Emanuel Geibel
Brunhild
Emanuel Geibel

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Fünfter Aufzug.

Burghof zu Worms; ein weiter Raum, im Hintergrund durch eine Mauer geschlossen. Links in dieser Mauer ein breites Tor, über welchem sich ein Turm erhebt. Zu beiden Seiten des Hofes vorspringende Flügel des Königsschlosses, zu deren Pforten Treppen aufsteigen. – Es ist Nacht; über der Mauer ist der sich zum Untergang neigende Mond noch sichtbar.

Erster Auftritt.

Volker. Hunold, später Sigrun.

Volker. Beim Wodan! Hätt' ich nicht im Sachsenkrieg
Dich stets voran gesehn: ich müßte denken,
Du hättest Furcht, Gesell.

Hunold.                                 Hau auf mich ein,
Und blinz' ich mit der Wimper, schilt mich feig.
Doch sieh, vor diesem Zauberweibe graut mir,
Und wie sie eben durch den Pfeilergang,
Gewänder schleppend, Wehgesänge murmelnd,
An mir vorüberschritt, langsam, daß ich
Im Mondlicht ihr verglastes Auge sah –
Da faßte mich ein jach Entsetzen an
Und trieb mich her zu dir.

Volker.                                 Ich will hinauf,
Sie heimzuschicken.

Hunold.                         Spar es dir. Da ist sie.

(Sigrun erscheint im Hintergrunde links.)

Sigrun. Hinab, hinab, du fahler Mond! Was säumst du,
Glutauge, noch am Waldeshang? Hinab!
Im Haus des Todes muß es finster sein.

Volker. Was treibst du hier bei Nacht? Geh schlafen, Weib!

Sigrun. Die Blinden schlafen, schlaflos sind die Schauenden.
Mein Werk bestellen muß ich. Stör mich nicht!

Volker. Dein Werk?

Sigrun.                     Zu schauen, was die Norne webt,
Mir selbst zur Qual, denn keine Warnung frommt mehr.

Volker. Du sprichst, als droht' uns nahes Mißgeschick.

Sigrun. Das droht nicht mehr, was schon vollendet ward.

Volker. So rede, was?

Sigrun.                       Die Wolke deckt es zu,
Wie du mich ansprichst. – Nein, weh mir! Noch einmal
Zerrinnt der Nebel, und aufs neue taucht's
Empor – da – da!

Volker.                       Was siehst du?

Sigrun.                                               Tief im Forst
Ein gräßlich Weidwerk. Minne sann es aus,
Und Haß bestellt es mit verruchtem Stahl.
Weh, wie vom frischen Blut die Erde raucht!

Volker. In dunkeln Worten rasest du. Sprich klar!

Sigrun. Halt mich nicht auf! Zur Herrin treibt's mich fort;
Doch ob ich rase, lehrt noch diese Stunde.
Vom Wald herüber fliegt der Rabe schon,
Und das Entsetzen pocht ans Tor. Fahr wohl!

(Sie schreitet vorüber.)

Volker. Mir graust. – Wo blieb sie?

Hunold.                                       Auf den Stiegen wallt sie
Zu Brunhilds Kammern.
        (Pochen am Tore.)
                                    Horch, da pocht's!

Giselhers Stimme (draußen).                               Macht auf!
Macht auf!

Volker.             Die Stimme kenn' ich. Giselher!

(Volker öffnet das Tor. Giselher stürzt herein.)

Zweiter Auftritt.

Volker. Giselher. Hunold, später sechs Männer mit der Leiche Siegfrieds.

Giselher. O Volker, Volker!

Volker.                               Sprich, was ist? Du schwankst;
Dein Atem fliegt, und deine Stimme zittert –
Was gibt's?

Giselher.           O Frevel, Frevel unerhört!
Unsagbar Weh! – Wie soll ich dir's verkünden!
Auch du hast ihn geliebt –

Volker.                                   Du ängstigst mich –
Kein Leid betraf den König doch?

Giselher.                                             Nicht ihn.
Doch er, der unser aller Liebling war –
O Jammer!

