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Drittes Kapitel

Sie pflanzten dieser Tage zusammen Kartoffeln. Marie hackte das Loch, Kurt warf in jedes zwei Stück. Ihr Gesicht war, da sie gebückt ihre kurzen Schritte machte, dem Erdboden näher als seins. Als sie plötzlich einen Fremden dort hinten stehen sah, wunderte sie sich gleich, daß Kurt ihr nichts gesagt hatte. Der Fremde war doch ihret- und seinetwegen da, das merkte sie sofort. Er stand in einem Acker, er mußte sogar über einen Graben gesprungen sein, jetzt aber bewegte er sich nicht, beobachtete nur, – und das Beobachten hieß nicht blicken, es hieß da sein. Beinahe keine Augen unter dem runden Hut, nur breite Züge, aber die schwere Gestalt in dem schwarzen Mantel, den der Wind nicht bewegen konnte, war da und hätte am liebsten den ganzen Himmel verstellt.

Da konnte sie nicht mehr. Marie war kein Kind wie einst, als sie Boldts Haus hatte anzünden wollen – auf dem Strand, über den sie flüchtete, erwartete damals derselbe Fremde sie wie ein Stein; eine rächende Gewalt hatte ihn hinversetzt, und sie mußte, mußte vorbei an ihm! So war es diesmal nicht. Marie wischte mit dem Handrücken die feuchte Stirn ab, und unter der Hand hervor erkannte sie ihn noch deutlicher im klaren grauen Licht. Natürlich, das war er, er war auch nur ein Mensch; kein geröteter Morgenhimmel und auch ihre kindliche Unschuld nicht, vergrößerten ihn oder machten ihn furchtbar.

Sie sagte ruhig:

»Sieh mal den! Was will er?«

Kurt stellte sich, als arbeitete er, war aber nur darum besorgt, den Fremden immer im Rücken zu behalten.

»Hab doch keine Angst!« sagte Marie, noch in der Erinnerung an ihre erste Begegnung mit dem Fremden.

»Wovor denn?« fragte er und wendete sich endlich hin. Hierauf verstummte er, warf den Sack mit den Kartoffeln weg und machte einen Schritt und noch einen gegen den Fremden. Er wollte es keineswegs, Marie bemerkte es wohl. Er versuchte bis zuletzt, zu tun, als müßte es nicht sein. Jetzt war er dennoch angelangt bei dem Mann, und der rührte sich sogar, er rückte an seinem Hutrand – nicht um Kurt zu begrüßen, vielmehr, um ihn bequemer zu mustern von dem nackten Hals bis zu den verklebten Lackschuhen.

»Hier bist du also untergetaucht«, sagte der Mann mit durchaus gewöhnlicher Stimme, vielleicht lag sie nur zu hoch für seine Schulterbreite.

»Rückwanderung aufs Land, Herr Kirsch«, entgegnete Kurt. »Die wird uns Jungen empfohlen.«

»Na ja, du bist erst siebzehn. Das richtige Landleben für dich wäre die Fürsorge.«

»Sie wissen doch, daß wir da bloß weiter verdorben werden. Lassen Sie mich ruhig hier! Ich garantiere für mich, außerdem können Sie mir nichts beweisen. Nicht viel, wollte ich sagen … Ich hatte den Ganoven bloß den Tip gegeben – in aller Unschuld, ich ahnte überhaupt nicht, was sie wollten, ich bin ein Jugendlicher.«

»Aber was für einer!«

Kurt atmete hörbar auf, weil der Mann sprach. Solange hatte Kurt jedesmal, wenn er den Mund halten wollte, noch etwas zugegeben – gehorcht hatte er dem zwingenden Schweigen des Mannes.

»Hör zu, mein Junge!«

»Ja«, sagte Kurt eifrig.

»Die Sore ist wiedergefunden.«

»Ich weiß gar nicht, was Sore ist«, behauptete Kurt und riß die Augen auf, um den Mann fest anzusehn. Der bekümmerte sich darum nicht.

»Frau Fuchs hat alles durch uns zurückbekommen. Sie kann sich bedanken, aber sie schimpft noch. Ihr fehlt der große blaue Stein. Wo hast du ihn?« Die Frage schoß er ab, ohne vorhergegangene Pause. Kurt erschrak denn auch.

»Herr Kirsch! Ich schwöre Ihnen, ich weiß von keinem blauen Stein. Adele lügt. Ich wollte sagen: Frau Fuchs lügt. Sie hat mich nie gemocht. Ich habe Feinde. In meinem Zimmer wollten sie mich vergasen, Herr Kirsch!«

»Du brauchst Fürsorge-Erziehung mit Arzt im Hause«, sagte der Mann um so ruhiger, je mehr Kurt sich aufregte. »Nein, Frau Fuchs hat nicht gegen dich ausgesagt. Als von dir die Rede war, behauptete sie plötzlich, daß sie nie einen großen blauen Stein besessen hat, wir müßten sie mißverstanden haben.«

»Sehen Sie, so ist sie!« rief Kurt. »Unzuverlässige Angaben macht sie!«

»Dann kennst du den Stein? Deine Freundin Adele will dich bloß decken?«

»Wieso Freundin?« rief Kurt wütend und mit Seitenblick nach Marie, ob sie zuhörte. »Eine alte Frau? Und lügt auch noch? Nur weil ich jung bin und die ekelhaften Sachen, die sie von mir verlangt, nicht tätigen will?«

»Was regst du dich auf, mein Sohn? Du warst in ihrer Tanzbar wie das Kind vom Haus, das wissen wir. Dir hat sie auch anvertraut, wo sie ihren Schmuck versteckte.«

»Nicht im ›Harem‹!«

»Nein, in ihrem Lokal natürlich nicht. Aber du hast in ihrer Wohnung mit ihr zusammen gelebt – sooft ihr Mann verreist war.«

»Das ist nicht wahr! Ich habe höchstens mal meinen Mantel dort hängen lassen.«

»Und deinen Pyjama. Warum List du so aufgebracht gegen die Frau? Sie deckt dich doch. Wahrscheinlich wartet sie, daß du wiederkommst.«

»Die kann warten!«

»Aber von dem großen blauen Stein wissen wir nicht bloß durch Adele. Die ganze Bande gibt zu, daß er dabei war.«

»Sie haben sie alle gekriegt?« Der Mann mußte es ihm von den Lippen lesen, Kurt hatte keinen Ton mehr. Von jetzt an wurde der Mann furchtbarer, er wuchs, er breitete sich drohend aus, indessen der schmale Junge sich zusammenzog und versinken wollte.

»Alle. Wir haben auch den Jungen, der so gut stottern kann, wenn er zu viel gefragt wird.«

»Der ist mein Feind! Der Hinze hat mich vergasen wollen!« flüsterte Kurt.

»Aber verraten hat er dich nicht. Keiner von der Bande weiß, wo der große blaue Stein hingekommen ist – Hinze auch nicht … Das wundert dich selbst, wie? Erst geben sie zu, daß der Stein bei der Sore war, dann soll er plötzlich verschwunden sein, und vorher hattest du doch gestanden, daß du ihnen den Einbruch ausbaldowert hast. Wie erklärst du dir das?«

Kurt fand keinen Ton, er fand auch keine Worte mehr.

»Dann will ich es dir erklären. Die Jungen lassen absichtlich den Stein, wo er ist, und sitzen ohne dich ihre Strafe ab, macht sowieso bloß ein Jahr, denn der Schmuck ist wieder da, die Diebe sind arme Jungen, und für Adele tut das Gericht nicht gern etwas. Aber sie schweigen bloß, damit sie dich in der Hand behalten. Nach einem Jahr kommen sie heraus, und ihr erster Weg ist zu dir, und du mußt ihnen wieder irgendwo den Weg frei machen, vielleicht bei deinem Schwager, Rechtsanwalt Bäuerlein.«

»Nicht noch einmal!« Kurt hatte einen Ton gefunden, schrill wie nie.

»Sie haben dich in der Hand. Oder sie glauben es wenigstens. Laß nur, ich will nicht wissen, wo der Stein ist. Die Verhandlung ist gewesen, nächste Woche haben wir das Urteil, und du wirst überhaupt nicht vorgeladen – schon, weil wir dich nicht hatten, du warst ausgerückt, dein Schwager hat uns nicht gesagt, wohin. Dabei laß es nun aber auch!«

»Ja, Herr Kirsch!«

»Bleib gefälligst hier und rühr dich nicht!«

»Ja, Herr Kirsch!«

»Dir bekommt Berlin nicht. Dauert keine fünf Minuten, und wir haben dich wieder auf dem Hals.«

»Ja, Herr Kirsch!«

»Hier kannst du so breite Schultern kriegen wie ich.«

»Und dann bin ich auch sonst so wie Sie – als Fachmann, Parteimitglied und Charakter.«

Der Mann hielt es für unnötig, den törichten Hohn des Jungen zu beachten. Er überblickte sowohl ihn wie den Acker, auf dem sie standen, und auch drüben das Mädchen.

»Sie heißt Marie«, erklärte Kurt.

»Entschieden besser als Adele.«

Damit drehte der Mann sich in seiner ganzen Masse um und ging fort. Marie hatte sein Gesicht lange und genau betrachten können. Es war hauptsächlich verdrossen. Sie wußte nicht, ob es hart war, wie einst, als sie ihn noch für einen Stein hielt. Zuweilen im Verlauf des Gespräches hatte er sichtlich nicht hart sein wollen, eher gut, und wenn nicht gut, dann freundlich und pflichterfüllt – bewußt einer freundlichen Pflicht. Vieles arbeitete sich hervor in dem Gesicht des Mannes unter einer Decke von Verdrossenheit, sogleich aber fiel diese wieder darüber. Jetzt verschwand auch die zweite der breiten Schultern hinter der Scheune.

