Friedrich Gerstäcker
Die Moderatoren
Friedrich Gerstäcker

 << zurück 

7. Der Angriff.

John Jenkins war vierundsechzig Jahre alt, aber keiner der jungen Leute, die ihm heute folgten, wäre imstande gewesen, ihm vorauszukommen, so wild und kampfesmutig und so jugendfrisch in dem Gefühl seiner Rache warf er sich der Gefahr entgegen.

Indessen waren aber auch die anderen beiden Abteilungen nicht lässig in Erfüllung der ihnen anvertrauten Posten gewesen; Billins besonders war mit seinen beiden Pirogen scharf stromab gerudert, um jene Stelle zu erreichen, von der aus sie die Mündungen der Bayous beobachten konnten.

Der Platz erwies sich auch dazu ganz vortrefflich, und Billins selber glitt, seine Kanoes zurücklassend, über die schmale, dicht mit Schilf und Cottonwoodschößlingen bewachsene Landzunge hinüber, um zu beobachten, was da drüben vorging. Der Tag brach mit Macht an, die Vögel im Wald wurden lebendig, und große Ketten Wildenten und Gänse strichen über den Strom schwirrend dahin, ihre Äsungsplätze aufzusuchen. Schon aber verloren die Wolken ihren rosigen Schein, die Sonnenscheibe blitzte durch die gegenüberliegenden Wipfel der Bäume, und noch immer lag die Wildnis still und ruhig – nur dort drüben, über der Bayou, hob sich ein dicker schwarzer Rauch empor; der konnte doch nicht vom Lagerfeuer der Verbrecher herrühren, die sich ihr Frühstück kochten, nein – er wurde breiter und mächtiger – das war ein Schilfbrand, der seinen schwarzen Qualm jetzt über den Bruch wälzte. Hatte da Jenkins gearbeitet, oder die Regulatorenbande vielleicht selber den Wald entzündet, um ihre Flucht in dem Rauch zu verbergen? Nicht lange jedoch sollte ihm Zeit zum Überlegen bleiben, denn jetzt plötzlich glitt ein kleines Kanoe, aber nur von einem Manne gerudert, aus der Mündung der Bayou heraus, wollte er fliehen? Nein, er hielt nur etwa zehn oder zwölf Schritt in den Strom hinaus, als ob er dagegenarbeiten wollte, er sah sich vielleicht um, ob die erwarteten Kanoes noch nicht in Sicht kämen, konnte sich aber nicht gegen die Strömung halten und mußte aus Leibeskräften arbeiten, um nur wieder stilleres Wasser zu erreichen.

Billins wußte jetzt nicht, was er tun sollte. Vorbrechen und sich vor die Mündung legen? Aber dann blieb er im offenen Wasser den Schurken mit ihren Büchsen vollständig preisgegeben, die aus ihrem Versteck heraus seine Leute einzeln wegblasen konnten, ohne daß er nur einen Hutrand von ihnen zu sehen bekam. Das ging auf keinen Fall. Und noch kein Zeichen weiteren Lebens als der immer stärker und schwärzer emporqualmende Rauch, ha! da fiel ein Schuß! Der mußte von Ashleys Partei gefeuert sein – oder war es ein Signal? Und jetzt regte sich etwas drinnen im Schilf und rückte mehr und mehr heraus. Das Kanoe kam wieder zum Vorschein, allein diesmal langsam – wahrhaftig, eine Leine zog es hinter sich her, zwei Männer saßen jetzt darin, und sie ruderten aus Leibeskräften, aber sie zogen ein großes Floß hinter sich, auf dem eine Anzahl Pferde fest zusammengekoppelt standen und Menschen darauf; Neger ruderten es und halfen dem vorgespannten Kanoe. – Billins sah nicht mehr; wie eine Schlange glitt er durch das Gebüsch zurück und in seine Piroge hinein.

»Fort!« rief er, »sie fliehen! Jetzt haben wir die Kanaillen!« Und im nächsten Augenblick schon stießen beide Fahrzeuge vom Ufer ab und schossen in den Strom hinaus. Im Anfang schienen sie auch von denen an Bord des Floßes nicht bemerkt zu sein, denn die hatten mit dessen Führung zuviel zu tun, um es frei in den Strom zu bekommen, daß es nicht unterhalb auf die dort angeschwemmten und eingestürzten Bäume trieb.

