und die Wellen im Bach,
die liefen so lustig einander nach
und blitzten recht in den Abendstrahlen.
Das war so prächtig, so wunderschön,
ich könnt' mich gar nicht satt dran sehn:
Ach, wär' ich ein Maler, das möcht' ich malen!

Wiegenlied.

Vom Berg hinabgestiegen
ist nun des Tages Rest;
mein Kind liegt in der Wiegen,
die Vöglein all' im Nest;
nur ein ganz klein Singvögelein
ruft weit daher im Dämmerschein:
»Gut' Nacht! Gut' Nacht!
Lieb' Kindlein, gute Nacht!«

Das Spielzeug ruht im Schreine,
die Kleider auf der Bank,
ein Mäuschen ganz alleine,
es raschelt noch im Schrank,
und draußen steht der Abendstern
und winkt dem Kind aus weiter Fern':
»Gut' Nacht! Gut' Nacht!
Lieb' Kindlein, gute Nacht!«

Die Wiege geht im Gleise,
die Uhr pickt hin und her,
die Fliegen nur ganz leise,
sie summen noch daher.
Ihr Fliegen, laßt mein Kind in Ruh'!
was summt ihr ihm so heimlich zu?
»Gut' Nacht! Gut' Nacht!
Lieb' Kindlein, gute Nacht!«

Der Vogel und die Sterne,
die Fliegen rings umher,
sie haben mein Kind schon gerne,
die Engel noch viel mehr.
Sie decken's mit den Flügeln zu
und singen leise: »Schlaf' in Ruh'!
Gut' Nacht! Gut' Nacht!
Lieb' Kindlein gute Nacht!«

Großes Geheimnis.

Es sitzt ein Knab' am Bach
und sieht den Wellen nach.
Sie sprudeln und sie rauschen;
er denkt: »Ich muß doch lauschen,
was all die Wellen plaudern.«
Und 's Knäblein ohne Zaudern,
es bückt sich zu dem Quellchen;
da kommt ganz flink ein Wellchen
gesprudelt und gerauscht, –
was hat es da gelauscht!

Doch kann es nichts verstehen,
und eh' es sich's versehen,
bückt es sich tiefer hin –
und liegt im Wasser drin.
Zum Glücke war der Bach
ganz hell und klar und flach;
schnell sprang der Knab' heraus
und sah ganz lustig aus.

Und als ich ihn gefragt,
was ihm der Bach gesagt,
sprach er nach kurzem Zaudern:
»Ihr dürft es keinem plaudern!
Ein groß' Geheimnis ist,
was er mir sagte, wißt!
Er sagte: – Wißt ihr was? –
Das Wasser, das macht naß!«

Fuhrmann und Fährmann.

Was tut der Fuhrmann?
Der Fuhrmann spannt den Wagen an,
die Pferde ziehn, der Fuhrmann knallt,
daß laut es durch die Straßen schallt.
He, holla, he!

Was tut der Fährmann?
Der Fährmann legt am Ufer an
und ruft: »Ich lieg' nicht lange still,
drum komme, wer hinüber will!«
He, holla, he!

Da kam der Fuhrmann
mit seinem großen Wagen an,
der war mit Kisten vollgespickt,
daß unser Fährmann drob erschrickt.
He, holla, he!

»Ei,« sprach der Fährmann,
»dich fahr' ich nicht, Gevattersmann,
du zahlst mir denn aus jeder Kist'
ein Stück von dem, was drinnen ist.«
He, holla, he!

»Gut,« sprach der Fuhrmann.
Und als sie drüben kommen an,
die Kisten öffnen sie geschwind. –
was war darin? Nur leerer Wind.
He, holla, he!

Schalt nicht der Fährmann?
Bewahr'! Er lacht' und sagte dann:
»Aus jeder Kist' ein Stücklein Wind,
ei nun, da fährt mein Schiff geschwind!«
He, holla, he!

Die Burg.

Seh' ich Trümmer ragen
hoch am Felsenrand,
träum' ich von den Tagen,
wo die Burg hier stand.

Wo die Türme stiegen
in die Luft so schlank,
wo auf hohen Stiegen
klirrt' der Waffen Klang.

Wo die Hörner schallten
zu der lust'gen Jagd,
wo die Fahnen wallten
zu der wilden Schlacht!

Männer sah man streiten
hier mit Heldenmut,
wilde, rauhe Zeiten
tobten hier in Wut.

Mag der Wind verwehen,
was die Zeit entrafft!
Eines soll bestehen:
Deutsche Heldenkraft!

