Hugo von Hofmannsthal
Der Unbestechliche
Hugo von Hofmannsthal

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I. Akt

Eine Parkterrasse, die rückwärts durch einen Gartensaal abgeschlossen ist, zu dem man auf einer Freitreppe von fünf oder sechs Stufen emporsteigt.

1. Szene

Jungfer Das ist wieder eine Anordnung vom Theodor. Ab.

Beschließerin eilig auftretend Ist die Frau Baronin nicht da? Es wäre notwendig, ihren Rat einzuholen. Rasch ab.

Gärtner eilig auftretend Theodor, die Dispositionen müssen geändert werden. Wir haben zu wenig Zimmer. Rasch ab.

Alles ist im größten Tempo zu spielen.

Beschließerin tritt eilig wieder auf Ist die Frau Baronin nicht da?

Gärtner tritt eilig wieder auf Ist die Frau Baronin nicht da?

Jungfer tritt eilig wieder auf Ist die Frau Baronin nicht da?

Sie treten alle drei zugleich von verschiedenen Seiten auf.

Jungfer mustert den Gärtner In der Livree wollen Sie mitservieren? Wer hat das angeordnet?

Beschließerin Wenn man auf mich gehört hätte – – wenn man die Einteilung so gemacht hätte, wie ich vorgeschlagen, und hätte der Fräulein Am Rain das kleine Jägerzimmer neben der Frau von Galattis gegeben – –

2. Szene

Baronin ist von links eingetreten, ein Telegramm in der Hand.
Jungfer macht der Beschließerin Zeichen, sie solle schweigen.

Baronin Machen Sie kein Geschwätz, Wallisch, Anordnungen treffe ich, und zu ihrer Durchführung ist der Theodor eingesetzt, und damit basta! Zur Jungfer Den Kutscher will ich sehen. Wie er ist! In der Stalljacke, in Hemdärmeln, wie er ist!

Jungfer geht durch die Glastür.

Baronin liest indessen das Telegramm Eintreffe Zellerndorf, drei Uhr elf, herzlich Melanie. Das Telegramm ist in der Früh dagelegen – – heißt das jetzt heute oder morgen? Eine zu dumme Form! Kann sie nicht hinschreiben Mittwoch! Was hat sie nur »Melanie« zu unterschreiben, so intim sind wir nicht! – – – Und drei Uhr elf kommt kein Schnellzug an, soviel ich weiß – – – kann dieses Spatzengehirn von einer Modepuppe nicht ordentlich im Fahrplan nachschauen? – – Den Gärtner bemerkend Wer hat denn Sie in dieses Faschingskostüm gesteckt?

Beschließerin Das sind, Euer Gnaden Frau Baronin, diese Bosheiten, diese Willkürlichkeiten, die sich der Theodor gegen jeden Einzelnen von uns herausnimmt!

Baronin Wallisch, ich habe Sie nicht um Ihre Ansicht gefragt! Zum Gärtner Und Sie, hinaus – – als Jäger anziehen, grauen Rock, graue Hose, und grüne Lampas – – um vier Uhr dreißig gestellt zum Tee, abtreten!

Gärtner macht rechtsum kehrt und geht.

Baronin Sind die Fremdenzimmer endlich vorbereitet?

Beschließerin Ich bitte gehorsamste daß ich davon nichts gewußt habe, wenn jetzt plötzlich die Frau von Galattis allein kommt ohne den Herrn Gemahl – – wenn der Theodor nicht der Mühe wert befindet mich zu verständigen, wenn angeordnet und wieder umgestoßen wird – – –

Baronin Kein Wort mehr über den Theodor! Genug!

3. Szene

Jungfer mit dem Kutscher kommt über die Terrasse. Der Kutscher ist in Stalljacke und einer Schürze.
Beschließerin wartet noch einen Augenblick, geht dann ab.

Baronin zum Kutscher Es sind auf beiden Bahnhöfen Gäste abzuholen. – Da – – gibt ihm das Telegramm erkundigen Sie sich auf der Station, wann der Zug ankommt, von dem hier so beiläufig die Rede ist.

Kutscher nimmt das Telegramm und behälts in der Hand Melde gehorsamst, das geht nicht.

