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Das aber war, leider, leider, ein schwerer Irrtum. Man hat, als ich längst ein völlig ausgewachsener Mensch war, noch einige Male zwangsweise Trockenlegungsversuche mit mir vorgenommen – drüben in Amerika. Und diesmal war es nicht eine rein äusserliche Angelegenheit, sondern eine sehr innerliche, die noch dazu ebensosehr meinen Leib, wie meine arme Seele in Mitleidenschaft zog. Nicht plötzlich freilich, mit einem Ruck, o nein, vielmehr sehr menschenfreundlich, amerikanisch-human ging man vor. So in der Art, wie es dem Köter erging, der einen so mitleidigen, zartbesaiteten Herrn hatte. Der wollte ihm – schönheitshalber und um die Sache kurz zu machen – den Schwanz abschneiden, doch konnte er's nicht übers Herz bringen, dem armen Vieh den ganzen langen Prachtwedel auf einmal abzuhacken. Da schnitt er ihm, tränenden Auges, jeden Nachmittag um vier Uhr dreissig eine dünne Scheibe herunter. –

Na also, so erging mir's drüben im Yankeelande: in Etappen legten sie mich trocken, schnitten mir den bis dahin fröhlich wedelnden Prachtschweif meiner trinkfrohen Seele in einzelnen Scheiben herunter.


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