Das war auch wirklich kein leichtes Stück Arbeit, denn in dem Fall wäre es rettungslos verloren gewesen, ja, die Menschen hätten in der gurgelnden Flut kaum selber zurück an Land kommen können. Alle arbeiteten denn auch mit gutem Willen, und es gelang ihnen, die gefährlichste Stelle zu passieren. Erst einmal von der wirklichen Strömung erfaßt und im offenen Wasser, brauchten sie nichts mehr zu fürchten, kaum aber hatten sie das eigentliche Fahrwasser des Stromes erreicht, das sie mit wilder Schnelle an den bisher so ängstlich gemiedenen eingebrochenen Baumwipfeln und ihren Wirbeln vorüberführte, als ein Schrei von Bord aus die Aufmerksamkeit aller nach außen lenkte, und jetzt erst entdeckten sie die beiden Pirogen, die mit der Strömung, und von den kräftigen Armen der Neger gerudert, rasch ihnen näher rückten.

Billins erkannte jetzt, daß sich auch zwei Weiße an Bord des Floßes befänden, als diese ihn nicht lange über ihre Absicht in Zweifel ließen, denn im Nu wurde der scharfe Blitz einer Büchse sichtbar, und die Kugel riß, in demselben Moment fast, einem der Männer den Hut vom Kopf.

»Alle Teufel, jetzt wird's Ernst,« lachte Billins, »aber ich denke, wir können ihnen da an Bord alle Hände voll zu tun geben,« und ohne ein Wort weiter zu sagen, hob er seine eigene Waffe und feuerte auf die ihm nächste Gestalt, die eben ihre Büchse wieder lud und gerade vor den Pferden stand.

Ob die Kugel den Menschen getroffen, konnten sie nicht gleich erkennen, aber eins der Pferde bäumte hoch auf und brachte dadurch die anderen mit in Verwirrung. Sie drängten gegeneinander und fingen an auszuschlagen, das Floß schwankte, und an ein ruhiges Zielen von dorther war nicht mehr zu denken.

Die Leute in den Pirogen sahen, wie ein paar von den Negern, um nicht von den Pferden getroffen zu werden, ins Wasser sprangen und sich an dem Floß anklammerten, und das Kanoe, das sich bis jetzt an dessen Seite gehalten, verschwand plötzlich dahinter, vielleicht nur, um aus dem Bereich der Büchsen zu kommen. Billins ließ sich aber nicht auf Möglichkeiten ein.

»Die beiden Burschen im Kanoe,« rief er der andern Piroge zu, »geben Fersengeld; macht, daß ihr dahinterherkommt. Wenn sie nicht gutwillig halten, schießt sie zusammen, ich nehme indessen das Floß.«

Die Piroge beschrieb einen kleinen Bogen, um in Sicht der Flüchtigen zu gelangen, und die Leute legten sich aus allen Kräften in die Ruder. Billins selber war indessen dem Floß auf kaum fünfzig Schritt nahe gerückt. Die Neger suchten sich noch immer vor den Pferden zu schützen, und der eine Weiße zielte mit seiner Büchse herüber, war aber nicht imstande, sich ruhig zu halten. Billins stand in der Piroge und lud, jetzt hatte er die Kugel aufgestoßen, schüttete Pulver auf die Pfanne und hob die Büchse wieder. Der eine Weiße lehnte auf dem Rand des Floßes; er mußte von der Kugel getroffen sein. Der andere drückte ab, aber es war ihm nicht möglich gewesen ordentlich zu zielen, die Kugel zischte weitab ins Blaue, und seine Waffe auf die Balken werfend, sprang er jetzt in die rote Flut hinein und tauchte unter; es war der letzte Akt der Verzweiflung gewesen. Als er zwanzig Schritt abwärts wieder, von dem langen Anhalten des Atems halb betäubt, an die Oberfläche kam, war die erste Piroge dicht neben ihm – noch einmal tauchte er – umsonst; er konnte es nicht mehr lange unter Wasser aushalten. Als er wieder nach oben kam, schoß das Fahrzeug neben ihm hin, und der eine Neger, der vorn am Ruder saß, erfaßte ihn gerade bei den langen Haaren, als er noch einmal untertauchen wollte.

Das Floß trieb indessen mit der Strömung den Fluß hinab, denn die Neger zeigten nicht die geringste Lust, es zu regieren, während das Kanoe von der zweiten Piroge verfolgt wurde. Leicht hätte es hier noch an das rechte Ufer zurückgekonnt, aber teils war die Uferbank zu schroff, teils lagen dort eine Masse eingestürzter Stämme, zwischen die es sich nicht hineinwagen durfte. Es konnte den Moderatoren nicht mehr entgehen.