Kurt kehrte grinsend zurück, sein bleiches Gesicht hatte einen Anflug von Röte. »Hast du das gehört?« fragte er, als wäre es ihm gleichgültig.

»Wer ist er?« fragte Marie.

»Der? Onkel Kirsch. Du hast doch gehört, er interessiert sich für mich und für meine ganze Familie, meinen Schwager Bäuerlein, meine Tante Adele.«

»Du lügst«, sagte Marie ruhig. »Dein Onkel ist er nicht. Er ist von der Polizei.«

»Wozu fragst du, wenn du es weißt.« Er verkrümmte den Mund, er warf ihr einen haßerfüllten Blick zu. »Ich muß doch lügen! Soll ich ihm erzählen, daß ich den großen blauen Stein habe? Und vielleicht habe ich ihn wirklich nicht«, setzte er schnell hinzu, aus Mißtrauen gegen Marie, wie sie wohl sah. Sie sagte mit derselben Gleichmut:

»Vor mir brauchst du keine Angst zu haben. Deine Räubergeschichten habe ich mir immer alle angehört. Als ob sie einen wie dich vergasen werden! Deine Schwester soll reich sein, und dich läßt sie auf Tippeltour gehen!«

»Das verstehst du nicht! Meine Schwester hält zu mir!« Hier wurde er zum erstenmal leidenschaftlich, Marie erkannte die Wahrheit in seinem bebenden Gesicht.

»Dann hat deine Schwester den großen blauen Stein«, stellte sie fest. Er hätte sich auf sie geworfen, seine Fäuste waren schon erhoben; aber sie zuckte die Schultern.

»Laß nur. Ich hab doch nichts dagegen! Ich kann mir denken: ihr wißt selbst nicht, wie es gekommen ist, daß ihr das alles gemacht habt.«

So war es; daher hielt er mitten in der Bewegung an, seine Arme senkten sich ganz langsam. Er dachte: ›So etwas gibt es? Dies Bauernmädchen will auf einmal wissen, wieviel Vicki und ich damals durchgemacht haben, die Sache mit Adele, was Vicki mir riet als letzte Rettung vor unserem Abrutsch in die Unterwelt – und richtig, als ich die Jungen zu Adele reingelassen hatte, da hab ich von meinem Anteil Vicki neu eingepuppt, und in ihrem schönen Kleid, für das ein Einbruch verübt worden war, hat sie auf dem Presseball den Syndikus Bäuerlein geschnappt. Grade konnte Vicki noch heiraten, dann flog die Sache auf, die Alte hatte Anzeige gegen mich erstattet, ich mußte fort, mein Schwager verlangte es. Wegen Vicki, alles wegen Vicki. Ein Bauernmädchen will das wissen?‹

Marie hatte so viel auch nicht erraten. Sie dachte nur an ihre eigenen Gänge nach Brodten – zuerst unter der Schürze wenige Eier, später neben ihrem ausschreitenden Bein hängend Gänse und Speckseiten. Sie erinnerte sich einfach nur, wie sie gestohlen hatte, ja, ihr wurde überhaupt erst recht klar, daß sie gestohlen hatte. Daher kannte sie auch den Weg des Jungen – nach Brodten oder anderswohin, ein vorgezeichneter Weg. Sie sagte:

»Wir wollen weiterarbeiten.«

Sie machte Löcher mit dem Spaten, er warf in jedes zwei Kartoffeln.

Erst als es dunkel wurde und sie einander nicht mehr genau sahen, hielten sie ein und sprachen wieder.

»Jetzt kennst du mich«, sagte Kurt. Marie antwortete:

»Das – ist auch nichts anderes –«

Er begriff: das, was er getan hatte. Sie ergänzte:

»Als was wir sonst tun müssen.«

Er verstand sehr wohl. Arbeiten, verlassen werden, hungern und für andere sorgen, nie das Morgen kennen, am Ende sterben – und dazwischen Unrecht tun; alles müssen wir. Während sie auf den Hof zugingen, hielten sie einander bei den Händen.

Im Lichtschein der Gebäude gab er ihre Hand frei, denn jetzt wollte er wieder lügen.

»Mit der bewußten Adele habe ich nichts gehabt. Das glaubt Kirsch. Du bist nicht so dumm. Was täte ich mit einer alten Bordellwirtin, die mich noch dazu der Polizei verpfeift. Ich kann dir schwören –«

»Warum«, warf sie ein. Aber er ließ sich nicht aufhalten.

»Bei dem Leben meiner Schwester!« sagte er und erschrak selbst. ›Nur nicht abergläubisch!‹ ermahnte er sich. Da sie schon das Haus betraten, flüsterte er eindringlich:

»Du weißt doch, wie meine Freundin sein muß, zuerst mal gesund! Dann bin ich auch treu – treuer als dein Mingo, ein ganz fauler Junge. Er soll in Warmsdorf schon gesehen worden sein, bloß hier nicht.«

Darauf konnte sie nichts mehr erwidern, weil in der Stube die Leute zuhörten. Natürlich war kein Wort wahr!

Sie bekam auch alsbald recht, schon am Sonntag darauf erschien Mingo. Er kam zu Fuß, weil das Wetter angenehm war, stand ohne anzuklopfen bei Marie im Stall – die Kinder waren nach Brodten, Kurt schlief in der Scheune, und Mingo stand da. Sie küßten einander, sie sprachen nichts und holten alle Liebe nach, das war das erste. Als es Zeit war zu reden, erklärte Mingo, daß er sie nicht wieder verlasse, er bleibe hier.

»In Warmsdorf?«

»Oder Umgegend. Wo sich etwas findet.«

»Eine Tischlerei!«

»Es muß schließlich keine Tischlerei sein.«

»Du hast doch gelernt!«

»Das kann sein.«

»Mingo! Wozu lernst du etwas und läßt es dann? Zuerst warst du Fischer.«

»War ich nie.«

»Dann Tischler.«

»Auch bloß nebenbei.«

»Was bist du dann? Nur ein schöner Junge. Wenn deine Mutter dir mal nichts mehr geben kann, muß ich dich ernähren.«

»Und mir seidene Hemden kaufen.«

Sie scherzten; dennoch fühlte Marie die Hoffnungslosigkeit um sie her einen Kreis ziehen, einen immer weiteren Kreis, darin wurde sie fortgerissen, ein Wind sauste, und Mingo entschwand ihr aus den Augen. In Wirklichkeit berührte er noch immer ihre Hüfte mit der seinen. Auch er hatte übrigens seine Sorgen und Vorwürfe gleich mitgebracht.

»Wo ist denn der fremde Junge? Tu nicht so, du weißt schon.«

»Natürlich. Das ist doch Kurt, mit dem wir am Strand gespielt haben vor zehn Jahren.«

Mingo schlug sich auf den Schenkel. »Badegast Meier!« rief er. »Weiter ist das nichts? Mir haben sie unten zackige Sachen erzählt von euch beiden. Na, mit Meiers bin ich damals fertig geworden. Der ist keine Gefahr für mich bei meiner –« Er stockte, ihm war etwas eingefallen, und es erschütterte ihn.

»Sieh mal das!« Er holte einen geschlossenen Brief hervor.

»Es steht kein Name darauf.«

»Das ist es grade. Jetzt verstehe ich alles. Der Brief ist gestern abend von Köhns Hotel zu uns gebracht worden, ich möchte ihn hierher mitnehmen, einer der Arbeiter hier im Hof habe eine Bekannte, die wohnt dort.«

»Seine Schwester«, flüsterte Marie.

»Wer sollte auch sonst in Köhns Hotel absteigen und hier einen kennen. Das sind Meiers!« rief er erfreut. »Meiers, täuschend ähnlich!«

»Gib mir den Brief!« verlangte sie.

»Du willst ihn –?« Er bewegte verstohlen die Hand. »Marie, das können wir wohl nicht machen.«

»Du kennst die beiden nicht, wie ich sie jetzt kenne. Mit ihm ist sowieso manches los. Wenn wir noch seine Schwester zu ihm lassen, wird es ganz schlimm. Glaube mir nur! Du mußt den Brief in Köhns Hotel wieder abgeben und dem Portier sagen, daß hier niemand ist!«

»Aber mine lütte Marie!« sagte Mingo sehr zärtlich, denn sie brauchte Trost, ganz gleich, wofür. »Du bist doch niemals bange, und jetzt wegen Meiers? Wir beide sind auch tüchtig, das sollen sie merken, wenn sie gegen uns was ausbrüten. Dein Mingo – und dann die fremden Leute!« Er umschlang sie fest, und in seinem Arm führte er sie vor die Tür. Sie spürte seine Kraft, seine Weichheit, und in seinen Muskeln, seiner Stimme die unwandelbare Zuverlässigkeit und Treue. In diesem Augenblick schlich aus der Scheune gähnend Kurt.

