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Drittes Capitel.

Es war schon spät am folgenden Tage, als unsre Reisegesellschaft Edinburgh zu Gesichte bekam. Die Sonne stand niedrig am Himmel, und versprach einen prachtvollen Untergang. Als sie unter den glühenden Wolken hinabstieg, röthete ihr Wiederschein die Felsen um Arthur's Burg und die kühne Wand der Salisbury-Berge, während die unregelmäßig gebaute Stadt finster im Thale lag, und nur höchstens noch die höchsten Thürme und die Zinnen der größten Gebäude einen Schimmer der scheidenden Sonnenstrahlen festhielten. Das Schloß lag zwischen unsern Reisenden und der untergehenden Sonne; es stieg dunkel empor auf seinen gewaltigen Felsen, und trat mit seinen Thürmen und Spitzen in riesenmäßigen, scharfen Umrissen mächtig heraus auf dem feuerrothen, glänzenden Himmel. Der Abend war still und warm, und die Leute in der Nähe der Stadt schienen seiner Schönheit sich zu erfreuen. Viele schlenderten auf den Feldern umher, andre sah man in vergnügten Gruppen vor den Häusern stehen. Beim Annähern jedoch an den Stadtwall sah man deutliche Zeichen des Druckes und des Argwohns dieser Zeiten. Das Thor, durch welches unsre Reisenden einfuhren, war stark bewacht; es hieß damals St. Mary Wynd Port. Hier mußten sie ihre Namen angeben, und das Haus, worin sie zu wohnen gedachten. Colville sah bei dieser Anforderung Torriswood ganz erstaunt an; dieser aber befriedigte den Fragenden aufs Vollständigste, und hielt Colville's ausbrechenden Unwillen zurück durch die Worte, die er ihm ins Ohr flüsterte: »Ziehen Sie hier nicht die Aufmerksamkeit auf uns.«

Colville folgte dem Wink, und sie durften nun weiter fahren. Sie kamen noch durch ein andres Thor, welches die Hohe Straße von der Canongate trennte, und waren bald vor dem Hause der Lady Dalcluden, Torriswood's Schwester. Diese Dame, die Wittwe Leslie's von Dalcluden, wohnte jetzt der Erziehung ihrer Kinder wegen in Edinburgh. Wie ihr Bruder, hatte auch sie ihre religiösen Grundsätze kühn einer Menge stolzer, höhnischer Verwandten ins Angesicht behauptet, welche alle der herrschenden Partei sich angeschlossen hatten. Obwohl unablässig von ihrem Widerwillen, ihrer Verachtung, ihrem unerbetenen Rathe verfolgt, war sie dennoch standhaft auf dem Wege, den ihr Gewissen ihr gebot, fortgegangen; und da ihr und Torriswood ausschließlich die Vormundschaft ihrer Kinder anvertraut worden, so waren sie in den strengsten Grundsätzen der Covenanter erzogen worden. Dies war nicht möglich, ohne den Unwillen und die Verfolgung der Gegenpartei sich zuzuziehen; und dem war auch die Lady Dalcluden nicht entgangen. Obwohl vor manchen Angriffen ihre mächtigen Verwandten sie schützten, waren doch die ewigen Vorwürfe und Strafreden, daß sie ihre Familie ins Verderben stürze, selbst eine bittere Art Verfolgung. Immer war sie indeß fest bei ihren Grundsätzen geblieben, während zugleich ihr Charakter durch diese eigenthümlichen Verhältnisse eine Strenge bekommen hatte, die ihr nicht natürlich war; denn immer war sie gezwungen, ihre milderen, freundlichen Gesinnungen zu unterdrücken, weil sie dadurch so leicht zum Nachgeben hätte gestimmt werden können, und mußte sich waffnen, der Verachtung und dem Widerspruch kaltblütig und standhaft entgegenzutreten. Unter Torriswood und den Seinigen that sich aber ihr Herz auf, und bei ihrer Ankunft kam sie ihnen mit überströmender Zärtlichkeit entgegen. Colville empfing auch seinen Antheil, und es wurde gleich ausgemacht, daß es gegen sie als Unfreundlichkeit erscheinen würde, wenn er während seines ganzen Aufenthalts in Edinburgh nicht bei ihr wohnen wollte. Er ließ sich leicht dazu überreden, ja er hätte sein ganzes Leben mit Freuden in der Gesellschaft zugebracht, wie sie damals in der Lady Dalcluden Hause war. Torriswood hatte indeß kaum so viel Zeit, mit seiner Schwester von den Angelegenheiten zu reden, welche ihnen die wichtigsten waren, als die Stunde schon kam, wo er und Colville versprochen hatten, mit Lindsay zusammen zu seyn.

