Autorenseite

 << zurück 

Kapitel XI.

Saint-Malo, aufs Meer gebaut und von Wällen umschlossen, scheint, wenn man ankommt, ein Kranz aus auf die Wellen gelegten Steinen, deren Blumen Pechnasen sind. Die Wogen schlagen gegen die Mauern und brechen sich bei Ebbe zu ihrem Fuß auf dem Sande. Kleine, seetangbedeckte Felsen steigen niedrig aus dem Strand auf und gleichen schwarzen Flecken auf der gelben Fläche. Die größeren tragen, senkrecht und ganz glatt aufsteigend, auf ihren ungleichmäßigen Gipfeln die Fundamente der Befestigungen und verlängern so die graue Farbe und verstärken ihre Höhe.

Über dieser gleichförmigen Linie von Wällen, aus der hier und dort Türme vorspringen und die an anderen Stellen der scharfe Spitzbogen der Türme durchbricht, sieht man die aneinandergedrängten Dächer der Häuser mit ihren Ziegeln und ihrem Schiefer, ihren kleinen, offenen Luken, ihren ausgeschnittenen Wetterfahnen, die sich drehen, und ihren Schornsteinen aus rotem Töpferton, deren bläuliche Rauchfäden sich in der Luft verlieren.

Im ganzen Umkreise erheben sich rings im Meere trockene Inseln, ohne Bäume und Gras, auf denen man von ferne ein paar von Schießscharten durchbrochene Mauerstücke erkennt, die in Ruinen fallen und von denen jeder Sturm große Brocken fortreißt.

Der Stadt gegenüber, mit dem Festlande durch eine lange Werft verbunden, die den Hafen vom offenen Meere trennt, auf der andern Seite des Bassins, dehnt sich das Quartier Saint-Servan aus, leer, geräumig, fast verlassen, und ganz behaglich in eine große sumpfige Wiese gebettet. Am Eingange erheben sich die vier Türme des Schlosses von Solidor, die untereinander durch Kourtinen verbunden und von oben bis unten schwarz sind. Das allein belohnt uns dafür, daß wir diesen unter der vollen Julisonne langen Weg über den Strand gemacht hatten, mitten durch Zimmerhöfe zwischen den kochenden Pechtöpfen hindurch und den Feuern aus Hobelspänen, mit denen man die Gerippe der Schiffe abflammte.

Der Weg um die Stadt auf den Wällen ist einer der schönsten Spaziergänge, die es gibt. Niemand kommt dort hin. Man setzt sich in die Kanonenscharten, die Füße über dem Abgrund. Vor sich hat man die Mündung der Rance, die wie ein Tal zwischen zwei grünen Hügeln ausfließt, und dann die Küsten, die Felsen und Inseln, und überall das Meer. Hinter einem geht der Posten auf und ab, dessen regelmäßiger Schritt auf hallende Fliesen tritt.

Eines Abends blieben wir lange dort. Die Nacht war mild, eine schöne Sommernacht, mondlos, aber funkelnd von den Feuern des Himmels, gewürzt vom Windhauch des Meeres. Die Stadt schlief; die Lichter verschwanden eins nach dem andern aus den Fenstern, die fernen Leuchttürme glänzten als rote Flecken im Schatten, der über unseren Köpfen blau war und an tausend Stellen mit zitternden und strahlenden Sternen punktiert. Man sah das Meer nicht, man hörte es, man roch es, und die Wogen, die gegen die Wälle peitschten, sandten uns durch das weite Loch der Pechnasen die Tropfen ihres Schaumes herauf.

An einer Stelle sind zwischen den Häusern der Stadt und der Mauer in einem Graben ohne Grün Kugelhaufen aufgereiht.

Von da aus kann man am zweiten Stockwerk eines Hauses lesen: »Hier ist Chateaubriand geboren.«

Weiterhin wird die Mauer durch den Bauch eines dicken Turmes unterbrochen: das ist die Quinquengrogne; ebenso wie ihre Schwester, die Générale ist sie hoch, bauchig, furchtbar, in der Mitte wie eine Hyperbel ausgebaucht, und sie hält immer noch gut. Noch intakt und fast wie neu, wären sie ohne Zweifel wertvoller, wenn sie die Steine ihrer Zinnen ins Meer abwürfen und wenn über ihren Häuptern das düstere Laub im Winde zitterte, das den Ruinen fremd ist. Werden nicht die Monumente wie die Menschen und die Leidenschaften durch die Erinnerung größer? werden sie nicht durch den Tod vollkommen?

Wir gingen in das Schloß. Der verödete Hof, wo die verkümmerten Weiden auf der Erde ihren Schatten ründen, war schweigsam wie der eines Klosters. Die Frau des Portiers ging, um die Schlüssel vom Kommandanten zu holen; sie kehrte in Gesellschaft eines hübschen kleinen Mädchens zurück, das sich zu seinem Vergnügen die Fremden ansehen wollte. Es hatte nackte Arme und trug ein großes Bukett. Sein schwarzes, von Natur krauses Haar hing unter dem niedlichen Kopftuch hervor, und die Spitze seiner Hose flatterte über seinen kleinen Schuhen aus Ziegenleder, die mit schwarzen Schnüren um seine Knöchel befestigt waren. Es ging auf der Treppe vor uns her, lief und rief uns.

Man steigt lange, denn der Turm ist hoch. Das lebhafte Licht der Schießscharten dringt wie ein Pfeil durch die Mauer. Wenn man den Kopf durch ihre Spalte steckt, sieht man das Meer, das mehr und mehr zu versinken scheint, und die helle Farbe des Himmels, der immer größer wird, so daß man Furcht hat, sich darin zu verlieren. Die Schiffe scheinen Schaluppen, und ihre Masten Spazierstöcke. Die Adler müssen uns für so groß wie Ameisen halten.

Sehen sie uns auch nur? Wissen sie, daß wir Städte haben, Triumphbogen und Kirchtürme?

Auf der Plattform angelangt, kann man sich, obgleich die Zinne bis zur Brust reicht, jener Erregung nicht erwehren, die einen auf allen schlanken Höhen erfaßt; eines wollüstigen Unbehagens, gemischt aus Furcht und Vergnügen, Hochmut und Schrecken, eines Kampfes zwischen dem Geist, der genießt, und den Sinnen, die leiden. Man ist sonderbar glücklich; man möchte fort, sich in die Luft werfen, fliegen, sich in ihr verbreiten, von den Winden getragen werden, und die Knie zittern und man wagt sich nicht dem Rande zu nähern.

