Bonaventura
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An den Mond.

Sanftes Antlitz voll Gutmüthigkeit und Rührung; denn beides mußt du in dir vereinen, weil du nicht einmal am Himmel den Mund aufreißest, weder zum Fluchen noch zum Gähnen, wenn tausend Narren und Verliebte ihre Seufzer und Wünsche zu dir hinaufrichten, und dich zu ihrem Vertrauten erkiesen; so lange du auch schon um die Erde herumgelaufen bist, als ihr Begleiter und Cicisbeo, so hast du dich doch beständig als ein treuer Confident gehalten, und man findet kein einziges Beispiel in der Weltgeschichte bis zu Adam hin, wo du unwillig geworden wärest, die Nase gerümpft, oder einige hämische Mienen angenommen hättest, ob du gleich diese Seufzer und Klagen schon tausend und abermaltausend male wiederholen hörtest. Noch immer bist du gleich aufmerksam, ja man sieht dich so oft gerührt das Wischtüchlein einer Wolke vorhalten, um deine Thränen dahinter zu verbergen. Welchen bessern Zuhörer könnte sich ein seine Werke vorlesender Dichter wählen, als dich, welchen innigern Vertrauten ich, der ich hier im Tollhause mich liebend verzehre. Wie blaß du bist, Guter, wie theilnehmend, und zugleich wie aufmerksam auf alle, die noch in diesem Augenblicke außer mir stehen, und dich anschauen! Deine gutmüthige Miene könnte man leicht für Einfalt halten, besonders heute, wo dein Antlitz zugenommen hat und recht rund und genährt anzuschauen ist; aber du magst zunehmen, wie du willst, ich lasse mich dadurch in deinem Antheile nicht täuschen, bleibst du doch immer der Alte, und nimmst auch wieder ab, und verzehrst dich – ja verhüllst du nicht gar, wenn dich die Rührung überwältigt, dein Gesicht wie der weinende Agamemnon, daß man nichts von dir sieht, als den vor Gram kahlen Hinterkopf! – Leb wohl, Trauter, Guter!

An die Liebe.

Weib, was willst du von mir, daß du dich an mich hängst? Hast du mir auch schon ins Gesicht geschaut? – Du mit deinem Lächeln und deinen holden liebäugelnden Mienen, und ich, mit all dem Grimme und Zorne im Medusenantlitz! – Traute, überleg es, wir geben ein gar zu ungleiches Paar ab. Laß mich los, beim Teufel! ich habe nichts mit dir zu schaffen! Du lächelst wieder und hälst mich fest? Was soll die vorgehaltene Göttermaske, mit der du mich anblickst? Ich reiße sie dir ab, um das dahintersteckende Thier kennen zu lernen; denn in der That, ich halte dein wahres Gesicht nicht für das reizendste. – Himmel, das wird immer ärger, ich girre und schmachte ganz erbärmlich – willst du mich völlig rasend machen! Weib, wie kannst du nur Gefallen daran finden auf einem so kreischenden Instrumente, wie ich bin, spielen zu wollen! Die Komposizion ist für einen Fluch gesetzt, und ich muß ein Liebeslied dazu absingen. O laß mich fluchen und nicht in so schrecklichen Tönen schmachten! hauche deine Seufzer in eine Flöte, aus mir schallen sie wie aus einer Kriegstrommete, und ich rühre die Lermtrommel, wenn ich girre. – Und nun gar der erste Kuß – o das andere ließe sich noch überstehen, wie alles, was sich blos in der Sprache und in Tönen umhertreibt, und es wäre mir immer noch erlaubt heimlich etwas anderes dabei zu denken – aber der erste Kuß – ich habe niemals geküßt, aus Abscheu gegen alle rührende und zärtliche Heuchelei – Unhold, wüßte ich daß du mich dazu verleiten könntest, ich böte meine letzte Kraft auf, und schüttelte dich von mir!