Soldatenspiel.

Hurra! Es geht ins Feld hinaus!
Voran im Trab die Kavallerie,
im Sturmschritt dann die Infant'rie.
Ihr Feinde lauft, sonst habt ihr Not,
sonst schießen wir euch mausetot,
das knallt, es ist ein Graus!

Nun heißt es Schritt, nun geht's im Takt.
Schon bläst die Regimentsmusik
das lustige Soldatenstück.
Ein Trichter ist die Haupttrompet',
der eine singt, der andre kräht,
die Trommel schlägt den Takt.

Der General zeigt uns den Weg,
sein Hut sieht schon so prächtig aus:
von Goldpapier mit grünem Strauß.
Sein Orden glänzt in weiter Fern':
Von Messing ein Gardinenstern,
sein Säbel ist von Blech.

Seht nur die Offiziere dort!
Das sind gewaltig tapfre Leut',
ihr Schreien hört man meilenweit:
»Habt Achtung! Schultert! Linksum kehrt!«
Und wehe dem, der sie nicht hört,
sie sind bald hier, bald dort!

Hurra! Nun geht's Manöver an!
Die Steckenpferd', in Saus und Braus,
wie ziehn sie mit den Reitern aus!
Und wer sein Pferd verlor im Zug,
der ist sich selbst noch Pferd genug
und wiehert, was er kann!

Schaut nur des Fußvolks lange Reih':
's sind lauter schmucke Grenadier'
mit weißen Hüten von Papier,
den Schnurrbart schwarz mit Kork gemalt.
Da heißt es: »Augen links!« und »Halt!«
Der Feldherr sprengt vorbei.

Hurra! So ziehn wir in den Krieg,
und treffen keinen Feind wir an,
so greifen wir uns selber an
und werfen uns ins hohe Gras.
Juchhe! Das ist der schönste Spaß,
und alles fei'rt den Sieg!

Der Herbst.

Hallo! Die Türen aufgetan!
Hör zu, wer hören will.
Ich bin der Herbst, ein lustiger Mann,
ich steh' nicht lange still!

Heut fahr' ich Gerst' und Hafer ein
und frag' den Erntekranz,
und abends dann beim kühlen Wein
mach' ich Musik zum Tanz.

Und morgen auf die Bäum' hinauf! –
Kopf weg und aufgepaßt!
Hei! Wie das rot und gelb zuhauf
herunterschlägt vom Ast! – –

Ein andermal dann in den Wald,
da blas' ich auf zur Pirsch.
Der Jäger kommt, die Büchse knallt,
hussa, sie traf den Hirsch!

Hussa! Wie das im Walde klingt,
im grünen, stillen Raum,
wo sich die Eichkatz munter schwingt
im Nu von Baum zu Baum!

Ich bin der Herbst, ihr kennet mich
ich steh' nicht gerne still.
Hallo, hallo! Drum tummle sich,
wer fröhlich werden will!

Herbst.

Da steigt der Herbst frisch von den Bergen nieder.
Und wie er wandert durch den grünen Wald,
gefällt's ihm nicht, daß überall das Laub
dieselbe Farbe hat; er sagt: »Viel hübscher
ist's rot und gelb; das sieht sich lustig an.«
So spricht er, und gleich färbt der Wald sich bunt.

Und wie der Herbst drauf durch den Garten geht
und durch den Weinberg, spricht er: »Was ist das?
Der Sommer tat so groß mit seiner Hitze,
und Wein und Obst hat er nicht reif gemacht?
Schon gut, so zeig' ich, daß ich's auch versteh'!«
Und kaum gesagt, so haucht er Wein und Obst
mit seinem Atem an, und, siehe da –
die Äpfel und die Pflaumen und die Trauben,
zusehends reifen sie voll Duft und Saft. –

Drauf kommt der Herbst zur Stadt und sieht die Knaben
in ihrer Schule sitzen voller Fleiß.
Da ruft er ihnen zu: »Grüß Gott, ihr Buben!
Heut' ist Sankt Michaelistag; da gibt
es lange Ferien. Kommt zu mir aufs Land!
Ich hab' dem Wald sein Laub schön bunt geblasen;
ich hab' dem Apfel rot gefärbt die Backen;
ich will euch klar und blank die Augen wehen,
und eure Backen will ich tüchtig bräunen,
wie sich's für Jungen schickt. Versteht ihr mich?«

So spricht der Herbst, und jubelnd ziehn die Knaben
auf seinen Ruf durch Berg und Wald und Feld
und kehren heim mit neuer Lust zur Arbeit.

