Johann Wolfgang Goethe
Briefwechsel mit seiner Frau. Band 1
Johann Wolfgang Goethe

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1801

289. Christiane

Ober-Roßla, 16. April 1801.

Lieber Schatz,

Die Weiden sind gesetzt, und Du wirst Dich freun. Gestern wurde ich nach Nieder-Roßla zu einem Punsch eingeladen; ich bin, weil es zu spät wurde, da geblieben und heute frühe um 7 Uhr wieder herüber gegangen. Die Pachtern hat alle ihre Kammern, die sie noch inne hat, selbst versiegelt und ist fort. Sie wird wohl nicht eher bis zum 24. wiederkommen. Gestern habe ich erfahren, daß morgen Redoute ist, und möchte gar zu gern hin; ich thue Dir also den Vorschlag: wenn Du haben willst, daß ich morgen nach Tische hier weggehen soll, so schicke mir einen Boten morgen ganz frühe, so wollt ich alles darnach einrichten. Nämlich der Kutscher müßte morgen frühe noch fahren mit dem Wagen; Nachmittage sollen 2 Taglöhner den Zaun im Äpfelgarten machen, weil sich die Nachbarn über den Durchgang beschweren, und der alte Taglöhner soll im Hausgarten den Wein anbinden und die Rabatte graben. Und ich verspreche Dir, sobald ich den Sonnabend die Augen aufthue, so will ich gleich wieder runterfahren, daß der Kutscher den Sonnabend wieder fahren kann. Wenn es Dein Wille ist, so mußt Du mir aber ja den Boten morgen frühe bei Zeiten schicken und Ernestine befehlen, daß diese mir etwas anzuziehen zurecht macht, es mag sein, was es will, ich überlasse es ihrem Geschmack. Doch kommt alles darauf an, ob Du es gerne siehest. Den Boten kannst Du bei dem Bauinspector haben. Ich bin ja bloß zwei halbe Tage von hier entfernt, und Du kannst alsdann erst den Dienstag oder Montag kommen. Ich dächte, es ging' an.

Leb wohl und sei nicht böse auf Deinen tanzlustigen Schatz. Viele Grüße an August und Ernestine.

 

290. Christiane

[Weimar, 27. April 1801,] Abends um halb 10 Uhr.

Lieber, ich danke Dir nochmals, daß Du mich hast zu der Fahrt beredet; ich kann mich doch ein bißchen abwarten und denke bald wieder heiter und wohl zu werden. Den Herrn Gern kann ich noch nicht recht beurtheilen. Die Tänzer aber haben mir sehr gefallen, und morgen werden sie es noch besser machen. Wenn nur mein Schatz hier wär, so war ich noch vergnügter. Schenk hat noch keinen Caution-Schein. Gute Nacht. Morgen ein Mehres. [28. April.] Den Spargel laß Dir diesen Mittag machen. Es ist hier alles sehr schön, und wenn [wir] wieder zusammen sind, so wollen wir recht zufrieden und vergnügt sein. Hier folgt auch die Schachtel mit dem Wein. Es ist auch ein Kistchen da, das ist aber zu groß; es scheint auch Wein darin zu sein, ich weiß aber nicht, woher. Leb wohl und schicke mir ja den Freitag die Pferde, daß wir den Gern zusammen hören den Sonnabend. Es ist mir itzo, als könnte ich gar nicht mehr vergnügt sein ohne Dich. Die Liebe ist sehr groß, und behalte mich nur lieb. Den Mai wollen wir hier recht zufrieden und glücklich sein.

Adieu, mein Lieber.

 

[Nachschrift: August]

Lieber Vater !

Nehmen Sie es nicht übel, daß ich Sie nicht geschrieben habe. Ich freue mich, Sie bald wiederzusehen. Ein ander Mal mehr. Leben Sie wohl und behalten Sie mich lieb. Ich habe eine sehr schlechte Feder gehabt.

August Goethe.

 

[Nachschrift: Christiane]

Lassen Sie Sophien und die Hofmeistern auf dem Lindenberge gießen.

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291. Goethe (und Geist)

Göttingen, am 6. Juni 1801. Abends 6 Uhr.

