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IV.
Mann und Weib.

Eins der schönsten und interessantesten der göttlichen Naturgesetze ist das Gesetz des Geschlechts, weshalb es sich lohnt, hier sowohl dieses Gesetz als auch die heutigen Versuche, sich von demselben zu emanzipieren, näher zu beleuchten.

Die Menschheit ist, wie alle Organismen, in ein weibliches und männliches Geschlecht geteilt, in diesen Parallelismus von zwei entsprechenden und doch verschiedenen und eben deshalb sich anziehenden und ergänzenden Formen. – Durch die ganze Welt geht diese Trennung, dieser Gegensatz. Nach Beobachtungen von über 20 000 Pflanzen von F. Heya in Halle, ist das Verhältnis des männlichen Geschlechts beim Binzelkraut wie beim Menschen eine konstante Zahl, 100 weibliche zu 105 männlichen, geschieht also nach einem inneren, von äußeren Einflüssen unabhängigen Gesetz. Ferner ist das Geschlecht der zukünftigen Pflanze schon im Samenkorn entschieden und kann nicht mehr abgeändert werden; endlich unterscheiden sich auch äußerlich die männlichen Pflanzen von den weiblichen und verhalten sich im Sonnenlicht und im Schatten verschieden. Ebenso ist bei den niedersten Organismen, ja selbst bei den nur noch aus einer Zelle bestehenden Infusorien dieser Geschlechtsgegensatz wie auch ein gegenseitiges Aufsuchen deutlich erkennbar; wunderbare, unheimliche Seelenregungen eines fast organlosen Organismus. – Je höher im Tierreich, desto schöner und sozusagen menschlicher gestaltet sich, wie das Verhältnis der Jungen zu den Eltern, so auch das von Männchen und Weibchen. Die ritterliche Gesinnung des stets zum Schutz und zur Verteidigung ihrer Ehehälfte bereiten Stieres, Widders, Hirsches und selbst der Raubtiere, die mit ihrer Beute ihre Familie versorgen, die eheliche Treue der Turteltaube, des Storchs und des Seeadlers, sind ebenso bekannt wie die Mutterliebe so vieler Tiere, so des Eisbärs und des Wals, und mit Recht hat eine Löwenfamilie schon oft als schönes Motiv dem Künstler gedient. Schön drücken sich die verschiedenen Bestimmungen der Geschlechter schon im Äußeren bei den milden, ihre Jungen ernährenden Weibchen und den starken, mit Mähnen und Hörnern bewaffneten stolzen, stets kampfbereiten Männchen aus. So erzählen die Römer (L. v. Ranke, Weltgeschichte, Band I, S. 347) wie Romulus, mit der Toga nach gabinischem Ritus über den Kopf geworfen (das dunkle Fatum anzeigend), den Stier und die Kuh vor den Pflug schirrte, womit er die Mauer Roms bezeichnete; den Stier nach außen, um die Streitbarkeit gegen Fremde, die Kuh nach innen, um die Fruchtbarkeit zu bezeichnen. Diese Alten waren große Symboliker.

Warum und woher zwei Geschlechter und warum nur zwei? Woher dieser Gegensatz? Bestand er schon von Ewigkeit her oder ist er eine spätere kreatürliche Unvollkommenheit? – Alte Weisen wollten ihn auf die geraden und ungeraden Zahlen, also auf das Ursprünglichste zurückführen, und so spricht auch die jüdische Kabbala von einem Weiblichen in Gott als Malchuth, die ewige Weisheit oder der Heilige Geist. – Babylonier und Phönizier betrachteten die Natur als das Erzeugnis vom Wechselspiel des männlichen und zeugenden Prinzips, Baals oder der Sonne, und des weiblichen und empfangenden, Astaroth oder Astarte, dem Mond, wie auch Chinesen zwei Urprinzipien der Dinge unterscheiden, das männliche Yang und das weibliche Yeng.

Manche Theosophen dagegen, so Böhme, St. Martin u. a. halten dafür, daß die Trennung in Geschlechter bei dem in Gottes Bild zuerst geschlechtslos geschaffenen Menschen den ersten Abfall bezeichnet und berufen sich auf den Gegensatz zwischen: »Und Gott sahe an alles, und es war sehr gut« und dem Wort: Und Gott sprach: »Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei.« – So schreibt Culmann in seiner Ethik S. 45: »Wir sagen, daß es des Menschen, als göttlichen Ebenbildes allein würdig gewesen wäre, seine Söhne geradeso zu erzeugen, wie die Söhne und Starken Gottes, die Engel, aus Gott gezeugt werden. Dies hätte der Mensch gekonnt, wenn das bei ihm geblieben wäre, was mit der Erschaffung des Weibes von ihm genommen wurde und durch das Wort Rippe (Zela) gar nicht erschöpft wird. Man muß es wahrlich sehr leicht nehmen mit dem Wort: es ist nicht gut; sehr leicht mit dem Schlaf Adams und der verdächtigen Verwandtschaft zwischen Schlaf und Tod; sehr leicht mit dem gewaltsamen Eingriff Gottes in die Ökonomie des menschlichen Leibes, kraft dessen eine seiner ›Rippen‹ gleichsam anatomisch von ihm geschieden und die entstandene Lücke geschlossen wird mit Fleisch; sehr leicht mit der Thatsache, daß alles, was um des Menschen willen geschaffen wird, vor ihm ins Dasein tritt, das Weib aber, das gleichfalls um Adams willen da ist, nach ihm entsteht; sehr leicht mit der andern Thatsache, daß das ganze Schöpfungswerk bisher in normaler Stufenfolge von niederem zu höherem fortschritt, nun aber auf dem erreichten Höhepunkt des Erstgeschaffenen auf einmal mit Erschaffung des Weibes zu niederem sich wendet und demgemäß eine rückgängige Bewegung einschlägt; mit dem allem muß man es sehr leicht nehmen, wenn man behaupten will, die Erschaffung des Weibes sei die Vollendung der Schöpfung. Wir bezeichnen sie geradezu als einen Rückschritt zu ihrer Nichtvollendung; als eine notwendig gewordene Stütze für das bereits Einsturz drohende Gebäude der göttlichen Ebenbildlichkeit.«

Wie dem auch sei, deutet die Thatsache, daß Eva nicht auf natürlichem, kreatürlichem Wege entstanden, sondern als göttliche Schöpfung bezeichnet wird: »Und Jehovah, Gott, baute die Rippe zu einem Weibe,« auf eine tiefe Wurzel ihrer Entstehung. Jedenfalls haben wir nun die Thatsache der Geschlechter als eine einmal bestehende und göttlich gewollte aufzufassen, und unsre Aufgabe ist zu erforschen, was das Wort Gottes und was die Natur uns über das Verhältnis dieser zwei Geschlechter zu einander sagen, wobei Grundanschauung bleibt: »Was Gott thut, das ist wohlgethan!« Was Adam und Eva ohne den Sündenfall geblieben und geworden wären, wie voll göttlicher Kraft er, wie entzückend, himmlisch schön und anmutig sie, was für Kinder sie gezeugt hätten, wissen wir nicht. Nun aber ist der Mann dazu da, im Schweiße seines Angesichts den um seinetwillen verfluchten Acker zu bauen, bis er wieder zum Staube wird, aus dem er gemacht; und Aufgabe der Frau ist es, mit Schmerzen zu gebären und ihrem Mann unterthan zu sein. Harte Worte; wenn aber Gott solche Worte wie Felsen an den Weg des Lebens hinstellt, so kann der Mensch zwar daran kritteln und nörgeln, oder über die rauhe Oberfläche und die unkünstliche Figur spotten, aber nicht sie erschüttern; und mit aller Empörung dagegen schafft er sich nur Mühe, Schuld und Strafe.

Ein jedes nach seiner Art; so lautet das göttliche Gesetz der göttlichen Schöpfung. – Auch hier. – Das große inhaltsschwere Wort: »Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die ihm entspreche«, (Grundtext), ist die Formel, das Gesetz des Weibes. Also eine »Gehilfin«, nicht seinesgleichen; und noch weniger eine Herrin; »die ihm entspreche,« nicht die ihn ersetze; die ihm gibt, was ihm fehlt, und von ihm bekommt, was sie nicht hat. Eine Entsprechung ist das Gegenteil einer Gleichheit, ist nur bei Ungleichheit möglich, und beruht auf Verschiedenheit. Der Mann seinerseits wird hier als der Hilfe und der Entsprechung bedürftig und an sich nicht vollständig bezeichnet. – Daß die Frau als eine andre und neue Individualität hier höher steht, als wenn sie nur die Wiederholung und kleinere Kopie des Mannes wäre, ist eine zu beachtende Schönheit. – »Eine Gehilfin,« denn der Mann, durch die Sünde geschwächt, bedarf einer Hilfe; »der Mann ist nicht ohne das Weib, wie das Weib nicht ohne den Mann«. Auch ein Wort, das die auf Verschiedenheit beruhende Entsprechung von Mann und Weib betont. – Denn der Gott, der spricht: »Ich bin, der ich bin,« liebt, wie wir im vorigen Kapitel bemerkten, Individualitäten und Individuelles. Er haßt die Imitation und die Fabrikarbeit, die bloße Wiederholung, die Kopie; er zeichnet nicht ein Blatt am Baum wie das andre, das ist bezeichnend für sein Thun im Gegensatz zu dem des Geschöpfes, des Menschen. Und diese von ihm geschaffenen Gegensätze, diese Unterschiede und Verschiedenheiten sind heilig; das Geschöpf soll sie achten; sie verwischen oder nur schwächen ist Sünde. Dieses Prinzip zieht sich durch das ganze mosaische Gesetz hindurch, und von der jüdischen Kabbala wird eine rührende Ehrerbietung für die göttliche Form gepflegt und empfohlen. So verbietet das Gesetz streng, daß Frauen und Männer nur Kleider wechseln. »Wer solches thut, ist dem Herrn ein Greuel.« Ein so ernstes Wort geht tiefer als eine bloße Trachtverordnung. – So spricht die edle Gudrun, als die Helden der Frierenden ihre Mäntel anbieten: »Da soll mich Gott bewahren, daß an meinem Leib jemals einer Manneskleider sähe!«

Ein Meisterstück des großen Künstlers ist schon die Leiblichkeit des Weibes. Wie wunderbar hat Er es verstanden, mit Beibehaltung aller Grundgesetze des Menschen, mit nur zarter, leiser Abrundung seines Modells aus dem Thema »Mann« eine originelle, entzückende Variation zu schaffen! – Und ebenso, sagte man uns, wir sollten uns einen kleinen Menschen denken mit unverhältnismäßig großer Stirn und Kopf, mit ganz wenig Nase und Kinn und kaum einem Hals, ohne Zähne und fast ohne Haare, mit kurzen, stumpigen Händchen und Füßchen, so entstände in uns ein durchaus unschönes Bild; wie schön aber ist ein Kind!

Daß Gott mit dieser veränderten weiblichen Leiblichkeit etwas hat sagen wollen, und daß sie Symbol und Anzeichen einer anders angelegten Natur und eines von dem des Mannes verschiedenen Seelenlebens ist, muß jedem klar sein, der von den Wechselbeziehungen von Stoff und Form und Geist etwas versteht.

Eine Vergleichung der prächtigen griechischen Frauenstatuen, so der keuschen, die eheliche Liebe darstellenden spinnenden Venus des Phidias oder der Juno Ludovisi mit den herrlichen Männergestalten ihrer Götter und ihrer Helden, diesen Idealen der Kunst, die nur Ideale sind, weil sie uns wahre Ideen veranschaulichen, belehrt uns, daß hier zwei, zwar seelisch gleich wertvolle, aber geistig verschiedene innerliche Prinzipien sich in der Äußerlichkeit klar und scharf darstellen, zwei Naturen, die nie dasselbe waren noch werden können.

Es ist hier nicht der Ort, auf die tiefe, so bedeutsame Symbolik der leiblichen Erscheinung beider Geschlechter einzugehen, aber schon die geringere Größe und Masse des Weibes deutet auf eine weniger gewichtige Persönlichkeit. Ebenso, daß der Mittelpunkt ihrer Körperlichkeit tiefer liegt als beim Manne, und daß die schönen, weichen, runden anmutigen Formen einem ebensolchen Seelenleben entsprechen, während die härteren des Mannes, die breiteren Schultern und die hervortretenden Muskeln auf Kraft zum Kampf und bezwingender Arbeit weisen.

Im Weib schimmert die Seele noch mehr durch den Körper als im Mann; das Auge ist sprechender, das leichtere Erröten und Erblassen, Lachen und Weinen, das sichtbarere Atmen, die unbewußten und doch so bedeutsamen Geberden, diese Verschmelzung und harmonische Einheit von Leib und Seele übt einen mächtigen Zauber aus; dazu die Zurückhaltung und edle Schüchternheit, mit der sie sich stets nur halb zu erkennen gibt, die Hauptsache nicht sagt, sondern darin erraten und verstanden sein will; wer das Weib beim Wort nimmt, kennt sie nicht. Das Weib soll dem Manne ein süßes Geheimnis sein und bleiben; denn ganz wird sie ebensowenig von ihm erkannt, als sie sich selber kennt. – Die Liebe des Mannes zum Weibe und des Weibes zum Manne ist eine schöne Gabe Gottes an seine Menschheit. Wie sie das Leben verschönert, den Menschen über seinen angeborenen Egoismus erhebt, was sie alles Großes und Schönes schon bewirkt, ist nicht nötig hier an- noch auszuführen. Schön und göttlich an dieser Liebe ist, daß sie eine an die ganze Menschheit verliehene Gabe ist, die nicht von Bildung noch Civilisation, noch Wissenschaft noch Fortschritt abhängt. Es liebten treu und stark und wahr die Ägypterin und Scythin, die Germanin und die Keltin im dunkeln Walde und in der Hütte; die Tlascalanerin und die Indianerin wie eine Dona Sol und eine Pocahonta, die Frauen in der Tartarei und in China und Indien und von Odysseus und Penelope, Hektor und Andromache, Frithjof und Ingeborg, Siegfried und Kriemhilde bis zu Hermann und Dorothea besingt und preist treue Liebe das Epos und das Volkslied aller Nationen.

Einst hörte ich von Russen ein Duett singen. Schüchtern fragt der Jüngling: Willst du nicht mit in den Wald gehen? Möchte dir die roten Beeren zeigen, die so rot u. s. w. – Schelmisch erwidert das Mädchen: Ach! was gehen uns viel die roten Beerlein an? – Möchte dir die blauen Blumen zeigen, die so blau … – Ach, was gehen uns viel die blauen Blümlein an? – Möchte dir das graue Eichhörnlein zeigen, das so grau … – Ach! was … – bis der Jüngling sich ein Herz faßt und singt: Möchte dich dort fragen, ob du mit mir ziehen willst so lang dein Leben? – Und tief und voll und warm und innig tönte die Antwort: »Ja, will mit in den Wald gehen, will mit dir ziehen, so lang mein Leben!« – Und als ich frug, woher diese Perle, hörte ich mit Erstaunen, es sei ein sibirisches Volkslied! – Gottlob, daß Mensch Mensch ist und bleibt, und daß die Schätze im tiefen Grund seiner Seele kein noch so harter Kampf ums Dasein, weder die eisige Tundra noch der glühende Samum der Wüste ihm rauben können, höchstens nur der Umgang mit ganz verkommener oder gar vornehmer Gesellschaft!

*

Verschieden sind die männliche und die weibliche Seele. – Ist der Mann der oft ungeschliffene Diamant der Schöpfung, so ist das Weib die Perle derselben. Von ihrer Anmut und Lieblichkeit, von ihrer auch seelischen Schönheit ist hier nicht not zu reden. Wer kann wie sie in ein Wort soviel Seele legen? So fein und zart, so schelmisch und sinnig scherzen, so taktvoll zurückweisen und zügeln, auch unter Thränen noch lächeln, Thränen, die wie Tautropfen die Sonne spiegeln? Wer kann, wie sie, wo sie liebt, so verzeihen, und Schuld mit doppelter Liebe vergelten, oder hastige Ungeduld, harte Antworten, griesgrämiges Wesen, alles geduldig in den Kauf nehmen, weiß sie nur, daß sie im Grund doch geliebt ist. – Denn doppelt wahr ist es beim Weibe: Im Herzen sind die Quellen des Lebens.

Der Kopf des Mannes und das Herz des Weibes, das sind die zwei Pole der Menschheit, wie die Bibel, die alles weiß und alles sagt, spricht: der Mann ist des Weibes Haupt; und vom Weibe: ihr Schmuck soll sein der verborgene Mensch des Herzens! – Daraus erklären sich die gegenseitige Anziehung, Ergänzung und auch die Gegensätze und die Opposition der Geschlechter. Geistig groß kann ein herzloser Mann, wie ein Cäsar oder Napoleon I. sein; die herzlose Frau aber ist verächtlich und der kopf- und willensschwache Mann unbrauchbar.

Dieser prächtige, sich wundervoll ergänzende Gegensatz, der als Gesetz und Liebe aufgefaßt, auch die zwei großen Prinzipien der Gottheit darstellt, liegt aller Kunst und aller Poesie, dem Drama und dem Epos, allen höheren und höchsten Dichtungen der Menschheit zu Grunde. Ohne Juno, die Ehe, Minerva, das weibliche Schauen und Venus, die Liebe, kein Olymp, wie ohne Freya und Walküren keine Walhalla, ohne Helena und Andromache und Penelope keine Ilias noch Odyssee, ohne Kriemhildens Rache und Gudruns Treue keine Nibelungennot noch Gudrunlied. Faust ist nicht ohne Gretchen und Dante nicht ohne Beatrice. Die trotzige Thatkraft des nach Gesetzen handelnden Mannes und das in Liebe und Haß und Eifersucht erglühende Herz der Frau, das sind die Kräfte, die die Welt bewegen. Ergänzen sie sich nicht gegenseitig, so ist Gesetz ohne Liebe furchtbar und Liebe ohne Gesetz wertlos.

Mit dem Herzen lebt die Frau, urteilt, lacht und weint, haßt und liebt, glaubt und zweifelt. Im Herzen sitzt ihre Macht. Das ist ihre von Gott verbriefte Größe und Wehr und Waffen. Was hat nicht schon die Liebe einer Frau vermocht und ihre Thränen? – Als Coriolan, bittern Groll im Herzen, mit rächendem Heer siegesgewiß gegen Rom heranrückte, sandten die bestürzten Römer ihm … seine Mutter entgegen! – Bei ihrem Flehen, bei ihren Thränen, brach dem Helden das Herz; er gab Ehre, Ruhm und Leben preis, kehrte um und ging schweigend zum bitteren, grausamen Tod der Verräter.

Weil das Herz es nur mit dem Lebendigen zu thun hat, seine Thätigkeit mit Bezug auf Sachen nur eine sehr begrenzte ist, so ist das ganze Denken und Thun der Frau, im Gegensatz zum mehr sachlichen des Mannes, stets ein persönliches, bezieht sich auf Personen, knüpft an sie an, illustriert durch persönliche Beispiele seine Gedanken und urteilt über Prinzipien, je nachdem die Personen sind, die die Träger derselben darstellen; während der Mann umgekehrt die Personen nach den Prinzipien richtet, die sie leiten. Das Persönliche der Frau und das Sachliche des Mannes zeigt sich überall in ihrer Unterhaltung, und schon am Puppenspielen der Mädchen gegenüber des Bauens der Knaben. Dem Mann gibt sein Beruf und die mit demselben zusammenhängenden Fragen, der Frau die Familie samt Verwandtschaft bis ins vierte Glied und auch darüber hinaus den nötigen Denkstoff; zu ihren vielen Aufgaben gehört es, die Statistikerin der Familie zu sein. Da der Mann am liebsten von und über Sachen, das Weib von und über Personen spricht, fühlen beide schließlich das Bedürfnis, sich in Gesellschaft in Männervereinen und Damenkränzchen zu scheiden.

Das Weib ist mehr konkret, der Mann mehr abstrakt, das Weib vorzugsweise intuitiv, der Mann deduktiv, das Weib hat Gedanken, der Mann Ideen. Das Weib ist mehr impulsiv, der Mann mehr logisch; das Weib arbeitet mehr mit Nerven, der Mann mehr mit Muskeln, was bei Übermüdung beider auffällig. Das Weib arbeitet mit Nervenkraft, das Genie aber ist so wenig eine Neurose, wie ein nervenkranker Franzose behauptet hat, daß es vielmehr das Gegenteil ist. Sehr talentvoll kann der Nervöse sein, zum Genie aber gehören Nerven, so stark und gesund, daß kein Nervenleiden aufkommt. Zu so einem gewaltigen Atlas, der unentwegt, Jahre hindurch, durch Sturm und Nacht auf starken Schultern die Weltkugel trägt, gehört noch ganz andres als die brillante Auffassung, die wundervolle Leichtigkeit, die außerordentliche Begabung so vieler heutigen Talente. Und diese kolossale Hirn-, Arbeits- und Willenskraft, diese Kopfmacht eines Karl des Großen, Luthers, Peters des Großen, Napoleons I., Bismarcks, das ist, was dem Weibe fehlt.

Der Mann kann im Geistigen selbstlos sein, beugt sich vor der Idee und dem Prinzip und ist oft egoistisch in der Praxis; die Frau ist oft selbstlos und aufopfernd im Alltäglichen; aber ihr Leben bleibt ein individuelles, erhebt sich nicht zum großen gesetzlichen Standpunkt, wo das Ich vor den ewigen Prinzipien verschwindet. – Im Christentum finden beide das ihnen Fehlende. – Der Mann forscht nach Ursachen, gräbt nach Wurzeln; das Weib verlangt sichtbare Resultate, Früchte und Erfolge, besitzt eine wunderbare Feinheit der Intuition und des Erkennens im einzelnen; aber auch der begabtesten fehlt es an Konsequenz, Übersicht und großartigen Gesichtspunkten, wie zu allen Zeiten bei Schriftstellerinnen und in neuerer Zeit bei Rednerinnen zu sehen.

Weil das Weib mit dem Herzen lebt, urteilt sie mit und nach dem Gefühl, oft treffend, oft voreilig, meist parteiisch; der Mann mehr mit dem Kopf und richtet nach Gründen. Das Weib wird von unwillkürlichen Stimmungen beherrscht; der Mann hat bewußte Launen. Das Weib, man weiß es, will lieben und geliebt sein; der Mann will kennen und können. Liebe ist ihr Ideal; Erkenntnis und Macht seines. Weil im Herzen Gutes und Böses sich weit mehr offenbaren und auch bekämpfen, als im Kopf, so wird von vornherein das Weib reicher sein an Widersprüchen und an Gegensätzen als der Mann; wird auch leichter im Guten und im Bösen zu Extremen reifen. – Weil das Herz stets rascher mit seinen Empfindungen und Stimmungen und Eindrücken bei der Hand ist als der Kopf mit seinen Be- und Entschlüssen, beherrscht das Weib, das Mädchen viel bälder ihren kleineren und persönlicheren Kreis, reift also bälder als der Mann; altert freilich dafür auch schneller. Die Freude der Seele liegt beim Weib im Gefühl, beim Mann in der That; die Jungfrau ist stolz auf ihre Anmut, der Jüngling auf seine Kraft. Seelenvoll ist das Weib und oft witzig; geistvoll hie und da der Mann und hat Humor, den wahren, dieses Kennzeichen geistiger Macht, wie er Sein und Vergehen und auch das eigne für eine Divina Kommedia ansieht. – Der im Himmel ist, lacht ihrer! – Spitzig und spöttisch ist das Weib, ironisch und sarkastisch der Mann. Für ihre Liebe und für ihren Haß, wie für all ihr Thun, findet das Weib stets eine Entschuldigung. Der Mann kann mit frechem Bewußtsein sündigen und mit Byrons Manfred sprechen: »Längst schon habe ich aufgehört, mein Thun mir zu entschuldigen; letzte Schwäche des Bösen!« – oder offen wie Talleyrand auf die Frage, ob er je verliebt gewesen, antworten: »Bei der ungeheuren Liebe, die ich für mich selbst hege, bedarf ich keiner andern.«

Daß das Weib an ihrer Rivalin keine Tugend und an dem Mann, den sie liebt, keine Fehler sieht, werden Frauen wohl selber zugeben. Wie es dem Weib auch in der Verteidigung an Corpsgeist fehlt, so liebt sie den einzelnen, indirekten Angriff und die schiefe Schlachtlinie, schießt wie die Parther ihre Pfeile im Rückzug; der Mann zieht den Massensturm mit Hurraruf und gefälltem Bajonett vor. Das Weib liebt wie alle nervösen Naturen Bewegung, Abwechslung und Gespräch; der Mann Festes, die That, die Waffe. Das Eisen, sagt Homer, zieht den Mann an; und niemals, das wußte der schlaue Odysseus, hätte ein Mädchen an Stelle des verkleideten Achilles unter den Schmucksachen nach dem Schwert gegriffen. Das Weib ist, wie schon die Natur uns sagt, mehr passiv empfangend, empfindend, empfindsam, in sich verarbeitend, aufbewahrend, sparend; der Mann mehr aktiv, produktiv, erfindend, erforschend, erwerbend, erobernd, erzeugend und verschwendend. So ist das Weib musikalisch; aber wo ist ein weiblicher Bach, Händel, Mozart, Beethoven u. s. w.; sie ist poetisch, sehr poetisch sogar, und doch eigentlich keine Dichterin; der langen Liste von großen Dichtern von Homer bis Uhland steht höchstens eine Sappho gegenüber. Das Weib kann lieben, treu und tief und von ganzer Seele; wer wollte es bezweifeln? Aber, um von der Liebe meisterlich zu reden, braucht's einen Mann, Homer oder Dante, Shakespeare oder Goethe. Sie hat viele und hübsche und zarte und feine Einfälle, aber sie erfindet nicht. Jahrtausendelang haben Frauen sich mit Kornmahlen und auch mit Nähen geplagt, wie schon in der Odyssee erzählt; aber es fiel ihnen nicht ein, die einfachste Wasser- oder Windmühle, noch die Nähmaschine zu erfinden.

Und das alles hat seinen klaren, logischen Grund. Denn im obigen Gesetz des weiblichen Lebens in und mit dem Herzen liegt schon der scheinbare Widerspruch, daß das Weib, obgleich mit einem feinen Gefühl für Recht und Unrecht begabt, das Gesetz weder versteht noch liebt, das nicht mit dem Herzen, sondern mit dem Kopf erkannt und gesetzt wird, das von Gefühl und Persönlichkeit nichts weiß, sondern sachlich, der Bitte taub, dem Ansehen der Personen blind, daher schreitet unerbittlich, unbarmherzig. – Tiefer noch liegt dieses Nichtlieben und Nichtverstehen des Gesetzes darin, daß das Weib, nicht wie Adam ein erstes und prima causa, sondern ein zweites und Hinzugekommenes ist, wodurch sie weniger befähigt ist, die ersten Ursachen, das noch abstrakte Gesetz zu schauen, sondern sie sieht und liebt vielmehr die That und die Person als Resultat. – Von Eva her ist der Frau der Befehl, das Gebot und noch mehr das Verbot zuwider, und die heimliche, stille Übertretung desselben eine Lust. – Frauen, sagen Zollbeamte, sind geborene Schmugglerinnen. So kann jeder mit Recht oder Unrecht Gefangene bei Fluchtversuchen auf Frauenhilfe oder wenigstens Frauensympathie rechnen. So weiß jeder, der jahrelang Mädchen unterrichtet und erzogen hat, wie schwer ihnen das dem Knaben imponierende Gesetz beizubringen ist, wie sie am liebsten für jeden besonderen Fall und für jede besondere Persönlichkeit einen neuen Paragraphen improvisieren möchten; wie leicht dagegen sie durch Appell an ihre Gefühle zu lenken sind.

So ist der Mangel an Logik der Frau sprichwörtlich; steht aber in keinem Verhältnis zu ihrer Begabung; auch die Intelligenteste vermag sich in demselben Satz zu widersprechen, gleichzeitig das Ja und das Nein zu glauben und in wundervoller Weise gleichwertig darzustellen. Denn, sprach einst eine solche, von Gründen laß ich mich von vornherein nicht überzeugen! – Auch in der Familie und überhaupt in ihrem Kreise und Bereiche kennt und liebt die Frau das Gesetz nicht, sondern nur die jeweilige, zweckmäßige, jederzeit widerrufliche Verfügung. Sache des Vaters ist es, das Gesetz festzustellen und das stets vergessene und übertretene, so das der Zeit, stets zu wiederholen. – Daher kann die Frau kein Gesetzbuch schreiben; noch versteht sie eben aus diesem Mangel an Sympathie und Verständnis für das Gesetz die Weltgeschichte, diese stete Erfüllung großer Gesetze. Diese ist ihr meist nur eine in einige chronologische Unordnung geratene Porträtgalerie von einzelnen verehrten Helden und von vielen abscheulichen Menschen. Sie versteht nicht den Turmbau zu Babel, noch den Untergang Karthagos, noch die Rede Attilas an seine Hunnen vor der Völkerschlacht, noch die Kapitulation von Sedan; versteht überhaupt nicht die Weltschlacht, sondern nur den Zweikampf. Aus demselben Grund beherrscht sie nicht das Fatum, die Tragik, sondern wird von ihnen erfaßt und zermalmt. Epos und Drama sind ihr fremd. Denn auch der Meister in der Kunst ist nur durch die Erkenntnis der Gesetze groß und Meisterwerke bestehen in der klaren Darstellung dieser Gesetze. So ist es nun verständlich, warum die Frau, obgleich so kunstliebend, so poetisch angelegt und mit so feinem Geschmack begabt, nie in der Kunst bahnbrechende und imponierende Werke schuf wie Homer, Michel-Angelo, Bach u. a. Dazu fehlt ihr das Gesetz. Auch kann sie kein großer Naturforscher werden, denn das heißt wie Aristoteles, Newton, Linné u. s. w. die Gesetze der Natur finden. – Eben deshalb und wie leicht einzusehen, ist sie nicht erfinderisch noch entdeckend. – So kann sich keine Frau für die Maschine, selbst von zehntausend Pferdekraft begeistern; sie findet nichts geistig Schönes an dieser prächtigen sachlichen Illustration vom Gesetz der Kräfte und ihrer Umwandlungen. Der Mann kann stundenlang zusehen, wie dieser Stoff nach Gesetzen, die er ihm eingegeben, sich so mächtig, harmonisch, zweckmäßig bewegt, er fühlt sich als der Schöpfer dieses gewaltigen Organismus!