Beim Anblick des Paares grinste er, Mingo seinerseits lachte schallend. »Das ist doch Meier! Gleich wiedererkannt, Meier! Da hast du deinen Liebesbrief!«

Kurt betrachtete den Umschlag ohne Aufschrift, er steckte ihn einfach weg. Zu Mingo sagte er:

»Freut mich, dich auch noch mal zu erleben. Ich fürchtete, das würde nicht mehr vorkommen, so viel Zeit hast du dir gelassen. Ich habe allerdings nicht bemerkt, daß jemand hier deshalb zugrunde gegangen wäre.«

Er nickte höhnisch, aber wohlwollend, und schlenderte weiter, die Hände in den Hosentaschen. Trotz seinem abgerissenen Arbeitsanzug hatte er den eleganten Jungen glatt zum Schweigen gebracht. Auch hielten Marie und Mingo einander nicht mehr umarmt.

Auf die Schwelle seines Hauses trat der Bauer. Mingo zog es vor, ihn zu begrüßen. Marie dachte: ›Der auch!‹ Sie blieb lieber zurück. Indessen kamen Mingo und der Bauer ins Gespräch; Marie konnte noch hören, daß es sich um den Wert des Hofes handelte, dann gingen sie zusammen ins Haus. ›Um Gottes willen, was läßt Mingo sich jetzt wieder von dem Alten für Grappen in den Kopf setzen‹, fragte Marie im stillen.

»Du siehst auch aus wie bestellt und nicht abgeholt«, sagte Kurt, der wieder vor ihr stand. Sie wendete sich zornig ab, er blieb aber neben ihr.

»Der Brief«, sagte er, »war von Onkel Kirsch. Er eröffnet mir, daß meine Bewährungsfrist möglichenfalls bald vorbei ist. Die anderen Jungen sitzen glücklich im Kittchen, mein Liebling Hinze hat sogar achtzehn Monate. Jetzt ist für mich keine dicke Luft mehr in Berlin, meint Kirsch.«

»Du lügst!«

»Du kannst den Brief lesen!« Er tastete sich ab, als ob er ihn suchte.

»Ich weiß schon, von wem er ist. Deine Schwester wohnt in Warmsdorf.«

»Und sie benutzt deinen Freund Mingo als Boten. Ich wollte dich nur schonen.«

»Das hast du nicht nötig. Mingo kennt sie gar nicht.«

»Das erzählt er dir?« fragte Kurt, und Marie erschrak – nur über sein Gesicht, nicht weil er ihr etwas weismachen wollte. Aber einen so vielsagenden Ausdruck kannte sie nicht auf Gesichtern, auch Kurt selbst hatte noch niemals so vollständig sichtbar gemacht, was er meinte. Dadurch aber kam merkwürdigerweise etwas wie Leben und Bewegung in seine Lügen.

»Du kannst viel erzählen«, sagte Marie, um mehr zu hören. Das war das Schreckliche: sie wollte noch mehr hören! Kurt zuckte die Schultern. Erst auf ihren dringenden Blick antwortete er widerwillig:

»Meine Schwester schreibt, er läuft ihr nach.«

»Du Schuft!« rief Marie, während er bedauernd grinste.

»Ich möchte dir helfen, Marie. Ich würde mit Vicki sprechen, sie ist hochanständig. Aber ich kann unmöglich in diesem verkommenen Zustand zu ihr gehen. Was machen wir da?«

Nach kurzem Warten sagte er: »Na Wiedersehn!« Denn Mingo erschien drüben.

»Die Sache würde klappen«, berichtete Mingo ihr. »Der Bauer verkauft den Hof, er ist überschuldet, ich hatte mich erkundigt. Ich schrieb dir doch, jetzt käme eine Überraschung.«

»Das ist keine mehr. Du willst wieder mal was anderes anfangen, und fertig wirst du mit nichts. Auf dich ist kein Verlaß, weil du ein Schwächling bist!«

»Mine lütte Marie!« Der große Junge jammerte. Niemals hatte er so harte Töne von ihr gehört.

»Ich bin nicht dein. Du heiratest mich nie!«

»Deswegen kaufe ich doch grade den Hof! Da bist du dann die Frau. Nur deinetwegen stelle ich mich um, Marie.«

»Nicht wegen Vicki Bäuerlein.«

»Wer ist das?« fragte er. Sie schämte sich weiterzugehn. Gegen ihren Willen sagte sie: »Ihr sollt euch schon ganz gut kennen.«

»Ach so. Meiers! Da haben wir sie wieder. Wo steckt der Junge, daß ich ihn mir mal vornehme.«

»Der ist anständiger als du!«

»So. Daher kommt es wohl, daß ich überall zu hören kriege, du sollst hier mit einem durchgegangenen Studenten flirten. Das Wort flirten haben sie von den Badegästen.«

»Mingo«, bat sie und sah ihn inständig an. »Noch weiter dürfen wir es nicht kommen lassen.«

»Meine ich auch.«

»Kurt will mit seiner Schwester sprechen.«

»Wovon denn? Ich kenne seine Schwester nicht.«

»Ich glaube es dir. Aber ich will, daß er ihr sagt, sie soll abreisen!«

»Du bist verrückt«, – dies sagte er zärtlich, oder doch mit Nachsicht, ja, er legte auch wieder den Arm um sie. Nur schien er ihr nicht so stark wie vor zwei Stunden. Sie flüsterte:

»Mir ist, als könnte ein furchtbares Unglück über uns kommen.«

»So eine große starke Deern!« meinte er, ohne sie zu verstehn. Indessen kamen sie überein, daß Mingo einen seiner Anzüge heraufschicken sollte, damit konnte Kurt sich dann in Warmsdorf blicken lassen.

»Das Zeug wird an ihm schlottern, und er muß die Hosen aufkrempeln.« Hierüber lachte Mingo wenigstens noch; sonst aber gelangten sie zu keiner Fröhlichkeit, sie blieben befangen bis zum Abschied.

An einem gewöhnlichen Wochentag nach der Mittagspause, alle arbeiteten, da fuhr eine Dame eigenhändig ihren offenen Rennwagen vor den Hof und verlangte Herrn Kurt Meier zu sprechen. Der Bauer nahm die Mütze ab, was niemals vorkam, und gehorsam rief er über das Kornfeld: »Herr Kurt Meier!«

Kurt erhob den Arm zum Gruß, blieb aber bei Marie.

»Komm her, Vicki!« Als sie da war, empfing er sie: »Ich mähe. Siehst du, das schneidet man ab, und heißt dafür Schnitter. Später mal soll die Sache Brot ergeben, ich weiß nicht, ob auch unter dem System.«

»Ohne Halskragen und mit kaputter Hose siehst du glänzend aus. Überhaupt ist die Landwirtschaft anmutig«, bemerkte die Schwester, während Marie schon wieder mähte.

»Wenn du mich fragst, ich lege keinen Wert darauf, ich könnte von amerikanischen Konserven leben«, erklärte Kurt. »Darf ich dir Marie vorstellen?«

Die Schwester tat, als zweifelte sie, welche der Arbeiterinnen gemeint sei. »Die große, dicke?« fragte sie nicht besonders leise. Marie entfernte sich Schritt für Schritt hinter ihrer Sense.

»Vicki!« sagte Kurt warnend. »Schon aus deinem Brief ging hervor, daß du eifersüchtig auf Marie bist.«

»Du schwelgtest in der Beschreibung ihrer Reize etwas mehr, als mir in deiner Lage praktisch schien. Wir haben uns wahrhaftig Dringlicheres zu sagen.«

Der Bruder faßte ihren Arm, er führte sie von den Schnittern weiter fort bis an den Rand des noch ungemähten Getreides. Es stand hoch, die Geschwister waren nicht groß genug, daß man sie jeden Augenblick sehen konnte, – nur wenn der Wind die Ähren beiseite bog. Der Bruder betrachtete seine Schwester.

»Wie wundervoll gepflegt! Der künstliche braune Teint macht bedeutend mehr Eindruck als ein natürlicher. Vicki, mir wird immer klarer, was aus dir noch werden kann.«

»Mir auch«, sagte sie. Ihr Gesicht, dunkel und glatt ohne einen Fehler, die Lippen frisch geschminkt in der Modefarbe, und von der Kappe gleichmäßig umrandet diese beiden Halbmonde schwarzen Haares, die dünn ausrasierten Brauen, alles befriedigte den Bruder tief; aber er lächelte ironisch, genau wie sie. Es waren zwei Paar lange schmale Augen.

»Und was ich auch mache«, sagte die Schwester, »wir werden immer ähnlicher.«

»Ich sehne mich manchmal nach dir. Dann male ich mir die Augen und sehe im Spiegel deinen Blick.«

»Schön!« sagte sie begeistert. »Wer denkt an so etwas bei einem Landarbeiter!«

»Im Ernst, Vicki, ich habe es satt und will nach Hause.«

»Gott, wer ist zu Hause. Ich – bei Bäuerlein?«

»Die Bande sitzt, und so lange sie noch sitzt, muß ich die Zeit benutzen. Wie lange hat man denn?«

»Du kannst noch nicht nach Berlin kommen. Bäuerlein will es nicht, Kirsch hat zur Bedingung gemacht, daß du hier bleibst.«

»Und dein Mann läßt sich auf Bedingungen ein? Einen Syndikus hab ich mir energischer gedacht. Kirsch will nicht fliegen, so viel weiß ich.«

»Genug, Bäuerlein ist vorsichtig. Noch gibt mein Ignaz mir kein Geld für dich, keinen Pfennig. Zur Sicherheit bekomme ich selbst nur das allernötigste Bargeld, im Hotel muß ich mit Schecks zahlen. Ich könnte dir kaum die Fahrkarte kaufen, Anzug, Hemden und eine geschmackvolle Krawatte überhaupt nicht. Deine Lackschuhe haben auch schon gelitten, wie ich feststellen muß.«

»Vicki! Wozu redest du? Ich bin Kurt, wenn du dich bitte erinnern willst, und ich weiß, wie du aussehen mußt, damit Bäuerlein dir mit zitternder Hand die Scheine hinschiebt. Das wäre richtiggestellt. Jetzt fragt sich nur, warum du, du selbst nicht wünschst, daß ich nach Berlin komme.«

»Weil die Fuchs dich sofort wieder verhaften ließe.«

»Das ist es auch noch nicht ganz.«

»Natürlich nicht. In Wirklichkeit würde sie dir mit der Verhaftung nur drohen, wenn du nicht zu ihr zurückkehrst – und das tätest du auch! Was solltest du sonst tun. Aber ich will es nicht.«

»Arme Vicki! Immer nur Eifersucht – auf Marie, auf Adele. Meinst du, daß der Gedanke an deinen Ignaz mich kalt läßt? Wir wollen aber doch leben, und es darf nicht zu schwer sein. Dann ist es noch lange nicht leicht.«

»Bei Adele Fuchs kann es dir allerdings nicht leichtfallen.« Plötzlich bekam sie einen Ausdruck, wirksam, wie sein eigener, wenn er log. »Übrigens war sie bei mir und hat ihren Stein von mir verlangt.«

»Und du –« Kurt konnte nicht zu Ende sprechen, er war weißer im Gesicht als seine geschminkte Schwester werden konnte.

