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An eine schöne Straßburgerin

(Variiertes Volkslied)

Was nützet mir ein schöner Garten,
Wo Früchte-schwer die Bäume stehn,
Von Blumenkelchen, bunten, zarten,
Die dunkeln Honigdüfte wehn?
Was seine weißen Schlängelpfade,
Die durch die grünen Lauben ziehn
Hin nach der plätschernden Kaskade,
Wo Vögel bunt vorüberfliehn?
Was nützt das mir, da ich gesehn,
Daß andre –

Ach! andre drin spazieren gehn?

Was nützet mir ein schönes Mädchen,
Das in dem bunten Garten weilt:
Zehntausend Herrn hält sie am Fädchen
Und ist zehntausendmal geteilt?
Und zwanzigtausend Augen hängen
An ihres Auges goldenem Schild,
Und zwanzigtausend Lippen drängen
Zum Kuß an ihre Lippen wild?
Was nützt das mir, da ich gesehn
Zehntausend –

Ach! zehntausend mitspazieren gehn?

Mir nützt nicht Mädchen, nützt nicht Garten,
Dieweil so viele andre sind –:
Am Gartenpförtchen will ich warten,
Bis ich sie ganz alleine find'.
So lange lausch' ich an dem Gitter
Der Wegewart-Melancholie
Und träume leis' auf meiner Zither
Nach einer alten Melodie.
Vielleicht nützt das: So kann ich sehn
Die andern –

Ja! die andern auseinandergehn!


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