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Das gab eine Aufregung! An allen Straßenecken standen sie, Männlein und Weiblein. Die Gasthöfe waren überfüllt. Über alle Tische hinweg ging die Unterhaltung und die Wirte machten glänzende Geschäfte. Durst gibt es vom lauten Reden! Werkspionage – Ullmitz war der Inhalt jedweden Gesprächs, das Thema des Tages, die Erregung der Stunden. So mancher Topf Milch brannte an, weil die Nachbarin über die Straße anrief, so manches Mittagessen, Abendessen und Vesperbrot kamen zu spät auf den Tisch des Ehechefs. Aber der merkte es kaum, merkte auch nicht, wenn das Salz in der Suppe fehlte oder der Zucker in der Tasse. Auch ihn bewegte ja nur dies eine. Wirklich, man hätte glauben können, es müsse ein Summen, ein Summen wie von einem Bienenschwarm über der ganzen Stadt liegen. Aber der Himmel ist wohl zu hoch und zu weit und die Menschen, diese wichtigen, nichtigen Menschlein wohl viel zu klein, als daß ihr Reden und Tuscheln dem Brausen des Windes gleichen könnte. Aber unter sich, ja, da war es etwas Großes, etwas ganz Großes, diese Sache mit dem Ullmitz.

Auch die Damen aus dem Nonnenkloster hatten es in ihrer Behausung nicht ausgehalten. Sie saßen fast vollzählig im Hotel in jener Ecke, die schon recht eigentlich ihr Stammtisch geworden war. Um sie herum waren sämtliche Tische besetzt. Man mußte schon laut sprechen, um sich verständlich zu machen, namentlich, wenn es zu den Nachbartischen hinüberging. Es war ja auch fabelhaft interessant.

Überall lag die Zeitung, die »Leichtstädter Nachrichten«. Sie war fast ganz voll von dem Spionagefall. Jede Einzelheit war ausgemalt. Das war einmal etwas für die Herren vom Blättel! Außerdem hatte es der Doktor so gewünscht. Sogar ein Bild des Spions war drin, gar nicht so übel! Wie er nach Deutschland gekommen war, wie er die ersten Erkundigungen bei den Kolumbussen einzog, sich für diesen Zweck einen Feuerlöscher kaufte, dieses überflüssige Möbel dann ins Wasser warf und wie dann der Zufall in Gestalt des kleinen Fräuleins mit der verlorenen Handtasche – »Och, das arme Fräulein!« – auf die erste Spur führte, alles das stand haargenau beschrieben, auch das Auftreten des Spions hier in Leichtstadt. Nur die Rolle des armen Lehmann war etwas verschönt worden, ja, er galt bei vielen als der eigentliche Held des Tages, was er mit Freude und Würde zu tragen wußte. Der schlimme Kater, der sich am Morgen angefunden hatte – ein fürchterliches Biest! – hatte sich irgendwohin verflüchtet. Wenn nur nicht das Schmunzeln des Doktors gewesen wäre! – Äußerst fatal! Eigentlich konnte sich der gute Lehmann ja an gar nichts mehr erinnern. Aber man brauchte ja schließlich nur das zu erzählen, was im Blatte stand. Sogar die Höhe der Zeche stand darin. Lehmann galt hinfort als trinkfester Barde, als alter Germane, der auf beiden Seiten des Rheines in den Rebenbergen saß.

»Prost, Herr Lehmann!« – »Prost!«

Es war klar, daß das heute abend nicht gut gehen würde. Es ist nun einmal das Schicksal der Helden, daß ihnen immer neue Kämpfe blühen. Lehmann war bereit, sie aufzunehmen.

Linde kam erst später zu dem Ecktisch. Da war noch eine Konferenz mit den Herren der Berliner Motorengesellschaft gewesen. Es klappte jetzt mit dem neuen Motor aus Alumnit. Die Eigenschwingungen hatten Schwierigkeiten bereitet.

Auf Linde hatten sie gewartet. Die weiß doch immer Neuigkeiten. »Ja, Kinder, der Doktor war gar nicht erstaunt, als er die Meldung von dem Ullmitz kriegte. ›Ouvertüre‹ hat er nur gesagt. Aber gefreut hat er sich. Er sagt, das schweißt alle Menschen hier zusammen. Deshalb hat er es ja auch im Blatt so breittreten lassen. ›Und wenn seine Großmutter auf dem rechten Ohr stumm und auf dem linken kurzsichtig ist, alles muß rein‹, hat er telefoniert. Dem Lehmann hat er tausend Mark Belohnung gegeben. Für jeden Spion gibt's die. Und Maßregeln werden jetzt ergriffen, Ihr werdet staunen! Also hört mal: Jeder Einwohner über 18 Jahren erhält einen Ausweis, auf Alumnit gedruckt, damit er nicht gefälscht werden kann. Für die Paßbilder dazu werden Automaten aufgestellt. Die ganze Stadt wird eingezäunt, mit Stacheldraht. An die Zugänge kommen Wachen, bei denen jeder kontrolliert wird. Die Regierung gibt morgen einen Erlaß heraus, daß falsche Eintragungen in den Gasthöfen als Urkundenfälschung bestraft werden. In unserem ganzen Regierungsbezirk wird scharf kontrolliert. Kein Wirt in ganz Deutschland darf Logiergäste ohne Ausweis aufnehmen, wenn er sie nicht genau kennt. Werkspionage wird der militärischen Spionage gleichgestellt. Es gibt also 15 Jahre Zuchthaus. Oh, es soll denen nicht leicht gemacht werden!«

»Hast du die Zeitung schon gelesen, Linde?«

»So ungefähr, ja.«

»Du, am fabelhaftesten ist doch der Aufsatz vom Doktor selbst, der über ›Ehre und Unehre‹.«

Ja, dieser Aufsatz war allen Leichtstädtern tief in die Herzen gedrungen. Es hieß darin zum Beispiel:

»… es gibt Menschen, die sich nicht bestechen lassen, weil ihnen die Summe nicht hoch genug ist, oder weil sie es nicht nötig haben, oder weil sie Angst haben vor anderen und sich selbst, oder auch, weil sie zu bequem sind. Diese Menschen verdienen unsere Achtung nicht. In anderen Umständen würden sie der Versuchung unterliegen. Aber es gibt gottlob auch Menschen, die vielleicht in bitterster Not sich quälen und schinden, denen aber die Makellosigkeit ihrer Ehre tausendmal höher steht, als alle Bestechungsschätze der Welt. ›Was hülfe es, wenn man die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?‹ – Diese Menschen sind es, denen unsere Achtung gebührt.

Man wird nicht ehrlich und gut und groß allein dadurch, daß man Gebete spricht und eine ehrbare Miene zur Schau trägt. Man wird es nur, wenn man innerlich fest und ohne Schwanken nach den göttlichen Ehrgesetzen handelt, auch dann, nein gerade dann, wenn es die Welt nicht sieht.

Es gibt kein höheres Gut als die Ehre, weder draußen in der weiten Welt, noch hier in unserer Stadt. Wolle Gott uns vor der Schande hüten, daß einer unter uns seine Ehre verliert …«

Es ahnte niemand in dem fröhlichen Kreise, daß in diesem gleichen Augenblick sich ein blutendes Haupt über jene Zeilen legte. Der Ingenieur Meix hatte sich erschossen. Es geschah das zehn Minuten bevor die Polizei kam und fünf Minuten ehe der Max den Ingenieur zum Doktor holen sollte. Aber von beidem wußte Meix nichts. Max fand ihn so, an seinem Tische sitzend, auf dem die Zeitung aufgeschlagen war. Er hatte den letzten Absatz aus dem Aufsatz des Doktors angestrichen. Das war ein ganz zitteriger Strich. So hatte er selbst dem Tode nichts verheimlicht. Auch der Brief an Harsen war offen. Es hieß darin: »… Noch ist nichts geschehen. Aber ich habe in Unterhandlungen gestanden und habe mein Wort gegeben. Dann kam die Sache mit Ullmitz und Ihr Aufsatz. So muß denn geschehen, was allein mir noch übrig bleibt. Ich bitte Sie nicht, daß Sie mir verzeihen, auch nicht, daß Sie die Sache verheimlichen. Beides habe ich nicht verdient. Nur um eines flehe ich Sie an: lassen Sie mir trotz allem ein christliches Begräbnis werden.«

Harsen war tief erschüttert, nicht so sehr durch den Tod an sich, als durch die männliche offene Art. Nein, geheimbleiben konnte nichts. Der Max hatte schon geschwätzt, und die Zimmernachbarn des Meix hatten den Brief gelesen. So entwarf er denn selber den Nachruf des Werkes und schrieb darin: »… er hat seine Ehre mit dem Leben erkämpft.«

Daß etwas mit Meix nicht stimmte, hatte Harsen seit einer Stunde gewußt. Meix hatte der Dresdener Bank in Köln den Auftrag auf Anlegung eines Kontos gegeben und zu diesem Zweck zwanzig Mark von der Leichtstädter Sparkasse aus überweisen lassen. Bald darauf erfolgte der Auftrag an die Bank, zehn Mark zur Errichtung eines Kontos der Luxemburger Bank zu überweisen. Dies war nach den Devisenverordnungen nicht so ganz einfach, außerdem schöpften die Herren Verdacht, weil der Auftrag aus Leichtstadt, also aus der Stadt des Alumnits kam. Gerade die geringe Summe gab Rätsel auf. So wurde die Sache vorsichtshalber der Polizei und auch dem Werke mitgeteilt. Das Weitere wissen wir. Harsen wollte Meix unter vier Augen stellen. Der Tod legte seine harte Hand dazwischen, der Erlöser Tod.