Wertheste Demoiselle,

Soeben sind wir glücklich und gesund hier angelangt und finde es nun für meine Schuldigkeit, Ihnen doch eine kleine Skizze von unserer Reise zu geben:

Am 5. Juni kamen wir zeitig in Erfurt an und hielten Mittag in Gräfin-Tonna, einem artigen gothaischen Dorfe; von da gingen wir durch Langensalze und kamen bei guter Tageszeit noch in Mühlhausen an, der Herr Geheimde Rath und Augustchen (welche auf das herzlichste grüßen) gingen sogleich miteinander ein wenig spazieren, und als dieselben zurück ins Wirthshaus kamen, so sagte ich Augustchen, daß sich auch ein Trupp Schauspieler hier aufhielte, und selbst diesen Abend das Stück: ›Die neuen Arkadier‹ aufgeführt würde; sobald er das von mir gehört hatte, so konnte er nicht einmal, vor Begierde, diese Gesellschaft zu sehen, diesen Abend ruhig essen, und nachdem es der Herr Geheimde Rath erlaubt hatten, so gingen wir beide, diesem Spiel mit beizuwohnen; aber dem Himmel seis geklagt, wie erbärmlich und elend fanden wir alles, das Local war sehr schlecht, in einem Hause, wo kein einziges Fenster mehr ganz war. Terkalion hatte sein ganzes Gesicht feuerroth gemacht und sich rund um mit Sand angefüllten Därmern behängt, welches Schlangen vorstellen sollten, so daß bei seinem Toben und Wüthen ein Darm davon aufging und den Musicis im Orchester in die Augen flog; auf einmal gerieth alles in Stocken, und wenn die Schauspieler ihren Gesang nicht fortgewinselt hätten, so hätten sie alle schließen müssen. Hier hat Augustchen ganz entsetzlich gelacht und sich sehr darüber lustig gemacht. Doch hievon genug.

Heute als den 6. Juni gingen wir früh 5 Uhr wieder von Mühlhausen weg und kamen über Dingelstädt und hielten Mittag in Heiligenstadt; von hier durch einige unbedeutende Dörfer, bis wir endlich glücklich und gut Göttingen erreichten, unser Logis ist in der ›Krone‹. Der Fuhrmann hat uns sehr gut gefahren, und der Herr Geheimde Rath sind sehr zufrieden mit ihm. So weit schreibe ich diesesmal und empfehle mich mit aller Hochachtung Ihrem gütigen Wohlwollen. Augustchen bittet recht sehr um Verzeihung, daß er Ihnen nicht selbst ein Briefchen geschrieben hat, er verspricht aber alles noch nachzuholen.

Da wir glücklich angekommen sind, wollte ich mit August, weil es noch heller Tag war, um die Stadt gehen. Die Promenade hat uns viel Vergnügen gemacht. Geist hat indeß unsre Reise beschrieben, und ich habe nichts hinzuzusetzen, als daß das Kind sehr gut und artig ist, und daß wir oft vom Mutterchen sprechen und uns freuen, Dich wiederzusehen. Lebe wohl, die Reise bis hierher ist mir sehr wohl bekommen. Lebe recht wohl.

G.

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292. Christiane

[Weimar, 23.(oder 24.) Juni 1801.]

Ich hoffe recht sehnlich auf einen Brief von Dir, um zu hören, daß Du Dich mit dem guten Kinde wohlbefindest. Ich bin ganz wohl, aber so ganz ohne das zu sein, was man herzlich liebt, will mir gar nicht behagen, und bei aller Zerstreuung, die ich mir mache, ist doch immer, als wenn mir das Beste fehlte. Mit Roßla bin ich ganz in Ordnung. Es ist alles wieder zu Hause an Ort und Stelle, und auf den Freitag zieht der neu Pachter ein, und auf den Montag ist die Übergabe.

Ich bin auch am Sonntag vor 1414 über gestrichener 8 Tagen in Jena gewesen, in der Trießnitz, da war es recht schön.

Auch in Erfurt waren wir recht vergnügt.