Diese Gesetzlosigkeit und Ungesetzlichkeit der Frau bildet auf allen Gebieten des Lebens ein wohlthätiges Gegengewicht gegen das stets in das System und in die Theorie, in das Gesetzliche, in die Verordnung und in die Schablone, ins Deduktive und Abstrakte fallende Geistesleben des Mannes; sie bringt immer wieder, wie schon an der so mannigfaltigen Frauenkleidung und der so wechselnden Mode zu sehen, das frische, spontane, unerwartete und unberechenbare Element zur Geltung, ist für die Entwicklung und das Gedeihen des Kindes und der ganzen Menschheit unentbehrlich. – Aber ebenso schließt sie das Weib von der Gesetzgebung, sei es im Staat, sei es in der Kirche aus, und wo sie sich doch darin einmischte, hat es von jeher an ernsten, großen, starken Gesetzen gefehlt.

Das Weib, ihrer Schwäche bewußt, scheut Kampf und Gefahr. So sucht jede Mutter vom Söhnlein alles Gefährliche, Schwierige und Mühsame abzuwenden, will mit rührender Liebe immer nur helfen und helfen, möchte ihm den Lebensweg nur ebnen und glätten; und die Frucht dieser Erziehung ist das übrigens oft recht brave und bescheidene, liebe, nicht aber die Welt erobernde »Muttersöhnchen«. Der Vater dagegen, und darin ahmt er die göttliche Erziehung nach, legt seinem Sohn Schwierigkeiten in den Weg, damit er daran erstarke, führt ihn in die Gefahr, damit er lerne, nicht sie umgehen und meiden, sondern ihr trotzen und sie besiegen, und er freut sich, wenn der Sohn die Probe besteht. Und doch oder vielmehr deshalb liebt das Weib den allzu guten, sanften, gutmütigen und ordentlichen Mann nicht und hat vollends am Philister keine Freude. Ein leidenschaftlicher Dante mit glühender Liebe und glühendem Haß ist ihr lieber, wenngleich für den Hausbrauch und in der Haushaltung manchmal recht unbequem.

Das Weib liebt Blumen und arrangiert vortrefflich einen Salon, glänzt aber schöpferisch weder in Gartenanlagen noch in der Architektur. Denn sie kann wohl das Gegebene und Sichtbare harmonisch und geschmackvoll disponieren und klug verwalten, nicht aber das erst zu Schaffende im voraus geistig übersehen und ordnen. Deshalb und trotz anerkannter Gesprächigkeit und bewährtem Redefluß ist dem Weib das geflügelte Wort, das Sprichwort und das Machtwort versagt. – Das Äußere nimmt sie ein. – »Da sie sah, daß die Frucht eine Lust für die Augen war.« – Sie kann fast nicht umhin, den schönen und geistreichen, wenn auch sitten- und herzlosen Salonhelden mehr als den ehrlichen guten Mann und Christ mit plumpem Auftreten, unschönen Zügen und stotternder Rede zu bewundern. – Daß auch sie gefallen will, ist ihr Recht von Gottes Gnaden; denn dazu hat Gott ihr Schönheit und Anmut verliehen. Auch die Lust zum Putz, zur Toilette, die Freude am Schmuck und am Juwel, das feine Verständnis der persönlichen freien Symbolik und Psychologie der Kleidung und des Hutes für sich und ihre Be- und Verurteilung bei andern hängen unzertrennlich mit dem Wesen der weiblichen Seele zusammen und haben ihre tiefe und an sich keineswegs sündige Bedeutung. Und ebenso ihr weltalter Hang und ihre Befähigung zur Magie und Zauberei, und ihr so entwickeltes, schon von den Kelten und Germanen anerkanntes Ahnungsvermögen. – Ein hübscher psychischer Zug ist es, wie Reisende von Wilden erzählen, daß, während die Männer sie finster drohend anstarrten, die Weiber über ihr fremdartiges Aussehen lachten.

Weil wahre Bildung aus dem Herzen kommt, so bedarf die Frau der formellen weniger als der Mann und wer viel gereist ist, hat, besonders in Südeuropa, Gelegenheit gehabt, den feinen und edlen Anstand, die herzgewinnende Anmut, den offenen Verstand und dabei den schelmischen Witz zu bewundern, womit Frauen aus dem Volk sich bewegen und sprechen, die oft weder lesen noch schreiben können.

Endlich ist die Frau wie im Materiellen ein Faktor des Erhaltens und Zusammenhaltens, so auch geistig eine geborene Konservative. Wie sie trotz so wechselnder Stimmung doch in der Liebe so treu, so hängt sie trotz der Veränderlichkeit ihrer Moden und ihres Geschmacks doch fest am Alten. Während der Mann oft ein Demagog oder ein Tyrann, oder beides ist, verehrt sie in allen Dingen die bestehende Ordnung, das Herkömmliche, den Brauch und die Sitte, die alte Familie, die vornehme Abkunft, den Titel, die Kaste, den Adel und die Geistlichkeit.

Verschieden ist eben die ganze Weltauffassung beider Geschlechter. Das Weib denkt und urteilt, redet und schreibt, erzählt und beschreibt anders, ist anders krank und anders gesund, anders fromm und anders gottlos, anders gut und anders bös, liebt und haßt anders als der Mann. – Die Heldin geht mit sanfter Geduld, mit engelhafter Aufopferung in den Tod für die Ihrigen; der Held lacht titanenhaft freudig, wenn in der Schlacht Hunderte um ihn fallen und Welten zusammenbrechen. Die Mutter opfert freudig tropfenweise ihr Blut für ihren Sohn; Brutus verurteilt seine zwei Söhne zum Tode und sieht sie trockenen Auges hinrichten; denn so verlangt es das Wohl des Staates. Augustus bietet seinem Todfeind Cinna seine Freundschaft an; Elisabeth läßt ihre Rivalin Maria Stuart und ihren Liebling Essex hinrichten und grämt sich dann zu Tod darüber. Lady Macbeth wirft ihrem Mann Feigheit vor, weil er Dunkan nicht ermorden will; nach der That stirbt aber sie an Gewissensbissen u. s. w.

Freilich sind auch hier, wie in der ganzen göttlichen Schöpfung, die Gegensätze nicht durch eine scharfe und harte Grenzlinie geschieden, sondern greifen vielfach ineinander über. So hat es je und je, auch unter den Fürstinnen Deutschlands, Frauen gegeben, die in schweren Zeiten mit männlicher Entschlossenheit, wie Katharine die Heldenmütige, wie die fromme Sybille von Württemberg, ihre Rechte wahrten, oder ihren Staat fest und selbständig regierten. Doch entsprechen solche Ausnahmen weniger dem weiblichen Typus als eine heilige Elisabeth oder eine edle Königin Luise. Und ebenso hat es schon Männer gegeben, die wie der mit so zartem und jungfräulich reinem Gemüt, mit so innigem Seelenleben begabte Heinrich Suso, sich ihrem Wesen nach sehr dem Ewig-Weiblichen näherten. – Und doch verleugnet sich der auch verdeckte männliche oder weibliche Grundzug niemals ganz, wie so deutlich an obiger, sonst männlich auftretender Elisabeth von England zu sehen.

Prächtig ergänzen sich beide Geschlechter. Und auch hier, wie in allen Fragen, die den Menschen bewegen, spricht die Bibel einfach klingende, große, tiefe, grundlegende Worte: »Der Mann ist nicht ohne das Weib, noch das Weib ohne den Mann.« – Der Mann ist nicht ein Mann, wenn nicht das Weib als Gegenwurf es ihm zum Bewußtsein bringt. Das Weib wüßte nicht, daß es ein Weib ist, sähe sie den Mann nicht. Und wie unvollkommen, einseitig, traurig und unglücklich wären sie ohne einander! Wie und was die Frau allein wäre, wie kleinlich und ängstlich und ohne bestimmte Ziele und Zwecke ihr Dasein, ohne befruchtende Kräfte ihr Leben, sieht man an Nonnenklöstern und Frauenstiften, und die Frau fühlt es selber. Daher ihre offen ausgesprochene Abneigung gegen alle Damencoupés im öffentlichen und im Privatleben, wie eine geistreiche Frau einst äußerte, schon der schwere Tritt des Mannes auf der Treppe übe einen wohlthätigen Einfluß auf das Familienleben aus. Was der Mann ohne Frau wäre, sieht man nur zu deutlich überall, wo er wie die Walfischfänger in der Südsee jahrelang ohne Frauen noch Kinder lebt; da werden solche Männer einsilbig, finster, hart, roh, brutal, antworten einander mit einem Fluch oder einem Schlag. Trinken ist ihre Poesie und Messerkampf ihre Unterhaltung; denn sie verachten ihr Leben und das fremde. – Eine Erde ohne Frauen noch Kinder drohte bald zum unerträglichen Fegfeuer, ja zur Hölle zu werden.

Wie interessant wäre es, gestattete es uns der Rahmen dieses Buchs, diese schöne, zarte, stets etwas rätselhafte und desto anziehendere Persönlichkeit in allem ihrem Thun zu verfolgen! Von jeher haben die gottbegnadeten Dichter und Autoren con amore sich daran gemacht, und ihren Frauenfiguren verdanken ein Homer, Sophokles, Dante, Shakespeare, Racine, Goethe und unzählige andre die Hälfte ihres Ruhms. Übrigens spricht es nicht für Goethe, daß seine Hauptfigur Gretchen ein gutes Mädchen ist, an der nur die Reue groß; denn so sehr Goethe das Weib liebte, hielt er nicht hoch genug von ihr. Anders Racine in Athalia, Phädra. Wahrer noch und groß sind Shakespeares Frauen, so eine Desdemona, Ophelia, Lady Macbeth und selbst eine Portia, Jessika u. a. Aber auch über sie erhebt sich eine Penelope, Andromache, Antigone, Iphigenie und endlich Dantes Beatrice, freilich nicht mehr eine bloß irdische Schöpfung.

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Aus oben festgestelltem Gegensatz zwischen Kopf und Herz, Gesetz und Liebe ergibt sich schon für jeden, der von Wissenschaft etwas versteht, daß die Frau nicht wissenschaftlich veranlagt ist. Das ist für sie ebensowenig ein Vorwurf, als wenn wir sagen, das Holz der edlen Rebe und der duftigen Rose eigne sich nicht für Bauzwecke. Wissenschaft, haben wir in einem ersten Band (Naturstudium und Christentum) gesagt, leistet mitunter Großes, kann aber den Menschen weder bessern noch beglücken, sondern sie ist wie Geld oder Dampf, eine Kraft, die jeder nach dem ihm innewohnenden Prinzip zum Guten oder Bösen verwertet. Jede Zeit hat ihre Götzen; so das Mittelalter die Scholastik und die Theologie; so das neunzehnte Jahrhundert Aufklärung und Wissenschaft. Pflicht des Christen ist es, jedem Götzendienst entgegenzutreten, und wir achten es für einen von Gott der Frau verliehenen Vorzug, daß sie nicht wissenschaftlich angelegt ist und ihr spontanes, frisches, intuitives Wesen und Urteil ein gesundes Gegengewicht zu unserm trockenen, deduktiven Geistesleben bildet. Was sollte aus der Menschheit noch werden, wenn ihr ganzes Leben wissenschaftlich würde?

Wissenschaft nimmt dem Weibe, welche sie ohnehin immer im Schaufenster hält, – der Mann im Magazin, schon wegen des bedeutenderen Vorrats –, das unvermittelte Empfinden, Denken, Urteilen, das deshalb auf uns Männer einen großen Reiz ausübt, weil wir fühlen, wie sehr wir im Leben dieses beruhigenden, wohlthuenden Gegensatzes bedürfen bei unsrer immer mehr uns anstrengenden Hirnarbeit. Wissenschaft ist eine Waffe, die das Weib im Kampfe ums Dasein nicht braucht, noch zu gebrauchen weiß. Es geht ihr damit, wie dem David in Sauls prächtiger Rüstung. – Glatte Kiesel vom Bach und eine Schleuder dazu, das sind ihre Waffen. Damit hat sie schon manchen ungeschlachten Goliath niedergestreckt. – Mit dem trefflichen, gesunden Verstand, der ihn kennzeichnet und einen guten Teil seiner Größe ausmacht, läßt schon Molière den Clitandre sagen:

Je consens qu'une femme ait des clartés de tout;
Mais je ne lui veux point la passion choquante
De se rendre savante afin d'être savante.
J'aime qu'elle ait du savoir sans vouloir qu'on le sache
Sans citer les auteurs, sans dire de grands mots,
Et clouer de l'esprit à ses moindres propos.

(Les Femmes savantes, Acte I, Sc. IV.)

Wollen wir damit unsre Frauen von ihrem rechtmäßigen Anteil am schönen, Geist und Seele erfrischenden Wissen der Menschheit ausschließen? Keineswegs. Wir wünschten vielmehr den heutigen Frauen mehr geistiges und allseitiges Interesse, bessere, lehrreichere Lektüre und anhaltenderes Nachdenken über Gelesenes und Gehörtes, ein Verarbeiten desselben und regsamere Teilnahme an allem, was für die Menschheit gut und wichtig ist. Wir möchten ihnen alles wirklich Wissenswerte und Wertvolle, die Resultate so vieler Forschungen und so vieler Arbeit wie Blumen und Früchte darbringen. – Wohl bedürfen sie zum Verständnis derselben gesunder Kopfarbeit, nicht aber der eigentlichen Wissenschaft. Wissenschaft im allgemeinen ist alles Wissen der Menschheit; Wissenschaft im engeren Sinne ist, wie Kunst, Industrie, Politik, ein besonderer Faktor im Leben, hat ihre eigne Sprache, ihre Methode, ihre Werkzeuge und ihre Technik. In diese oft staubigen, verrußten, mitunter ungesunden Werkstätten der Wissenschaft braucht die Frau nicht hinabzusteigen; darf einen Blick hineinwerfen, um zu merken, wie man Wissenschaft macht, aber soll nicht darin wohnen, weil die Luft ihr nicht gesund, noch darin arbeiten, weil sie die Kraft nicht dazu hat und auch mit den Werkzeugen nicht zu hantieren versteht, noch es lernen kann. – Eine Frau, eine Königin, darf sich mit Diamanten schmücken, daran sich freuen; es ist darum nicht nötig, daß sie sie selber geschliffen habe; sie kann Blumen pflegen und Früchte züchten und den Hausgarten besorgen; aber sie braucht nicht den Wald auszuroden, zu pflügen und zu ackern, zu drainieren, noch zu rajolen; kann an den schönen Resultaten der Geologie und der geographischen Forschung ihre Freude haben, muß aber deshalb weder im Bergwerk arbeiten, noch eine Nordpolexpedition mitmachen. So darf und soll sie mit Genuß Rousseaus Briefe über Botanik, Littrows Wunder des Himmels oder Flammarions Astronomie, Fraas' »Vor der Sintflut« und Tyndalls Werke lesen und ebenso sich an Schriftstellern wie Mommsen, L. v. Ranke, Lübke, an Culmanns Ethik, der Reformationsgeschichte von Merle, d'Aubigné u. s. w. u. s. w. erquicken, und die Früchte der Wissenschaft pflücken. Aber selbst etwas Bedeutendes, Bahnbrechendes auf diesem Gebiete zu leisten, große Erfindungen und leuchtende Ideen in die Welt zu werfen, ist ihr trotz häufigen Versuchen und günstigen Umständen noch nie gelungen.

Wir haben manche Schwester, Tochter, Frau gekannt, die unter der freundlichen, verständigen Leitung ihres Bruders, ihres Vaters, ihres Mannes zu einer gediegenen und ihr nützlichen Bildung gelangte, andre dagegen, die bei allem Studium und sogar Diplomen von fremden Hochschulen sich durch unverdautes Wissen, geistige Unbildung und Hochmut lächerlich machten. Die wahre Hochschule für die gebildete, bis zum sechzehnten Jahre in einer guten Mädchenschule mit den Grundelementen des Wissens versehene Frau ist und bleibt der Umgang mit soliden Büchern und gediegenen Männern, Vater, Brüdern, mit ihrem Mann, samt Besprechen alles dessen, »was den Menschen angeht«. Auch hier paßt im allgemeinen Sinne das Wort: »Will das Weib etwas wissen, so frage sie ihren Mann zu Hause.« – Daß so mancher deutsche Mann dieser so schönen Aufgabe der geistigen Erziehung seiner Frau das ewige Sitzen im Bierhaus vorzieht, ist im Interesse seiner eignen leiblichen und geistigen Gesundheit tief zu bedauern. – Aber der Mensch kann eben nur geben, was er hat. – Doch darf, um beiden Teilen gerecht zu werden, auch nicht verschwiegen werden, daß viele Frauen in Kränzchen, bei Besuchen und in ihrem täglichen Gespräch sich jedes ruhige Zuhören und alles Interesse für tiefere und ernstere Fragen gänzlich abgewöhnt haben, und daß es vielleicht ebensoviele gibt, die wirklich Interessantes und Lehrreiches nicht mehr anhören können noch wollen, als Männer, die so reden, daß es sich nicht lohnt, ihnen zuzuhören.

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Der Kunst steht die Frau ungleich näher als der Wissenschaft, und das stimmt schön damit, daß wir die Kunst als eine Individualisierung auffaßten, denn welche größere Individualisierung gibt es, als die Erzeugung des Kindes, zu allen Zeiten das wahre Meisterstück der Frau. Der Mann brächte meist nur ein systematisches, theoretisches Wesen und, wenn Hegelianer, gar nur einen Menschenbegriff zur Welt. Aber ebenso stimmt es mit ihrer stets persönlichen Auffassung und mit obigen Bemerkungen über Epos und Weltgeschichte, daß sie weder das Mausoleum baut noch den Turmbau zu Babel von Kaulbach, noch die Wegführung der Juden von Bendemann malt, weder Architektur noch heroische Skulptur, weder die große Landschaft à la Calame, noch die historische Malerei mit Erfolg betreibt, dagegen in der Büste, im Porträt Vorzügliches leistet, und ebenso daß sie, die selber eine Blume ist, wie eine Therese Heck es trefflich versteht, diese duftigen, fast unmalbar zarten Gebilde auf Papier und Leinwand zu fixieren. Ebenso zutreffend ist ihre Begabung für dekorative Kunst, besonders im Eleganten und Zierlichen. Doch wir können nicht hier der Frau auf allen Gebieten ihrer oft so feinfühligen Kunst folgen; und ebensowenig auf dem der Musik, wo sie, obgleich keine hervorragende Komponistin, den Mann an seelenvollem Gesang weit übertrifft; sondern gehen zu einem immer mehr von der heutigen Frau gepflegten Gebiet, der Literatur über.

Auch hier spiegelt sich der oben charakterisierte Unterschied der Geschlechter treffend wieder. Während der Mann sich auf dem gesamten Gebiet der Litteratur bewegt und in Erfüllung des Befehls: »Du sollst essen von allen Bäumen im Garten« alle literarischen Genres und Gewächse kultiviert, als da sind Epos, Drama, Lustspiel, Weltgeschichte, Wissenschaft und jede Art von Fachschriften, beschränken sich die weiblichen Autoren fast durchgängig auf die Besprechung des Wortes: »Es ist nicht gut, daß der Mann allein sei!« Stets wird dieser interessante Text von neuen Seiten beleuchtet und passend oder unpassend illustriert. Mit andern Worten: Der Liebesroman ist das Hauptthema der Frau, selbst wenn sie vorgibt, wie Frau von Staël in Corinne, poetische Länderkunde zu treiben. Dabei wechseln oft reizende Landschaftsschilderungen mit trefflichen psychologischen Skizzen und ausgezeichneter Charakterschilderung; doch mehr am Eingang; sobald Held und Heldin auftreten, und das Herz warm wird, spitzt sich das Buch unvermerkt zu einer immer persönlicheren, immer weniger große Gesichtspunkte zulassenden Lebens- und Liebesgeschichte zu, aus der schließlich wenig andres mehr zu lernen ist, als daß einst eine Luise einen Karl gekriegt oder nicht gekriegt hat. – Freilich heißt es auch hier heutzutage: Nous avons changé tout cela! Im heutigen Roman hat die Luise ihren Karl schon, aber nur um alsbald zu entdecken, daß sie lieber den Viktor v. X. möchte, welcher aber nicht zu haben ist, weil er seinerseits für die auch schon besetzte Klara v. Y. schwärmt, eine alte Flamme vom obigen Karl; woraus sich eine solche Fülle von ungesunden Situationen ergibt und so gordische Verwicklungen, daß am Schluß zwei oder drei der Mitwirkenden sich, um aufzuräumen und Luft zu schaffen, erschießen müssen. – Aber das sind nur so zeitweilige Geschmacksverirrungen, die früher oder später wieder der einfachen, wahren, treuherzigen, steinalten und doch immer neuen Liebesgeschichte Platz machen werden. So ist der Kreis der Frauenschriftstellerei wie ihre sonstige Thätigkeit ziemlich eng umgrenzt. Abgesehen von mitunter recht guten Jugendschriften, Familienbildern à la Friederika Bremer und Ottilie Wildermuth, und dem vorzüglichen Löfflerin Kochbuch, kann jedes Weib wie Ouida ihre » story of two little wooden shoes«, uns als erstes und bestes Werk ihre Liebesgeschichte erzählen, gleichviel ob sie dieselbe erlebt oder nur geträumt hat; allenfalls noch eine oder zwei Varianten derselben; dann aber lege sie die Feder nieder und lebe glücklich weiter.

Vergleicht man diese Frauenleistungen mit dem männlichen Roman, so zeigt sich sofort der Unterschied. Letzterer erfaßt das Leben sachlich, und die Abenteuer des Helden sind ihm nur Veranlassung, große Ideen zu besprechen, oder große Zeiten oder Thaten zu schildern. So in dem Nationalroman »Robinson Crusoe«, dieser Verkörperung des unternehmenden, kommerziellen, maritimen und kolonialen Geistes des Engländers, oder in Dickens' und Thackerays unübertrefflichen Schilderungen englischer Zustände und englischer Typen; so in »Gil-Blas«, dieser Revue socialer Zu- und Übelstände, in »Don Quichote«, diesem Schlußwort des Rittertums, in den » Promessi sposi«, diesem lombardischen Epos, in »Simplicissimus«, »Titan«, »Soll und Haben«, und den »Ahnen«, in »Ekkehardt«, in den »Toten Seelen« von Gogol und selbst in dem skizzenhaften »Tagebuch eines Jägers« von Turgenieff, und dem einseitigen »Krieg und Frieden« Tolstois; weshalb diese Werke dauerhafter sind als Frauenschriften.

Die Frau schreibt, wie sie alles thut, mit ihrem oft weiten, warmen Herzen. Aber in dieser Welt genügt das gute Herz nicht, man braucht auch den klaren Kopf. Das gute Herz der Frau läuft meist mit ihr davon. So in »Onkel Toms Hütte«, wohl eines der schönsten von Frauen geschriebenen Bücher. Welche ausgezeichnete Physiognomik! Welche psychologische Feinheit, wie plastisch die Schilderung und lebendig die Figuren! Und ausnahmsweise tritt hier die Liebe gegenüber der Hauptfrage zurück. Aber wie wird auch hier die weltbewegende Frage der Sklaverei lediglich persönlich und individuell aufgefaßt und nur durch die Wirkungen beleuchtet, die sie bald auf diesen, bald auf jenen Menschen ausübt. Von edler Entrüstung und dem Wunsch beseelt, den so schändlich unterdrückten Sklaven recht interessant zu machen, merkt sie gar nicht die Unlogik des ganzen Buchs. – Denn sind Helden wie Onkel Tom, feurige, edle, energische Naturen wie ein Georg Harris, echt weibliche wie eine Elisa u. a. die durchschnittlichen Produkte der Sklaverei, dazu auch Herren wie St. Claire, Mr. und Mrs. Shelby und Evangelina, so ist diese Sklaverei, so hart sie für manchen sein mag, im ganzen ein treffliches Institut; denn ihre Früchte sind gut; sie macht Menschen zu rechten Menschen; und was will man mehr in diesem armen Leben? Sind aber diese Figuren, wie thatsächlich, äußerst seltene Ausnahmen, dann ist Mrs. Beecher-Stowe nicht berechtigt, aus ihnen allgemeine Schlüsse zu ziehen und ihr Buch wurde mit Recht einseitig und ungerecht genannt. – Schildern uns dagegen Ch. Sealsfield und andre Männer, meist mit weniger Talent und Herz als obige Verfasserin, die damaligen Zustände in den Südstaaten, so leuchtet uns aus ihrer Beschreibung ohne Tendenz noch Pathos, mit furchtbarer Klarheit die Thatsache entgegen, daß Sklaverei Sklaven und Herren derart sittlich und geistig zu Grunde richtet, daß mit diesem Menschenmaterial nichts mehr anzufangen ist; und aus dieser Größe des Schadens ergibt sich mit zwingender Logik die ungeheure Größe der Schuld.

Und die Geschichte hat uns recht gegeben. Nicht an einem Tag und durch einen Act of Congress hat Gott, dieser wunderbare Pädagog, diese Millionen Sklaven freigegeben, sondern durch einen vierjährigen Krieg, mit aller seiner Not und Elend, mit allen seinen Schrecken und Grausamkeiten hat er zuerst die Besitzer und Sklaven zu einiger Selbständigkeit erzogen. – Und dennoch! Wo sind nun, fragen wir, die Tausende von edlen Onkel Tom, und Zehntausende von intelligent feurigen George Harris, die Frau Beecher-Stowe uns in Aussicht stellte, sobald man ihre Fesseln brechen würde? Wo spielt der nunmehr freie Neger jetzt eine hervorragende, bedeutsame, weltgeschichtliche Rolle in Amerika? – Vielmehr schrieb (1894) ein Mann und Christ, der ihn schon vor dem Krieg auf Baumwollenpflanzungen kannte: »Seit so vielen Jahren der Emanzipation hat der Neger keinen geistigen Fortschritt gemacht; der Fluch Noahs scheint ein ewiger zu sein.«

Schreibt die Frau ausnahmsweise einmal nicht von der Liebe und auch nicht mit dem Herzen, so pflegt ihr Buch, und wenn noch so gut geschrieben, doch wenig Wert zu haben. So beschreibt in der bekannten »Reise auf dem Sonnenstrahl« die Verfasserin fließend und gefällig, wie sie auf zweckmäßig und reich eingerichteter, zahlreich bemannter, von ihrem Mann befehligter Dampf- und Segeljacht eine Reise um die Welt macht. Dabei sieht und genießt sie vieles, weshalb ihr Buch unterhaltend wirkt; aber am Schluß fragt man sich, was ist bei solchem Aufwand an Zeit und Geld und Menschenkraft das entsprechende Resultat? Wo ist nur eine aus so viel Berührung mit allerlei Menschen und Völkern hervorgegangene ernste Erkenntnis, wo eine Absicht, die über die bloße Unterhaltung ginge? – Lady B. findet es offenbar capital sport, um diesen Planeten eine große shopping-tour zu machen, wobei ihr Mann lediglich als Reisekourier figuriert, dabei sich hier dieses und dort jenes zum Schmuck ihres Boudoirs zu kaufen und verschiedene » parties« mitzumachen, auf denen sie fetiert wird. Aber der Gesamteindruck, den sie in ihrem Buch auf uns macht, ist der einer kleinlichen Persönlichkeit mit großem behaglichen Egoismus. – Man vergleiche damit P. Lotis große Anschauungen in seinen Reiseschilderungen: Le désert, La Galilée.

Kaum Besseres leistet die Frau, wenn sie, auch mit besten Absichten, religiöse und philosophische Fragen behandeln will. In dem bekannten Buch »Robert Elsmere« – wir wählen hier wie anderswo ausländische Beispiele, um einzelnen deutschen Schriftstellern und Schriftstellerinnen, wie der Verfasserin von » Eritis sicut Deus« u. a. nicht zu nahe zu treten – strandet nach schönem Anfang die begabte Verfasserin am Ende kläglich auf den Sandbänken eines seichten Rationalismus und wässerigen Philanthropismus anstatt mit vollen Segeln in den großen sicheren Hafen eines die Welt und den kritischen Unglauben besiegenden biblischen Glaubens einzulaufen. Denn sobald die Frau mit ihrem und über ihren Glauben zu räsonnieren anfängt, verliert sie viel bälder noch als der Mann den Boden unter den Füßen, gerät in Strömungen und Wirbel und geht zu Grunde. – Oder sie will in christlich philosophischer Theosophie machen und schreibt solches Zeug wie Frau Blawatzkys Werke oder das in Amerika in der 92. Auflage erschienene Buch » Christian Science«.

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Daß bei solch durchgreifendem Gegensatz der Geschlechter die Stellung der Frau in der Welt wie ihre Lebensaufgaben andre sein werden, als die des Mannes, ist schon von vornherein zu erwarten. Wenn Gott zwei Geschöpfe leiblich und seelisch so verschieden ausstattet, so will Er mit jedem etwas andres thun. – Auch unschwer läßt sich aus dem bisher Festgestellten ersehen, inwiefern die weiblichen Aufgaben von den männlichen verschieden sein werden. Soll der letztere mit Muskelkraft Hindernisse wegräumen, pflügen und schmieden und bauen und die Gesetze des Alls erkennen, berechnen und darauf seine Gesetze ausrichten, so wird das Weib mit Herz und Gemüt zart und weich, und doch auch kräftig und tief auf ihre Umgebung influieren, wird erziehen und pflegen und versorgen, wird verwalten und einteilen, warnen und wehren, trösten und ermuntern.

