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Viertes Capitel.

Abreise von Cumberlandhouse – Landesübliche Art im Winter zu reisen – Ankunft zu Carltonhouse – Steinindianer – Besichtigung eines Büffelzauns – Goitres – Abreise von Carltonhouse – Isle à la Crosse – Ankunft zu Fort Chipewyan

 

Den 18. Jan. 1820. – Wir traten am heutigen Tage unsre Reise nach Carltonhouse an. Bevor wir jedoch deren Verlauf beschreiben, dürfte es zweckmäßig seyn, den Leser von den Vorbereitungen in Kenntniß zu setzen, welche man zu einer Winterreise in diesen Gegenden treffen muß. Dieß thun wir, indem wir folgendes kurze, aber genaue Bruchstück aus Hrn. Hoobs Tagebuch entlehnen.

»Der Schneeschuh wird aus zwei leichten hölzernen Stäben gefertigt, welche an ihren Enden vereinigt und durch Querhölzer aus einandergebogen sind. Die Seitenstäbe werden zuvor über einen Rahmen und zwar so am Feuer getrocknet, daß das Vordertheil des Schuhs wie ein Boot aufwärts gekrümmt ist und sich das Hintertheil in eine scharfe Kante verläuft. Der zwischen den Stäben befindliche Raum ist durch ein feines Netzwerk von Riemen ausgefüllt und nur der Theil hinter dem Hauptstaabe, in welchen der Fuß gesetzt wird, mit einem dichten starken Netze versehen. An den letztern wird der Fuß durch Riemen befestigt, welche um die Hacke gehn, aber nur die Zehen festhalten, so daß sich die Hacke nach jedem Schritte erhebt und das Hintertheil des Schuhes auf dem Schnee nachgezogen wird. Zwischen dem Hauptstaabe und dem nächsten nach vorne ist eine kleine Lücke gelassen, damit sich die Zehen bei'm Aufheben der Hacke ein wenig niederbiegen können und an den Spitzen keine Reibung erleiden. Die Länge des Schneeschuhes beträgt 4-6 F., und dessen Breite 1½ bis 1¾, je nach der Größe desjenigen, der ihn trägt. Die Bewegung bei'm Gehen ist durchaus natürlich, denn der eine Schuh ruht auf dem Schnee, während der Rand des andern über denselben weggleitet. Es gehört einige Geschicklichkeit dazu, um sich derselben zwischen Büschen zu bedienen, ohne häufig hinzustürzen und wenn dieß geschehen ist, ohne fremde Hülfe aufzustehen. Jeder Schuh wiegt, wenn er nicht durch Schnee beschwert ist, etwa 2 Pfd. Die Schneeschuhe der nördl. Indianer weichen von denen der südlichern darin ab, daß sie sich mehr nach Außen krümmen; woraus der Vortheil entspringt, daß bei'm Aufheben des Fußes durch das Niedersinken der schwersten Seite der Schnee abgeworfen wird. Wie sehr auch die Europäer den Indianern an Kunstfleiß überlegen seyn mögen, so haben sie dennoch an dieser nützlichen Maschine keine Verbesserung anbringen können.

Die Schlitten werden aus zwei oder drei ebenen Bretern, die sich vorne aufwärts krümmen, und mit Queerleisten verbunden sind, verfertigt. Sie sind so dünn, daß sie sich mit einer schweren Fracht nach den Unebenheiten des Bodens biegen, über welche sie hingleiten. Die gewöhnlichen Hundeschlitten sind 8-10 F. lang und sehr schmal, allein die Fracht wird um die Ränder her mit Schnüren befestigt. Die Cariole, deren sich die Pelzhändler bedienen, ist bloß ein lederner Ueberzug für den untern Theil des Körpers, der auf den gewöhnlichen Schlitten befestigt und nach dem Geschmack des Besitzers bemalt oder sonst verziert ist. Außer seinen Schneeschuhen hat ein Jeder seinen Lacken, sein Beil, Feuerzeug und gewöhnlich Feuergewehr.

Die gewöhnliche Tracht des Reisenden besteht im Winter aus dem Capot, welcher mit einer Kappe versehen ist, die man bei windigem Wetter oder in der Holzung um den Schnee vom Halse abzuhalten, aufzieht; ledernen Hosen und Indianischen Strümpfen, welche an den Knöcheln um den oberen Theil der Mocassins oder Indianischen Schuhe fest geschnürt sind, damit kein. Schnee hineinfallen kann. Hierüber trägt er einen Laken oder einen ledernen Sack, der mit einem Gürtel um die Hüfte fest geschnallt wird, an welchem letzteren sein Feuerbeutel, Messer und Beil hängen. Hrn. Back und mich begleitete der Matrose J. Hepburn. Wir waren mit zwei Cariolen und zwei Schlitten versehen und deren Treiber und Hunde von den beiden Gesellschaften ganz ebenmäßig ausgerüstet. Der Proviant für 14 Tage füllte die Schlitten so vollkommen; daß wir nur mit Mühe einen kleinen Sextanten und unsere notwendigsten Kleider nebst Wäsche und Betten mitnehmen konnten. Obgleich wir uns nur auf das Notwendigste beschränkten, und selbst die Carolen, statt uns in dieselben zu setzen, mit einem Theil der Baggage bepackt hatten, so murrten doch die beiderseitigen Gesellschaftsbedienten ziemlich offen darüber, daß wir ihre Hunde überladen hatten. Unsere Freunde im Fort, welche die Sache besser verstehen mußten, hatten es so angeordnet, denn uns schienen die Beschwerden der Treiber wirklich nicht ungegründet zu seyn. Gewöhnlich befrachtet man einen mit drei Hunden bespannten Schlitten zu Anfang der Reise mit nicht ganz 300 Pfd.; dieses Gewicht nimmt jedoch durch die tägliche Consumtion an Nahrungsmitteln immer ab. Der Schlitten selbst wiegt etwa 30 Pfd. Bei hartgefrornem Schnee oder guter Bahn legt man täglich etwa 15 M. zurück; ist der Schnee locker, so geht die Reise freilich langsamer und mit mehr Ermüdung vor sich.