Und in [den] Gärten ist alles in der größten Ordnung; und mit meiner Viehzucht bin ich recht wohl zufrieden und füttre alles selbst, damit ich Dich, wenn Du wiederkömmst, auf das beste damit regaliren kann. Auf Cassel freu ich mich sehr. Wenn meine Freude nur nicht in Brunnen fällt! Dieß ist immer der Fall, wenn man sich so sehr freut. Sage ja dem Gustel, daß er mir auch etwas schreibt. Neues ist bei uns nichts Merkwürdiges vorgefallen, als daß der Prinz von Baden hier war.

Schreibe mir ja bald und behalt mich nur recht lieb. Ich bin recht eifersüchtig auf das Bübchen.

Leb wohl, mein Lieber.

Christiana.

 

293. Goethe

Da eine Depesche an Herrn Hofkammerrath Kirms, in theatralischen Angelegenheiten, abgeht, so will ich auch ein Blättchen für Dich beilegen.

Die Cur wird mir hoffentlich gut bekommen, ob sie mir gleich beim Gebrauch unbequem ist, indem sie mir den Kopf einnimmt und mich nicht das Mindeste arbeiten läßt.

August ist sehr glücklich. Das lange Schlafen, Spazierengehen, ein wenig Wasser-trinken, Kirschen- und Erdbeeren-essen, Baden u.s.w. bekommt ihm fürtrefflich.

Gestern waren wir auf einem Hügel 5/4 Stunden von hier, wo Versteinerungen und Krystallisationen angetroffen werden, deren Suchen und Auffinden das größte Fest war.

Das Wetter ist seit ohngefähr 8 Tagen sehr schön und der Aufenthalt deßwegen recht angenehm, da sehr viele und schattenreiche Alleen sich ganz nahe hier mitten in dem Ort befinden.

Wegen der Leinwand habe ich meine Gedanken geändert, da inNach gestrichenem ich den letzten Tagen sehr schöne gedruckte Musseline und Battiste angekommen sind, unter welchen ich Dir wohl ein Kleid aussuchen werde. Man hat mir gerathen, noch damit zu warten, weil noch einige Kaufleute fehlen, die noch vielleicht etwas Neueres und Geschmackvolleres mitbringen. Übrigens denken wir sehr oft an Dich, und August trinkt täglich Deine Gesundheit.

Unsere Lebensart ist sehr einfach. Früh um 6 Uhr wird aufgestanden, bis 8 Uhr Brunnen getrunken, um 9 Uhr gefrühstückt, bis 11 Uhr herumgeschlichen und discurrirt, dann über den andern Tag bis gegen 12 Uhr gebadet, um 1 Uhr zu Hause gegessen, ein paar Stunden nach Tische zugebracht, wie es gehen will, und des Abends in der Gegend bald da-, bald dorthin spazieren gegangen.

Die Lage um Pyrmont ist sehr angenehm, und in der Nähe gibt es allerlei Merkwürdigkeiten, Mineralien, Ruinen, und was dergleichen sein mag.

Morgen bin ich nun schon 14 Tage hier, und Du sollst von Zeit zu Zeit hören, wie es mir geht, und was ich vorhabe, damit Du Dich darnach einrichten kannst. Lebe wohl und gedenke unser. Pyrmont, am 26. Juni 1801.

G.

 

294. Goethe

Mein Brief aus Göttingen ist, wie ich von Professor Meyer höre, erst spät angekommen; Du wirst indessen einen andern von Pyrmont erhalten haben, und ich sage Dir durch einen zurückgehenden Boten, der mir die Ankunft Durchlaucht des Herzogs in Pyrmont meldete, nur einige freundliche Worte. Es geht mir und dem Kinde noch immer recht gut, nur bleibe ich bei der Cur zu aller Art von Arbeit untüchtig, welches mir denn doch ein wenig lästig ist.

Durchlaucht des Herzogs Ankunft wird denn freilich meine Plane einigermaßen verrücken, ich hoffe aber doch, daß das Vergnügen, das wir uns wegen Cassel ausgedacht, noch Statt finden soll.

Ich freue mich zu hören, daß Du Dich die Zeit über auf verschiedene Weise amüsirt hast. Es wäre hier auch ganz artig, wenn nur nicht, wie gesagt, der Brunnen einen so gewaltig angriffe. Du hörst bald wieder von mir.

Grüße Herrn Professor Meyer und gratulire ihm zu der Acquisition des schönen Siegels.