Weil das Herz nur unmittelbar und auf Personen durch Berührung von Herz zu Herzen wirkt, so wird ihr ganzes Thun ein persönlicheres und unmittelbareres als das männliche sein, wird weder in die Ferne des Raums noch der Zeit wirken; weder Vergangenheit noch Zukunft, sondern die Gegenwart ist ihr Gebiet und ihre Gegenwart ist Hauptfaktor ihrer Wirksamkeit. Und weil der Kopf Erkenntnis, das Herz aber Mysterium ist, so wird das Mysterium, der Gegensatz und das Unerklärliche im Leben und Thun der Frau eine größere Rolle spielen als im Leben und Thun des Mannes. – Endlich, und wie die Natur in prächtiger Symbolik vorbildet, daß, während es des Mannes Ehre ist, mit gutem Gewissen das Haupt hoch und frei zu tragen, das Herz des Weibes dagegen tief in ihrer Brust sein Leben und Klopfen und Pochen verbirgt, wie der Apostel scheinbar paradoxal und doch wahr und tiefsinnig vom Weib sagt: ihr Schmuck sei der verborgene Mensch des Herzens, so wird naturgemäß das Thun des Mannes ein öffentliches, das der Frau ein privates und verborgenes sein. Die Öffentlichkeit schadet stets dem Weib. Ob sie auf der Bühne spielt oder öffentlich redet, lehrt oder betet, stets verschwindet bald wie bei einer im Marktstaub ausgestellten Blume oder Frucht der feine Duft, der zarte Flaum, als äußeres Zeichen davon, daß ihr inneres Leben notleidet; sagen doch selbst Kirgisen: die Blicke der Menge nützen das Gesicht der Jungfrau ab. Sie verliert das Köstliche am Weib, den weichen, tiefen, reichen Blick und die seelenvolle, melodische Stimme, und auch Gang und Haltung verändern sich ungünstig. »Alle edlen Seelen sind schüchtern,« sagte schon ein Franzose. Das gilt doppelt vom Weib. Kann und muß oft der Mann diese Schüchternheit der Seele überwinden, die bei ihm weit häufiger ist als Frauen glauben, so ist eine Frau, die jede Schüchternheit abgelegt, eine durchaus unsympathische Erscheinung, bei der fast unausbleiblich die dem Manne gut anstehende Sicherheit in ein exaltiertes, aufgeregtes oder anmaßendes Auftreten ausartet.

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Groß und großartig, göttlich und grundlegend für den Mann und für die gesamte Menschheit sind die Aufgaben der Frau; sind zugleich, wie bei allen Menschen, ihre wahren Rechte; sind so groß, daß sie ihre ganze Kraft in Anspruch nehmen, so schön, daß wir Männer sie darum bewundern und fast beneiden möchten.

Die erste ist die leibliche und seelische Procreation des Menschen, die stoffliche Fortpflanzung der Menschheit. Von dieser dem Weibe anvertrauten Aufgabe, den göttlichen Keim zum Menschen zu reifen, hängt der Bestand der Welt und der Menschheit ab. Wie tief und geheimnisvoll sie ist, werden wir auf Erden nie ergründen. In Bewunderung darüber nannte Adam Eva: »die Mutter aller Lebendigen!« Kann es auf Erden ein größeres Wunder geben, als diese stete Erzeugung von Gottes Bild, und hat Gott nicht wollen selber im Marienschoß zum Menschen werden? Von jeher, so beim Volk Gottes, aber auch bei allen Nationen des Altertums wurde die Maternität vom echten Weib als höchste Pflicht und Würde betrachtet; und soviel Spott die Menschen auch über alles in der Welt schon ausgegossen haben, Mutterschaft und Mutterliebe war ihnen immer ehrwürdig, ja heilig.

In früheren Zeiten, als die Menschheit noch nicht soviel Stoff zum Denken gesammelt, als das Leben einfacher war, dafür und deshalb aber die großen Prinzipien des Daseins, die großen Gedanken Gottes, die großen Umrisse und Linien und Gesetze des Lebens viel klarer hervortraten, herrschte noch beim Weib das tiefe Bewußtsein, es sei verführt worden und »habe die Übertretung und dadurch den Tod in die Welt eingeführt«, wie überhaupt in den ältesten uns noch erhaltenen Schriften der Menschheit, den Veden, den altbabylonischen Liedern, in Homer und in den Chören des Sophokles der tiefe Ernst des Schuldbewußtseins und der furchtbaren Gerechtigkeit Gottes einen oft ergreifenden Ausdruck findet. Daraus entstand im Weib ein stetes Begehren und herbes Sehnen, diese Schuld auf tiefem, geheimnisvollem Weg durch Kindergebären wieder gut zu machen, eine Mutter der Lebendigen zu sein, mit Gott an der Herstellung lebendiger Seelen zu schaffen, und mit Ihm an der Realisation seines Weltplans thätig zu sein. »Gib mir Söhne, oder ich sterbe!« ruft Rahel. Und wie weint und betet eine Hanna vor dem Herrn, bis die Schmach der Kinderlosigkeit von ihr genommen wird. Seine prächtige, von Gott gewährte Erfüllung fand dieses Sehnen in dem Gebären in und durch die Jungfrau Maria, des Gottmenschen, des zweiten und wahren Adams, der das Leben in den Tod wieder einführt. – Wie sind wir von diesen großen und wahren Anschauungen so weit abgeirrt! Wie wird heute, selbst von Christen sein wollenden die Kinder frage (!) von bloß menschlichem, materiellem, ökonomischem, egoistischem, oft leider auch von geradezu gemeinem oder wunderlich verrücktem Standpunkt aus aufgefaßt, besprochen und entschieden? Diese Blinden wissen nicht, welchen zeitlichen und ewigen Segen sie leichtfertig von sich stoßen wie Esau sein Erstgeburtsrecht. Nichts kann den Menschen besser erziehen als das Kind. Hier kann er, so er Augen hat, alle Gesetze des Entstehens und des Wachsens von Leib, Seele und Geist studieren und im prächtigen Kreislauf auch das erkennen, wozu er wieder werden soll. – »So ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in Gottes Reich eingehen.«

Die Welt kann ohne den Staat, aber nicht ohne die Familie existieren; die Centralsäule der Familie aber ist das Weib; ohne dasselbe ist der Staat, nicht die Familie denkbar. Wie groß und wichtig die Aufgaben dieser Familie sind, ist nicht nötig zu beweisen. Aber auf eins wollen wir aufmerksam machen. Die Statistik zeigt, daß die Hälfte der Menschen vor dem siebten Jahre stirbt. Sagen wir, um ja sicher zu gehen, vor dem zehnten. Also eine ganze Hälfte der Menschheit lebt nur als Kind, stirbt als Kind, fährt in die Ewigkeit mit seinen Kindeseindrücken! Dieser Hälfte die leibliche und seelische Pflege irgendwie verkümmern, heißt auf nie wieder gut zu machende Art die Rechte der Hälfte aller Menschen verletzen. Wie wächst da ins Riesenhafte die Aufgabe und die Verantwortlichkeit der Frau, dieser Wächterin am Thor des Lebens, dieser Hüterin und Pflegerin dieser kleinen Majestäten und Lieblinge Gottes und Pflänzlinge des Paradieses! – Denn die Frau steht dem Kinde, diesem keineswegs in der Hauptsache unfertigen Menschen, sondern ebenso eignem Typus der Menschheit, wie die Frau dem Manne gegenüber, näher, ist ihm verwandter als der Mann und ihr gebührt es in erster Linie, wie diese kleinen Körper, so auch diese jungen Seelen zu pflegen, ihnen wie die leibliche, so auch die Seelenmilch zu reichen. Und wie viele großen und nicht großen Männer führen ihre ganze Lebensrichtung auf diese geistige Muttermilch zurück? – »Die moralische Erziehung des Menschen,« schreibt Jos. de Maistre, »ist vielleicht mit dem zehnten Jahre fertig; und geschah sie nicht auf dem Mutterschoß, so ist das ein großes Unglück für ihn; nichts kann diese mütterliche Erziehung ersetzen.« – Auch wir halten diese Erziehung der Mutter und der Familie bis zum zehnten Jahre für wichtiger, grundlegender und dauerhafter als die spätere des Gymnasiums und der Universität. – So fällt der Frau der größte Teil der Aufgabe zu, eine Hälfte der Menschheit auf den Himmel vorzubereiten und der andern Hälfte in ihren Anfängen Schätze der leiblichen und seelischen Kraft und Gesundheit mitzugeben, von denen, wie die Alten wohl erkannten, das Wohl und die Kraft der Nation abhängen. – Da gehört mehr als Kurzsichtigkeit dazu, solche Pflichten leichthin zu nehmen und verächtlich vom »Puppenheim« zu reden. Ebensogut könnte man behaupten, nur das Bauen und Ernten sei ernst zu nehmen, das Säen aber und die Wahl des Samens seien eines rechten Menschen unwürdige Spielereien. Wir sagen: Für das Kind ist das Beste gerade gut genug. Und wie dankbar ist diese Aufgabe! Mit welcher Innigkeit und Begier, mit welchem felsenfesten Glauben hängt das Kind an dem Muttermund. Wie ist es im Gefühl seiner Hilflosigkeit so dankbar für die ihm geleistete Hilfe, wie ist sein Herzchen voll Liebe und Verehrung für die Mutter, und welche Verzweiflung, wenn es sie auch nur auf kurze Zeit vermißt. Wahrlich solche treue, reine Liebe ist in einer so liebearmen Welt nicht gering zu achten, noch solcher reicher, empfänglicher, fruchtbarer Boden für alles Wahre, gegenüber dem harten, felsigen, dürren, auf den wir Männer später meistens pflügen und säen sollen.

Wie jede Aufgabe von einem Centrum ausgehend sich in konzentrischen Kreisen erweitert, so auch diese. Das Weib, das am Kind von ihrer Kindheit an gelernt hat, was ein Kind, und wie diese zarte, reiche und großartige Natur anzufassen ist, ist damit befähigt und berechtigt, auch das Kind im allgemeinen zu erziehen. Daraus ergibt sich ihr Beruf in der Schule, als Vergrößerung der Familie aufgefaßt. – Doch soll die Frau auch darüber sich klar sein, wo diese Aufgabe und ihre Berechtigung aufhört. Die Lehrerin ist beim Kind am Platz und solange der seelische Geschlechtsunterschied noch nicht hervortritt. Sie genügt nicht mehr dem Knaben, sobald er sich für das männliche Leben vorbereiten soll. Daß die Lehrerin an Pflichttreue, Aufopferung und Kindesliebe es mindestens dem Lehrer gleichthut, fällt uns nicht ein zu bestreiten; das Mädchen, die Jungfrau wird sie stets als treue Beraterin begleiten dürfen; aber vom zwölften Jahre an genügt sie nicht mehr zu ihrem ausschließlichen Unterricht noch zu ihrer Erziehung. Denn meist wird sie vom Lehrstoff, von der Methode und dem Lehrbuch mehr oder weniger beherrscht; vielfach schwankt sie zwischen peinlicher, pedantischer Befolgung des Lehrbuchs und wortreicher Verwässerung des Lehrstoffs; während der Lehrer, wie er sein soll, die drei beherrscht und die zwei letzteren entbehren, oder sie stets aus sich neu schaffen kann. Der weibliche Unterricht ist deshalb nur solange genügend, als die Schülerin den Lehrstoff sich mehr mechanisch aneignen und sich von ihm meistern lassen soll. Sobald sie, was Endziel des Unterrichts ist, lernen sollte, so in der Muttersprache, Litteratur, Religion, ihn zu beherrschen, braucht's einen Lehrer. – Auch hier ist die Natur Gesetz. – Sie bestimmt, daß ein Mädchen von Mutter und Vater gleichzeitig erzogen werde. Gott bewahre unsre Söhne vor Gattinnen, die nur von Frauen, aber ebenso vor solchen, die nur von Männern erzogen wären! Sondern beide Geschlechter müssen harmonisch zusammenwirken. Im Alter von zehn bis sechzehn Jahren, in diesen aufgeregten Irr-, Wander- und Flegeljahren, wo es ihr so sehr an leiblicher und geistiger Ruhe fehlt, wo sie so sehr des Gesetzes bedarf, braucht das Mädchen die feste, ruhige, männliche Führung in Erziehung und Unterricht, wie auch gerade in diesem Alter begabte und fleißige Schülerinnen den männlichen Unterricht entschieden vorziehen. Damit ist keineswegs ausgeschlossen, daß in Mädchen- und höheren Töchterschulen durchaus gebildete und charakterfeste Lehrerinnen als Klassengouvernanten feine Zucht und Anstand, guten Ton und angenehme Manieren und überhaupt eine gediegene weibliche Atmosphäre verbreiteten und auch eingehend und repetitorisch die Verfertigung der Aufgaben überwachten und beförderten.

Der etwaige Schluß, daß Knaben auch teilweise von Lehrerinnen Erziehung und Unterricht bekommen sollten, ist unlogisch. Denn das Mädchen genießt zu Haus weibliche Erziehung und wird dort vor männlichen Einflüssen fast ängstlich bewahrt. Kommt noch bloße weibliche Schule dazu, so summieren sich bei ihr weibliche Tugenden, aber auch weibliche Fehler. Der Knabe dagegen, der ebenso zu Haus von Mutter, Tanten, Schwestern zur Genüge ge- und erzogen wird, bedarf als Gegengewicht der ausschließlichen männlichen Erziehung in der Schule, die für ihn, nicht wie für das Mädchen eine erweiterte Familie, sondern ein Vorbild des Staates sein sollte. Nicht nur der Lehrstoff und seine Behandlung, sondern auch die pädagogische Anfassung soll bei ihm eine andre sein; weshalb die amerikanische Coeducation von vornherein verfehlt ist.

Mit der Kinderpflege ist auch die Pflege aller Kranken, Schwachen, an Geist und Seele leidenden, das Trösten aller Weinenden, die Wohlthätigkeit gegen alle Armen verbunden. Welche schöne, an Christi Thun auf Erden erinnernde Aufgabe!

Wie dieselbe, von der Familie und der Pflege der Angehörigen ausgehend, für die Frau sich reichlich verzweigt bis in die Dachkammer der Verlassenen und die Spitäler der Weltstadt und auf die Schlachtfelder, wird heutzutage immer mehr dankbar anerkannt, und bildet einen natürlichen Beruf für viele der Frauen, denen Gott kein eignes Heim gegeben. Doch auch hier nur keine zu weit getriebene Verstaatlichung! Sobald die Frau zu sehr nach amtlicher und wissenschaftlicher Schablone arbeitet, ist der Duft ihres Thuns dahin. Über die socialistische Mechanisierung des Wohlthuns und der Menschenliebe kann man nur trauern; Gott sei den Kindern und Kranken der Zukunftskaserne gnädig!

Selbstverständlich schließt diese Pflege auch in sich eine solche der Seele, in der Art, daß diese ganze Frauenthätigkeit von christlicher Liebe getragen sein soll. Dann wird sie auch einen christlichen Einfluß ausüben, wenn in Bescheidenheit und edler Mäßigung gethan. Denn jede auf- und zudringliche Propaganda steht der Frau doppelt schlecht an. – Wie vorzüglich die Frau zu diesen Aufgaben geeignet und was sie auf diesem Feld schon geleistet hat, bedarf keiner Besprechung. So kommt der beste Krankenpfleger kaum der geringsten Diakonissin gleich. Ebenso gehört notwendig zur Pflege von Kindern und Kranken, zur geistigen Fühlung mit denselben, daß die Frau nicht auf männliche, pedantisch räsonnierende, wissenschaftlich deduktive, strenge Schlüsse ziehende Art und Weise denkt und lebt; sondern anschaulich und unmittelbar und von Menschen und Dingen augenblickliche, frische und muntere, stets wechselnde Eindrücke empfindet und mitteilt. Kein Kranker kann ein logisches Räsonnement anhören.

 

Eine zweite, zwar materielle, aber auch für die Wohlfahrt wie des Einzelnen, so der Staaten grundlegende Aufgabe der Frau ist das ihr von der Natur zugewiesene, tief mit ihrem Wesen zusammenhängende Haushalten, das Zusammenhalten und Verwalten, das weise Verteilen und sparsame Ausgeben des vom Manne Erworbenen. Wie unfähig dazu der Mann, sieht man an Soldaten und Seeleuten, wenn sie ihren durch monate- und jahrelange Entbehrungen verdienten Sold bekommen. Der Mann allein ist durchschnittlich ein Geizhals oder ein Verschwender; verläßt sich darauf, daß er immer wieder erwerben kann, oder möchte Riesensummen anhäufen.

Die Frau ist dazu da, das »Umkommen« zu verhüten; sie soll die Rolle jener wohlthätigen Pflänzchen und Moose spielen, die an Bergabhängen die Regentropfen sammeln und sie verhindern, sich in überflutenden und verheerenden Bergbächen zu ergießen und verloren zu gehen. Ohne die Frau würde die Menschheit stets wieder bankrott werden.

Die Haushaltung und die Ernährungsfrage liegt uns näher, ist eine unmittelbarere und wichtigere als die Staats- und Wehrfrage und man würde erschrecken, könnte man die hundert Millionen von Mark beisammen sehen, die alljährlich verloren gehen und die Tausende von Krankheiten und die Schädigung der allgemeinen Gesundheit, die alljährlich durch unverständiges Einkaufen, schlechte Zubereitung der Nahrung und Verlorengehenlassen der Reste verschuldet werden. – Wie oben gesehen, schenkt Gott uns alljährlich Hunderte von Millionen Pfund Korn, Reis, Mais, Thee, Kaffee, Kakao und unzählige Mengen Kartoffeln, Gemüse und Obst und auch Wein und Most. Das sind die Vorräte seiner Speisekammer, und darüber hat er die Frau zur Verwalterin gesetzt. Sie soll sie klug und verständig verwalten, soll »die Leute sich lagern lassen« (ohne die Frau keine geregelten Familienmahlzeiten), soll ferner sorgen, »daß sie alle essen und satt seien«; drittens soll sie darauf sehen, daß die Reste gesammelt werden, »damit nichts umkomme,« – und wenn Gottes Segen darauf ruht, werden es zwölf Körbe voll sein. Ist es eine kleine oder gar verächtliche Aufgabe, im Auftrag Gottes seiner Menschheit das tägliche Brot täglich auszuteilen?

Diese Thätigkeit der Frau in der Haushaltung ist ebenso notwendig, nützlich und folglich achtenswert als die des Banquiers, des Ingenieurs oder des Offiziers, ja sie ist unentbehrlicher. Muß sie aber sein, warum soll sie nicht mit Geschick, Fleiß und Liebe von Frauen besorgt werden? Warum soll die Frau nicht ihren Stolz und ihre Freude in der frischen, fröhlichen, frommen Erfüllung dieser Aufgabe finden? – Warum soll sie nicht ihrem Mann darin und damit dienen wollen, der ihr ja auch dient, wenn er Tag für Tag auf dem Bureau und im Comptoir, auf dem Feld oder in der Werkstatt mit oft noch weit einförmigerer Arbeit und saurer Mühe das Geld für den Haushalt beschafft? – Das nicht zu wollen ist hochmütiger Egoismus. Denn Dienen ist ein Schönes und Lohnendes, Dank, Achtung, ja Ansehen und Autorität Verleihendes. So hat Bismarck Deutschland gedient; so dient der Soldat seinem Vaterland, der Geistliche seiner Gemeinde, der Lehrer seinen Schülern.

Mit der Haushaltungsfrage hängt die Kleidungsfrage zusammen. Auch hier ist die Frau mit der Verwaltung der Millionen Centner Hanf, Leinen, Baumwolle, Wolle und Seide betraut, die Gott alljährlich für uns wachsen läßt. Sie kann daraus viel Eitelkeit und viel Thorheit weben und nähen zu Augenlust, Fleischeslust und hoffärtigem Leben für sich und andre; denn sie beherrscht die Mode; oder sie kann sie zweckmäßig und geschmackvoll verwenden. Und ebenso bei der Möblierung, Einrichtung und Ausschmückung ihres Heims. Auch hier ist die stille Thätigkeit der Frau wichtig. Weit entscheidender für das Wohl, die Gemütlichkeit eines Heims, für die gute Laune, die Heiterkeit, das Lebensglück seiner Bewohner ist seine hübsche, saubere, heimeliche Einrichtung, Ausstattung und Erhaltung durch die Frau als die architektonische Außenseite. Es ist eine Pflicht der Frau, um sich eine einfache, keusche, liebliche Schönheit zu verbreiten. Denn der Schönheitssinn ist göttlich und der wahre Geschmack ist unzertrennlich von einem zarten und tiefen inneren Leben.

Daraus ergibt sich die weitere Aufgabe, in der Familie den richtigen Einfluß auszuüben. Stellt der Vater das Gesetz, die Autorität dar, so soll die Frau innerhalb dieses Gesetzes diese Prinzipien fruchtbar machen, ins tägliche Leben übersetzen und sie mit Frauentakt und Liebe anwenden, und dadurch den wahren Familienton angeben. Wer vermag die Tragweite dieses täglichen, unaufhörlichen Einflusses zu bemessen! Wie macht er sich beim Eintritt in ein Haus schon fühlbar und durchdringt unsichtbar die Wände, die Möbel, die Speisen, die Küche und das Wohn- und Schlafzimmer, die Magd und die Kinder. Wie viele Familien hat er schon unglücklich gemacht, zu Grunde gerichtet, wie viele still beglückt und auf dem rechten Weg erhalten!

Aber die Familie ist nicht allein für sich da. Wie eine Stadt auf dem Berge und wie ein Licht auf dem Leuchter wirkt sie auf ihre Umgebung, ist mit ihr durch Besuche, Gäste, durch gesellschaftliche Bande überhaupt verknüpft. Weitere Aufgabe dieser Familie nach außen ist, ein Mittelpunkt und eine Centralsonne zu sein, aus der Wohlwollen und Wohlthätigkeit, die Gesetze des sittlichen und sittsamen, Herz und Geist erfrischenden Umgangs hervorgehen; dem Weib ist es gegeben, durch ihre Einwirkung, ja durch ihre bloße Gegenwart Harmonie, Anstand, feine Zucht und gute Sitte zu schaffen und aufrecht zu halten, und wie die Blume, ein Element der Freude und der Schönheit im Menschenleben zu sein. Ohne sie weder Anstand noch Sitte, und kaum noch Sittlichkeit. – Wohl sagt Goethe: (Tasso, Akt II)

Willst du genau erfahren, was sich ziemt,
So frage nur bei edlen Frauen an.
Denn ihnen ist am meisten dran gelegen,
Daß alles wohl sich zieme, was geschieht. –
Und wirst du die Geschlechter beide fragen:
»Nach Freiheit strebt der Mann, das Weib nach Sitte.«

Wir übertreiben heute die Bedeutung unsres Thuns vielfach und verstehen zu wenig die unsres Seins. Das Licht glänzt, das Wasser rieselt, der Wind bläst, der Edelstein und die Perle, die Blume sind schön und die Frucht ist gut, auch ohne, daß man sie bewundere noch koste. Die Jungfrau und das Weib sind schon wie das Kind und die Blume durch ihr Dasein, durch ihre bloße Gegenwart, auch ohne Wort noch That, eine Wohlthat. Aus der zarten, wie eine Äolsharfe beim leisen Hauch mittönenden, bei rauher Berührung zusammenschauernden Frauenseele gehen, am besten ihr unbewußt, Imponderabilien aus, die die Umgebung durchduften, ja, so das Weib rein ist, dieselbe dynamisch beherrschen. – Und so ist die Frau, die ihre Familie zum warmen Ob- und Schutzdach, zum gemütlichen Heim und Hort der Ihrigen gemacht hat, befähigt und berechtigt, ihren wohlthätigen Einfluß auch auf gesellschaftliche Kreise auszudehnen. Hier, in einer auf schönem und harmonischem Begegnen der Geschlechter gegründeten Gesellschaft, allerdings vielfach auch heutzutage ein noch zu Erstrebendes, soll die Frau mit ihrer Teilnahme an und ihren Einfluß auf alle die Menschheit interessierenden Fragen einsetzen. Von hier aus kann sie sittlichend einwirken. – Denn die Frau gibt mittelbar die Tonart des Lebens einem Volke, sie regelt die Gesetze des Umgangs, der Gesellschaft, des freundlichen Verkehrs; sie gibt nach ihren unbewußten symbolischen Anlagen die Mode und die Moden an, entsprechend der Sprache und der Geschichte, dem Volksgeschmack und seiner Individualität, hat das Gretchenkostüm und die altdeutsche Stube geschaffen; sorgt durch die Veränderlichkeit dieser Moden für stete Anregung, für stets neue äußere Formen des Nationalcharakters. Kurz, sie bringt mit Eleganz und Geschmack zum Vorschein, was der Mann schwerfällig, doktrinär und theoretisch verkündet und feststellt. – Welchen zum Teil trefflichen Einfluß hat nicht der französische Salon, diese Frauenschöpfung, schon von den Précieuses an, auf französischen Geist und Charakter, auf Sprache, Litteratur, Sitten und selbst auf Politik und Geschichte des Landes ausgeübt? – Mögen deutsche Frauen mit ähnlicher Sicherheit und feinem Takt ihr Haus immer mehr zum Mittelpunkt eines geistigen, gesund sittlichen, geschmackvollen, für alles Gute, Wahre und Schöne empfänglichen Lebens machen, wo ein jeder nicht bloß nach Titel noch socialer Stellung, sondern nach seinem wahren Wert geschätzt und genossen wird.

Kunst will Gunst! Selbst in der Wissenschaft, das haben große Gelehrte wie Tyndall völlig anerkannt, ist der Dilettant so notwendig, wie in der Kunst der Kunstliebhaber. Der Männer ist die Kunst, der Frauen die Gunst.

Aber manche Frau, klagt man, verkümmert geistig in den ewigen, kleinlichen Haushaltungsgeschäften, im Abwischen ihrer Möbel, im Bügeln und Nähen und Flicken, um das sich ihr ganzes Leben dreht! – Allerdings; gerade so wie so mancher Mann im Comptoir und Bureau. – Wer kein höheres Leben und kein geistiges Interesse in sich hat und nicht neben seiner täglichen Arbeit auch noch geistiges Brot für sich und die Seinen zu erringen und aus Gottes Wort zu holen vermag; wer, nicht vom Geist Gottes erleuchtet, aus seinem armen Kopf und aus dem an sich ärmlichen und kleinlichen Alltäglichen seine Welt und sein Leben kümmerlich und kleinlich genug konstruiert, verkümmert und verkommt geistig, gleichviel ob am Schraubstock, oder am Bier-, oder Beamten-, oder Studiertisch, am Waschzuber, oder an der Nähmaschine, oder auf dem Ball, in Soiree oder im Theater, oder im noch so geistreichen Vortrage.

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Endlich fällt der Frau eine wenig beachtete, wenig verstandene und geschätzte und doch höchst wichtige Aufgabe zu, diejenige, welche die Bibel unter »in der Stille bleiben« versteht. Wie eine aus bloßem Sauerstoff bestehende Atmosphäre uns rasch verzehren würde, und der Stickstoff dazu da ist, ihn zu neutralisieren und zu beruhigen, also die Frau in ihrer passiven Rolle bei der mehr und mehr fieberhaften und erschöpfenden Thätigkeit des Mannes, den immer hitzigeren und persönlicheren Kämpfen und Streitigkeiten auf industriellem, wissenschaftlichem, socialem, politischem und religiösem Gebiet. Es ist von höchstem Wert für die gesamte Menschheit, daß die Frau, anstatt am Rad des schon zu schnell rollenden Wagens zu schieben, als wohlthätiger Regulator und milde Bremse wirke, und daß sie sich mit ihrer ruhigen und friedlichen vis inertiae der unaufhörlichen Erfindung, dem sich überstürzenden Fortschritt, der fieberhaften Neuerung entgegenstemme. – Und das vermag sie, indem sie die erste und letzte Aufgabe jedes Geschöpfes erfüllt, nämlich die, vor Gott zu stehen und zu existieren, wie er es geschaffen hat. Jedes Dasein spricht, sagten wir oben; jedes Weib, das dasteht, wie Gott will, daß sie sei, wirkt durch ihr bloßes Sein. Die unbewußte Predigt ist immer die beste, die ungesuchte Aufgabe, die wahre, die unwillkürliche That, die einflußreichste. Wenn aber die Frau anstatt den Mann zu beruhigen, zu besänftigen und für weitere Kämpfe dadurch zu kräftigen, daß sie zu Haus teilnehmend seine ungeduldigen Klagen, seine hitzige Ungeduld geduldig aufnimmt, wie ein ruhiger, tiefblauer See den zornig brausenden Bergbach, auch zu Helm und Speer greift, und mit ihren persönlichen Eindrücken, ihrer Voreingenommenheit, ihren Leidenschaften und Stimmungen auf den Kampfplatz herabsteigt; wenn sie anstatt konservativ, wie Gott sie geschaffen hat, liberal und progressiv wird, kommt die Menschheit nicht mehr aus den Veränderungen, aus dem Streit, aus den Wirren, aus den Revolutionen hinaus. – Die Frau übt den wohlthätigsten, gesegnetsten Einfluß auf Wissenschaft, Politik und Kirche aus, wenn sie sich nicht darein mischt.

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Denn prächtig und zweckmäßig hat Gott seine Welt eingerichtet, als er durch die Erschaffung des Weibes die Menschheit in zwei sich harmonisch entsprechende Hälften teilte. Die eine soll thun und die andre sein; die eine sprechen und die andre hören; die eine fort- und mitreißen und die andre folgen; die eine erfinden und die andre gebrauchen; die eine soll vorauseilen und die andre warten; die eine pflanzen und die andre die Früchte und die Blumen pflegen und begießen; die eine soll das Haus bauen und die andre es verschönern. Wir Männer sollen die Gegenwart unsrer Kinder schützen und ihre Zukunft mit Gottes Hilfe anbahnen, das Weib soll sie auf ihrem Schoß groß werden lassen. – Sie herrscht in der Soiree, wir im politischen Verein und in der Rathaussitzung; sie in der Kinderstube, wir im Gymnasium; sie über Weißzeug und Kleider, wir über Fabriken und Webereien; sie in der Küche, wir im Laboratorium; sie in der Krankenstube, wir in der wissenschaftlichen Medizin und Chirurgie. An uns den Staat, an ihr die Familie und die Gesellschaft zu regieren. Vergleicht man die Reiche beider, so gewinnt das weibliche an Wichtigkeit und Intensität, was es an Ausdehnung scheinbar verliert. Die Familie ist wichtiger als der Staat, die Küche als das Laboratorium, die innere Einrichtung des Hauses als der Bau desselben, die mütterliche und die Familienerziehung als das Gymnasium. Die Kleider- und Weißzeugfrage, die Administration und Zubereitung von Essen und Trinken waren von jeher da, lange vor Dampfwebereien, und ebenso die Krankenpflege vor den desinfizierten Spitälern und dem Heilserum. Auch der gesellschaftliche Ton und Geschmack, die in der Familie herrschende Sitte, die unter dem täglichen Einfluß der Frau sich entwickeln, beherrschen das Leben ebensosehr wie alle politischen Diskussionen. Dieses Schalten und Walten im Heim ist grundlegender für die Menschheit als Handel und Industrie, Kunst und Wissenschaft.