Den 18ten um 8 Uhr Morgens verließen wir das Fort und empfahlen uns dem gastfreien Gouvern. Williams, an dessen Güte ich nie ohne Dankbarkeit zurückdenken werde. Dr. Richardson, Hr. Hood und Hr. Connolly begleiteten uns am Saskatchawan hin, bis ihnen, da sie nicht mit Schneeschuhen versehen waren, das Fortkommen zu schwer wurde. Da wir in Gesellschaft des Hrn. Mackenzie von der Hudsonsbaygesellschaft, welcher mit 4 Schlitten nach der Isle à la Crosse ging, reis'ten, so bildeten unsere Schlitten, welche einzeln hinter einander herfuhren, eine ziemliche Reihe. Da jedoch der Schnee tief lag, so ging die Fahrt nur langsam von statten und wir legten heute, immer auf dem Fluß hin, der hier etwa 350 Yards breit ist, nur 6 M. zurück. Die angeschwemmten Ufer und Inseln sind mit Waiden bestanden. Auf unserm Lagerplatze konnten wir kaum genug Fichtenäste finden, um den Boden der Hütte, wie die Orkadier den Platz nennet, wo die Reisenden die Nacht zubringen, herzustellen. Man trifft indeß weiter keine Vorrichtungen, als daß man den Schnee bis auf den Grund wegräumt und den Platz mit Fichtenästen bewirft, über welche die Reisenden ihre Lacken breiten, und an einem guten Feuer zu ihren Füßen warm und bequem liegen, ohne, selbst bei starkem Froste, ein anderes Dach über sich zu haben, als den Himmel. Sobald man an dem Lagerplatz anlangt, findet sich für jedes Mitglied der Gesellschaft hinreichend zu thun, und das Feuer darf nicht eher angezündet werden, bis der Lagerplatz zubereitet und ein hinlänglicher Vorrath von Brennholz beigetrieben ist. Die Hunde gehen bei dieser geschäftigen Scene die einzigen unthätigen Zuschauer ab, und bleiben angeschirrt, bis die Leute Zeit haben, die Schlitten abzupacken und jede Art von Lebensmitteln an Bäume, außer dem Bereich jener gefräßigen Thiere aufzuhängen. Schon der Morgens konnten wir uns von der Nothwendigkeit dieser Vorsicht überzeugen, da sie einen beträchtlichen Theil unserer Victualien dem Hepburn fast unter dem Kopfe weg entwandten, gleich sie am Abend ihr reichliches Theil erhalten hatten. Wir fanden diesen Abend den Merkur unseres Thermometers bis in die Kugel gefallen und gefroren. Als wir ihn in die Nähe des Feuers brachten, stieg er wieder in die Röhre, fiel aber, als wir ihn wieder davon entfernten, bald in die Kugel zurück. Wir konnten also die Temperatur der Atmosphäre weder jetzt noch während der Reise erfahren. Das Wetter war durchaus hell.

Den 19ten Januar. Nach einer wohldurchschlafenen Nacht, traten wir unsere Reise mit Sonnenaufgang an, rückten aber wegen des tiefen Schnees nur langsam vor. Den Hunden am vordersten Schlitten wurde es so sauer, die Bahn zu brechen, daß ein Schlitten nach dem andern 1½ Stundenlang diesen Platz einnahm. Die Gegend um den Fluß nahm an Schönheit zu, und es zeigten sich unter den Waiden einige Tannen und Pappeln. Wir durchschnitten zwei durch Inseln gebildete Kriks und lagerten uns auf einem angenehmen Platz am nördlichen Ufer, nachdem wir nur 6¾ M. in gerader Richtung zurückgelegt hatten. Am folgenden Tage reis'ten wir von neuem den Fluß entlang. Die Hunde zogen ihre schwere Ladung mit der größten Anstrengung durch den Schnee; um sie verschnauben zu lassen, ruhten wir an der Mündung des Sturgeon- (Stör-) Flusses, welcher von einem benachbarten See ausfließt. Wir fanden für diesen Ort 53° 51' 41" n. Br. Unser Nachtlager schlugen wir nach einer Tagereise von 9 M. bei der Moskitospitze auf. Mir war die Ruhe sehr willkommen, denn ich hatte den größten Theil des Tags beträchtlich gelitten, weil meine Füße von den Schneeschuhen wund gedrückt waren; von diesem Uebel bleibt jedoch zu Anfang des Winters fast kein Reisender verschont. Es erregt bei den schon abgehärteten Begleitern kein Mitleid, sondern diese reifen so schnell sie können vorwärts, ohne der fremden Leiden zu achten.