Volker.             Siegfried? Was geschah ihm? Rede!

Giselher. Erschlagen liegt er, gräßlich hingewürgt!

Volker. Erschlagen?! –

Giselher.                     Faß es, wenn du kannst. Ich sah ihn,
Und faß es doch nicht. Noch vor wenig Stunden
So schön, so stark, so froh! Und nun dahin!
Ach, glauben konnt' ich's nicht, da sie ihn brachten.
Ich warf mich über ihn, an seinem Mund,
An seinem Herzen lauscht' ich atemlos.
O, einen Hauch, der keinen Flaum bewegt,
Hätt' ich gespürt, den Schatten eines Pulses –
Umsonst! Umsonst! Das Schreckliche blieb wahr.
Da sind sie schon – Sieh's an mit eignen Augen!

(Siegfrieds Leiche ist auf einer Bahre gebracht worden; dieses wird jetzt vor den Stufen zur Linken niedergelassen. Bei ihr zwei Fackeln, die jedoch den Raum nur schwach erhellen.)

Volker. Entsetzlich! Wer verübte dieses Greu'l?

Giselher. Wir wissen's nicht. Geschah's durch Räuberhand?
War's ein verborgner Feind? Im Blute schwimmend
Am Lindenbrunnen fand ihn Hagen auf.

Volker. Hagen? – O all ihr Ew'gen! – Nein, das tat
Kein Räuber. Wehe, wehe diesem Haus!

Dritter Auftritt.

Die Vorigen. Kriemhild erscheint oben an der Pforte zur Linken, mit ihr Gerda.

Kriemhild. Im Hofe Fackelschein und Weheruf –
Laß mich hinab!

Gerda (will sie zurückhalten). Herrin! –

Giselher.                                         Zurück, Kriemhilde!
Bei allen Göttern, geh zurück! Hier ist,
Was du nicht schaun darfst.

Kriemhild.                               Haltet mich nicht auf!

Gerda. Ein Toter, Herrin –

Kriemhild (hinabsteigend).   Fort! Ich weiß es ja,
Er ist's! – O Siegfried, Siegfried, mein Gemahl!

(Stürzt bewußtlos über Siegfrieds Leiche.)

Giselher. O rettet, rettet, helft! Die Schwester stirbt!

Vierter Auftritt.

Die Vorigen. Gunther und Hagen treten auf durch das Burgtor, hinter ihnen ein zahlreiches Jagdgefolge mit vielen Fackeln. Alles wird hell.

Volker. Zu welchem Jammeranblick nahst du, Fürst!
Dein edler Schwäher tot, und neben ihm
Vor jähem Schrecken leblos deine Schwester.

Gunther. Unglücklich Weib! Wer sagt' es ihr so früh?

Volker. Sie kam und sah's und brach im Schmerz zusammen.

Giselher. Sie regt sich –

Gunther.                       Kriemhild, auf! Ermanne dich!
Wirf diese Starrheit ab! Vernimm die Stimme
Des Bruders, welcher deinen Jammer ehrt.
Wach auf!

Kriemhild.       O laßt mich! Laßt mich! Weh, dies Licht
Ist zu erbarmungslos – Komm wieder, Nacht,
Und hüll in Dunkel meines Glückes Trümmer!
O diese Züge, drauf zu tausend Malen
Das Wort der Lieb' ich las, und nie genug;
Die Lippen, die noch gestern mich geküßt,
Tot, tot, unwiederbringlich! – o das ist
Der alte Neid der Götter, der kein Hohes
Erträgt und das Gemeine nur verschont!
Der Hirsch im Forste kehrt zu seiner Hindin,
Und du bist tot! Der Bettler, der kein Weib hat,
Der stumpfe Knecht, der ein verhaßtes Dasein
Durch Mühsal hinschleppt, lebt, und du bist tot,
Tot, weil du groß und schön und glücklich warst!

Gunther (zu Hagen).
Mensch, dieser Jammer kehrt das Herz mir um.

