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Die Entschuldigung

Plötzlich sah er sich in einem großen Ladenspiegel auf sich zukommen. Er ging rascher und blieb knapp vor der Scheibe stehen.

Regungslos betrachtete er lange sein Gesicht, ohne an irgendetwas zu denken. Nur ein leises Wollustgefühl war in ihm. Als er in seine Augen sah, mußte er schnell davon.

Fast wäre er mit einer sehr dicken alten parfümierten Dame, die vor dem Schaufenster stand, zusammengestoßen. Dennoch zog er ratlos den Hut. Dabei ging es ihm durch den Kopf: wenn sie mich vor dem Spiegel beobachtet hätte, o wie lächerlich und wie dumm. Das machte ihn unversehens heiter und sein Gehen geriet in selbstgefälliges Schlendern, das ihn aber sofort, als er es wahrnahm, mißmutig stimmte. Er stieß den Atem gequält hinaus und riß die Brauen nach oben: »Ach« …

Nun wurde er zornig, ohne es begreifen zu können, und es deshalb noch mehr. Er rieb die Zähne aufeinander, daß sie knarrten, und begann fast zu laufen. O, nur nichts denken, nichts fühlen, gar nichts … so … so … so … Schließlich sang er leise im Takt zu seinen Schritten den Kaiseradlermarsch. So geht es am besten, fühlte er und als er es dachte, war ihm alles so gleichgültig, daß er laut weitersang …

Wie stets, wenn er kein bestimmtes Ziel hatte, ging er einen oft von ihm benützten Weg. So war er nach kurzer Zeit vor dem Café.

Vor dem Eingang blieb er stehen und sah leer auf das Straßengetriebe. Dann hingen sich seine Augen, gleichsam um zur Ruhe zu kommen, an ein flinkes kleines Weib, bis es um die Ecke war; dann an einen Mann, dessen übergroße Füße von den Fersen aus auseinander strebten … Wie unbeholfen, der muß albern sein. Irgendetwas an diesem Mann erinnerte ihn an Frundner und so an das Gespräch von gestern mit ihm. Und erst jetzt ärgerte er sich maßlos über sich. Nebenher lief die Überlegung, ob er nicht vorhin auf Albernheit geschlossen hatte, weil ihm schon Frundner auf die Gedächtnisschwelle … Er lächelte verzerrt. Der Umstand, daß er ja doch alles schon während des Gesprächs ganz klar gewußt hatte, beruhigte ihn und er beschloß, indem er sich aufrichtete, von nun an in solchen Fällen anders zu handeln, fester, selbstbewußter. Und als wäre dieser Entschluß die Ursache, ging er rasch ins Café.

Doch schon zwischen den Flügeltüren des Eingangs beschlich ihn eine dumpfe Resignation, das unsicher machende wehmütige Gefühl, daß das alles ja doch nicht von ihm abhänge.

Er begann, sich mühsam zwingend, einen politischen Leitartikel zu lesen, fand mit nicht eingestandenem Erstaunen Interesse an ihm und las ihn zu Ende. Dann aber dachte er: aha, so hilft sich die Schwäche … ach was! … und las alles Folgende, Zeile um Zeile.

»Darf ich mich zu Ihnen setzen?«

»Ja bitte.« Er legte unwillig die Zeitung weg, doch als er Kanulf betrachtete, war es ihm, als bestünde etwas zwischen ihnen, das der Klärung bedürfe. Er vermochte jedoch nicht, sich darauf zu besinnen. Das Finstere, das dadurch in seine Züge kam, deutete Kanulf als Ablehnung und wurde unruhig und bald erbittert. Zudem hatte dieser die Absicht gehabt, wegen eines kürzlichen Vorfalls sich zu entschuldigen. Nun beherrschte es ihn, Scharoll zu verblüffen, zu verletzen.

