Johann Wolfgang Goethe
Briefwechsel mit seiner Frau. Band 1
Johann Wolfgang Goethe

 << zurück weiter >> 

1805

387. Goethe

Wie wir voraussahen, bin ich genöthigt, hier zu bleiben, ich schreibe Dir das mit einem herzlichen Gruße. In meinen Sachen steht es hier ganz leidlich, und ich befinde mich auch erträglich, nur will es mit der Geschäftigkeit nicht mehr so lebhaft fort. Morgen Abend bin ich wieder bei Dir. Es wäre hübsch und schicklich, wenn Du morgen frühe Demoiselle Jacobi einen Besuch machtest. Sie ist gar freundlich gegen Dich gesinnt. Lebe recht wohl, grüße August schönstens und liebe mich, wie ich Dich liebe.

Jena, den 27. [Juni] 1805.
            Donnerstags.

G.

*

 

 

 

*

388. Goethe

Helmstädt, den 19.Aus: 18 August 1805.

Von hier schreibe ich Dir einige Worte, damit Du erfahrest, wie es uns geht, und danke Dir vorher für alle Liebe und Treue, die Du mir auch in der letzten Zeit erwiesen hast; möge es Dir dafür immer recht gut gehen, wozu ich alles, was an mir liegt, zeitlebens beizutragen hoffe.

Montag, den 12., kamen wir glücklich in Halle an. Tags darauf blieben wir daselbst. Unser Wirth gab ein großes Mittagessen, Abends ging ich auf den Berg. Mittwoch, den 14., fuhren wir auf der schönsten Chaussee nach Magdeburg und kamen zeitig an. Donnerstag sahen wir uns um, besuchten mehrmals den Dom, wo besonders schöne Monumente von Erz befindlich sind. Wir gingen an der Elbe hinunter, fuhren über das Wasser, zogen durch die Stadt und waren sehr lustig. Freitag fuhren wir hierher und kamen Abends an. Sonnabend besahen wir die merkwürdigen Kunstwerke, mit denen der Hofrath Beireis sein Haus angefüllt hat, aßen bei ihm und blieben bis in die Nacht. Sonntag früh ging das Sehen wieder von vorne an. Mittags aßen wir beim Abt Henke, blieben lange da und waren Abends allein. Heute geht es so fort, und ich weiß noch nicht, wann wir weggehen.

August liegt noch im Bette, indem ich früh dieses schreibe. Er ist lustig und guter Dinge, streitet sich mit Wolf und macht uns oft zu lachen. Ich befinde mich recht wohl und fühle, daß Bewegung und Zerstreuung mich allein völlig wiederherstellen könnten; ich will daher sehen, daß ich noch ein wenig herumschweife.

Du hörst bald mehr von mir, indessen lebe wohl und fahre fort, mich zu lieben.

G.

*

 

 

 

*

389. Goethe

Mit Vergnügen wirst Du, mein liebes Kind, von August die näheren Umstände unserer vierzehntägigen Reise vernehmen, wenn ich Dir im Allgemeinen sage, daß ich mich recht wohl befunden habe. Noch besser fast als die Bewegung wirkt die Zerstreuung; denn man hat keine Zeit, über sich nachzudenken und über diese oder jene kleine Andeutung eines Übels besorglich zu werden. Von Helmstädt wirst Du einen Brief von mir erhalten haben. Nun bin ich wieder in Lauchstädt, wo es sehr still ist. Wenn es nur wenigstens gutes Wetter wäre! Ich habe vorgezogen, meinen Geburtstag hier im Stillen zu begehen, um mich bald möglichst zu einigen Arbeiten zu sammeln. Am liebsten wäre ich nun wieder zu Hause; doch will ich wohl jene Bequemlichkeit noch einige Zeit entbehren und mich hier ans Baden und Wassertrinken halten. Augusten sende ich Dir. Er hat sich gar gut betragen und die ganze Reise erheitert, er wird Dir manches erzählen. Nun ists gut, daß er wieder in das Schulgleis kommt und eine Weile darin fortgeht.

Wenn Du mir Donnerstag, den 5. September, die Pferde wiederschicken wolltest, würde es wohl die rechte Zeit sein; doch am angenehmsten wäre mirs, wenn Du mich selbst abholen wolltest. Lassen es Deine häuslichen Geschäfte zu und hast Du des Vergnügens am Vogelschießen genug genossen, befindest Du Dich auch recht wohl, so thue es; doch soll es ganz von Dir abhängen. Auch noch etwas Geld müßtest Du mitbringen. Es sind mir nur 10 Thaler übrig geblieben. Die theure Fourage bei der verlängerten Reise hat das meiste gekostet. Bringe etwa 50 Thaler. Es ist immer besser, daß noch etwas übrig bleibe. Könntest Du gleich nach Empfang dieses mir ein paar Worte schreiben und auf die Post geben, so erhalte ich sie zwar spät, aber doch immer eher, als der Wagen zurückkommt. Lebe recht wohl und liebe mich. Wenn es mir gut geht, freue ich mich dessen vorzüglich um Deinetwillen, so wie ich an allen Orten, wo etwas Angenehmes vorkam, ich Dich im Stillen zu mir wünschte.

Lauchstädt, den 28. August 1805.

G.

*

 

 

 

*


 << zurück weiter >>