Kriemhild. Und wärst du, wie es Helden ziemt, gefallen,
Wo der Walküre Flügel tödlich rauscht!
Es wär' ein Trost – Doch nein, sie brachten dich
Nicht heim vom Walfeld auf zerhaunem Schild,
Verhüllt in Siegeskränze deine Wunden –
So gnädig konnten sie's nicht fügen – Nein,
Lichtscheuer Mord, der noch sein Opfer schändet,
Sprang hinterrücks dich an; im Waldesdunkel
Kampflos und ruhmlos wurdest du erwürgt!
Und, o, von wem! –

Gunther.                         Wir klagen mit dir, Schwester,
Ein unerklärlich Mißgeschick –

Kriemhild.                                     Du lügst!
Hier ist kein Mißgeschick, hier ist ein Frevel!
Hellsehend macht der Jammer, nur das Glück
Ist blind. Du hast um diese Tat gewußt! Wo nicht,
Sprich nein! Heb deine Hand auf und sprich: Nein!

Gunther. Kriemhilde –

Kriemhild.                   Sieh, du kannst es nicht; du möchtest
Jetzt einen Meineid schwören, doch die Lippe
Versagt dir. – Sieh, dort tritt auch er heran,
Der Finstre mit der roten Hand. Noch dampft
Von ihm der Blutgeruch. Hinweg, Verfluchter!
Des Leichnams Wunden brechen strömend auf,
Und zeugen, Scheusal, du erschlugest ihn!

Gunther. In welches Irrsal –

Hagen.                                 Nicht also, mein Fürst!
Wozu verleugnen, was auf dieses Haupt
Ich furchtlos nehme? – Ja, du sagst es, Frau,
Ich hab's getan. Die Minne wollt' er trinken;
Am Lindenborn hab' ich ihm eingeschenkt.

Kriemhild. So sei verflucht vom Wirbel bis zur Sohle!
Ja, wirf die Stirn zurück nur, trotze nur,
Dein Trotz soll Angst noch werden, Wüterich!
Es kommt die Stunde, da wir Rechnung halten.
Und wähne nicht, ich sei ein schwaches Weib!
Das war ich, bis du mich zur Witwe machtest;
Jetzt aber bin ich stark in meinem Schmerz,
Unüberwindlich – O, mein Aug' ist trocken,
Doch innen wein' ich, innen, und der Strom
Der heißen Tränen, rückwärts sich ergießend,
Fällt auf mein Herz, und härtet seinen Grimm,
Wie sich in Wasser glühend Eisen stählt.
Du wirst ihm nicht entrinnen; und so wahr
Du meiner kein Erbarmen trugst, hier schwör' ich's:
Ich will einst lachen, wenn dein Haupt mir fällt!

(Sie ergreift Siegfrieds Schwert, schwingt es wie zur Drohung gegen Hagen und bleibt später, in Rachebrüten versunken, auf dasselbe gestützt stehen.)

Hagen. Dein Dräuen schreckt mich nicht. Ich wußt' es ja,
Daß du mich um die Tat nicht segnen würdest;
Doch tat ich nur, was mir die Pflicht gebot.
Beschimpft war meine Königin; ich habe
Die Schmach mit Blut getilgt. – Sieh hin, da naht sie
Erhobnen Hauptes wieder, wie sie darf.

Kriemhild. Sie soll's nach beugen lernen, schwör' ich dir.

Fünfter Auftritt.

Die Vorigen. Brunhild, die bereits während der letzten Reden oben vor der Pforte zur Rechten erschienen ist, steigt in den Burghof herab. Ihr folgt Sigrun.

Hagen. Gebt Raum der Fürstin!