»Wie lange dauert wohl die Zusammenkunft mit Herrn Lindsay?« fragte Florentine, als Colville noch immer neben ihr saß, während Mistreß Leslie ihren Vater noch aufhielt.

»Ich weiß nicht,« antwortete Colville; »ich werde aber sogleich mich entfernen wenn es möglich ist.«

»Sie wollen doch meinen Vater nicht verlassen?«

»Er könnte doch vielleicht Geschäfte mit Herrn Lindsay haben, bei denen meine Gegenwart eine Zudringlichkeit seyn würde.«

»O nein; heut Abend beabsichtigt er keine Privatunterredung; Sie werden dort noch andre Edelleute, die unsrer Sache zugethan sind, finden. Ich wollte Sie bitten, mir etwas zu versprechen.«

»Sehr gern, Florentine, was es auch sey, wenn ich es nur erfüllen kann.«

»Daß Sie bei dem Vorschlage, einer der Herren möchte nach London gehen, meines Vaters nicht eher erwähnen, als bis Sie die andern Edelleute genannt haben, die Sie früher selbst anführten.«

»Das will ich Ihnen versprechen, liebe Florentine. Ich will sogar seiner Absendung mich widersetzen, wenn sie in Antrag gebracht werden sollte; aber ich bin überzeugt, Ihre Furcht in dieser Hinsicht ist ungegründet.«

»Vielleicht – doch – Sie werden mich auslachen, Colville – aber, grade ehe Sie bei uns ankamen, hatte ich in Beziehung hierauf einen sonderbaren, höchst ängstlichen Traum.«

Colville lächelte. »Einen Traum, Florentine?«

»Ja, einen Traum. Sie lachen, Colville, aber von wem kommen die Träume?«

»Von einer geschäftigen Einbildungskraft,« erwiderte Colville. »Wachen wir, dann zaubert sie uns lebhafte, quälende Bilder vor, und schlummert die Vernunft, dann sind diese noch übermächtig, und nehmen Gestalten an, welche die Vernunft im wachenden Zustande ihnen nicht gestatten würde.«

»Ist das die Lehre von den Träumen, die man in Utrecht vorträgt?« fragte Florentine lächelnd.

»Nun, wenn das wäre, würden Sie nicht sie für richtig halten?«

»Nein; wäre dies, dann brauchte die Vernunft ja nur aufzuwachen, um alles wieder in Ruhe zu bringen.«

»Und das würde auch der Fall seyn, wenn der Aberglaube, das heißt, ein Glaube an übernatürliche Wirkungen, wo wir keinen Grund haben, solche anzunehmen, uns nicht abhielte, den Aussprüchen unsrer Vernunft zu folgen.«

»So halten Sie also den Glauben an Träume für nichts als Aberglauben?«

»Ja, das möchte ich wenigstens.«

»Wir müssen wirklich fort, Colville,« sagte Torriswood.

»Denken Sie an Ihr Versprechen!« rief Florentine mit Nachdruck Colvillen zu.

»Das werde ich gewiß; darf ich nun aber Sie auch bitten, daß Sie heut Abend einmal versuchen, mit lieblichen Gegenständen Ihre Fantasie zu beschäftigen, und dann zusehen, wovon Sie träumen werden?«