Vom schlafenden Apfel.

Im Baum, im grünen Bettchen,
hoch oben sich ein Apfel wiegt,
der hat so rote Bäckchen;
man sieht's, daß er im Schlafe liegt.

Ein Kind steht unterm Baume,
das schaut und schaut und ruft hinauf:
»Ach, Apfel, komm herunter!
Hör' endlich doch mit Schlafen auf!«

Es hat ihn so gebeten;
glaubt ihr, er wäre aufgewacht?
Er rührt sich nicht im Bette,
sieht aus, als ob im Schlaf er lacht.

Da kommt die liebe Sonne
am Himmel hoch daherspaziert.
»Ach, Sonne, liebe Sonne,
mach' du, daß sich der Apfel rührt!«

Die Sonne spricht: »Warum nicht?«
Und wirft ihm Strahlen ins Gesicht,
küßt ihn dazu so freundlich;
der Apfel aber rührt sich nicht.

Nun schau! da kommt ein Vogel
und setzt sich auf den Baum hinauf.
»Ei, Vogel, du mußt singen;
gewiß, gewiß, das weckt ihn auf!«

Der Vogel wetzt den Schnabel
und singt ein Lied, so wundernett,
und singt aus voller Kehle; –
der Apfel rührt sich nicht im Bett. – –

Und wer kam nun gegangen? –
Es war der Wind, den kenn' ich schon;
der küßt nicht, und der singt nicht,
der pfeift aus einem andern Ton.

Er stemmt in beide Seiten
die Arme, bläst die Backen auf
und bläst und bläst, und richtig –
der Apfel wacht erschrocken auf

Und springt vom Baum herunter
grad' in die Schürze von dem Kind.
Das hebt ihn auf und freut sich
und ruft: »Ich danke schön, Herr Wind!«

Der Apfelbaum im September.

Der Apfelbaum, das ist ein Mann!
Kein andrer gibt so gern wie der.
Im Winter, wenn man schüttelt dran,
da gibt er Schnee die Fülle her.
Im Frühling wirft er Blüten nieder,
im Sommer herbergt er die Finken,
jetzt streckt er seine Zweige nieder,
die voller Frucht zur Erde sinken.
Drum kommt und schüttelt, was ihr könnt,
ich weiß gewiß, daß er's euch gönnt.

Wiegenlied im Winter.

Schlaf ein, mein süßes Kind,
da draußen singt der Wind.
Er singt die ganze Welt zur Ruh',
deckt sie mit weißen Betten zu.
Und bläst er ihr auch ins Gesicht,
sie rührt sich nicht und regt sich nicht,
tut auch kein Händchen strecken
aus ihren weichen Decken.

Schlaf ein, mein süßes Kind,
da draußen geht der Wind,
pocht an die Fenster und schaut hinein;
und hört er wo ein Kind noch schrein,
da schilt und brummt und summt er sehr,
holt gleich sein Bett voll Schnee daher
und deckt es auf die Wiegen,
wenn 's Kind nicht still will liegen.

Schlaf' ein, mein süßes Kind,
da draußen weht der Wind.
Er rüttelt an dem Tannenbaum,
da fliegt heraus ein schöner Traum,
der fliegt durch Schnee, durch Nacht und Wind
geschwind, geschwind zum lieben Kind
und singt von lustigen Dingen,
die 's Christkind ihm wird bringen.

Schlaf' ein, mein süßes Kind,
da draußen bläst der Wind.
Doch ruft die Sonne: »Grüß euch Gott!«
bläst er dem Kind die Backen rot;
und sagt der Frühling: »Guten Tag!«
bläst er die ganze Erde wach;
und was fein still gelegen,
das freut sich allerwegen.

Drum schlaf', mein süßes Kind,
bläst draußen auch der Wind!

Der Weihnachtsaufzug.

Bald kommt die liebe Weihnachtszeit,
worauf die ganze Welt sich freut:
das Land, soweit man sehen kann,
sein Winterkleid hat angetan.
Schlaf überall; es hat die Nacht
die laute Welt zur Ruh' gebracht, –
kein Sternenlicht, kein grünes Reis,
der Himmel schwarz, die Erde weiß.

Da blinkt von fern ein heller Schein. –
Was mag das für ein Schimmer sein?
Weit übers Feld zieht es daher,
als ob's ein Kranz von Lichtern wär',
und näher rückt es hin zur Stadt,
obgleich verschneit ist jeder Pfad.