»Ich habe sie hinausgeworfen.«

»Das hättest du nicht tun sollen. Außerdem lügst du.«

Die Schwester flüsterte, sie duckte sich dabei hinter das Getreide. »Gebe ich ihn ihr, dann sind wir alle der Alten ausgeliefert. Sie wird erpressen, sie wird –«

Auch der Bruder hatte sich gebückt, beide spähten durch die hin und her wehenden Ähren, ob sie beobachtet würden. Marie war weit entfernt, sie fing kein Wort auf, nur manchmal überraschte sie den verstohlenen Schimmer zweier Gesichter, die ineinander flossen. Das Gespräch der beiden wurde drohender, es rückte ihr näher, obwohl sie sich versteckten; das Angstgefühl Maries verriet es ihr.

Kurt sagte:

»Lassen wir Adele! Du willst, daß ich hier bleibe? Dann hilf mir wenigstens, Marie zu bekommen!« Sie ließ ihn sich ganz erklären. »Du mußt ihren Freund Mingo verführen«, verlangte er.

Vicki lachte – nur wenig unanständig, mehr liebevoll.

»Ich sehe sie dir nach. Das Große, Dicke ist deine Schwäche.«

»Sie ist nicht dick, sie ist stark!« Das nächste sagte er ihr ins Ohr, es war der Auftritt im Stall, als Marie ihn mit hinaufgestemmten Armen über sich gehalten hatte, bis er den Weinkrampf bekam.

»Das wird sie büßen«, versicherte Vicki und schloß die Augen bis auf ein kleines, böses Funkeln.

Kurt war zufrieden. »Vergiß ihren Freund nicht! Er hat die größte Lust, sie sitzenzulassen. Jetzt gehe ich mähen.«

»Erst antworte! Liebst du sie?«

»Hüte dich lieber, Vicki, du wirst dich noch in Bäuerlein verlieben! Auch der ist groß und dick.«

Diesmal lachten beide Geschwister hell auf. Kurt kehrte zur Arbeit zurück, Vicki wartete im Schatten. Der Bauer persönlich brachte ihr Milch, und sie erzählte ihm, was für ein großer Mann ihr Gatte sei, ihr Bruder aber brauche eigentlich gar nicht zu arbeiten, er solle durch dies einfache Leben erzogen werden, übrigens stelle eine amerikanische Milliardärin ihm nach. Alles kam der Schwester Kurts leicht über die Lippen, auch sie war immerhin erst siebzehn Jahre alt. Der Bauer fühlte sich von einer zu hohen Achtung ergriffen, er wurde mißtrauisch und beschloß bei sich: ›Dat Söhnken smiet ick rut.‹

Als alle Schnitter zum Abendessen gingen, wandelte auch Kurt mit Marie herbei, und Vicki eilte ihnen entgegen.

»Das ist doch Marie! Ich habe dich richtig herausgefunden, Marie«, sagte sie überzeugend und nett. »Gib mir die Hand! Wir sind so alte Bekannte.« Sie schien nicht zu bemerken, daß sich die Hand der Arbeiterin anders anfühlte als ihre.

»Ich ziehe mir nur ein trockenes Hemd an«, sagte Kurt, obwohl er augenblicklich kein zweites besaß, und ließ Marie mit Vicki allein.

»Tut er dir nicht leid?« fragte seine Schwester. »Du bist die einzige, die ihn als Kind gekannt hat. Er ist ein armer Junge, er hat die Anlage, bös zu sein, und nur eine gesunde, starke Frau, die gut sein will, könnte ihn –«

Marie blieb sichtlich ungerührt. Vicki versuchte es anders.

»Weißt du, daß Mingo mir nachläuft? Rate mir, was ich machen soll, er gefällt mir! Mit euch sei nicht mehr viel los, behauptet er. Das ist doch nur eine Falle für mich, wie? Sei offen, Marie! Du siehst, ich bin es.«

»Haben Sie den Anzug für Ihren Bruder mit?«

»Ich antworte dir erst, wenn du mich duzt.«

»Hast du den Anzug?«

»Das will ich meinen. Mingo hatte dabei die beste Gelegenheit, zu mir ins Hotel zu kommen. Ich glaube doch, ich lasse ihn abfallen. Dir ist es vielleicht lieber.«

»Dann komme ich mit Kurt nächsten Sonntag nach Warmsdorf«, sagte Marie und wollte Vicki stehen lassen. Die aber hängte sich in ihren Arm.

»Ich finde dich schön, Marie.« Das klang wirklich hübsch. Marie zögerte. »Und mir gibst du kein gutes Wort?« Marie sprach endlich:

»Trotzdem denke ich öfter als du an den Sommer, als wir zusammen spielten.«

»Aber nur wegen Mingo! Stimmt's? Was wir jeder seither durchgemacht haben, Marie! Du natürlich mit Mingo – unter anderem.«

Dies »unter anderem« und die Pause davor erschien Marie abscheulich von Grund auf. Sie hielt es zugleich für leichtherzig und für unheilvoll. »Du bist klug, das muß ich sagen«, – Marie äußerte es in dem freundlichen Ton, den sie von Vicki lernte. »So hübsch und vornehm, und dann bekümmerst du dich noch um meine kleinen Angelegenheiten. Nun will ich dir auch erklären, daß es mit mir und Mingo ernst ist. Es ist ernst, bis –« Sie wollte sagen: bis wir beide tot sind – brachte es aber nicht hervor, es schüttelte sie von tief innen.

Sie kämpfte ihre furchtbare Erregung nieder und schloß ganz anders. »Bis eine wie du mir erzählt, daß Mingo – Mingo mich verrät und dir sagt, mit uns sei nichts mehr los. Dann wird es komisch.«

Marie wollte lachen, aber das gelang nur Vicki, sie lachte gutmütig und frisch.

»Siehst du, Marie, jetzt verstehen wir uns. Ich habe geschwindelt, du hast es gemerkt, und jetzt freue ich mich erst recht darauf, dich mit deinem Mingo zusammen zu sehen. Ach, muß Liebe schön sein!« hauchte sie – und immer kleiner und ängstlicher: »Denn meine Ehe, o Gott, meine Ehe –!«

Marie wußte tatsächlich nicht mehr, ob hier nicht doch die Echtheit anfing. Dann wäre Vicki ganz und gar entschuldigt durch ihr Unglück? Sogleich erkannte sie aber das Gesicht des boshaften kleinen Mädchens wieder unter diesem künstlich geglätteten. Die Brauen, ausrasierte Striche, konnten natürlich nicht mehr wild und gefährlich gefaltet werden, wie einst. Aber es blieb Viktoria Meier.

Der nächste Sonntag begann schon mit der ersten Überraschung; Kurt, der am Morgen verschwunden war, fuhr nachmittags mit einem Auto vor und holte Marie ab.

»Das Kleid, Marie, hast du dir wirklich selbst gemacht? Sieht aus, wie ein Modell!«

Er seinerseits hatte etwas von einem Komiker, in dem hellgrauen Anzug Mingos, der an ihm schlotterte. Aber er zeigte auch die Sicherheit eines Schauspielers, ihn störte nichts. Er machte sie auf seine alten Lackschuhe aufmerksam. »Hättest du geglaubt, Marie, daß Mingo kleinere Füße hat als ich? Seine Nummer paßt mir nicht.«

Sie wußte es. In der ausgetretenen Bekleidung wölbten sich seine Ballen wie die eines riesigen Affen. Der schmale, feine Junge war gezeichnet durch seine Füße; aber er lachte und damit überzeugte er Marie, daß es nichts zu sagen hatte. Übrigens fuhr er den holprigen Weg mit einer Schnelligkeit, die hier noch niemand erreicht hatte; aber wohin steuerte er?

»Du fährst ja nicht zum Hotel!«

Er hielt vor dem Mertenschen Haus, Marie hatte sich noch nicht besonnen, schon erblickte sie im Garten die Gesellschaft, Vicki im Schoß der Familie, Mutter, Vater, der große Bruder – und Mingo reichte ihr Obst. Er ging Marie entgegen, unter einer tief hängenden Baumkrone küßte er sie.