Hr. Isbester und ein orcadischer Handlanger stießen von Cumberlandhouse zu uns, und brachten uns einigen Pemmincan mit, den wir zurückgelassen hatten und der uns bei dem Verluste, den wir vor Kurzem erlitten hatten, sehr gelegen kam. Hr. Isbester treibt im Winter fast kein anderes Geschäft, als daß er die Wohnungen der Indianer auskundschaftet und ihnen ihr Pelzwerk abnimmt, und seine gegenwärtige Reise dürfte einem Europäer fast abentheurlich scheinen. Er suchte eben eine Indianergesellschaft auf, die seit dem letzten October nichts von sich hatte hören lassen, und hierbei konnte er sich an nichts halten, als daß sie versprochen hatten, in einem gewissen Reviere zu jagen. Er dagegen betrachtete seinen Ausflug als etwas sehr Gewöhnliches, und rechnet darauf, sie in 6-7 Tagen zu treffen, war auch nur auf diese Zeit mit Lebensmitteln versehen. Dergleichen Reisediener müssen zuweilen unglaublich von Hunger leiden. Man versieht sie mit hinreichenden Lebensmitteln, um bis zu der Stelle zu gelangen, wo sich die Indianer vermutlich aufhalten, allein oft trifft es sich, daß diese ihren Wohnort verändert haben und ein frischgelegter Schnee ihre Spuren verwischt hat; in diesem Falle muß der Reisende sie auf's Geradewohl aufsuchen, und gelingt, es ihm, sie zu finden, so ist es dennoch ungewiß, ob sie mit Fleisch versehen sind. Hr. Isbester war erst vor einigen Wochen in dieser traurigen Lage gewesen und hatte mit seinen Hunden 4 Tage, fasten müssen. Als er endlich einen Hund schlachten wollte, um seinen Hunger zu stillen, gelangte er glücklicherweise auf einen betretenen Pfad und auf diesem zu einigen Indianern, wo er Lebensmittel erhielt.

Der Morgen des 21. war kalt, allein zum Reisen angenehm. Wir verließen Hrn. Isbester und durchschnitten die Halbinsel der Moskitospitze, um uns einen Umweg von mehreren Meilen, welchen der Fluß macht, zu ersparen. Obgleich wir früh am Tage ausspannten, so hatten wir doch 11 M. zurückgelegt. Wir lagerten uns am untern Ende der Tobinsfälle. Da der Schnee auf dem rauhen Eise, welches diese Stromschnelle umgab, weniger tief lag, so reisten wir den 22. schneller wie gewöhnlich, wogegen Hr. Back, Hepburn und ich von unsern wunden Füßen um desto mehr zu leiden hatten. Nachdem wir die Tobinsfälle im Rücken hatten, erlangte der Fluß eine Breite von 500 Yards und war an den Ufern mit Fichten, Pappeln, Birken und Weiden stark beholzt. In der Nähe des Lagerplatzes bemerkten wir viele Fährden von Moosethieren und Wölfen.

Den 23. war der Himmel meist bewölkt und mehrmals schneiete es. Wir sahen zwei Wölfe und mehrere Füchse über den Fluß wechseln und kamen an vielen Fährden von Moose- und Rothwildpret vorbei. Bald, nachdem wir unsern Lagerplatz bereitet hatten, legte es einen hohen Schnee, so daß wir unter unsern Lacken um so wärmer lagen. Während wir am folgenden Morgen frühstückten, stießen zwei Leute von Carlton auf ihrem Wege nach Cumberlandhouse zu uns; da wir also von jetzt an Bahn fanden, konnten wir zu unserer großen Freude, ohne Schneeschuhe schnell vorrücken. Nur war zu bedauern, daß wir zu schnell reis'ten, als daß Hr. Back zuweilen hätte anhalten und den Lauf des Flusses aufnehmen können, ohne zu weit zurückzubleiben Dieß geschah später von Dr. Richardson.. Da unsere Lebensmittel bedeutend abnahmen, so gieng es nicht wohl an, die ganze Gesellschaft deshalb aufzuhalten; überdieß schien es mir nicht durchaus nöthig zu seyn, weil der Lauf des Flusses schon früher sorgfältig niedergelegt worden war. Nachmittags mußten wir die Schneeschuhe wieder anlegen und über eine rauhe Stelle marschiren, wo sich das Eis über Steinhaufen aufgethürmt hatte. Auf dem Flusse bemerkten wir sehr häufige Fährden, zumal bei den Ruinen der alten Niederlassung Unter-Rippeween.

Es hatte während der Nacht auf den 24. einen solchen Schnee gelegt, daß keine Bahn mehr zu sehen und unser heutiger Marsch äußerst ermüdend war. Wir kamen an den Ueberbleibseln von zwei Stück Rothwild vorüber, welche am Fuße senkrechter Felsen lagen, von deren Gipfel sie wahrscheinlich von den Wölfen herabgetrieben worden waren. Diese reißenden Thiere, welche nicht so schnellfüßig sind; als das Moose- und Rothwild, nehmen häufig auf Ebenen, die durch abschüssige Felsen begränzt werden; zu diesem Mittel ihre Zuflucht. Während das Wild sich ruhig ätzt, versammeln sich die Wölfe in großer Anzahl, bilden einen Halbmond und beschleichen das Rudel anfangs vorsichtig; sobald sie jedoch ihrer Sache sicher sind und dem Wilde den Rückzug über die Ebene abgeschnitten haben, rücken sie schneller vorwärts, schüchtern ihre Beute durch lautes Heulen ein und zwingen sie, nach dem Abgrund, als der einzigen offenen Seite hinzufliehen; sie müssen wissen, dass, wenn das Rudel einmal in voller Flucht ist, es leicht über den Felsen hinausgetrieben wird, weil die hintersten Stücke die vordern drängen. Dann steigen die Wölfe nach ihrer Bequemlichkeit herab, um die zerschellten Thiere zu verzehren. Eines dieser Raubthiere strich dicht an unserm Vordermanne vorüber, ohne jedoch einen Angriff zu wagen. Nach einer Tagereise von 13 M. schlugen wir bei Sonnenunterg. unser Nachtquartier auf.