»Lassen Sie sich nur nicht stören. Lesen Sie den Dreck ruhig weiter.«

Der Ton dieser Stimme brachte Scharoll schon fast auf das, worauf er zu besinnen sich abmühte. Zugleich wußte er um den Grund dieses Ausfalls, den er aber sofort überging, da es ihn zu fragen drängte. So veränderte er schnell sein Gesicht: »Sagen Sie, wie war das denn … es war doch … vor kurzem …«

Kanulfs Augen wurden miteins größer, seine Wangen heller. Sein ganzer Körper brach in hastige freudige Worte: »Ja, das wollte ich Ihnen schon seit einigen Tagen erklären. Wissen Sie, die Sache war so. Dadurch daß Sie so im allgemeinen sprachen und sich an niemanden direkt wandten, schien es, als wollten Sie sich so eine Art objektives Richteramt in dieser Geschichte zulegen. Sie hatten natürlich recht, aber wenn Sie direkt zu mir oder zu Doktor Mal gesprochen hätten, wäre es besser gewesen … Ich meine, ich wurde dadurch gereizt, obwohl ich wußte, daß Sie recht hatten, und erst nachher wußte ich, daß es unrecht von mir war gereizt zu sein und wegzugehen. Ich wollte Ihnen das übrigens von selbst sagen. Sie kamen mir mit Ihrer Frage zuvor, was mir aber sehr angenehm ist. Denn nun weiß ich, daß Sie selbst annahmen, es war hier etwas nicht ganz so wie … Ich meine … Sie verstehen doch …«

Schon nach den ersten Worten Kanulfs hatte Scharoll des ganzen Vorfalls sich erinnert und wunderte sich, daß er ihm nicht augenblicks gegenwärtig geworden war. Die Entschuldigung aber fiel seinem Gefühl über den ihr zugehörigen Ton hinaus. Auch wurde ihm etwas an dieser Szene von damals plötzlich unerklärlich. Schon wollte er wieder sein Gedächtnis bestürmen, als sich irgendwie Mißtrauen in ihm spitzte. »Sagen Sie …« Er wartete auf seinen Entschluß. »Sagen Sie, ich kann … ich kann mich nämlich mit dem besten Willen jetzt nicht erinnern, das heißt so im allgemeinen ist mir ja noch einiges … Es war hier im Café, nicht wahr, und ich sagte … Warten Sie … Nein, es ist nicht möglich … Wie ist das nur möglich …« Als er schwieg, erschrak er über sich. Dann redete er sich ein, daß es vielleicht doch ganz gut so wäre, und sah, als versuche er angestrengt, sich zu besinnen, auf einen Beleuchtungskörper.

Flüchtig stutzte Kanulf. Mit einem Mal aber wurde er heiterer und beweglicher als vordem, legte beide Arme wohlig auf den Tisch und begann, als freute er sich, überdies erzählen zu können, sehr langsam und auf den Worten verweilend. »Ja, die Sache war doch so. Sie saßen mit Doktor Mal am Tisch. Dann kam Germaine und ich und dann die Pfeilhuber … Wir sprachen … Ja, so wars. Wir sprachen von der Kokotte. Anknüpfend an die Gefängnisstrafe, die die schöne Kreolin wegen eines Diebstahls bekommen hatte. Doktor Mal pries die Kokotte in allen Tonarten, aber es stand, wie stets bei ihm, nicht fest, ob er es nicht ironisch meinte. Schließlich sagte er, die Kokotte sei ein verehrungswürdiges Geschöpf, das einzige Weib, das es verdiene, eine Heilige genannt zu werden. Germaine sagte darauf, er solle doch keinen Blödsinn quatschen, jedenfalls sei, wer stehle, nicht zu den Heiligen zu rechnen. Die Pfeilhuber fühlte sich dadurch beleidigt. Aber weder ich noch Germaine wußten, daß Fräulein Pfeilhuber im Kaufhaus des Westens Einkäufe zu machen pflegt, ohne ans Bezahlen zu denken. Und als nun die Pfeilhuber sagte, sie sei im Zweifel darüber, wer besser sei, eine, die sogar stiehlt, oder eine, die bloß hurt, und dazu unerhört frech lachte, da sagte ich, um das Ganze zu beenden: ›Es handelt sich doch nur um einen Diebstahl. Ein Diebstahl wird nicht gemeiner, wenn eine Kokotte ihn ausführt. Jemand hat gestohlen und wird bestraft, basta.‹ Die Pfeilhuber aber begann sich nun erst recht zu ereifern und verteidigte den Diebstahl als Sabotage, als Propaganda der Tat, wobei ihr Doktor Mal auf seine übliche Art sekundierte, indem er sie als leuchtendes Beispiel hinstellte. Und um Germaine, die sich doch musterhaft verhielt, nicht ohne sein zweifelhaftes Lob sitzen zu lassen, machte er eine geschickt versteckte Bemerkung, so ungefähr, als könne sie mit sich zufrieden sein, da sie schon mehreren Männern … Nun ist aber doch Germaine wirklich noch, fast möchte ich sagen ein unschuldiges Kind. Ich muß das doch wissen … ja …«