»Das will ich versuchen.«

Bei Lindsay war eine bedeutende Anzahl von Edelleuten schon versammelt, als Torriswood und Colville hinkamen. Sie waren in eifrige Gespräche vertieft; einige standen, andere saßen an einem Tische, auf welchem ein großes Papier lag, über das einige sich hinüberbogen, die, wie es schien, in tiefe und schmerzliche Gedanken versunken waren. Torriswood wurde von allen sehr herzlich bewillkommnet, und als er Colvillen ihnen vorstellte, erkannten einige der älteren in ihm sogleich den Sohn eines geachteten, von ihnen innig betrauerten Freundes; einige der jüngeren einen Bekannten aus früherer Zeit. Unter den letzteren schien der junge Rowallan ganz besonders froh über das Wiedersehen, da sie Spielcameraden gewesen waren. Auch der alte Rowallan war gegenwärtig, und außerdem noch etwa zwölf Edelleute. Der alte Rowallan zog Torriswood bei Seite, und machte ihn mit dem Inhalte des Gespräches bekannt, was ihn und seine Freunde eben beschäftigt hatte, und an welchem noch ein Paar andre Anwesende eben wieder anfingen Theil zu nehmen. Torriswood's Minen verfinsterten sich bei Rowallan's Erzählung, und nachdem er eine Weile ihm zugehört hatte, trat er an den Tisch heran, wo derselbe Mann noch immer in finstre Gedanken vertieft über das Papier sich lehnte, das vor ihm lag. Torriswood bückte sich gleichfalls darüber hin.

»Ich denke, Sie sogar, Torriswood, werden sich nun davon überzeugen, daß wir mit andern Waffen, als Petitionen und Declarationen, uns vertheidigen müssen,« sagte der finstre Mann, indem er das Papier ihm hinschob.

Torriswood antwortete nichts, fing aber an zu lesen.

»Wer ist denn der düstere Mann dort?« fragte Colville beiseits den jungen Rowallan.

»Das ist Hackstoun von Rathillet,« erwiderte Rowallan. »Er predigt offenen Widerstand gegen die grausamen Gesetze, die jetzt gegen das Volk vollzogen werden.«

»Und was ist denn der Inhalt des Papieres dort?« fragte Colville. »Jedes Gesicht, was sich darüber hinlehnt, wird ja düster davon,« fügte er hinzu, als er Torriswood ansah, dessen Gesicht den äußersten Unwillen darüber verrieth.

»Es ist die Abschrift einer Proklamation, die eben jetzt von dem Geheimen Rathe erlassen werden soll, wonach die Soldaten die Richter und Vollzieher der Gesetze gegen unsre Partei seyn sollen,« erwiderte der junge Rowallan; »der Geheime Rath hat schon einen Cabinetsbefehl vom König erhalten, der sie bestätigt.«

Rathillet beobachtete scharf Torriswood's Minen, während er das Papier las. Auch Rowallan stand in der Nähe, und wartete, in Gedanken versunken, bis er fertig war.

»Schändlich!« rief Torriswood, als er ausgelesen hatte. »Das kann nichts als das Vorspiel zu noch ärgeren Gräueln werden, als die schon begangenen sind. Glauben Sie wohl, Lindsay, daß die Proclamation in dieser Fassung erlassen werden wird?«

»Ja, mit den selben Worten,« erwiderte er, »und der Primat ist jetzt hier, um den saumseligen Geheimen Rath zu dem Erlaß anzufeuern.«

»Und so wird das Volk, wie Schafe, den Wölfen überliefert, ohne daß irgend einer, der dazu verpflichtet wäre, einen Blutstropfen wagte, um es zu schützen!« sagte Rathillet mit Unwillen.

Colville trat näher an ihn heran: »Was meinen Sie denn, daß geschehen sollte?«

Rathillet sah ihn einen Augenblick scharf an: »Was würden Sie denn thun, Arrondale, wenn Sie Soldaten auf Ihr Haus losgehen sähen, Ihre Gattin ins Gefängniß schleppen, weil sie das Evangelium predigen hört, ihre Kinder foltern, damit sie ihre Eltern verrathen möchten, und noch schrecklichere Dinge vor ihren Augen begehen? Würden Sie als ein stiller, stummer Zeuge dastehen, darum, weil sie einem Könige Gehorsam geschworen haben, der an kein Gesetz sich mehr bindet, der alle seine Eide gebrochen, der die Verfassung mit Füßen tritt, das Volk hinmorden, und seine Gewalt nichtswürdigen Ministern und meineidigen Priestern läßt, während er in Ausschweifungen dahin lebt, und nicht weiß und nichts danach fragt, ob Schottland in Blute schwimmt?«

»Rathillet möchte Sie gern gleich zu einem Empörer machen, Arrondale,« sagte der alte Rowallan; »er möchte, daß wir, getrennt und zerstreut über das ganze Land, wie wir sind, belauert und gehetzt, zum Theil unsers Vermögens beraubt und von Hülfsquellen entblößt, einen Bürgerkrieg anfingen, in welchem wir nicht die geringste vernünftige Hoffnung auf Erfolg haben können; durch welchen wir alle Verläumdungen unsrer Feinde gegen uns zur Wahrheit machen, und den Beweis führen würden, daß wir wirklich nicht für Gewissensfreiheit, sondern für unsre Obermacht im Lande bisher gekämpft haben.«

