Andreas Gryphius
Catharina von Georgien
Andreas Gryphius

 << zurück weiter >> 

Die Fünffte Abhandelung.

Cassandra. Serena. Das FrauenZimmer.
Die Verschnittenen.

Cass. O seelig die der Fall Armeniens bedecket!
O seelig die der Perß an einen Pfahl gestecket!
O seelig die im Brand von Gurgistan verfil!
Die in dem Dampff erstickt! der nicht das trübe Zil
Bis auff den Tag verruckt / wol dir wo du erblichen!
Weh! wo der matte Geist auff kurtze Zeit entwichen
Vnd auff den Hencker Platz / auff diser Thränen Fluß
In dise Marter See sich wieder finden muß!

Jungf. Hilff ewig hoher Gott! welch Elend ist vorhanden!

Cass. Die bey der rauhen Pein der Königin gestanden
Verlor Verstand vnd Sinn als sie die Flamme sah
Vnd die bleibt unverzagt / die zwar dem Tode nah
Doch noch nicht sterben kan.

Jungf.         Bringt Essig / helfft sie kühlen
Bringt Balsam! sie begint die frische Lufft zu fühlen.
Seren!

Sere.         O Königin!

Cass.                 Seren! Sie kommt zu sich!
Der Himmel / Ach Seren! helt leider mich vnd dich
Zu grösserm Vnheil auff / dem mehr bestimt zu leiden;
Den läst entsetzen nicht in leichter Ohnmacht scheiden.

Jungf. Wie hält die Königin in jhrer Marter stand?

Cass. Sie pocht den frechen Tod / Gott beut jhr selbst die Hand /
Halt mich nicht fragend auff. Euch kan Seren erzehlen
Wie schrecklich Persen sey; wie grimmig Chach heist quälen/
Ich eile den Beschluß von disem Kampff zu sehn.

Seren. Wo bin ich? wie ist ihr! Ach wie ist mir geschehn?
O meine Königin! darff noch die Sonne stehen
Vnd blitzt der Himmel nicht? Wenn wird die Welt vergehen
Wenn nun kein Donner schlägt? wenn reist die Erd entzwey/
Vnd schluckt die Felsen ein? wenn sie von zittern frey
Bey disem Traur-Spiel bleibt? wenn wird die Rach' erwachen
Wenn nun dein Stral nicht wil durch alle Lüffte krachen
Printz aller Printzen Fürst? das Wunder diser Zeit
Die vnbefleckte Fraw / die schon die Ewigkeit
In jhrem Mutt beherscht / tratt mit behertzten Sinnen
Entgegen Pein vnd Tod. Sie fühlte Glut von jnnen
Durch die sie gantz entbrand / man fand sie unverzagt /
Ob schon die Mordschar selbst jhr herbes Leid beklagt.
Der bebt ob jhrem Geist / vnd der schaut jhr gesichte
Mehr denn erstarrend an. Das gleich der Sonnen Lichte
Wenn es nun untergeht weit angenehmer schin.
Der Augen Majestet / die Persen zwang zu flihn /
Der Stirnen Alabast / die Rosenweisse Wangen
Deß reinen Halses Schnee / vnd was den Chach gefangen
Der wolberedte Mund lockt' aller Thränen vor;
Sie dacht auff jhren Gott / vnd schlug mit taubem Ohr
Deß Fürsten Anred auß / der sich sie zu bewegen
Mitleidend vnterstund. Als jhr deß Pristers Seegen
Vnd Anspruch wurd erlaubt; entwich sie auff die Seit
Vnd bracht in Andacht zu was die genaue Zeit
Der engen Frist nachliß. Der sie zu stärcken dachte;
Ward starck durch jhren Mutt; so nah jhr Tod sich machte;
So freudig wurd jhr Hertz / so stig sie auff den Thron
Vnd griff den Zepter an / wenn sie deß Landes Hohn
In Ehr vnd Macht verkehrt; so hab ich sie gesehen
Wenn sie zu Felde zog / wenn sie der Persen schmähen
Mit mildem Blut abwusch vnd siegend wieder kam /
Vnd den gekrönten Sohn frisch in die Arme nam.

Die Jungfr. Sie wird mit neuem Sig vor Gottes Antlitz prangen!
Ihr JEsus wird sie nun wie sie gewündtscht vmbfangen!

Sere. Die Mörder filen sie als grimme Leuen an.