»Jaa …« Scharoll dehnte das Wort, um, ohne mehr sprechen zu müssen, Kanulf zum Weiterreden zu veranlassen. Er wollte das jetzt mit einer Hartnäckigkeit, die ihm seltsam erschien, und sah, wie um sich das zu erklären, Kanulf scharf ins Gesicht.

Dem wurde es dadurch unmöglich weiterzuerzählen. Gleichzeitig aber trat ihm ein Lächeln unter die Augen, das ihn unsicher machte. Um sich darüber hinwegzuhelfen, entschuldigte er sich abermals: »Nämlich, obwohl in diesem Augenblick, als Germaine eben dem Doktor Mal über den Mund fuhr, Sie sprachen … Obwohl Ihre Worte also ja doch richtig waren, wußte ich aber auch, daß Germaine noch nicht im Stande sei, sie ganz zu verstehen, und fürchtete daher … ich meine … daß sie ungehalten werden könnte. Und das hätte zur Folge gehabt, daß ich zwischen zwei Feuer geraten wäre, na ja, nicht, Sie verstehen mich schon … Und das ist ja selbstverständlich, daß ich da … Ich habe übrigens am selben Abend Germaine die ganze Sache erklärt … Ja …«

In der Nähe hatten sich Fremde niedergelassen. Scharoll mußte ihr Gespräch mitanhören und da er die Sprechenden nicht sah, verursachte ihm jedes ihrer Worte Ekel. Später erstaunte er darüber, daß ihn dieser Umstand gedrängt hatte, nun zu sprechen und so kam etwas Nervöses, Zittriges in seine Rede: »Aber das Problem ist wirklich sehr ernst. Man braucht doch nur zu bedenken, daß es sich hier um eine Angelegenheit handelt, die in alles hinübergreift. In der Kokotte ist dieses Problem gewissermaßen verdichtet und durch das Geld kompliziert …« Er hielt inne, da er damals die gleichen Worte gebraucht hatte. Nun schämte er sich deshalb, obwohl er es durchaus ohne Vorbedacht getan hatte. Gegen seinen Willen sagte er aber nun doch Neues: »Doktor Mal ahnte ja nicht, daß er recht hatte. Auch der niedrigsten Kokotte, die Trieb und Berechnung nicht mehr zu unterscheiden vermag, bleibt ein furchtbares Martyrium, trotz allen Zoten und trotz aller Habgier. Denn sie ist ein Opfer, ein schreckliches Opfer, das sich oft sogar fast bewußt hinopfert. Ein Schurke, wer hier richtet! Und dann das Geld! Daß man es immer noch angreifen kann, da man doch weiß, daß es auch hier rollt! … Welcher Teufel muß das Geld erfunden haben und welcher Mensch konnte es zum ersten Mal benützen! Aber welcher Hallunke konnte sein Opfer darum betrügen! …«

Scharoll hatten seine Worte aus sich hinausgerissen. Er kam sich wie nackt vor. Es fröstelte ihn. Da fiel es ihm auf, daß er von einem weit zurückliegenden Erlebnis, das ihn sehr aufgewühlt hatte, überwältigt worden und von seinem ursprünglichen Gedankengang weggeraten war. Ja wie von meinem Vorsatz … und genau wie soeben Kanulf selbst von etwas anderem … Das brachte ihn sofort zurück. Er schwieg und wartete, fast ohne zu atmen.

