Johann Christoph Rost
Schäfererzälungen
Johann Christoph Rost

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An den Herrn Hofrat und Residenten von Siepmann.

Ich las Ew. Hochedelgebornen vor einiger Zeit einige Stücke von meinen Schäfererzälungen vor. Sie waren so glücklich Ihnen nicht zu misfallen, und erhielten dadurch auch von mir erst denjenigen Beifall, welchen ich selbst, one die vorhergegangene Beurteilung eines waren Kenners des Geschmacks und der Dichtkunst überhaupt, ihnen zu geben mich nicht getrauete. Ew. Hochedelgebornen, haben bei so vielen andern edlen Wißenschaften, nicht vergeßen, Sich auch die Poesie eigen zu machen; deswegen unterwerfe ich Ihrer Prüfung diese kleine Sammlung von Hirtengeschichten mit dem größten Zutrauen. Ihre Kenntniß und Einsicht versprechen mir zwar einen strengen, Ihre übrigen Vorzüge aber auch einen unparteiischen Dichter. Ein jeder vernünftiger Verfasser kann seinen Schriften kein grösseres Glück wünschen.

Ich habe mich bemühet das schalkhafte mit dem unschuldigen und ungezwungenen zu verbinden; Und da meine Absicht nur zu belustigen gewesen ist: So wird es mir ser gleichgültig sein, wenn mich einige noch hier und da seufzende Tartüffen verdammen sollten. Keine grössere Ere könnte mir wiederfahren, als, wenn man mir vorwürfe, daß die Zal dieser gedruckten Bogen zu klein wäre. Mein Wunsch ist niemals gewesen in dem Vielschreiben ein Held zu werden, sonst würde ich das leichteste Mittel gewälet, und die Zal der Wortreichen Uebersetzer in Deutschland vermehret haben. Horaz, Catull und Gallus würden auch sein verewiget worden, wenn sie mer geschrieben hätten: Allein der meiste Teil unser neueren Poeten würde die Ere seines Vaterlandes weit glücklicher behauptet haben, wenn er nicht mer, als uns von den Gedichten des Gallus übrig geblieben, geschrieben hätte.

Alles, was ich Ew. Hochedelgebornen noch zu sagen habe, ist eine Bitte, mir zu verzeihen, daß ich Ihren Namen vor diese Bogen gesetzt. Ein kleiner Ehrgeiz, eine besondere Hochachtung und ein Abscheu vor dem Scheine der Zueignungsschriften haben lange Zeit in mir gestritten: Allein da sich die beiden ersten vereiniget hatten, so wurde der letzte dennoch überwunden. Ich bin mit aller Ergebenheit

Ew. Hochedelgebornen

In Berlin am 24. des Hornungs
1742.
gehorsamster Diener
* * * *

 


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