August grüßt, betrübt sich aber, daß er nicht ein paar Zeilen von Dir erhalten hat. Er ist sehr vergnügt, führt sich aber auch recht gut auf.

Lebe wohl und gedenke unserer.

Pyrmont, am 30. Juni 1801.

G.

 

295. Christiane

Es geht mir, mein Lieber, itzo wieder ganz leidlich, aber 8 Tage war ich recht krank und wußte doch nicht, was mir fehlte. Ich glaube, es war Sehnsucht nach Dir und dem guten Kinde. Man sollte sich eigentlich gar nicht von dem, was man recht liebt, trennen. Und doch kann man nicht immer beisammen sein. Ich danke Dir, daß Du mir so oft schriebst, auch dem lieben Gustel, und wenn ich wieder schriebe, so soll er auch ein kleines Briefechen bekommen. Ich glaube, daß alles sehr theuer in Pyrmont ist; und wenn Du mir gar nichts mitbringest, so bin ich auch zufrieden. Ich freue mich nur schon auf den schönen Tag, wo ich euch beide gesund und wohl wiedersehe. Hier spricht man, Du kämst gleich zurück, sobald Durchlaucht Herzog hier wäre; so sagt auch der Herr Professor. Aber ich denke, Du wirst es schon machen und mir gewiß vorher etwas wissen lassen, worauf ich mich einrichten soll. Manchmal denke ich, wenn ich nur eine Stunde bei euch sein könnte; und wenn es mir dann gar nicht mehr zu Hause gefällt, so gehe ich spazieren, und alles erinnert mich wieder an Dich; und manchmal bin ich ordentlich in Gedanken dort. Heute ist es nun schon 4 Wochen, daß Du weg bist; mir ist es aber, als wär es ein Vierteljahr. Du wirst aber mit meinen Gartenarbeiten und neuen Spargelanlagen recht zufrieden sein. Ich betrübe mich nur, daß Gustel die Erdbeere nicht gesehen hat; aber er kriegt gewiß noch welche, denn sie hängen noch recht voll. Auch die frühe Birn, denke ich, soll nicht ehr, bis er kömmt reif werden. Und sein Feigenbaum hat 2 reife Feigen.

Adieu, Lieber. Leb recht wohl und behalt mich lieb Grüße August herzlich.

Weimar, den 3. Junius [Juli 1801].

C. V.

 

296. Goethe

Ehe ich von Pyrmont gehe, will ich Dir noch ein paar Worte selbst schreiben, ich habe mich leidlich befunden und hoffe noch gute Folgen von der Cur. Das Beste dabei war die Bewegung und Zerstreuung. Ich habe viele Menschen gesehen, mit vielen gesprochen und kann auf mehr als Eine Weise zufrieden sein. Nur war das Wetter gar zu schlimm und ist gegenwärtig am allerärgsten. August hat sich gar artig betragen und hat mir viel Freude gemacht, Du wirst Dich über ihn verwundern, wenn Du ihn wiedersiehst.

Die Ausgaben waren mäßig, ich habe mich aber auch durchaus eingeschränkt. Einiges habe ich Dir eingekauft. Einiges sollst Du Dir in Cassel selbst kaufen, wo alles so gut wie hier zu haben ist.

Mittwoch, den 15., gehe ich nach Göttingen, wo ich noch einige Zeit bleibe, und Du sollst auf alle Fälle zur rechten Zeit hören, wann Du mich in Cassel triffst. Ich schreibe Dir alles umständlich. Sage nur dem Herrn Professor: daß er sich vorläufig einrichtet, um mit Dir kommen zu können. Wir freuen uns beide recht herzlich darauf, Dich wiederzusehen. Gustel wünscht nur, daß wir in Cassel besser Wetter haben als hier.

Lebe recht wohl, beschäftige Dich mit Deinen Gärten, wo ich mit Dir vergnügt bald herumzuwandlen hoffe.

Pyrmont, den 12.Aus 15. Juli 1801.

G.

Ich will noch ein paar Worte hinzufügen und Dir sagen, daß wir beide Dich herzlich lieb haben und oft Deine Gesundheit trinken. Ich wünsche nichts mehr, als wieder bei Dir zu sein, wir wollen den Rest des Sommers vergnügt zusammen zubringen. Auf Cassel freue ich mich besonders.