Kanulf, dessen Unsicherheit während seiner jüngsten Worte immer mehr gewachsen war, hatte die Leidenschaftlichkeit Scharolls gehässig gemacht. Da er das jedoch fühlte, vermehrte es seine Unsicherheit noch. Um sich zu sammeln, betrachtete er Scharolls Hand, die vom Tisch herabhing. Da quoll es in ihm auf, als müsse er ihm etwas Liebes sagen. Nun wußte er sich nicht mehr zu helfen und fragte viel zu laut: »Seit wann sind Sie in Berlin?«

Scharoll betrat eine Bereitschaft, deren Angespanntheit ihn fast schmerzte. »Seit wann? … Ja, seit einigen Wochen … Das wissen Sie aber doch …«

»Gefällt es Ihnen hier?«

»Es ist doch ganz gleichgültig, wo man lebt.«

»Würden Sie denn auch in einem ganz kleinen Dorf, im Harz zum Beispiel leben können?«

»Ja, wenn ich dort leben könnte.«

»Ja, warum sollten Sie denn dort nicht leben können? … Ach so … ja natürlich …« Kanulf war geradezu erbost darüber, daß er es nicht sofort verstanden hatte. Fast wußte er schon, daß er sich zu verlieren begann. »Aber in Berlin ist es zweifellos am angenehmsten und auch am billigsten … Sagen Sie, kennen Sie Paris? …«

»Ja.«

»So, Sie kennen Paris! …« Ein völlig naives Staunen überrumpelte ihn. Mein Gott, was fällt mir denn nur ein, tobte er, wie ist denn das nur möglich, o ich Trottel, ich Trottel … »Gefällt ihnen Paris?« Das brachte ihn außer sich. Es überschwemmte ihn uneindämmbar … Seine Finger begannen zu zittern.

»Ja, Paris ist eine schöne Stadt. Allerdings für deutsche Begriffe schmutzig.« Scharoll saß unbeweglich da und unnachsichtig. Er wußte, daß es herauskommen würde. Dennoch fühlte er die Besorgnis, es könnte anders werden. Um das aber zu verhindern, sagte er sich ganz langsam innerlich vor, werde ich anfangen, mehr zu sprechen … das reizt, ja …

»Soooo …? Und die Menschen?« Wenn jetzt doch irgendwer an den Tisch käme, flehte Kanulf verzweifelt.

»Ja, die Pariserin ist ein reizvolles Geschöpf. Aber sie ist wasserscheu und hat häufig Ungeziefer. Ich meine selbstverständlich nicht die mondäne Pariserin aus dem Faubourg St. Germain … Was ist denn? … Ja, obwohl sie nicht so sauber aussieht wie ein deutsches Stubenmädchen. Ich meine die kleinen Ladenmamsells, Putzmacherinnen und Modelle, die Midinettes natürlich obenan. Aber diese Kleinen können sich das leisten. Sie brauchen nicht zu besorgen, ihren chéri dadurch zu verlieren, selbst wenn ihm diese Eigenschaften nicht durchaus zusagen sollten. Denn die jungen Männer, die aus aller Welt nach Paris kommen und meist ohne mehr Geld als für die ersten beiden Wochen, stehen bald vis-à-vis de rien. Und da in Paris die weibliche Konkurrenz in den kleinen Berufen sehr groß ist und überall siegreich, müssen sie sich an die Konkurrenz anschließen und dieser Anschluß endet immer mit einer Liebschaft. Aber diese Mädchen setzen ihren Ehrgeiz darein, daß chéri nicht arbeitet. Sie stellen ihn höher als sich selbst. Sie sind nur glücklich, wenn sie während der Arbeit wissen, daß chéri jetzt über einer Erfindung grübelt, die sie beide mit einem Schlag reich machen wird, oder an einem großen Werk schreibt, das ihn und auch sie berühmt machen wird, oder auch nur, daß er im Café Zigaretten raucht und den Midinettes die Köpfe verdreht. Nirgends wird …«