Baronin Was geht schon wieder nicht?

Kutscher Zweierlei Abholungen am heutigen Nachmittag. Die Schimmel müssen geschont werden.

Baronin Nehmen Sie die Mascotte in die Gabel vor'm Dogcart, Himmel Herrgott!!

Kutscher Melde gehorsamst, das geht nicht! Auf der Mascotte ist der Stallbursch in die Stadt geritten, den Schlosser zu holen.

Baronin Jetzt?

Kutscher Befehl vom jungen Herrn Baron! Es ist eine Dachreparatur, sehr dringend, bevor die Gäste da sind.

Baronin Richten Sie sich ein, wie Sie können. Ihr: das geht nicht! will ich nicht mehr hören! Warum geht denn alles wenn der Theodor dahinter ist? Genug! Gehen Sie bevor ich mich ärgere. General öffnet ein bißchen die Tür links, steckt den Kopf durch den Spalt und verschwindet wieder.

Kutscher Melde gehorsamste der Theodor versteht vom Stalldienst – – ab.

4. Szene

General kommt sofort wie er die Baronin allein sieht herein Amelie! Sie ärgern sich –

Baronin Ich ärgere mich nicht, meine Dienstleute ärgern mich! Der Theodor hat mir am ersten gekündigt! Heute ist der vierzehnte Tag und er hat seine Kündigung bis zu dieser Stunde nicht zurückgenommen und sich obendrein krank gemeldet.

General Der Theodor! Das ist ja – –! Er bleibt stehen.

Baronin Das ist von allen Dingen auf der Welt, die hätten passieren können, ungefähr das einzige, das geeignet ist, mich vollkommen aus der Fassung zu bringen; wenn es das ist, was Sie sagen wollen, Ado, dann haben Sie das Richtige zu sagen vorgehabt.

General Ja, wie ist denn das möglich! Das kann sich ein Dienstbote nicht unterstehen.

Baronin Sie wissen sehr genau, Ado, daß der Theodor kein Dienstbote ist, sondern eben – der Theodor – und außerdem hab ich ihm bei einem gewissen Anlaß vor zwei Jahren schriftlich gegeben –

General Sie sind zu gut, Amelie –

Baronin Daß er jederzeit berechtigt sein soll den Wunsch zu erkennen zu geben, sich auf seinen Ruhesitz zurückzuziehen, das kleine Anwesen auf der Mühle, das er von seiner Großmutter geerbt hat in seiner Heimat irgendwo in den Waldkarpathen, wo sich die Wölfe gute Nacht sagen.

General Ja, und dieser Kerl hat nicht so viel Herz, so viel Anhänglichkeit an Sie – –

Baronin geht auf und nieder Ich bin ihm genau so gleichgiltig, wie allen Menschen eine Frau meines Alters ist –

General mit einer fliegenden Röte, die sein Gesicht plötzlich sehr jung macht Ich werde selbst den Theodor in seinem Zimmer aufsuchen. Er war vor siebenundzwanzig Jahren Ulan in meiner Schwadron – er hat noch militärischen Geist in sich; er hält ja heute noch Rapporte mit der Dienerschaft –

Baronin Nur um Gotteswillen keinen martialischen Ton, Ado, Sie kennen seine krankhafte Empfindlichkeit! – Aber vielleicht daß wieder irgendwelche außerordentlichen Conzessionen –

General Zu denen Sie also bereit wären?

Baronin Zu jeder!

General Ich gehe – Amelie. Er bleibt aber stehen.

Jaromir kommt über die Terrasse, tritt durch die Glastür ein Wohin denn, Ado?

General im Abgehen Ich habe eine Mission.

5. Szene

Jaromir Ah, ich höre, der Theodor hat sich zur Abwechslung in den Schmollwinkel zurückgezogen! Ich hab Dirs gesagt, Mama, wie er vor vier Jahren, kurz nach meiner Heirat, sein bon plaisir zu erkennen gegeben hat, aus meinen Diensten wieder in Deine zurückzutreten. Ich kann ihn nach siebzehnjährigem Beisammensein nicht mehr aushalten – wenn Du es versuchen willst! A la bonne heure! Er ist ja eine Perle und in seiner Klasse ein ungewöhnlicher Mensch, aber er liebt Szenen – und da mir Szenen beiläufig das Verhaßteste auf der Welt sind – und da ich hauptsächlich darum eine äußerst vernünftige und friedfertige kleine Frau geheiratet habe, um in meinen reiferen Jahren mich friedlich umgeben zu wissen –

Baronin Der Theodor ist ein ganz ausgezeichneter Mensch!