»Nun sollst du mal was sehen, mine Lütte!« raunte er wie ein Verschwörer. »Diese Meier – das ist ja eine – na, das Wort kannst du dir denken. Ich hab manches erlebt bei Weibern, aber so was! Du, heute werden Meiers abgelohnt für ihre sämtlichen Gemeinheiten!«

»Ich bitte dich um etwas, Mingo.« Marie faßte seine beiden Schultern. »Komm fort mit mir – gleich!«

»Aber Marie! Meine Leute erwarten dich. Endlich mal Familienkreis, und du in deinem guten Kleid!«

»Wegen der andern – ihretwegen sitzen alle da!«

»Und das benutzen wir, Marie! Heute abend wird unsere Verlobung öffentlich.«

Er war ehrlich wie immer, und wie noch jedesmal beging er die Dummheit, die ihnen beiden zum Verhängnis wurde. Marie begriff es, aber schon wurde gerufen nach ihnen, sie mußte mitkommen. Die erste, die sich erfreut zeigte, war Vicki! »Wenn du dir das Kleid nicht selbst gemacht hast, Marie, ist es ein Modell!«

Die männlichen Verwandten Mingos begegneten ihr wie einer Dame. Seine Mutter und Vicki gewährten ihr ungefähr den gleichen Grad einer Herzlichkeit, auf die kein Verlaß ist. Frau Merten hatte viel mit der Bewirtung ihrer Gäste zu tun, Marie half ihr. Vicki gewann inzwischen den Vater, den großen Bruder – dies über dem Tisch, aber darunter beschäftigte sie sich mit Mingo. Marie sah alles. Übrigens verständigte Mingo sie mit Blicken.

Als die Zigaretten geraucht waren, brachen die beiden jungen Paare nach dem Strand auf. Frau Merten selbst legte es ihnen nahe, sie war der Verantwortung schon müde. Marie wollte lieber nicht wissen, ob die Mutter Mingos vielleicht damit rechnete, die andere Frau könnte den Sohn ablenken von Marie, und Marie werde den Kampf aufgeben. Sie lief nicht davon, das wäre zu leicht gewesen. Sie blieb an der Seite Kurts, der ihr über der See die Farben des Abends zeigte. Was für ein Abend! Vicki gelangte inzwischen mit Mingo außer Hörweite.

»Du möchtest, mein Junge«, sagte Vicki. Die Dämmerung umwebte sie, nur sie selbst gab sich schleierlos. »Das kann ich verstehen, ich möchte auch.«

»Nicht möglich!« bemerkte er und versuchte wenigstens ihre Hüfte mit der seinen zu bestreicheln.

»Deine Ironie – du Ärmster! Die ganze Zeit hast du deiner Braut Zeichen gegeben, als ob du nur Theater mit mir machtest – und du warst noch nie so scharf. Ich übrigens auch nicht.«

Hierauf antwortete er nicht, weil ihm zu schwül wurde. Sie sagte klar:

»Morgen reise ich ab. Jetzt kannst du dir selbst sagen, was du zu tun hast.«

»So schnell?« fragte er erschrocken.

»Auch ein Held!« bemerkte sie.

»Wegen – Marie«, brachte er hervor.

»Das ist deine Sache. Du liebst sie, wie? Ein für alle Male, nur sie … Abgemacht, aber das geht mich nichts an. Berührt meine Interessen gar nicht.«

»Ich komme nach Berlin!« rief er kopflos.

Sie lachte hoch auf – rein förmlich, als hätte ihr Begleiter etwas zum besten gegeben und sie wäre genötigt, Beifall zu äußern. So klang es, aber Marie, die das Lachen hörte, ließ sich nicht täuschen. Sie machte schnellere Schritte, – bis Kurt den Arm um sie legte und sie zwang, auf den Brettern mit ihm zu tanzen. Aus dem Strandpavillon ertönte Radiomusik. Marie dachte: ›Wenn ich hingelangt wäre, hätte ich das Geschöpf dann niedergeschlagen?‹

Vicki hatte gelacht, jetzt sagte sie: »Berlin, ausgeschlossen. Ich bin verheiratet und anständig.« Der Griff ihrer Hand um seinen Arm sagte ihm alles übrige, ihm blieb nichts zu erwidern auf ihren Griff, in diesem Fieber, diesem Schwindel, die ihn hingerissen.

Sie verschwanden im Strandpavillon, sie tauchten unter die Tanzenden, die einander unaufhörlich anstießen, betasteten, mit den Körpern übereinander hinstrichen, jedes der Paare für sich, und im Gedränge gemeinsam alle Paare. Auch Marie und Kurt wurden gleich nach ihrer Ankunft ein Teil des einzigen, runden und vielgliedrigen Wesens, das den Raum füllte und ihn in langsame, fleischliche Drehung versetzte. Einmal mahlte die gesamte Bewegung diese vier, Marie-Kurt, Vicki-Mingo, zum Greifen nahe aneinander; Marie erblickte, größer als sie hätten sein dürfen – überlebensgroß erblickte sie die Gesichter Mingos und der Frau, sie waren hingegeben und verschlossen zugleich, wie begraben erschienen sie ihr.

Da ist nichts mehr zu machen – fühlte Marie. Wir werden geholt, der Damm stürzt ein, wir rutschen in den Abgrund, schon spritzt er nach uns, und donnert. So hatte sie es erfahren, als ihr Heimatkaten von der See verschlungen wurde. Damals war sie noch entkommen. Hier gab es keine Rettung, für Mingo nicht, für sie nicht; und trotz Schweigen und schläfrigem Umherdrehen geschah doch alles mit der übertriebenen Lebendigkeit der Katastrophe. Man war betäubt, man widerstand nicht der Gewalt.

Später wußte sie vieles nicht mehr. Hatten sie alle vier zusammen getrunken? Hatten sie sogar gelacht? Eine unbestimmte Zeit lang war sie vielleicht allein über den Strand geirrt. Dann holte Kurt sie ein, sie erwehrte sich seiner, aber er wollte sie diesmal nur fortziehn. Sie sah sich dann auch unter den Fenstern von Köhns Hotel, das war nachher ihre klarste Erinnerung. Zwei Schatten glitten stumm über einen Vorhang. Da es das einstige Zimmer ihrer Schwester Antje war, glaubte sie zu verstehen, wo die beiden sich niederließen, wenn ihre Schatten einsanken und sich vermischten. Als sie aber ganz untergingen und das Zimmer leer schien, da erst drang ihr Bild auf Marie ein, so heftig, daß sie schrie. Kurt hielt ihr den Mund zu.

Er sagte, sie müsse sich erholen, und schleifte sie die Treppe des Hotels hinauf – ohne Rücksicht darauf, daß sie anstieß und auf die Knie fiel. In einem Zimmer, dessen Tür er verschlossen hatte, jammerte sie: »Du – du liebst mich nicht.« Kurt antwortete wütend: »Dumme Person! Der Junge nebenan liebt dich!« Sie biß ihn, und in der Wut vereinigten sie sich.

Sie wurde bewußtlos, und als sie ihren Geliebten wieder erblickte, lag er aufgestützt, rauchte und sagte:

»Doch auch schön, – obwohl meine Abenteuer gewöhnlich mehr sportlicher und wirtschaftlicher Natur sind.«

»Du liebst keine Frau?«

»Außer Vicki. Das ist ideal.«

»Und was bin ich?«

Darauf antwortete ihr nur sein sprechender Ausdruck, aber der veranlaßte sie, ihn schallend zu ohrfeigen. Kampf, neue Vereinigung, und endlich wieder das hoffnungslose, vereinsamte Sinnen Maries: über ihre erste Umarmung mit Mingo – über eine Bewegung von damals, eine einzige, von ihrem leidenden Geist immerfort zurückbeschworene, – als sie damals mit ihren Händen sein Gesicht ganz langsam dem ihren zuführte. Es kam ihr näher, jetzt unterschied sie noch die dunklen Wimpern, die gesenkt waren, jetzt nicht mehr.

»Ihr laufen wahrhaftig die Tränen herunter«, knurrte Kurt und drehte ihr die Schulter zu. Sie sprang auf den Fußboden, während er widersprach.

»Was ist los? Gib schon Ruhe! Nebenan schlafen sie.«

Marie hatte das Kleid übergezogen, sie war halb aus der Tür. Kurt streckte sich und legte sich in die Mitte, indes Marie durch die Nacht und über das Land floh.

Die ganze Erntezeit verging, ohne daß Marie und Mingo einander wiedersahen. Sie dachte: ›Der ist geliefert, und das verdient er auch! Der hat sich neue seidene Hemden gekauft und eine Fahrkarte nach Berlin genommen. Soll er bleiben, wo er ist!‹ – Ja, sie brachte es fertig, daß ihre eigene Härte sie nicht schmerzte. Mehr Teilnahme forderte sie von sich für Kurt, einen armen Jungen, der niemand hatte als sie. Den schützte sie. Der Bauer wollte ihn fortschicken, aber Marie drohte, dann auch zu gehen, so durfte er bleiben.

Der Bauer nahm sich Marie vor, als er sie endlich einmal ohne Zeugen in der Stube hatte. »Du machst schöne Sachen, Marie! Von dir reden sie auf sechs Meilen in der Runde. Sie sagen: der Bauer will sie heiraten, und sie schläft mit dem Landstreicher. Aber der Bauer ist ein Rindvieh und heiratet sie doch!«

Marie lachte böse: »Sie wollten den Hof an Mingo Merten verkaufen. Dann hätten Sie fortziehen müssen. Sehen Sie, wieviel besser es jetzt für Sie ist? Man weiß nie, was kommt, das kenne ich allmählich. Mit uns beiden hat der liebe Gott vielleicht auch noch was vor.« Sie schrie, damit er alles verstand, – und war dem Erschrecken nahe, als auf dem alten Gesicht eine kleine Spur von Glück erschien.

