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Wirklich, man hat drüben sein Allerbestes versucht, um mich trockenzulegen – und es lag nicht an mir, dass das so gründlich misslang. Ich bin von Natur ein recht mässiger Mensch, habe dazu als Rheinländer eine Zunge, die mehr auf Qualität, als auf Quantität Wert legt. Das aber ist gewiss, dass mich die Prohibition schliesslich zum regelrechten Säufer gemacht hätte – wenn ich noch länger drüben geblieben wäre. Das Verbot, nicht zu trinken, die Unmöglichkeit, leichte und bekömmliche Getränke zu bekommen, hat sich dort zu einem Zwang ausgebildet, das schwerste und gesundheitsschädlichste Zeug bei jeder Gelegenheit herunterspülen zu müssen.

Und dieses, jede persönliche Freiheit auf das brutalste unterdrückende Prohibitionsgesetz sitzt fest im Sattel, wenn auch die weit überwiegende Mehrheit der Bevölkerung aufs äusserste dagegen ist. Zu den Elementen, die es verstanden – hintenherum und im denkbar günstigsten Augenblick der nachwirkenden Kriegshysterie – es durchzusetzen, zu den religiösen und laienhaften Muckergesellschaften, zu den Fabrikanten von Schokolade, Limonade und Selterwasser, zu den mächtigen Fabrikherrn, die sich, wie die Rockefellers, einbildeten, dass sie – bei gleicher Bezahlung – eine viel grössere Arbeitsleistung aus ihren Arbeitermassen herausziehn würden, wenn diese keinen Tropfen mehr zu trinken bekämen, haben sich im Laufe der letzten Jahre noch zwei Elemente hinzugesellt, die vielleicht mächtiger sind als alle andern und dabei das allergrösste Interesse an der Beibehaltung des Gesetzes haben. Das ist einmal das gewaltige Heer der Prohibitionsbeamten, die ihr Pöstchen nicht verlieren wollen, dann aber – das ebenso grosse Heer der »Bootlegger«, der Händler mit verbotenem Alkohol. Das klingt paradox – ist aber dennoch eine Tatsache. Die »Bootlegger« machen ein ungeheures Geschäft, werden in kurzer Zeit zu reichen Leuten. Freilich ist das Geschäft gefährlich, freilich riskieren sie vielleicht einmal eine Kugel und machen alle sicher auf mehr oder weniger lange Zeit mit dem Gefängnis Bekanntschaft. Was macht das aus, wenn jedermann im Land solche Gefängnisstrafe für durchaus ehrenhaft hält, ebenso ehrenhaft wie ihren Handel? Sie sehn nur ihren grossen Verdienst, der mit den Händen zu greifen ist. Sie vor allem sind heute für Beibehaltung des Gesetzes – dessen Aufhebung sie ja im Augenblick ruinieren würde. Denn welcher Esel würde ihnen, wenn er um wenige Cents ein anständiges Glas Bier, ein gutes Glas Wein bekommen könnte, das zehnfache für einen Schluck schlechten Fusels geben?

Und so sehen wir das Erstaunliche zur Tatsache werden: Schleichhändler und Schmuggler verbotenen Schnapses als die Hauptstützen des Alkoholverbotes!

Ein hübsches altes Sprichwort sagt: »Wasch mir den Pelz – aber mach mich nicht nass!« Das Prohibitionsgesetz bildet die schönste Bestätigung hierzu, wenn auch, wörtlich genommen, umgekehrt: Leg mich trocken, leg mich trocken – aber lass mich dabei recht gründlich nass!«

Ende


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