Die Jungfr. Wer ist der sonder Angst diß Mordstück hören kan?

Seren. Man riß die Kleider hin. Die vnbefleckten Glider
Sind öffentlich entblöst / sie schlug die Wangen nieder
Die Schamröht' vberzog; vnd hilt für höchste Pein
Vnkeuscher Augen Zweck' vnd Frevel Spiel zu seyn.

Die Jungfr. So hat jhr Heyland selbst entblöst erblassen müssen.

Seren. Man hiß die zarten Händ vnd Füß' in Fessel schlissen /
Vnd zwang Arm Leib vnd Kny mit Ketten an den Pfahl.

Die Jungfr. Ihr König schied' am Holtz' auß disem Jammerthal.

Seren. Sie stund gleich einem Bild von Jungfern-Wachs bereitet
Das Har fil vmb den Hals nachlässig ausgebreitet /
Vnd flog theils in die Lufft / theils hing als in der Wag
In dem man auff der Brust spürt jeden Aderschlag.
Der Hencker setzt in sie mit glüend-rothen Zangen /

Die Jungf. Hat der gelinde Gott so grause That verhangen?

Seren. Vnd griff die Schultern an / der Dampff stig in die Höh
Der Stahl zischt in dem Blut / das Fleisch verschwand als Schnee
In den die Flamme felt. Doch sie / in dem man zwickte
Vnd von der Armen Röhr die flachen Mausen rückte
Rief;

Die Jungf.         Himmel steh vns bey!

Seren.                 Erlöser gib Geduld!
Ich nehme dises Pfand der ewig-treuen Huld
In tif'ster Demut an / Ich / die mit offnen Sünden
Die Flammen / die dein Zorn vnendlich heist entzünden /
Durch meine Schuld erwarb / bin nicht der Gnade werdt
Zu leiden für dein' Ehr: Es ist ein schärffer Schwerdt
Mit dem dein ernster Grimm pflegt Laster abzustraffen.
Was fühl'te nicht dein Geist als du vor mich entschlaffen/
Als deine Seel in Fluch vnd Todes Angst verfil
Vnd sich verlassen fand? mein Schmertz ist Kinderspil!

Die Jungf. So läst sich Gottes Krafft in Gottes Kindern mercken.
So pflegt der starcke Geist das schwache Fleisch zu stärcken.

Seren. Die Stücker hingen nu von beyden Schenckeln ab;
Als man jhr auff die Brust zwey grimme Züge gab.
Das Blut sprützt vmb vnd vmb vnd leschte Brand vnd Eisen/
Die Lunge ward entdeckt. Der Geist fing an zu reisen
Durch die / von scharffem Grimm new auffgemachte Thor.
Mich stiß entsetzen an. Das klingen in dem Ohr /
Der Stirnen kalter Schweiß / das zittern aller Glider
Nam plötzlich überhand. Die trüben Augenlider
Erstarten nach vnd nach. Ich nam nichts mehr in acht
Vnd bin / ich weiß nicht wie / auff disen Platz gebracht.

Die Jungf. Auff! last vns da erlaubt die Leiche zubegraben/
Sie mit dem letzten Kuß vnd Thränen Dinst begaben;
Kommt / hüllt was übrig ist / die auffgedeckten Bein/
Vnd den zerfleischten Leib in reine Seyden ein.

 

Der Blutrichter. Salome. Catharina. Der Priester. Die Hencker.

Der Schau Platz verändert sich in den Vorhoff deß Palasts.

Der Blutr. Eilt setzt den Holtzstoß auff. Bringt Pech / bringt Holtzgebünder

Salo. Ach! wüttet höher nicht.

Blutr.         Ich muß.

Salo.                 Ach geht doch linder

Blutr. Ihr! holt die sterbende / noch eh Sie gantz vergeh!

Salo. Gott der du alles sihst / sihst du nicht vnser Weh!
Ach! last zum minsten vor die Königin erblassen!
Was hat der Zangen Brand dem Feuer vberlassen?
Als halb verzehrte Bein? Ach gönt die letzte Ruh
So hoch-gebornem Blut. Last der Princesse zu
Was nie ein Feind dem Feind auß Vbermut versaget /
Vergönt daß sie von vns zu guter Nacht beklaget
Erlang ein schlechtes Grab.

Blutr.         Es muß nicht anders seyn!