In solchen und dergleichen Fragmenten habe ich mich abgearbeitet, und mich ordentlich methodisch auszuschreiben gesucht, wie mancher Dichter, der seine Gefühle so lange auf dem Papiere von sich giebt, bis sie zuletzt alle abgegangen sind, und der Kerl selbst ganz ausgebrannt und nüchtern dasteht.

Es schlug indeß alles fehl bei mir, ja die Symptome wurden immer kritischer, und ich fing gar an in mich vertieft umherzuwandern, und fühlte mich fast human und kleinlaut gegen die Welt gestimmt. Einmal meinte ich gar, sie könnte doch wohl die beste sein, und der Mensch selbst wäre etwas mehr, als das erste Thier darauf, ja er habe einigen Werth und könne vielleicht gar unsterblich sein.

Als er soweit gekommen war, gab ich mich selbst verloren, und betrieb es jetzt ganz so langweilig und alltäglich wie ein anderer Verliebter. Ich entsetzte mich schon nicht mehr, wenn ich versifizirte, ja ich konnte auf eine längere Zeit gerührt bleiben, und gewöhnte mich an manche Ausdrücke, die ich sonst gar nicht in den Mund genommen hätte. Jetzt ließ ich den ersten Liebesbrief vom Stapel laufen, den ich hier sammt dem andern Briefwechsel zur Erbauung anhänge:

Hamlet an Ophelia.

Himmlischer Abgott meiner Seele, reizerfüllteste Ophelia! Dieser Eingang zwar, mit dem ich meinen ersten Brief an dich überschrieb, als wir noch blos auf dem Hoftheater uns zum Vergnügen der Zuschauer liebten, könnte dich vielleicht täuschen, und es dir einreden wollen, als ob ich noch eben so wie damals an einem fingirten Wahnsinn und allen den metaphysischen Spitzfündigkeiten, die ich von der hohen Schule mitbrachte, laborirte. – Aber laß dich dadurch nicht täuschen, Abgott, denn ich bin für diesesmal wirklich toll – so sehr liegt alles in uns selbst und ist außer uns nichts Reelles, ja wir wissen nach der neuesten Schule nicht, ob wir in der That auf den Füßen, oder auf dem Kopfe stehen, außer daß wir das erste durch uns selbst auf Treu und Glauben angenommen haben. – Es ist dies ein ganz verwünschter Ernst, Ophelia, und du sollst nicht etwa glauben, daß ich es als Persiflage von mir gebe. – Ach, wie ist es alles jetzt verändert in deinem armen Hamlet – diese ganze Erde, die ihm sonst wie ein verödeter Garten voll Dornen und Disteln, wie ein Sammelplatz voll pestilenzischer Ausdünstungen vorkam, hat sich jezt vor ihm in ein Eldorado verwandelt, in einen blühenden Garten der Hesperiden; er war einst so frei und kerngesund, als er sie haßte, und ist jetzt ein Sklav und fast krank, da er sie liebt. – Theuerste – ich wollte daß ich Verhaßteste sagen könnte, es gäbe dann doch wenigstens nichts, was mich an diesen dummen Ball fesselte, und ich könnte ganz froh und lustig mich von ihm hinunterstürzen in das ewige Nichts – also leider Theuerste! ich sage jetzt nicht mehr wie vormals zu dir: Geh in ein Nonnenkloster! denn ich bin toll genug zu glauben, wenn der Mensch liebe, so sei der Narr etwas, ob er gleich deshalb doch immer nur dem Tode rascher entgegen geht, und dieser ihm, bis sie sich beide endlich treffen und fest und ewig umarmen; es sei dies nun an dem Steine wo der heilige Gustav entschlummerte, auf dem Gerüste wo die schöne Maria blutete, oder an irgend einem noch bessern oder schlechtern Orte.

