Emerenz Meier
Gedichte
Emerenz Meier

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Der Wasservogel

        Des Waldes Rauschen fort und fort
Zu stillen Dörfern drang.
Im Mondenschein von Ort zu Ort
Der Wasservogel sang.

Nicht kam er aus dem stillen Ried,
Nicht flog er Vögeln gleich.
Doch klang der Pfingstnacht hehres Lied
Ihm aus der Kehle weich.

Vielstimmig sang er, laut und leis,
Von Himmel, Gott und Welt,
Des Bauern Lob, des Bauern Preis
Und was dem Weib gefällt.

Er sang von Haus und Welt und Gott,
Er sang von Lieb und Lust,
Der Mädchen Wohl, der Mädchen Spott
Aus frohbewegter Brust.

Da lauschte, was nur Ohr besaß,
Von hohem Schrot und Dach.
Der ält'ste Greis den Schlaf vergaß,
Das jüngste Kind blieb wach.

Und zog er hier und dort davon
Mit hergebrachtem Gruß.
Er ging nicht ohne guten Lohn
Und ohne Wasserguß.

Und als der Morgen stieg herauf,
War aus der Lieder Reim.
Da flog, pfingstfreudenvoll, zuhauf
Der Wasservogel heim.

 


 


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