An uns Männern ist es den großen Lebenskampf zu kämpfen; an ihr Öl und Wein in die Wunden zu gießen; an uns der harte, unbeugsame Befehl, die furchtbare Logik der Thatsachen und der Zahlen; ihr das geduldige, sanfte, tröstende, erheiternde Wort. An uns in der Gemeinde die rechte Lehre zu verkündigen; an ihr die Heiligen gastfreundlich zu bedienen. Und so sagen wir und sagen es gern: An Größe und Wichtigkeit ihrer Aufgaben und an Fähigkeit dieselben zu erfüllen, ist die Frau dem Mann ebenbürtig.

Diese Frauenaufgaben sind groß, weil sie schwer sind. Es gehört wahrlich etwas dazu, Tag für Tag, Jahr nach Jahr, wie Tausende von braven Frauen auch im Volk es thun, unverdrossen, willig an die tägliche Aufgabe zu gehen, nach halb und ganz am Kinderbett durchwachten Nächten früh für Mann und Kinder zu sorgen, vielleicht mit Zahnweh und sonstigen Leiden beschwert, die ewig zerrissenen Höschen ewig zu flicken, das ewige Essen sorgfältig zu richten, dabei immer sparen zu müssen und doch nie den Mut verlieren, heiter, freundlich, geduldig mit Mann und Kindern sein und bleiben. – Hut ab vor solchen Frauen! Ihr Lohn wird einst groß sein im Himmel!

Diese Frauenaufgaben sind schön, interessant, anziehend und von ewigem Gehalt, wenn in Gottesfurcht von einer Christin verrichtet; vergänglich und nichtig, klein und langweilig, wenn um der Welt willen, von Töchtern der Welt gethan.

Auch von diesen Aufgaben der Frau wie von andern heißt es, die Welt ist voll davon für den, der Augen hat sie zu sehen. Klagen, man habe und finde keine Lebensaufgaben, heißt behaupten, man habe schon alles gelernt, alles geprüft, alles sich angesehen, sei mit Gott und der Welt und sich selber fertig, man sei keiner Verbesserung, keines Wachstums und keiner Heiligung mehr fähig; die Welt sei schon voll Liebe, Trost und Güte; bedürfe nicht mehr des Zeugnisses der Wahrheit, des Beispiels der Demut und des Glaubens, der Thaten der Barmherzigkeit und der Selbstverleugnung; es seien nirgends mehr Schwache, Trostlose, Weinende, Unwissende!

Auch von diesen Aufgaben heißt es: siehst du einen Menschen, der geringschätzend von seiner Aufgabe spricht und sich zu gut für dieselbe dünkt, gleichviel, ob eine Köchin ihr Kochen zu leicht nimmt oder ein General davon spricht, wie er eine promenade militaire nach der feindlichen Hauptstadt machen wolle, so hast du einen Pfuscher vor dir, und gäbest du ihm noch so hohe und große Aufgaben, so würde er auch diese verpfuschen. Kennzeichen des rechten Menschen ist, daß er seine Aufgaben nie unterschätzt, ja, sich zu gering hält diesen Aufgaben gegenüber.

Auch von diesen Aufgaben gilt es, daß nur der darüber urteilsfähig ist, der sie vollbracht hat. Willst du darüber ein rechtes Urteil, so frage die Hausfrauen, Gattinnen und Mütter, die ein langes Leben hindurch ihr Haus recht regiert, ihren Mann treu geliebt, ihre Kinder wohl erzogen und Wohlthätigkeit geübt haben, und in dieser Pflichterfüllung den Lohn ihrer Arbeit und ihrer Treue fanden und dadurch die Verehrung und den Dank aller Männer, die das Herz am rechten Fleck haben, sich erwarben. – Die Frau aber, die nicht mit ihrer Magd und ihren ungezogenen Kindern fertig wird, ist der Ausübung politischer Rechte unfähig; die, die es unter ihrer Würde hält, ihre Haushaltung pünktlich, sparsam, zweckmäßig zu führen, soll nicht über Verwaltung und Finanzen der Stadt und des Staates mitsprechen; der Frau, die die Pflege ihrer Kinder für eine zu geringe Aufgabe ansieht, kommt es nicht zu, über Erziehung zu reden und in Schulkomitees zu sitzen; die, die ihren Mann so wenig befriedigt, daß er ihr oder sie ihm davonläuft, soll sich nicht anmaßen, Frauen über Ehepflichten und ihre Rechte zu belehren; diejenige endlich, der Gott weder einen Mann noch Kinder beschieden, soll sich zweimal enthalten über Lebensverhältnisse zu urteilen, die sie nicht aus Erfahrung kennt.

Sagt aber eine Frau, sie wolle beide verbinden, die heilige, keusche, ernste Pflege des Familienlebens, die nur in der Stille gedeiht, und die ersprießliche öffentliche und politische Thätigkeit, so traut sie sich zu viel zu. Keine Frau hat es dahin gebracht, beides zu vereinigen; keine wird es dahin bringen, ihrem Mann und ihren Kindern, ihren Eltern und ihren Geschwistern, ihren Verwandten und ihrer Umgebung das zu sein, was sie ihnen sein soll, und dabei im öffentlichen Leben, im politischen und kirchlichen eine Rolle zu spielen. Die Frau kann am wenigsten, wie in der Liebe, so anderswo, zweien Herren dienen.

Wie schön dagegen diese drei von Gott geschaffenen Typen, wenn sie zusammen in markierter Verschiedenheit und schöner Eintracht, in herrlicher Liebe verbunden, die Familie bilden! Wie stehen sie da als prächtige Gegensätze, und ziehen sich mächtig, unwiderstehlich an. Der Vater ist das Gesetz, die Mutter ist die Liebe, und das Kind ist die Blüte, die Blume, erfreut und entzückt, ehe es zur Frucht reift, die vom Stamm sich lösend, zum Haupt neuer Familie sich entwickelt. Wie schön diese harmonischen Gesetze des Seins! – Welchen schönen Klang hat in allen Sprachen das Wort: ein Mann, männlich, Männlichkeit; wie lieblich klingt: echte Weiblichkeit; was liegt nicht alles in dem Namen: Kind! – Wie haben von jeher schon die Naturvölker, dann die ernsten, starken Völker des Altertums diese Familie so heilig gehalten und jeden Eingriff in ihre Rechte, jede Verletzung ihrer Pflichten unnachsichtlich gestraft. Wie hielten sie auf die innerhalb des Gesetzes unumschränkte Autorität des Vaters, auf die Würde und Reinheit der Frau, die zu beleidigen ein todeswürdiges Verbrechen, wie auf die Unverbrüchlichkeit der Ehe, diese ersten Römer, bei denen es dreihundert Jahre lang keinen Ehebruch und keine Ehescheidung gegeben haben soll! Wie wurde Gehorsam vom Kinde verlangt, und wie sorgfältig wurde es in seinen Pflichten gegen die Götter, seine Eltern und den Staat unterrichtet! – Und wie jetzt bei uns christlichen Völkern? – Wehe uns am Tage des Gerichts! Heiden werden gegen uns auftreten und uns verdammen.

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Früher gingen mit der Sonne im Orient der Menschheit große, sonnige und sonnenhafte Ideen auf und kamen mit der Sonne zu uns. Jetzt steigen im Westen schwarze Wolken auf, ziehen allmählich über Deutschland hin und verlieren sich in den Steppen Rußlands oder der Tartarei, vorderhand ohne China zu erreichen. – Immer schärfer weht von Westen her der Wind des Feminismus und dürfte bald auch für Deutschland zum gelinden Sturme anwachsen. – Unter diesem, im Ausland, so in Paris, allbekannten, in Deutschland noch nicht eingebürgerten Namen wird die Gesamtheit der emanzipatorischen Bestrebungen verstanden, welche auf das Dogma von der Gleichheit der Geschlechter hin ihre völlige Gleichstellung verlangen; welche also für die Frau Gleichberechtigung, gleiche sociale und kirchliche Stellung, gleiche politische und bürgerliche Rechte wie für den Mann beanspruchen; ein Mitreden und Mitwirken überall; im Reichstag wie in der Kammer, im gesetzgebenden und steuerbewilligenden Körper, in der inneren und äußeren Politik, in der Admiralität und im Generalstab, in Synoden und Konsistorien und Schulausschüssen, auf Katheder und Kanzel; gibt es doch schon in Amerika Staatsanwältinnen, Vorsteherinnen von theologischen Seminaren für Männer und zahlreiche Pastorinnen (ihre Zahl ist in den letzten 5 Jahren von 720 auf 1235 gestiegen), auch Fräulein, in hübscher kirchlicher Toilette, die große Kirchenstuhleinnahmen erzielen!

Die überzeugten und konsequenten Anhänger und Anhängerinnen des Feminismus werden wir, um die leidige Wiederholung von die Sache doch nicht ganz deckenden Ausdrücken wie »Apostel der Frauenemanzipation«, »Verfechter und Verfechterinnen der Frauenrechte« u. s. w. und ebenso den unschönen Namen »Frauenrechtlerinnen« zu vermeiden, kurzweg mit dem ebenso immer bekannteren Ausdruck » Feministen« und » Feministinnen« bezeichnen. Wir betonen hier ausdrücklich, daß dies Benennungen sind, die nicht ihre Gegner erfanden, sondern die sie sich mit Stolz selbst beilegen, wie letzthin hundertfach zu hören und zu lesen war auf dem Congrès féministe zu Genf. Wir werden sogar, auch der Kürze willen, wenn wir »der Feminist« sagen, auch die Feministin und » modern woman« des Engländers darunter verstehen und einschließen, was dieser ihrem Standpunkt nach nur angenehm sein kann.

Diesen Feminismus unterscheiden wir scharf von den löblichen, aber viel älteren Bestrebungen, wie allem Übel und Unrecht unter der Sonne, so auch der Not der armen oder einsamen Frauen und Mädchen, ihrer Arbeitslosigkeit und oft Sittenlosigkeit abzuhelfen und überhaupt der Frau zur gedeihlichen Entwicklung und zur richtigen Verwertung der ihr eigentümlichen Gaben und Kräfte innerhalb des ihr zukommenden Gebietes zu verhelfen, Bestrebungen, die, wir brauchen es nicht zu sagen, unsre vollsten und wärmsten Sympathien haben. – Wie aber wir hier keine staatsökonomische, noch politische, noch sittlich sociale Studie schreiben, wollen wir auch nicht die »hundertköpfige« Frauenfrage besprechen, sondern das Prinzip der Gleichheit der Geschlechter auf seine Übereinstimmung mit Natur und Gesetz prüfen und seine logischen Konsequenzen beleuchten. Es ist an der Zeit, daß auch dieser Frage gegenüber ernste Männer und Christen Stellung nehmen.

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Schon der Wahlspruch »Gleichheit der Geschlechter« ist ein Widerspruch und offen gesagt eine Absurdität. Denn Geschlecht heißt: Ungleichheit, Verschiedenheit, und besteht nur durch dieselbe. Seine Schönheit beruht auf Gegensatz. Sein Gesetz ist Differenz und Entsprechung. Ehe das Weib geschaffen wurde, gab es kein Geschlecht; und sind einst beide Geschlechter gleich, so gibt es kein Geschlecht mehr. – Der Feminist geht also darauf aus, einen von Gott geschaffenen und gewollten Unterschied und Gegensatz aufzuheben. Er möchte, daß der Mann nicht mehr männlich, das Weib nicht mehr weiblich sei; er verkennt, daß, je weiblicher ein Weib, je männlicher ein Mann, also, je verschiedener die Geschlechter, desto besser jedes seiner Lebensaufgabe gerecht wird. Wie er das Grundgesetz des Geschlechtes verkennt, so leugnet er, was schon die äußere Gestalt und Erscheinung, Haltung und Gang, Geberden und Stimme beider Geschlechter zeigen, was Welt- und Bibelgeschichte, tägliche Erfahrung, Sitte und Usus, Volkslied und Volkswitz, Kleidung und Kinderspiel, Sprache und Sprichwörter und ebenso Naturgeschichte und Medizin, Kunst und Litteratur, alle Dramatiker und alle Dichter, und auch die Statistik über Verbrechen, Selbstmord und Irrsinn lehren: Mann und Weib sind grundverschiedene Wesen.

Man kann sich billig wundern, daß so thörichte und beschränkte Ansichten bei vielen heutigen gebildeten Männern und Frauen Anklang finden. – Aber wir leben in einer Zeit, die sich darin gefällt, die einfachsten und göttlichsten Wahrheiten auf den Kopf zu stellen. Nach neueren Schriftstellern ist Egoismus Stärke, Wohlthätigkeit schädlich (Herbert Spencer), die Familie ein tyrannisches und schädliches Institut und Unsittlichkeit das Vorrecht und die Zierde des Weibes. Da thut es not, daß man auch die einfachsten Wahrheiten und Grundsteine einer gesunden Weltanschauung immer wieder feststellt. Wir haben anderswo betont, daß wir nicht an das Veralten der Ideen glauben, noch an überwundene Standpunkte und die Behauptung, daß erst jetzt das Wesen des Weibes und ihre Stellung zum Mann richtig erkannt werde, mahnt uns an die des Arztes in Molière, der auf die bescheidene Einwendung eines Laien, das Herz stehe doch sonst auf der linken Seite, mit Aplomb antwortet: » Nous avons changé tout cela!«

Die allgemeinen Ursachen des Feminismus und seine Keime liegen, wie bemerkt, in der Luft. Von zu vielen durch den übermäßig gesteigerten Weltverkehr und die Weltpresse kaleidoskopartig und unaufhörlich uns zuströmenden Thatsachen, Eindrücken, Mitteilungen ermüdet und betäubt, vermögen wir nicht mehr vor lauter Erscheinungen das Gesetz, vor lauter Formen das Wesen zu erkennen, noch Wichtiges und Großes vom Kleinen und Nebensächlichen zu unterscheiden. Uns gehen immer mehr das Gesetz und die Gesetze verloren, und auf allen Gebieten fragen wir immer mehr, skeptisch oder betrübt, spöttisch oder zagend: was ist Wahrheit? Vor lauter Theologie glauben wir nicht mehr an die Bibel, vor lauter Kunst und Ästhetik wissen wir nicht mehr, was schön und was häßlich, vor lauter Wissenschaft und freier Forschung, was noch wahr und wissenswert ist. Und so sind wir dahin gelangt – wer sollte es glauben? – daß wir nicht mehr wissen, ob ein Mann ein Mann und ein Weib ein Weib ist. – Das Schönste oder das Traurigste daran ist, daß wir uns mit dieser Verwischtheit und Verwaschenheit aller unsrer Begriffe noch groß machen.

Die speziellere Ursache des Feminismus dagegen ist die Degeneration der Männer. – Wie schwache und unfähige Regierungen an Revolutionen schuldig sind, so schwache und unfähige Männer daran, wenn nun Frauen zu ihrem eignen Unheil die Zügel in die Hand nehmen wollen. – Neben wahrhaft großen Männern wie ein Moses, Elias, Johannes der Täufer, Paulus und ebenso neben einem Nebukadnezar, Alexander, Muhammed, Cäsar, Attila, Karl dem Großen, Barbarossa, Luther, Calvin, Friedrich dem Großen, Napoleon I., Bismarck, Moltke kann die Frau nicht aufkommen, kann keine öffentliche Rolle spielen. Um so mehr neben gefühlvollen Utopisten und sentimentalen Idealisten, Philanthropen mit großem Herzen und kleinem Kopf, Sektengründern und Sektenführern, mit einem starken Glauben an … sich selber.

Eine Hauptursache des Feminismus ist also die Nichterfüllung des göttlichen Naturgesetzes, nach welchem der Mann die Pflicht hat, dem Weib, das ihn unter dem Herzen getragen, seine Kindheit treu gepflegt und ihn täglich versorgt, nicht nur das tägliche, leibliche, sondern auch das geistige Brot zu liefern. Wo ein rechter, guter, ernster, charaktervoller Mann und Christ, wie er sein soll, ist, denkt die Frau nicht an Emanzipation, will sich nicht frei machen. – Von was denn? – Etwa von seiner treuen Liebe oder umsichtigen, bewährten Leitung? oder von der Fürsorge, womit er das zu Schwere ihr aus dem Weg räumt und eher selber trägt? oder von der liebreichen Pflege, mit der er alltäglich, allabendlich, alles Schöne, Gute, Wahre ihr zum Bouquet gebunden vorträgt und erzählt? – Oder gar von dem Recht, ihn, wenn er müde und wund vom Kampfe ums Dasein, erhitzt und erbittert heimkommt, zu besänftigen und zu erfrischen und ihm durch warmes Teilnehmen und verständnisvolles Eingehen auf seine Interessen die Bürde tragen zu helfen? Der müßte ein edles Weib, wie es deren gottlob viele gibt, schlecht kennen, der nicht wüßte, daß sie im Gegenteil dies zu ihren schönsten »Frauenrechten« rechnet! Die echte Frau sonnt sich in ihres Mannes Strahlen, freut sich mehr über die Erfolge, leidet mehr unter dem Mißlingen seines Thuns als er selber, gleicht der Erde, die von der Sonne befruchtet, wunderbare Blumen und Früchte erzeugt. Der Mann ist ihr als Norm gegeben, und sie verhält sich zu ihm wie er zum Weltall, in dem er das Gesetz erforscht. Ohne ihn verliert sie jeden Maßstab für ihre Welt- und Selbstanschauung; insofern sie ihn nicht im Wort Gottes wiederfindet; darum sucht sie immer wieder seine Autorität und sein Urteil auf.

Umgekehrt sind gerade die Männer, die wie ein Luther, ein Bismarck, ein Moltke, der Frau jede Einmischung in öffentliche Angelegenheiten untersagen, die besten Eheleute. Denn das Weib will, wie ein feiner luvgieriger Rennkutter, mit weicher Hand und starkem Arm gesteuert werden, und läßt sie sich auch mitunter, warum nicht? in Büchern, Konferenzen, Kongressen und Vorträgen viel Schönes über ihre verkannten Rechte und die Tyrannei der Männer gefallen, so wählt sie sich doch, wenn's ans Lieben geht, einen ganzen Mann, dem sie zutraut, daß er sie gegen die Welt und das Leben und sie selber schützen kann und wird. Denn von jeher hat sie den Herrscher dem Höfling und selbst den Tyrannen dem Lakaien vorgezogen. Der Mann, der das Weib nicht achtet, liebt und verehrt, ist kaum noch ein Mann zu nennen; aber der Mann, der sich ihr freiwillig unterjocht, ist kaum besser und begeht die, vor Menschen geringe, vor Gott große Sünde des Esau, als er sein Erstgeburtsrecht verachtete. Es ist nicht an uns, uns größer noch kleiner zu machen, als Gott uns gemacht hat; und nur der Feige verzichtet auf seine Rechte mit ihren Pflichten, ihren Aufgaben und ihrer Verantwortung.

So weist der Feminismus in den Ländern, wo er sich breit macht, darauf hin, daß dort Männer nicht sind, was sie sein sollten, und daß sie ihren Frauen nicht mehr das geistige Brot bieten, welches sie von ihnen zu verlangen das Recht haben.

Daß es überall, auch in England und Amerika, viele edle, begabte, für ihre Mitmenschen wirkende und lebende Männer und ebensolche Frauen gibt, fällt uns nicht ein zu bestreiten. Aber wir haben es mit der Majorität, mit dem durchschnittlichen Typus des Mannes dort zu thun. Von diesem muß man sagen: Der Egoismus des Angelsachsen ist sprichwörtlich. – Braucht er ein Volk oder einen Menschen nicht, so sind sie für ihn nicht da. Braucht er sie, so sind sie nur für ihn da. Und will er sie beglücken, so fragt er nichts nach ihren Wünschen und Bedürfnissen, sondern octroyiert ihnen das englische Gute, als das einzig für Leib und Seele Richtige. Dieser felsenfeste und bornierte Glaube an sich selber und an seine Sache macht ihn stark und unbeliebt. Dieses sein großes »I« beherrscht sein Leben und seine Politik, sein Geschäft und seinen Sport; und letzterer verdummt ihn, weil er ihn als Lebensaufgabe auffaßt. Sein Ziel ist reich zu werden, sein Ideal ein Gentleman zu sein, der sein Brot nicht verdient, der niemand braucht, der nur thut was er mag, das heißt gewöhnlich gar nichts, der nur für sich und seinen Sport lebt und nur seinen Komfort sucht. Solche Ideale können kein reiches noch gesundes Leben erzeugen, und wie eintönig fad das Wort und die gesellschaftliche Unterhaltung besonders junger Engländer, darüber macht sich ihre eigne Litteratur lustig; daraus die Sitte, Gäste durch »Professionals« unterhalten zu lassen! Und wie bezeichnend und traurig der Ausdruck: der und der Mann ist so und so viel tausend Pfund wert! wie auch die korrekte englische Novel mit ihren meist durchaus unbedeutenden Helden, wie selbst ein Walter Scott mit seinem Waverley u. a. schließlich nichts andres anzufangen weiß, als ihn five, or better still ten thousand a year ererben oder erheiraten zu lassen. Kein Wunder, daß dort die Frau nach dem Grundsatz: »wie du mir, so ich dir« vielfach auch ihrerseits und sehr oft auch in der Ehe ihr Leben egoistisch einrichtet, nur noch nach ihrem Komfort und ihrem Sport fragt, sei es Wohlthätigkeit oder fashion oder andres und nur noch nach dem ärmlichen Grundsatz existiert: » I like this, I don't care for that!« Daß sie dabei nichts gewinnt, zeigt der Zug der Unruhe und der Unbefriedigung, der die Engländerin charakterisiert, ihre oft großartige Ignoranz und Interesselosigkeit und ebenso die alljährlich steigende Flut von immer wertloseren, nur Sport, Genuß und Geld preisenden, oft recht gemeinen Novellen, mit deren Schreiben und Lesen Tausende von englischen Frauen und Mädchen sich über die Leere ihres Lebens zu täuschen versuchen. – Beweis genug, daß Emanzipation für das Weib nicht mit höherer geistiger Ausbildung gleichwertig ist. – Dafür jedoch, daß dieser Eindruck im Ausland nicht vorherrsche, sorgen durch Wort, Schrift und That einige Hunderte von oft sehr begabten, rührigen, durch die englischen Kolonial- und sonstigen Verhältnisse zu bedeutender Thatkraft, Selbständigkeit und Selbstbewußtsein gelangten Frauen, aus deren Thun kontinentale, England nicht aus eigner Anschauung kennende Zuschauer oft geneigt sind, fälschlich auf das der Engländerin überhaupt zu schließen.

Anders in Amerika! – Dem Amerikaner liegt am gentleman nichts, sondern nur am self-made man. Dort spielt nicht Sport die Hauptrolle, sondern business, allerdings auch als Sport aufgefaßt, bei dem man jeden Augenblick den Hals brechen kann, was ihm den rechten Reiz verleiht. Diese Art von Sport gibt dem Menschen mehr Schlauheit, Arbeitskraft, auch mehr Rast- und Ruhelosigkeit als der andre, reibt ihn dafür auch früher auf und macht ihn noch einseitiger und unfähiger zu allem Höheren. – Man kann eben nicht Gott, dem Guten, dem Wahren, dem Schönen und zugleich dem Mammon, dem von Thränen und Schweiß, von Lug und Trug beschmutzten Geld dienen. – Und da helfen keine noch so reiche zur Schau getragene Dotationen für Universitäten und Schulen, Kirchen und Missionen! Wohl rief ein römischer Kaiser beim Einnehmen der Kloakengelder: » non olet« es riecht nicht! – Aber es riecht doch! – Auch feig macht der Geldkultus, und wir haben diese arroganten Millionäre von Wallstreet den Kopf und tausend Millionen in einer dreitägigen Panik verlieren sehen, weil Präsident Cleveland einige unbesonnene Worte sprach. Und wie wird jetzt mit lächerlicher Leidenschaftlichkeit und Pathos die Währungsfrage behandelt, als ob Wohl und Weh der Menschheit davon abhinge, ob sie einen silbernen oder goldenen Dollar hat! Kein Wunder, wenn das amerikanische Weib sich nicht für solche nur noch von Börse und business träumenden und redenden, ihre lederne Seele im Comptoir lassenden, stets ängstlich um ihr Geld besorgten Geschäfts- und Dollarmenschen begeistert, sondern mit unverhohlener Geringschätzung auf sie herabsieht. – Nur sollte sie dann nicht mit echt weiblicher Unlogik wie auch in England eben diese verachteten Männer in allem zu kopieren suchen und danach trachten, ihnen möglichst ähnlich zu werden. – Aber daß Amerika trotz der gesteigerten Thätigkeit und der freien Entwicklung und Erziehung der Frau, trotz reichen Stiftungen und prächtigen Schulpalästen doch geistig weit hinter dem alten Europa zurücksteht, zeigt der Mangel an großen wissenschaftlichen und geistigen Leistungen, der materielle Grundzug seines gesamten Staats- und Gesellschaftslebens, die Oberflächlichkeit seiner Litteratur, der platte Witz der amerikanischen Tagespresse und ebenso der Mangel an Idealität und an großen Zielen seiner Politiker. Die Welt- und Vaterlandsanschauung jedes römischen Konsuls beschämt den ganzen Senat in Washington. Und wie sehr ihm die reiche Differenzierung, die stets die Frucht wahrer Geistestiefe, fehlt, haben wir schon oben berührt. Daher auch sein Mangel an Veneration.

In Dänemark, Schweden und Norwegen finden wir eine andre Ursache des Feminismus. Das ist die Pflege der Freigeisterei, durch die Werke von Björnson, Ibsen, Strindberg und ihre Anhänger verbreitet. Ein französischer Pädagog schrieb kürzlich nach einer Schulinspektionsreise in Norwegen: »Der Grundgedanke der hiesigen Schule ist, jedes Kind so zu erziehen, wie wenn es später ein Robinson Crusoe werden sollte. Man will es in stand setzen, allein ohne andrer Beistand zu leben, sich selber zu helfen und sich selbst seine Altäre zu bauen.« Soviel ist klar: man gibt ihm keine Religion mit und gewöhnlich zieht er später vor, auch ohne sie auszukommen. Er hat keine Prinzipien; der Stärkste, der Held ist der, der auf eignen Füßen steht, der jeden Glauben, jedes Vorurteil, jede Tradition abgeschafft, der allen Gebräuchen und allen Sitten trotzt. Strindberg hofft, daß wir so weit kommen werden, jedes Gefühl, jedes Mitleid, jede Teilnahme abzustreifen, diese ungesunden Überbleibsel einer wenig entwickelten Zeit, und Ibsen, bekanntlich auch ein Schwede, empfiehlt in Hedda Gabler dem Weib den Mut zum Selbstmord, wenn das Leben ihr nicht mehr gefällt, das heißt wenn sie es durch eigne Schuld verdorben hat. – Es ist nicht nötig zu zeigen, was für einen Einfluß eine solche Litteratur auf die Frauen und Mädchen dieser Länder ausüben muß. – Überhaupt fühlt man es diesen nordischen Völkern und ihrer meist von einem Zug der Trauer durchwehten modernen Litteratur an, wie die auch den Menschen und das Geschlecht ausreifende Sonne ihnen fehlt.

In Frankreich ist es die Frivolität und die Sittenlosigkeit von Männern, die jeden religiösen Halt verloren haben, welche sie den Launen und Wünschen von immer begehrlicheren Frauen immer mehr preisgibt, die, weil sie nichts Besseres wissen, im Luxus und Genuß schwelgen wollen, und als Gattinnen oder Maitressen von den Männern immer mehr Geld fordern, worauf der Figaro letzthin, wohl nicht mit Unrecht, viele der immer häufigeren Geldskandale zurückführte.

Auch die Männer der französischen Schweiz sind schuld daran, daß der sociale und der religiöse Feminismus dort einen günstigen Boden findet. In diesem kleinen, seit langer Zeit von Kriegen verschonten Lande, wo jeder durch Arbeit, Ordnung und Sparsamkeit nicht nur bestehen kann, sondern auch etwas Vermögen erlangen, haben sie sich dies zum Lebenszweck gemacht und Ordnung und Sparsamkeit als die höchsten christlichen Tugenden gepriesen, was sie ebensowenig sind als Höflichkeit oder Reinlichkeit; denn die größten Heiden haben sie oft in hohem Grade ausgeübt und gemeine Wucherer praktizieren sie heute noch. Auch kann man nicht, und wenn noch so ehrlich, als Hotelier, Pensions- und Pensionatsbesitzer, Führer und Kellner u. s. w. alljährlich Millionen an Fremden verdienen, ohne an Unabhängigkeit und Selbständigkeit des Charakters einzubüßen; und so sind wir Schweizer zwar artig, höflich und dienstfertig, arbeitsam und geordnet, aber auch prosaisch, oberflächlich, kleinlich, geschwätzig geworden; de grands diseurs de petites choses, ideenarm und skeptisch gegen alles, was hoch und tief ist; finden schön, gewiß, aber unpraktisch großen Enthusiasmus, große Hingabe und großes Verzichten, großes Leben und großes Sterben, suchen vor allem unsre Bequemlichkeit und fürchten vor allem unser Vermögen zu verlieren. Dies alles bewundert die Frau, die unbewußt uns richtig taxiert, nicht; und sie thut recht daran. – So ist es auch natürlich, daß dort Frauen sich emanzipieren, zuerst im Geist, dann in der Praxis, in der Gesellschaft, im Geschäft und in der Kirche. » Nous n'avons plus d'hommes,« sagte eine Neuschâteler Dame, » voilà la cause du féminisme!«

In allen diesen Ländern ist die Frau nicht höher gestiegen, sondern der Mann ist heruntergekommen. Davon kann man sich überzeugen, wenn man unsre deutschen Frauen mit Amerikanerinnen und Engländerinnen oder das heutige Geschlecht mit unsern Vorfahren, den Männern und Frauen des vorigen Jahrhunderts oder der Zeit Calvins und Luthers vergleicht.