Ashley war indessen auf dem schmalen Pfad, der durch den Bruch führte, rüstig vorgerückt. Er selber kannte ja auch das Terrain besser als irgendein anderer und wußte genau, wo sich die Verbrecher halten konnten, wenn sie überhaupt in diesem Dickicht staken. Außerdem war auf dieser Seite auch das Unterholz nicht so dicht wie dort, von woher Jenkins vordrang, und wie der Tag dämmerte, konnte er zwanzig bis fünfundzwanzig Schritt rechts und links von seinem Pfad recht gut übersehen. Plötzlich hielt er an.

»Was das nur für ein scharfer Geruch von Rauch ist!« sagte er leise zu dem ihm folgenden Kameraden. »Sollte mich gar nicht wundern, wenn die Schufte schon in dieser Nacht durchgebrannt wären und nun die alte Shanty und das benachbarte Holz angezündet hätten, um jede Spur ihres Aufenthaltes zu verwischen.«

»Wo liegt denn die Shanty?«

»Der Platz muß gleich dort drüben sein; kaum noch dreihundert Schritt von hier, soweit ich mich erinnere.«

»Aber der Rauch kommt von dort her,« sagte der Mann, »seht Ihr? Jetzt könnt Ihr ihn sogar durch die Wipfel erkennen.«

»Alle Wetter!« rief Ashley erschreckt, »dann hat Jenkins den trockenen Bruch angezündet, und wenn sich der Wind nur um einen Strich dreht, kommen wir in Teufels Küche.«

»Er will sie hinausräuchern.«

»Ja, und uns mit – jetzt dürfen wir am Ende gar nicht weiter vor, bis wir nicht wenigstens wissen, wie das Feuer läuft.«

»Ach was,« sagte der hinter ihm Gehende, »gleich rechts in die Gründornflat dringt das Feuer nicht so leicht, und so weit ist's auch gar nicht zurück bis zu der Slew. Der Henker weiß nur, nach welcher Seite sie jetzt ausbrechen werden.«

»Dort kommt einer!« flüsterte Ashley, »fort mit euch!« und noch während er sprach, drückte er sich hinter den nächsten Stamm, während die übrigen entweder, wo sie standen, niederkauerten oder sich auch hinter die nächsten Büsche duckten. Die Gestalt des Mannes kam indes in flüchtigem Lauf, eine Büchse in der Hand, den Pfad entlang, und wie er scheu den Blick nach rechts und links warf, sah er die vor ihm liegende Gefahr nicht. Auf kaum zehn Schritt war er auch herangekommen, als Ashley, sein Gewehr im Anschlag, auf ihn einsprang.

»Steh, Hund, oder ich schieße dich nieder.«

Einen Angstschrei stieß der Überlistete aus, und unwillkürlich sein eigenes Gewehr emporreißend, spannte er den Hahn; aber ehe er nur die Büchse an die Backe heben, ja nur die Mündung richten konnte, berührte Ashleys Finger den Stecher, und durch den Kopf geschossen brach er zusammen.

Jetzt aber war der alte Mann auch warm geworden. Daß die Verbrecher gewarnt sein mußten, lag hier zu deutlich auf der Hand; Billins hatte ihnen auch jedenfalls den Weg zu Wasser abgeschnitten, sonst würde es dieser da wahrlich nicht versucht haben, mitten durch seine Feinde zu entkommen. Ashley nahm sich deshalb kaum Zeit, nur wieder zu laden, und mit dem Ruf: »Drauf, Kameraden, drauf!« stürmte er dann den Pfad entlang.

Jetzt knatterten auch dort drüben Gewehre, aber es blieben nur vereinzelte Schüsse; die umzingelten Räuber hatten sich zerstreut, und es kam nur darauf an, ob sie das entzündete Feuer ihnen entgegenzwang.

Ashley schien in seiner Voraussetzung das Richtige getroffen zu haben. Der von dem Floß – das den Raub in Sicherheit bringen sollte – gefeuerte Schuß warnte die Verbrecher zuerst vor der drohenden Gefahr, die sie aber noch immer nicht so nahe glaubten. Da trieb die Strömung ihnen die beiden Pirogen in Sicht, und zu gleicher Zeit mahnte sie der wachsende Qualm des Feuers, daß auch dort ein Feind auf sie lauern könne. »Rette sich, wer kann,« war jetzt die einzige Losung, denn ihr Führer, der sich auf dem Floß mit eingeschifft, fehlte, und einzeln hofften sie auch viel leichter zu entkommen als in geschlossenem Trupp mit überdies jetzt zusammengeschmolzener Zahl. Zwei waren auf dem Floß, zwei im Kanoe, zwei nach den beiden Pirogen ausgesandt gewesen, um diese herbeizuholen; was konnten die übrigen sieben gegen eine überlegene Zahl der Ansiedler ausrichten, und in den Schilfbruch hinein stoben sie nach allen Seiten.