Salo. O Hertzen von Metall! O vbergrimme Pein!
Princessin! Ach mein Licht! Ach vorhin meine Wonne!
Princessin! gutte Nacht! O scheint vns noch die Sonne
Vnd bricht die Erden nicht.

Cath.         Willkommen süsser Tod!

Der Prist. Princesse! Sie gedenck an JEsus letzte Noth.

Salo. Princesse! noch ein Wort!

Cath.         Wir haben überwunden /
Wir haben durch den Tod das Leben selbst gefunden.
Ach JEsu kom!

Prist.         Er komm't! Er reicht jhr seine Händ
Er beut jhr seinen Kuß!

Blutr.         Was start jhr! macht ein End.

Salo. Ach halt noch etwas inn!

Blutr.         Eilt / werfft sie auff die Flammen

Salo. Ach warumb sterben wir Princesse nicht zusammen?

Prist. Princesse! Sie ist hin! traur't ferner nicht vmb sie /
Die nun der Höchst erquickt / die auß der strengen Müh
In süsse Ruh versetzt. Muß gleich der Leib verschwinden
Gibt man die übrig' Asch' als Staub den tollen Winden;
Glaub't daß dem HErren nichts auß seiner Welt verderb/
Die vnser schönstes Grab. Ein seel'ger Himmels-Erb
Schläft sanfft / so in der See / als in den tif'sten Gründen;
Vor denen / die in Gold vnd Marmorstein sich finden.
Wo wird der eitle Pracht der grossen Grüffte stehn
Wenn diser Erden Baw in Flammen muß vergehn /
Vnd Gott einbrechen wird?

Salo.         Brich Richter aller Sachen
Brich Rächer! Ach brich an!

Prist.         Indessen last vns wachen.

Salo. Ach warumb schlaff ich nicht vielmehr mein Heyland ein?

Prist. Man muß / wie / wenn / vnd wo Gott rufft / bereitet seyn.

Blutr. Von hir! euch ist nicht mehr erlaubet zu verzihen.
Diß winseln ist vmbsonst. Wolt jhr dem Zorn entflihen
Der euch diß Schauspiel gibt / so nembt was mehr in acht
Deß grossen Königs Hand die Tod vnd lebend macht.

 

Chach Abas. Seinelcan. Imanculi.

Der Schau Platz verändert sich in den Königlichen Sal.

Chach. Laufft! rettet! steht jhr? eilt / eilt wo noch Zeit zu eilen!
Wofern es nicht zu spät! wo noch der Schlag zu heilen!
Heb't Straff vnd Vrtheil auff! vntreuer hast du nicht
Vns / vnd dich selbst bedacht!

Iman.         Was hab ich mehr verricht
Als was Chach Abas mir außdrücklich hat befohlen?

Chach. Sol ich dir nicht das Hertz auß deinem Busen holen?
Dein vnbedachtes Hertz? das gantz nicht überlegt
Das heisser Eyversucht / wenn sie zu herschen pflegt
Nicht jeden Augenblick so blind sey nachzukommen?

Iman. Wer hat den Fürsten sich zu richten unternommen?
Er schaft. Wir können nichts als was er heist vollzihn!

Chach. Mus denn mit disem Tag all' vnser Lust entflihn!
Mus vnser Hertz durch dich Blutgiriger vergehen?
Mus vnsre Schmach durch dich auß diser Flamm entstehen?
Vnd trit der Hencker noch vns vnter das Gesicht?
Sind keine Kercker mehr? sind keine Ketten nicht?
Stracks Haly! mach jhn fest!

Iman.         O frembder Fall der Dinge!
Indem ich / was der Fürst so scharff befahl / vollbringe;
Fällt diser Sturm auff mich. Er reumet was er kan
Durch vnser Hände weg / vnd greifft vns selber an
So bald die That vollbracht / wir freveln jhm zu gutte:
Er wäscht von eigner Schuld sich rein mit vnserm Blutte!

Sein. Du hast in disem Stück dich mercklich vbereilt.

Iman. Er hat bey Straff deß Kopffs mir den Befehl ertheilt.

Sein. Der Fürsten Regeln sind sehr frembd' vnd schwer zu fassen.

Iman. Vnd wer sie nicht versteht muß so sich binden lassen.

Sein. Geduld! noch diß ins Ohr: man thut offt vil zum Schein
Du weist was Reussen sucht! diß kan dein Glücke seyn.
Man kan dem Fürsten trew' auch in den Ketten dinen

Iman. Wer so verfinstert wird hat nimals mehr geschinen.