Ei, seht, ei, seht! Es kommt heran!
O, schauet doch den Aufzug an!
Zu Roß ein wunderlicher Mann
mit langem Bart und spitzem Hute,
in seinen Händen Sack und Rute.
Sein Gaul hat gar ein bunt Geschirr,
von Schellen dran ein blank Gewirr;
am Kopf des Gauls, statt Federzier,
ein Tannenbaum voll Lichter hier;
der Schnee erglänzt in ihrem Schein,
als wär's ein Meer voll Edelstein! –

Wer aber hält den Tannenzweig?
Ein Knabe, schön und wonnereich;
's ist nicht ein Kind von unsrer Art,
hat Flügel an dem Rücken zart. –
Das kann fürwahr nichts andres sein,
als wie vom Himmel ein Engelein!
Nun sagt mir, Kinder, was bedeutet
ein solcher Zug in solcher Zeit? – –

Was das bedeutet? Ei, seht doch an,
da frag' ich grad' beim Rechten an!
Ihr schelmischen Gesichterchen,
ich merk's, ihr kennt die Lichterchen,
kennt schon den Mann mit spitzem Hute,
kennt auch den Baum, den Sack, die Rute.

Der alte, bärt'ge Ruprecht hier,
er pocht' schon oft an eure Tür,
droht' mit der Rute bösen Buben,
warf Nüss' und Äpfel in die Stuben
für Kinder, die da gut gesinnt. – –
Doch kennt ihr auch das Himmelskind?
Oft bracht' es ohne euer Wissen,
wenn ihr noch schlieft in weichen Kissen,
den Weihnachtsbaum zu euch ins Haus,
putzt' wunderherrlich ihn heraus;
Geschenke hing es bunt daran
und steckt' die vielen Lichter an;
flog himmelwärts und schaute wieder
von dort auf euren Jubel nieder.

O Weihnachtszeit, du schöne Zeit,
so überreich an Lust und Freud'!
Hör' doch der Kinder Wünsche an
und komme bald, recht bald heran,
und schick' uns doch, wir bitten sehr,
mit vollem Sack den Ruprecht her!
Wir fürchten seine Rute nicht,
wir taten allzeit unsre Pflicht.
Drum schick' uns auch den Engel gleich
mit seinem Baum, an Gaben reich!
O Weihnachtszeit, du schöne Zeit,
worauf die ganze Welt sich freut!

Christkind.

Die Nacht vor dem heiligen Abend,
da liegen die Kinder im Traum;
sie träumen von schönen Sachen
und von dem Weihnachtsbaum.

Und während sie schlafen und träumen,
wird es am Himmel klar,
und durch den Himmel fliegen
drei Engel wunderbar.

Sie tragen ein holdes Kindlein,
das ist der heilige Christ;
es ist so fromm und freundlich,
wie keins auf Erden ist.

Und wie es durch den Himmel
still über die Häuser fliegt,
schaut es in jedes Bettchen,
wo nur ein Kindlein liegt,

Und freut sich über alle,
die fromm und freundlich sind;
denn solche liebt von Herzen
das liebe Himmelskind.

Wird sie auch reich bedenken
mit Lust aufs allerbest'
und wird sie schön beschenken
zum morgenden Weihnachtsfest. –

Heut' schlafen noch die Kinder
und seh'n es nur im Traum;
doch morgen tanzen und springen
sie um den Weihnachtsbaum.

Deutscher Rat.

Vor allem eins, mein Kind: Sei treu und wahr,
laß nie die Lüge deinen Mund entweihen!
Von alters her im deutschen Volke war
der höchste Ruhm, getreu und wahr zu sein.

Du bist ein deutsches Kind, so denke dran.
Noch bist du jung, noch ist es nicht so schwer,
aus einem Knaben aber wird ein Mann,
das Bäumchen biegt sich, doch der Baum nicht mehr.

Sprich ja und nein, und dreh' und deutle nicht;
was du berichtest, sage kurz und schlicht,
was du gelobest, sei die höchste Pflicht,
dein Wort sei heilig, drum verschwend' es nicht!

Leicht schleicht die Lüge sich ans Herz heran,
zuerst ein Zwerg, ein Riese hintennach,
doch dein Gewissen zeigt den Feind dir an,
und eine Stimme ruft in dir: »Sei wach!«

Dann wach' und kämpf', es ist ein Feind bereit:
Die Lüg' in dir, sie drohet dir Gefahr.
Kind! Deutsche kämpften tapfer allezeit,
du deutsches Kind, sei tapfer, treu und wahr!

 


 << zurück