Von Augelchen war wohl manches artige hier, es will aber mit mir nicht recht mehr in den Zug kommen.

Der Herzog ist munter und lustig, dagegen war ich die letzte Zeit recht mißmuthig. Das Wetter zerstörte alles, Cur und Spazierengehen und Geselligkeit; heute stürmts und regnets. Ich habe einheizen lassen.

Mit Freuden werde ich Koppenfelsens Scheungiebel wieder sehen und Dich an mein Herz drücken und Dir sagen, daß ich Dich immerfort und immer mehr liebe.

G.

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297. Goethe

Nun bin ich acht Tage hier und befinde mich ganz leidlich. Obgleich Pyrmont mich nicht gänzlich von meinen Übeln befreit hat, so muß ich doch hoffen, daß (wie die Ärzte sagen) die beste Wirkung nachkommt. Ich will mich hier noch einige Zeit in Ruhe halten und im Stillen fleißig sein, wozu ich auf der Bibliothek die beste Gelegenheit habe. Indessen, da die Briefe von hier aus manchmal so langsam gehen, will ich Dir voraus meinen Plan sagen: Ich wünsche, daß Du Sonnabend, den 15. August, in Cassel eintreffest, ich werde an demselbigen Tage auch anlangen. Du kehrst im Posthause am Königsplatz, bei Madame Goullon ein; wer zuerst kommt, macht Quartier, so daß wir zwei Zimmer haben, eins für Dich und Gustel, eins für mich und den Professor. Mache diesem mein schönstes Compliment und sage ihm, daß er ja sich losmachen und mit Dir kommen soll. Indessen sagt niemanden, daß ich so lange ausbleibe. Bringe einiges Geld mit, etwa 100 Thaler, und laß Dir von unserm Nachbar Goullon ein Briefchen mitgeben, das Du aber erst in den letzten Tagen zu fordern brauchst.

Ich freue mich herzlich, Dich wiederzusehen und mit Dir in Cassel, unter so viel neuen und schönen Sachen, einige Tage zuzubringen. Ein recht zierliches Unterröckchen und einen großen Shawl, nach der neusten Mode, bring ich Dir mit. In Cassel kannst Du Dir ein Hütchen kaufen und ein Kleid, sie haben die neusten Waaren dort so gut als irgendwo.

August ist gar lieb und gut und macht mit allen Menschen Freundschaft, Du wirst Dich recht freuen, wie er zugenommen hat, wenn Du ihn wiedersiehst. Lebe wohl, behalte mich lieb und sei überzeugt, daß meine Liebe gegen Dich unveränderlich ist. Schreibe mir gleich, wenn Du diesen Brief erhältst, damit ich doch auch weiß, wie Dirs geht, und setze auf die Adresse: Bei Herrn Instrumentmacher Krämer, an der Allee.

Göttingen, den 24. Juli 1801.

G.

 

298. Christiane

Weimar, den 27. August [Juli 1801].

Deinen Brief, mein Lieber, habe ich dießmal balde erhalten, er ist nur 3 Tage unterweges gewesen. Ich beschäftige mich mit allem, was nur gehn will: sorge vor den Winter; von dem, was ich itzo erspart habe, kaufe ich mir meine Winterbutter. Aber alle meine Geschäfte thu ich nicht mit dem Vergnügen und der Freude, als wenn Du hier bist. Es ist freilich länger geworden, als ich mir dachte, Du bist nun schon auf den Freitag 8 Wochen fort. Ich glaube aber, es ist gut, daß Du in Göttingen wieder etwas ausruhest. Das Ganze wird Dir gewiß besser bekommen, als Du es denkest. Und wenn wir erst wieder zusammenkommen, alsdann wird alles gut werden. Ich freu mich recht, Dich und Dein liebes Bübchen wiederzu[sehen] und euch an mein Herz zu drücken. Ich will alles besorgen, wie Du es geschrieben hast, und Mittewoch, den 13. August, will ich von hier abreisen, damit wir die Pferde nicht so stark anzugreifen brauchen. Ich werde alle Stunden und Tage zählen, bis ich zu Dir komme und Dir sagen kann, wie herzlich ich Dich liebe. Die gute Mutter hat mir auch einen schönen Brief geschrieben, den will ich mitbringen. Auch will ich Dir alle Briefe mitbringen, es sind viele da. Das wird eine große Freude sein, wenn wir uns wiedersehn. Ich freu mich unaussprechlich darauf. In Gedanken war ich schon immer bei Dir; schreiben wollte ich nicht, ich glaubte immer, Du wärst nicht mehr in Pyrmont, denn der Hofrath Loder hat hier überall gesagt, daß Du vier Wochen in Göttingen eingemiethet hättest, und wenn Dirs gefiehl', würdest Du wohl noch länger da bleiben. Deinen Brief vom 12. aus Pyrmont habe ich erst 24. erhalten, also hatt ich in 3 Wochen keinen Brief. Da war ich sehr in Angst; ich habe manchen Tag gar nicht essen können. Nun aber, da ich wieder was von Dir höre, schmeckt es mir wieder. Ich bin ganz wohl, und es steht auch alles gut mit der Häuslichkeit.