Und doch sind Leute da eines Nachts an einem Strick heraufgeklettert, aber ehemals! In jenem fabelhaften sechzehnten Jahrhundert, der Epoche wilder Überzeugungen und rasender Liebe. Wie das menschliche Instrument da mit allen Saiten geschwungen hat! wie der Mensch weit war, voll und fruchtbar! Kann man nicht von dieser Zeit das Wort Fenelons sagen: »Ein Schauspiel, nach Wunsch zur Lust der Augen geschaffen?« Denn, ohne gleich von den Vordergründen zu reden, den Glaubensbekenntnissen, die wie einstürzende Berge auf ihren Fundamenten krachen, neuen Welten, die man entdeckt, verlorenen Welten, die man ausgräbt, und von Michelangelo unter seiner Kuppel, vom lachenden Rabelais, vom schauenden Shakespeare und vom träumenden Montaigne; wo sonst mehr Entwicklung in den Leidenschaften finden, mehr Ungestüm in den Taten des Mutes, mehr Strenge des Willens, kurz, eine vollständigere Entfaltung der Freiheit, die sich unter allen angeborenen Bestimmungen durchsetzt und wendet? Und mit welchem Relief löst sich daher auch diese Episode aus der Geschichte, und wie fügt sie sich doch auch wieder wunderbar hinein, um ihrer Farbe Glanz zu verleihen und ihre Horizonte zu vertiefen! Gestalten ziehen vor einem vorüber, die in drei Zeilen leben: man trifft sie nur einmal; aber lange träumt man sie, und man müht sich, sie zu betrachten, um sie besser zu erfassen. Waren unter anderen jene der alten Haudegen nicht schön und furchtbar, eines Geschlechts, das etwa gegen 1598 mit der Einnahme von Vervins verschwand, wie zum Beispiel Lamouche, Heurtaud de Saint-Offrange, La Tremblaye, der davonzog, indem er das Haupt seiner Feinde in der Faust trug, oder jener La Fontenelle, von dem man gesprochen hat; Eisenmänner, deren Herz sich so wenig bog wie die Schwerter, und die, tausend divergierende Energien an sich ziehend und mit ihnen lenkend, die Städte weckten, indem sie nachts im Galopp in ihre Mauern einzogen, Freibeuterschiffe ausrüsteten und die Felder verbrannten, und mit denen man wie mit Königen unterhandelte! Wer hat davon geträumt, jene gewalttätigen Provinzstatthalter zu malen, die die Menge aussaugten, die Frauen vergewaltigten und das Gold zusammenrafften, wie d'Epernon, der furchtbare Tyrann in der Provence und der parfümierte Schäker im Louvre, wie Montluc, der die Hugenotten mit eigenen Händen erdrosselte, oder wie Baligni, jener König von Cambrai, der Macchiavell las, und dessen Frau zu Pferde, den Helm auf dem Kopfe und im Küraß auf der Bresche erschien.

Einer der vergessensten Männer dieser Zeit, einer von denen wenigstens, den zu nennen sich die meisten Historiker begnügen, ist der Herzog von Mercoeur, der unerschrockene Feind Heinrichs IV., der ihm länger widerstand als Mayenne, länger als die Liga und als Philipp II. Schließlich entwaffnet, das heißt, gewonnen, beruhigt (unter solchen Bedingungen, daß man dreiundzwanzig Artikel des Vertrags geheim hielt), wußte er nicht mehr, was er beginnen sollte und ging nach Ungarn in Dienst; da kämpfte er gegen die Türken, griff ihrer einmal mit fünftausend Mann eine ganze Armee an, wollte dann, noch einmal dort besiegt, nach Frankreich zurückkehren und starb in Nürnberg im Alter von vierundvierzig Jahren in seinem Bett am Fieber.

Saint-Malo hat ihn mir wieder ins Gedächtnis gerufen. Er geriet immer mit ihm zusammen und Konnte es nie weder als Untertanen noch als Bundesgenossen bekommen. Sie verstanden es freilich, auf ihre eigene Rechnung Krieg zu führen und mit eigenen Kräften Handel zu treiben, und obgleich sie im Grunde Ligisten waren, wiesen sie den Herzog zurück, ohne darum den Bearnesen zu wollen.

Als der Sieur de Fontaines, der Statthalter der Stadt, ihnen den Tod Heinrichs III. bekannt gegeben hatte, weigerten sie sich, den König von Navarra anzuerkennen. Man griff zu den Waffen, man baute Barrikaden. Fontaines schloß sich im Schloß ein und alle blieben bei der Defensive. Allmählich faßten sie ihre Beute. Zunächst verlangten sie von Fontaines, er solle erklären, er wolle sie in ihren Freiheiten erhalten. Fontaines gab nach, da er hoffte, Zeit zu gewinnen. Im folgenden Jahre (1589) wählten sie vier vorn Statthalter unabhängige Generale. Das Jahr darauf setzten sie es durch, Ketten spannen zu dürfen, Fontaines bewilligte es nochmals. Der König war zu Laval, er erwartete ihn. Der Moment war nah, wo er sich mit einem Schlage für all die empfangenen Demütigungen rächen würde, für alle gemachten Konzessionen. Aber er beeilte sich zu sehr und verriet sich. Als die Malouinen kamen, ihn an seine Versprechungen zu erinnern, antwortete er ihnen, wenn der König sich zeige, werde er ihm die Tore öffnen. Von da an war man entschlossen.

Das Schloß hatte vier Türme. Über den höchsten, die Générale, versuchten sie die Besteigung. Solche Tollköpfe waren damals nicht selten: Beweis die Besteigung der Klippe von Fécamp durch Bois-Rosé und die Bestürmung des Schlosses von Blein durch Goebriant.

Man verabredet sich, man versammelt sich mehrere Abende nacheinander bei einem gewissen Frotet, Sieur de la Landelle, man beredet sich mit einem schottischen Kanonier vom Ort, und in einer Nebelnacht brechen alle bewaffnet auf, begeben sich unter die Mauern der Stadt, lassen sich an Stricken hinausgleiten und nähern sich dem Fuß der Générale.

Dort warteten sie. Ein plötzliches Rascheln macht sich auf der Mauer vernehmbar; ein Drahtknäuel fiel, sie hefteten rasch ihre Leiter daran, sie wurde vom Kanonier am Turm hinaufgehißt, und am äußersten Ende einer in dem Rahmen der Zinne aufgeprotzten Feldschlange befestigt.

Michel Frotet stieg als erster hinauf, dann Charles Anselin, La Blissais und die anderen. Die Nacht war finster; der Wind blies; sie kletterten langsam, den Dolch zwischen den Zähnen, mit den Füßen nach den Leitersprossen tastend und mit den Händen vorwärtsgreifend. Plötzlich (sie waren schon in der Mitte) fühlen sie, wie sie sinken, die Leiter hat sich gelöst! Kein Schrei, sie blieben regungslos. Das Gewicht all dieser Leute hatte die Feldschlange gekippt; sie wurde vom Rahmen der Zinne gehalten; dann begannen sie wieder zu steigen und kamen alle nacheinander auf der Plattform des Turmes an.