Den 26. kamen wir an der Spitze vorüber, welche die Hälfte des Weges zwischen Cumberland und Carlton bezeichnet. Jenseits derselben bot der Fluß weniger angenehme Scenen dar, weil sein Ufer von Holzung entblößt waren. Einer unserer Leute gieng einem Hirsch zu Gefallen, der sich am Ufer zeigte, und feuerte zweimal nach ihm, ohne ihn zu erlegen. Nach einem ermüdenden Marsche von 17 Meilen spannten wir bei der verlassenen Niederlassung Ober-Rippeween aus. Hier wuschen und rasierten wir uns, seit unserer Abreise von Cumberland zum ersten Mal, indem das Wetter zeither zu streng gewesen war. Die Nacht brachten wir unbequem und schlaflos hin und waren am andern Morgen sämmtlich der Meinung, daß es sich in freier Luft besser übernachten lasse, als unter dem unvollkommenen Schutz eines verödeten Hauses ohne Thüren und Fenster.

Der Morgen war äußerst streng, doch litten wir nicht viel von der Kälte, weil der Wind nicht stark wehete; wir wußten schon aus Erfahrung, daß die Empfindlichkeit der Kälte weniger durch dir Temperatur der Luft, als durch die Bewegung derselben bedingt ist. Im Laufe des Tags kamen wir an der Mündung des südl. Armes des Saskatchawan an, welcher im Felsengebirge, unsern den Quellen des nördlichen Armes des Missouris entspringt. Bei den Colesfällen, welche unfern von dieser Stelle beginnen, fanden wir die Oberfläche des Eises sehr uneben und viele offene Stellen.

Wir kamen an den Ruinen einer Niederlassung vorüber, welche die Pelzhändler, wegen des widerspenstigen und räuberischen Benehmens der Asseinaboine-Indianer, hatten verlassen müssen, und wir erfuhren, daß vor einigen Jahren sämmtliche Bewohner eines am südlichen Arme liegenden Posten von denselben Indianern niedergemacht worden wären. Wir reis'ten heute 12 M. Die Wölfe heulten uns die ganze Nacht in die Ohren; allein in die Nähe des Lagers wagte sich keiner.

Den 28. wehete uns ein starker, schneidender Nordwestwind viel Schneegestöber in's Gesicht; wir mußten so schnell als möglich gehn und die unbedeckten Theile unsers Körpers beständig reiben, um sie nicht zu erfrieren, allein einige Leute litten trotz dieser Vorsicht. Wir bemerkten am Ufer drei Stück Rothwild, die sich aber nicht beikommen ließen. Ein Zufluß an Fleisch würde uns sehr willkommen gewesen seyn, da unser Vorrath fast erschöpft war und die Hunde nur mit ein wenig verbranntem Leder gefüttert wurden. Wegen des Holzmangels mußten wir spät in die Nacht hineinreisen, ehe wir einen schicklichen Lagerplatz fanden, hatten aber dennoch nur 11 Meilen zurückgelegt. Die Nacht war fürchterlich kalt; der Thee fror in den zinnernen Tassen, ehe wir ihn trinken konnten, und selbst eine Mischung von Branntwein und Wasser wurde durch den Frost dicklich. Nachdem wir uns jedoch niedergelegt hatten, wurde uns wohl und wir achteten der Wölfe nicht, die dicht um uns her heulten. Auch der 29. war sehr kalt, bis die Sonne zum Vorschein kam und das Reisen angenehm machte. Wir trafen heute die Ufer des Flusses fast durchgängig von Holzung entblößt; ein langer Strich Landes am südlichen Ufer, die sogenannten Holmsebenen, ist durchaus ohne Bäume, und das gegenüberliegende Ufer hat nur verkrüppelte Weiden. Nachdem wir jedoch 16 M. zurückgelegt, kamen wir an eine besser bewaldete Stelle und lagerten uns einem sehr in die Augen fallenden Orte, dem sogen. Landhals, gegenüber.

Den 30. umgiengen wir den Landhals, welcher stark mit Fichten und Tannen bestanden ist, wogegen das gegenüberliegende oder westliche Ufer fast ganz kahl steht. Dieser Contrast zwischen den beiden Ufern dauerte bis zu den sogenannten Steppen, wo beide Ufer gleich nackt sind. Hinter dem südlichen Ufer dehnen sich weite Ebenen aus, welche dem Büffel und anderem grasfressenden Wilde treffliche Weide gewähren. Abends sahen wir eine Büffelheerde, konnten, ihr aber nicht beikommen. Nachdem wir 15 M. zurückgelegt, schlugen wir unser Lager auf. Die armen Hunde hatten sich schon seit einigen Tagen bei dem kärglichsten Futter abmühen müssen und waren daher unglaublich gierig. Sie zertrümmerten eine tannene Kiste, welche Thee u. s. w. enthielt, um zu einem kleinen Stück Fleisch zu gelangen, welches unvorsichtiger Weise hineingethan worden war.

