Friedrich Wilhelm Nietzsche
Fragmente Juli 1882 bis Herbst 1885, Band 4
Friedrich Wilhelm Nietzsche

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[Herbst 1883]

[Dokument: Mappe mit losen Blättern]

21 [1]

(Zu 3.)

21 [2]

Plan zu Zarathustra 3.

Die Einsamkeit in Scham und Schweigen vor dem größten Gedanken. Den Thieren ausweichend

<Die Einsamkeit> eines einzigen Willens, der vor Jedermann sich verbirgt, der aber Jedermann erhebt

Die Einsamkeit ohne Freunde, ja mit dem Gefühle, sie geopfert zu haben.

Die Einsamkeit, der alle Trost gründe abhanden gekommen sind, Hohnlied auf allen bisherigen Pessimismus (weit über alle bisherigen Denkweisen hinaus).

Die Einsamkeit und die Versuchungen. Hohnlied auf die bisherigen Fluchtversuche der Religion

Die Einsamkeit der höchsten Verantwortlichkeit. Hohnlied auf Socialisten und Jesuiten und Epicureer.

Die Einsamkeit jenseits der Moral, in den ewigen Perspektiven. Überwindung der großen Natur durch den Menschen. Lied des Fliegenden.

Die Einsamkeit des Kranken. Trostlied. Müde- und Stillwerden. Geheiligt durch Leiden. Der Wille zum Leiden und zur Vertiefung des Leidens.

"Ich will!" Hymnus des Genesenden und Siegreichen. Der lachende Löwe und der Taubenschwarm. (Ein Versuch – mehr nicht! Er selber und sein Gedanke) Die 4 Thiere (Stolz mit Klugheit – Macht mit Milde) kommen – sie nähern sich einander

21 [3]

Plan zu Zarathustra 4.

  1. Die Einladung.
  2. Der Siegeszug. Die Peststadt. Der Scheiterhaufen (die alte Cultur verbrannt).
  3. Das Frühlingsfest mit Chören.
  4. Rechenschaft vor Zarathustra: "was thatet ihr?" (erfandet ihr?)
  5. Art der Gemeinschaft (wie in Corsica).
  6. Wohn-Orte.
  7. Kriege und Ringkämpfe.
  8. der neue Adel.
  9. die Versuche (mit den Bösen, "Strafen" usw.)
  10. das Weib im Weibe erlösen
  11. die Sklaven (Bienenstöcke) Ruhe ertragen lernen. Mehr Maschinen. Umgestaltung der Maschine in's Schöne
  12. die Zeit zur Einsamkeit. Eintheilung des Tages.
  13. die lange Jugend und die Verwandlungen.
  14. Darauf die großen Reden Zarathustra's, gleich Gebeten.
  15. einige absonderliche Heilige kommen auch als Jünger; auch ein Narr (Epicur?)
  16. Die Heiligung des Lachens. Zukunft des Tanzes. Sieg über den Geist der Schwere.
  17. Die Unschuld des Werdens.
  18. Die Weihung des Kleinsten.
  19. Das Zerbrechen der Tafeln. Lob der kühlen Vernunft!
  20. Die Erlösung der Bösen und von den moralischen Richtern!
  21. Das Heraufbeschwören des Feindes.
  22. Die neuen Könige – als Vorbild-Lehrer.
  23. 2 Das ewige "Ich" und seine Heiligung. Determinismus und seine Lösung. Es giebt keine Moral und absolute Verantwortlichkeit, wir setzen sie für uns an
  24. Seligsprechung der Triebe
  25. 2 Entscheidender Moment: Zarathustra fragt die ganze Masse am Feste: "wollt ihr das Alles noch einmal?" – alles sagt " Ja!"

Er stirbt vor Glück dabei.

(der Himmel heiter, tief)

(ahnungsvoll, heiter, schauerlich)

(tiefste Stille, die Thiere um Zarathustra, er hat das Haupt verhüllt, die Arme über die Felsplatte gebreitet – scheint zu schlafen)

der heulende Hund etwas Leuchtendes Furchtbares Stilles geht ihnen allen über ihre Gedanken weg

Den Schluß bilden die Reden der Gelobenden an seiner Leiche.

Die Gelobenden.