Man kann sich denken, wie dieser Fall in der Leichtstädter Öffentlichkeit wirkte. War die Affäre Ullmitz mehr eine Sensation gewesen, eine interessante aber doch fast fröhliche Angelegenheit, so ging dies hier ganz tief ins Herz. Ein Blitz war vom Himmel gefahren, hart und unerbittlich. Ehre und Tod berührten sich. Alles Leichte war verflogen. Die Mienen, die Gedanken, die Herzen wurden ernst. Jetzt erst empfand man die Gefahr in ihrer ganzen Größe. Ja, es ging sie doch alle an, sie hier und das ganze deutsche Volk. Alumnit, das war doch keine Verdienstangelegenheit des Doktors! Wenn er das haben wollte, hätte er ja nur die Lizenzen zu verkaufen brauchen. Nein, Alumnit war eine nationale Angelegenheit, ein Machtinstrument des Vaterlandes.

So schweißte der Tod des Ingenieurs mehr als alles andere die Menschen zusammen, machte sie zu einer einzigen großen, abwehrbereiten Familie. Dieser Geist war ein besserer Schild als alle behördlichen Maßnahmen. Er ließ keinen aus seinen Fängen, ließ einen auf den anderen achten. Es ist nicht leicht, dreißigtausend Menschen für längere Zeit in eine entschlossene lückenlose Front zu schmieden. Es scheint, daß nur der Tod das vermag. So hat denn Meix Segen gestiftet für das Werk.

Es war ein Rätselraten, ob der Doktor, so wie nun einmal die Dinge lagen, zum Begräbnis kommen würde. Die meisten meinten, das könne er doch nicht. Es wäre doch schließlich Spionage gewesen. Als Linde ihn fragte, weil sie sich doch selber danach richten mußte, antwortete er nur: »Selbstverständlich komme ich.« Als das bekannt wurde, kamen sie alle. Es war ein gewaltiger Zug. Das geschah wohl weniger des Meix wegen, als wegen der Empfindung, daß das hier eine Angelegenheit des Werkes, also aller sei. Hinter den Angehörigen ging der Doktor mit den Direktoren. Er überragte wohl das ganze Volk. »Eine königliche Gestalt«, dachte Linde. Der Geistliche sprach von dem verlorenen und wiedergefundenen Sohn. So war man ehrlich bis zum letzten. Harsen hatte es gewollt.

Die fünfzigtausend Mark Anzahlung, die auf der Bank von Luxemburg eingegangen waren, stifteten die Angehörigen für die Heldengräber in Frankreich. Das war der Abschluß.

*

Das Leben läßt die Toten ruhen. Weiter geht es seinen brausenden Gang. Arbeit ist Leben. Aber bisweilen klingen auch andere Saiten an, zeigt das Leben ein anderes Gesicht, mitten in der Arbeit.

So ging es Harsen am Sonnabend danach. In dem großen Berg der Post lag wieder ein Brief mit der Aufschrift »Privat«. Wieder dieselbe Landschrift: Anneliese Traut.

Ärgerlich! – Das war doch abgetan!

Es gibt eben Dinge und Menschen, die sich nicht mit einer Handbewegung abtun lassen. Äußerlich geht es schon eher als innerlich. Wille und Empfindung ist zweierlei.

Harsen öffnete den Brief, als alles andere erledigt und er allein war. Es war die Antwort auf seine Absage zu morgen, eine schmerzliche Antwort. Nun aber müsse er am nächsten Sonntag kommen. Das war der sachliche Inhalt. Aber zwischen den Zeilen und Worten stand noch etwas anderes, stand die Sehnsucht nach ihm, der Schrei des Weibes.

Was schon schlummerte oder gar schwieg, dieser Brief weckte es wieder auf.

Neben dem Schreiben lagen die ersten Manuskriptblätter der Biografie. Harsen versuchte, sie zu lesen. Merkwürdig, das klang alles so schwach, so gewollt, ganz anders als damals der Aufsatz. Ob das daran lag, daß der Brief ihn aufwühlte, ihm das Gesicht der Schreiberin wieder vor die Augen stellte?

Aber schließlich siegte doch das Gefühl des Ärgers. Man mußte fertig werden damit! – Endgültig! – Aber wie? Harsen war nicht der Mensch, der mit Grobheit entgelten kann, was Zuneigung oder gar anderes ist. Dagegen hätte seine Ritterlichkeit sich aufgebäumt. Aber wie denn sonst? Auf diesem Gebiete war er wirklich nicht zuhause!

Mit großen Schritten durchmaß er das Zimmer. – Keine Lösung!

Da trat Linde ein.

Ob er ihr …? – Nein, um Gotteswillen – diesen Brief? – Nein, es geht nicht!

Und er gab ihr doch den Brief.

Er tat es verlegen, fast wie ein großer Schuljunge:

»Ach – liebes Fräulein v. Hefften! – Sie – müssen mir mal einen Rat geben, einen ganz privaten, ja? – Hier, lesen Sie doch mal! Entschuldigen Sie bitte, aber ich weiß nicht, was ich da antworten soll.« Er war froh, wie er das heraus hatte.

Linde las den Brief. Das Blut schoß ihr ins Gesicht. Oh, sie als Frau, sie verstand! Aber gerade als Frau fühlte sie etwas in sich selbst, was Harsen nicht empfand: Feindschaft. Doch was darauf antworten? Es kommt so überraschend!

»Ich werd' einmal nachdenken, Herr Doktor!«

In diesem Augenblick kam der Direktor Schwarz. Linde ging in ihr Zimmer. Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und versuchte, die wirbelnden Gedanken in Ordnung zu bekommen. Zuerst kam wieder die Feindschaft. Weib stand auf gegen Weib. Sie nahm den Bleistift und jagte einige Sätze aufs Papier. Aber nein, das ging nicht. So etwas würde er nie unterschreiben. Dazu ist er zu vornehm in der Gesinnung – – und du, Linde v. Hefften? – – Darfst du so etwas? – – Schäm dich! – – Und sie zerriß das Blatt in lauter kleine Fetzen. Niemand darf das lesen können!

Dann kam abermals die Scham, aber jetzt für den Doktor. Daß so etwas an ihn herangetragen wurde! Gerade an ihn! Und wie er darunter leidet, der arme Kerl! – – Gar nicht zu helfen weiß er sich. – Mich fragt er um Rat. Mich, seine Sekretärin! – – Mich …

Und da kam das große Erschrecken, die Freude! So – – so steht er zu mir, daß er mich raten läßt in den Dingen seines Herzens. So groß ist sein Vertrauen zu mir! – – Linde, was schlägt dein Herz?

Ganz still und mit weiten Augen saß sie da. Der Puls jagte, und die Schläfen hämmerten. Es dauerte geraume Zeit, bis sie ruhiger wurde. Ihm helfen wollte sie, nicht nur in diesem hier, in allen Dingen der Welt. Ja, dankbar wollte sie ihm sein.

Dankbarkeit ist die Brücke der Herzen. – –

Der Brief! – – Richtig! – – Die Antwort!

Sie las die Zeilen noch einmal. Da stand ein häßlicher Satz. Der fing zu bohren an: »Lieber Doktor, Hand aufs Herz! Sind wir uns fremd gewesen an jenem Abend?«

Ja, das bohrte. – – Aber ich will ihm ja helfen, will das abschütteln von ihm. Ich will das so tun, wie es seinem ritterlichen Wesen entspricht. – – Ritterlich – – ja, das ist das richtige Wort! – – Aber ist jener Satz nicht einfach gelogen?

Linde überlegte. Sie hatte ja die andere gesehen. Die und der gutmütige Doktor, wie kann das gewesen sein? Muß in einem so männlichen Manne nicht auch die Natur des Mannes leben und herausbrechen, wenn sie gerufen wird?

Der Satz ist wahr!

Wenn er aber wahr ist, dann wird der Doktor ihn auch nicht bestreiten. Nein, der tut das nicht. Er ist die Wahrheit selbst, auch wenn sie schmerzt. Aber wenn sie diesen Sah als wahr hinstellt und das zum Ausgangspunkt der Antwort nimmt und wenn sie diese dann dem Doktor vorschlägt, sagt sie ihm damit nicht: Ich glaube, daß Sie mit der etwas gehabt haben? Darf sie das? Wird er nicht ärgerlich sein?

Linde grübelte. Solche Dinge sind doppelt schwer, wenn man nicht ganz unbeteiligt ist. Schließlich siegte aber das Gefühl, daß es doch so richtig sei. So nahm sie denn wieder den Bleistift und probierte: »Sehr verehrtes gnädiges Fräulein!« – – Nein, das paßte nicht. Irgendwie war das falsch. Das Gefühl sagt einem das. Schließlich stand die Antwort da:

 

»Sehr geehrtes Fräulein Traut!

Haben Sie vielen Dank für Ihr freundliches Schreiben. Aber gerade wenn das, was Sie vom Nicht-Fremdsein an jenem Abend schreiben, richtig ist, werden Sie es verstehen, daß ich nicht kommen kann. Mein ganzes Denken soll dem Werk gehören. Alle anderen Dinge des Lebens müssen schweigen. Wenn Sie mich heute darin vielleicht noch nicht verstehen, später werden Sie es sicherlich tun.«

 

Dann kamen noch einige Dankesworte für die Manuskriptblätter und die Schlußformel.

Schade, dieses Manuskript, das bleibt. Es wird immer wieder ein Anknüpfungspunkt sein können. Na, kommt Zeit, kommt Rat.