Sobald es das Tageslicht erlaubte, brach unsere Reisegesellschaft in der Hoffnung auf, in Carltonshouse zu frühstücken; doch kamen wir, ungeachtet der guten Bahn, erst um Mittag daselbst an. Hr. Prudens, der Befehlshaber des Posten, nahm uns mit dem freundschaftlichen Wohlwollen auf, welches uns das, Circular des Gouv. Williams überall sichern sollte, und bewirthete uns bald darauf mit einer reichlichen Mahlzeit von Büffelsteaks, die schon an sich vortrefflich zubereitet waren, allein uns zumal, nach der Reisekost von getrocknetem Fleisch und ?Pemmincan, behagten, obgleich wir sie ohne Brod und Zugemüse genossen. Nach dieser Mahlzeit legten wir unsere Reisekleider ab, die wir seit 14 Tagen am Leibe behalten hatten. Dieß behagliche Gefühl können nur diejenigen würdigen, welche sich in einer ähnlichen Lage befunden haben. – Meine geschwollenen Knöchel schmerzten mich noch zu sehr, als daß ich nach La Montee, der Niederlassung der Nordwestcomp., die etwa 3 M. entfernt liegt, hätte wandern können; allein deren Befehlshaber, Hr. Hallet, stellte sich am folgenden Morgen ein, da ich ihm denn das Circular des Hrn. M' Gillivray überreichte. Indeß hatte er schon eine Copie desselben von Hrn. Connelly empfangen und Alles vorbereitet, um uns den nöthigen Beistand zur Reise nach dem Lande Athabaskca zu leisten.

Da Hr. Back und ich den dringenden Wunsch fühlten, ein Paar von den Steinindianern, welche die benachbarten Ebenen bewohnen, zu sehen, so mußten wir zu unserm großen Leidwesen vernehmen, daß eine große Gesellschaft den Posten am gestrigen Tage verlassen habe; doch wurde unsere Neugierde an jedem folgenden Tage durch die Ankunft einiger Individuen befriedigt. Die Blicke dieser Leute würden mich zu ihren Gunsten eingenommen haben; allein die in Carltonhouse wohnenden Herren hatten mich schon von deren ungewöhnlich hinterlistigen Gemüthsart unterrichtet. Ihre Züge sind freundlich und angenehm; ihre Augen groß und ausdrucksvoll; die Nase adlerartig; Zähne weiß und regelmäßig; Stirn kühn, Backenknochen etwas hervorragend. Ihr Wuchs ist in der Regel gut, Größe mehr als mittelmäßig; Extremitäten schlank, aber gut proportionirt; Farbe hellkupfrig und ihr dickes pechschwarzes Haar fällt über die Ohren herab und verfinstert das Gesicht. Ihre Tracht, welche, meinem Geschmacke nach, äußerst nett und zweckmäßig ist, besteht aus einer Weste und Hose von Leder, die an dem Körper schließen. Darüber wird ein Büffelmantel geschmackvoll angelegt. Diese Kleidungsstücke werden in der Regel mit einer Art von Mergel geweißt; andere gebrauchen indeß hierzu die Rotherde, eine Art von Sumpfeisenerz. Allein diese Farbe ist einmal nicht so schimmernd und bildet auch nicht den angenehmen Contrast mit dem schwarzen Haar des Mantels, als die Weiße. Auf dem Rücken hängt der Köcher und in der Hand führen sie stets den Bogen mit einem Pfeile, der zum Angriff oder zur Vertheidigung bereit liegt. Zuweilen besitzen sie auch eine Flinte. Außerdem führen sie einen Beutel bei sich, in welchem Feuerzeug, Taback, Pfeife und überhaupt ihre Sachen von Werth sich befinden und der sauber mit Stachelschweinkielen verziert ist. So ausgerüstet beträgt sich der Steinindianer als vollkommen unabhängiger Mann.

Die einzigen Europäischen Handelsartikel, welche diese Indianer für das Fleisch, womit sie die Handelsposten versorgen, annehmen, sind: Tabak, Messer, Munition, Branntwein und wohl auch Glasperlen, aber häufiger Knöpfe, welche sie in Schnüren im Haar tragen. Ein tüchtiger Jäger wird gewöhnlich 2-3 Dutzend derselben in gleichen Entfernungen zu beiden Seiten der Stirn herabhängen lassen. An der Spitze derselben sind zuweilen kleine Corallenglöckchen befestigt, welche bei jeder Bewegung des Kopfs klimpern, woran sich der, der sie trägt, sehr zu ergötzen scheint. Zuweilen ist eine Schnur gleich einer Tiara um den Kopf gewunden und über derselben erhebt sich ein zierlicher Federbusch.