Die betäubten Pasten hatten keine Zeit, Alarm zu schlagen. Die Garnison schlief oder spielte auf den Trommeln Würfel. Der Schreck ergriff sie, sie flohen in den Hauptturm. Die Verschworenen verfolgten sie dahin; man schlug sich auf den Treppen, in den Gängen, in den Zimmern, man zermalmte sich unter den Türen, man tötete, man erdrosselte. Die Bewohner der Stadt kamen zur Verstärkung; andere legten Leitern an die Quinquengrogne, drangen ohne Widerstand ein und begannen die Plünderung. La Peraudière, der Schloßleutnant, erblickte La Blissais und sagte: »Monsieur, das ist eine miserabele Nacht!« Aber La Blissais gab ihm zu verstehen, es sei nicht die Zeit zum Reden. Noch hatte man den Grafen Fontaines nicht gesehen. Man ging in sein Zimmer, man fand ihn tot auf der Schwelle liegen, durchbohrt von einem Armbrustschuh, den ihm in dem Moment, als er heraustrat und ein Licht vor sich hertragen ließ, einer der Einwohner versetzt hatte. »Anstatt in der Gefahr herbeizueilen,« sagt der Verfasser des Berichtes, »hatte er sich langsam angezogen, als wolle er zu einer Hochzeit gehen, und kein Nädelchen saß nicht an seinem Platz.«

Diese Überrumpelung von Saint Malo, die dem König so viel schadete, half dem Herzog von Mercoeur in nichts. Er wünschte sehr, daß die Malouinen einen Statthalter aus seiner Hand annähmen, seinen Sohn zum Beispiel, ein Kind, das heißt also, ihn selber, aber sie blieben hartnäckig dabei, daß sie niemanden wollten. Er schickte ihnen Truppen, um sie zu schützen, sie wiesen sie zurück, und die Truppen waren gezwungen, außerhalb der Stadt zu lagern.

Sie wurden freilich dadurch nicht mehr zu Royalisten; denn als sie einige Zeit darauf den Marquis de la Noussaie und den Vicomte von Denoual gefangen hatten, kostete es den Marquis tausend Taler und den Vicomte zweitausend, aus dem Gefängnis herauszukommen.

Dann fürchteten sie, Pont-Brient werde den Handel mit Dinan und den anderen Städten der Liga unterbrechen, und bemächtigte sich seiner.

In der Annahme, ihr Bischof, der weltliche Herr der Stadt, könne sie gar wohl der Freiheit berauben, die sie gerade erworben hatten, setzten sie ihn ins Gefängnis und ließen ihn erst nach Verlauf eines Jahres los.

Man weiß schließlich, unter welchen Bedingungen sie Heinrich IV. annahmen; sie sollten sich selber beschützen, keine Garnison erhalten, sechs Jahre lang von Steuern frei sein und so weiter.

Zwischen der Bretagne und der Normandie gelegen, scheint dieses kleine Volk zugleich zu haben: von der ersten die Zähigkeit, die granitene Widerstandsfähigkeit; von der zweiten das Ungestüm, die Begeisterung. Ob sie Seefahrer sind oder Schriftsteller oder Reisende in allen Meeren, was sie vor allem auszeichnet, das ist die Verwegenheit, gewalttätige Mannesnaturen, poetisch durch ihre Brutalität, oft auch beschränkt durch ihre Halsstarrigkeit. Diese Ähnlichkeit existiert zwischen jenen beiden Söhnen Saint-Malos, Lamennais und Broussais: sie waren stets gleichermaßen extrem in ihren Systemen, und sie haben mit der gleichen erbitterten Überzeugung den zweiten Teil ihres Lebens darauf verwendet, zu bekämpfen, was sie im ersten behauptet hatten.

Im Innern der Stadt geht man durch kleine winklige Straßen, zwischen hohen Häusern, an schmutzigen Segelmacher- oder Kabeljauhändlerläden hin. Kein Wagen, kein Luxus; das ist schwarz und stinkt wie der Kielraum eines Schiffes. Das riecht nach Neufundland und gepökeltem Fleisch – der ranzige Geruch langer Reisen.

»Jede Nacht wird die Patrouille und Runde gemacht, mit großen englischen Hunden, sogenannten Doggen, die man abends mit einem Herrn, der sie führt, aus der Stadt läßt, und es tut nicht gut, da in der Nähe zu sein. Aber wenn der Morgen kommt, führt man sie an einem bestimmten Ort in der Stadt zurück, wo sie ihre ganze Wut ablegen, die des Nachts merkwürdig groß ist.«

Abgesehen von dem Verschwinden dieser vierfüßigen Polizei, die einst Monsieur du Mollet verschlang, und deren Existenz hier durch einen zeitgenössischen Text bestätigt wird, hat sich das Äußere der Dinge ohne Zweifel wenig verändert, und selbst die zivilisierten Leute, die in Saint-Malo wohnen, behaupten, man sei dort sehr zurück. Das einzige Bild, das wir in der Kirche bemerkt haben, ist eine große Leinwand, die die Schlacht von Lepanto darstellt und Unserer-Frauen-vom-Siege gewidmet ist. Sie schwebt oben in den Wolken. Im Vordergrunde liegt die ganze Christenheit, Prinzessinnen und Könige mit den Kronen, auf den Knien. Im Hintergrunde stoßen die beiden Heere zusammen. Die Türken werden in die Fluten gestürzt, und die Christen heben die Arme zum Himmel.

Die Kirche ist häßlich, trocken, ohne Ornamente, fast protestantisch im Ausdruck. Ich habe wenig Ex-votos gesehen, hier im Angesicht der Gefahr etwas Sonderbares. In den Kapellen sind weder Blumen noch Kerzen, kein blutendes heiliges Herz, keine überladene Jungfrau, kurz, nichts von allem, was M. Michelet so sehr entrüstet.

Gegenüber den Wällen erhebt sich, hundert Schritt von der Stadt entfernt, die Insel des Grand-Bay mitten in den Fluten. Dort befindet sich Chateaubriands Grab; jener weiße, in den Felsen geschnittene Punkt ist der Ort, den er für seinen Leichnam bestimmt hat.

Wir gingen eines Abends bei Ebbe hin. Die Sonne ging unter. Das Wasser rann noch auf dem Sande. Am Fuße der Insel breitete sich der abtropfende Seetang wie das Haar antiker Frauen an einem großen Grabe aus.

Die Insel ist öde; ein seltenes Kraut wächst dort, unter das sich kleine Büschel violetter Blumen und große Nesseln mischen. Auf der Höhe steht eine verfallene Kasematte mit einem Hof, dessen alte Mauern einstürzen. Unter diesen Trümmern hat man auf halber Höhe direkt in den Abhang einen Raum von einigen zehn Fuß im Quadrat eingeschnitten, in dessen Mitte sich eine granitene Platte erhebt, auf der ein lateinisches Kreuz steht. Das Grab besteht aus drei Stücken, einem als Sockel, einem als Platte, einem als Kreuz.

Darunter wird er schlafen, den Kopf zum Meere gewendet; in diesem auf einer Klippe erbauten Grabe wird seine Unsterblichkeit sein, wie sein Leben war: von den anderen verlassen, und ganz von Stürmen umgeben. Die Wogen werden mit den Jahrhunderten lange um diese große Erinnerung murmeln; in den Stürmen werden sie bis zu seinen Füßen springen, oder an Sommermorgen, wenn die weißen Segel sich entfalten, und wenn die Schwalbe von jenseits der Meere kommt, dann werden sie ihm lang und weich die melancholische Wollust der Horizonte und die Liebkosung der weiten Winde zutragen. Und wenn die Tage so verstreichen, während die Fluten des heimatlichen Strandes immer zwischen seiner Wiege und seinem Grabe hin und her schwanken, dann wird sich das kalt gewordene Herz Renés langsam zum endlosen Rhythmus dieser ewigen Melodie in nichts zerstreuen.

Wir sind um das Grab gegangen, haben es mit unseren Händen berührt, haben es angesehen, als enthielte es noch seinen Gast; wir haben uns zu seinen Seiten am Boden hingesetzt.