Linde schrieb den Brief gleich fertig auf der Maschine. Das Wort »Entwurf« fehlte also darüber. Ob das ihrem großen Selbständigkeitsgefühl entsprang oder dem Wunsche, ihm Arbeit abzunehmen, oder ob sie damit einen kleinen unscheinbaren Druck ausüben wollte, das hätte Linde wohl selbst nicht sagen können. Vielleicht fühlte sie auch unbewußt eine Gemeinsamkeit ihrer beiden Interessen in dieser Affäre. Genug, sie tat es. – –

Währenddessen hatte auch Harsen mit sich gekämpft. Warum hatte er ihr doch den Brief gegeben? Warum sie um Rat gefragt? Wie stand er sich eigentlich mit dieser Linde Hefften, wenn er so etwas tat? War es nicht so, daß er sich immer wohl fühlte, wenn sie in seiner Nähe war? – – Es ist wohl richtige Kameradschaft zwischen uns beiden! – –

Kameradschaft ist meist eine Zwischenstufe. Kameradschaft ist es, wenn der Adler und sein Weib im Herbst und Winter ihre Kreise ziehen – bis der Frühling kommt. Ja, auch die Natur hat die Kameradschaft in ihren göttlichen Bau gefügt. Aber sie verlangt mehr, wenn die Stunde kommt. Ist nicht auch der Mensch ein Stück Natur? Hört er nicht auf, göttliche Sendung zu sein, wenn er sie verleugnet? Ist es nicht diese Sendung, die die Völker entstehen und deren Verrat sie vergehen läßt?

Aber so weit kam Harsen nicht in seinen Gedanken. Linde trat ein und legte ihm die Antwort vor. Er war ganz überrascht.

»Woher wußten Sie, daß ich so und nicht anders schreiben mußte?«

Er setzte seinen Namen darunter. Eine heiße Freude durchzuckte sie.

Dann stand er auf und reichte ihr zum Dank beide Hände.

Aber in ihren Herzen stand mehr als dieser Dank allein.

*

Das war eine gewaltige Sensation, die Sache mit der Antenne in Zeesen.

Eigentlich paßte sie nicht ganz in Harsens Plan. Er wollte doch das Alumnit zu einer politischen Waffe machen. Dazu war es nicht nötig, einen Antennenturm zu bauen. Aber Herr Degener, der kaufmännische Direktor, witterte darin eine gewaltige Propagandamöglichkeit, und schließlich hatte auch der General v. Hefften zugeredet. Er hatte einen guten Grund dafür, und wenn dieser zutraf, würde die Sache schließlich auch in den großen Plan passen. Harsen, Linde und ihr zu Ostern beförderter Vater trafen sich jetzt häufig in irgendeinem der kleinen Harzbäder. Das war am unauffälligsten. Manchmal war auch der Staatssekretär Wallershausen dabei. Dann gab es oft lange Besprechungen.

Also die Sache mit Zeesen:

Zeesen ist ein kleines Dorf bei Königswusterhausen. Hier stand der Antennenturm des Deutschlandsenders. Ein Gewittersturm hatte das stählerne Bauwerk wie ein Streichholz zusammengeknickt. Es gab ein donnerndes Krachen.

Darauf hatte Harsen telegrafiert: »Alumnitwerke stiften neuen Antennenmast in Höhe der Wellenlänge, wenn Fundamente von Ihnen erstellt werden. Harsen.«

Darauf erfolgte die Antwort: »Stiftung dankend angenommen. Mast in voller Wellenlänge nicht möglich, da diese 1600 Meter.«

Darauf Harsen: »Halte Angebot in voller Höhe aufrecht.«

Da hatten die Herren gemeint, Harsen wäre wohl verrückt. Ein Turm von 1600 Meter Höhe, das ist doch unmöglich. Aber eine Stiftung durch die Lappen gehen lasten wollten sie auch nicht. So setzten sie sich denn auf die Bahn und kamen zu einer mündlichen Rücksprache an.

»Ja«, sagte Harsen, »die Sache klingt phantastisch. Das kommt aber nur daher, daß wir noch alle gewohnt sind, in Stahl zu denken. Ich will Ihnen ja keinen Turm aus Großmut schenken, sondern, um die Öffentlichkeit der Welt zu zwingen, jetzt in Alumnit zu denken. Aus Stahl kann ich so etwas nicht bauen. Es wäre interessant, einmal zu berechnen, ob der Druck einer so hohen Stahlsäule nicht ausreichen würde, sie unten zum Glühen zu bringen. Aber mit dem leichten Alumnit ist das ganz anders. Damit kann ich gut und gerne so hoch bauen, so viel mal höher als der Stoff leichter ist als Stahl.«

»Aber, Herr Doktor, das geht doch in die Wolken!«

»Das wird denen doch wohl nichts schaden!«

»Aber wie wollen Sie denn Arbeiter finden, die in solcher Höhe montieren?«

»Lassen Sie das bitte meine Sache sein. Ich kann Ihnen nur verraten, daß das die allergeringste Sorge ist.«

»Aber der Wind wirft doch so ein Bauwerk einfach um!«

»Wozu habe ich denn die leichten Alumnitdrahtseile? Ich kann den Turm beliebig verspannen. Ich kann auch noch Alumnitfedern in die Seile einfügen, damit der Mast elastisch nachgeben kann und keine plötzlichen Spannungen eintreten.« –

Man kann sich denken, was für Überschriften die Zeitungen daraufhin brachten: »Harsen errichtet das höchste Bauwerk der Welt – 1600 Meter Höhe. – Phantastischer Plan des Erfinders.« Bis in das entfernteste Malaiendorf drang diese Nachricht.

Mit der Herstellung der Einzelteile wurde sofort begonnen.

Das war vor vier Wochen gewesen.

Inzwischen war aber die Sache noch bunter geworden. Der Vertreter der »New York Times« war zu einer Unterredung gekommen. Auf der Besuchskarte stand als Zweck nur das Wort »Interview«. Harsen hatte dahinter geschrieben: »Ja, – zwei Minuten.« Mister Baker erschien.

»Mister Baker, Sie wollen sich den verrückten Mann ansehen, der in die Wolken bauen will?«

»Yes.«

»Und Sie wollen irgend etwas Neues erfahren, etwas möglichst Sensationelles.«

»Yes.«

»Ist es richtig, daß man in Ihrem Lande so gerne wettet?«

»Yes.«

»Nun, in Deutschland wettet man nicht um Geld, sondern, wenn es hoch kommt, um einen Korb Sekt. Wollen wir wetten, daß ich – wenn einigermaßen windstilles Wetter ist – den Turm an einem Tage errichte?«

Baker war baff.

»Gilt die Wette?«

»Yes« – sie reichten sich die Hand.

»Sie werden entschuldigen, Mister Baker, – meine Zeit – …« Harsen sah nach der Uhr.

Außer dem Worte »Yes« hatte der Mann überhaupt nichts sagen können.

Einen Turm von 1600 Meter Höhe, einen Turm, der in und über die Wolken reicht, in einem Tage – das war eine geradezu ungeheuerliche Sensation! Das rührte auch die abgebrühtesten Gemüter auf. Das war ja schlimmer, als wenn einer einen neuen Nordpol entdeckt hätte. – Eine Wette hatte der Mann abgeschlossen. Es gab keinen Menschen in U.S.A., der da nicht auch wettete. Die Wettbüros wurden bestürmt. Der Stand der Wetten war in allen Zeitungen zu lesen. Sie standen meist 1:30 gegen Harsen. Es war ja doch eine Unmöglichkeit! Was für Sekt würde nun dieser Harsen geben? Französischen oder deutschen? Welche Marke? Was gibt es denn in Deutschland für Sekt?

Anzeigen der deutschen Sektfirmen erschienen. Eine nannte ihr Erzeugnis »Alumnit-Sekt«. Der Absatz war reißend. Direktor Degener rieb sich die Lande. Die Sache lief richtig. Sogar auf die Reklame verstand sich dieser Harsen.

Dann gab es wieder eine neue Überraschung: Der Turm bestand aus einzelnen Gliedern, die in Leichtstadt fertig hergestellt wurden. Die unteren waren 20, die mittleren 30, die schlanken oberen 40 Meter lang. Die letzteren auf der Bahn zu transportieren, wäre schwierig gewesen. So nahm man Flugzeuge dazu. Andererseits ist das Landen mit so langen Gegenständen nicht einfach. Man warf sie daher in das Wasser eines Sees ab, aus dem sie dann herausgefischt wurden. Alumnit schwimmt ja. Das gab natürlich eine Sensation für die Blätter. Nur für diejenigen, die nicht mehr »in Eisen dachten«, war das eine Selbstverständlichkeit. Aber wie wenige waren das! – –

Der Tag des Aufbaues war gekommen.

Die Sonne quälte sich in aller Herrgottsfrühe durch den Dunst und Morgennebel in ihr blaues Reich empor. Das weite, flache, mit Heidekraut und Kartoffeläckern bestandene Feld nahm allmählich die Farben des Tages an. Man konnte jetzt den Drahtzaun erkennen, der in weitem Umkreise die Schar der Besucher und Neugierigen abhalten sollte. Es war das ein fetter Auftrag für Hans Felderhoff gewesen. In der Mitte des Platzes war das gewaltige Betonfundament in den Boden gelassen, darin eine große, blendend weiße Porzellanschale. Das war Kugellager und Isolierung zugleich. Und in der Schale lag ja bereits die große Halbkugel aus Alumnit, das Ende des untersten Gitterteils. Die ersten Sonnenstrahlen blitzten in dem glashellen Metall. Ging man den ersten Träger, der da am Boden lag, entlang, so sah man, daß der zweite ja bereits anmontiert war, auch der dritte, vierte usw. Der ganze Turm lag fertig da, in einer flachen Furche, die von den Landmessern festgelegt war. Man mußte über eine Viertelstunde in flottem Tempo laufen, bis man an die schlanke Spitze kam. Sie war nur ein Stab in der Stärke eines Stockes.