Die Steinindianer stehlen alle Artikel, deren sie habhaft werden können, vorzüglich Pferde. Diese Thiere betrachten sie als gemeinschaftliches Eigenthum; der Allmächtige, sagen sie, habe sie allen Menschen zum Frommen geschickt, und so dürfe man sich ihrer bemächtigen, wo man sie auch träfe. Indeß geben sie zu, der Eigenthümer habe das Recht, sie zu bewachen und den Diebstahl, wo möglich, zu verhindern. Da sie aus dieser Ansicht kein Geheimniß machen, so ist man auf den verschiedenen Posten beständig auf seiner Huth; allein dessenungeachtet werden häufig einzelne und mehrere Personen auf die verwegenste Weise angegriffen. Vor etwa zwei Jahren hatte, eine Bande Indianer die Frechheit, einige Pferde, welche vor dem Thore des Nordwestcomp. Forts weideten, forttreiben zu wollen. Nachdem sie den ganzen Tag lang dem Feuer der wenigen grade im Fort anwesenden Leute getrotzt, dasselbe auch wohl gelegentlich erwiedert hatten, setzten sie ihr Unternehmen wirklich in's Werk. Auf jeder Seite wurde ein Mann getödtet. Wehrlose Personen ziehen sie gewöhnlich bis auf die Haut aus, sonderlich wenn sie Knöpfe an den Kleidern tragen, und lassen dieselben, das Wetter mag so streng seyn wie es wolle, in diesem Zustand weitergehn. Erwarten sie Widerstand, so ermorden sie gewöhnlich den Reisenden, ehe sie ihn berauben. Wenn daher die Pelzhändler reisen, werden stets einige Wachen ausgestellt, während die Uebrigen schlafen, und sie gebrauchen häufig die Kriegslist, daß sie bei Sonnenuntergang ein Feuer anzünden und brennen lassen, während sie in der Finsterniß einen weiter entlegenen Lagerplatz zu erreichen suchen. Indessen lassen sich die Räuber nicht immer durch diese Finte täuschen. Von dieser Art ist der Menschenschlag, gegen welchen sich die Pelzhändler an diesem Flusse beständig zu verwahren haben. Nur nach einem langen Aufenthalt unter ihnen und wenn man mit ihrem Wesen genau bekannt geworden ist, kann man sich über die beständige Besorgniß hinwegsetzen, welche ihre feindselige Gesinnung erregen muß. Wenn die Pelzhändler ferner nicht gewärtig seyn wollen, daß die Indianer ihre Lieferungen an Lebensmitteln und Fellen ganz einstellen, müssen sie oft die gröbsten Vorgehungen, selbst den Mord, ungestraft lassen, wenn gleich die Verbrecher sich bald darauf mit der größten Frechheit wieder einfinden und sich vielleicht ihrer Unthat noch rühmen. Wenn ein Diebstahl entdeckt wird, so glauben sie durchaus nicht, verpflichtet zu seyn, das Gestohlene anders, als gegen eine Sache von gleichem Werthe abzuliefern. Die Steinindianer halten mit ihren Nachbarn, den Crihs, aus eigennützigen Rücksichten Freundschaft und beide Stämme leben in eingewurzelter Feindschaft mit den westlich wohnenden Völkerschaften der sogenannten Sclavenindianer. Dieß ist ursprünglich ein Schimpfname, welchen die Crihs denjenigen Stämmen beigelegt haben, die sie im Kriege überwunden haben. Die Sclavenindianer sollen den Steinindianern in vieler Hinsicht gleichen und ebenso tollkühn bei ihren Räubereien und unredlich in ihrem Benehmen gegen die Pelzhändler seyn. Die beiden Partheien befehden sich fast jeden Sommer und stellen zuweilen jede 8-400 Reuter in's Feld. Wenn sich die Anführer dem Feinde nähern, gehen sie so bedachtsam wie die geschicktesten Generäle zu Werke. Eine der beiden Partheien greift an, sobald sie den Vortheil des Terrains hat, oder die andere aus dem Hinterhalt überfallen kann. Sie werden augenblicklich handgemein und die Schlacht ist mörderisch, wenn gleich von kurzer Dauer. Man schenkt den Gefangenen beiderlei Geschlechts nur selten das Leben, sondern würgt sie auf der Stelle mit der gefühllosesten Grausamkeit. Die Todten werden scalpirt, und wer die meisten Schöpfe vom Schlachtfelde mitbringt, gilt für den Tapfersten. Sie werden später an das Kriegskleid befestigt und als Ehrenzeichen getragen. Die Sieger färben eine gewisse Zeitlang ihre Gesichter und einen Theil ihrer Kleidung schwarz und kommen in diesem Costüm häufig nach der Niederlassung, um dort durch Singen und Tanzen ihre Freude an den Tag zu legen. Jeder ist dabei mit den gräßlichsten Orden ausgestattet, welche seine besondern Thaten beurkunden. Wenn sie trauern, überziehen sie dagegen ihre Kleidung, und Haare mit weißem Thon.

Die in der Nachbarschaft von Carltonhouse wohnenden Crihs haben dieselbe Gesichtsbildung wie die Cumberländischen, aber ein weit kräftigeres Ansehen, wahrscheinlich, weil sie in einem reichern Lande leben. Diese Leute sind nachgiebiger, umgänglicher und kunstfleißiger, als die Steinindianer, und bringen mehr Nahrungsmittel und Pelze nach den Posten. Sie haben im Allgemeinen dieselbe Tracht wie die letztem, indeß sieht man auch zuweilen an ihnen wollene Laken und dergl., wenn sie im Stande sind, dieselben zu bezahlen. Ihr Haar verzieren sie, wie die Steinindianer, mit Knöpfen. Von den Pelzhändlern erhalten sie Feuergewehr, dessen sie sich lieber bedienen, als der Bogen und Pfeile, und von ihnen bekommen jenes oft die Steinindianer, welche dasselbe entweder stehlen, im Spiel gewinnen, oder kaufen. Auch diese Crihs sind dem Trunk leidenschaftlich ergeben und bringen jedes Opfer, um Branntwein zu erhalten. Seit den letzten Jahren vorzüglich hat sich der Absatz dieses schädlichen Getränks bedeutend vermehrt.