»Und Rowallan wird Ihnen diese Lehren von der Unterthänigkeit beibringen, Arrondale, welche Schottland in den Zustand versetzt haben, in welchem es sich jetzt befindet,« erwiderte Rathillet; »aber macht es nur immer so; das Volk wird schon Anführer in seiner eignen Mitte finden, und uns die Schande tragen lassen, daß wir unrühmlich, wie wir es verdienen, leiden und sterben.«

»Eher wollte ich tausend Mal sterben, als der Anführer in einem Bürgerkriege werden!« rief Rowallan.

»Wenn ein Haus in sich selbst uneins ist, kann es nicht bestehen!« sagte Torriswood, als er die erhitzten Gesichter seiner beiden Freunde ansah.

»Nun, so sagen Sie uns denn, Torriswood, wem sollen wir denn nun zunächst uns demüthig unterwerfen?« fragte Rathillet, indem er ruhiger zu werden versuchte.

»Dem Willen Gottes, Rathillet!«

»Und wer von uns wagt es denn zu bestimmen, was dieser Wille ist?« fragte Rathillet.

»Mir scheint das nicht zu schwer, Rathillet,« erwiderte Torriswood ruhig. »Wir wissen alle, daß die Partei im Lande, die für offene Empörung ist, von höchst geringem Einfluß und ganz klein ist« ...

»Ja, das weiß ich leider freilich,« unterbrach ihn Rathillet mit Heftigkeit. »Die Menschen sind verwirrt und bethört worden durch die weichlichen Vernünfteleien derer, welche ihr Vaterland mit ihren Kräften hätten befreien, nicht aber durch ihre unmännliche Unterwürfigkeit es tiefer und tiefer und immer hoffnungsloser unter das Tyrannenjoch hätten beugen sollen.«

»Hören Sie mich an, Rathillet!« sagte Torriswood, der noch immer ruhig blieb, obwohl Rathillets Vorwürfe ganz besonders ihn treffen sollten. »Wir handeln ein jeder nach dem Lichte unsres Gewissens. Vielleicht ist es nicht mehr lange hin, daß einige von uns zur letzten Rechenschaft gefordert werden. Wir alle haben für unsere Sache gelitten; bis jetzt aber haben wir noch keinem andern um unsertwillen Leiden zugezogen. Glauben Sie, Rathillet, daß uns das die Rechenschaft vor Gottes Throne schwerer oder leichter machen wird?«

Rathillet wandte sich düster ab. »So haben Sie immer argumentirt, Torriswood, die ganzen letzten zehn Jahre hindurch, und denen, die Ihnen gefolgt sind, ist es mit jedem Jahre schlimmer ergangen,« sagte er, und damit wandte er sich zu den andern Edelleuten, die sich über den Zustand der öffentlichen Meinung in England unterhielten.

»Verlassen Sie sich darauf,« sagte Lindsay eifrig, »wenn wir nur noch ein wenig uns gedulden, wird die Regierung durch die Stimme des Volkes in England, die der unsrigen sich anschließt, genöthigt werden, uns Gerechtigkeit angedeihen zu lassen.«

»Uns gedulden!« rief Rathillet ironisch.

»Im Oberhause hat sich bereits eine mächtige Opposition gegen Lauderdale's Verfahren in Schottland erhoben,« fuhr Lindsay fort. »Ein Paer erklärte neulich in einer Debatte über diesen Gegenstand, es lasse sich gar keine gesunde Politik denken, die ihn und seine Helfer zu ihren Maaßregeln hätte berechtigen können; sie schienen keine andre Absicht zu haben, als, es koste was es wolle, in Schottland eine Rebellion zu erregen, die bis jetzt nur durch Gottes wunderbare Hand verhindert worden sey. Er setzte dann noch hinzu: ›Mylords, ich muß darum so deutlich sprechen, weil, so lange der Druck in Schottland nicht völlig aufgehoben ist, weder ich noch irgend ein vernünftiger Mensch daran glauben kann, daß man es hier gut mit uns meine.‹«

»Ich hoffe noch immer, Gottes wunderbare Hand wird auch fernerhin eine Rebellion bei uns verhüten,« bemerkte Rowallan, indem er Rathillet ansah.