Der Himmel war rosig, das Meer ruhig und der Wind entschlafen. Keine Furche faltete die reglose Fläche des Ozeans, auf die die Sonne im Untergang ihr goldenes Licht herabgoß. Bläulich nur nach den Küsten zu und wie im Nebel verdunstend, war das Meer sonst überall rot und entflammter noch hinten am Horizont, wo sich in der ganzen Länge des Gesichtsfelds eine große Purpurlinie dehnte. Die Sonne hatte keine Strahlen mehr; sie waren von ihrem Antlitz gefallen und schienen, indem sie ihr Licht im Wasser ertränkten, auf ihm zu schwimmen. Sie stieg hinab und zog den rosigen Ton, den sie in den Himmel gegossen hatte, an sich, und in dem Maße, wie sie zusammen sanken, rückte das blasse Blau des Schattens vor und breitete sich über das ganze Gewölbe aus. Bald berührte sie die Wellen, beschnitt darauf ihre goldene Scheibe, versank zur Hälfte. Einen Moment sah man sie von der Linie des Horizontes in zwei Teile zerschnitten; der eine über ihr, ohne sich zu rühren, der andere darunter, zitternd und sich verlängernd; dann verschwand sie ganz; und als an der Stelle, wo sie ertrunken war, ihr Reflex nicht mehr wellte, schien es, als sei plötzlich eine Trauer über das Meer gekommen.

Der Strand schien schwarz. Die Scheibe eines der Häuser der Stadt, die eben noch wie Feuer glänzte, war erloschen. Die Stille verdoppelte sich; und doch hörte man Geräusche: die Woge schlug an die Felsen und fiel schwer zurück, Mücken mit langen Beinen summten um unsere Ohren, im Wirbel ihres durchsichtigen Flugs verschwindend, und die wirre Stimme der Kinder, die am Fuß der Wälle badeten, drang mit Lachen und Lärmen zu uns herauf.

Wir sahen von fern, wie sie zu schwimmen versuchten, in die Wellen gingen, auf dem Ufer liefen.

Wir stiegen von der Insel hinab und gingen zu Fuß über den Sand. Die Flut kam und stieg schnell; die Rinnen füllten sich; in den Höhlungen der Felsen bebte das Moos, oder, vom Rande der Wogen gehoben, flog es in Flocken davon und tanzte auf der Flucht.

Die nackten jungen Burschen kamen aus dem Bad; sie gingen, sich auf dem Kieselstreif, wo sie ihre Kleider gelassen hatten, anzuziehen. Wenn sie ihr Leinenhemd anziehn wollten, und es klebte an den nassen Schultern fest, sah man den weißen Rumpf sich vor Ungeduld winden, während Kopf und Arme verschleiert blieben und die Ärmel im Winde flatterten und wie Fähnchen klatschten.

Dicht neben uns kam ein Mann vorbei, dessen nasses Haar ihm senkrecht um den Hals fiel. Sein gebadeter Körper glänzte. Tropfen perlten in den krausen Massen seines schwarzen Bartes, und er schüttelte das Haar, um das Wasser hinauszuschleudern. Seine breite Brust, auf der ihm zwischen vollen, eckig geschnittenen Muskeln eine behaarte Furche den Thorax teilte, keuchte noch von der Anstrengung des Schwimmens und teilte seinem flachen Bauch, dessen Umriß nach den Flanken zu glatt war wie Elfenbein, eine ruhige Bewegung mit. Seine nervigen Schenkel mit den abgestuften Flächen spielten auf einem schmalen Knie, das fest und markig ein feines, kräftiges Bein entfaltete, an dem ein rundlicher Fuß mit kurzer Ferse saß, dessen Zehen sich spreizten. Er schritt langsam über den Sand.

O, wie schön die menschliche Gestalt ist, wenn sie in ihrer angeborenen Freiheit erscheint, so wie sie am ersten Tage der Welt erschaffen wurde! Wo sie finden, maskiert, wie sie jetzt ist, und auf immer verurteilt, nie mehr unter der Sonne zu erscheinen? Dieses große Wort der Natur, das die Menschheit abwechselnd mit Vergötterung oder Grauen wiederholt hat, das die Philosophen ergründeten, das die Dichter sangen, wie es sich verliert! wie es vergessen wird! Fern von den Gauklerbühnen, wo man schreit, und von der Menge, wo man sich drängt – wenn es noch hier und dort auf der Erde gierige Herzen gibt, die ohne Unterlaß die Not der Schönheit plagt, die in sich stets jenes verzweifelnde Bedürfnis fühlen, zu sagen, was sich nicht sagen läßt, zu tun, was man träumt, gerade dahin, dahin müssen sie wie in die Heimat des Ideales eilen, dort müssen sie leben. Aber wie? Durch welche Chemie? Der Mensch hat die Wälder gefällt, er peitscht die Meere, und über den Städten bildet der Himmel Wolken aus dem Rauch seiner Herde. Der Ruhm, seine Mission sagen andere – ist sie nicht eben, stets so zu gehen, das Werk Gottes anzugreifen und zu besiegen? er leugnet es, er zerbricht es, er zermalmt es, noch bis in diesen Leib hinein, über den er errötet und den er wie ein Verbrechen verbirgt.

Und da der Mensch so wurde, was zu erkennen am schwierigsten und seltensten ist (ich rede nicht von seinem Herzen, o Moralisten!), so hat sich daraus ergeben, daß der Künstler die Gestalt nicht kennt, die er hat, noch die Eigenschaften, die sie schön machen. Wo ist der Dichter von heute, unter allen Gelehrtesten, der weiß, was die Frau ist? Wo hätte er sie je gesehen, der arme Teufel? Was hat er von ihr in den Salons, durch das Korsett oder die Krinoline hindurch, oder selbst in seinem Bett, in den Zwischenspielen der Lust erfahren können?

Und doch lehrt die Plastik den, der sie betrachtet, besser als alle Rhetorik der Welt, die Abstufung der Proportionen, die Verschmelzung der Flächen, kurz, die Harmonie! Die antiken Rassen haben so durch die bloße Tatsache ihres Daseins die Reinheit ihres Blutes und den Adel ihrer Haltungen auf die Werke der Meister übertragen. Ich höre dunkel bei Juvenal das Röcheln der Gladiatoren; Tacitus hat Wendungen, die dem Faltenwurf der Senatorentoga gleichen, und bestimmte Verse des Horaz haben das Kreuz griechischer Sklaven und wiegen sich in den Hüften, und sie haben Kürzen und Längen, die wie die Krotalen klingen.

Aber warum sich mit diesen Albernheiten quälen? Suchen wir nicht so fern, begnügen wir uns mit dem, was gemacht wird. Was man heute verlangt, ist das nicht gerade das Gegenteil des Nackten, des Einfachen und Wahren? Glück und Erfolg denen, die die Dinge zu verdecken und zu bekleiden wissen! Der Schneider ist der König des Jahrhunderts, das Feigenblatt ist sein Symbol; Gesetze, Künste, Politik, überall die Badehose! Lügnerische Freiheiten, plattierte Möbel, falsche Malerei, das liebt das Publikum. Gebt es ihm, pfropft es damit, mästet den Blödkopf! ...

. . . . . . . . . . . . .