Aus Hrn. Richardson's Tagebuch entlehnen wir folgende Notizen über die Steinindianer: Die Asseenaboine, welche von den Crihs Affeenapontuck oder Steinindianer genannt werden, sind ein Stamm der Sioux, welche eine Mundart des Irokesischen reden. Sie selbst nennen sich Cascab. Sie nahmen diesen Theil des Landes unter den Schutz der Crihs in Besitz und vertrieben mit deren Hülfe die frühern Bewohner des Saskatchawan nach Westen. Sie sind noch immer die Alliirten der Crihs und letztern gegenwärtig an Zahl überlegen, Sir verläugnen keine der schlechten Eigenschaften, welche man ihrem Stammvolke, den Mengwe oder Irokesen, beimißt. Ueber ihre gegenwärtige Zahl konnte ich keine bestimmte Auskunft erhalten; allein sie ist sehr beträchtlich. Mit den Crihs, welche die Ebenen bewohnen und Pelzwerk liefern, sind die Kaufleute besser bekannt. Sie scheiden sich in zwei besondere Zweige, die Ammisk-watchee-thingoowuc oder Biberberg-Crihs, welche etwa 40 Zelte haben und die Sackawe-thingoowuc, oder Indianer der Dickichte, welche deren 35 besitzen. Auf jedes Zelt kann man im Ganzen 10 Köpfe rechnen, woraus sich eine Volksmasse von 750 ergiebt. Die Nationen, welche von den Cascab und den Crihs gen Westen getrieben wurden, nennen die letzteren Patchee-thingoowuc, welches man Sclavenindianer übersetzt hat, aber eigentlich bloß Ausländer bedeutet. Diese bewohnen jetzt das Land um Fort Augustus und den Fuß des Felsengebirgs und haben so an Kraft gewonnen, daß sie jetzt der Schrecken der Cascap selbst geworden sind. Sie haben eine starke Pferdezucht, führen Feuergewehr und sind den Europäischen Artikeln sehr hold. Um sich diese verschaffen zu können, jagen sie Biber und anderes Pelzwild. Ihre Nahrung aber beziehen sie meist vom Büffel.

Sie scheiden sich in fünf Nationen:

1) Die Pawaustic-eythin-yoowuc, oder Fall-Indianer; welche ihren Namen dem Umstand verdanken, daß sie früher an den Fällen des Saskatchawan wohnten. Es sind die Minetarres, mit denen des Cap. Lewis Expedition auf ihrer Rückkehr von Missouri zu kämpfen hatte. Sie besitzen ungefähr 450-500 Zelte und ihre Sprache ist wegen der vielen Kehllaute sehr schwerfällig.

2) Die Peganoo-eythinyoowuc, Pegans, oder Schlammfluß-Indianer, nennen sich selbst Peganoe-koon und haben 400 Zelte.

3) Die Meethio-thinyoowuc, oder Blut-Indianer, nennen sich selbst Kainoe-koon, und besitzen 300 Zelte.

4) Die Cuskoeteh-waw-thésseetuck, oder Schwarzfuß-Indianer, in ihrer Landessprache Sarvekoe-koon genannt, leben in 360 Zelten. Die letzten, drei Nationen oder Stämme, nämlich die Pegans, Blut- und Schwarzfuß-Indianer reden dieselbe Sprache. Diese wird langsam und deutlich artikulirt geredet, hat viel Biegsamkeit und wird von den Nachbarvölkern leicht erlernt. Die besten Dollmetscher im Lande versicherten mir, daß sie mit der Sprache der Crihs, Sioux und Chipewyer keine Verwandtschaft habe.

Die Sassees oder Circees endlich besitzen 150 Zelte, und reden, mit ihren Nachbarn den Schlingen- ( Snare-)Indianern, welche zu der weitverbreiteten Familie der Chipewyer Den Sprachkundigen dürften einige Worte aus der Sprache der Schwarzfüßer willkommen seyn. Sie folgen hier:
Peestah kan, Taback.
Moohksee, Pfrieme.
Nappoe – vohke e, Rum.
Cook keet, gieb mir.
Eeninee, Büffel.
Pooxâpoot, komm her.
Kat oet sits, nichts, ich habe nichts.
Keet sta kee, Biber.
Naum, Bogen.
Stoo – an, Messer.
Sassoopats, Munition.
Meenee, Glasperle.
Poommees, Fett.
Miss ta poot, halt-dich fern.
Saw, nein.
Stwee, kalt, es ist kalt.
Pennâkômit , Pferd.
Ahseeu, gut.
gehören, ein- und dieselbe Sprache.