Auch ihr deutschen Männer werdet an die eigne Brust vielfach schlagen müssen, wenn der in Deutschland erst am Horizont auftauchende Feminismus euch unbequem wird. Die deutsche Frau, so bescheiden in ihren Ansprüchen, so selbstlos und aufopfernd und liebereich, so fleißig in ihrem Haushalt, immer bereit andern zu dienen, Gäste zu erfreuen, und die ihre Lebensaufgabe darin sucht und findet, alle um sie her zufrieden und glücklich zu machen, hat wahrlich an euch Besseres verdient als so vielfach, wenn nicht gerade unfreundlich, doch wie selbstverständlich als ohne Verständnis noch Stimme beiseite geschoben zu werden, sobald allgemein Wichtiges, Großes und Interessantes besprochen und verhandelt wird. Gerade die deutsche Frau hat eine merkwürdige Gabe, auch ohne vorherige Kenntnisse sich durch Zuhören auszubilden und in etwas sich hineinzuleben. Auch ist es nicht kleine Schuld, daß sie so vielfach, wenn abends des Tages Last und Mühe vorbei, und sie auf unterhaltenden und anregenden Umgang mit dem Mann Anspruch hätte, sitzen gelassen wird, um eines vielstündigen Aufenthaltes im Bierhaus willen, mit obligater Bierunterhaltung, Bierwitz und Bierhumor. – Wohl ist manchem Mann der freie Ton und Gedankenaustausch der Kneipe je und je Bedürfnis; aber gesund kann er nur sein, wie der Sport, solange er nicht zur Gewohnheit wird.

In südlichen Ländern, so in Spanien, Italien, Griechenland und Kleinasien, herrscht noch infolge ihrer soviel klareren und sonnenhellen Welt- und Naturanschauung und natürlicheren Lebens die richtige Differenzierung zwischen Mann und Frau und erzeugt vorzugsweise im Volk einen herrlichen und durchschnittlich glücklichen Frauenstand, während in nördlichen Ländern die durch Arbeit und Sorge gedrückte Frau im Volk verkümmert und ihr Typus mehr in den mittleren und sogenannten gebildeten Kreisen zu finden ist.

Doch mehr noch als diese nationalen und fehlerhaften Eigentümlichkeiten der heutigen Männer macht sie ihr Versanden und Verflachen in materielle Interessen unfähig, ihre Stellung der Frau gegenüber zu behaupten; denn neun Zehntel der Männer in unsern Städten sind in der That und Wahrheit dicke Materialisten, wenn sie es auch nicht Wort haben wollen und es der Theorie nach nicht sind, kennen keine andre Sorge als die um die materielle Existenz, keinen Genuß außer dem leiblichen. Eben deshalb sind sie geistig armselig, können nichts geben, sind weder unterhaltend noch anregend, nicht bereichernd im Glück, nicht leitend noch führend im Leben, nicht tröstend noch aufrichtend im Unglück. – Was Wunder, daß das Weib vor ihnen keine große Achtung empfindet?

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Aber noch die Übertretung eines andern Naturgesetzes und ihre Konsequenzen zeigt uns der Feminismus. – Dieses Gesetz heißt: Gegensätze ziehen einander an. So haben gleichartige Metalle sehr wenig Neigung sich miteinander, sehr viel aber sich mit dem gänzlich verschiedenen Sauerstoff zu verbinden. So ziehen sich positive und negative Pole an, aber nur solange sie solche bleiben. So auch mit dem Geschlechtsgegensatz, und die von Gott dem Weibe geschenkte keusche Zurückhaltung und Schüchternheit soll zugleich ihre Anziehungskraft vermehren und verhindern, daß sie zu früh die Schätze und die Wohlgerüche ihrer Seele und ihres Gemütes vergeuden und allen Winden preisgeben soll. In England und Amerika ist dagegen der Verkehr zwischen den Geschlechtern bekanntlich ein viel häufigerer, freierer, ungenierterer als in unsern kontinentalen Ländern, ja, in Amerika ein fast unbeschränkter. Tagelang, auch in der Schule, sind Jünglinge und Mädchen beisammen, treiben auch gemeinschaftlich allerlei oft geistlosen Sport und Flirten. Der geschlechtliche Gegensatz stumpft sich ab. So schrieb eine Ausländerin bei ihrem Besuch in England: »Hier haben die Damen vielfach etwas Herrenartiges, die Herren dagegen etwas Damenhaftes an sich.« – Es bildet sich ein charakterloses, neutrales Geschlecht. Leider lehrt das Gesetz der Imitation, daß beim Kopieren eines Menschen eher die Fehler als die Tugenden nachgeahmt werden, und so wird der Feminist zum weibischen Mann, während die emanzipierte Frau es nur bis zur schlechten Kopie des Mannes bringt. – Nun stellt sich die Übersättigung ein; man kennt sich gegenseitig zu gut, als daß man sich noch Interesse abgewinnen könnte. Die chemische Lösung ist gesättigt; die Pole stoßen sich ab und die modern woman und der Feminist stehen einander, trotz gemeinschaftlicher Theorie über die Gleichheit der Geschlechter, durchaus kühl und gleichgültig gegenüber.

Der Mensch schneidet sich eben immer in den eignen Finger, wenn er an Gottes Gesetzen bessern will. Eben weil er die Frau nicht mehr als eine entsprechende Gehilfin des Mannes auffaßt, die ihm bringt, was ihm fehlt, und von ihm empfängt, was sie nicht hat; sondern als ein gleich angelegtes Wesen, das mit ihm gleich verdrossen an der Tretmühle des Daseins treibt, hört die schöne Entsprechung und selbst die gegenseitige Liebe und Achtung auf. Die Geringschätzung, ja Verachtung des Mannes ist ein Grundzug der Frauenemanzipation. Darin leisten die Engländerinnen und Amerikanerinnen in der Presse Unglaubliches und predigen zum Teil laut nicht mehr die Gleichheit der Geschlechter, sondern die Überlegenheit und die Herrschaft der Frau. – Nach dem unerbittlichen Gesetz der Gegenseitigkeit wird ebenso die emanzipierte Frau dem Manne immer antipathischer, was auch manche begabte und gelehrte Männer in der englischen Presse bezeugen. – Und wie die göttlich gewollte Entsprechung von Mann und Weib als herrliche Frucht das liebliche Kind erzeugen soll, so erzeugt dagegen der Feminismus eine kühle Geringschätzung auch des Kindes, das in Wort, Schrift und Leben der Emanzipierten stets nur eine geringe oder gar keine Rolle spielt. »Wir wollen nicht mehr heiraten,« schreibt eine modern woman in einer der ersten Reviews Englands, die freilich eine Erwiderung brachte, »denn wir wollen uns unsre Freiheit bewahren; aber noch weniger fällt uns ein, unsre Gesundheit und Schönheit der Maternität zu opfern.« (!) Traurige Grundsätze und auch recht unpraktische; denn wir wenigstens vermögen nicht einzusehen, auf welche Art alsdann die herrliche Rasse dieser modernen Frauen sich weiter fortpflanzen soll.

Daß endlich die emanzipierte Frau den religiösen Boden unter den Füßen verliert, war zu erwarten und wird durch die Erfahrung bestätigt. Wie das Weib, obgleich eine echt poetische Natur, es nicht zum großen, gewaltigen Dichten eines Homer oder Shakespeare bringt, so ist sie, obgleich sehr religiös angelegt, keine Theologin, sondern auch hier muß der Mann ihr vorangehen und sie auf das von ihm erkannte Gesetz hinweisen. So und während die äußerste socialistische und anarchistische Linke der emanzipierten Frauen dem krassen Atheismus und dem bissigen und giftigen Haß aller Religion verfällt, huldigt immer mehr das Gros derselben, im mehr oder weniger klaren Gefühl, daß die Bibel ihren Bestrebungen direkt entgegengesetzt ist, einer sie als kleinlichen, veralteten, überwundenen Standpunkt über die Achsel ansehenden Aufklärung, während die gefühlvolleren, wie eine A. Besant, Frau Blawatzky u. a. sich unklaren mystischen Theosophien oder dem Spiritismus oder Buddhismus in die Arme werfen.

So wird der Feminismus jetzt schon von seinen allmählich klarer an den Tag tretenden Resultaten verurteilt. Ein Baum, der solche Früchte trägt, kann nicht ein guter Baum sein.

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Von allen Seiten und Zweigen des Feminismus hier zu reden, geht, wie oben bemerkt, nicht an, sondern wir haben es hier mit dessen Prinzipien zu thun. Dabei kommt es bei einer so tief in die Geschicke der Menschheit eingreifenden Frage nicht auf die Privatansicht und eigne Weisheit einiger moderner, dazu meist unchristlicher Sociologen, Schriftsteller und Dichter an, wie Emmerson, Stuart Mill, Herbert Spencer, Ch. Secretan, und auch der sogenannten Naturalisten, so Ibsen und des ganzen Trosses seiner Nachahmer; sondern hier müssen wir nach höheren und bewährteren Autoritäten uns umsehen.

Gott hat dreierlei dem Menschen gegeben, daraus er lernen kann und soll, davor er sich beugen muß: Sein Wort, die Weltgeschichte und die Natur. Letztere bildet mit ihren, das Stoffliche und Leibliche beherrschenden Gesetzen die breite Grundlage für den ganzen Bau; die Weltgeschichte, auch als Erfahrung in der Gegenwart, veranschaulicht uns die Gesetze der Seele oder der Intelligenz; und die Bibel gibt uns die höchsten Gesetze des Geistes. Was irgendwo sich diesen drei Autoritäten fügt und anpaßt, ist gut, ist wahr, ist gesund und bewährt sich; was nicht, nicht.

Der Feminismus steht mit der Bibel, mit der Weltgeschichte und Erfahrung und auch mit der Natur in Widerspruch.

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Daß der Feminismus mit dem Wortlaut und mit dem Geist der ganzen Bibel in Widerspruch steht, soll man einem Christen nicht erst sagen müssen. Freilich gibt es in Christo weder Mann noch Weib, noch Kind; sondern wenn das Geschöpf vor dem Schöpfer, der Sünder vor dem Erlöser steht, so verschwinden alle individuellen Unterschiede. Es ist lediglich nur ein Geschaffenes, das Gehorsam, Lob und Anbetung schuldet. – Aber dieses große Wort hebt ebensowenig die Stellung des Weibes in der Welt und in der Kirche und die darauf klar bezüglichen Befehle des göttlichen Worts auf, als es jemals der christlichen Frau das Gebären mit Schmerzen abnehmen wird.

Die Anschauung des Alten Testaments über die Frau haben wir schon erwähnt und ihre Stellung nach dem mosaischen Gesetz ist jedem Christen bekannt. Aber um uns zu zeigen, daß dieses Gesetz ihre geistige Entwicklung durchaus nicht hemmte, haben wir, wie früher Sarah, Rebekka, Lea und Rahel, nun unter dem Gesetz Mirjam, Debora, und im letzten Kapitel der Sprüche eine herrliche Beschreibung der jüdischen Frau, geachtet von ihrem Mann und ihren Söhnen, ihre Mägde beherrschend, eine wahre Königin des Hauses! (Spr. 31, 10-31).

Jesus tritt auf, die Erfüllung des Gesetzes. Das in jedes Menschenherz geschriebene Gesetz (Röm. 2, 15) war der Positiv, das Gute; das des Sinai der Komparativ, das Bessere; seine letzte Entwicklung durch Jesus ist der Superlativ, das Beste. Man hätte erwarten können, daß Christus auch hier mit Bezug auf die Stellung des Weibes ein gewaltiges, verbesserndes: Ihr habt gehört, daß den Alten gesagt wurde …, ich aber sage euch … gesprochen hätte. Aber er thut es nicht, nimmt ihre Stellung im jüdischen Volk als normal an, und schränkt nur das Recht der Scheidung auf den einzigen Fall der Untreue ein.

Jesus liebte Martha und Maria, wie er auch, wer wollte daran zweifeln? seine Mutter und seine Schwestern tief, innig und wahr liebte. Auch ließ er sich von Frauen bedienen und versorgen und hat sie oft liebreich getröstet und erquickt; vom christlichen Priestertum aber schließt er das Weib aus. So auf dem Tabor, wo er zwischen dem Gesetz und den Propheten erscheint, so bei Einsetzung des Abendmahls und dem hohepriesterlichen Gebet und dem Befehl: »Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur« und bei der Himmelfahrt. So hat er weder Frauen zu Aposteln noch Jüngern erwählt, noch sie zum Predigen ausgesandt, noch hat er ihnen Wundergaben verliehen, wie wir in der Bibel nicht sehen, daß eine Frau weder ein Buch der Heiligen Schrift geschrieben, noch je ein Wunder bewirkt habe.

Die strengen Befehle Pauli, dieses Gründers und Organisators in der Kraft des Heiligen Geistes der ersten Gemeinden, sind bekannt. Weit entfernt, die alttestamentlichen Bestimmungen über das Weib als nur gesetzliche und im Reich der Gnade und in der christlichen Gemeinde ungültige aufzuheben, verschärft er sie in unerwarteter Weise. Welcher Christ würde heutzutage wagen, wenn es nicht geschrieben stände, zu sagen: »Die Weiber seien unterthan ihren Männern wie dem Herrn!« (Eph. 5, 22) und wie Felsen stellt er die Worte hin: » Einem Weibe gestatte ich nicht, daß sie lehre, auch nicht, daß sie des Mannes Herr sei« (1. Tim. 2, 12). » Das Weib schweige in der Gemeinde!« » Denn es ist ihnen nicht erlaubt zu reden, sondern unterworfen zu seinDenn es ist schändlich für ein Weib, in der Versammlung zu reden (Grundtext 1. Kor. 14, 34. 35). Diese seine Auffassung und Befehle begründet Paulus nicht durch Hinweis auf die damaligen Zustände oder auf römische, griechische und jüdische Sitten, sondern darauf, daß das Weib nicht zuerst, sondern nach dem Mann, daß nicht der Mann um des Weibes willen, sondern das Weib um des Mannes willen geschaffen wurde, und endlich daß »nicht Adam, sondern das Weib ward verführt und hat die Übertretung eingeführt«. – Ist das heute weniger wahr als damals?

Wohl spricht hier mancher von einer historischen Entwicklung der christlichen Kirche, von einem Fortschritt, und meint, wir seien jetzt weiter als Paulus. Von einem solchen Fortschritt weiß die Bibel nichts; sondern in den Sendschreiben Christi an die sieben Gemeinden werden uns einzelne, sowohl nebeneinander als successive vorkommende Zustände der Kirche geschildert, die nicht auf geistigen Fortschritt, sondern vielmehr auf steten Abfall deuten. Und die geschichtliche Entwicklung, will man von einer solchen reden, hat uns keinen christlichen Fortschritt, sondern einen Rückschritt gebracht, das zeigt klar der Thatbestand. – Es gehört viel Selbstüberhebung oder Verblendung dazu, die zum Teil so traurigen Zustände unsrer Staatskirchen über die einer an herrlichen Geistes- und Wundergaben, an Märtyrerfreudigkeit so reichen, Gütergemeinschaft nicht nur ertragenden, sondern von Herzen durchführenden ersten Gemeinde mit ihren Aposteln und Propheten zu setzen, und sich weiser als der vom Heiligen Geist erfüllte, von Christo zum Apostel der Völker verordnete Paulus zu dünken.

Wie die Bibel uns stets neben der Lehre die praktische Ausführung erzählt, so berichtet sie, wie die Mutter Jesu, diese erste aller christlichen Frauen, gebenedeiet unter allen, niemals öffentlich auftrat, obgleich sie wie keine andre berechtigt gewesen wäre, den Juden zuzurufen: Der Messias ist geboren; kommt zu Ihm! Hallelujah! – Und daß es ihr nicht an der dazu nötigen Begabung fehlte, zeigt ihr herrliches Lied bei Elisabeth – aber: » sie bewahrte und bewegte alle diese Worte in ihrem Herzen!« – Und will sie einmal sich, auch nur indirekt, in die Thätigkeit Jesu einmischen, so erfährt sie eine strenge Zurechtweisung. Nach dem Tode Christi zieht sie sich zurück; Stille umgibt sie, und in der Stille, unerwähnt, stirbt sie. – Nicht minder schlagend ist das Beispiel der Frauen der Apostel. Wie hätten wir moderne Christen mit unsrer Vorliebe für Lärm und Wortschwall und öffentliches Auftreten, mit unsrer Geringschätzung der stillen, in Gott gethanen That erwartet, daß solche Frauen, die ihre Männer auf ihren Evangelisationsreisen begleiteten, eine fast fieberhafte Missionsthätigkeit entwickelt hätten mit Ansprachen an die heidnischen Frauen, Gründung von Jungfrauen- und Witwenvereinen und Verteilung guter Schriften u. s. w. Aber von dem allem kein Wort in der Schrift! – und wäre es nicht die einzige Bemerkung Pauli, so wüßten wir nicht einmal, daß sie existiert haben. Daß sie Gutes thaten, glauben auch wir; aber sie thaten es in der Stille. Welcher Gegensatz zu dem Treiben so mancher heutigen Feministinnen und ihrem Rühmen dessen, was sie alles für Jesu thun! – Welcher Irrtum, das Reich Gottes mit Lärm, mit Effekt, mit sensationeller Neuheit aufbauen zu wollen! Bald ermüdet der Lärm, der Effekt stumpft sich ab, die Neuheit veraltet; und was bleibt denn übrig von all diesem Stroh und den Stoppeln?

Gegenüber von so klaren Befehlen und ebenso klaren Thatsachen aus Gottes Wort nehmen sich alle Versuche von wohlmeinenden, aber unwissenden oder eigensinnigen christlichen Feministinnen, dieselben zu entkräften, wie ohnmächtige kleine Wellen gegen einen Felsen aus. Nichts zeigt besser ihren Irrtum, als die Schwäche ihrer Argumente.

So wenn sie sagen: Das Weib darf ja singen in der Gemeinde, warum nicht auch sprechen? – Antwort: Weil Gottes Wort ihr das Sprechen verbietet, nicht aber das Singen. – Wie kann man das Mitsingen eines gegebenen Textes, diese kollektive That, mit dem individuellen Sprechen vergleichen? (Bekanntlich verbietet mit Recht die katholische Kirche den Sologesang der Frau in derselben.) Auch Kinderlein von sechs bis acht Jahren dürfen in der Gemeinde das Lob Gottes mitsingen. Sollen wir ihnen deshalb auch das Recht zu reden, zu lehren und zu predigen einräumen? und dabei etwa uns auf den Vers stützen: Aus dem Mund der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob zugerichtet?

Vollends schwach oder vielmehr unwürdige Verdrehung der Schrift ist es, wenn sie aus dem zu Jesu Füßen Sitzen und andächtig Zuhören der Maria schließen, daß ein Weib ihre Haushaltung verlassen soll, um in der Gemeinde zu lehren! – oder daß, weil Jesus Maria Magdalena mit der Botschaft der Auferstehung an die Jünger sandte, er ihr damit das Recht zu predigen verlieh! u. s. w.

So sind auch die Versuche, aus Röm. 16 Kapital zu schlagen für eine öffentliche Thätigkeit der Frau, höchst erzwungen. »Meine Gehilfin,« V. 3, heißt ebenso »meine Fürsorgerin« (siehe die Elberfelder Bibel), wie überhaupt damals das Arbeiten für den Herrn richtig und nach Christi Auffassung auch die stille That und nicht bloß die öffentliche Evangelisation, sondern das Pflegen der Kranken, das Besuchen der Gefangenen und das Glas Wasser umfaßte, also alles Dienen der Gemeinde an den Wanderern, den Märtyrern, den Waisen, wie es so reichlich in einer verfolgten Gemeinde den Frauen zufallen mußte. Sehen wir nicht, wie in Matth. 24, einst Menschen aus allen Völkern der Welt so vieles dem Herrn gethan haben werden, ohne Ihn je gekannt zu haben. Anstatt unsre Modernismen in die Bibel zu legen, sollen wir sie nach ihr korrigieren.

Die Bibel kennt die öffentlich evangelisierende, lehrende, predigende Frau nicht. Maria, die Mutter Jesu, alles in ihrem Herzen bewahrend und bewegend, Maria, zu den Füßen Jesu sitzend und still lauschend, Maria Magdalena, die reuige Sünderin, Tabitha, die voll guter Werke war und viele Kleider für die Armen nähte; das sind die christlichen Frauenbilder, die sie uns bietet.

Dieser christliche (?) Feminismus ist nicht nur eine Übertretung der Bibel; er ist auch eine Beleidigung Christi und seiner Apostel. Denn ist die Frauenemanzipation und ihre Gleichstellung mit dem Mann in der Gemeinde eine Wahrheit und eine Pflicht; liegt darin und in ihrem öffentlichen Auftreten und Wirken eine bedeutende Kraft für die Bekehrung und die Besserung der Menschheit, und ist es, wie manche sagen, zu bedauern, daß dies nicht bälder erkannt wurde, so ist die Bibel zum mindesten sehr unvollkommen und veraltet, und Jesus und seine Apostel waren Ignoranten, welche obiges nicht nur nicht wußten, sondern in ihrer Blindheit diese Emanzipation und diese Gleichheit bekämpften, anstatt sie zu predigen und zu verordnen, wie es ihre Pflicht gewesen wäre! So hätte Jesus sechs männliche und sechs weibliche Apostel erwählen und ebenso siebenzig Frauen, je zwei zu zwei zur Predigt des Reiches Gottes aussenden sollen. – Wieviel Gutes ist versäumt worden, wie viele Seelen sind verloren gegangen infolge dieser traurigen Unterlassung! – Ebenso lehren vielfach christliche Feministen, daß die Frauen, die nicht öffentlich den Heiland bekennen, ihre Pflicht als Christin nicht erfüllen und von Ihm einst auch verleugnet werden! Also hätten seit tausendachthundert Jahren alle christlichen Frauen ihren Gott und Heiland verleugnet, weil sie ihn nicht auf der Kanzel, auf der Straße und auf dem Platz verkündigten! Welche anmaßende und unbiblische Behauptung! Wie viele Tausende von treuen Christen und Kindern Gottes haben niemals weder öffentlich noch in der Gemeinde gesprochen oder gebetet! – Zu solchen Schlüssen kommt man, wenn man christlicher als Christus sein will und sich weiser dünkt als Gottes Wort.

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Doch sehen wir uns den Feminismus im großen Ganzen in der Welt an. Wir werden dabei reichlich Gelegenheit haben zu bemerken, daß er auch hier mit der Geschichte, der Erfahrung und der Natur im Widerspruch steht.

Auf sein unwahres Dogma von der Gleichheit der Geschlechter baut der Feminist ganze Luftschlösser von nichtigen und unwahren Behauptungen auf, davon wir hier einzelne kurz beleuchten wollen.

Er behauptet, daß das Weib von jeher und überall bisher eine vom Mann ausgebeutete, von ihm absichtlich in Unwissenheit gehaltene Sklavin war. Hören wir den schweizerischen Frauenemanzipator Charles Secretan, von G. Gerok citiert (Frauenabende, S. 104): »Die Thätigkeit der Frau, indem sie sich vergrößert, würde eine gesündere werden, während bis jetzt der weibliche Einfluß, wo er zu Tage tritt, eher schädlich erscheint, als der eines eitlen, von Vorurteilen strotzenden, von Gerechtigkeit absolut nichts wissenden Geschöpfs, Gebrechen, die der Männer eignes Werk sind, und ohne welche die Frau nicht einen Tag lang das Leben ertragen könnte, das ihr die Männer geschaffen haben.« Welche unerträgliche Übertreibungen! – Und dazu welche unwürdige Schmähung der Frau! – Man braucht aber nur die biblische und die Weltgeschichte zu durchblättern, um zu sehen wie unwahr. – Beide zeigen uns von jeher Tausende von hochgeehrten und selbständigen Frauen und Hunderte von Königinnen und Kaiserinnen, denen schon im grauen Altertum und selbst bei wilden Völkern Tausende von Kriegern aufs Wort gehorchten, wie noch in neuer Zeit in China die Kaiserin-Mutter, in Madagaskar eine Königin, in Tahiti die Pomare, und ebenso im britischen Reich Frauen die Krone tragen. Die Geschichte zeigt uns schon am Anfang die Helena, um deretwillen Troja zehn Jahre belagert wurde, die Andromache, Iphigenie und Elektra, die Penelope, die keiner der Freier durch Wort oder Blick zu beleidigen wagte, die Fürstin Dido in Karthago, die Königin Ägyptens, der ihr Gemahl Amenemha III. als Nadelgeld die dreitausenddreihundert Thaler täglich betragenden Fischeinkünfte des Meromsees schenkte; ein wahrhaft königliches Geschenk! Sie zeigt uns die stolzen Frauen Spartas und Persiens, wo selbst ein Kambyses beim Eintritt seiner Mutter vom Thron aufstand, sich tief verbeugte, um sie dann zu einem höheren Thron als den seinen zu führen (s. auch Salomo, 1. Kön. 2, 19), und so viele andre prächtige, edle Frauengestalten und Königinnen des Hauses zu allen Zeiten und bei allen Völkern, wie in der Bibel die Sarah und die Mirjam, und die Prophetin Deborah, die von Lemuels Mutter geschilderte Frau, und die Königin von Saba; dazu die keltischen Priesterinnen, die Velleda, die germanischen Thusnelden, Kriemhild und Brunhild und Gudrun und so viele andre Heldinnen der deutschen Sage bis auf Luthers »Herr Käthe«, Königin Luise und die Fürstin von Bismarck, von der ihr Mann, auf sie weisend, öffentlich sprach: »Ohne diese Frau wäre ich nicht geworden, was ich bin.« – Sind das lauter arme, unwürdig be- und mißhandelte Sklavinnen? – Und so gab es von jeher und heute noch auf der weiten Erde Millionen von Frauen, die von ihren Männern geliebt, von ihren Kindern verehrt sind, und deren Wort etwas gilt; und auch, und selbst unter Negerstämmen und wilden Völkern wie im deutschen Reich eine nicht unbeträchtliche Anzahl, die ihre Männer unter sanfter Pantoffelherrschaft halten und sie durch energische und wiederholte Gardinenpredigten zu allem Guten leiten.

Überhaupt kennt das Reich des Geistes keine Entschuldigungen. Man ist, was man ist, man kann, was man kann, man wird zu dem, wozu man taugt, und erntet grade so viel Erfolg, Anerkennung, Ansehen und Freiheit, als man verdient. Nur feige und schwache, durch eigne Schuld mißratene Menschen klagen die Umstände und ihre Mitmenschen, ihre Erziehung und ihre Eltern, die Welt- und Gottesordnung, die Gesellschaft und die verrotteten Zustände ihrer eignen Erbärmlichkeit an. Der rechte Mensch nimmt voll und ganz auf sich die Verantwortlichkeit seines Seins und Thuns und spricht dann: Gott sei mir Sünder gnädig! – Das gilt auch von der Frau. Nicht Gesetze, nicht die Umstände, nicht der Mann hat sie unterjocht, sondern sie selber hat sich von jeher ihre Stellung geschaffen, hat hohe Ehre oder Verachtung, liebreiche Behandlung oder Rücksichtslosigkeit sich verdient. Auch sie hat stets geerntet, was sie gesät. So in Rom und Sparta, Mexiko und China, Ägypten und Assyrien. Die Liebenswürdige wird geliebt, die Achtbare wird geachtet, die Edle bewundert, der Guten weiß man Dank und die Reine tastet auch der Unreine nicht an. Auch das ist Gesetz und Recht im Reich des Geistes.

Feministen behaupten ferner, daß noch heutzutage das Gesetz die geistige Entwicklung der Frau hindert und brachlegt. – Die Geschichte lehrt, daß wie die stärksten Völker sich von jeher die härtesten Gesetze gaben, so auch die Frauen den größten und besten Einfluß dort ausübten, wo sie unter strengster Zucht standen, so in Sparta und in der römischen Republik. Und das ohne Wahlrecht noch wissenschaftliche Ausbildung. Denn das ganze Wirken der Frau ist ein so direktes und persönliches, wir möchten sagen, ein so magnetisches, daß es durch alle Gesetze durchdringt. So konnte die Frau bei den alten Germanen allerdings gesetzlich verkauft und verspielt werden, so selten es auch wirklich geschah, und doch übte sie dort den bekannten großen und heilsamen, sittlichen und socialen Einfluß aus, den Tacitus rühmt und bewundert.

Wird aber jetzt das Weib nicht gesetzlich und polizeilich ebenso geschützt wie wir? – Darf sie nicht über jedes Unrecht ebenso Klage führen? – Gilt ihr Zeugnis nicht vor Gericht? – So schreibt Rechtsanwalt Mainzer (Schwäb. Merkur, 1896): »Seit 1828 gilt der Satz, daß die Frau privatrechtlich dem Manne gleichsteht und jedes Rechtsgeschäft gültig abschließen kann. Auf keinem Gebiete schließt das Recht die Frauen von der Konkurrenz gegen den Mann aus. Die Frau gilt als voll privatrechtsfähig, ob verheiratet oder nicht. Sie genießt sogar Sonderrechte. So wird der Mann erst mit dem einundzwanzigsten Lebensjahre volljährig, die Frau in Württemberg mit der Eheschließung, die ihr vom sechzehnten Jahre an erlaubt ist.« – So bestimmt allerdings und mit Recht das bürgerliche Gesetzbuch, daß der Mann, dem es wiederholt die Pflicht auferlegt, »seiner Frau Unterhalt zu gewähren« (§ 1360), dafür das Recht hat, die gemeinschaftlichen Angelegenheiten zu regeln und den Wohnort zu bestimmen; aber selbst diesen Entscheidungen des Mannes »ist die Frau nicht verpflichtet Folge zu leisten, wenn sich die Entscheidung als Mißbrauch seines Rechts darstellt« (§ 1354). – So heißt es im allgemeinen, das Vermögen der Frau wird der Verwaltung und Nutznießung des Mannes, » der den ehelichen Aufwand zu tragen hat (§ 1389) – unterworfen« (§ 1363). (Über diese ordnungsmäßig zu führende Verwaltung muß er auf Verlangen der Frau Auskunft erteilen [§ 1374].) – Aber sofort wird festgestellt (§§ 1364-1371), daß das Vorbehaltsgut ihm nicht untersteht. Und zwar ist Vorbehaltsgut, was durch Ehevertrag als solches erklärt (§ 1368); ferner, was die Frau durch ihre Arbeit oder durch Erwerbsgeschäft erwirbt (§ 1367); was sie erbt oder was ihr vermacht wird als solches (§ 1369); was zu ihrem persönlichen Gebrauch dient (§ 1366). Über das alles der Frau voll und ganz, Kapital und Zins, angehörige Vorbehaltsgut steht dem Manne weder Verwaltungs- noch Nutznießungsrecht zu! – Überhaupt geht das Gesetzbuch, wie es § 1359 sagt, die Ehegatten haben bei den gegenseitigen Verpflichtungen mit derjenigen Sorgfalt einzustehen, die sie in eignen Angelegenheiten anzuwenden pflegen, und dem Manne die Verpflichtung auferlegt, die Kosten der Verteidigung der Frau in einem gegen sie gerichteten Strafverfahren zu tragen (§ 1387), von der humanen und gerechten Annahme aus, daß der von der Frau frei erwählte Mann ihr natürlicher Freund und Beschützer ist, und nicht, wie eine verhetzende und verbitterte Schar von meist ledigen Feministinnen es in die Welt schreit, ihr geborener Feind und Unterdrücker.