Der alte Jenkins hatte jedoch recht gut gewußt, sie würden dem Feuer nicht entgegen fliehen, das sie leicht in einem Dickicht und in dornigen Schlingpflanzen überraschen konnte. Deshalb suchte er auch, sobald er nur den ersten Schuß hörte, in vollem Lauf den südlichen Teil des Bruches zu gewinnen, um ihnen den offenen Wald abzuschneiden. Da kroch es und prasselte es im Dickicht, und vier wilde, verstörte Gestalten setzten hindurch; aber wie konnten sie vor sich sehen, wenn sie zugleich Gesicht und Augen gegen die schlagenden Schilfruten schützen mußten? Erwarteten sie doch auch hier noch keinen Feind. Da stürmte es von allen Seiten auf sie ein; sie wollten ihre Waffen gebrauchen, aber in dem Gewirr von Zweigen und Ranken war es nicht möglich, zwei flohen, der eine rechts, der andere links, und Kugeln pfiffen hinter ihnen her; die anderen beiden stutzten, zurück konnten sie nicht, also vorwärts; die Feinde waren ebensowenig imstande, sicher zu zielen, wie sie selber, und wie gehetzte Bären setzten sie durch den Busch. Umsonst, wie die Meute hinter dem Bär, so sprangen die Verfolger auf sie ein.

»Netley!« kreischte Jenkins und floh nach vorn; eine Dornenranke riß ihm die Büchse aus der Hand, er fühlte es gar nicht; ein Baumstamm lag im Weg, wie ein Hirsch setzte der alte Mann darüber hin. Der Verbrecher hörte die Schritte dicht hinter sich, er wandte den Kopf und erkannte den, den er gepeitscht – seinen schlimmsten Feind. Fliehen konnte er nicht mehr, die Füße versagten ihm den Dienst; auf dem Absatz drehte er sich um und hob sein Gewehr; Jenkins sah es gar nicht, sein Messer aus der Scheide reißend, flog er gegen ihn an, und wenn in diesem Augenblick des Verbrechers Büchse gefeuert hätte, wäre es um den alten Mann geschehen gewesen; doch tot schlug der Hahn gegen den Pfannendeckel, ein Schilfblatt hatte sich auf der Flucht dazwischengeklemmt und den Stein gefeuchtet; im nächsten Moment lag ihm Jenkins' Hand an der Kehle, und beide wanden sich im tödlichen Ringkampf am Boden.

Aber das dauerte nicht lange; eine Kugel der Moderatoren hatte den zweiten erreicht, daß er in den Wald taumelte und keinen Widerstand mehr leistete. Sip, der seinem Herrn dicht gefolgt war, sprang ihm jetzt zu Hilfe und holte schon mit einem Beil aus, um den Schädel des Buben zu spalten, als Jenkins' Blick ihn traf.

»Halt, Sip, lebendig!« schrie er, und der Neger, seine Waffe von sich schleudernd, umschlang den Räuber mit den Armen und hielt ihn dort wie in einem Schraubstock, bis die übrigen Moderatoren herbeikamen.

Hier und da fielen jetzt noch vereinzelte Schüsse, aber der eigentliche Kampf war beendet, und wenn sich die Männer auch, nachdem sie den Gebundenen unter Sips Wache zurückgelassen, auf dem Pfad verteilten, um noch vereinzelte Flüchtige abzufassen, kam doch keiner mehr auf dieser Seite in Sicht.

Allein der Wind drehte sich und kam mehr vom Fluß herein, und nicht lange, so konnten sie schon den Schilfbruch brennen hören, wie die Knoten des Rohrs, wenn sie das Feuer ergriff, von der Hitze mit einem Knall, wie fast ein Pistolenschuß, zersprangen. Dies drohende Knattern kam in der Tat immer näher, und es galt jetzt, sich vor dem heranwälzenden Feuer zurückzuziehen. Sip wurde indes der Richtung zugesandt, in der sie Nelly wußten, um diese zu rufen und zum Haus zu bringen, während die Moderatoren mit ihren beiden Gefangenen, denn der Getroffene lebte ebenfalls noch, langsam nach Süden hinunter, der Grenze des Schilfbruchs zurückten. An dieser hinauf zogen sie sich dann langsam Joes Ferry zu, die als Sammelpunkt nach beendigtem Kampf bestimmt worden.