Von vielen Stellen des Gittermastes liefen Alumnitdrahtseile über den Boden entlang. Sie führten zu andern Fundamenten. Der Mast war also fertig. Er brauchte nur noch aufgerichtet zu werden, 1600 Meter hoch ins Himmelsblau!

Jetzt tauchte die Schupo auf und verwies die ersten Zuschauer hinter den Drahtzaun. Nur wer hier zu tun hatte, konnte passieren. Dann kamen eine Unmenge, wohl über hundert, große Lastkraftwagen und verteilten sich längs des ganzen Mastes. Sie trugen riesige Stahlflaschen und unter den braunen Plänen wohl noch andere Dinge. Kleine Fähnchen bezeichneten ihre Wege. Allerlei Dinge wurden ausgeladen, die Stahlflaschen in lange Reihen gestellt und mit Schläuchen verbunden. Die ersten Zuschauer, die da fröstelnd am Zaune standen, holten ihre Fernstecher heraus, begierig, was sich da entwickeln würde. Hier und da wurde eine Kaffeebude aufgeschlagen, und die ersten Würstchenverkäufer schrien ihre warme Ware aus. Ein langer, schwarzer Wurm von Menschen kam den Feldweg von Königswusterhausen aus heran. Der erste Extrazug von Berlin war eingetroffen. Von jetzt an wird alle sieben Minuten ein solcher Wurm herankriechen. Stelzbeinige Fotografen gingen über das Feld. Sie hatten die Hosen hochgekrempelt und hoben die Füße hoch. Der Morgentau lag noch in dem Kraut.

Um sechs Uhr konnte man mit dem Glase beobachten, daß längs des Gittermastes riesige gelbe Tücher ausgebreitet lagen.

Um sieben Uhr kamen mehrere Autos, das vorderste wie aus Glas, die Alumnitlimousine Dr. Harsens. Eine Bewegung ging durch die Massen: Harsen ist da! Alle Fernstecher waren am Auge. Es waren jetzt schon mehrere Tausend Menschen. Harsen fuhr den Mast entlang, hier und da haltend und stieg dann am Fundament aus. Hier fand sich bald eine Schar von Arbeitern mit Seilen und anderem ein. Dort hatte auch Direktor Schwartz als technischer Leiter des Ganzen seinen Befehlsstand. Fernsprechleitungen verbanden ihn nach allen Richtungen.

Jetzt konnte man schon sehen, daß die großen gelben Tücher sich nach oben zu wölben begannen.

Um neun Uhr kam ein Autobus an. Er hatte das ganze Nonnenkloster geladen und noch einige Herren vom Werk. Die ganze Kavalkade ging auf Harsen zu und sagte ihm Guten Morgen. Er sah frisch und strahlend aus. Linde war ganz stolz auf ihren Chef. Dann kam von der anderen Seite ein Reichswehrauto: der General v. Hefften mit anderen Offizieren. Auch diese fuhren den Mast entlang, ehe sie den Doktor begrüßten. Linde zog sich mit den anderen Damen und ihrer Freundin Thea zurück. Hier war das Reich der Männer! Ja, Thea v. Kessel, den lustigen kleinen Teekessel, hatte man in das Nonnenkloster mit eingeschmuggelt. Als sie meinte, daß sie doch verheiratet wäre, hatte Inge Herder gesagt:

»Oh, in unserem Kloster ist es so streng, da weiß man gar nicht, was das ist.«

Inzwischen war die Sonne immer höher gestiegen, und die leuchtenden gelben Flecke hatten sich ganz hochgewölbt. Halbkugeln waren es schon. Kaffee und heiße Würstchen waren ausverkauft. Zehntausende waren es schon am Zaun. Aber die Sonne wärmte ja jetzt ganz schön, da konnte man ja Bier trinken. Zigaretten- und Schokoladenjungs hatten auch guten Absatz. Man konnte sich jetzt hinsetzen, was für den Berliner Skatspielen heißt. Der Boden war nun trocken, und die Sache hier würde ja noch lange dauern.

Die gelben Blasen hatte man erkannt: Luftballons! – Bis die voll waren! – »Mensch, mit'n Ballon will er det Ding hochziehn! – Haste Worte?«

»Karl, bei dir hamse woll die Schaltung jeklaut! – Det Ding hochziehn? – Mit die Ballons?«

»Emil, du mit deine kurze Welle bejreifst det woll nich. Wozu sind denn die Dinger sonst?«

»Aber Karl, da wollnse doch die Monteure mit hochschicken!«

»Und denn jleich fuffzehn Stück?«

»Emil – kann sind, du hast heut doch 'nen juten Empfang. Wenn du recht hast, jibste mir 'ne Molle, und wenn ick recht habe, kriege ick eine von dir!«

So ähnlich waren überall die Gespräche, während sich die Ballons immer mehr zu Kugeln rundeten. Auch das Nonnenkloster hatte es sich im Heidekraut bequem gemacht. Thea behauptete, sie habe sich in ein Hummelnest gesetzt. Es war aber offensichtlich alles gut gegangen. »Die Dinger muß man mit heißem Tee ausgießen«, meinte Inge trocken. »Aber wo kriegt man den jetzt her?« fragte Lisbeth, die nicht wußte, was los war. Thea stimmte aber mit ein, als das allgemeine Quieken losging.

Es war Mittag, als die »Blasen« voll waren. Jetzt mußte die Sache bald losgehen. Die Spannung stieg. Aber es dauerte noch eine ganze Weile mit dem Abwiegen. Das war ja alles ganz genau berechnet. Jeder Ballon war mit einem kurzen Seil an einer genau bezeichneten Stelle des Gittermastes befestigt. Ein anderes Seil ging zum Fundament hin, zu einem stärkeren Trupp von Haltemannschaften. Ganz windstill ist es ja nie. Unter Umständen müssen also die Ballons seitlich gezogen werden. Sie sollen ja schließlich genau über dem Fundament stehen. Um das alles anzuordnen, war ein riesiger Lautsprecher auf dem Befehlsstand aufgebaut. Auch die Mannschaften mit den Gitterseilen standen jetzt an ihren Fundamenten, das Seil durch den Ring gezogen. Am Seil war eine Marke. Bis dahin mußte nachher angezogen werden. Die äußersten Seile waren rund 2000 Meter lang.

Nun war es so weit! – Gottlob, es war hier unten windstill. Man hatte ja tagelang darauf gewartet. Nur oben herrschte eine ganz leichte Ostbrise. Aber das war nun einmal nicht zu ändern.

»Achtung!« – Das ist Schwartz seine Stimme. Sie klingt ganz hohl im Lautsprecher.

»Ballast 1!« – Alle Ballons werfen den ersten Sandsack ab.

»Ballons frei!« – Jetzt gehen die gelben Blasen eine Strecke hoch und schweben an ihren Seilen über dem Mast.

»Ballast 2!« – Und nun kommen in genauen Abständen die Befehle. Immer mehr Sandsäcke werden entleert, immer straffer werden die Seile.

Jetzt spielt niemand mehr Skat. Alle stehen sie in atemloser Spannung, wohl dreimalhunderttausend Menschen.

»Ballast 12!«

Jetzt geht ein Zittern durch den liegenden Mast. Er ist im Gleichgewicht. Schwartz sieht es.

»Ballast 13 – 14 – 15!«

Und jetzt geschieht es, das Unerhörte, Niegesehene: eine ungeheuer lange glitzernde Linie erhebt sich vom Boden, mit dem fernen Ende beginnend, hebt sich immer mehr und mehr, steht – endlos fast – schräg am blauen Himmel!

»Ballast 16 – 17!«

Den Atem halten sie alle an, alle. Die Herzen schlagen in wilder Aufregung. Die Angst packt sie. Wenn der Mast nun bricht, wenn ein Seil reißt?

»Ballast 18! – Ballon Dietrich leichtern! – Seil Dietrich schärfer – Ballon Fritz leichtern!« In der Mitte zeigt sich eine leichte Biegung.

Linde ist, als ob ihr Herz vor Aufregung springen muß. Lisbeth, die kleine Lisbeth Peters, heult. Thea hat den Mund offen und weiß es nicht. Was macht der Doktor? Linde sieht …

»Seil Fritz schärfer! – Ballon Gottlieb leichtern!«

… sieht, daß der Doktor …

»Ballast 19!«

… daß der Doktor seine Zigarette zum Munde führt, und daß es eine ganz ruhige Bewegung ist. – Gott sei Dank!

Aber jetzt, jetzt geschieht etwas, was das Blut erstarren läßt. Erst ist es ein Rufen von einer Haltemannschaft. Dann sieht man den einen der gelben Ballons – es ist »Fritz« – pfeilschnell in die Höhe sausen, an den oberen vorbei in den Himmel. Sein Halteseil fällt. Der Ring muß aus dem Ballonkorb gerissen sein. Da, wo der Ballon jetzt fehlt, biegt sich der Mast. Es muß ein furchtbares Unglück werden. Die Menge schreit, schreit wie besessen. Sie sieht schon im Geist, wie alles zusammenkracht.

Aber in diesem Augenblick ist eine andere Stimme am Lautsprecher:

»Seil Fritz nach außen – marsch, marsch!«

Es ist Harsen. Das Seil ist ja mit dem zweiten Ende noch am Mast.