... Die Straße von Pontorson zum Mont Saint-Michel ist wegen des Sandes beschwerlich. Unsere Postchaise (denn wir reisen auch mit der Postchaise) wurde jeden Moment durch Mengen von Karren gestört, die voll einer grauen Erde waren, wie man sie in dieser Gegend gewinnt, und die man, ich weiß nicht wohin, exportiert, um als Dünger zu dienen. Sie mehren sich, je näher man dem Meere kommt, und so ziehen sie mehrere Stunden lang an einem vorbei, bis man endlich die verlassenen Ufer sieht, von denen sie kommen. Aus dieser weißen Fläche, wo die Kegelförmig aufgeworfenen Erdhaufen Hütten glichen, erinnerten uns all diese Wagen, deren lange bewegliche Reihe in der Perspektive floh, an irgendeinen Zug von Barbaren, der sich in Bewegung setzt und seine Ebenen verläßt.

Der leere Horizont dehnt sich, breitet sich aus und verschmilzt schließlich sein kreidiges Terrain mit der gelben Farbe des Strandes. Der Boden wird fester, ein salziger Hauch kommt zu einem, man könnte es für eine Wüste halten, aus der das Meer zurückgetreten ist. Lange, übereinander gebreitete Landzungen, die sich unklar in kaum unterschiedenen Flächen fortsetzen, runzeln sich wie ein Schatten unter großen gekrümmten Linien, riesenhafte Arabesken, die der Wind sich auf ihrer Oberfläche zu zeichnen amüsiert. Die Fluten sind fern, so weit zurückgewichen, daß man ihr Geräusch nicht hört, sondern nur noch, ich weiß nicht welches ungewisse Murmeln, unfaßbar, luftig wie die Stimme der Einsamkeit selber, und es ist vielleicht nur die Betäubung dieser Stille.

Gegenüber, vor uns erhebt sich ein großer, runder Felsen, die Basis mit gezinnten Mauern besetzt, den Gipfel von einer Kirche bekrönt; ihre Türme bohrt er im Sande ein, ihre Dachreiter hebt er in die Luft. Ungeheure Strebepfeiler, die die Flanken des Gebäudes halten, stützen sich auf einen jähen Abhang, von dem Felstrümmer und Büschel wilden Grüns abstürzen. Auf halber Höhe werfen, terrassenförmig, wie es eben ging, aufgebaut, ein paar Häuser, die den weißen Ring der Mauer überspringen und von der braunen Masse der Kirche überragt werden, ihre lebhaften Farben zwischen diese beiden großen, gleichmäßigen Töne.

Die Postchaise fuhr vor uns her; wir folgten ihr in der Ferne nach der Spur ihrer Räder, die Gleise eingruben; sie versank in der Entfernung, und ihr Verdeck, das man allein sah, glich auf seiner Flucht einem großen Taschenkrebs, der über den Strand kroch.

Hier und dort rannen Bäche; man mußte weiter hinaufsteigen, oder es zeigten sich plötzlich sumpfige Stellen die ihre unregelmäßigen Mäander im Sande einrahmten.

Zu unseren Seiten zogen zwei Pfarrer, die gleichfalls den Mont Saint-Michel sehen wollten. Da sie Angst hatten, ihre neuen Gewänder zu beschmutzen, hoben sie sie rings um sich auf, um über die Rinnsale zu treten, und sie sprangen, indem sie sich auf ihre Stöcke stützten. Ihre silbernen Schnallen waren grau vom Schmutz, den die Sonne allmählich darauf trocknete, und ihre nassen Schuhe schlossen nicht an und spritzten bei jedem Schritt.

Der Berg wurde inzwischen größer. Mit einem einzigen Blick umfaßten wir sein Gesamtbild und wir sahen die Ziegel der Dächer so deutlich, daß wir sie zählen konnten, und zugleich die Nesselbüschel in den Felsen und ganz oben die grünen Jalousien eines kleinen Fensters, das auf den Garten des Statthalters blickt.

Das erste enge, spitzbogig gebaute Tor öffnet sich auf eine Art Kieselchaussee, die zum Meer abfällt; auf dem verwitterten Wappenschild des zweiten scheinen in den Stein geschnittene Schlangenlinien Wellen darzustellen; am Boden sind zu beiden Seiten ungeheure Kanonen aufgestellt, die aus Eisenstangen in gleichfalls eisernen Reihen bestehen. Die eine hat in ihrem Schlund eine Granitkugel bewahrt; 1423 von Louis d'Estonteville den Engländern abgenommen, liegen sie seit vier Jahrhunderten da.

Fünf oder sechs Häuser, die sich gegenüberstehen, bilden die ganze Straße; ihre Reihe bricht ab, und sie setzen sich in kleinen Anhöhen und Treppen fort, die zum Schloß führen, indem sie sich aufs Geratewohl folgen, steil aufgehockt, übereinander geworfen.

Um dort hinaufzukommen, steigt man zunächst auf die Kurtine, deren Mauer dem unteren Quartier den Blick aufs Meer verdeckt. Unter den gespaltenen Fliesen erscheint das Erdreich; zwischen den Zinnen grünt das Gras, und in den Senkungen des Bodens stehen Jauchelachen, die an den Steinen nagen. Der Wall umzieht die Insel und steigt in allmählichen Absätzen. Wenn man an dem Wachthaus vorbei ist, das den Winkel zwischen den beiden Türmen einnimmt, zeigt sich eine senkrechte kleine Treppe; wenn man von Stufe zu Stufe klettert, senken sich die Dächer der Häuser allmählich, und ihre verfallenen Schornsteine rauchen hundert Fuß unter einem. Man sieht in der Dachluke der Böden am Ende einer Stange die aufgehängte Wäsche mit roten, geflickten Lumpen trocknen oder zwischen dem Dach eines Hauses und dem Parterre eines andern einen kleinen, tischgroßen Garten in der Sonne braten, in dem der vor Durst verschmachtende Lauch seine Blätter auf die graue Erde legt; aber die andere Seite des Felsens, die, die zum offenen Meere blickt, ist nackt, öde und so schroff, daß sich die Büsche, die dort gewachsen sind, nur mit Mühe festhalten können und, ganz über den Abgrund geneigt, bereit scheinen, hinabzustürzen.

Und wenn man ganz oben behaglich umhergeht und eine Fläche genießt, wie sie sich menschlichen Augen nur zur Weide bieten kann, wenn man aufs Meer hinblickt und der Horizont seine ungeheure bläuliche Krümmung entfaltet, wo auf dem senkrechten Absturz die Mauer der Merveille mit ihren sechsunddreißig riesigen Widerlagern steht, und wenn einem da ein Lächeln der Bewunderung die Lippen kräuselt, dann hört man plötzlich das trockene Geräusch der Webestühle durch die Luft hin klappen. Man macht Leinwand. Das Schiffchen kommt, schlägt ein und gibt seine brüsken Stöße; alle beginnen, es ist ein Spektakel.

Zwischen zwei schlanken, ausgekragten Türmchen, die zwei Kanonen auf ihren Bodenstücken zeigen, öffnet sich das Eingangstor des Schlosses in ein langes Gewölbe, in das sich eine granitene Treppe verliert. Die Mitte bleibt stets im Schatten, da sie kaum von zwei Halblichtern beleuchtet wird, von denen das eine von unten kommt, das andere durch die Lücke der Zugbrücke von oben; es ist, als stiege ein Keller zu einem herab.