Ich weiß gewiß, der böse Feind schwebt hohnlachend über der Erde, und hat die Liebe, als eine bezaubernde Maske, auf sie herabgeworfen, um die sich jezt alle Menschenkinder reißen, sie auf eine Minute lang vorzuhalten. Sieh, auch ich habe sie leider gefaßt, und minaudire mit dem Todtenkopfe recht zärtlich hinter ihr, und habe beim Teufel Lust das Menschenkind mit dir fortzupflanzen. O wäre die verwünschte Larve nicht, es hätten dann die Erdensöhne hienieden gewiß dem jüngsten Tage einen Possen gespielt durch ein Gesez gegen die Bevölkerung, damit unser Herrgott, oder wer sonst zulezt den Erdball noch einmal anschauen will, ihn zu seiner Verwunderung von Menschen durchaus entvölkert gefunden hätte.

Doch laß mich endlich zu dem Punkte kommen, den ich leider, so sehr ich mir auch Mühe gebe, nicht umgehen kann – zu meiner Liebeserklärung!

Zorniger, wilder, menschenfeindlicher hat es in mir seit meiner Geburt nicht ausgesehen, als in diesem Augenblicke, wo ich es dir aufgebracht hinschreibe, daß ich dich liebe, dich anbete, und daß ich nach dem Wunsche dich zu hassen und zu verabscheuen, keinen sehnlichern hege, als das Geständniß deiner Gegenliebe zu vernehmen. Bis dahin dein

liebender Hamlet.

Ophelia an Hamlet.

Liebe und Haß steht in meiner Rolle, und zulezt auch Wahnsinn – aber sage mir was ist das alles eigentlich an sich, daß ich wählen kann. Giebt es etwas an sich, oder ist alles nur Wort und Hauch und viel Phantasie. – Sieh da kann ich mich nimmer herausfinden, ob ich ein Traum – ob es nur Spiel, oder Wahrheit, und ob die Wahrheit wieder mehr als Spiel – eine Hülse sitzt über der andern, und ich bin oft auf dem Punkte den Verstand darüber zu verlieren.

Hilf mir nur meine Rolle zurücklesen, bis zu mir selbst. Ob ich denn selbst wohl noch außer meiner Rolle wandle, oder ob alles nur Rolle, und ich selbst eine dazu. Die Alten hatten Götter, und auch einen darunter, den sie Traum nannten, es mußte ihm sonderbar zu Muthe sein, wenn es ihm etwa einfiel sich für wirklich halten zu wollen, und er doch immer nur Traum blieb. Fast glaube ich der Mensch ist auch solch ein Gott. Ich möchte gern mich auf einen Augenblick mit mir selbst unterreden, um zu erfahren, ob ich selbst liebe, oder nur mein Name Ophelia – und ob die Liebe selbst etwas ist, oder nur ein Name. – Sieh, da suche ich mich zu ereilen, aber ich lauf immer vor mir her und mein Name hinterdrein, und nun sage ich wieder die Rolle auf – aber die Rolle ist nicht Ich. Bring mich nur einmal zu meinem Ich, so will ich es fragen, ob es dich liebt.

Ophelia.

Hamlet an Ophelia.

Grübele dergleichen Dingen nicht so tief nach, Theure, denn sie sind so verworrener Natur, daß sie leicht zum Tollhause führen könnten! Es ist alles Rolle, die Rolle selbst und der Schauspieler, der darin steckt, und in ihm wieder seine Gedanken und Plane und Begeisterungen und Possen – alles gehört dem Momente an, und entflieht rasch, wie das Wort, von den Lippen des Komödianten. – Alles ist auch nur Theater, mag der Komödiant auf der Erde selbst spielen, oder zwei Schritte höher, auf den Brettern, oder zwei Schritte tiefer, in dem Boden, wo die Würmer das Stichwort des abgegangenen Königs aufgreifen; mag Frühling, Winter, Sommer oder Herbst die Bühne dekoriren, und der Theatermeister Sonne oder Mond hineinhängen, oder hinter den Koulissen donnern und stürmen – alles verfliegt doch wieder und löscht aus und verwandelt sich – bis auf den Frühling in dem Menschenherzen; und wenn die Koulissen ganz weggezogen sind, steht nur ein seltsames nacktes Gerippe dahinter, ohne Farbe und Leben, und das Gerippe grinset die anderen noch herumlaufenden Komödianten an.

