Johann Wolfgang Goethe
Briefwechsel mit seiner Frau. Band 1
Johann Wolfgang Goethe

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1804

383. Goethe

Ich habe mich lange nicht so wohl befunden als diese Tage her, sogar habe ich wieder Lust zum ›Götz‹; deßwegen ist mirs doppelt lieb, daß Du auch vergnügt in Lauchstädt bist. Bleibe so lange dort, als es Dir gefällt, und laß Dir vom Cassir geben, was Du brauchst. Von Deiner Leipziger Reise hoff ich Gutes zu hören. Es ist recht artig, daß Du diese Stadt auch einmal außer der Messe siehst.

Die Geschichte von der Stall-Cassiren wird Genast ausführlich erzählen. Die Dummheit ist noch größer als das Verbrechen. Schlagt es euch aus dem Sinne; denn weiter ist nichts zu thun.

Lebe recht wohl und vergnügt. Im Hause geht alles recht ordentlich und zu meiner Zufriedenheit. Dein Geistchen scheint darin umzugehen und alles anzuordnen. Alles grüßt. Weimar, den 17. Juli 1804.

G.

 

384. Goethe

Dein Brief mit der Post kam zu rechter Zeit an, auch der heutige durch den Boten. Ich wünsche Dir Glück, daß alles so gut geht, und freue mich herzlich darüber. Hier im Hause geht alles auch in der Ordnung. Voßens waren vier Tage hier, und da war das Essen recht ordentlich. Es ist noch kein Verdruß vorgefallen. Karl besonders macht alles nach meinem Sinn.

Ich bin am ›Götz‹, und wenn ich noch vierzehn Tage fortfahre, so kann ich damit zu Rande kommen.

Nun dächte ich, Du schicktest Sonntag, den 29., den Wagen, da könnte Dienstag, den 31. Juli, Gustel und Herr Riemer abfahren, und es hinge von Dir ab, Montag, den 6. August, oder acht Tage später zurückzukommen. So lange Dirs Freude macht, so lange bin ich es auch zufrieden. Die Stunden, die ich sonst mit Dir verplaudere, arbeite ich am ›Götz‹, und so wird auch Dir ein Vergnügen auf Deine Rückkunft bereitet.

Grüße die Theaterfreunde und mache ihnen begreiflich, daß die freimüthigen und eleganten Mißgönner erst ihren Zweck erreichen, wenn man sich ärgert. Freilich muß es die Neider verdrießen, wenn die Königin Mutter von Preußen überall sagt und wiederholt, daß sie in Berlin so eine Vorstellung nicht zusammenbringen wie die vom ›Tell‹, die sie in Lauchstädt sah. Das macht bös Blut und Galle, die sie dann in ihren Blättern ausschütten.

Lebe recht wohl und vergnügt, und schreibe fleißig. Waschwasser kommt mit, Wein soll folgen. Weimar, den 24. Juli 1804.

G.

Dem Herrn Kanzler die besten Empfehlungen.

 

385. Goethe

Die Kutsche ist glücklich angekommen, und August war außer sich für Freuden, als er vernahm, wo es hinaus sollte. Er kommt nun mit Riemer, und ich wünsche euch zusammen viel Vergnügen. Ich freue mich sehr, daß Dir alles nach Wunsch geht, und bin recht wohl zufrieden, daß Du den 6. August, auf Deinen Geburtstag, nach Tische bei mir wieder eintreffest. Ich will eine Flasche Champagner parat halten, um Dich gut und freundlich zu empfangen. Denn mich verlangt sehr, Dich wieder zu haben. Im Hause geht alles ordentlich. Nach Lauchstädt kann ich nicht. Sage aber der Gesellschaft, daß, wie sie ankommen, Leseprobe vom ›Götz‹ sein wird. Grüße alles. Und gedenke mein. Auf baldiges Wiedersehn. Weimar, den 28. Juli 1804.

G.

 

386. Goethe

Daß ihr den Montag wiederkommt, freut mich sehr, ich wollte, ihr wärt schon da. Wenn man zusammen ist, so weiß man nicht, was man hat, weil man es so gewohnt ist. Wir wollen recht vergnügt diese schönen Monate noch zusammen leben.

Im Hause geht alles recht gut, und ich kann durchaus zufrieden sein. Auf Deine Erzählungen freue ich mich sehr, auch hier passirt einiges Merkwürdige.

Schiller ist leider in Jena sehr krank gewesen, aber wieder außer Gefahr. Die Frau ist glücklich von einer Tochter entbunden.

Lebet recht wohl, und vergnügt euch und kommt glücklich wieder. Ich liebe Dich von ganzem Herzen.

Weimar, den 1. August 1804.

Goethe.

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