Jaromir Aber ohne Frage, ein Erzengel – aber ich vertrage eben nicht, einen Erzengel zum Diener zu haben, in dem alle paar Monate lang der Machtkitzel erwacht, mir zu zeigen, daß er der Stärkere von uns beiden ist.

Baronin geht geärgert auf und ab, raucht Du scheinst die Möglichkeiten dessen, was ein beschränktes Hauspersonal leisten kann, etwas zu überschätzen, mein Lieber, sonst hättest Du nicht heute an dem Tag, wo Deine verschiedenen Freundinnen von sämtlichen Bahnhöfen abzuholen sind, den zweiten Kutscher zu Pferd in die Stadt geschickt, um den Schlosser für eine schließlich gleichgültige Dachreparatur herzubestellen –

Jaromir Pardon, Mama, grade diese Dachreparatur ist unaufschieblich. Es kann kein Mensch der eines der Turmzimmer bewohnt, in der Nacht ein Auge zumachen, wenn eine losgerissene Dachrinne an ein wackelndes Eisengeländer schlägt – das muß ich als Bewohner der Mansarde wissen.

Baronin stehend Du hast Dir oben ein Schreibzimmer eingerichtet, höre ich – aber Du schläfst doch nicht oben?

Jaromir Allerdings, seit einer Woche!

Baronin Ah?

Jaromir Seit die Baby in der Nacht mit den Zähnen so unruhig ist, hat die Anna darauf bestanden, daß ich mich umquartiere.

Baronin geht auf und nieder Auch deine diversen Freundinnen sind jedenfalls sehr große Verhältnisse gewohnt.

Jaromir Wie meinst Du das, Mama?

Baronin Häuser gewohnt, wo es gar keine Umstände macht, wenn man im letzten Moment seine Dispositionen abändert.

Jaromir Inwiefern?

Baronin Er, Galattis, erscheint also plötzlich nicht, oder erscheint erst später – Madame kommt allein.

Jaromir scheinbar sehr erstaunt und amüsiert Die Melanie kommt ohne Jungfer! So eine bizarre Frau! Ich hätte nicht gedacht, daß sie ohne Jungfer eine Nacht in einer Jagdhütte verbringen würde. Aber so ist sie, unberechenbar. Sie wird dich unterhalten.

Baronin wieder auf und ab Frauen unterhalten mich selten!

Jaromir Man wird plaudern, man wird ein bißl im Park herumgehen. Jedenfalls führst Du das Leben, das Dir konveniert, ungestört weiter, die Anna das ihre – – ich das meine. Ich denke zum Beispiel nicht daran, eine der Damen selbst von der Bahn zu holen –

Baronin Ah, Du willst das uns überlassen? Reizend von Dir!

Jaromir Du schickst den Wagen hinaus – und bleibst vollkommen ungestört hier – indessen ich einen Spaziergang mache und mit mir und meinen Gedanken allein bin. Ich habe seit letzter Zeit, es muß das mit meinem vorgerückten Alter zu tun haben, ein ungeheures Einsamkeitsbedürfnis.

Baronin Dann war es ein außerordentlich glücklicher Gedanke, Dir das Haus voller Gäste zu laden!

Jaromir Man isoliert sich nie so leicht, als wenn das Haus voller Gäste ist. Ich werde jedenfalls die Vormittage durchaus unsichtbar sein.

Baronin Du schreibst wieder?

Jaromir bejaht stumm.

Baronin Und Du wirst es wieder drucken lassen? Amüsiert dich das so sehr?

Jaromir Ich weiß nicht, was Du meinst. Es ist üblich, daß man geistige Erzeugnisse durch die Druckpresse verbreitet –

Baronin Natürlich, wenn man ein Autor ist.