Was Vormundschaft betrifft, so ist auch die uneheliche Mutter als Vormund vor den Großvätern wählbar (§ 1900), ja, » eine Ehefrau darf zum Vormund ihres Mannes, auch ohne dessen Zustimmung, bestellt werden!« (§ 1900, S. 409). Ebenso erkennt das Gesetzbuch die volle Geschäfts- und Prozeßfähigkeit der handeltreibenden Frau.

Aber wir können, anstatt in stets unerquickliche Rechtsdiskussionen zu geraten, die Sachlage mit offenem Sinn und gesundem Menschenverstand übersehen und fragen: Wo ist heutzutage ein Gesetz, das dem Weibe verbietet, ihren Mann zu lieben, ihre Kinder in Gottesfurcht zu erziehen, ihre Haushaltung treu zu verwalten, wohlthätig und gastfreundlich zu sein, für das Haus, im Freundeskreis und in Gesellschaft einen wahrhaft guten und feinen Ton anzugeben, ihre Wohnung zu schmücken, dazu ihren Geist und ihr Gemüt auszubilden, ja Kunst und Wissenschaft zu treiben, kurz alles zu sein, was vor Gott und den Menschen wohlgefällig ist? – Oder will sie das nicht, so darf sie ja, das verbietet ihr leider auch kein Gesetz, ebenso schlecht und liederlich sein, als irgend ein Mann. Sie darf ihren Mann durch ihren Aufwand oder schlechtes Haushalten ruinieren, oder durch ihren Eigensinn oder ihre Wunderlichkeit, ihren Leichtsinn und ihre Koketterie das Leben verbittern, davor schützt ihn kein Gesetz! darf ihren Kindern das Elternhaus verleiden und auch selber davonlaufen; sie darf unsittliche Romane und fade und dumme Novellen schreiben, öffentliche Vorträge, wie A. Besant, oder Brandreden halten und drucken, wie Madame Severine, Luise Michel u. a., oder sich im Theater oder Cirkus produzieren, oder an der Börse und in Monte Carlo spielen, und sich, wie sie nur mag, feilbieten! – Wer oder was hindert die Frau, zu heiraten oder ledig zu bleiben, oder auszuwandern, oder, so sie Geld hat, und ohne das können wir Männer es auch nicht, sich, wie manche es thun, wo sie will, in Nizza oder Neapel, oder Madeira die schönste Villa mit Park und Gärten anzulegen oder zu kaufen, oder wie Fräulein A. Tinne mit großem Gefolge durch Afrika zu reisen, oder wie einzelne Engländerinnen ihre Jacht selbst zu befehligen und damit auf allen Meeren der Welt herumzusegeln. – Kann man noch freier sein? – Oder sie darf wie Elisabeth Frey die Gefängnisse besuchen, wie Käthe Marsden die Aussätzigen in Sibirien pflegen und durch öffentliche Vorträge dafür Geld sammeln, oder, wie eine andre, auf eigne Faust im Tibet missionieren. – Wer verbietet dem Weibe, Salons zu eröffnen und darin so exklusiv sie will, zu regieren, oder jeden Sport oder Kunst zu treiben, zu malen wie Rosa Bonheur oder Frau Parlaghi, und goldene Medaillen und Orden einzuernten, oder zu singen wie eine Patti oder Lucca, und an einem Abend mehr zu verdienen, als tausend Männer und Familienväter im ganzen Tag; oder Schulen und Spitäler zu gründen, oder jedes beliebige Geschäft oder Gewerbe zu treiben und sich dadurch oder durch Handel, wie die Gründerin des Bon Marché in Paris und andre Französinnen, Millionen zu verdienen und sie nach Belieben auszugeben? – Wo bleibt da noch die arme Sklavin, die tyrannisierte! rechtlose! depossedierte! Frau, die phrasenhafte und konfuse Feministen und sentimentale Feministinnen uns vormalen?

Glauben denn diese, daß wir Männer frei sind zu thun und zu lassen, was uns nur einfällt, und daß wir nur so spielend und nach Gutdünken unser und unsrer Familie Brot verdienen? – Nein, sondern Millionen von unter der unerbittlichen Militärzucht Tag und Nacht stehenden Soldaten und Matrosen in Europa und ebenso von Civil-, Eisenbahn-, Post- und Staatsbeamten, durch Eid und Pflicht, Disciplin und Hierarchie gebunden, von Arbeitern in Berg- und Eisenwerken, dem Reglement und der Arbeitsordnung Tag für Tag unterworfen, sind weit weniger frei als die zu Hause über Kind und Magd, in Kammer und Küche ziemlich nach Belieben schaltende Frau. Und Tausende von Frauen würden, wenn sie heute mit uns Männern tauschten, sich sehr bald aus der so einförmigen Arbeit des Comptoirs und des Bureaus, der Werkstatt und des Arbeitszimmers in ihre frühere und freiere Thätigkeit zurücksehnen.

Was die oft in übertriebener Weise als hilflos und verlassen geschilderten ledigen Frauen betrifft, so bemerken wir fürs erste, daß die meisten derselben ihre angezeigte Stellung und ihre Aufgabe haben, als Schwestern, Töchter, Tanten, auch Diakonissinnen, und oft unentbehrlich sind, so bei arbeitsunfähigen Eltern, in Familien mit vielen Kindern oder mit Kranken und Invaliden. Manche andre sind vermöglich oder wenigstens unabhängig und führen eine keineswegs bedauernswerte Existenz. Daß für die im ganzen geringe Zahl der übrigen passende Beschäftigungen und auch in jeder Hinsicht eine Besserung und Verschönerung ihres Loses gesucht werden, sind gewiß löbliche Bestrebungen, denen wir von Herzen bestes Gelingen wünschen; aber diese Frage ist nicht die Frauenfrage und wird nie dazu werden. Sie dazu stempeln zu wollen, ist ebenso unrichtig und unwahr, als die Arbeitsfrage mit der der Arbeitsunfähigen und die Familienfrage mit der der Waisen zu identifizieren.

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Besonders englische und amerikanische » modern women« behaupten, daß die Frau geistig dasselbe leistet wie der Mann. (Daß sie seelisch ebensoviel und manchmal mehr leistet, glauben auch wir.) Auch hier stehen sie in naivem, eklatantem Widerspruch mit allen Thatsachen der Weltgeschichte und der Erfahrung. Wenn sie recht hätten, wie käme es, daß wir nirgends und zu keiner Zeit eine Dichterin wie Homer, Sophokles, Virgil, Dante, Shakespeare, Byron, Goethe sehen? Wo ist eine Malerin wie Michel Angelo, Leonardo da Vinci, Poussin, Murillo, Titian, A. Dürer u. s. w.? Wo eine Naturforscherin wie Aristoteles, Kopernikus, Linné, Newton u. s. w. u. s. w.? Wo eine Philosophin wie Plato, Kant oder Jakob Böhme? Wo ist ein Weib von der welthistorischen Bedeutung, wir wollen nicht sagen Moses oder Elias oder Johannes des Täufers oder des Apostels Paulus, sondern nur Confucius, Buddhas, oder Muhammeds oder Sokrates oder Luthers und Calvins? – Wo hat eine ein tausend Jahre gültiges Gesetzbuch oder ein philosophisches System oder eine neue Architektur oder eine neue Kunstrichtung geschaffen, oder eine epochemachende Erfindung oder Entdeckung gemacht? – Denn so hochbegabt und intelligent das Weib auch sein mag, es fehlt ihrem Thun die erzeugende Kraft, die schöpferische Macht. – Und wollte man behaupten, daß die Gesetze, die Verhältnisse, die Umgebung ihr solche Leistungen bis jetzt unmöglich gemacht, so straft auch diesen Einwand die ganze Weltgeschichte Lüge. Denn dazu haben von jeher obige Tausende von reichen, selbständigen und unabhängigen Frauen und Fürstinnen völlig Zeit und Muße, alle Mittel und Gelegenheit gehabt; während oft die geistig bedeutendsten Männer mit den größten Schwierigkeiten, mit Not und Entbehrung aller Art zu kämpfen hatten, ehe sie ihre Ideen verwirklichen konnten, wie ein Stephenson, der noch im dreißigsten Jahre ein armer, des Lesens und Schreibens unkundiger Bergarbeiter war, und dennoch sich zum ersten Ingenieur der Welt emporarbeitete. Wer verbietet oder hat Frauen je verboten, wie der alte blinde Bettler Homer oder der Kesselflicker Bunyan in seinem Gefängnis oder Thomas a Kempis in einsamer Mönchszelle oder J. Böhme neben harter Schuhmacherarbeit weltbedeutende, jahrhundertelang wirkende Werke zu verfassen, oder die Buchdruckerei und das Pulver oder auch nur die Photographie zu erfinden? Warum haben sie so gar nichts derartiges aufzuweisen? Wie kamen sie dazu, seit die Welt existiert, ihr Licht so unter den Scheffel zu stellen?

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Im Widerspruch mit ihrem Dogma der völligen Gleichheit der Geschlechter behaupten Feministen, daß Frauen sittlicher seien als Männer und daß sie, wenn zum Mitregieren zugelassen, die Welt versittlichen würden. Das könnte uns nur erwünscht sein, ja wir würden es neidlos ertragen, wenn Frauen in dieser und in andern Hinsichten noch besser würden, als sie schon sind, wie wir von Herzen wünschten, daß die gesamte Menschheit einen sittlichen Wandel führte. Auch geben wir gern zu, daß Frauen meist sanfter und milder, fast immer dienstfertiger, geduldiger, teilnehmender und wohlthätiger sind, kurz mehr Herz, Gefühl und Gemüt haben als wir. Aber das alles ist noch nicht Sittlichkeit; ja, gerade dieses gute Herz, oder richtiger was man darunter versteht, hat schon manchem Gretchen zu ihrem Fall verhalfen.

Hier handelt sich's nicht um den günstigen Eindruck, den einige uns bekannte edle und reine Frauen auf uns machen, sondern um die ganze objektive Wahrheit. Auch diese Frage will von grundlegenden Prinzipien, aus der Bibel, aus der Geschichte und aus der Natur beantwortet werden.

Die Bibel weiß nichts von einer besonderen Sittlichkeit oder Güte eines Geschlechts gegenüber dem andern. Für sie sind wir alle Sünder und das menschliche Herz verzweifelt böse von Jugend an. Sie lehrt, daß wie für Adam das Wort: »Du sollst dein Brot im Schweiße deines Angesichts essen alle Tage,« Hauptaufgabe und Gesetz seines Lebens ist, so für die Frau das: »Du sollst mit Schmerzen gebären.« Das Geschlechtsleben bildet also nach Bibel und Natur materiell und leiblich den Mittelpunkt der weiblichen Existenz, während es beim Manne nur eine untergeordnete Rolle spielt. Daß ebenso ihr Verhältnis zum Mann und zum Kind einen entsprechenden Teil ihres Seelenlebens ausmacht, beweist die ganze weibliche Litteratur, die Frauenunterhaltung und ihre Heiratsgedanken, die Statistik der Frauenselbstmorde und ebenso die ihrer Geisteskrankheiten. Das sind unleugbare Thatsachen. Der Teufel aber, dieser große Psycholog, packt jeden da an, wo er am faßbarsten ist; es ist also logisch, wenn schon von vornherein erwartet wird, daß er das Weib noch mehr als den Mann von dieser Seite angreifen wird, und daß, während er Männer zu blutsaugerischen Wucherern, was bei Frauen so gut wie nie vorkommt, zu Mördern aus bloßer Mordwut, zu Zweiflern aus geistigem Hochmut, zu Gotteslästerern aus teuflischem Grimm macht, er das Weib durch das Geschlechtliche zu Fall zu bringen suchen wird. – Daß es sich in der That so verhält, zeigen Geschichte und Erfahrung.

So viele prächtige, reine, keusche Frauenfiguren die Geschichte uns aufbewahrt hat, spricht sie doch im ganzen nicht zu Gunsten einer höheren Sittlichkeit der Frau. Von den Frauen Babylons und des kaiserlichen Roms, der berüchtigten Messalina und Poppea und Theodora von Byzanz bis zu Katharina II. und Isabella von Spanien sind Fürstinnen, Königinnen und Kaiserinnen oft ebenso unsittlich als Könige und Herrscher gewesen, haben sich ebensosehr von ihren Lüsten und Günstlingen beherrschen lassen wie diese von ihren Maitressen, haben ebensowenig ihre Reiche gesittet. – Überhaupt gehören zwei zur Unsittlichkeit, und es ist eine große tendenziöse Lüge, daß der Mann allein an der Unsittlichkeit der Frau schuld ist. – Wären alle Frauen rein und sittlich, so müßten es die Männer auch sein. Wenn Frauen sich nicht mehr, wie in England und Frankreich in Gerichtsverhandlungen über Ehebruch und Sittlichkeitsverbrechen drängen, noch skandalöse Berichte eifrig weiter kolportieren, noch unsittliche Romane mehr lesen, noch ebensolchen Theaterstücken anwohnen werden; wenn sie von unsittlichen Kunstausstellungen fern bleiben und gegen die ohnehin sinnlose Aufstellung von nackten Venus, Galatheen und Phrynen auf unsern deutschen Straßen und Plätzen protestieren, und in Gesellschaft sich jeden zweideutigen Witz oder jede pikante Skandalgeschichte verbitten werden; und Kindersegen nicht mehr als eine Last, ja als eine halbe Schande betrachten, kurz, wenn sie mit wahrer Sittlichkeit Ernst machen werden, wird es bald um die Sittlichkeit in der deutschen Litteratur, in der deutschen Kunst und in der deutschen Gesellschaft besser stehen.

Weil wir bei diesem unerquicklichen Thema angelangt sind, wollen wir auch die auf das Programm des Feminismus geschriebene Forderung: »Gleiche Moral für beide Geschlechter!« kurz beleuchten. – Auch ein schön klingendes, wertloses Schlagwort! – Wohl gibt es ewige Prinzipien des Rechts und also der Moral, die nicht vom Wohlgefallen, noch von der geistigen Ausbildung des Menschen oder der Völker abhängig, die mit keinem »Fortschritt« noch »Aufklärung« sich ändern. – Aber ebensowahr ist es, daß die Verantwortlichkeit und folglich die Schuld des Menschen sich wie nach seinem geistigen Standpunkt, so beim Kind und beim Idioten, so auch nach dem Wert und nach der Größe des ihm anvertrauten Gutes, ob ein oder zehn Pfund, richtet. So gibt es für jeden Stand, und im Grunde genommen, für jeden Menschen eine andre und verschiedene »Moral«, wenn man darunter seine Verantwortung und den Grad seiner Schuld versteht, und hier im Einklang mit der Bibel gilt das lateinische Sprichwort: »Wenn zwei dasselbe thun, so ist es nicht dasselbe.« – Sind der Sohn, der seinen Vater mißhandelt, die Mutter, die das eigne Kindlein umbringt, der Soldat, der seinem General Gehorsam verweigert, der Richter, der Unrecht spricht, der Priester, der das ihm anvertraute Heilige mit Füßen tritt, nicht doppelt strafbar? Warum und woher diese Unterschiede, die niemand leugnen wird? Warum nicht auch hier sagen: Gleiche Moral, gleiche Verantwortlichkeit und gleiche Strafe für alle! – Antwort: Weil dem Kind das Gesetz der Ehrfurcht, der Mutter das der Mutterliebe, dem Soldaten des Gehorsams, dem Richter des Rechts, dein Priester des Heiligtums gegeben ist, damit sie dieselben durch ihr Leben der Welt predigen und veranschaulichen.

Dem Weib aber ist das Gesetz des Geschlechts und der Generation, wie ihre ganze Leiblichkeit und schon die ihr angeborene Schamhaftigkeit zur Genüge beweisen und die Bibel es bezeugt, zur heiligen Bewahrung und Verwaltung anvertraut. Sie ist die Priesterin dieser Prinzipien; sie ist, wie die Mutter aller Lebendigen, geradezu das Geschlecht, wie es vor ihrer Erschaffung kein Geschlecht gab und der Franzose von ihr als » le sexe« spricht. Das geschlechtliche Leben, die Ehe und die Kindererzeugung beherrschen ihre leibliche und seelische Existenz; während sie beim Mann nur eine untergeordnete Rolle spielen. Wenn nun das Weib diese ihr anvertrauten Aufgaben und Lebensziele mißbraucht und diese ihre höchste Würde mit Füßen tritt, so ist es logisch, natürlich und biblisch, wenn solches Vergehen an ihr sich strenger ahndet als am Mann; und die Natur und die Erfahrung lehren, daß wie es für sie leibliche Folgen hat und für den Mann nicht, so auch ihr Seelenleben davon weit mehr affiziert und verändert wird. – Mit Recht unterscheiden hier von jeher alle Völker und halten für den schwersten einem Weibe angethanen Schimpf das Wort: »Dirne!« für den Mann aber: »Ein feiger, ehrloser Wicht!« –

Auch hier erzeugt das falsche Prinzip, Gleichheit der Geschlechter, falsche Folgerungen. Auch hier ist Differenzierung Folge und Anzeichen des höheren sittlichen Standpunktes; Nivellierung dagegen von Ignoranz und Rückschritt. Traurig genug, daß gerade die Verfechter der Frauenrechte es sind, die heutzutage anstatt der prächtigen, keuschen Frauentypen des Altertums, uns nur sinnliche, liederliche, von ihren Lüsten und Begierden hin- und hergetriebene, oder noch schlimmer geist- und herzlose, das Laster kühl betreibende Gestalten wie, wir greifen aufs Geratewohl aus der Masse heraus, eine Hedda Gabler, Magda, Fräulein Julie, Edith, Frau Felicitas, Regine und wie die Heldinnen der gefeierten heutigen Schauspiele und Romane alle heißen, bieten. Nirgends in der heutigen emanzipatorischen Litteratur ein schönes, sittsames, reines Frauenideal! Und ebensowenig in der emanzipierten Kunst. Sondern aus Leibes- und Seelenehebruch, aus Sinnenlust und Verachtung aller göttlichen, menschlichen und sittlichen Gesetze mit Selbstmord als Abschluß baut sich der heutige Roman und das Bühnenstück immer mehr auf.

Das Schlimmste an Schlagwörtern ist ihre Erlogenheit. So bestand die »Freiheit« der französischen Revolutionäre darin, daß sie unerträglichen Despoten wie Marat und Robespierre blindlings gehorchten, und ihre Brüderlichkeit darin, daß sie jeden köpften, der nicht ihrer Ansicht war. – So auch hier. – Die Verteidiger und Verteidigerinnen obigen Schlagworts verstehen meistens unter diesem so tugendhaft klingenden Ruf in Wahrheit: » gleiche Immoralität für beide Geschlechter.« Es fällt diesen vorgeschrittenen Emanzipatoren nicht ein zu verlangen, daß Männer und Jünglinge rein und keusch sein sollten, wie gesittete Jungfrauen; wie auch ein solcher Schriftsteller bemerkt: »Josephe seien zu allen Zeiten lächerlich!« Sondern den althergebrachten Begriff wonach, was keine Schande für den Mann (?) doch eine für die Frau sei, solle man, sagen sie, über Bord werfen und dieser gestatten, ebenso ungeniert und öffentlich unsittlich zu sein wie der Mann. Es ist überflüssig, an immer zahlreicheren englischen, französischen, schwedischen, norwegischen und deutschen Produkten die traurige Moral für beide Geschlechte näher zu beleuchten.

Aber ist denn die ganze Lebensanschauung der vorgeschrittenen Feministinnen sittlich; ihre Verachtung des Christentums, ihre Hetze gegen den Mann, die Geringschätzung des Kindes, der Familie und der Ehe und das Verlangen nach freier Liebe, d. h. ungebundener Unsitte? – Ist es sittlich, wenn diese Ehe, der Eck- und Grundstein der menschlichen Gesellschaft, die selbst wilde Volksstämme heilig und unverbrüchlich halten, immer mehr von Frauen als ein veralteter Standpunkt verächtlich gemacht wird, von der emanzipierten Georges Sand und ihr nach von vielen »die barbarischste« (!), von andern »die unsittlichste (!) Einrichtung der Civilisation« genannt wird? Oder wenn im Frauenkongreß eine Frau Cauer von der Gesetzgebung eine Erleichterung der Ehescheidung verlangt? – Welche Verblendung! beweist doch die Geschichte alter und neuer Völker, daß je fester der Ehebund, desto besser steht's mit der Frau und mit der Sittlichkeit. – Oder wenn Klara Muche ein Buch herausgibt, in welchem als Anhang in schamloser Weise Mittel besprochen werden, um beim ehelichen Umgang die Empfängnis zu verhindern?! – Oder wenn, um aus vielen nordischen nur ein Beispiel anzuführen, die Schwedin Frau Edgren Löfler uns Heldinnen vorführt, eine Nora Helmer, Arla oder Ulla Falk, die sämtlich von Familie, Mann und Kindern davonlaufen, weil sie es »im Puppenheim« nicht aushalten und »die Ehe sich nicht mit der individuellen Ausbildung der Frau verträgt?« – Oder wenn Ralph Iron (Pseudonym für Miß Olga S.) in einem in nahezu hunderttausend Exemplaren von englischen Frauen mit Begeisterung aufgenommenen Werke predigt: Die Ehe ist unannehmbar für die emanzipierte Frau; denn sie kann sich keine Fessel gefallen lassen. Allein ihrer würdig ist die freie Wahl eines jeden Mannes, der ihr gefällt und das Zusammenleben mit ihm, solange er sie verhält und es ihr behagt (!), wobei sie in widerlicher Weise Schwangerschaft und Maternität verhöhnt? Und wir könnten noch viele solche Bücher anführen, wie das traurige, in England und noch mehr in Amerika mit Begeisterung aufgenommene Trilby oder Th. Harveys »Jude«. Mit welchem Zorn und Abscheu hätten sich selbst Griechen von einer solchen Verunehrung des unter dem Schutz der Ehegöttin Hera und des Zeus stehenden heiligen Bündnisses zwischen Mann und Frau abgewendet! – Was die emanzipierte Französin und die russische Nihilistin unter gleicher Moral für beide Geschlechter und ihren Frauenrechten verstehen, wissen wir jetzt immer besser, und sie genieren sich immer weniger es laut zu sagen. Über den Frauenkongreß in Berlin schreibt der Reichsbote in einem ernsten Artikel: »Die Berliner Frauenversammlung hat mit ihren Äußerungen über die Ehe einen wahren Abgrund vor uns aufgethan.« Und weiter: »Wo sie sittliche Dinge berührten, geschah es bei den meisten in einer geradezu erschreckenden Weise, die davon Zeugnis ablegte, in welchem Maße diese Frauen die Zierde des Weibes – die Scham – abgelegt haben. Von wirklich sittlichen Gesichtspunkten war gar nichts zu merken, sondern nur von solchen des materiellen und physischen Interesses.

So zieht die Emanzipation von einem Naturgesetz immer und unabweislich die Verkennung andrer nach sich; denn sie hängen organisch zusammen und bilden ein Ganzes, das Gesetz!

Und so glauben wir gerecht und dem Thatbestand gemäß zu urteilen, wenn wir sagen: Die Frauenemanzipation hat bisher die Sittlichkeit nicht befördert, sondern gefährdet und vermindert. Ihre Durchführung wäre eine große Gefahr wie für den Bestand der Familie, so auch für die Sittlichkeit der Welt.

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Manche Frauenemanzipatoren behaupten ferner, daß alle Kriege aufhören würden, wenn Frauen das Wahlrecht hätten und mitregierten. – Sancta simplicitas! – Glauben denn fürs erste die Guten, daß wir Männer für unser Leben gern Krieg führen und uns nichts so sehr wünschen als im blutigen Kot der Trancheen Nächte hindurch zu frieren oder, von Kartätschensplittern zerrissen, in Spitälern lange zu liegen und dann als sieche Krüppel herumzulaufen? – Nein! sondern wir Männer lieben den Krieg ebensowenig, ja aus guten Gründen noch etwas weniger als die Frauen; denn wir tragen dabei unsre Haut zu Markte, sie aber nicht!

Warum aber dann immer wieder Kriege? – Weil wie der einzelne, so auch die Menschheit »nicht das Gute thut, das sie will; sondern das Böse, das sie nicht will, das thut sie«. Auch sie, wie der einzelne, ist nicht Herr über ihre Geschicke; sondern ihr Thun, ihre Sünde und ihre Schuld herrscht über sie und treibt sie dahin und dorthin; und schwörten morgen alle Männer und auch alle Frauen einen Eid, niemals mehr Krieg zu führen, so griffen sie dennoch übermorgen schon, wenn Gott die Geister des Kampfes losließe (1. Kön. 22, 20-22), zum Schwert und Frauen zum Messer, zur Brandfackel und Petroleumflasche, wie schon oft bei Bürgerkriegen und in der französischen Revolution, bei der Kommune und sonstwo. – Hier zeigt sich einer der Widersprüche der weiblichen Natur. – Das Weib scheut die Gefahren und die Schrecken des Kampfes und des Krieges, und insofern ist sie eine Bürgschaft des Friedens. Weil sie aber stets persönlich bleibt und alles persönlich auffaßt, so gerät sie immer wieder, auch gegen ihren Willen, in den Streit und in den Kampf; auch das beweist die tägliche Erfahrung, Nonnenkloster und Frauenstifte, die Geschichte so manchen Hofes und in schlagender Weise das Gebahren so mancher Feministinnen. So erscheint die Behauptung gerechtfertigt, daß Männer friedfertiger sind und besser miteinander auskommen als Frauen.

Ebenso beweist fürs zweite die Weltgeschichte, daß wenn Frauen die Macht haben, sie gerade so kriegs- und kampflustig und blutdürstig sind und dazu manchmal grausamer als die Männer. Nicht umsonst besangen die Griechen die männervertilgende »Pallas Athenä« mit dem schrecklichen Blick, der Lanze und dem Schild. Wie viele Kriege von der schönen Helena an und der Gudrun, um die so viel Blut floß, und der Brunhild und Kriemhild, deren Haß den Nibelungen so große Not schuf, haben Frauen verursacht? Davon schreibt L. v. Ranke bei der Geschichte der Sophonisbe, dieser unversöhnlichen Feindin der Römer: »In den hochgestellten Frauen pflegt der nationale Haß am lebendigsten und unverhohlensten zur Erscheinung zu kommen« (Weltgeschichte Bd. I, S. 470). – Wie viele Kriege haben Königinnen und Kaiserinnen befohlen und wieviel Blut wurde von ihnen vergossen von Semiramis und der Königin Tomyris an; von der Königin Isebel und der Königin Athalja, die alle königlichen Kinder umbrachte, von den fränkischen Königsweibern, Fredegunde und Brunhild, von denen der Geschichtsschreiber Redenbacher sagt: »Sie wüteten im Bürgerkrieg mit unsäglicher Rach- und Mordgier gegeneinander und ihre Geschlechter,« bis auf Maria die Blutige und Katharina von Rußland u. a. – Und wie haben in edlerer Weise die Frauen Spartas und die der Germanen und Kelten, Cimbern und Teutonen ihre Männer zum Kampf ermuntert! Von jeher hat das echte Weib den Krieger, den Helden, den Recken bewundert und geliebt, wie die Griechen es in der Liebe der Venus für den Mars und die Germanen in ihren Walküren schilderten, von jeher hat sie gern dem Zweikampf und Turnier beigewohnt und es sich als höchste Ehre angerechnet, wenn Männer um sie kämpften.

Nach Weltgeschichte, Erfahrung und Natur des Weibes muß man also richtiger sagen: Frauenregiment würde eher eine Vermehrung der Intriguen, des Streits und im großen des Krieges zur Folge haben.

Auch hier liegt das Gute so nah. – Wenn anstatt gegen den Krieg zu deklamieren die Frauen mit gutem Beispiel vorangingen und zuerst unter sich einen ewigen Frieden schlössen; wenn sie es dahin brächten, keinen bösen, verleumderischen Klatsch zu verbreiten, sondern anstatt Worte des Unfriedens nur Worte des Friedens zu reden und nirgends mehr mitzuhassen, sondern überall mitzulieben, so wäre viel, wenn nicht für den Weltfrieden, so doch für den Frieden in der Welt gewonnen.