Die Wachtstube liegt, wenn man herabkommt, oben an der großen Treppe. Das Geräusch der Flintenkolben hallte mit der Stimme der Sergeanten, die den Appell verlasen, unter den Gewölben wieder. Man rührte die Trommel.

Inzwischen brachte uns ein Sträflingsaufseher unsere Pässe zurück, die der Herr Gouverneur zu sehen gewünscht hatte; er gab uns ein Zeichen, ihm zu folgen, er öffnete Türen, schob Riegel zurück, führte uns durch ein Labyrinth von Gängen, Gewölben, Treppen. Man verliert sich darin; denn ein einziger Besuch genügt nicht, um den komplizierten Plan all dieser vereinigten Konstruktionen zu begreifen, in denen sich Festung, Kirche, Abtei, Gefängnisse, Kerkerlöcher finden, alles, vom Romanischen des elften Jahrhunderts an bis zur Gotik des Flammenstils im sechzehnten Jahrhundert. Den Rittersaal, der jetzt als Webewerkstatt dient, und der dem Publikum aus diesem Grunde versagt ist, konnten wir nur durch eine Fensterscheibe sehen, indem wir uns auf die Zehenspitzen hoben. Wir erkannten darin nur vier Säulenreihen mit Kleekapitälen, die ein Gewölbe tragen, auf dem vorspringende Adern liefen. Zweihundert Fuß über dem Meeresspiegel ist der Kreuzgang über diesen Rittersaal gebaut. Er besteht aus einer viereckigen Galerie, die von einer dreifachen Reihe von Säulchen aus Granit, Tuff, Granitmarmor oder aus einem Stuck von gemahlenen Muscheln gebildet wird. Der Akanthus, die Distel, der Efeu und die Eiche winden sich um ihre Kapitäle; zwischen je zwei Bischofsmützen-Spitzbogen ist eine Kleeblattrosette ausgeschnitten; man hat das Ganze zum Gefangenenhof gemacht.

Die Mütze des Sträflingsaufsehers zieht diese Mauern entlang, wo man einst den geschorenen Schädel der alten arbeitsamen Benediktiner träumen sah; und der Holzschuh des Gefangenen klappert auf diesen Fliesen, auf denen die Mönchsgewänder streiften, die von den groben Ledersandalen aufgehoben wurden, die sich unter ihren nackten Füßen bogen.

Die Kirche hat einen gotischen Chor und ein romanisches Schiff, und die beiden Stile stehen da, wie um an Größe und an Eleganz miteinander zu kämpfen. Im Chor ist der Spitzbogen der Fenster hoch, spitz, schlank wie eine Liebessehnsucht; im Schiff öffnen die Arkaden übereinander ihre sich aufbauenden Halbkreise rund, und an der Mauer steigen Säulchen empor, die senkrecht emporklettern wie Palmenstämme. Sie stützen ihren Fuß auf viereckige Pfeiler, bekrönen ihre Kapitäle mit Akanthusblättern und setzen sich darüber in mächtigen Rippen fort, die sich unter dem Gewölbe biegen, sich in ihm kreuzen und es tragen.

Es war Mittag. Durch die offene Tür drang das volle Licht ein und ließ seine Ströme über die düsteren Flächen des Baues rieseln.

Das vom Chor durch einen großen Vorhang aus grünem Tuch getrennte Schiff ist mit Tischen und Bänken versehen, denn man hat es als Refektorium nutzbar gemacht.

Wenn man die Messe liest, zieht man den Vorhang zurück, und die Verurteilten wohnen dem Gottesdienste bei, ohne ihre Ellbogen von der Stelle zu rühren, wo sie essen. Das ist scharfsinnig.

Um die Terrasse, die sich im Westen der Kirche befindet, um zwölf Meter zu vergrößern, hat man die Kirche ganz einfach verkürzt: aber da man irgendeinen Eingang wieder bauen mußte, ist ein Architekt auf den Gedanken verfallen, das Schiff durch eine Fassade im griechischen Stil zu schließen; da er aber dann vielleicht Gewissensbisse empfand, oder, was glaublicher erscheint, sein Werk noch verfeinern wollte, hat er nachträglich Säulen mit Kapitälen eingefügt, »die«, sagt die Beschreibung, »denen des elften Jahrhunderts ziemlich gut nachgeahmt sind«. Schweigen wir, senken wir den Kopf. Jede der Künste hat ihren besonderen Aussatz, ihre tödliche Schmach, die ihr am Gesichte nagt. Die Malerei hat das Familienporträt, die Musik hat die Ballade, die Literatur hat die Kritik und die Architektur hat den Architekten.

Die Gefangenen gingen, alle in einer Reihe hintereinander mit gekreuzten Armen, ohne zu sprechen, kurz, in jener schönen Ordnung, die wir zu Fontevrault betrachtet hatten, auf der Plattform spazieren. Es waren Kranke aus dem Lazarett, die man Luft schöpfen ließ, und die man so zerstreut, um sie gesund zu machen.

Einer von ihnen, der die Füße höher hob als die anderen und sich mit den Händen an der Jacke seines Vordermanns festhielt, folgte der Reihe stolpernd. Er war blind. Der arme Kerl! Gott hindert ihn am Sehen und die Menschen verbieten ihm zu reden.

Am folgenden Tage brachen wir, als sich der Sand wieder entblößt hatte, vom Mont Saint-Michel auf. Die glühende Sonne erhitzte das Leder des Wagens, und die Pferde schwitzten. Wir fuhren im Schritt; das Geschirr knarrte, die Räder sanken im Sande ein. Als der Strand zu Ende war und der Rasen erschien, habe ich das Auge an das kleine Fensterchen gehalten, das hinten in dem Wagen ist, und ich habe dem Mont Saint-Michel Adieu gesagt ...

. . . . . . . . . . . . .

Combourg. – Ein Brief des Vicomte de Vesin sollte uns den Eingang des Schlosses öffnen. Wir begaben uns also, kaum angelangt, zu M. Corvesier, der der Verwalter ist.

Man führte uns in eine große Küche, wo ein stark pockennarbiges Mädchen in Schwarz, das auf großen, kurzsichtigen Augen eine Schildpattbrille trug, Johannisbeeren in eine Terrine abbeerte. Der Fruchttopf stand auf dem Feuer, und man zerrieb Zucker mit Flaschen. Offenbar störten wir. Nach einigen Minuten stieg man herab, um uns zu sagen, M. Corvesier sei krank und werde in seinem Bett vom Fieber geschüttelt; er bedauere, uns nicht dienen zu können, aber er lasse sich uns empfehlen. Da erbot sich sein Gehilfe, der gerade von der Reise zurückgekommen war und in der Küche einen Imbiß nahm, indem er ein Glas Cider trank und ein Butterbrot aß, uns an seiner Stelle das Schloß zu zeigen. Er legte seine Serviette ab, sog sich die Zähne aus, zündete die Pfeife an, ergriff ein Schlüsselbund, das an einem Nagel hing, und begann im Dorf vor uns herzugehen.