»Sag es mir man bloß gleich, wenn du den jungen Menschen satt hast!« bat der Bauer. »Dann schmeiß ich ihn raus.«

Kurt und Marie besuchten des Sonntags die ganze Umgegend, nur nicht Warmsdorf, das war schweigend verabredet. In einem Wirtshaus stand vor Marie plötzlich Mingo. Sie stellte fest, daß Kurt verschwunden war, und daß die Leute alle aufgehört hatten, zu sprechen.

»Tag, Marie«, sagte Mingo in die Stille hinein. »Dich muß man aber lange suchen – jeden Sonntag, überall.«

»Du hast die ganze Woche Zeit.«

»Jetzt nicht mehr. Ich lerne.«

»Du lernst schon wieder was Neues?«

»Nichts Neues, aber das Richtige. Ich fahre mit meinem Bruder zum Fischen. Bald kann ich allein in See stechen und den Kaptän machen. Ich heiße schon bei allen der Kaptän.«

»Dann adjüs, Kaptän«, sagte Marie und stand auf. Er begleitete sie aber aus dem Wirtsgarten und weiter, eine sehr trockne, unebene Straße, sie beachteten beide nicht, wohin.

»Marie!« sagte Mingo, als wollte er sie aufwecken. »Das ist doch alles gar nicht dein Ernst?«

»Freut ihr euch nicht?« fragte sie. »Deine Mutter freut sich bestimmt. Und du?«

»Marie! Glücklich kannst du nicht sein, ob du mich noch magst oder mich vergessen hast.«

»Nichts hab ich vergessen, besonders nicht die Nacht in Röhns Hotel.«

»Das war das einzige, was nicht so wichtig war.« Das klang ruhig und zuverlässig, wie der alte Mingo. Marie empörte sich laut und wirr.

»Du bist ja so schlecht! Du bist ja so schlecht!«

»Ich hab es nicht so gemeint, Marie. Es sollte nichts bedeuten für mich und dich.« Mingo wurde dringlicher, seine Sprache erfuhr eine ungewohnte Steigerung. »Ach Gott, Marie, du weißt, mit uns kann doch gar nichts anders werden.« Noch mehr: hier tat Mingo etwas, das Marie ihn niemals hatte tun gesehen, er schlug sich mit beiden Fäusten auf die Brust. »Solang ich lebe!« stöhnte er. »Und solange du lebst!«

Sie sah blendend klar: Das ist wahr, weil es aus meinem eigenen Herzen kommt und Mingo es ausspricht. Ich wollte, es wäre Kurt, dann dürfte ich ihn auslachen.

Es war Mingo, daher wendete sie sich ihm ganz zu und sagte ihm in die geliebten Augen, in den vom Schmerz geöffneten Mund:

»Aber ich bin schwanger.«

Der Mund Mingos zuckte, und dann schloß er ihn. Er schloß auch die Augen, sie hatten noch Zeit gehabt, im Gesicht Maries die Schatten zu erkennen. Die Schatten unter ihren Augen verbreiteten sich über das halbe Gesicht, und es war kleiner, war viel kleiner geworden! ›Sie stirbt mir!‹ dachte er, und ihm zitterten die Knie.›Sie stirbt an dem Kind von dem andern!‹

Er sackte ab, plumpste auf den Grabenrand und versteckte sich zwischen seinen eigenen Armen. Marie stand über ihm und wartete, ob sein tiefinneres Schluchzen nicht ausbräche, ihn nicht befreite und sie mit. Es geschah nicht. Sie half nach, sie streichelte seinen Kopf – wie einst, nach ihrer ersten Umarmung, als sie ihn trösten mußte für das übergroße Glück. Damals schluchzte er. Jetzt geschah es nicht.

Sie bekam Zeit, ergeben und gefühllos zu werden, so lange währte dies. Ihre Finger in seinen Haaren erschlafften und glitten ab. Sie wartete nur, daß er aufstehe. Nebeneinander, noch nebeneinander gingen sie zurück, die lange, schwere Strecke, die dennoch enden sollte, und dann war es aus, war aus!

Bevor das Wirtshaus in Sicht kam, bog Marie ohne Abschied auf das Stoppelfeld ab. Mingo rief mit erstickter Stimme:

»Ich komme wieder, Marie! Ich komme wieder!«

Nur ihren Schultern, die sich beugten, konnte er anmerken, daß sie ihn verstanden hatte.

Sechs Wochen später erfuhr sie von anderen, daß er sich als Matrose eingeschifft hatte auf einem Überseedampfer.

Da war es schon wieder Herbst. Marie blieb mit Kurt auf dem Hof zurück. Sie bediente den Bauern, und sooft sie am Abend die Stube verließ, erwartete sie voll Furcht und Schrecken ihre Entlassung, daß er ihnen beiden kündigte, ihr und Kurt. Der Bauer war nicht mehr berechtigt, nur den einen von ihnen fortzuschicken. Alle bis nach Warmsdorf hinunter kannten den Zustand Maries und wußten, wer der Vater war.

Nach wochenlangem Schweigen zeigte der Bauer eines Abends auf den Leib Maries und sprach zu laut für diese Worte, aber er war bei Ostwind noch tauber: »Du kannst sagen, daß es von mir ist.« Im ersten Augenblick starrte sie wie auf ein Wunder, dann senkte sie den Kopf. Sie begriff, daß er dieses Mittel gefunden hatte, um sie zu behalten und ihren Geliebten zu entfernen. Sie erwiderte sehr demütig:

»Es soll alles sein, wie Sie wollen. Haben Sie bloß noch Geduld! Der arme Mensch will erst das Kind noch sehen, er hat doch Angst, daß mir was zustößt.«

Nein, sie verwechselte, ohne daß es ihr ganz klar war, diesen mit einem anderen. Ein Seemann in der Ferne hatte Sorgen um sie. Er war eilig angeworben auf einem schlechten kleinen Schoner, der keine Mannschaft mehr bekam, und er wurde mit den anderen Leuten halbnackt hinaufgetrieben an Deck, das legte der Sturm senkrecht. Er war selbst in Lebensgefahr; dennoch, Mingo dachte an sie.

Kurt litt zu sehr am eigenen Leibe, seit es Winter wurde. Er konnte keinen Sinn haben weder für die Mutter noch für das Kind. Er vertrug den scharfen Ostwind nicht, er bekam Krämpfe im Bauch, lag da und krümmte sich, mit einem Gesicht wie hundert Jahre. Marie bemitleidete ihn, sie nahm den kranken Menschen oft in ihre Schlafstube, damit er Wärme bekam. Sie wohnte nun doch in dem Zimmer der verstorbenen Bäuerin. Kurt hielt sich das Herz und stöhnte: »Ich muß von hier fort.«

Davon war er besessen. »Der Anzug muß geschont werden! Hast du den Anzug weggehängt?« Er meinte den von Mingo geliehenen, das blieb seine Verbindung mit der Welt. Manchmal indessen verzweifelte er. »Ich muß sterben in dem Kaff!« Und er versuchte zu weinen. Ihr entging nicht, daß er in sein wahres Elend immer noch etwas einschmuggelte, das nicht echt war. Er seinerseits bemerkte sofort, wenn er ihr mißfiel; die Einsamkeit und der Sturm verschärften sein Gefühl. Dann drückte er ihre Hände und sprach mit Inbrunst.

»Hilf mir fort! Ich bin ein verlorener Junge, selbstsüchtig und verlogen, ich habe mit einer alten Frau gelebt. Aber du kannst es nicht verantworten, daß ich dafür noch mehr gestraft werde. Es langt. Hilf mir fort!«

Aber sie hatten ihr Geld ausgegeben, solange die Tage lieblicher waren, und im Winter gab es keinen Lohn. Er verlangte von ihr, daß sie es dem Bauern wegnehme, sie hatte doch die Schlüssel! Aber den Schrank mit dem Geld verschloß der Bauer selbst. Übrigens hatte er, um sie später zu heiraten, nur die eine Bedingung gestellt: kein Geld mehr für den Studenten! Er hätte eher erlaubt, daß sie mit Kurt noch schlief. Erst das Geld, das der Student bekam, machte den Bauern eifersüchtig. Marie stellte dies unbezweifelbar fest, als sie versuchte, den Alten durch Furcht gefügig zu machen. Sie deutete an, wozu der verrückte und verzweifelte Junge fähig sei; aber es wirkte nicht. Ein verfallender, noch zäher Mensch liebte sie, und er blieb beharrlich auch gegen Gefahren.

Sie hätte sich nicht geweigert, den Schrank zu öffnen. Der grade, einfache Weg, der mit den Schinken nach Brodten geführt hatte, er machte auch wegen des Geldschrankes keinen Bogen, und so gut wie einer verhungernden alten Frau hätte Marie dem Jungen geholfen, damit er fort in sein Leben konnte. Er war ihr Mann gewesen. Aber auch das Kind hatte an sie Forderungen. »Wenn ich das Geld stehle, – das ist das einzige, was den Bauern dahin bringt, daß er uns alle mitsamt dem Kind vor die Tür setzt.«

Kurt dachte bei ihren Worten: ›Immerhin habe ich dann das Geld und bin schon getürmt! Uns alle, sagt sie. Wenn ich sonst keine Sorgen hätte, als sie und ihren Bauch!‹ Hier zuckte er sogar die Schultern, obwohl er seine Meinung doch nicht verraten durfte. Andererseits lag es ihm nicht, den Schrank mit seinen eigenen Händen zu erbrechen.