22. usw. Der große Mittag als Wendepunkt – die zwei Wege. Der Hammer zur Überwältigung des Menschen: höchste Entfaltung des Individuums, so daß es an sich zu Grunde gehen muß (und nicht, wie bisher, an Diätfehlern!) (wie der Tod in die Welt kam!)

Was Glück!

Der Schaffende als der Selbst-Vernichter. Schöpfer aus Güte und Weisheit. Alle bisherige Moral überboten!

Zuletzt die Gelöbnisse – furchtbare Schwüre!

21 [4]

Chor der Gottlosen (Überwindung der Kirchen)

Chor der Redlichen (Überwindung der moralischen Tartüfferie)

Chor der Büßer des Geistes (Überwindung der idealistischen Eitelkeit)

Der Orden vom Harten Herzen (Überwindung des Mitleidens)

Die Schalks-Narren.

1. Neue Rangordnung der Menschen und neue Vertheilung der Rechte .

2. Die Nothwendigkeit der Sklaven.

Besucher bei Zarathustra man ruft ihn um Hülfe

1) allgemeiner Sklaven-Aufstand

2) die Verweichlichung der Herzen, Schwäche

3) die Verdüsterung und die Verrücktheit

das Glück der Gemeinde (aber die Einsamen genießen es!)

das Glück der Wahrhaftigen (gegen all die Mühsal des Versteckspielens).

Die Vorzeichen.

der Brand der großen Stadt.

21 [5]

Endlich als Raum: unendlich als Zeit.

mit der Unzerstörbarkeit ist die Ewigkeit gegeben und die Anfangslosigkeit

mit der Bestimmtheit eine Grenze der Vielheit neuer Formen.

21 [6]

Der Mensch ist das, was überwunden werden muß. Hier halte ich den Hammer, der ihn überwindet! Dieser Gesichtspunkt beseligt Zarathustra am Schluß des III. Theiles

er wird dabei reif.

die bisherigen Ausflüchte und Fluchtversuche vor dem größten Gedanken:

Nirvana, der Gedanke an das Nichts beseligend.

die wunderbare Umschaffung im jenseits und dann ewiges Fortleben (im Christenthum) die Verthierung, als bien public – Consequenz der Eudämonisten Socialisten Jesuiten.

die absolute Skepsis an unserem Geiste und praktisches Sich-gehen-lassen. "Was weiß ich vom Handeln!"

Der Determinismus: ich selber bin das Fatum und bedinge seit Ewigkeiten das Dasein.

Viele Triebe kämpfen in mir um die Oberherrschaft.

darin bin ich ein Abbild alles Lebendigen und kann es mir erklären.

Plötzlich öffnet sich die furchtbare Kammer der Wahrheit. Es giebt eine unbewußte Selbstbehütung, Vorsicht, Verschleierung, Schutz vor der schwersten Erkenntniß: so lebte ich bis jetzt. Ich verschwieg mir Etwas; aber das rastlose Heraussagen und Wegwälzen von Steinen hat meinen Trieb übermächtig gemacht. Nun wälze ich den letzten Stein: die furchtbarste Wahrheit steht vor mir.

I. Beschwörung der Wahrheit aus dem Grabe.

Wir schufen sie, wir weckten sie auf: höchste Äußerung des Muthes und des Machtgefühls.

Hohn über allen bisherigen Pessimismus!

Wir ringen mit ihr – wir entdecken, daß unser einziges Mittel, sie zu ertragen das ist, ein Wesen zu schaffen, das sie erträgt: es sei denn, daß wir uns freiwillig wieder blendeten und blind gegen sie machten. Aber das vermögen wir nicht mehr!

der Schlange den Kopf abbeißen!

Wir schufen den schwersten Gedanken – nun laßt uns das Wesen schaffen, dem er leicht und selig ist!

Um schaffen zu können, müssen wir selber uns größere Freiheit geben als je uns gegeben wurde; dazu Befreiung von der Moral und Erleichterung durch Feste (Ahnungen der Zukunft! "die Zukunft feiern, nicht die Vergangenheit! Den Mythus der Zukunft dichten! In der Hoffnung leben!) Selige Augenblicke! Und dann wieder den Vorhang zuhängen und die Gedanken zu festen, nächsten Zielen wenden!

 


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