Jaromir Ich weiß nicht genau, Mama, worin Du das Kriterium siehst, das mich von dieser Klasse von Menschen abtrennen würde. Für die Welt bin ich nämlich ein Autor, der meines ersten Buches. Mein Roman ist sehr anerkennend besprochen worden, er hat ein gewisses Aufsehen gemacht.

Baronin Das Kriterium sehe ich darin, mein lieber Jaromir, daß die Berufsschriftsteller etwas erfinden, während Du, der Du eben keiner bist, und auch keiner zu sein verpflichtet bist, Dich in Deinem sogenannten Roman damit begnügt hast, Dich selber und Deine eigenen Gefühle und Ansichten zu Papier zu bringen, auf Draht gezogen mit Hilfe einiger Vorfälle aus Deiner engeren Erfahrung, die ich weder interessant noch mitteilenswürdig finde, die aber vielleicht drei- bis vierhundert Personen veranlaßt haben, das Buch zu kaufen, in der Hoffnung, in der sie dann allerdings enttäuscht worden sind, darin etwas handgreiflichere und indiskretere Details über persönliche Bekannte zu finden, als ihnen tatsächlich darin aufzustöbern gelungen ist.

Jaromir Ich danke Dir, Mama, daß Du nicht gesagt hast – – steht auf noch handgreiflichere und indiskretere Details, aber ich glaube, das ist ein Thema, in dem wir nicht weiter kommen. Ich darf also noch einmal wiederholen, daß ich in Bezug auf den Aufenthalt der Damen gar keine speziellen Wünsche habe – und alles – aber alles! Deinem Gutdünken und der bewährten Umsicht und Tatkraft Deines Theodor überlasse – und um halb fünf zum Tee natürlich erscheinen werde. Verneigt sich und geht ab über die Terrasse.

6. Szene

Baronin vor sich Jetzt sind wir also, da die Melanie allein kommt, plötzlich sechs zum Bridge anstatt sieben. Bleibt die Wahl, ob man den Forstrat, der so laut atmet wie ein Küniglhas oder den affektierten Bezirkskommissär ruft nach links Theodor! Erinnert sich, stampft auf den Boden, ruft Milli! Die Tür links wird halb geöffnet, Anna mit dem kleinen Jaromir treten ein.

Der kleine Jaromir läuft hin, küßt der Baronin die Hand, sieht sich um Wo ist denn der Onkel Ado?

Baronin zu Anna Was sagst Du dazu, daß plötzlich der Galattis nicht mitkommt?

Anna Aber Mama, das haben wir ja schon vor ein paar Tagen gewußt. Hat Dir denn der Jaromir –

Baronin Keine Silbe. Er schien sehr erstaunt darüber.

Anna Du mußt verzeihen, es ist seine Arbeit, er braucht ein solches Maß von Vertiefung, daß er für alle anderen Sachen zerstreut ist. Du weißt, er schreibt wieder ein Buch. Der Jaromir darf unter keiner Bedingung durch irgend etwas, was mit den Gästen zusammenhängt, belastet werden. Er hat mir erklärt: er ist, wenn er an einem Werk arbeitet, von einer einfach nicht vorstellbaren Empfindlichkeit und Verstimmbarkeit.

Baronin Er läßt sich sehr gehen, der gute Jaromir.

Anna Ich glaub, Mama, davon haben wir beide keine Vorstellung, was in einem solchen Phantasiemenschen vorgeht, wenn in diese innere Einsamkeit plötzlich die Menschen sich eindrängen –

Der kleine Jaromir Großmama, der Theodor hat mir erlaubt, wenn er einmal krank ist, so darf ich ihn besuchen. Aber allein darf man nie in sein Zimmer gehen – es ist eine Zauberei im Zimmer, die macht, daß man eins zwei den Fuß nicht vom Boden wegkriegen kann und so stehen muß, bis der Theodor kommt und einen mit einem Sprüchel wieder los macht.

Anna Aber Bubi, wer wird denn solchen Unsinn glauben!

7. Szene

General kommt wieder von links.

Baronin Also nichts ausgerichtet? Ich seh! Ich seh ja schon!

Der kleine Jaromir Warst Du beim Theodor, Onkel Ado? Liegt er im Bett? Hat er ein seidenes Kappel auf?