Da hier sich entschieden kein Ausweg bot, schrieb er der Berliner Lokalinhaberin Adele Fuchs, bat um Geld; und geschickt flocht er ein, was ihm an größeren Unregelmäßigkeiten in ihrem Betrieb bekannt war. Er erwähnte den Kuppeleiparagraphen leichthin und nicht ohne zärtliches Zurückdenken. Der Antwort lag leider kein Geld bei, aber er entdeckte etwas anderes, das unfreiwillige Geständnis eines Herzens, dessen Sehnsucht über alle Enttäuschungen siegte. Adele liebte ihn noch immer, nachdem er sie an die Einbrecher verraten, sie verleugnet und ohne Abschied verlassen hatte! Die inzwischen vergangene Zeit hatte ihr das Bild Kurts nur liebenswürdiger gemacht. Daher graute ihr, wenn sie daran dachte, sie sollte mit einem der Stammgäste –: dies stand inmitten der heftigsten Behauptungen, nie werde Kurt von ihr einen Pfennig erben.

Kurt war im Gegenteil versichert, er werde noch manches von ihr erlangen. Bis dahin allerdings schlich er groteskerweise auf einem Bauernhof umher, ihn fror, er lebte von Gnaden, und seine Geliebte sollte niederkommen. Immer erst sieben Monate! Immer noch zwei warten, damit nach Ankunft des Kindes der Bauer vielleicht gerührt das Reisegeld vorschoß für den Vater! Es war nicht auszuhalten, Kurt bekam wieder seine Bauchkrämpfe.

Dies war der Dezember, der Ostwind Stärke zehn tobte um das Haus, in zwei Betten lagen sie eines Abends nebeneinander. Beide hatten sie Schmerzen; Marie wimmerte in ein Kissen, Kurt phantasierte in ein anderes hinein mit Worten, die alle vom Stöhnen abgerissen wurden. Er lallte dies und jenes über sein einstiges Wohlleben mit Adele, sein Glück bei ihren Verkehrsdamen, Frauen von Klasse. Marie verstand ihn nicht, er konnte sich gehen lassen und trieb es denn auch, mit oder ohne Willen, bis zu dem ganz großen Anfall. Die Zähne klapperten ihm, ungefüge Laute entwanden sich ihnen qualvoll, und gleichzeitig stieß er seine versteiften Glieder von sich mit einer widersinnigen Kraft. Der eine seiner ausgestreckten Arme drängte eisern in die Seite der aufschreienden Frau, die andere Faust kippte ruckweise den Nachttisch um, bis die brennende Kerze herabfiel. Sie erlosch nicht sogleich, ein niederhängendes Bettuch fing Feuer. In demselben Augenblick war der Anfall vorbei. Kurt warf sich über das Tuch, er war tapfer vor Entsetzen, er erstickte die Flamme mit seinem Leibe. Als er sich keuchend nach Marie umwendete, hatte sie das Bewußtsein verloren. Er rannte und rief Hilfe herbei. Noch in der Nacht gebar sie.

Gegen Morgen blieben sie wieder allein. Das Kind lag neben Marie, und sie tastete über das weichliche Stückchen Fleisch mit ihren von der Arbeit aufgequollenen Fingern, die nicht mehr genug fühlten. Aber ihr Herz schlug dem Wesen entgegen, nie abgestumpft von allen seinen Arbeiten im Laufe ihres ernsten Lebens. Ein neues Wesen, endlich ganz ihres, und sie durfte es verteidigen und es lieben für immer! Ihr blutleeres Gesicht mit den müden, beglückten Augen dämmerte nach ihm hin, das Kind vermischte sich ihr mit Mingo. Der Verlorene war zurückgekehrt, er lebte, denn das Kind lebte. Ach, war sie glücklich, im Halbschlaf glauben zu können, es sei sein Kind!

Kurt war geteilt zwischen Ratlosigkeit und Reue. Er wußte nicht, wohin mit sich; Es drängte ihn, die Mutter seines Kindes auf sich aufmerksam zu machen, ihre Hände zu küssen, unhaltbare Versprechungen zu machen und womöglich hinzuknien. Nachdem er alles dies halbwegs versucht hatte, verschwand er leise im entferntesten Winkel. Dort weinte er über sich selbst, und dies aufrichtig.

Auch der Bauer sah sich das Kind an, aber er sprach nicht, scheinbar beabsichtigte er keinerlei Veränderung. Marie begriff trotzdem: ›Er wartet, bis Kurt fort ist. Er heiratet mich, ich habe mein Kind versorgt, ich kann es verteidigen, es lieben. Und dafür muß Kurt fort!‹

Sie berieten und kamen überein, daß Marie selbst seiner Schwester Vicki schreiben solle – ihr die Geburt eines kleinen Jungen berichten und den großen Jungen in Schutz nehmen gegen seine allzu schweren Verpflichtungen. Was konnte Kurt tatsächlich hier draußen für sein Kind tun! Er mußte, gefestigt durch sein Erlebnis als Vater, in Berlin seine Existenz begründen. Es war keine Gunst für ihn, es war seine Pflicht, und Vicki sollte sofort das Geld schicken!

Dies diktierte er ihr, soweit es ihn und Vicki betraf. Dann warteten sie, und täglich stellte er ihr die Aussichten auf Erfolg dar. Die wechselten mehrmals, denn der Schwager Kurts, von dem zuletzt alles abhing, konnte von seiner Eigenschaft als Katholik oder auch durch seine Interessen als Syndikus bestimmt werden. Je nachdem, nahm er sich des jungen Vaters mildtätig an oder verwarf ihn als unbequem. Bald meinte Kurt, Rechtsanwalt Bäuerlein habe genug Zeit gehabt, sich zu entscheiden. Schlimmstenfalls hätte Vicki sogar hinter seinem Rücken handeln können. Statt dessen schrieb sie, Ignaz müsse Kurt in sein Büro nehmen, dies allein bürge ihr dafür, daß der junge Vater vernünftig werde. Aber ihren Ignaz dahin zu bringen, erfordere Taktik.

Genug, Kurt stieß nach wie vor auf die Abneigung seiner Schwester, sich mit Adele Fuchs abzufinden. Trotzdem war ihr klar, daß dort und sonst nirgends die Zukunft Kurts lag. Das mit Ignaz waren Vorwände. Sie hielt den schon wieder Verzweifelnden hin; einmal meldete sie sogar ihr Erscheinen an und kam nicht. Ihm wurde es zu bunt. Er drohte den Schweinen, die er füttern mußte, mit seinem Selbstmord, aber seine Worte waren für Marie bestimmt. Sie wußte, daß er unberechenbar war, daher schritt sie zu einer bisher abgelehnten Handlung. Sie verkaufte Nahrungsmittel, die zum Versand an einen Kaufmann bereit lagen, – trug sie in kleinen Mengen aus dem Hause und nahm von den Händlern die halben Preise, damit sie schwiegen.

Das Geld für die Reise Kurts nach Berlin war beschafft. Er sagte: »Ich müßte eigentlich noch Schuhe haben.« Aber es hielt ihn keinen Tag länger. Auch Marie sah ein, daß es besser wäre, eine gewisse Entfernung zwischen sich und den Bauern zu bringen, bis er den Abgang seiner Waren entdeckt hatte. Wenn sie nicht dabei war, konnte er ihre Gründe leichter verstehen. Nach einiger Zeit begrüßte er wahrscheinlich ihre Rückkehr. Daher entschloß sie sich, Kurt nach Lübeck zu begleiten – mit ihrem Kind auf dem Arm. Kurz vor der Haltestelle der Bahn begegneten sie noch dem Briefträger, er hatte einen Brief von Vicki, die wieder einmal eintreffen wollte, und zwar am Sonntag. Heute war Freitag. Sie konnten nicht umkehren, nur damit Vicki vielleicht doch wieder ausblieb.

Kurt strahlte, sie hatte ihn nie so glücklich gesehen, wie auf der Fahrt. Er bezeugte sogar Dankbarkeit. »Wenn ich über dieses grauenhafte Jahr hinweggekommen bin, nur dir verdanke ich es, Marie! Da es möglichenfalls ein Abschied fürs Leben ist –« Er sah, daß er sie betrübte, und ergänzte schnell: »Ich wünsche es uns nicht. Jetzt sind wir erst richtig gute Freunde. Aber was glaubst du wohl, daß aus mir wird? Schwer vorauszusagen, wie?« Er lachte leichtsinnig auf, mit einem dennoch ahnungsvollen Gesicht – und sprach sogleich von etwas anderem. Sie vergaß diesen Augenblick nicht.