Es gehört eine große Einfalt dazu, von einem ewigen Frieden auf der jetzigen Erde zu träumen, oder zu glauben, daß wegen Frauenbüchern wie »Legt die Waffen nieder!« oder » Pax mundi« auch nur eine Kompagnie in Europa entlassen wird. Da müßte schon, wie Muhamed sagt, der Engel Gabriel allen Menschen das schwarze Tröpfchen aus dem Herzen ausgepreßt haben! – Es ist wahrlich kurzsichtig anzunehmen, daß Mächte wie Frankreich oder Deutschland sich je dem Spruch von Friedensrichtern fügen werden, wenn ihre Ehre, ihre Interessen und ihre Existenz als Großmacht in Frage kommen. Vollends der Vorschlag, durch Vorstellungen oder Drohungen einer Friedensliga England oder Rußland von weiteren Eroberungen in Asien oder sonstwo abzuhalten, nimmt sich aus, wie wenn ein Häslein einem Löwen drohte: wenn du noch einmal eine Antilope frißt, so hast du es mit mir zu thun! – weshalb man einen solchen Friedensbund nicht genug empfehlen kann, sich vor allem eine Armee von einer Million tüchtiger Soldaten anzuschaffen, um nötigenfalls durch einen energisch geführten Weltkrieg den Frieden zu sichern.

Der Grund des Krieges liegt tiefer als diese wohlmeinenden, aber kurzsichtigen Menschen meinen. Die Menschen müssen sich zu Nationen gruppieren und das ist gut zur Bekämpfung ihres Egoismus und ihrer Rücksichtslosigkeit und zur Entwicklung ihrer gesellschaftlichen Anlagen. Nationen aber, das ist ein andres Naturgesetz, müssen sich, wenn lebensfähig, individuell eigenartig entwickeln, und alsbald sind die Gegensätze da, die sobald sie tief genug reichen, unbedingt zum Kampf führen. Auch Nationen leiden an der Erbsünde und werden, wie die einzelnen von ihrem Hochmut, ihrer Selbst- und Hab- und Ehrsucht in den Streit und Kampf getrieben. Die Sünde ist die Ursache des Krieges und deshalb ist seine Abschaffung ebenso aussichtslos als die des Todes. Beides hat eine Wurzel; und den tiefen Grund zum Kampf in der Welt bildet der Seelenkampf in jedem einzelnen, von dem selbst ein Apostel klagt: »Ich sehe ein Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte,« von dem Christus spricht: »Ich bin nicht gekommen den Frieden in die Welt zu bringen, sondern das Schwert.« – Ebenso weissagt er: »Ein Volk wird sich erheben wider das andre und ein Reich gegen das andre.« Unsre Kriege sind alle nur ein Abbild, eine Wirkung und eine Folge des steten großen Ringens und Kämpfens der Geister in den himmlischen Örtern, von denen die Bibel uns erzählt (s. Josua, Daniel und 1. Kön. 22, 20-22), und das seinen Abschluß nur dann finden wird, wenn Michael und seine Engel den letzten Kampf mit dem Drachen und seinen Engeln kämpfen; »und diese siegten nicht ob, auch wurde ihre Stätte nicht mehr in dem Himmel gefunden« (Off. 12, 7-9).

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Was endlich die wissenschaftliche Ausbildung der Frau betrifft, auch eine Hauptforderung der Frauenemanzipation, so haben wir schon oben es ausgesprochen: die Frau ist nicht wissenschaftlich angelegt. Daß unsre Töchter heute in manchen Fächern und Sprachen unterrichtet werden, die ihren Großmüttern unbekannt, wenn auch diese weit nicht so ignorant waren, als man gern annimmt, siehe Goethes Mutter u. a., ist eine Zeitforderung, gegen die wir nichts einzuwenden haben, wünschen vielmehr allen Frauen gute, solide, brauchbare Schulkenntnisse. Aber das alles ist noch nicht Wissenschaft. Das Mädchen ist durchschnittlich ebenso intelligent und begabt als der Knabe; sie lernt ebenso leicht, faßt manchmal noch rascher auf und vergißt mindestens ebenso schnell; aber ihre geistige Anlage ist eine andre. – Wohl übertrifft in Chicago die Zahl der Studentinnen an der Hochschule mehrfach die Zahl der Studenten, ein Beweis, daß der junge Amerikaner immer mehr einsieht, daß man zum Geldmachen keiner wissenschaftlichen noch sonstigen Bildung bedarf, wie auch Männer wie Vanderbilt und James Gould es ihm praktisch bewiesen haben. Aber wo sind die Leistungen dieser gelehrten Frauen? Wohl bestehen heutzutage manche Frauen ein Examen oder doktorieren gar, d. h. sie thun das, was jahraus jahrein Zehntausende von oft ziemlich unbegabten Jünglingen thun, ohne daß ein Hahn danach kräht, und von den Tausenden und aber Tausenden von Frauen und Mädchen, die zum Studium notorisch unfähig, schweigen vorsichtig die Feministinnen. Aber damit ist die wissenschaftliche Befähigung und Begabung der Frau noch nicht bewiesen. Studieren und Examinabestehen ist nur der Anfang; die Schule ist nicht das Leben, und daß bloßes akademisches Studium noch keine Gelehrten und noch weniger Männer der Wissenschaft erzeugt, sieht man an den meisten obiger Studenten, zehn oder zwanzig Jahre später im Bureau und im Bierhaus. Die Frage ist nicht, was ein Mensch alles in seinen Kopf hineinbringt, sondern was er damit anfängt. Manche Frau mag schon sich ein bedeutendes und schönes Wissen zusammengelernt haben. Aber wenn auch je und je Frauen durch intellektuelle Begabung und Gelehrsamkeit mehr oder weniger bekannt wurden, wie eine Hypatia, Olympia Morata, Jane Grey, die Astronomin Frau Sommerville oder die Mathematikerin Sonja Kowalevsky, so hat doch keine ihr Wissen dynamisch produktiv verwertet; keine hat uns neue, wissenschaftliche, philosophische, religiöse Horizonte eröffnet, noch ist durch Wissenschaft groß und berühmt geworden; keine hat mit Wissenschaft die Weltkugel geschoben, noch die Entwicklung der Menschheit gefördert. – Mit sehr vereinzelten Ausnahmen wird die Frau nie in der Wissenschaft mit dem Mann erfolgreich konkurrieren.

Übrigens wird Wissenschaft von den Feministinnen meist nur vorgeschoben. Was die emanzipierte » new woman« will, ist nicht Wissenschaft, noch geistige Ausbildung, sondern Genuß und Ansehen, Freiheit und Sport, und die Befreiung von allen lästigen Aufgaben und Pflichten. Denn die Pfahlwurzel aller Emanzipation ist der Egoismus. Glaubt man etwa, daß diese Ladies in ihren Klubs und sonstwo unter sich große, Welt und Menschheit bewegende Fragen behandeln? – O nein! sondern vom Rad- und anderm Sport und welcher Anzug dabei am hübschesten und wie der nächste Saisonhut, von five o'clock teas und ihrer Etiquette, und davon wie die reiche Frau X. so eitel und ihre Toilette so geschmacklos und Miß Z. so kokett und gefallsüchtig, reden sie weitläufig und endlos! – Weib bleibt Weib.

Auch sonst steht die emanzipierte Engländerin oder Amerikanerin um nichts höher als das viel bescheidenere deutsche Mädchen. Ein keckes Dreinschwatzen und Aburteilen hat sie sich angewöhnt, druckt unverfroren alles Zeug, das ihr durch den Sinn fährt und imponiert damit Schwachköpfen; aber ihr Herzens-, Gemüts- und Seelenleben ist um so verkümmerter.

Umsonst sieht man sich in den Schriften dieser Emanzipierten und auf Frauenkongressen nach neuen, belebenden, kräftigen Ideen, nach großartigen, nützlichen Vorschlägen, nach richtiger Auffassung großer Probleme und treffender, heller Auflösung der vorhandenen Schwierigkeiten um. Viele Worte, meist leidenschaftlich, oft thöricht, manchmal auch ruhig und vernünftig, und eine wahre Skala von Gefühlen, vom Bildungsstolz an bis zum fanatischsten Sozialismus! und überall Uneinigkeit, außer in dem Punkt: Nur kein Christentum mehr! – Und von allem gilt das bekannte Wort: »Das Wahre darin ist nicht neu, und das Neue nicht wahr.«

»Die heutige Bildung der Frauen des Mittelstandes«, schreibt eine gebildete Frau, »ist genügend; eine höhere würde nur zur Einbildung und Verbildung führen.«

Eine »moderne Frau« empfiehlt deutschen Frauen sich wissenschaftlich auszubilden, um auf gleichem Fuß mit Männern zu verkehren und »ihren Gemahlen und Söhnen auch darin zu imponieren.« – Nebenbei bemerkt, wer Wissenschaft treibt, um damit zu imponieren, weiß schon nicht, was Wissenschaft ist. – Aber auch sonst zeugt dieser Vorschlag nicht vom praktischen Verstand der emanzipierten Frau in socialen Fragen. Ohne ein Studium vom achten bis mindestens einundzwanzigsten Jahre läßt sich bei der so rasch anwachsenden Wissenschaft heutzutage von einer wissenschaftlichen Ausbildung gar nicht reden. Eine solche allgemeine Studienzeit für Mädchen würde den Untergang des Familienlebens, des Heims und der Kindererziehung bedeuten, die gänzliche Verlotterung der Haushaltung, sehr oft auch den Ruin der Gesundheit dieser Mädchen und dazu für viele Eltern unerschwingliche Kosten, da sie für diese ihre Töchter auch eine Aussteuer aufbringen sollten. Nehmen wir aber an, daß diese Frauen erst nach absolvierten Studien (und wohl ohne irgend welche Kenntnisse in der Haushaltung, im Kochen und Nähen, denn Zeit dazu läßt ein ernstes wissenschaftliches Studium nicht übrig) heiraten, so gehörte zum fortwährenden wissenschaftlichen Umgang auch ein fortgesetztes, sich auf der Höhe der stets, und wie rasch! fortschreitenden Wissenschaft. – Denken wir uns einen Arzt oder Professor oder in seinem Fach tüchtigen Beamten; der erste Sohn studiert Theologie, der zweite Chemie und der dritte will Ingenieur werden; und da soll die gute Frau und Mutter nicht nur in der Schule schon soviel gelernt haben, sondern auch seitdem und neben der Haushaltung, die doch nicht von selber fortläuft, sich so auf dem Laufenden in den verschiedenen Fächern, oder auch nur im allgemeinen halten, daß sie Mann und Söhnen darin imponiert! – Das Imponieren, selbst bei Gymnasiasten, geht heutzutage nicht mehr so leicht. – Auch dem Mißstand ließe sich schwer abhelfen, daß ein Mädchen nie wüßte, auf was sie los zu studieren hätte, um dem, der da kommen soll, zu imponieren. – Im Vertrauen darauf, daß der Vater und auch der Bruder Juristen sind, vertiefte sich so ein gutes Kind in das römische und deutsche Erbrecht und … kriegt einen Architekten! – Oder eine andre fühlt sich nach vielen Jahren Studien, Kopfweh und Bleichsucht in der neuen Chemie fest, doktoriert darin; … und nun kommt ein Theologe und hält um ihre Hand an, und ist erst noch so ein netter Mann! – Was thun, spricht Zeus! – Für Pfarrtöchter sollen die Chancen allerdings günstiger liegen, weshalb solchen im Hinblick auf den Zukunftsvikar nicht zu warm empfohlen werden kann, sich von Kindesbeinen an mit Dogmatik und Exegese vertraut zu machen.

Leider steht auch diesen löblichen wissenschaftlichen Bestrebungen der modernen Frau die traurige Thatsache im Wege, daß selbst gebildete und gelehrte Männer, ja, nach englischer Statistik gerade die gelehrtesten am meisten, eine unerklärliche, aber tief eingewurzelte Abneigung gegen gelehrte Frauen hegen, und einer ausstudierten, in jeder Hinsicht gesetzten und geprüften Dame unbedingt einen unerfahrenen, unwissenschaftlichen, lebensfrohen, munteren Backfisch vorziehen; weshalb ernstlich zu befürchten ist, daß schon der bloße Versuch einer allgemeinen wissenschaftlichen Frauenausbildung die Nachfrage nach letzteren enorm steigern würde. – Hier kann nur wohlwollende und doch energische, suaviter in modo, fortiter in re gehaltene Zurechtweisung und Belehrung seitens wissenschaftlich gebildeter Frauen Wandel schaffen, wozu wir wöchentliche unentgeltliche Vorträge für Männer über passend gewählte Themata; wie »Die Bedeutung der Wissenschaft für Herz und Gemüt,« oder »Kein Eheglück ohne akademische Ausbildung« empfehlen. Auch möchten wir wissenschaftlichen Frauenvereinen die Herausgabe von guten passenden Flugschriften sehr anraten, als da wären: »Leichte Vorübungen zur wissenschaftlichen Unterhaltung für angehende Brautleute.« – »Chemische und physikalische Zwiegespräche für Mann und Frau.« – »Die Theorie des chromsauren Quecksilberoxiduls (Hg2 C2 O4) für trauliche Abende im engeren Familienkreis.« – »Kurze geognostische und kosmologische Gardinenpredigten« u. s. w.!

Scherz beiseite! Hier und zur wahren Seelengemeinschaft zwischen Mann und Frau helfen keine Mädchengymnasien noch weibliche Hochschulen; sondern nur das Christentum, mit seinem erzieherischen Ernst, mit seiner Aufstellung der größten, tiefsten, für Mann und Frau gleich gültigen Problemen, mit seinen ungeheuren Anforderungen an den ganzen Menschen, kann einen gemeinschaftlichen Boden für eine wahrhaft innige geistige Bereinigung der Geschlechter abgeben. – Nur im Glauben an Christo ist eine geistige Ehe möglich; jede andre, auf noch so gleiche und wissenschaftliche Bildung, auf noch so identische Anlagen, auf noch so glühende Liebe gegründet, muß mit logischer Notwendigkeit einst im Jenseits, aber auch schon hier nach völliger Sättigung, wie chemische Atome, in ebenso kräftige Abstoßung und Widerwillen, ja mitunter in bitteren Haß sich verwandeln, wie so häufig bei Ehen von genialen Künstlern mit eben solchen Frauen zu sehen, wie zahlreiche moderne Romane, so G. d'Annunzio's » triunfo della morte« mit erschreckender Wahrheit schildern. – Und dagegen hilft keine wissenschaftliche Ausbildung der Frau; wie man gerade in Gelehrtenkreisen Gelegenheit genug zu bemerken hat, wie wenig bloße wissenschaftliche Ausbildung den Menschen veredelt oder, selbst in demselben Fach, die Herzen einander näher bringt!

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Ja, sagt manche und mancher mit mehr Gutmütigkeit und Wohlwollen als Scharfsinn und Logik Begabte, das ist alles ganz schön und mag wahr sein; aber warum soll denn die Frau, die auch die Hälfte der Menschheit ausmacht, die ihre Hälfte an der Lebenslast trägt, nicht auch die gleichen Wahl- und anderen Rechte genießen; warum soll sie, die doch auch besitzt und verwaltet, nicht auch über Steuer entscheiden; warum soll sie, die doch vom Gesetz regiert wird, nicht auch bei der Gesetzgebung ihre Stimme abgeben? – Antwort: weil das ungerecht wäre. – Wieso? – Insofern als dann die Frau dem Schwesterchen gliche, das, nachdem es die Hälfte von Brüderchens Orange bekommen, noch die Hälfte der übrigen Hälfte verlangt; macht für sie drei Viertel, für den Bruder aber nur ein Viertel. – Jedem das Seine! – Wir haben oben gesehen, daß die Frau völlig eine Hälfte der Welt, des Lebens und der Menschheit als ihr fast unbestrittenes Gebiet beherrscht. Zu dieser, ihre Zeit und ihre Kräfte vollauf in Anspruch nehmenden Aufgabe auch noch die Hälfte von unsrer Thätigkeit ihr aufzubürden, wäre unweise und ungerecht.

Und da jetzt Frauen, was auch ihr gutes Recht, so viel von ihren »Frauenrechten« reden, wollen wir hier auch ein Wort von unsern »Männerrechten« sprechen. – Denn wir Männer schieben die Weltkugel! – Wir bauen im Schweiße unsres Angesichts die Erde und den von Gott verfluchten Acker, roden Wälder und trocknen Sümpfe aus, pflügen, säen und ernten Brot für Weib und Kind, kolonisieren Länder und haben weither den Weizen, die Kartoffel, das Welschkorn und den Reis herbeigeschafft, und holen unter Mühsalen den Thee, Kaffee und Kakao, die ihr Frauen trinkt, und auch die Baumwolle und die Seide, womit ihr euch kleidet. Und ist Brot und Kleid da, so sind wir es, die das Haus, die Wohnung bauen, bescheiden oder schön, Hütte und Villa, Dorf und Stadt, darin Frauen und Kinder wohnen; holen dazu aus dem Felsen die Quader, hauen dazu im Wald die Stämme. Wir erfinden und machen die Maschinen, womit die Stoffe gesponnen und gewoben werden, deren Frauen sich bedienen, und auch die Nähmaschinen, die Kochherde, die Waschapparate, die sie gebrauchen; wir holen mit Mühe und Gefahr aus der Tiefe Steinkohlen, mit denen geheizt und gekocht wird, die Metalle, ohne die jede Civilisation unmöglich, und die Diamanten und Edelsteine und aus dem haifischreichen Meere die Perlen, womit Frauen sich schmücken. Wir bauen Schiffe und entdecken mit tausend Gefahren und Schiffsbrüchen Indien, Amerika, Neu-Seeland und Australien, und erjagen in Sturm und Eis am Nord- und Südpol den Wal- und den Potfisch, fischen in allen Meeren, bei Island und Neufundland Millionen von Kabeljau und andern Fischen. Wir schüren Tag und Nacht die versengenden Hochöfen, gießen Erzstatuen und riesige Schiffsschrauben. Wir überbrücken reißende Ströme, durchbohren die Gebirge, bauen Straßen und Kanäle und Eisenbahnen und schöne und bequeme Riesendampfer mit prächtigen Damensalons. Wir spannen elektrische Kabel durch die Oceane und fahren in die Brandung und retten die Schiffbrüchigen. Und wie wir täglich unser Leben wagen auf dem Meere und auf dem Lande, so sind wir es, die unser Blut auf Schlachtfeldern vergießen, um das Vaterland und unsre Frauen und Kinder zu schützen, wie wir euch Frauen von Anfang der Welt an schon viele millionenmal gegen wilde Tiere und Räuberhorden, Gefahren zu Wasser und zu Lande, Feuer- und Wassersnot geschützt und geborgen haben!

Und deshalb ist es an uns zu beraten und zu beschließen, welche Eisenbahnen und Kriegsschiffe und Seehäfen wir bauen, welche Handelsverträge wir eingehen und welche Zollgesetze wir einführen, welche Kolonien wir anlegen und welche Länder wir erobern, welche Kriege wir führen und welchen Frieden wir schließen wollen; und auch, was unsre Söhne lernen und treiben sollen. Und weil wir es sind, die ganz vorwiegend unser und des Staates Vermögen und das Weltkapital erwerben und vermehren, weil, wie von 100 Frauen sich 99 mit den Titeln ihrer Männer schmücken, so euch von 100 wohlhabenden 90 ihr Vermögen der Arbeit des Vaters oder des Mannes verdanken, so ist es an uns zu bestimmen, welche und wie viele Steuern wir bezahlen wollen.

Wären wir Männer nicht, so säßet ihr Frauen, abgesehen von einigen kleinen Händeln, in Liebe und Eintracht immer noch wie die Tahiterinnen am Ufer, pflücktet Früchte und schmücktet euch anmutig mit Blumen und Muscheln, herztet zahme Papageien und Katzen, denn Kinder hättet ihr ja nicht, und sänget fröhliche und sehnsüchtige Weisen; aber die Welt hättet ihr nicht weiter gebracht! – Wollt ihr die gleichen Rechte wie wir, so leistet auch dasselbe. – Erst wenn ihr allein und nach eignen Plänen und Berechnungen und mit selbsterfundenen Maschinen den Granitgebirgsstock des Simplon durchbohrt, oder den Panamakanal ausgrabt, oder wie einst die Venetianer mitten in Meeressümpfen euch auf gewaltigem Pfahlwerk eine prächtige Stadt baut, dann Arsenäle und Kriegsschiffe, euch Jahrhunderte hindurch gegen viel mächtigere Feinde behauptet, eigne Kunst und eigne Architektur, starke Gesetze und große Politik macht und durch Welthandel euch unermeßliche Reichtümer sammelt und Welteinfluß erlangt, werden wir an die Gleichheit der Geschlechter glauben.

Und wie wir euch seit Jahrtausenden Wohnung und Kleidung und das materielle Brot beschafft, wie es auch unsre verdammte Pflicht und Schuldigkeit ist, so geben wir euch auch das geistige Brot. Ihr lebt von unsern Ideen, von unsern Entdeckungen und Erfindungen, von unsern Klassikern und Dichtern, vom Wort unsrer Propheten, Evangelisten und Apostel, und der Gottesmänner, die Gott sein Wort schreiben ließ, und wie leiblich, so bliebet ihr auch geistig ohne uns unfruchtbar, steril. Wir suchen und finden, erforschen und verstehen das Gesetz und die Gesetze, in der Natur und in der Kunst, in der Wissenschaft und im Staat und in der Religion, erfinden Künste und Wissenschaften, und gründen Staaten, Kirchen und Religionen, und deshalb ist es an uns, in Kunst und Wissenschaft, in Staat und Kirche das Gesetz aufzustellen, auszusprechen und durchzuführen. An uns ist es, die Welt zu regieren; begnügt euch mit eurem schönen Reich und eurem Einfluß auf uns und seid Königinnen der Familie, Gattinnen und Mütter, Schwestern und Töchter, Erzeugerinnen und Erzieherinnen der Menschheit in ihren Anfängen, Versorgerinnen und Pflegerinnen derselben in ihrem reifen Alter, ihre Trösterinnen im Leid; treue Gehilfinnen, uns entsprechend.

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Es ist eine Täuschung zu glauben, daß der Mensch nur dann glücklich und selbständig ist, wenn er die Gesetze machen hilft und seine Begriffe von Recht und Unrecht zur Geltung bringt, und ebenso, daß alle Bürger dabei helfen. In allen Ländern der Welt ist es eine oft schwache Majorität, welche die Gesetze macht, und die oft starke Minorität muß sich darein finden, stirbt aber nicht daran; oft hat auch in der Geschichte eine kleine, aber kräftige Minorität lange über die Majorität regiert. So wurde noch selten im Reichstag ein Gesetz beschlossen, von dem nicht verschiedene Mitglieder in pathetischen Reden und im Namen ihrer Wähler erklärten, sie seien dadurch an ihren teuersten Interessen geschädigt; aber weder diese Herren noch ihre Wähler fühlen sich dabei so unglücklich, daß sie sofort auszuwandern beschlössen. Bekäme die Frau auch das Wahl- und andre politische Rechte, so müßte sich also jede oft gefallen lassen von andern »gesetzlich tyrannisiert« zu werden.

Wie viele deutsche Bürger gibt es, die sich niemals an der Gesetzgebung beteiligen, noch von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen und meinen deshalb nicht, sie seien »unterdrückte, depossedierte« Menschen, sondern treiben flott ihr Geschäft und haben ein gehöriges Selbstbewußtsein. Und sieht man nicht in jedem Lande Tausende von Ausländern, die ungezwungen und gern dort verweilen und zum Gedeihen und materiellen und intellektuellen Wohlstand des Landes beitragen, obgleich das Gesetz sie vom Wahlrecht, von jeder Beteiligung an der Gesetzgebung und von öffentlichen Ämtern ausschließt, sie also gerade so »rechtlos« wie die Frauen sind?

Denn Gesetze greifen nicht so tief in das Privatleben ein, als mancher glaubt. Daß ein absolutes Unrecht sich nicht als Gesetz erhalten läßt, dafür sorgt die göttliche Vorsehung. Die großen Rechtsprinzipien sind unwandelbar, und noch nie wurde von einer Gesetzgebung Mord, Diebstahl, falsches Zeugnis, Ehebruch noch Unsittlichkeit befohlen oder belohnt. Zu allen Zeiten und bei allen Völkern aber konnte der Mensch unter den verschiedensten Gesetzen sich glücklich oder unglücklich, frei oder unfrei fühlen und ebenso arm oder reich, träge oder fleißig, fromm oder gottlos sein und seinem Geschäft und seinen Privatliebhabereien nachgehen; und es ist ein naiver Glaube, daß einige abgeänderte Paragraphen am bürgerlichen Gesetzbuch die Stellung der deutschen Frau wesentlich ändern und sie glücklicher machen würden.

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Auch gar zu leicht dürfte sich die Feministin dieses Mitregieren vorstellen. Unser parlamentarisches Leben ist kein Kinderspiel. Da handelt es sich nicht darum, im Kreise von Genossen und Genossinnen immer wieder mit Überzeugung und Wärme hübsche Vorträge über Frauenrechte und Männerunrecht vorzutragen. Sondern ist die Frauenfrage einmal erledigt und ad acta gelegt, so muß die verehrte Mitgliedin sich auf langwierige, geisttötende, scheinbar unwichtige Debatten mit eisernem Fleiß durch Berge von Zahlen und endlose Reihen trockener statistischer und andrer Data hindurcharbeiten, um daraufhin stunden- und tagelang ebenso langweilige Reden anzuhören oder selber zu halten, über Alkohol- oder Tabaksmonopol, über Bau der Zuckerrüben, über Handelsverträge und Feststellung der Zolltarife für Hunderte von verschiedenen Waren, oder über die Frage, ob Margarine oder Butter; endlich über das Budget des Staates, der Beamten, der Panzerschiffe und des Hafers für die Kavallerie! u. s. w. u. s. w. Und will sie einmal ihrem vollen Herzen Luft machen und prächtige Vorschläge zur Weltverbesserung und Beseitigung aller Not und alles Elends anbringen, so wird sie mit ironischem Lächeln begrüßt, von gewandten Rednern mit unerwarteten Einwänden widerlegt und von politischen Gegnern mit persönlichen Bemerkungen, mit schonungslosem Spott, mit beißendem Hohn überschüttet, oder mit einem schlechten Witz zur Zielscheibe »großer Heiterkeit« gemacht! – Und hier, wo selbst Männer wie ein Disraeli, ein Cavour oder ein Bismarck die Geduld und fast die Fassung verloren, wollt ihr Frauen sie euch bewahren?!

Darum laßt euch nicht bethören noch verhetzen! Wir gehen nicht darauf aus, euch in unwürdiger Knechtschaft zu erhalten – haben es gottlob nicht nötig und fürchten weder eure Herrschaft, noch eure Konkurrenz – sondern auch wir suchen das wahre Wohl unsrer verehrten Mütter, unsrer treuen Weiber und unsrer lieben Töchterlein. Und eben deshalb rufen wir euch zu: Verkauft nicht euer Geburtsrecht um ein Linsengericht! – Was wollt ihr mit Wahl und andern Rechten viel anfangen? Was hättet ihr davon, daß ihr einigemal im Jahre für einen Mann oder eine Frau, die ihr kaum oder gar nicht kennt, eure Stimme abgeben dürft? Oder daß, wenn selbst gewählt, ihr auf dem Rathaus nachmittagelang über Stadtbauplan, Dohlenanlagen und Abzugskanäle, Trottoirbreite und Hausabstand, elektrische Straßenbahn und Beleuchtung mitreden und mitstreiten dürft?

Dazu würden bei Einführung des Frauenwahlrechts gerade diejenigen weiblichen Elemente, die am wenigsten dazu geeignet und befähigt sind, sich dessen bedienen, während die besseren und einsichtigeren Frauen es wie bisher ihren Männern, Vätern und Brüdern überließen, ihre politische Meinung zu beleuchten und zu vertreten. Eine traurige Bestätigung unsrer Ansicht finden wir in folgender Notiz der Deutschen Reichspost (28. Februar 1895): »Nur kurz hat die nun polizeilich geschlossene Frauenagitationskommission gewirkt. Ihr Organ ›Die Gleichheit‹ war wohl das im rohesten Ton geschriebene Blatt Deutschlands (!). Diese kurze Zeit hat genügt um festzustellen, wie entsittlichend und verrohend es wirkt, wenn Frauen oder ›verspätete Mädchen‹ als politische Agenten auftreten; wenn sie mit der ihnen eignen Leidenschaftlichkeit und Heftigkeit öffentliche Reden halten und in ihren Frauenversammlungen, die aber hauptsächlich von zweifelhaften Männern besucht sind, die Würde des Weibes bloßstellen.«

Nicht dadurch, daß sie für Frauenrechte eintraten und öffentliche Vorträge hielten, oder um das Wahl- und Bürgerrecht sich bewarben, haben die Frauen der Germanen und Kelten, die der Perser, Spartas und der römischen Republik einen so weltgeschichtlichen und heilsamen Einfluß ausgeübt; – wollte Gott, daß die heutigen Frauen es ihnen gleich thäten! – nicht durch forsches Auftreten, Emanzipieren und Männerspielenwollen haben sie den damaligen Männern imponiert und sich bleibenden Ruhm erworben. Und was haben nicht, um Beispiele aus neuer und neuster Zeit herauszugreifen, eine Katharina Luther und eine Fürstin Bismarck eben dadurch geleistet, daß sie anstatt neben ihren Männern eine öffentliche, religiöse oder politische Rolle spielen zu wollen, es sich zur Lebensaufgabe machten, denselben innerhalb der Frauensphäre treu beizustehen und sie für den Weltkampf mit aufopfernder Liebe, mit innigem Verständnis zu stärken.

Sobald dagegen die Frauen in Athen, im kaiserlichen Rom und in Konstantinopel, wie jetzt vielfach in Paris und sonstwo, in die Arena niedersteigen und mit Männern um Kunst und Wissenschaft, Socialfragen, Politik und Religion rangen, so wankten stets die heiligen Grundfesten der Ehe und der Familie. Wenn das Weib an die Öffentlichkeit tritt, so leidet bald das Beste und Schönste an ihr not. Bald gehen Weiblichkeit und Lieblichkeit, Zartgefühl und Schamhaftigkeit, diese edlen, heute zu wenig geschätzten Gaben, der so feine Sinn für Anstand und gute Sitte, leider auch zu oft die Sittlichkeit in die Brüche. Das Weib wird mit Welt und Leben und auch mit dem eignen Geschlecht und mit sich selbst unzufrieden, merkt bald, daß sie sich nicht zu etwas anderm machen kann, als was sie eben ist, und daß ihre Kraft und ihre Anlagen nicht zu den neuen Aufgaben genügen; kurz, daß sie durch Emanzipation mehr verloren als gewonnen hat, und verfällt dem bald sentimentalen, bald verbitterten Weltschmerz, diesem sicheren Kennzeichen einer verfehlten Existenz.