 

Der Gesandte auß Reussen. Procopius. Demetrius.
Der Prister mit dem verbrannten Haubt der Königin.

Der Schauplatz verändert sich in deß Gesand. Gemach.

Der Prist. So ists! wie ich erzehlt! der Frauen Blum ist hin!
Die Sonn Armeniens vnd Gurgistans Gewin.
Das Wunder aller Zeit! sie hat nun vberwunden /
In dem sie vnterging. Sie hat die Cron gefunden
Indem jhr Fleisch verfil. Diß Thränenthal die Erd
Diß Angsthaus war nicht mehr deß grossen Geistes werd.
Drumb sucht er eine Bahn durch so viel grimme Risse
Vnd drang durch beyde Brüst'. Ihm ward die Flamme süsse!
Er hat sich ob der Qual der Zangen nicht entsetzt /
Die zwar den zarten Leib doch nicht den Mutt verletzt.
Wer so gesegnen kan / verdint kein kläglich Weinen /
Wer so mit Blut gefärbt vor JEsu kan erscheinen
Acht eurer Thränen nicht. So pocht man Welt vnd Tod
Vnd trotzt die Ewigkeit / vnd höhnt die grimme Noht!

Der Ges. Ist diß denn Abas Wort? ist Persen so zu trauen?
Luft! Himmel! Erden! See! wem wird davor nicht grauen?
Geht denn kein Donner an / der dise Mörder trifft?
Die die Verrätherey! Diß Mordspiel angestifft.
Pflegt Persens Boden nicht gerechter Gott zu zittern /
Wenn solche Grausamkeit vnmenschlich sich wil wüttern?
Ist Abas bey Vernunfft? blutgirig Tygerthier
Stelst du dir deinen Eyd vnd hoch Versprechen für?
Hat jemals ein Tyrann so auff ein Weib gewüttet?
Ist eine Königin je mit der Qual beschüttet?
Die ärger als der Tod? wer strafft so einen Knecht?
Gilt Schönheit /gilt Vernunfft / gilt Jugend / gilt Geschlecht
Gilt königlicher Stam / gilt meines Czaren bitten
Nichts bey den Bestien? auff! last die Mörder-Hütten
Der tollen Hencker stehn! ist diß das neue Band /
Das Zeichen warer Gunst / das starcke Frieden Pfand?
Armseelige! muß ich / weil ich dich wil befreyen /
Zum Werckzeug deiner Qual mich selbst unwissend leihen?
Mein bitten / Königin! mein bitten hat gemacht
Daß man dich so in eyl! so schändlich vmbgebracht!
Printz Tamaras! bring ich dir so die Mutter wider?
Auch nicht die edle Leich' vnd abgekränckte Glider?
Nichts als ein scheußlich Haubt / das sonder Zung außspricht
Wie schlecht in Persen ich dein wündtschen außgericht!
Ach mit was Thränen wirst du diß Geschenck' empfangen!
Die Stirnen sonder Fleisch! die eingeschrümpfften Wangen!
Die nicht mehr schönen Zähn! die Lippe von Rubin /
Deß Güldnen Hares Pracht / der Augen Glantz ist hin/
Wirst du betrübter Fürst / wirst du mir auch wol glauben
Daß Chach so grimmig dich der Mutter liß berauben
Daß Persens Haubt so leicht mit Mund vnd Eyde schertzt /
Daß man hir weder Stand noch Freund noch Feind behertzt?
Nein! nein! Ach man wird mir die gantze Schuld aufflegen /
Mir wird dein seufftzend Hertz / mir wird dein Thränen Regen
Verweisen was nicht ich / was Chach verbrochen hat /
Auch ich / der unbedacht den tollen Leuen bat.
Du numehr heil'ge Seel! die du nun ander Reiche
Mit höher Macht behersch'st! du Haubt der heil'gen Leiche
Du selbst der du diß Haubt mit Ehren-Cronen schmückst
Vnd den erfreuten Geist auff deinem Thron erquickst;
Entdeckt wer hiran Schuld / jhr auch Gurgistans Helden
Helfft eurer Königin erschrecklich Vrtheil melden /
Vnd zeugt im Angesicht der Völcker stets vnd frey;
Daß weder Redligkeit noch Trew in Persen sey.


 << zurück weiter >>