Leb wohl. Wir werden gewiß den 15. August in Cassel bei der Madame Goullon eintreffen und zusammen recht vergnügt sein.

 

299. Goethe

Da unsere Briefe nun wieder auf einer besseren Poststraße einen geschwindern Weg nehmen, so werde ich Dir noch einigemal schreiben, um die Zeit zu verkürzen, die wir noch von einander getrennt zubringen. Ich bin hier thätig und fleißig und befinde mich viel besser als im Anfange, da ich hierher kam.

August ist sehr glücklich, doch hält es sehr schwer, ihn auch nur kurze Zeit an den Schreibtisch zu bringen. Indessen lege ich hier einen Brief an Dich und an den Legations-Rath Schmidt bei.

Wir haben hier Gewitter und Regengüsse, und ich höre aus Briefen von Loders, die hierher geschrieben sind, daß es bei euch auch nicht anders ist.

Ich habe ein artig Quartier, an einer Art von Esplanade und nahe am Walle, auf den ich alle Tage spazieren gehe. August hat seine Glückseligkeit an Versteinerungen, die er auf einem nahe gelegenen Berge aufsucht. Auch hat er angefangen, Schach zu lernen, und es geht schon ganz artig damit.

Lebe recht wohl! ich freue mich recht sehr, Dir in Cassel wieder zu begegnen, ich wünsche uns daselbst nur recht schönes Wetter. Alles bleibt bei der Abrede.

Göttingen, am 31. Juli 1801.

G.

 

300. Christiane

Ich habe mich recht sehr gefreut, wieder etwas von Dir zu hören. Auch ist es mir lieb, daß Du Dich noch einige Zeit in Ruhe hältst, ob mir gleich alles nicht recht ist. Aber Deine Gesundheit geht über alles. Ich habe Dir sehr viel zu erzählen von meinen Häuslichkeiten, als auch von andern Sachen, und zähle immer, wenn ein Tag und eine Nacht vorbei ist, und freue mich, daß es nun wieder einsein weniger ist. Es bleibt dabei, daß wir Donnerstag, den 13. August, von hier abreisen. Das Wetter ist hier bei uns auch so, alle Tage Regen und Gewitter, großes Wasser haben wir gehabt, auch Überschwemmung. Aber bei uns, sowohl in [den] Gärten, als auf dem Krautlande, hat es keinen Schaden gethan.

Du wirst Dich recht mit mir über alles freun; ich kann es kaum erwarten, bis ich wieder mit Dir herumspazier. Und auf Cassel freu ich mich auch recht sehr. Gutes Wetter werden mir gewiß haben, denn ich bin sehr fromm gewesen. Auf den lieben August freu ich mich auch sehr, grüße ihn herzlich und sage ihm, daß er auch etwas Schönes von mir bekäm. Er soll nur recht brav sein und seinem lieben Vater folgen.