In der Holstenstraße raunte er ihr zu: »Sieh dir meine Schuhe an – aber unauffällig!« Ihr war es bekannt, die Lackschuhe klafften, der letzte Versuch, sie auszubessern, war längst gescheitert. »Soll ich damit in Berlin ankommen? Das kostet mich achtzig Prozent meiner Chance. Der erste Eindruck kann entscheidend sein.« Er spiegelte sich in einem Schaufenster. Der graue Anzug Mingos paßte nicht, aber er schlotterte auch nicht mehr, Marie hatte dafür gesorgt. Einen Hut brauchte sein schwarzes Haar nicht, es lag wie ein Helm um den Kopf. »Anständig, solange die Schuhe verdeckt sind. Ich müßte es möglich machen, anfangs nur mit dem Oberkörper aufzutreten, – ich winke aus einem Vorhang heraus, oder ich schiebe einen Klubsessel vor mir her.«

»Das Geld ist alle«, sagte Marie. »Was soll ich machen.«

»Das ist leichter gesagt als getan«, raunte Kurt. Als sie ihn ratlos anblickte, fragte er:

»Na wo stehn wir denn – mine lütte Marie?« Es war nicht zärtlich gemeint; er gab ihr nur zu verstehn, daß sie begriffsstutzig sei. Wirklich bemerkte sie erst jetzt, daß dies Schaufenster in dem großen Warenhaus lag. Sie hatte Kinderspielzeug vor sich, und so wenig geeignet der Zeitpunkt war, sie mußte denken, daß einiges davon schön gewesen wäre für ihren kleinen Jungen, der ihr im Arm schlief.

»Sieh nicht hin, die Schuhe sind nebenan«, raunte Kurt.

»Die Abteilung ist im ersten Stock«, sagte Marie ebenso leise. »Ich weiß Bescheid.«

»Na also.«

Sie machten sich von ihrem Platz los und trieben in der Menge fort. Gesprochen wurde nicht. Erst in einer kleinen Seitengasse sagte Marie:

»Ich gebe so lange das Kind ab. Du kannst hier warten.«

»Nein. Es ist besser, wir werden nicht mehr zusammen gesehen. Wenn du nachher durch den Haupteingang wieder herauskommst, bemerkst du in dem Gedränge meinen hellen Anzug – von rückwärts natürlich. Aber ich habe Augen hinten, und was du fallen läßt, kommt in die richtigen Hände. Mach's gut!«

Er drückte sich hinter einen Vorsprung, während sie vorüberging. Gedämpft rief er ihr nach:

»Aber keine mit Einsätzen!«

Marie ließ ihr Kind bei der armen Frau, die sie einst beherbergt hatte, während sie Arbeit suchte. Das Kind hätte ihre Hände behindert für das, was sie vorhatte; es sollte auch nicht dabei sein. Von Kurt war nichts zu sehen; im größten Gedränge des späten Nachmittags gelangte sie in das Warenhaus und über die Treppe. Sie war nicht erregt, sie bedachte nur, daß es das beste wäre, wenn man gar nicht erst Zeit bekäme, sie zu beobachten. Dies ergab eine ungewollte Hast und beeinträchtigte die Umsicht. Zu allem anderen war sie auch noch besorgt, eine zu kleine Nummer zu erwischen.

Ihr Mantel zeigte nur eine geringe Ausbuchtung; man konnte glauben, es sei einfach ihre Hand, die in der Tasche sich ballte. Dennoch sprach plötzlich ein junges Mädchen sie an, es war nicht älter als Marie, es war auch nicht unfreundlich, aber von dem, was es sagte, wurde Marie kalt. Soeben hatte sie wieder die Treppe erreicht, das Gedränge trug sie hinunter, gleich wäre alles vorbei gewesen!

»Ich kann Sie verstehn. Geben Sie die Schuhe ruhig wieder her, dann melde ich es nicht«, hörte Marie, und sie allein konnte es hören. Unerwartet duckte sie sich und schlüpfte zwischen den Beinen der Leute hindurch. Atemlos erreichte sie den Haupteingang, schon erkannte sie den hellen Rücken Kurts; seitwärts im Spiegel sah sie auch, daß er sie bemerkt hatte. Sie ließ die Schuhe fallen. In der nächsten Sekunde holte ein Arm Marie an der Schulter zurück.

»Sie kommen mit!« Das war nicht mehr das freundliche junge Mädchen, sondern eine Art Landjäger in Damenkleidern. »Heraus mit den Schuhen!«

Marie leugnete nicht, daß sie welche habe, sie ließ sich von den harten Händen abtasten. »Sie haben sie aber gehabt! Wir haben Zeugen. Hören Sie mal, Fräulein, Ihnen kann es nichts mehr nützen oder schaden, aber für die Verkäuferin ist es günstiger, wenn Sie sagen, wo Sie die Schuhe gelassen haben.«

Marie dachte an das freundliche junge Mädchen, sie gab zu: »Als Sie mich anfaßten, habe ich sie vor Schrecken fortgeworfen.«

Die Detektivin lächelte; jetzt hatte sie wenigstens das Geständnis. Die Schuhe? Die waren aufgehoben worden von jemand, der zu der Diebin gehörte oder auch nicht. Jeder Unbeteiligte hob sie grade so gut auf, – erklärte die Detektivin dem Schupo, dem sie Marie übergab. Heute war es zu spät, sie dem Schnellrichter vorzuführen, Marie verbrachte die Nacht im Polizeigefängnis. Kurt saß im Zug nach Berlin. Ihr Kind schlief bei der armen Frau. Vor Marie standen Drohungen, unklar und schreckensvoll – die ganze, ruhelose Nacht.

Der Schnellrichter verurteilte sie zu vier Wochen. Sie hatte nicht nötig, ihre Tat lange zu erklären – und warum grade Herrenschuhe. Sie wurde zunächst auf freiem Fuß gelassen mit der Weisung, in ihren Dienst zurückzukehren. Sie ging aber zu ihrem Kind, und als sie es wiedergesehen hatte, schlief sie aus. Sie schlief den Abend und die ganze Nacht. Am Morgen gab die arme Frau ihnen beiden noch Milch und Kaffee, dann mußten sie gehen.

Marie hatte kein Geld für die Rückfahrt, aber hätte sie es auch gehabt, als verurteilte Diebin nahm der Bauer sie wahrscheinlich nicht auf. Sie wußte wohl, daß er schon mehrmals anders gehandelt hatte, als sie erwarten konnte; diese Nachgiebigkeit aber hätte sie selbst nicht gewollt, noch weniger von dem alten Mann, als von Fremden. Wo gab es für sie eine andere Arbeit, da sie hier in der Stadt keine gefunden hatte, früher, als noch niemand dazwischentreten und sie zum Absitzen einer Strafe holen konnte, – und auf ihrem Arm trug sie damals nicht das Kind, dem sie Nahrung schuldete. Dies Kind hatte sie verteidigen wollen, hatte es lieben wollen!

Mit einem Blick erkannte sie, daß kein Ausweg da war. Sie war gefangen. Das Gefängnis, das sie erwartete, war nicht fester und undurchdringlicher, als diese offenen Straßen und alle diese Menschen. Sie hatte ihren Mantel ausgezogen, um nur das Kind noch einzuhüllen, der Februarmorgen schien ihr rauh wie noch niemals einer. Sie kam vorbei an den Anlagen, in denen sie eine Nacht eines fernen Spätsommers verbracht hatte. Sollte sie am Ende dieses Tages sich mit ihrem Kind dorthin legen? Sollte sie warten, bis es laut weinte vor Hunger und Frost? Und wenn sie ins Gefängnis mußte, was wurde aus ihm? Sie nahmen es ihr! Der Diebin Marie nahmen sie ihr Kind!

Sie ging schneller auf den Bahnhof zu. Sie lief nur darum nicht, daß niemand sie aufhielte und zur Rede stellte. Sonst fürchtete sie nichts. Was sie tun mußte, war so gut wie geschehen, da es unausweichlich war. Sie fürchtete sich davor nicht, und sie begriff es. Oh! Wie sehr kannte sie jetzt jenes Mädchen, das einst den Bahnsteig entlanggelaufen kam, mit unsicheren Füßen auf der äußersten Kante des Bahnsteiges und mit einem Gesicht voll schmerzlichen Mißtrauens, als fände sie die heranbrausende Lokomotive noch nicht schnell genug. »Ich glaubte, sie hätte es nicht nötig! Ich war schön dumm!«

Dies vertraute Marie nur ihrem kleinen Jungen an, und da umgab sie schon die große, geschäftige Halle. Auch sie verlor keine Zeit, schon unterwegs hatte sie die zwanzig Pfennig hervorgekramt für die Bahnsteigkarte. Für wenig andere Dinge hätten sie gereicht, aber sie reichten hierfür. Trotz ihrer Pünktlichkeit konnte sie indes nicht verhindern, daß der einlaufende Zug ihr zuvorkam. Als sie vor ihn hin auf die Schienen sprang, stand er schon fast. Mit dem letzten kleinen Teil einer Bewegung zerbrach die Lokomotive ihr einen Fuß. Auch schlug Marie mit dem Kopf an und verlor das Bewußtsein. Unter sich hatte sie rechtzeitig ihr Kind geborgen.

Die aussteigenden Reisenden liefen zusammen, soweit sie nicht dringend abgehalten waren; schon wurden die Frau und das Kind auf den Bahnsteig gehoben. Die Tragbahre mit den Sanitätern erschien, sie betteten die Frau und legten gleich das Kind dazu, obwohl die Frau bewußtlos war. Eine Dame, vornehm gekleidet, jung, mit brauner Gesichtsfarbe, konnte sich von dem Vorfall nicht trennen, sie war die einzige der angekommenen Fahrgäste, die mit der Bahre auf die Unfallstation des Bahnhofes ging. Dort erklärte sie:

»Ich kenne die Verunglückte. Wir stehen in näheren Beziehungen. Ich wünsche, daß sie in eine gute Privatklinik gebracht wird, ich übernehme alle Kosten. Hier ist meine Karte. Übrigens komme ich gleich mit.«


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