»Alle Ballons Ballast 20! – Seile 7 und 11 anziehen! – Ballons Emil und Gottlieb Ballast 21 – 22 – 23!«

Die Stimme ist heller und klingender, als die von Schwartz. Sie schneidet wie ein Fechthieb gegen das Schicksal. Nein, Harsen beugt sich nicht, wenn so ein Ballon in die Lüfte geht. Die anderen und die Seile müssen das ausgleichen. Aber es ist nicht einfach. Der schräg in den Himmel ragende Mast zittert in richtigen Schlangenlinien. Die plötzliche Druckänderung Pflanzt sich auf die ganze Länge fort.

Wenn die anderen Ballons nur halten? Die Stöße sind so plötzlich! Es ist Harsens größte Sorge. – Wer ist stärker, das Schicksal oder Harsen?

Harsen ist es – gottlob!

Der Mast beruhigt sich. Er steigt. Der Atem kommt den Menschen zurück, und die Erstarrung der Glieder löst sich. Es war doch eiskalt in den Rücken gefahren! Und nun erst Linde und die anderen vom Werk! Kein Tropfen Blut ist mehr im Gesicht.

Schwartz übernimmt wieder das Kommando. Seine Stimme zittert noch etwas. Harsen raucht seine Zigarette weiter – ganz ruhig. Nur seine Augen sind etwas zusammengekniffen, wie bei einem Panther, der auf dem Sprunge liegt.

In der Ferne sieht man den Ballon »Fritz« sich senken. Er hat das Ventil zur Landung gezogen.

Jetzt ist die glitzernde Linie schon ganz steil. Die Mannschaften an den Ballonhalteseilen ziehen in entgegengesetzter Richtung. Die Ballons und mit ihnen der Gitterturm kommen näher heran an die Senkrechte. Der oberste Ballon ist jetzt nur noch ein kleiner gelber Punkt im Blau.

Schwartz kommandiert weiter. Die Biegung hat sich ausgeglichen. Die glitzernde Linie ist fast schnurgerade, wird immer steiler – steiler – jetzt – jetzt – jetzt ist sie senkrecht.

»Seil 19 fest!« schreit irgendwoher das Megaphon. »Seil 6 fest!« – »Seil 21 fest!« Das sind die Verspannungsseile.

Ein leichtes Zittern geht die flimmernde Linie hinauf und herunter. Jetzt stehen die Ballons gerade übereinander, eine senkrechte gelbe Perlenreihe, eigentlich ein schönes Farbenspiel mit dem Himmel!

»Ballon Paul frei!« – Aber der hört nicht mehr. Er ist 1700 Meter hoch. Telefonisch geht der Befehl nach oben. Der kleine gelbe Punkt dort löst sich und schwimmt nach Westen ab. Die Haltemannschaft hat das Seil um die Motortrommel des Ballonwagens gelegt. Das Seil strafft sich, und der gelbe Punkt wird größer.

»Ballon Oskar frei!« – Jetzt kommt das gleiche Spiel. Jedesmal geht ein Zittern durch den Mast. Aber nach dem fünften Ballon sieht man, daß der Mast in sich steht. Ein gewaltiger Beifallstaumel löst die erstarrende Spannung. Alle Seile sind fest. Jetzt werden die Ballons auch von unten her abgebaut. Einer nach dem anderen wird weit fortgefahren. Endlich ist der Mast ganz frei. Hoch oben ist nichts von ihm zu sehen. Wer kann einen Glasstab in 1600, ja nur in 1000 Metern sehen? – Kaum in 200!

Es ist geglückt, gerade noch geglückt! Das höchste Bauwerk der Erde steht! – Es steht, und die ganze Welt weiß es. Die ganze Welt hat am Rundfunk der Reportage gelauscht. Die ganze Welt staunt. And die ganze Welt hat heute kaum ein anderes Gespräch: »– 1600 Meter hoch. – Man kann den oberen Teil gar nicht sehen! – Flugzeuge werden gewarnt! – Dr. Heino Harsen – Direktor Schwartz – Alumnitwerke.«

Linde tritt zum Doktor und will ihn beglückwünschen. Sie gibt ihm die Hand, aber die Worte bleiben in der Kehle stecken. Dann wird sie von ihrem Vater in den Arm genommen. Es ist alles wie ein Traum. Was der Doktor sagte, hat sie nicht verstanden. Dann kommen die anderen. Alle, alle wollen sie gratulieren. So viel Hände hat er ja gar nicht. Er winkt und schüttelt dann Schwartz die Rechte. Dann geht der Doktor an den Mast heran und klemmt die Stromleitung fest. Er sieht noch einmal empor. Ganz oben verschwindet das Glitzern im Himmelblau. Jetzt geht er ins Sendehaus und legt den Schalter um. Es ist 3 Uhr 54. Hundert Kilowatt strömen in den Mast. Dann klingelt der Fernsprecher. Tegel meldet: Trägerwelle gut.

Jetzt geht Harsen ans Mikrophon. Es ist eingeschaltet. Die Welt hört:

»Achtung! – Hier ist der Deutschlandsender. – – Probesendung der neuen Antenne von 1600 Meter Höhe. – – Am Mikrophon Dr. Harsen. – Ich wünsche allen Hörern guten Probeempfang. Wir geben vom Senderaum das Niederländische Dankgebet. – Ich schalte zurück.«

Nach einiger Zeit meldet sich telefonisch Berlin: »Alle deutschen Sender melden von ihren Orten: Empfang des Deutschlandsenders über Erwarten gut! – – Herzlichen Glückwunsch!«

»Ich danke ebenso herzlich!« – Harsen legt den Hörer wieder auf. Dann tritt er an den Lautsprecher. Klar und deutlich schallt seine Stimme über den weiten, weiten Platz: »Ich danke allen, die am Werke mitgeholfen haben. Der höchste Sender der Welt steht. Er hat seinen Betrieb aufgenommen. – Laßt mir den Zaun heil! – – Immer oben drüber weg und nicht drängeln!«

Das gibt einen Sturm! And ein Gelächter! Man darf doch nicht durchkriechen, das wäre ja eine Blamage!

Aber es ist nicht gefährlich. Bei den ersten Spanndrähten stoppt schon die Menge. Man kann ja überall gut sehen. Nur daß so viele sich den Doktor ansehen wollen, gibt arges Gedränge. Aber man kann ihn ja oben auf dem Befehlsstand sehen.

Harsen steht dort mit Linde und ihrem Vater.

»So, Herr Doktor«, sagte General von Hefften, »jetzt wollen wir mal nach Berlin rein und Ihr Werk begießen. – – Mein Gott, wenn Sie da nicht eingegriffen hätten! – – Wenn es Ihnen recht ist, nehme ich mein Töchterchen mit.«

»Ich wäre Ihnen sonst auch ernstlich böse, Herr General!«

Im Vorbeigehen sahen alle drei noch einmal das blinkende Bauwerk in die Höhe. Keiner von ihnen wußte, daß die Antenne in diesem Augenblick eine eigenartige Sendung ausstrahlte. Im Berliner Senderaum stand nämlich Herr Baker und sagte: »Ich habe meine Wette verloren. – Wer stiftet einem armen Journalisten einen Korb Sekt?«

Es gab an tausend Körbe Sekt, für jeden Leichtstädter eine Flasche.

Auch so etwas hat Ben Akiba nicht erlebt.

*

An dem folgenden Sonntag war Harsen nach Berlin statt nach Goslar gefahren. So hatte Linde Zeit, den ganzen Tag in Bad Sachsa zu verbringen, wo der Oberleutnant v. Kessel und Thea ihren Urlaub absaßen, -kletterten und -liefen. Da der Tag heiß und drückend war, blieb man in dem schattigen Park der Pension Heubach sitzen, scherzte mit der kleinen Jutta, der Enkelin der Frau Heubach, und spielte mit den fröhlichen Wirtsleuten einen aufregenden Rommé. So etwas ist eine prächtige Erholung nach der Arbeit einer harten Woche. Erst spät am Abend fuhr Linde wieder nach Leichtstadt zurück. Es war fast Mitternacht, als sie in ihrem Zimmer war. Die anderen schliefen wohl schon den Schlaf der mehr oder minder Gerechten. Im ganzen Nonnenkloster hörte man nicht einen Laut.

Irgendwo mußte ein Gewitter sich zusammenbrauen, jedenfalls war es immer noch heiß und schwül. Mit dem Einschlafen wird es wohl eine dumme Sache werden. So setzte sie sich denn an die Schreibmaschine, um erst einmal einen Brief an ihren Vater zu schreiben. Es wurde ein langer Brief. Der heutige Tag, die Erinnerung an den Antennenbau und an den gemütlichen Abend hinterher und auch das, was der Doktor heute in Berlin vorhatte, gaben ja Stoff genug. Der Zeiger ging schon bedenklich auf ein Uhr zu. Jetzt aber marsch ins Bett!

Ob man die Kleider anhatte oder nicht, es war ganz gleich. Zu heiß war es immer. Am besten, man kühlt sich erst unter der Brause ab. Sie machte Licht in dem kleinen Badezimmer und löschte die Lampe an ihrem Schreibtisch. Das war so die sparsame Gewohnheit, die man von zuhause her mitgebracht hatte. Dann stieg sie in die Badewanne, nahm die Handbrause und ließ das kühlende Wasser über Rücken und Brust herunterrieseln. Ja, das war das richtige. Wie das erfrischte!

Da! – War das nicht eben ein Geräusch?