Solche Frauen wollen andern die Pflicht predigen und verletzen ihre Pflichten; sie wollen sich für die Menschheit aufopfern und können den eignen Willen nicht opfern; wollen die Welt verbessern und können ihren Haushalt nicht führen; wollen für die Wahrheit leben und glauben und verbreiten jede Lüge, wenn sie ihnen nur sympathisch ist; wollen jedem Unrecht steuern und wissen nicht, was Recht und Gesetz ist; sie philosophieren über Gott und die Welt und kennen nicht die einfachsten Gesetze der Schöpfung; sie schwärmen für Humanität und machen Mann und Kinder unglücklich, wenn sie nicht geschieden sind. Sie hängen sich an jeden neuen Apostel einer neuen Religion oder einer neuen Humanität, und … verkommen. Denn kann der Mann auch zur Not sans Dieu ni maître noch existieren, so treibt bald die atheistische Frau als gesellschaftliches Wrack umher. Das beweisen bekannte und immer zahlreichere Beispiele aus der neuen und neusten Zeit, und aus verschiedenen Ländern Europas. So schreibt ein Statistiker die Zunahme der schon achtunddreißig Prozent von allen betragenden Frauenselbstmorde in England, gegenüber von nur achtzehn Prozent in der deutschen Schweiz, unumwunden der englischen Frauenemanzipation zu.

Wolltet ihr Frauen in die Arena des Kampfes und des Parteihaders, der politischen Wahl und des wissenschaftlichen Streites herabsteigen, ach! bald würdet ihr, wenn die erste Begeisterung und der Reiz der Neuheit vorbei wären und die erste Höflichkeit abgestreift, im schweren, rücksichtslosen, erbitterten Kampf unter den eisenbeschlagenen Absätzen der Männer zertreten werden. – Denn wir sind stärker und härter als ihr. – Dann kehrtet ihr gern heim; aber mit zerfetztem und besudeltem Gewand, mit Beulen und Wunden, hättet eure Würde, euer Glück und euren Seelenfrieden, ja oft eure Unschuld und euren Gott verloren und verspielt, – und um was?! Was wird euch dafür geboten? Etwas Lärm und Staub, das Klatschen der Menge und ihr Wutgeheul; denn sie ist eine Bestie, die morgen die Hand zerfleischt, die sie heute beleckt, und die sich ebenso köstlich einst über eure Thränen und Todesangst amüsieren würde, wie jetzt über eure gefühlvollen Vorträge. – Leset, wenn ihr es nicht glaubt, die Geschichte der Revolutionen, so der französischen und der Kommune. Denn der Himmel hängt voll schwarzer Wolken, und es wetterleuchtet schon am Horizont. – Glaubt ihr wirklich, Manns genug zu sein, das heraufziehende sociale Gewitter im Freien zu bestehen?

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Daß, wenn die Frauen in einzelnen Ländern das Wahlrecht erringen, wir einige Jahre lang fast nur Lobreden auf die Vorzüge dieses Systems zu hören bekommen, steht zu erwarten. Aber … die Zeit wird's lehren!

Denken wir uns ein von Frauen dem Wahlrecht und ihrer größeren Zahl gemäß thatsächlich beherrschtes Staatchen, wie Anfänge desselben in Maryland, Australien und Neuseeland, also beiläufig bemerkt, in den geistig unbedeutendsten Ländern der Welt schon auftauchen. Ein solches dürfte sich allerdings anfangs durch die Korrektheit und das feine und modische Benehmen seiner Bürger, die Reinlichkeit und Sauberkeit seiner Straßen und Häuser und auch durch äußerliche Zucht und Anstand, Sittenpolizei, Wirtshauslosigkeit und Rauchverbot und auch, wir geben es gern zu, durch gut organisierte Wohlthätigkeit und fleißige Beseitigung des Elendes vorteilhaft vor manchem von Männern gegründeten Weltreich auszeichnen. Keine öffentliche Trunk- noch Unzucht, keine Grausamkeit gegen Tiere, keine Roheit, noch Flüche, noch Raufereien, absolute Nachtstille, nur hier und da von Säuglingsgeschrei unterbrochen; dabei absolute Höflichkeit gegen Damen. – Das hört sich recht nett an. – Denken wir uns die Sache noch etwas amerikanisiert, und wie an den Straßenecken weibliche Polizeibeamten, ledig und von gesetztem Alter und gestrengen Zügen, weißbehandschuht wie der englische Policeman, gebieterisch Ruhe winken, und nach acht Uhr abends unnachsichtig jeden noch auf der Straße sich zeigenden, ohne einen von der Gattin visierten Ausgangsschein getroffenen Mann verhaften und bei den andern auf sorgfältiges Schuhabputzen vor der Hausthüre sehen; stellt man sich dazu vor, wie Frauenzensur dafür sorgt, daß »diese Männer« nur passende und unschuldige Lektüre genießen, und wie in schönen Reunionen in der Stadtladyhalle eben diesen glattrasierten und in tadelloser Wäsche vor Rosenthee oder verdünntem Himbeersaft sitzenden Vätern, Gatten, Brüdern von ihren akademisch gebildeten Frauen und Fräulein Töchtern allerlei ästhetische und moralische Vorträge, wohl geeignet, ihre rauhe Denkart zu mildern, gehalten werden, so sind das Ideale, immerhin dazu angethan, manche einseitige Philanthropin und manchen edelgesinnten, aber etwas schwachsinnigen Jüngling zu berücken.

Wir wollen und können hier nicht untersuchen, inwiefern diejenigen recht oder unrecht haben, die zum Teil nach längerem Aufenthalt unter und Vertrautsein mit ähnlichen Verhältnissen, sagen, daß dieser ganzen, auf polizeilichen Verordnungen aufgebauten Moral und äußerlichen Sittlichkeit so gut wie kein reeller Wert zukomme. Sie behaupten vielmehr, daß bei allem Rufen: we live in a free country, die Tyrannei der Menge unerträglich sei; daß dagegen Gesetze mit einer Schlauheit oder Frechheit umgangen werden, die nicht Tadel, sondern geradezu Bewunderung erntet; daß in den Temperenzstaaten Amerikas der Verbrauch nicht nur des Alkohols, sondern auch des Opiums – ist von 1879 auf 1880 um siebzehntausend Pfund gestiegen, – des Morphiums, des Cocains und selbst des Haschisch auch seitens der Frauen stetig zunimmt; daß nirgends in der Welt, obgleich die Gesetze dagegen sehr streng lauten, so viel und so hoch gespielt wird als z. B. in New York; daß anstatt der, übrigens dennoch und mit Mitwirkung der bestochenen Polizei existierenden öffentlichen Unzucht eine Kälte und Gleichgültigkeit in der Ehe, und von seiten der Frauen ein leichtfertiges und schamloses Sichscheidenlassen, um einen andern zu heiraten, einreiße, wovon sie verblüffende Beispiele erzählen. Sie sagen, daß bei zunehmender Sentimentalität gegen die Tiere kalte Herzlosigkeit gegen die Menschen und gesellschaftlicher Hochmut und Geldprotzentum sich einstellt; daß anstatt der äußeren Roheit eine innere, anstatt der Derbheit ein neidisches, kleinliches Intrigue-, Kotterie-, Clique- und Sektenwesen aufkommt, daß anstatt der Flüche sich leeres, totes Formenwesen in der Religion breitmacht, und daß, wie ein in New York seit Jahren ansässiger Deutscher in einer deutschen Zeitung schrieb: Die Losung des gesamten amerikanischen Wirtschaftslebens heißt: »Ausbeutung!« und die der Politik und Verwaltung: »Bestechung!« – kurz, daß unter dieser glatten und gefirnißten Oberfläche die alte Schlechtigkeit kräftig und nur mit fast unglaublicher und doch niemand täuschender Heuchelei übertüncht fortwuchert.

Das Bild mag grau in grau gemalt sein und gewiß sind auch diese traurigen Auswüchse nicht alle und nicht ausschließlich auf Rechnung des Feminismus zu setzen; soviel aber steht fest: wenn die Frauenemanzipation, wie sie in Amerika sich breit macht, solche Zustände vielleicht auch nicht geschaffen hat, so verhindert sie sie jedenfalls nicht; und das ist Antwort genug auf die Behauptung des Feministen, daß sie uns bessere Zeiten und herrliche Volkszustände bringen werde. – So schreibt ein aufgeklärter Korrespondent aus Neuseeland, wo, wie oben bemerkt, Frauen das Wahlrecht erlangt haben: »Das System funktioniert ganz gut. Die Befürchtung, daß die weiblichen Wähler sich von der Geistlichkeit leiten lassen würden, hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil treten sie mit Nachdruck für die freie, weltliche (d. h. religionslose) Schule ein.« Ebenso in Australien, wo in manchen Staaten auch Frauen wahlfähig sind. Grundsatz ist dort: »keine Bibel noch Religionsunterricht mehr in der Schule!« – Aber die Folgen dieser Erziehung werden durch die Thatsache furchtbar illustriert, daß die Statistik aus Melbourne und Victoria für die letzten zehn Jahre und bei einer Bevölkerungszunahme von 32 Prozent eine solche der Verbrechen um 64,6 Prozent und bei jungen Leuten unter zwanzig Jahren sogar um 88,6 Prozent zeigt!

Nicht roh sein und nicht grausam, nicht derb noch ungezogen, nicht trinken und nicht rauchen, nicht schreien und nicht fluchen, und nie ungewaschen, noch ungekämmt erscheinen; alle diese negativen Tugenden, die jede Wachspuppe in hohem Grade besitzt, alle diese sterilen Verbote wiegen nicht ein positives, fruchtbares Gebot auf. – Das Gebot aber, sagt die Kabbala, ist männlich; das Verbot weiblich. – So schreibt in der Revue des deux mondes 1896 Leroy Baulieu, ein Kenner der australischen Verhältnisse über den Einfluß der dortigen, wahlfähigen Frauen: »Es zeigen sich dabei die Gefahren der grandmotherly legislation, wie man sie treffend nennt, wobei Frauen nach denselben Grundsätzen regieren wollen, nach denen man kleine Kinder aufzieht, und eine Politik des Hüten-, Behüten- und Verhütenwollens gern einführten, die jede Energie, Thatkraft und den Unternehmungsgeist lähmte.«

Glaubt man denn, daß Luther und Bismarck unter Frauenregiment die Reformation oder das deutsche Reich hätten durchführen können?

Die Bibel und Christus bieten uns eine ungleich großartigere Weltanschauung; nicht möglichste Verdeckung und ängstliche Vertuschung des Bösen wollen sie, vielmehr eine immer klarere Offenbarung der Prinzipien, in denen jeder Mensch lebt und webt. Christus spricht: »Ach, daß du kalt oder warm wärest!« und die Bibel schließt mit dem Wort: »Wer böse ist, der sei immerhin böse (oder noch böser) und wer unrein ist, der sei immerhin unrein (oder noch unreiner); aber wer fromm ist, der sei immerhin fromm, und wer heilig ist, der sei immerhin heilig!« – Das Weib aber, ihrer ganzen Natur nach, scheut vor dieser klaren, rücksichtslosen Offenbarung der Prinzipien in der Praxis zurück, so streng sie auch in Worten sein mag. Daß die Welt nicht mit Gefühl und Wohlwollen, sondern durch Strenge und Gerechtigkeit, nicht durch schöne Einfälle und Stimmungen, sondern nach unerbittlichen Prinzipien regiert wird, nach Gesetzen, vor denen alle individuellen Rücksichten aufhören, selbst wenn unter deren Handhabung auch Unschuldige mitzuleiden haben, sind Gesichtspunkte, die man keiner Frau zu verfechten und noch weniger durchzuführen zumuten kann. – Und eben deshalb würde obiges Frauenstaatchen zwar anfangs ganz hübsch funktionieren, bald aber an Lebensunfähigkeit kränkeln und ohne große leitende Prinzipien noch fruchtbare und kühne Ideen, ohne bahnbrechende Initiative, ohne Fühlung mit dem pulsierenden Leben der Völker und der Welt, von kleinlichen Streitigkeiten und Eifersüchteleien unterwühlt, solche Zustände herbeiführen, daß selbst ein Weltkrieg mit allen seinen Schrecken ihnen vorzuziehen wäre.

Wie aber die Bibel über einen solchen Staat denkt, zeigt die Klage des Propheten: »Mein Volk, Knaben bedrücken es und Weiber herrschen über dasselbe!« (Jes. 3, 12.)

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Was wird uns der Feminismus bringen? – Nach dem bisher Gesagten kann wohl jeder es mehr oder weniger sich vorstellen. – Wir verkennen nicht, daß die Perspektive einer friedlichen, einträchtig und eifrig an denselben Aufgaben arbeitenden Menschheit von gleichartigen und gleichgestellten Männern und Frauen etwas Verlockendes hat. Aber dieser Eindruck hält bei näherer Prüfung nicht stand, weil er, wie wir gesehen, nicht auf wahren Voraussetzungen beruht. – Wenn ein Gärtner durch künstliche Zucht die unscheinbaren Staubfäden zu Blumenblättern entwickelt, so bildet sich eine gefüllte Blume, die manchem durch das Ebenmaß und die Gleichförmigkeit ihres Baues imponiert; aber … sie hat allen Duft verloren und, was noch schlimmer, sie ist unfruchtbar geworden.

Solche von der Bibel, von der Weltgeschichte und von der Natur verurteilten Prinzipien können unmöglich wie ihre Anhänger behaupten, uns eine Ära des Fortschritts, des Glückes und der Wissenschaft bringen. Ein fauler Baum kann nicht gute Früchte tragen. Es muß jedem ruhig und ernst denkenden Christen klar werden, daß, wie oben gesagt, die Verachtung des Mannes und der Ehe, die Geringschätzung und Ignorierung des Kindes, der Widerwillen gegen Maternität und Hauspflichten und ebenso gegen Bibel und Christentum, die jetzt schon die weibliche Emanzipation kennzeichnen, nimmermehr zu einem ersprießlichen und gedeihlichen Leben der Menschheit führen können.

So in der Wissenschaft. So sehr wir auch oben betont haben, daß ein Sichinteressieren der Frau für alle interessanten Fragen für sie und für uns ersprießlich, so würde ihr aktives Mitthun doch hier Verwässerung und Seichtigkeit bedeuten und eine ebenso große Schwächung derselben, wie die der deutschen Wehrkraft, wenn die Hälfte der Mannschaft, der Offiziere und des Generalstabs aus Frauen bestände. So hat die Universität Oxford Frauen den Zutritt zu akademischen Graden und das damit verbundene Stimmrecht unter der richtigen Voraussicht verweigert, daß sie alsbald für die Abschaffung des Griechischen und allgemeine Erleichterung und folglich Verschlechterung der Studien stimmen würden. – Den Vorschlag, eine Frauenuniversität mit denselben Würden, Rechten und Graden zu gründen, haben diese Frauen abgelehnt. Scheinen auf wissenschaftlichem Boden sich noch nicht ganz fest zu fühlen. – Kein Mann der Wissenschaft wird wünschen, daß das weibliche Element auf unsern Universitäten überhand nehme oder gar, wie bald in Amerika der Fall, wo schon manche Jünglinge ihre gesamte Bildung Lehrerinnen verdanken, im Kolleg und auf dem Katheder die Oberhand gewinne. Diese Konkurrenz würde einerseits die Jünglinge immer mehr in die realistischen Fächer und mehr materiellen Berufe drängen, andrerseits das Niveau und den Geist der Studien unabweisbar mit der Zeit so herabdrücken, daß Gelehrte wie Liebig, Dubois-Reymond, Helmholtz u. a. undenkbar würden; und um den Ruhm der deutschen Wissenschaft wäre es geschehen.

Ebensowenig kann der Einsichtige bezweifeln, daß die politische Gleichstellung der Frau und ihre thätige Teilnahme am Staatsleben, auch abgesehen von ihrer oben besprochenen Unfähigkeit Gesetze zu machen und durchzuführen, uns eine unersprießliche Zuspitzung der schon so unangenehmen Gegensätze ins Persönliche, eine Vermehrung der schon zu großen Redelust, eine Verstärkung der schon vorhandenen Unsicherheit und Prinzipienlosigkeit bringen würde. Daß die Frau dabei stets parteilich bliebe, wird sie wohl selber zugeben, und wir nehmen es ihr nicht besonders übel. Die Frau, deren Brüder im Kolonialdienst stehen, wird stets für Vermehrung der Kolonialsubsidien stimmen; die, deren Bräutigam Lieutenant ist, ohne weiteres für rasches Avancement, und die Mutter, deren Sohn in der Marine dient, unbedingt gegen jeden Seekrieg, und dabei werden sie hitzig bestreiten, daß sie sich durch irgend welche persönliche Motive haben beeinflussen lassen.

Was die Früchte des durchgeführten Feminismus in der Religion wären, läßt sich schon hinreichend an feministischen Denominationen in England und Amerika, der französischen Schweiz und sonstwo sehen. Einerseits großer, unruhiger, agressiver und unverständiger Eifer, andrerseits Wortschwall, Ignoranz, Mangel an Konsequenz und Tiefe in der Lehre, Überhandnahme des bloßen Gefühlslebens und des Impressionismus, Überschätzung des eignen Werkes und des Äußerlichen an der Religion, Zunahme einer sensationellen und oft kindischen »erbaulichen« Litteratur. – Paulus und der Heilige Geist wußten, was sie thaten, als sie dem Weib befahlen, in der Gemeinde zu schweigen und in der Unterwerfung und Stille zu lernen; das ist für die Kirche und für die Frau besser.

Auf dem Markte des Lebens endlich kann die Zulassung und Zuziehung der Frau zu allen Formen des Kampfes ums Dasein nur eine verschärfte Konkurrenz, eine vergrößerte Arbeitslosigkeit, eine gesteigerte Überproduktion leiblicher und seelischer Fabrikartikel und eine Vermehrung von halbgebildeten, unzufriedenen und verkommenen Existenzen zur Folge haben. Der heutige, an Allseitigkeit leidende und in Widersprüchen sich bewegende Mensch klagt über Übervölkerung und drängt sich immer mehr in den Weltstädten zusammen; er jammert über Überproduktion und kann nicht genug Fabriken bauen und die Fortschritte der Industrie preisen; über Zuchtlosigkeit der Kinder und schafft mit humaner Entrüstung eine kräftige Strafe nach der andern ab; über Überarbeitung der Jugend und fordert täglich die Einführung neuer Fächer; über Zunahme der Nervosität und erschöpft sich in nervenreizender Litteratur, Genüssen und Anpreisungen. So befürworten eben diejenigen, die nicht schwarz genug die zunehmende Arbeitslosigkeit und die furchtbare Konkurrenz schildern können, eine allgemeine Ausbildung der Frau zu allen Berufen. – Dagegen sagte neulich die edle deutsche Kaiserin (s. den Reichsbotenbericht über den Frauenkongreß in Berlin): »Ich bin gegen Frauenthätigkeit in Männerberufen. Läge es an mir, ich würde eine Frau weder in der Fabrik, noch auf einem Bureau dulden. Es ist gewiß schön, der Frau materielle Unabhängigkeit zu verschaffen, schöner aber fände ich es, sorgten wir in erster Linie dafür, dem Mann mit jüngeren Jahren, als es heutzutage der Fall ist, Unabhängigkeit zu sichern, damit er früher eine Ehe eingehen kann!«

Für viele ist auch in der Frauenfrage die Existenzfrage die Hauptfrage. Der Christ aber weiß, daß nicht er selber sich verhalten kann noch muß, sondern daß Gott noch besser für ihn sorgen wird als wir, die wir böse sind für unsre Kinder. Wer die leibliche Existenzfrage zur Hauptfrage macht, geht geistig zu Grunde. Deshalb glaubt der Christ auch, daß das sicherste Mittel für die Frau und alle Frauen, ihre Existenz zu sichern, ist da zu bleiben, wo Gott sie hinsetzt, das zu thun, was Er ihr als Aufgabe vorsetzt, und täglich die vierte Bitte zu beten.

Sieht man sich ferner die Natur und ihre Gesetze an, so erkennt man, wie falsch der Schluß, daß wenn die Frau als die eine Hälfte der Menschheit überall aktiv mitthut, wir alsbald auch auf geistigem Gebiet doppelt so viele Früchte einernten dürfen. Es verhält sich damit, wie mit dem thörichten Versuch, durch Sonntagsarbeit ein Siebtel mehr zu verdienen, oder die gesamte Menschheit wissenschaftlich auszubilden, also den ganzen Körper zur Hirnmasse umzugestalten. Will die Frau auch auf den Gebieten der Männer überall aktiv mitwirken und geistig produzieren, so sind wir bald überschafft, überreizt, entnervt, erschöpft; und wie erst unsre Kinder! Denn die geistige Überproduktion rächt sich noch weit schwerer als die materielle. – Wollen wir ein starkes Geschlecht erzeugen, kräftige Männer und gesunde Frauen, so ist es erste Bedingung, daß wir unsre Frauen von viel konventioneller und gesellschaftlicher Überlastung befreien, ihnen wie den Blumen ein sonniges, luftfreies und möglichst sorgenloses Leben verschaffen; ihnen möglichst viel am aufreibenden Kampf ums Dasein abnehmen; also das gerade Gegenteil dessen thun, was die Emanzipation anstrebt. Man sehe sich im Süden, etwa in Arles und in der Provence, die herrlichen Frauen an, so gesund an Leib und Seele, mit Blicken, die oft förmlich leuchten vor Lebenskraft und Lebensmut; dabei klar, verständig, wahre Stützen ihrer Männer, obgleich viele derselben weder lesen noch schreiben können. – Das gibt rechte Mütter! – Freilich klagen darüber Feministinnen: »in Portugal, Spanien, Italien, Griechenland gebe es noch keine Frauenbewegung!« – Ach ja! Wie traurig, daß diese Frauen immer noch nicht mit ihrem Los unzufrieden werden wollen, sondern mit Mann und Kind und Nachbarin lachen und scherzen, und an ihrer sonnigen Armut leichter tragen, als so viele Frauen des Nordens an ihrer Bildung und an ihrem Salon!

Von der emanzipierten und gelehrten (?) Amerikanerin dagegen sagen manche amerikanischen Ärzte und Geistlichen wie Dr. S. Weir Mitchell (Deutsche Zeitschrift für ausländisches Unterrichtswesen, Okt. 1895): »Heutzutage ist die amerikanische Frau, offen gesagt, untauglich für ihre Pflichten als Frau und Mutter; sie ist dem nicht gewachsen, was die Natur in dieser Hinsicht von ihr fordert, und ist vielleicht unter allen civilisierten Frauen die am wenigsten geeignete, noch schwerere, schon den Mann nervös so belastende Aufgaben, nach denen sie so sehr strebt, zu übernehmen.« – Eine durchgeführte Frauenemanzipation würde zuerst die Frauen, und dann unser Geschlecht leiblich und geistig schwächen.

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Es wäre nun nicht schwer, von der Realisation der feministischen Ideen eine plastische Darstellung hier zu bringen, und wie der Mann der Zukunft abends seine Kindlein ins Bett bringt und dann bei der Wiege wehmütig Strümpfe stopft, in banger Erwartung der Frau, die noch in einer stürmischen Sitzung weilt u. s. w. Denn manche Emanzipierte stellen sich die Sache so vor, wie jene Waschfrau, die am Anfang der französischen Revolution höhnisch einer Marquise zurief: »So, Madame, jetzt werden wir alle gleich sein; Sie werden den ganzen Tag waschen, und ich werde Karosse fahren!« Sie wären bereit den gentleman und den Professor, den Redner und den Philosophen, den Doktor und den Künstler zu spielen, nicht aber im Bergwerk und in Steinbrüchen, als Matrosen und beim Abladen von Schiffen, am Hochofen und als Heizer auf Dampfschiffen und bei der Dohlenreinigung sich zu beteiligen, sondern berufen sich dann beleidigt auf die Schonung und die Rücksichten, die wir dem schwächeren Geschlecht schulden; sie wollen das ihnen Angenehme an sich reißen und sich von allen Verpflichtungen und Leistungen, die ihnen nicht gefallen, befreien; beanspruchen alle Rechte der Männer, wollen aber dabei diejenigen behalten, die ihnen ihre Stellung als » ladies« einbringt, und nennen das mit weiblicher Logik »ihre Frauenrechte«.

Als Anhängsel und natürliche Folge wird der Feminismus uns noch den Infantismus bringen, der in Amerika schon auftaucht, wo Vereine von Knaben und Mädchen eine politische und religiöse Rolle spielen wollen (siehe darüber die Klagen der lutherischen Synode in Missouri, 1895). Für diese junge Generation sind Vater und Mutter über vierzig Jahre überzählige Menschen, die man noch duldet, aber deren Ansichten wertlos sind; überwundene Standpunkte! Der Jugend gehören Gegenwart und Zukunft! – Dann wird die emanzipierte Frau vom noch emanzipierteren Kinde beherrscht; denn wenn die Mutter dem Vater nicht mehr gehorcht, wird das Kind der Mutter nicht mehr folgen. Auch in dieser Bevorzugung der Jugend zeigt sich Amerika als unreif und unfertig. Das reifste Volk der Welt, das jüdische, mit viertausendjähriger Geschichte, mit der strengsten und fertigsten Religion, mit dem stärksten und unerbittlichsten Gesetz bildet dazu einen absoluten Gegensatz und bei diesem lag die Autorität in Kirche und Staat, das Richteramt und das Ansehen bei den Ältesten, und daß dies gut war, zeigt unter andern die Geschichte Rehabeams. Das Wort Gottes, das so energisch die Achtung vor dem Alter von der Jugend fordert, spricht: »Bei Greisen ist Weisheit, und Einsicht bei hohem Alter« (Hiob 12, 12). Es faßt stets dieses Herrschen der Jugend wie dasjenige der Frau als ein schweres Unglück für ein Land auf. »Ich will ihnen, droht Jehovah, Jünglinge zu Fürsten geben und Knaben sollen über sie herrschen, und der Knabe wird Gewalt üben über den Greis« (Jes. 3, 4 u. 5).

Aber Feminismus und Infantismus wie Darwinismus und Socialismus und einige andre Kinder des Modernismus werden vorübergehen und verschwinden wie alle unsre Systeme und Theorien, flüchtige Wellen auf dem immer von den »Winden der Lehre« bewegten Meere der Menschheit. Das sind Moden, die schon dagewesen sind, denn es gibt nichts Neues unter der Sonne. – Wir arme unwissende, eitle Sünder glauben immer fest an unsre eigne Weisheit und sind stets überzeugt, daß unter den vergangenen Jahrhunderten keines dem unsrigen gleich kam, und daß wir die einzig wahre und ersprießliche Lebensweisheit ausgefunden haben. Und weil wir veränderlich, schwankend, unbeständig sind, bilden wir uns ein, daß Zeiten und Gesetze sich ändern, und daß wir für eine neue Epoche einen neuen Zustand der Dinge erfinden müssen und können. Eitle Einbildungen!

Der Mensch vermag nichts gegen göttliche Naturgesetze. – »Gehe hin in dieser deiner Kraft,« spricht Gott wie zu Gideon, zu jeglichem Geschöpf, und vergeblich versucht es seiner geistigen Größe eine Elle zuzusetzen. Trotz und bei allen wohlgemeinten und thörichten Versuchen, aus dem Weib einen Mann zu machen, bleibt es, was es ist, nämlich, wie selbst an dem emanzipiertesten in oft geradezu komischer Weise zu bemerken, ein zärteres und »schwächeres Gefäß« mit besonderen Anlagen und besonderen Aufgaben, Weltanschauung, Pflichten und Vorrechten, die alle Emanzipatoren und modernen Frauen ihr ebensowenig je abnehmen werden wie das Kindergebären.

Gott heilt auf zweierlei Weise die Menschen von ihren falschen Ideen. Entweder schweigt Er dazu, läßt ihnen Muße und gibt ihnen Gelegenheit sie zu verwirklichen, bis sie von den Früchten ihrer Werke übersättigt, selbst bekennen müssen, daß sie ihnen im Mund wie Sand und Kies sind. So machte Er es bei der französischen Revolution. Als sie an ihrer Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit genug hatten, jubelten sie dem Despoten Napoleon als ihrem Retter zu. – Oder aber führt Er durch ein mächtiges Eingreifen die Verirrten zur Vernunft zurück. – So wird es auch mit dem Feminismus sein. – Entweder wird Gott Männer und Frauen dieses Prinzip bis zum Äußersten durchführen lassen, damit sie seine Unzweckmäßigkeit erkennen und die Frau die erste werde, die seiner überdrüssig und ihre Wahl- und andern Rechte fahren läßt; oder Er wird den Geistern, die dem Fürsten der Luft und dieser Welt unterthan sind, gebieten, über die Erde einen Wind des Aufruhrs und des Krieges wehen zu lassen (1. Kön. 22, 19-23). – Dann werden die Völker gegeneinander in Waffen aufstehen, die sociale Revolution wird ausbrechen, und in diesen schrecklichen Umwälzungen wird der Mann selbständiger und stärker und die moderne Frau wieder demütig, sanft, gut und aufopfernd werden, wird Charpie zupfen und Bandagen nähen, wird die Verwundeten und die Kranken pflegen, wird zu Gott bitten für ihren Mann, ihren Bruder, ihren Sohn im Felde und wird Ihm danken, daß sie nicht die Nächte auf blutigem Schlachtfelde zubringen, noch von Granatsplittern sich zerreißen lassen, noch andre Frauen niederschießen muß. – So verging einst wie Nebel der Feminismus von Byzanz, als die schrecklichen Barbaren erschienen und das römische Reich zerschlugen. – Gott weiß den Menschen wieder an seinen Platz zu stellen.

Und Er bleibt derselbe, gestern, heute und ewig; in Ihm ist keine Veränderung; Er ist ein Fels und sein Wort kennt keinen menschlichen noch religiösen Fortschritt außer Ihm, paßt sich nicht den Zeiten und den Umständen an, kümmert sich nicht um Meinungen der Menschen und Sitten der Völker; sondern bleibt einziges und alleiniges Gesetz, göttlich, ewig!

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