Mit Ashleys Schar trafen die Männer dort zusammen, und laut jubelnd grüßten sich die Sieger, aber Abend wurde es fast, bis Billins mit den Seinen und mit den erbeuteten Pferden und Negern zu ihnen stoßen konnte. Er hatte ja nahe an fünf englische Meilen den Strom mit dem Floß hinabtreiben müssen, ehe er wieder eine menschliche Wohnung und einen Landungsplatz am Ufer antraf. Den Negern, denen er für jede Piroge einen der befreiten Schwarzen beigab, überließ er es dann, die beiden Fahrzeuge wieder stromauf zu schaffen, und die armen Teufel hatten harte Arbeit genug damit und kehrten auch erst am nächsten Tage zu der Fähre zurück, während er selber mit den Seinen und den übrigen Negern die vier Gefangenen und die Pferde transportierte.

Einer der »Regulatoren« war allerdings durch den Leib geschossen und zum Gehen zu schwach, aber wenig Umstände genug wurden mit ihm gemacht. Man band ihn auf ein Pferd, das Billins selber an die Leine nahm, und wie sie nur erst einmal die unmittelbare Nähe des Stromes hinter sich hatten und aus der Niederung heraus waren, ging es in einem scharfen Trab dem Sammelplatz zu, wo jetzt Gericht gehalten werden sollte.

Gericht? Es bedurfte dessen fast nicht. Der Bube, den die eine Piroge auf dem Strom aufgefischt, war der Führer jener nämlichen Schar, die Jenkins' Hütte überfallen, auch der Verwundete gehörte dazu, der mit Netley hatte fliehen wollen. Die beiden im Kanoe waren dieselben, welche Ashley an jenem Tage mit an den Baumast festgebunden; alle die gefundenen Pferde gehörten außerdem in die Ansiedelung, ebenso die Neger. Bedurfte es eines weiteren Verhörs, weiterer Umstände?

Keiner der Gefangenen verlor auch ein Wort, das ihnen jetzt drohende Verhängnis abzuwenden, nur Netley warf sich in feiger Todesfurcht vor seinen Richtern auf die Knie und flehte um sein Leben. Er hätte ebensogut den Himmel anflehen können, über ihm zusammenzustürzen.

Acht von den »Regulatoren«, mit den beiden, die Joe in Bewachung gehabt und unter denen sich Boyd mit dem einen Ohr befand, waren gefangengenommen, drei auf der Flucht getötet worden, zwei nur entkommen oder wenigstens für jetzt in den Wald geflohen, und die Moderatoren saßen zum erstenmal furchtbar zu Gericht.

»Was haben die Buben verdient,« schrie Jenkins mit heiserer Stimme, »die Raub und Mord in unsere friedlichen Wohnungen getragen?«

»Den Tod!« lautete die einstimmige dumpfe Antwort, und kaum fünfzehn Minuten später hingen die Verbrecher draußen im Wald an den breiten Ästen eines Maulbeerbaums, ein furchtbar leckeres Mahl für Raben und Geier. Da Joe aber erklärte, daß er es in der Nachbarschaft nicht aushalten könne und seine Frau die nächste Nacht jedenfalls aus Furcht und Entsetzen kein Auge schließen würde, wenn die acht Leichen da, kaum hundert Schritt von seinem Haus entfernt, an den Zweigen hingen, schnitten sie die jungen Leute noch gegen Abend ab und warfen die Leichname in den Strom.

Von der Zeit an hatte die Ansiedelung am Redriver Ruhe, und kein Regulatorenbund wagte mehr sein Haupt zu erheben. Zwei von der Bande waren allerdings entkommen, und trotzdem daß am nächsten Morgen sämtliche Backwoodsmen den Wald durchstreiften und sie aufzufinden suchten, liefen sie keinem von diesen in den Weg. Aber die Gegend war ihnen auch zu warm geworden, und nur vereinzelt trieben sie sich jahrelang in den westlichen Staaten umher, bis endlich im Jahre 1848 der Goldreichtum Kaliforniens entdeckt wurde. Das befreite Texas mit einem Schlag von all dem gesetzlosen Volk; denn diese Burschen wußten sich sämtlich Geld zur Überfahrt zu verschaffen, und der noch junge Staat konnte von da an ruhig seiner Entwickelung entgegengehen.

 


 


 << zurück