Sie stellte die Dusche ab und hing sie an. So kann man besser hören.

Da ist es wieder! – – Ein ganz feines Kratzen an der Zimmertür – – am Schloß!

Ein eiskalter Schreck rieselt ihr den Rücken herunter. – – Einbrecher? – – Und sie in diesem Zustand? – – Mein Gott, was tun? – – Schreien? – – Als Soldatentochter? – – Aber was sonst? – –

Die Pistole! – – Richtig! Man braucht nur durch den grünen Friesvorhang zu langen. Die Nachttischlade steht offen. Schon hat sie die kleine leichte Waffe in der Hand.

Jetzt das Licht aus, damit mich keiner sieht!

Herrgott, ich bin ja ganz nackend! – – Das Badehandtuch! – – Aber wo ist das bloß? – – Nochmal Licht machen?

Nein, es geht nicht. Es ist zu spät. Linde hört, wie die Tür sich öffnet, ganz leise, aber sie hat scharfe Ohren. Ganz ruhig jetzt und den Atem anhalten! Er darf mich nicht bemerken.

Er muß Gummisohlen anhaben. Man hört ihn kaum. Ein ganz, ganz leises Schleichen nur. Ein feiner Lichtschimmer, ein Strahl! Aha! Eine Blendlaterne! – Jetzt muß er am Schreibtisch sein. Die Lade geht auf. Er wühlt. Irgend etwas sucht er. – Jetzt der Kleiderschrank. Was will er denn da?

Ob ich den Vorhang zurückschlage und den Kerl über den Haufen schieße? – Nein, das geht nicht! Er selber ist ja im Dunklen. Er blendet mich dann und ich schieße vorbei. – Was man doch zaghaft ist in diesem Zustand! – Hätte ich doch wenigstens das Badelaken! – Nein, nur nicht rühren, ganz still stehen! – Jetzt hat er die Handtasche, das Geld, – na, viel ist es nicht mehr. Jetzt wird er wohl gehen. Dann telefoniere ich hinunter zum Pförtner, damit man ihn faßt.

Nanu? – Er sucht weiter? – Jetzt muß er doch an meinen Kleidern sein. Sie rascheln so. Richtig, da fällt etwas vom Stuhl. – Mein Gott, nun muß er doch wissen, daß ich hier bin! Wenn jetzt … sie faßt die Waffe mit beiden Händen … wenn jetzt der Kerl …, wenn er etwa … in meinem Zustand, jetzt … jetzt!

Eine schwarze Hand reißt oben den Vorhang beiseite – eine Maske – eine Gestalt. Es ist kein Bruchteil einer Sekunde, und Linde hat abgedrückt. Peitschend knallt der Schuß durchs Zimmer. Dann gibt es einen dumpfen schweren Fall, ein Ächzen und Stöhnen darauf.

Sie hat getroffen!

Jetzt reißt sie ihr Badehandtuch von der Rollstange, deckt es über den noch nassen Körper und macht Licht. Die Strahlen fallen an dem halbgeöffneten Vorhang vorbei. Dort liegt eine menschliche Gestalt, versucht sich zu stützen und kann es nicht. Auf dem Flur wird es laut. Frauenstimmen rufen durcheinander. Die Tür wird aufgerissen.

»Licht, bitte!«

Am Schalter steht Inge Herder im Morgenrock, neben ihr Lisbeth Peters im Nachthemd, einen Regenschirm in der Hand. Man greift eben in der Aufregung zu den sonderbarsten Waffen. Aber Mut hat sie doch, die Kleine! – Ein Fragen, Reden, Antworten durcheinander. Im Türrahmen stauen sich jetzt alle. Jede möchte sehen, was los ist, aber jede grault sich auch.

»Inge, telefoniere zur Wache. Sag, ich hätte einen Einbrecher angeschossen. Lisbeth, schmeiß mir doch mal meinen Morgenrock her. Ja, den am Nagel!«

Lisbeth wirft mit der einen Hand den Morgenrock über den Verbrecher herüber, mit der anderen hält sie krampfhaft ihren Regenschirm. Einige laufen wieder in die Stuben, um ihre Kleidung zu vervollständigen, denn jetzt würden wohl Männer erscheinen.

Der erste, der kommt, ist Max. Aber der Junge rechnet ja nicht. Er ist ja sowieso eine treuherzige Ordonnanz hier oben. Dann aber kommt die Polizei und gleich darauf der Kriminalrat Winterfeldt. Der hat hier seit einiger Zeit die gesamte polizeiliche Leitung.

Winterfeldt steht mitten im Zimmer, sagt kein Wort und überfliegt das Ganze mit seinen Augen. Dann geht er zu dem Manne, der da liegt. Gummihandschuhe, Gummisohlen, Maske. Er nimmt die Maske ab. Ein brutales, aber vom Schmerz entstelltes Verbrechergesicht. Aus der rechten Brustseite sickert Blut. Winterfeldt öffnet die Jacke.

»Knebel – Arzt – Brustschuß!«

Knebel telefoniert.

»Schafft den Mann drüben ins Badezimmer!«

Behutsam tragen sie ihn fort.

»Darf ich die Damen bitten, in Ihre Kojen zu gehen?!« Er macht eine galante Verbeugung. – Schade, es ist doch so interessant! –

Als sie beide allein waren, bat der Kriminalrat, Linde möchte ihm alles von Anfang an berichten, »aber bitte mit jeder Einzelheit, Fräulein v. Hefften!«

»Herr Kriminalrat, das – das ist mir so peinlich.«

»Gnädiges Fräulein, bin ich etwas anderes, als ein Arzt, ein Arzt der Allgemeinheit?«

Da erzählte sie. Winterfeldt hörte zu, ohne zu unterbrechen. Dann sagte er: »Gnädiges Fräulein, es möchte wohl niemand in Ihrer Situation gestanden haben. Aber es war trotzdem gut so. Hätten Sie geschlafen, so wären sie wohl jetzt geknebelt und niemand wäre alarmiert worden. Hätten Sie hier im Zimmer geschossen, Sie hätten gefehlt. Man muß schon viel Übung mit den kleinen Dingern haben. Was aber dann? Der Mann hätte das Telefon abgerissen und wäre entwischt. Vor allem aber, wir wüßten nicht, was er hier wollte, und das ist doch schließlich die Hauptsache. – Darf ich mal Ihr Handtäschchen sehen?«

Linde reichte die Tasche. Er öffnete und holte zu ihrem großen Erstaunen das Geld heraus.

»Dacht' ich's mir doch! – Pflegten Sie Akten mit hier herauf zu nehmen?«

»Nein, niemals!«

»Nun, dann wird er wohl einen Schlüssel gesucht haben. Sie sind ja die Sekretärin von Dr. Harsen, da wird es sich wohl um dessen Geheimschrank handeln. Am besten, wir gehen gleich hinunter.«

Es war richtig. Im Zimmer des Doktors stand der offene Koffer, das Sauerstoffgebläse und anderes. Auf dem Tisch lagen die blinkenden Werkzeuge auf schwarzem Samt. Der große Geheimschrank zeigte deutliche Spuren der Schneidflamme.

»Aha! – Erst hat er es mit Dietrichen versucht, dann mit der Flamme. Aber die Mischung aus Alumnit und Asbest hat standgehalten. Darauf hat er versucht, das ganze Möbel auf den Buckel zu nehmen. Aber es ist zu fest in der Wand einbetoniert. Schließlich ist er auf den schlauen Gedanken gekommen, daß Sie vielleicht den Schlüssel hätten. So kamen Sie zu der Ehre seines Besuches.«

»Aber was wollte der Mann denn?«

»Nun, was sie alle wollen: Pläne, Aufzeichnungen, das Geheimnis des Alumnits.«

»Er hätte aber doch mein Geld mitnehmen können.«

»Wenn Sie ihm das sagen, wird er sehr beleidigt sein. Die Leute spezialisieren sich doch. Außerdem: Es ist ihm zu wenig. Ihm winkte mehr. – So, nun wollen wir aber erst das Zimmer fotografieren und uns dann den Mann noch einmal ansehen. Sie werden wohl keinen besonderen Bedarf dazu verspüren. Ich beglückwünsche Sie zu dem Treffen, danke Ihnen, daß Sie den Mann nicht für immer stumm gemacht haben und wünsche Ihnen eine gute Nacht, soweit davon noch was übrig ist.«

»Gute Nacht, Herr Kriminalrat und – was ich noch sagen wollte – es braucht doch nicht jeder zu wissen …«

»Aber, gnädiges Fräulein, bin ich eine Schwatztante?« –

Er hatte schon recht. Von der Nacht blieb nicht viel übrig. Oben im Lesezimmer des Nonnenklosters war das Schwätzen immer noch nicht verstummt, als die goldene Morgensonne neugierig die ganze Schar der Hemdenmatze beleuchtete. Es war ja auch zu interessant und so herrlich gruselig. In solchen erregenden Lagen fällt dann oft manches von einem ab. Der Mensch findet zum Menschen. Linde gab der kleinen Lisbeth einen Kuß. Sie hatte ja vorhin zum ersten Male »du« zu ihr gesagt. – –

Am Morgen war der Doktor wieder da und wollte natürlich wissen, wie alles vor sich gegangen war. Merkwürdig, es fiel Linde gar nicht schwer, ihm alles zu erzählen. Sie wunderte sich selbst darüber. Daß sie rot wurde – na ja – aber er hatte ja auch kein Geheimnis vor ihr, und das Geschehnis, der Einbruch, der Schuß, war wohl stärker als die Scheu.