In diesem Augenblick klopfte Kanulf mit dem Finger viermal auf die Tischplatte. Dann hob er den Kopf, leckte die Unterlippe und zog sie durch die Zähne. »Das ist ja doch alles nicht nötig.« Seine Stimme war heiser und schwer. »Es war mir natürlich … natürlich schon an jenem Abend klar, daß Germaine von Ihnen beeinflußt wurde. Ich gab mir auch gar keine Mühe herauszubekommen, wo und wann sie mit Ihnen zusammen war. Es stand für mich einfach fest. Und daß ich heute diese Aussprache suchte, das sollte für mich nur die letzte Bestätigung sein. O wie billig Ihre Mittel sind! Den Flaneur gegen den Staatsbeamten ausspielen! Den Künstler gegen den Arbeiter! Ich meine, das Fräulein, das auf diese Romantik nicht hineinfliegt, wenn sie pathetisch genug vorgeturnt wird, ist noch nicht empfangen worden! Und dann, sollten Sie vielleicht so läppisch sein wollen zu behaupten, ich halluziniere, so unterschätzen Sie meine Psychologie. Wenn man den Faubourg St. GERMAINE so bei den … ja gewiß, bei den braunen Haaren herbeizieht und zu oft als erforderlich den chéri anbringt, der man ja doch so gerne schon ungeschmälert sein möchte … ich meine, da ist nichts mehr zu wollen, lieber Scharoll, aber schon gar nichts mehr. Ich sehe nur bei der ganzen Geschichte nicht ein, warum Sie und Germaine nicht offen gegen mich waren. Sie kennen mich ja so weit, um zu wissen, daß ich nicht mit dem Säbel oder mit Paragraphen komme. Aber natürlich … diese Möglichkeiten haben Sie ihr ja eingeredet, um Ihrer Sache sicherer zu sein, ja natürlich …«

»Aber Kanulf, was …«

»Ja natürlich … ja, ja … Ich bin doch kein frischgelegter Hase. Ich weiß doch bis auf die Silben Ihr ganzes Arrangement und verhehle Ihnen keinen Augenblick, daß ich Sie bekomplimentiere. Sie haben ganz meisterlich gespielt, so meisterlich, daß ich, als ich an den Tisch kam, meinen ganzen Plan umwarf und mich regelrecht entschuldigen wollte. Da spielt der Herr aber sofort den Gestörten, Belästigten. Das Gegenteil natürlich! Sehr fein, muß man schon zugeben. So fein, daß ich wahrhaftig alles in den Wind schmiß und einfach glaubte, er ist arrogant und arrogant wurde. Aber dann kam Ihr erster Fehler. Wie konnten Sie auch nur! So tun, als ob Sie nichts mehr wüßten … Wissen Sie, wann Sie sich verrieten? Als Sie das doppelgestrichene Jaa so entzückend danebengedehnt losließen. Aber, das gebe ich ohne weiteres zu, Sie bemerkten Ihren Lapsus sofort und spielten haha … zu meiner Beruhigung Persönlichkeit. Großartig! Wirklich großartig! Aber das verpatzte ich Ihnen rasch, nicht wahr? Als ob ich nicht gewußt hätte, daß man nur mit Konversation hineingelegt werden kann! Und ich habe Sie hineingelegt, lieber Scharoll, liebes Scharöllchen. Und nun gestatten Sie, daß ich mich empfehle … Ober, zahlen!«

»Kanulf, bleiben Sie, ich werde Sie …«

»Pardon … überzeugen, nicht wahr, daß Germaine noch ein unschuldiges Kind ist … Jaa …, so wars doch, nicht wahr?«

»So bleiben Sie doch noch einen Augenblick.«

»Aber, aber … halten Sie sich doch nicht selber für so albern. Sie, Ober, also wenn die Kleine kommt, Sie wissen schon, so sagen Sie ihr, daß ich Herrn Scharoll gebeten habe, auf sie zu warten … Hier … Leben Sie recht wohl, mon chéri …«

Nach fünf Minuten warf Scharoll ein Glas zu Boden, daß es knallend zersprang. Wollüstig schluckte er die verachtungsvollen, höhnischen, mitleidigen Blicke der Umsitzenden. Dann verließ er hastig das Café.

 


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