Brunhild.                                 Jetzt, ihr Götter, laßt
Den vollen Kelch des Sieges mich noch leeren!
Dann komme, was da will!
        (Sie tritt an die Leiche.)
                                        Ha, stolzer Mann,
Lernst du nun Demut? Hat die Norne dich
Nun selbst gebändigt, Jungfraunbändiger?
Du liebst ja sonst die dunkeln Brautgemächer,
Bist du gestillt nun, da das dunkelste
Sich vor dir auftut? Traun, wir tauschten jetzt
Die Lose wieder aus – Nun liegst du hier,
Ein schmählich Bild von gestern, mir zu Füßen,
Staub bei dem Staub, und siegreich über dir
Frohlock' ich und –
                              O Lüge! Lüge! Lüge!
Ich trag' es nicht. – Verflucht die Lippe, die
So trostlos prahlen wollte! Hier ist nichts,
Nichts, nichts, als grenzenloses Weh! Denn ich
Hab' dich getötet! – Wie? Habt ihr's gehört,
Und regt euch noch? Hat euch Entsetzen nicht
Zu Stein verwandelt? Steht das Herz der Welt
Nicht schaudernd still, daß mir die Götter das
Verhängen konnten? – Ich hab' ihn getötet!
O, wenn das Leid einst aller Sterblichen
Gewogen wird, zu Bergen aufgetürmt,
So werf' ich in die andre Schale nur
Dies eine Wort, und jene Berge schnellen
Hochauf wie Flammen, und im Reich des Jammers
Wird niemand Krone tragen außer mir!

Gunther. Mir graut. Zur Riesin wächst sie, wie sie klagt.

Brunhild. Es war ein Tag, da hätt' ich froh mein Leben
Gegeben, einmal nur die heiße Stirn
An dieser Brust zu ruhn. Und nun – seht her!
Nun klafft hier, bis ans Herz hinabgegraben,
Der gräßlich stumme Brunn, und quillt, und quillt
Von schwarzem Blut – und das hab' ich getan!
Ach, nicht wie ihr, in blindem Unverstand!
Nein, nein, ich wußte, was ich tat, und mußt'
Es dennoch tun. – Was war denn Siegfried euch?
Ein Götterbild für dumpfe Maulwurfsinne!
Ich aber kannt' ihn – O, die Lust der Welt
Ist hin mit ihm, und alle Herrlichkeit
Spurlos verweht! Nun kehrt die Sonne selbst
Ihr Antlitz von der tatenlosen Erde,
Und birgt ihr strahlend Aug' auf immerdar
In Finsternis; denn er, für den sie schien,
Ihr schöner Liebling ist nicht mehr zu finden,
Und keines Blickes wert, was übrigblieb!

Gunther. O mäß'ge dich! Hör auf –

Brunhild.                                       Ich will von Maß
Nichts wissen. Lang genug verschloß ich schon
Mein selig lodernd Unheil in der Brust;
Doch endlich, endlich, wie der Feuerstrom
Auf Heklas Busen, wallt's, und schwillt, und bricht
Sich Bahn gewaltsam, und ich halt' es nicht.
Ja, wißt es alle: diesen Mann hab' ich
Geliebt! Von Anfang ihn, und keinen sonst!
Hab' ihn geliebt trotz Schicksalsschluß und Sternen,
Und wohl zermalmen können mich die Götter,
Doch meine Lieb' entreißen sie mir nicht!

Gunther. Um deine Ehre –

Brunhild.                           Ehre? Meine Ehre
Ist, daß ich dieses Toten würdig sei,
Und nur mit ihm noch hab' ich's, nicht mit euch.
        (Wendet sich wieder zu Siegfried.)
O, sieh so wild nicht aus den blut'gen Locken,
So starr mich an! Wie gern, huldloser Freund,
Wie gerne hätt' ich sanfter dir gebettet!
Doch du, du wehrtest mir und rissest selbst,
Du selbst aus Wolken dies Geschick herab.
O, schrecklicher, als dich der scharfe Stahl,
Traf mich dein Trug, und was ich litt durch dich,
War mehr als Tod. – Doch sieh, nun ist's gesühnt;
Und Liebe, die so lang vom Haß das Antlitz
Geborgt, naht dir in eigner Bildung nun,
Und schmilzt entwaffnet hin. O deine Hand!
Daß ich in heißen Tränen meine Seele
Darauf hinweinen mag!