»Wunder sind dazu nicht nöthig, Rowallan,« sagte Rathillet sarkastisch; »es sey denn, daß man es als ein Wunder ansieht, wie die Schotten sich so still mit Füßen treten lassen.«

Torriswood sah an Rathillet's Stirn, daß schon wieder ein Sturm heraufzog, und um ihn zu zerstreuen, forderte er nun Colvillen auf, er möge über die Wünsche der Engländer berichten, die er wegen der schottischen Angelegenheiten gesprochen hatte. Als Colville begann, stand ihm sein Florentinen gegebnes Versprechen so lebhaft vor dem Gedächtniß, daß er während des langen und zuweilen etwas warm werdenden Gesprächs, das nun folgte, aufs sorgfältigste es vermied, auf das, was sie so sehr fürchtete, anzuspielen. Torriswood selbst indeß erklärte sich entschlossen, wenn kein andrer sich dazu erböte, sogleich nach London zu reisen; und drang ernst, aber ruhig und leidenschaftslos, in seine Freunde, ihre Ansichten über die verschiednen Gegenstände, die sie besprochen hätten, aufzusetzen. Darauf schlug er vor, noch eine Zusammenkunft vor seiner Abreise zu halten.

Colville war betrübt, und führte mancherlei Gründe dagegen an, daß Torriswood in einer so wichtigen Crisis Schottland verlassen sollte; aber vergebens. Inchcarran, der kinderlose, den Florentine als den passendsten für diese Mission ausersehen hatte, war anwesend; aber obgleich er schriftlich seine Gedanken kräftig darzulegen wußte, wie Colville hörte, daß er es jetzt wieder thun wollte, so war er doch zu persönlichen Verhandlungen nicht geschickt. Er war ein etwas ältlicher, blöder Mann, mit einem Gesicht, das Nachdenken und Scharfsinn zu zeigen schien, so lange er schweigend zuhörte; aber linkisch, verlegen und im höchsten Grade unberedt, so bald er seine Meinung mündlich auseinandersetzen wollte. Er erschrak vor Colville's Vorschlag, daß er die Mission übernehmen solle, und sagte, er halte sich für völlig untüchtig, den Auftrag recht auszuführen. Rowallan, an den Colville sodann sich wandte, war erst vor wenigen Tagen aus dem Gefängniß entlassen worden, auf sein Versprechen, eine sehr bedeutende Geldstrafe zu zahlen.

»Ich weiß nicht, wie oder wo ich das Geld her nehmen soll,« sagte er, »und ich halte mich verpflichtet, das Land nicht zu verlassen, bis diese Sache in Ordnung ist.« Lord Cardroß, der auch unter den Vorgeschlagnen war, befand sich im Gefängniß, weil er Feldconventikeln beigewohnt hatte, aus welchem Grunde auch Rowallan gefangen gesessen hatte. Die Balfours hatten sich an Rathillet angeschlossen, und waren der Meinung, daß sie der Obrigkeit keinen Gehorsam mehr schuldig seyen; kurz ehe alle auseinandergingen, war es entschieden, daß niemand so gut, als Torriswood, zu der Mission sich eigne, nicht allein wegen der Lage, in der er sich grade befinde, sondern auch wegen seiner Selbstbeherrschung, seiner Kenntniß der Angelegenheiten, und des Zutrauens, was er bei der ganzen Partei genoß, so wie wegen seiner Offenheit und Redlichkeit, die aus seinem ganzen Benehmen hervorleuchtete, und bisher seinen Feinden es unmöglich gemacht hatte, die geringste Anklage gegen ihn vorzubringen, seine religiösen Grundsätze ausgenommen. Alle seine Freunde wußten wohl, welchen Gefahren eine solche Mission ihn aussetze; und sogar Rathillet wurde deshalb wieder freundlich gegen ihn gestimmt, noch ehe sie auseinandergingen.

Es war schon spät, als dies geschah; und Colville, der ganz traurig nach Hause ging, war recht froh, dort zu hören, daß die ganze Familie, mit Ausnahme der Lady Dalcluden, schon zur Ruhe gegangen war, weil er nun wenigstens diesen Abend nicht nöthig hatte, Florentinen den Erfolg seiner vergeblichen Versuche zu melden.


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