Von allerhand Äuglichen kann ich Dir auch erzählen, aber ich habe dießmal auch kein einziges gemacht. Der arme Herr von Mellish dauert mich aber sehr; der ist recht krank. Er hat eine Nervenkrankheit und hat es heute selbst vor den Herrn von Bindoff gesagt, daß er gewiß sterben würde. Es kann aber auch wieder besser werden. Morgen kommt Durchlaucht Herzog wieder, und im Schloß geht es geschwinde mit bauen. Der Bauinspector aber wünschte Dich sehr zurück; und alle Stuccateure und alles, was hinten arbeitet, erkundigt sich bei mir, ob Du bald kämst. Ich tröste sie immer von einer Woche zur andern.

Leb wohl und behalte mich nur recht lieb. Ich freue mich nun, Dich bald wiederzusehen; es sind [in] dieser Woche 10  Wochen, daß Du weg bist, und in 10 Tagen bin ich bei Dir und kann Dir selbst sagen, wie lieb ich Dich habe.

Weimar, den 5. August [1801].

 

[Beilage]

Lieber August, ich schreibe Dir nur, daß ich Dich herzlich liebe und mich recht freu, Dich wiederzusehn. Folge ja Deinem lieben Vater und sei mein braves Kind. Mündlich will ich Dir alles erzählen, was hier vorgegangen ist, seit Du weg bist. Du weißt, ich schreibe nicht gern.

Die Tante Ernestine und alles läßt Dich herzlich grüßen; sie wünschen alle, Dich bald wiederzusehn.

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301. Christiane

[Weimar, 26. (oder 27.) August 1801.]

Ich will Dir nur mit ein paar Worten sagen, daß ich und das Bübchen gesund und wohl angekommen sind, und daß wir unser liebes Väterchen in Sehnsucht erwarten. Und wenn wir gewiß wüßten, wenn Du kämst, so kämen wir Dir entgegen. Der August ist ganz glücklich, daß er wieder zu Hause ist. Wie er die Thürme von unserm alten Weimar wieder sahe, so war er ganz ausgelassen. Mündlich ein Mehres.

Leb wohl.

C. V.

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Lieber Vater!

Der Ball bei dem Prinzen ist am Sonnabende sehr gut abgelaufen. Wir fingen um 5 Uhr an zu tanzen, und einige Musici aus der Capelle machten Musik. Unsere Tänzerinnen waren: 2 Comtessen von Egloffstein, die jüngste Imhof, die kleine Schumann; die Tänzer aber die beiden Egloffsteine, Graf Marschalls Theodor, Steins Dieterich, ich, Böhme und Schumann. Die Herzogin und die Prinzessin sahen uns einige Zeit zu, ich konnte ihnen aber meine Tanzkünste nicht zeigen, weil ich keine Dame hatte. Das Confect und die Aepfeltorte haben mir sehr behagt. Um 9 Uhr war der Ball zu Ende. Leben Sie wohl. Weimar, den 4. November 1801. August Goethe.

 

302. Christiane

[Weimar, 7. November 1801.]

Lieber Schatz,

Ich freue mich sehr, daß Du immer in vergnügter Gesellschaft bist. Ich habe diese Woche recht viel zu thun gehabt, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Gestern haben wir von früh bis um 9 Uhr des Abends nur immer Vorhänge gebügelt, und heute bin mit den Kellern und Vorräthen beschäftiget, um alles, da es so kalt wird, vor dem Frost zu bewahren. Morgen aber will [ich] nach Belvedere und heut die Jagemann wieder singen hören.

Leb wohl und behalte mich recht lieb. Auf den Dienstag will ich Dir recht vergnügt entgegen kommen und Dich recht lieb haben.

 

[Beilage: August]

Lieber Vater!

Der heutige Morgen ist so schön, daß ich in Jena zu sein wünschte, um auf den Bergen herumzuklettern und Versteinerungen zu suchen; vielleicht ist es aber auch künftigen Montag noch so schönes Wetter, wo Sie mir erlaubt haben, Ihnen in Jena einen Besuch zu machen, welches mir sehr viel Vergnügen gemacht hat. Ich spiele jetzt auf dem Clavier das schöne Stückchen: »Jüngst sprach mein Herr, der Bader«, welches ich Ihnen auch in Jena vorsingen will. Morgen bin ich bei dem Herrn Legationsrath Schmidt gebeten, um den Geburtstag der Mechtilde mit zu feiern. Leben Sie wohl. Weimar, den 7. November 1801. August Goethe.

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