Baronin ungeduldig Also was war denn, Ado?

General Er sagt, er wäre überrascht und betroffen davon, daß Sie Ihrerseits überrascht seien – wo Sie doch vor vierzehn Tagen seine Kündigung zur Kenntnis genommen hätten – es scheint, daß dieses Ignorieren Ihrerseits die Sache verschlimmert hat, liebe Baronin.

Baronin Aber es muß doch eine tatsächliche Ursache haben. Er tut mir doch so etwas nicht ohne schwerwiegende Ursache – –

Der kleine Jaromir Mami, darf ich jetzt zum Theodor hinaufgehen?

Anna Ja, lauf hinauf und sag dem Theodor, daß ich zu ihm hinaufkommen und mit ihm sprechen will – in drei Minuten.

Der kleine Jaromir Ja, Mami – läuft fort.

8. Szene

Baronin Du – –

General zu Anna Aber das ist doch unmöglich, Baronin, eine junge Frau wie Sie – er liegt schließlich im Bett –

Baronin Lassen Sie sie, wenn sie will. Sie ist sehr in der Gnad beim Theodor. Vielleicht erreicht sie etwas.

Anna Ich habe zwar das Gefühl, daß er mich haßt.

Baronin Im Gegenteil! –

Anna Er hat manchmal eine Art mich anzuschauen, als ob er mich fressen wollte.

General Glauben Sie mir, Baronin, hinter diesem Blick ist nicht so viel von Liebe oder Anhänglichkeit.

Baronin Vielleicht haßt er uns und liebt uns zugleich.

General Zugleich?

Baronin Abwechselnd. Ich kann mich da ganz gut hineindenken.

General Sie können sich schon wieder in dieses Subjekt hineindenken! Und mir ist alles an ihm unbegreiflich.

9. Szene

Der kleine Jaromir schießt wie ein Pfeil zur Tür herein Er wird gleich herunterkommen!

Baronin Wer?

Der kleine Jaromir So ist er aus dem Bett gesprungen zeigts, indem er blitzschnell drei Treppenstufen herunterspringt wie ich ihm gesagt hab, daß die Mama zu ihm kommen will und hat gesagt: Ich werde mich sofort anziehen und unten im Salon erscheinen, und warum er von uns weggehen will, hab ich ihn gefragt und da hat er gesagt: Das Ganze paßt ihm nicht und er wirds der Großmama schon erzählen. – Aber auf mich ist er nicht bös und wenn die Mami es erlaubt, so nimmt er mich mit auf seine Mühle und die steht mitten im Wald und auf einem großen alten Eichenbaum hoch oben ist ein Zimmerl aus Lindenholz, ganz wie ein Vogelkäfig, dort sitzen wir dann bis Mitternacht und zaubern zusammen.

Baronin Das Ganze paßt ihm nicht! – Hat er gesagt: nicht mehr oder nicht, Bubi?

Der kleine Jaromir Das weiß ich nicht mehr.

Anna Das wird sich ja alles ganz gut aufklären und ebnen lassen. Somit bin ich hier überflüssig und küß die Hand, Mama – ich fahr auf die Station. Geht ab mit dem kleinen Jaromir.

10. Szene

General seufzt und schüttelt den Kopf Das ist schrecklich!

Baronin Was irritiert Sie, Ado?

General Daß es grade im Juni hat sein müssen, daß eine solche Unruhe dieses Haus erfüllt.

Baronin zerstreut, sie glaubt gehört zu haben, daß es klopft Was hat es mit dem Juni zu tun?

General Amelie, es sind mehr als dreißig Jahre her, am 11. Juni – daß Sie – ich – wissen Sie wirklich dieses Datum nicht mehr?

Baronin Ado, Sie sind ein Mathematiker mit ihren ewigen Ziffern! Mich interessieren Ziffern nicht.

General Amelie, die Zeit ist doch garnichts, wenn ich Sie so vor mir sehe – da existiert doch nichts, als daß Sie da sind!

Es klopft.

Baronin Herein! – Pardon, Ado, es hat geklopft.

General Es klopft immer, wenn ich ein bißchen mit Ihnen sprechen will.


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