Nachdem man eine große Mauer entlanggegangen ist, tritt man durch ein rundes Tor auf einen schweigsamen Pachthof. Der Kiesel steckt seine Spitzen aus dem gestampften Boden, auf dem sich ein kurzes Gras zeigt, das von dem Dünger, den man schleift, beschmutzt ist. Es war niemand da; die Ställe waren leer. In den Schuppen hockten die Hennen auf der Deichsel der Wagen und schliefen, den Kopf unter dem Flügel. Am Fuß der Gebäude dämpfte die Spreu des Strohs, die aus den Scheunen gefallen war, das Geräusch der Schritte.

Vier große, durch Kurtinen verbundene Türme lassen unter ihrem spitzen Dach die Löcher ihrer Zinnen, die den Stückpforten eines Schiffes gleichen, und die Schießscharten in den Türmen sehen, so wie auch auf dem Hauptbau des Schlosses kleine, ungleichmäßig durchgebrochene Fenster in der grauen Farbe der Steine unregelmäßige schwarze Löcher bilden. Eine große Freitreppe von einigen dreißig Stufen steigt direkt zum ersten Stock hinauf, der für die Gemächer im Innern zum Parterre geworden ist, seit man die Wassergräben zugeschüttet hat.

Der »Lack« wuchs nicht darauf, aber Mastix und Nesseln mit grünlichem Moos und Flechten. Links neben dem Türmchen ist ein Kastanienbaum bis über sein Dach gewachsen, das er mit seinem Laube schützt.

Als der Schlüssel im Schloß gedreht und die mit Fußtritten aufgestoßene Tür über das klemmende Pflaster gescharrt war, traten wir in einen finsteren Gang, den Bretter und Leitern mit Faßreifen und Schubkarren sperrten.

Dieser Gang führt einen in einen kleinen Hof, der von den inneren Wänden des Schlosses umgeben und wegen der Dicke der Mauern eng ist. Das Licht kommt wie in einem Gefängnishof nur von oben. In den Ecken liefen feuchte Tropfen die Steine entlang.

Eine weitere Tür wurde geöffnet. Es war ein weiter, ausgeleerter, wiederhallender Saal: der Steinfußboden ist an tausend Stellen zerbrochen; das alte Getäfel hat man neu bemalt.

Durch die großen Fenster warf der grüne Ton der Bäume gegenüber einen leichenfarbenen Reflex auf die getünchten Wände. Zu ihren Füßen breitet sich der See aus, hingedehnt über das Gras zwischen den Binsen; unter den Fenstern bedecken die Akazien, Jasmin und Fliederbüsche, die auf den ehemaligen Gartenbeeten durcheinander wuchsen, mit ihrem wilden Gestrüpp die Böschung, die sich bis zur großen Straße senkt; sie führt auf dem Ufer des Sees hin und geht dann weiter durch den Wald.

Nichts hallte in dem verlassenen Saale wieder, wo sich einst um diese Stunde das Kind auf den Rand dieser Fenster setzte, das René schuf. Der Gehilfe rauchte seine Pfeife und spie auf den Boden. Sein Hund, den er mitgenommen hatte, lief umher, indem er nach den Mäusen spürte, und die Krallen seiner Pfoten tönten auf den Fliesen.

Wir sind die Wendeltreppe hinaufgestiegen. Der Fuß stolpert, man tastet mit den Händen. Auf den ausgetretenen Stufen ist Moos gewachsen. Oft dringt ein leuchtender Strahl durch den Spalt der Mauern, schlägt scharf darauf und läßt eine kleine grüne Faser erglänzen, die von fern im Schatten wie ein Stern schimmert. Wir sind überall umhergeirrt: in den langen Gängen, auf den Türmen, auf der schmalen Kurtine, deren klaffende Pechnasenlöcher das Auge zum Abgrund niederziehen.

Auf den inneren Hof blickt vom zweiten Stock aus ein kleines niedriges Zimmer, dessen mit plastischem Gerank geschmückte Eichentür sich mit eiserner Klinke öffnet. Die Deckbalken, die man mit der Hand berühren kann, sind vor Alter wurmstichig; die Latten blicken unter dem Stuck der Wand hervor, die große, schmutzige Flecken zeigt, die Fensterscheiben sind durch die Spinngewebe verdunkelt, und ihre Rahmen mit Staub übersintert. Das war sein Zimmer. Es blickt nach Westen, zur untergehenden Sonne hin.

Wir gingen weiter; wir hörten nicht auf; wenn wir an einer Bresche vorbeikamen, einer Schießscharte oder einem Fenster, wärmten wir uns wieder in der heißen Luft, die von draußen hereinkam, und dieser plötzliche Übergang machte all diesen Verfall noch trauriger und kälter. In den Zimmern senken sich die vermoderten Fußböden, das Licht fällt durch die Kamine herab, den schwarzen Fleck entlang, in den der Regen lange grüne Striche eingezeichnet hat. Die Decke des Salons läßt ihre Goldblumen fallen, und das Wappenschild, das seinen Türsims überragt, ist in Stücke zerbrochen. Als wir da waren, kam plötzlich ein Volk Vögel hereingeflogen, wirbelte schreiend umher und entfloh durch das Kaminloch.

Abends sind wir auf der andern Seite, in der Wiese, am Ufer des Sees gewesen. Das Land verdrängt ihn, er verliert sich mehr und mehr darin, er wird bald verschwinden, und wo jetzt die Seerosen zittern, wird Getreide wachsen. Die Nacht sank herab. Das Schloß zwischen seinen vier Türmchen, im Rahmen seines Grüns und über dem Dorf, das es in den Schatten drängt, streckte seine weite, düstere Masse, aus. Die untergehende Sonne, die vor ihm vorbeiging, ohne es zu erreichen, ließ es schwarz erscheinen, und ihre Strahlen streiften die Fläche des Sees und verloren sich im Dunst über dem violetten Wipfel der regungslosen Bäume.

Zu Füßen einer Eiche auf dem Boden sitzend lasen wir René. Wir hatten jenen See vor uns, wo er der behenden Schwalbe über dem beweglichen Schilf zusah, und wir lagen im Schatten jener Bäume, wo er den Regenbogen über den regnichten Hügeln verfolgte; wir hörten jenes Rascheln der Blätter, jenes Geräusch des Wassers, unter dem Windhauch, das sein Murmeln in die tränenvolle Melodie der Langenweile seiner Jugend gemischt hatte. Im Maße, wie sich der Schatten auf die Seiten des Buches senkte, gewann die Bitterkeit der Sätze unser Herz, und wir schmolzen mit Entzücken in diesem etwas, das so weit, melancholisch und süß ist.

Nahe bei uns fuhr ein Karren vorüber, dessen knarrende Achse in den Gleisen krachte. Man roch den Duft gemähten Heus. Man hörte den Lärm der Frösche, die im Sumpfe quakten. Wir kehrten zurück.

Der Himmel war drückend; die ganze Nacht hindurch gewitterte es. Beim Licht der Blitze erleuchtete sich die Stuckfassade eines Nachbarhauses, und sie flammte wie entzündet auf. Seufzend und müde, mich auf meiner Matratze hin und her zu wenden, stand ich auf, zündete meine Kerze an, öffnete das Fenster und blickte in die Nacht hinaus.