»Ich bin froh«, sagte Harsen, »daß das alles so gut abgelaufen ist.« Es war Herzlichkeit in seiner Stimme und Druck in seiner Hand.

*

Harsen war also an dem gleichen Sonntag in Berlin bei den Flugzeugwerken gewesen. Herr Adelt war mitgefahren. Adelt, das war der Leiter eines Konstruktionsbüros. Was diese Leute eigentlich konstruierten, wußte niemand so recht.

Auf dem Flugplatz hatten sich noch mehrere Flieger eingefunden, um die neuen Modelle zu sehen. Was da zuerst aus dem Schuppen gerollt wurde, war ein kleiner Sporteinsitzer. Dreierlei war merkwürdig daran. Die Tragdecks waren sehr kurz, ein einziger Mann schob die ganze Maschine, und endlich: sie war durchsichtig wie Glas. Bei den fremden Herren gab es ein maßloses Staunen. Selbst dem Motor konnte man ja in seine Eingeweide sehen.

Werder, der Chefpilot der Werke, kletterte hinein in das Flugzeug. Sein Sitz war ganz überdeckt von dem neuen Metall. Es war also eine Limousine. Jetzt ließ er den Motor anspringen und flog los, ohne daß jemand beim Start zu helfen brauchte. Wiederum staunten die Herren. Die Anlaufstrecke war ja nur wenige Meter lang! Werder stieg hoch, gab jetzt erst Vollgas und sauste wie ein Habicht davon. Wenige Minuten später landete er wieder. Die Landung erregte noch mehr Staunen als der Start. So langsam und leicht hatte bisher noch kein Flugzeug der Erde landen können.

Werder klappte die Tür auf, und die Herren kamen heran.

»Ich bin ganz benommen«, sagte er. »Das Ding fliegt los, ehe man überhaupt daran denkt, und wenn man Gas gibt, jagt es einem davon. Das ist mir ungewohnt. Auf so etwas ist man nicht gefaßt.« Er wischte sich die Stirn.

Der Apparat wurde überprüft. Alles in Ordnung!

Dann gab es den zweiten Probeflug. Die Geschwindigkeit war wieder phantastisch. Man sah, daß Werder sich jetzt an das Neue des Apparats gewöhnte. Wie ein Falke war er anzuschauen, den man nur als Strich erkennen kann, wenn er auf die Beute herabstößt. Werder stellte den Apparat auf die Schwanzspitze und zog senkrecht in den Himmel hinein.

»Donnerwetter!«

Dann wieder diese fabelhafte Landung!

Adelt erklärte: »Ein anderes Flugzeug sackt durch, wenn es keinen Schwung hat. Die Schwere gibt ihm auch den Schwung. Unser Flugzeug kann ganz langsam landen und sackt doch nicht durch, weil es kein Gewicht hat. Nimmt man das Gas weg, so stoppt es sofort. Es ist kein Gewicht da, um den Schwung zu geben. Man kann auf Straßen und Plätzen landen und starten … – Aber jetzt wollen wir einmal die Geschwindigkeit messen!«

Es kam der dritte Probeflug. Die Meßinstrumente zeigten 613 Stundenkilometer.

Jetzt stand das Flugzeug – so klein, daß es in eine große Stube hineingegangen wäre – wieder auf dem Platz. Man hatte es erst kurz vor der Landung wieder gesehen. Wenn es nicht gerade in der Sonne blitzt, sieht man es nicht.

»Mein Gott, so'n Ding untern Füßen und dann im Luftkampf«, meinte einer.

»Man könnte es noch panzern«, der zweite.

»Alumnit ist Panzer«, sagte Harsen. »Hier schlägt keine Kugel durch.« Und er klopfte gegen das Metall.

Da sahen sich die Herren an. Sie begriffen.

»Aber – aber, das ist ja ein richtiger Kampfflieger, ein völlig unangreifbarer!«

»Kein Gedanke, meine Herren«, lachte Harsen. »Es ist ein Sporteinsitzer, nichts weiter, mit schwachem Motor und ohne Maschinengewehre.«

»Die kann man doch einbauen.«

»Das weiß ich nicht. Das geht mich auch nichts an. Ich liefere auch nicht an die Heeresverwaltung, nur an Private, an jeden, der so ein Ding haben will. Es ist ja billig. Ist ja nichts dran. Man kann es mir allerdings nicht verdenken, wenn wir nur an Deutsche im Inlande liefern, die uns die Gewähr geben, nicht ans Ausland zu verkaufen. Das tue ich nur deshalb, weil das Ausland mich mit seiner Werkspionage gereizt hat …«

»Notfalls heben wir also die Pferde aus«, grinste Werder. Adelt lächelte dazu.

Dann kam das zweite Modell, ein großes Verkehrsflugzeug, für fünfzehn Passagiere. Auch hier die gleichen Start- und Landeeigenschaften. Die Geschwindigkeit betrug »nur« 576 Stundenkilometer. Die Brennstoffbehälter reichten normal für eine achtstündige Flugzeit, also über 4000 Kilometer.

» Muß man denn da Passagiere einpacken, Herr Doktor?«, fragte der kleine freche Wohltmann.

»Was denn sonst«, lächelte Harsen zurück. – Man verstand sich. Harsen ergriff aber noch einmal das Wort:

»Meine Herren, damit keine falschen Gedanken unser Hirn durchkreuzen: Dies hier ist ein reines Verkehrsflugzeug. Es wird auf den großen transkontinentalen Strecken eingesetzt werden, zu den Völkern hin, die keinen Mißbrauch damit treiben. Der Verdacht eines Mißbrauchs dürfte bei den Staaten gegeben sein, die auf Aufrüstung beharren.«

»Bravo!« riefen die Herren wie aus einem Munde. Aber die wahre Größe dieses Vorhabens dämmerte erst allmählich in ihnen. So weite Gedanken sind die Menschen nicht gewöhnt.

Es war dies das erste Mal, daß Dr. Heino Harsen sein großes Ziel andeutete.

»Sie brauchen nichts geheim zu halten, meine Herren! Am nächsten Sonntag werden beide Typen der Öffentlichkeit vorgeführt.« – – –

Als Harsen Lindes Bericht über den Einbruch gehört hatte, erzählte er ihr von den Flugzeugen:

»So, Fräulein v. Hefften, jetzt haben wir unsere Bausteine beieinander. Die anderen haben den Kampf schon begonnen. Jetzt werden wir aber auf dem Feld erscheinen.« Dabei haute er mit der flachen Linken auf den Tisch, daß die Blätter flogen.

»Endlich!«

Kampfesfreude loderte aus den Augen.

*

»Na, was gibt's heut Schönes?«

»Kriminalrat Winterfeldt hat angerufen. In Berlin ist ein Japaner gefaßt worden. Er hat Arbeiter von Borsig & Siemens, Gießer und Former, zu werben versucht. Die sollten sich dann bei uns melden.«

»Herrlich! – Also auch die Japaner! – Das paßt gerade in unsren Kram, enthebt uns jeder Rücksicht. – Nehmen Sie bitte einen Zeitungsaufsatz auf. Seien Sie so freundlich und schreiben den dann französisch, aber auf einer anderen Maschine.«

Linde legte den Block zurecht. Der Doktor diktierte, in den Sessel zurückgelehnt, die Augen halb geschlossen:

Ȇberschrift: Japan beherrscht den Pazifik.

Text: – Nach ängstlicher Geheimhaltung wird jetzt doch eine Tatsache bekannt, die von geradezu umstürzender Bedeutung für Ostasien, ja auch für Amerika, Australien und Indien ist. Wie wir aus sicherer Quelle erfahren, besitzt Japan seit kurzem vier U-Boote aus dem neuen deutschen Leichtmetall, dem Alumnit.

Eine Kette von Umständen, deren Romantik kaum zu überbieten sein dürfte, hat uns in die Lage versetzt, nähere Einzelheiten darüber berichten zu können. Es handelt sich um große Boote mit einem Aktionsradius, der ihnen erlaubt, längere Zeit selbst an der amerikanischen, indischen und sogar afrikanischen Küste Kaperfahrten zu unternehmen. Das Alumnit gibt den Booten eine Panzerung, die auch für schwere Granaten ausreicht. Nimmt man die Kleinheit des Zieles hinzu, so ergibt sich praktisch, daß sie unverwundbar sind. Von Flugzeugen abgeworfene Wasserbomben können dem festen Gefüge der U-Boote nichts anhaben. Ihre Geschwindigkeit über Wasser – eine Folge des leichten Metalls und daher geringen Tiefgangs – beträgt über 40 Seemeilen, ist also der aller anderen Kriegsschiffe überlegen. Unter Wasser laufen die Boote immerhin ihre 30 Seemeilen. Interessant ist, daß die größte Schwierigkeit im Tauchen liegt. Sie sind eigentlich zu leicht dazu. Infolgedessen benötigen sie zum Tauchen eigenartige seitliche Flossen, vergleichbar den Tragdecks der Flugzeuge, allerdings in kürzerer Form. Sie segeln also unter die Wasseroberfläche, so seltsam das auch klingen mag. Immerhin wird das selten der Fall sein, da sie ja keinen Angriff zu befürchten haben. Es gibt kein noch so schnelles oder noch so schwer gepanzertes Schiff, welches ihnen widerstehen oder auch nur entfliehen kann. Auch die mächtigste Flotte ist ihnen rettungslos ausgeliefert.