Willst du aus der Rolle dich herauslesen, bis zum Ich? – Sieh dort steht das Gerippe und wirft eine Handvoll Staub in die Luft und fällt jezt selbst zusammen; – aber hinterdrein wird höhnisch gelacht. Das ist der Weltgeist, oder der Teufel – oder das Nichts im Wiederhalle!

Sein oder Nichtsein! Wie einfältig war ich damals, als ich mit dem Finger an der Nase diese Frage aufwarf, wie noch einfältiger diejenigen, die es mir nachfragten, und wunder glaubten, was hinter dem Ganzen steckte. Ich hätte das Sein erst um das Sein selbst befragen sollen, dann ließe sich nachher auch über das Nichtsein etwas Gescheutes ausmitteln. Ich brachte damals noch die Unsterblichkeitstheorie von der hohen Schule mit und führte sie durch alle Kategorien. Ja, ich fürchtete wahrlich den Tod der Unsterblichkeit halber – und beim Himmel mit Recht, wenn hinter dieser langweiligen comedie larmoyante noch eine zweite folgen sollte – – ich denke es hat damit nichts zu sagen!

Darum, theure Ophelia, schlag dir das alles aus dem Sinne, und laß uns lieben und fortpflanzen und alle die Possen mittreiben – blos aus Rache, damit nach uns noch Rollen auftreten müssen, die alle diese Langweiligkeiten von neuem ausweiten, bis auf einen lezten Schauspieler, der grimmig das Papier zerreißt und aus der Rolle fällt, um nicht mehr vor einem unsichtbar dasizenden Parterre spielen zu müssen.

Liebe mich kurz und gut, ohne weiteres Grübeln!

Hamlet.

Ophelia an Hamlet.

Du stehst einmal als Stichwort in meiner Rolle, und ich kann dich nicht herausreißen, so wenig wie die Blätter aus dem Stücke, worauf meine Liebe zu dir geschrieben ist. So will ich denn, da ich mich aus der Rolle nicht zurücklesen kann, in ihr fortlesen bis zum Ende und zu dem exeunt omnes, hinter dem dann doch wohl das eigentliche Ich stehen wird. Dann sage ich dir, ob außer der Rolle noch etwas existirt und das Ich lebt und dich liebt.

Ophelia.

Hinter diesem Briefwechsel trat nun unser Wortwechsel ein, und jeder nachfolgende Wechsel, von den Blicken, Küssen und dergleichen an, bis zum Selbstwechsel.

Nach wenigen Monaten war das Stichwort zu einer neuen Rolle geschrieben. – Ich war doch fast glücklich in der Zeit, und spürte in dem Tollhause zuerst einige Menschenliebe, so daß ich ernsthaft über Planen brütete mit den Narren um mich her Plato's Republick zu realisiren. Doch da strich der Traumgott wieder alles aus!

Die Ophelia wurde immer blasser und vernünftiger, obgleich der Arzt meinte, der Unsinn sei bei ihr im Steigen; aber es war der Moment, wo ein großer Sinn in ihn eintrat. –