Sie war schwarz, still wie der Schlummer. Meine brennende Kerze zeichnete meine vergrößerte Silhouette ungeheuerlich auf die Mauer gegenüber. Von Zeit zu Zeit blendete mir ein plötzlicher, stummer Blitz die Augen.

Ich dachte an jenen Menschen, der hier begonnen hat, und der ein halbes Jahrhundert mit dem Lärm seines Schmerzes füllte.

Ich sah ihn erst auf diesen friedlichen Straßen, wie er mit den Dorfkindern umherzog, als er im Kirchturm die Schwalbennester oder im Wald die Grasmücke ausnahm. Ich stellte ihn mir in seinem kleinen Zimmer vor, traurig und den Ellbogen auf dem Tisch, wie er den Regen über die Scheiben laufen sah und jenseits der Kurtine die Wolken, die vorüberzogen, während seine Träume entflogen; ich stellte mir die langen träumerischen Nachmittage vor, die ihm vergangen; ich dachte an die bitteren Einsamkeiten der Jugend, mit ihrem Schwindel, ihrem Ekel und ihren Liebesanwandlungen, die die Herzen krank machen. Wurde nicht hier für uns unser Schmerz gebrütet, ist dies nicht das Golgatha, wo das Genie, das uns genährt hat, seine Qualen schwitzte?

Nichts kann die Schwangerschaften der Ideen schildern oder die Zuckungen, die die künftigen großen Werke denen, die sie in sich tragen, auferlegen; aber gern sieht man die Orte, wo wir wissen, daß sie empfangen und gelebt wurden, als hätten sie etwas von dem unbekannten Ideal bewahrt, das einstmals pochte.

Sein Zimmer! sein Zimmer! sein armes kleines Kinderzimmer! Dort wirbelten, riefen ihn die wirren Phantome, die ihn quälten, indem sie nach ihrer Geburt verlangten: Atala, die im Winde Floridas die Magnolien ihres Haares schüttelte; Velleda, die im Mondlicht über die Heide läuft; Cymodocea, die die nackte Brust unter der Kralle der Leoparden verschleiert, und die weiße Amelia und die blasse René!

Eines Tages jedoch verläßt er es, er reißt sich von ihm los, er sagt dem alten Rittersitz Adieu, um nie dahin zurückzukehren. Da verliert er sich in Paris und mischt sich unter die Menschen; und dann faßt ihn die Unruhe, er geht fort.

Über den Bug seines Schiffes geneigt, sehe ich ihn, wie er eine neue Welt sucht, während er um das Vaterland weint, das er verläßt. Er kommt hin; er hört den Donner der Katarakte und das Lied der Natchez; er sieht das Wasser der großen Ströme träge fließen und betrachtet auf den Ufern die Schuppen der Schlangen, die mit den Augen der wilden Frauen glänzen. Er gibt die Seele der Sehnsucht der Savannen hin; von einer zur andern gießen sie ihre angeborenen Melancholien, und er erschöpft die Wüste, wie er die Liebe leergetrunken hatte. Er kommt zurück, er spricht, und man wird in der Schwebe gehalten vom Zauber dieses prachtvollen Stils mit seinen königlichen Kurven und seiner wogenden, federgeschmückten, drapierten Phrase, stürmisch wie der Wind jungfräulichen Urwalds, farbig wie der Hals der Kolibris, zart wie die Strahlen des Mondes durch die Kleeblattrosette der Kapellen.

Er zieht wieder fort; er geht und rührt mit den Füßen den Staub des Altertums auf; er setzt sich in die Thermopylen und ruft: Leonidas! Leonidas! läuft um Achilles' Grab, sucht Lakedämonien, kernt in den Händen Karthagos Brotfrucht aus, und gleich dem schläfrigen Hirten, der beim Lärm der Karawanen den Kopf hebt, wachen all diese, großen Landschaften auf, wenn er durch ihre Einsamkeiten zieht.

Nacheinander verbannt, geächtet, mit Ehren überhäuft, wird er später am Tisch der Könige essen, er, der in den Straßen vor Hunger ohnmächtig wurde; er wird Gesandter werden und Minister, wird versuchen, mit seiner Hand die stürzende Monarchie zu stützen, und schließlich wird er seinem eigenen Ruhm beiwohnen, als werde er schon unter die Toten gerechnet.

Im Verfall einer Gesellschaft und in der Morgenröte einer andern geboren, ist er gekommen, um den Übergang zu bilden, und wie um in sich ihre Hoffnungen und Erinnerungen zusammenzufassen. Es ist der Einbalsamierer des Katholizismus gewesen und der Beifallspender der Freiheit. Ein Mann der alten Traditionen und der alten Illusionen, war er in der Politik konstitutionell und in der Literatur revolutionär. Religiös durch Instinkt und Erziehung hat er vor allen anderen, vor Byron, den wildesten Schrei des Hochmuts ausgestoßen, seine furchtbarste Verzweiflung ausgesprochen.

Als Künstler hatte er das mit denen des achtzehnten Jahrhunderts gemeinsam, daß er wie sie immer in engen Poetiken eingesperrt war, aber fortwährend durch die Weite seines Genius überflutet, krachten sie, ihm zum Trotz in ihrem ganzen Umfang. Als Mensch hat er das Elend derer des neunzehnten Jahrhunderts geteilt; er hat ihre ungestümen Vorurteile gehabt, ihren nichtigen Ernst. Nicht zufrieden damit, daß er groß war, hat er grandios erscheinen wollen, und doch hat es sich gefunden, daß diese Manie der Eitelkeit seine wahre Größe nicht verlöschte. Sicherlich gehört er nicht zum Geschlecht der Kontemplativen, die nicht ins Leben niederstiegen, der Meister mit heiterer Stirn, die weder Jahrhundert, noch Heimat, noch selbst Familie hatten. Sondern ihn kann man nicht von den Leidenschaften seiner Zeit lostrennen; sie hatten ihn geschaffen, und er hat ihrer mehrere geschaffen. Die Zukunft wird ihm vielleicht für seinen heroischen Eigensinn keinen Dank wissen, und ohne Zweifel werden es die Episoden seiner Bücher sein, die ihre Titel und den Namen der Dinge, die sie verteidigen, unsterblich machen werden.

So, mit mir selber plaudernd, blieb ich ganz allein angelehnt stehen und kostete die weiche Nacht aus, und badete mich mit Lust in der kühlen Morgenluft, die mir die Lider erfrischte. Ganz allmählich kam der Tag; die Kerze streckte ihren schwarzen Docht in die erblassende Flamme. Der Giebel der Markthallen erschien in der Ferne, ein Hahn Krähte; das Gewitter war entflohen; ein paar Wassertropfen, die inzwischen auf den Staub der Straße gefallen waren, bildeten dort große, runde Flecken. Da ich vor Müdigkeit einschlief, habe ich mich wieder hingelegt und geschlafen.

Wir gingen sehr traurig von Combourg fort; und dann nahte das Ende unserer Reise. Bald sollte dieses phantastische Landstreicherleben enden, das wir mit so viel Genuß seit drei Monaten führten. Auch die Rückkehr hat, wie der Abschied, ihre vorausgeahnte Trauer, die einem schon vorher die fade Ausdünstung des Lebens sendet, das man schleppt ...


 << zurück