Damit aber sind die Flotten auch der großen seemächtigen Staaten innerhalb der Reichweite der neuen Boote nichts anderes als Alteisen. Sie können verschrottet werden. Japan kann herrschen, wenn es will und wie es will, auch über unseren Erdteil. Wir gehen ernsten Zeiten entgegen und wissen im Augenblick nicht einmal, wie wir uns dagegen schützen sollen. Es ist wie ein Blitz aus heiterem Himmel, um so mehr, als die militärische und damit machtpolitische Bedeutung des Alumnits sich sicherlich nicht auf das Wasser beschränken wird. Alumnit ist Macht geworden.«

»Haben Sie alles?«

»Jawohl, Herr Doktor! – Das wird aber einschlagen wie eine Bombe.«

»Soll es ja, soll es ja! – Durcheinanderwirbeln will ich sie, wie der Wind die Schneeflocken, – bis sie klein sind – verstehen Sie jetzt?«

Es waren ein paar strahlende Augen, in die Linde blickte, und auch in den ihren glühte das Feuer. Der Tanz begann. Alumnit gegen die Erde.

»Was können die anderen Staaten denn dagegen machen, Herr Doktor?«

Harsen war aufgestanden. Sein Gesicht war jetzt ganz ernst. Er zuckte die Schultern. »Machen? – Nun – letzten Endes nur eines: Leichtstadt erobern – Leichtstadt und mich – wenn sie noch können!«

»So heißt es also: Alles wagen, um alles zu gewinnen, Herr Doktor.«

Er legte die Hand auf ihre Schulter: »Ich danke Ihnen für das Wort! – Ich danke Ihnen, daß Sie nicht schwach werden.«

»Ich würde mich sonst vor meinem Vater schämen – vor meinem Vater und vor Ihnen.«

»Nun, so werden wir also beide durchhalten!«

»Immer!«

»Immer«, wiederholte er. – »Nun sagen Sie nur, wie bekommen wir den Aufsatz unauffällig nach Australien, an die ›Sidney-Post‹?«

»Man müßte ihn im Ausland zur Post geben.«

»Im Ausland, ja! – wissen Sie was? Kennen Sie Paris?«

»Paris? – Nein!«

Ich will doch mal den Parisern unser neues Verkehrsflugzeug zeigen – Anschauungsunterricht – heilsamer Anschauungsunterricht. Wollen Sie da mitfliegen und den Brief in irgendeinen Vorort-Briefkasten einstecken?«

»Aber herzlich gerne!«

»Einen Absender mit irgendeiner Pariser Anschrift müssen Sie noch dazu erfinden. Politik ist nun mal so.«

Da klopfte es, und der Kriminalrat Winterfeldt kam. Es war noch wegen der Einbruchssache.

»So einfach die Sache im Anfang schien, ist sie nicht, Herr Doktor. Der Mann ist Franzose. Als ihm die Kugel herausgenommen wurde, hat er in der Narkose französisch geredet. Die Schilder aus Wäsche und Anzug sind natürlich entfernt, aber sein Schlüsselbund trägt einen französischen Stempel. Der Kerl leugnet und nennt partout seinen Namen nicht, aber auf Grund seiner Fotografie haben wir festgestellt, daß er in der Nacht vor der Tat in Kehl gewohnt hat. And das ist nun das Seltsame: Der Mann kann erst um 8 Uhr abends von Baden her mit dem Zug hier angekommen sein, kannte also die Örtlichkeit nicht. Er trug aber in der Tasche eine genaue Skizze, in der das Zimmer von Fräulein v. Hefften angekreuzt war. Wer hat hier vorher gekundschaftet, wer treibt hier im Verwaltungsgebäude Verrat? Wer hat die Skizze gemacht? – Ich stehe vor einem Rätsel!«

»Donnerwetter!«

»Herr Doktor, es wird nichts helfen, ich muß alle hier verwendeten Papiersorten vergleichen. Hier ist der Zettel. Er ist liniert, anscheinend von einem Block.«

Aber es fand sich kein gleiches Papier.

Plötzlich durchzuckte es den Doktor. Es war wie ein Stich: »Die Traut!«

»Die Romanze!« platzte Linde heraus. Dann: »Romanze, das ist unser Spitzname für die Romanschriftstellerin.«

»Also die Romanze!«

Es ging doch ein Lächeln über Harsens Gesicht. Ja, der Max hatte sie ja überall herumgeführt. Einen Block hatte sie ebenfalls gehabt. – Nun, auch ein Abschluß!

In diesem Augenblick klingelte der Fernsprecher. Winterfeld wurde verlangt. Die Polizei ruft an. Man hätte den Arbeiter Martens bewußtlos in den Anlagen gefunden. Der Arzt meinte: Alkohol und sehr wahrscheinlich auch Morphium.

»Einen Augenblick!«

Linde berichtete, vor einer guten Stunde habe die Frau des Martens angerufen, ihr Mann wäre von gestern nachmittag an nicht nach Hause gekommen. Darauf habe sie, Linde, in der Fabrik angerufen und den Bescheid erhalten, Martens sei an der Arbeit am Ofen 6.

»Hallo! Sind Sie noch da? – Bitte sofort drei Beamte – Eingang Verwaltung, aber schnell.«

»Nehmen Sie meinen Wagen«, sagte der Doktor.

Es ging alles sehr schnell. Der Kriminalrat ging mit dem leitenden Ingenieur die Halle hindurch, wo reges Leben an den Gußformen herrschte und kam dann vor den großen Schmelzofen. Eine fast unerträgliche Hitze herrschte dort. Berußt und bestaubt, mit nacktem Oberkörper gingen hier die Arbeiter ihrem Werke nach. – »Martens?« – »Ja, der mit der Schaufel und dem schwarzen Haar!«

»Ist das auch wirklich Martens?«

Der Ingenieur sah hinüber. Ihm war noch nichts aufgefallen. Winterfeldt stand in entgegengesetzter Richtung. Er setzte seine Brille auf. Es sah aus, als ob auf dieser eine schwarze Flocke war. Der kleine Spiegelbelag war sehr geschickt aufgetragen. So sah er, daß der Mann in anscheinender Ruhe hinter eine Gruppe anderer Arbeiter trat.

»Sehen Sie, er will verschwinden.«

Sie folgten.

Der Mann hatte sich zunächst langsam gedrückt, um dann in schnellem Tempo einen Flur entlang zu den Auskleideräumen zu gelangen. Dort war das Spind des Martens. Da trat der Kommissar Knebel auf ihn zu:

»Bitte Ihren Ausweis!«

»Einen Augenblick!«

Das Spind wurde aufgeschlossen und der Mann holte aus dem Anzug den Alumnitausweis heraus. Knebel verglich mit dem Bild. Wäre er dabei nicht schnell einen Schritt zurückgetreten, der wuchtige Boxhieb hätte ihn getroffen. Jetzt aber hatte der andere die Pistole in der Hand, und Knebel war zu weit ab, um rechtzeitig zuzuschlagen. Sein Leben schwebte in höchster Gefahr. Es war gut, daß die Hand des Kriminalrats in den dicken Haarwust des Mannes faßte und ihn hintenüberwarf wie einen Sack Mehl. Die Handschellen klirrten.

Damit hatte man den Mann, einen Mann aber, der hartnäckig schwieg. Kein einziges Wort war aus ihm herauszubringen. Auch aus Kleidern und Stiefeln war nichts zu ersehen. Der Körperbau schien auf einen Deutschen hinzudeuten. Die Pistole war belgischen Ursprungs, was aber nichts zu bedeuten brauchte. Er trug viel Geld bei sich. Die Schwierigkeiten waren also groß, wenn man wissen wollte, mit wem und mit welchem Auftraggeber man zu tun hatte.

Die Untersuchungen ergaben, daß der Fremde als angeblicher Gärtner schon vor mehreren Tagen nach Leichtstadt gekommen war. Er hatte sich vielfach angeboten, den Sommerschnitt der Obstbäume vorzunehmen. Infolge seiner billigen Preise kam er gut ins Geschäft, so auch bei dem Arbeiter Martens. Mit diesem war er am Vorabend kneipen gegangen. Martens wußte nur noch, daß er ihn nach seiner Arbeit gefragt hätte und daß es sehr lustig gewesen sei. Später sei er plötzlich so müde geworden, worauf beide gegangen seien. Von da ab hatte er keine Erinnerung mehr. Daß der »Gärtner« ihm ähnlich sei, habe auch der Wirt gesagt.

Damit war nicht viel anzufangen.

Die Fotografie mußte also herhalten. Der Spion sträubte sich und schnitt Grimassen. Nun, dagegen gab es Morphium. Er hatte ja selbst den Weg gewiesen! Die Fotografie ging an alle deutschen Zeitungen: »Wer ist dieser Mann? – Mit wem stand er in Verbindung?« So bekam man heraus, daß es ein mehrfach vorbestrafter Bursche namens Ernst Lemmel war, wohnhaft in Köln. Er stritt es weder ab, noch gab es zu. Er schwieg. Auch die Nachforschungen in Köln hatten kein Ergebnis in Richtung auf den Auftraggeber. Als einziger Anhaltspunkt blieben noch die Geldscheine. Es waren nämlich ganz neue Scheine mit zusammenhängenden Nummern. Die Reichsbank konnte angeben, daß diese an ihre Filiale in Köln ausgegeben waren. Die Reichsbanknebenstelle in Köln erklärte auf Anfrage, daß sie die Scheine an die Wechselstelle auf dem Hauptbahnhof geliefert hätte. Dort konnte man sich noch erinnern, gegen Dollars gewechselt zu haben. Es wäre ein kleiner stämmiger Mann mit goldener Brille gewesen. Sonst – mein Gott, es kommen so viele Leute! –

Also ein Amerikaner!

Wer war es? – Wo steckte er?

* * *

 


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