Es stürmte wild um das Tollhaus her – ich lag am Gitter und schaute in die Nacht, außer der am Himmel und auf Erden nichts weiter zu sehen war. Es war mir, als stände ich dicht am Nichts und riefe hinein, aber es gäbe keinen Ton mehr – ich erschrack, denn ich glaubte wirklich gerufen zu haben, aber ich hörte mich nur in mir. Ein Bliz, ohne nachfolgenden Donnerschlag, flog pfeilschnell, aber still durch die Nacht, und der Tag erschien und verschwand rasch in ihr, wie ein Geist. Neben mir auf der einen Seite rasselte ein Wahnsinniger schrecklich mit seinen Ketten, auf der andern hörte ich Ophelia abgerissene Stücke ihrer Balladen singen, doch wurden die Töne oft Seufzer, und zulezt schien mir alles eine große Disharmonie, zu der die rasselnden Ketten die begleitende Musik abgaben. Es dünkte mich, als entschliefe ich. Da sah ich mich selbst mit mir allein im Nichts, nur in der weiten Ferne verglimmte noch die letzte Erde, wie ein auslöschender Funken – aber es war nur ein Gedanke von mir, der eben endete. Ein einziger Ton bebte schwer und ernst durch die Oede – es war die ausschlagende Zeit, und die Ewigkeit trat jetzt ein. Ich hatte jezt aufgehört alles andere zu denken, und dachte nur mich selbst! Kein Gegenstand war ringsum aufzufinden, als das große schreckliche Ich, das an sich selbst zehrte, und im Verschlingen stets sich wiedergebar. Ich sank nicht, denn es war kein Raum mehr, ebenso wenig schien ich emporzuschweben. Die Abwechselung war zugleich mit der Zeit verschwunden, und es herrschte eine fürchterliche ewig öde Langeweile. Außer mir, versuchte ich mich zu vernichten – aber ich blieb und fühlte mich unsterblich! –

Hier vernichtete sich der Traum in seiner eigenen Größe und ich erwachte tiefaufathmend – das Licht war erloschen, ringsum tiefe Nacht; nur Ophelien hörte ich leise ihre Balladen singen, wie wenn sie jemand damit in den Schlaf wiegte. Ich tappte an den Wänden aus meiner Kammer, neben mir schlichen draußen durch die Finsterniß noch Wahnsinnige und zischelten leise.

Ich öffnete Opheliens Thür, sie lag blaß auf ihrem Lager, bemüht ein todtes eben geborenes Kind an ihrer Brust in den Schlaf zu lullen; neben ihr stand ein irres Mädchen und legte den Finger auf den Mund, wie wenn sie mir Stille zuwinkte.

Jezt schläft es! sagte Ophelia und blickte mich lächelnd an, und das Lächeln war mir, wie wenn ich in ein aufgeworfenes Grab schaute. – Gottlob, es giebt einen Tod, und dahinter liegt keine Ewigkeit! sprach ich unwillkührlich.

Sie lächelte fort und flüsterte nach einer Pause, wie wenn die Sprache sich allmälig in Hauche auflösen und leise verschwinden wollte: Die Rolle geht zu Ende, aber das Ich bleibt, und sie begraben nur die Rolle. Gottlob daß ich aus dem Stücke herauskomme und meinen angenommenen Namen ablegen kann; hinter dem Stücke geht das Ich an! – Es ist nichts! sagte ich schüttelnd. – Sie fuhr kaum hörbar fort: Dort steht es schon hinter den Koulissen und wartet auf das Stichwort; wenn nur der Vorhang erst ganz nieder ist! – Ach, ich liebe dich! das ist die lezte Rede im Stücke und sie allein will ich aus meiner Rolle zu behalten suchen – es war die schönste Stelle! Das Uebrige mögen sie begraben! –

Da fiel der Vorhang und Ophelia trat ab – niemand klatschte und es war, als ob kein Zuschauer zugegen wäre. Sie schlief schon ganz fest mit dem Kinde an der Brust, und beide waren nur sehr blaß und man hörte keine Athemzüge, denn der Tod hatte ihnen seine weiße Maske schon aufgelegt. –

Ich stand stürmisch aufgereizt neben dem Lager und in mir machte es sich zornig Luft, wie zu einem wilden Gelächter – ich erschrack, denn es wurde kein Gelächter, sondern die erste Thräne, die ich weinte. Nahe bei mir heulte noch einer; – doch war es nur der Sturm, der durch das Tollhaus pfiff.

Als ich aufblickte, standen die Wahnsinnigen in einem Halbkreise um das Lager her, alle schweigend, aber seltsam gestikulirend und sich gebärdend; einige lächelnd, andere tief nachsinnend, noch andere den Kopf schüttelnd, oder starr die weiße Schlummernde und das Kind betrachtend; – auch der Weltschöpfer war darunter, aber er legte nur bedeutend den Finger auf den Mund.

Es ward mir fast bange in dem Kreise!


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