Kriemhild.                         Hinweg von ihm.
Zu lange trug ich schon dies Gaukelspiel,
Mit dem du, Wölfin, noch im Tod ihn schmähst.
Hinweg, hinweg! Sein Weib gebeut es dir,
Sein Weib, das dich verflucht!

Giselher.                                       O Schwester Kriemhild,
Sieh ihren Schmerz, sieh unsern an! Wohnt denn
In solcher Trauer keine Sühnung?

Kriemhild.                                         Keine.
Die Welt ist gnadenlos, ich ward es auch.
Zurück noch einmal, Weib!

Brunhild.                                 Übst du so streng
Die Leichenwache, Unerbittliche?
Sei's drum. Den letzten armen Liebesgruß,
Den Druck der kalten Hand magst du mir wehren,
Doch meinen Willen hältst du nimmer auf;
Denn stark ist, wie die Götter selbst, die Sehnsucht.
O Siegfried, Siegfried, was vermag mich noch
Von dir zu scheiden! Nein, nicht mehr im Staub hier,
Dem nur, was sterblich, eignet, such' ich dich.
Es gibt ein Reich, ein stilles, wo kein Bund
Den andern ausschließt, weil dort Lieb' und Haß
In göttlichem Erkennen untergehn,
Und alles Große sich gehört. – O dort,
In heil'ger Dämmrung bei den hohen Schatten,
Dort bist du mein, Geliebter! – Horch, mir ist,
Aus dunkler Ferne hör' ich deinen Ruf,
Und wie von Flügeln rauscht es um mich her.
Willst du mich grüßen, oder zürnst du schon
Voll Ungeduld, daß ich hier müßig klage,
Anstatt zu tun, was einzig mir geziemt?
Wohlan, du sollst nicht harren! Gib den Stahl! –
Durch Blut und Flammen führt der Pfad hinaus,
Du gingst voran, ich folge –
        (Sie durchsticht sich mit Siegfrieds Dolch.)
                                          Nimm mich auf!

Gunther. Halt' ein, Unsel'ge! – Weh, zu spät!

Kriemhild.                                                   Fahr hin!
Ein Opfer sparst du mir; doch mehr sind not.
Und keins soll fehlen. Das ist meine Treue.

Gunther (über Brunhilds Leiche gebeugt).
O Tod, wie schwelgst du heut in edlem Blut!
Auch du dahin, du mit der Adlerseele,
Mein stolzes, wildes, königliches Weib!
So jung, so schön, und ewig glücklos doch!
Weh, weh um dich!

Sigrun.                         Was klagt ihr um die Toten,
Die ihr beneiden solltet! Gnädig hob
Aus allem Wirrsal sie ein Gott empor,
Und ihr gereinigt Los empfängt das Lied.
Nein, klagt um euch! Denn über eure Häupter
Hängt unerfüllt noch, wie Gewitterlast,
Der Fluch herab. –
        (Glühendes Morgenrot am Himmel.)
                              Ha, seht, o seht, wie's dort
Im Osten düsterrot empor sich wälzt!
Im Wolkenbrande kommt das Bild der Zukunft –
        (In prophetischer Begeisterung.)
Ha, welch ein Fest! Durch umgestürzte Becher rast
Der Todesreigen. Hört ihr nicht den Schwertgesang?
In Feuerflammen steht der Saal, hoch türmen sich
Die Leichen, an den Wänden schwillt das Blut hinan,
Und kein Entrinnen, nirgends, keine Flucht! – Und nun
Wird's totenstill. Geschnitten liegt die ganze Saat.
Nur eine wandelt riesig noch durchs Haus des Mords,
Das Schwert geschultert, blutbetrieft. Sie hält am Haar
Ein abgeschlagnes, kronumreiftes Haupt empor,
Und zeigt's dem Letzten, der von allen übrigblieb.
Nun schlingt auch die der rote Strom. – Weh über euch!
Das ist der Nibelungen Not und Untergang!

Hagen. Sei's drum. Ich denk', als Männer tragen wir auch das.

(Der Vorhang fällt.)


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