Den 6ten Februar, begleiteten wir Herrn Prudens nach einem Lagerplatz der Crihs und einem Büffelzaum, welche beide etwa 6 M. von Carlton entfernt waren. Wir fanden die 7 Zelte in einem kleinen Fichtenhain aufgeschlagen, der an den Zaun stieß. Wir traten in das größte, daß dem eben abwesenden Häuptling gehörte, der sich aber einstellte, als er von unserer Ankunft hörte. Der alte, wohl 60jährige Mann bewillkommente uns mit einem herzlichen Händedruck und dem gewöhnlichen Gruße: Wie gehts? eine Redensart, die sie von den Pelzhändlern angenommen haben. Da man uns erwartet hatte, so war das Zelt hübsch aufgeputzt worden. Auf den Fußboden war frisches Gras gestreut, und auf der Seite der Thüre gegenüber waren Büffelmäntel ausgebreitet, auf die wir uns setzen sollten. Auf dem Feuer standen Kessel, um Fleisch für uns zu kochen. Nachdem wir uns ein paar Minuten unterhalten hatten, boten wir dem Häuptling, und den übrigen Jägern an, den Calumet oder die Friedenspfeife mit uns zu rauchen. Dieß wurde laut im Lager ausgerufen, worauf sich augenblicklich zehn Männer aus den übrigen Zelten zu uns begaben. Alsbald zogen sich Weiber und Kinder, die bei solchen Gelegenheiten nicht gegenwärtig seyn dürfen, zurück. Nachdem der Calumet von Hrn. Prudens Schreiber gestopft und angeraucht worden, ward er dem Häuptling angeboten, der denselben annahm, aber bevor er rauchte, folgende Förmlichkeit beobachtete. Er zeigte erst mit der Spitze nach Süden und nach den übrigen drei Weltgegenden; dann nach dem Himmel, der Erde, dem Feuer, um den Gottheiten, die ihnen vorstehen, seine Erfurcht zu bezeugen. Er that nur drei Züge und händigte die Pfeife dann seinem Nachbar ein, der sie im Kreise weiter gab. Nachdem die Pfeife wieder gestopft war, wiederholte der Mann, der jetzt den Anfang machte, nur den letzten Theil der Ceremonie, indem er die Spitze dem Himmel, der Erden und dem Feuer hinhielt. Man bot dem Alten etwas Branntwein mit Wasser vermischt, an; allein ehe er trank, verlangte er eine Feder, die er mehrmals in den Becher tauchte und damit den Boden bespritzte, während er zugleich ein Gebet aussprach. Der Inhalt seiner ersten Bitte an den Kektchee-Manitou oder den großen Geist war, daß es nirgends an Büffeln fehlen möchte, und daß deren recht viel in ihre Gehäge kamen. Hierauf bat er um Überfluß an andern Thieren, vorzüglich solchen, die ihres Pelzes wegen geschätzt würden, und verlangte dann, daß die gegenwärtige Gesellschaft von der damals grassirenden Krankheit befreit und überhaupt fortwährend gesund bleiben möchten. Dann folgten noch einige andere Anliegen, die uns nicht verdollmetscht werden konnten, ohne die ganze Ceremonie zu stören. Bei jeder dieser Bitten gab die ganze Indianer-Gesellschaft durch den Ausruf Aha ihre Zustimmung. Als der Alte ausgeredet, trank er ein wenig, und gab den Becher dann in dem Kreis herum. Nach diesen Ceremonien rauchte jeder Mann nach Belieben; das Gespräch wurde allgemein und ich bedauerte nur, daß ich nichts davon verstand, denn es schien sehr humoristisch zu seyn und erregte oft lautes Gelächter. Vorzüglich schienen die jüngern Leute die Enthaltsamkeit eines Anwesenden, welcher weder trank noch rauchte, in's Lächerliche zu ziehen. Er ertrug ihre Sticheleien mit der äußersten Gleichmuth und versicherte ihnen, wie man mir sagte, sie würden sich besser befinden, wenn sie seinem Beispiel folgten. Es machte mir Freude, als Hr. Prudens bestätigte, daß dieser Mann nicht nur einer der geschicktesten Jäger, sondern auch der heiterste und zufriedendste Mann der ganzen Horde wäre.

Mittlerweile langten vier Stein-Indianer an, welche zum Feste eingeladen wurden. Doch kam nur Einer in's Zelt. Als Hr. Prudens die Weigerung der Andern vernahm, sorgte er gleich dafür, daß unsere Pferde streng bewacht wurden; indem er jenen Leuten die Absicht zutraute, sie zu stehlen. Als ich erfuhr, daß die Crihs Hrn. Back und mich für Kriegs-Hauptleute hielten, und eine Anrede von unserer Seite erwarteten, so ermahnte ich sie zu einem guten Verhalten gegen die Pelzhändler, zur fleißigen Beitreibung von Lebensmitteln und Pelzen, zur Abstellung aller Diebereien und versicherte ihnen, ich würde ihr gutes Benehmen ihrem großen Vater jenseits des Meeres (den König von England) recht sehr empfehlen, dessen Gnade die Pelzhändler ihnen immer als höchst wichtig darstellen. Sie versprachen sämmtlich, meinem Rathe zu folgen, und versicherten zugleich, daß nicht sie, sondern nur die Stein-Indianer die Handelsleute beraubten und anföchten. Der gegenwärtige Stein-Indianer hörte diese Beschuldigungen gegen seinen Stamm höchst gleichgültig mit an, mochte sie aber wohl nicht ganz verstehen. Wir ließen sie ihren Rum austrinken, und gingen, die Wohnungen und den Büffelpferch zu besichtigen.

Bei den Wilden wird der größte Theil der Arbeit den Weibern zu Theil. Hier sahen wir sie mit Gerben, Wasser- und Holztragen und Beischaffung der Nahrung beschäftigt. Da sie häufig das Fleisch ziemlich weit herholen müssen, so lassen sie sich hierbei von den Hunden helfen, welche dabei nicht an Schlitten geschirrt sind, sondern ihre Ladung auf eine, dieser flachen Gegend ganz eigenthümliche Weise fortschaffen. Zwei lange Stangen sind an dem Halsband des Hundes befestigt, und deren Ende, die auf der Erde nachschleifen, werden durch einen zwischen ihnen gleich hinter dem Schwanz des Hundes befestigten Reif in der gehörigen Entfernung gehalten. An dem letztern ist ein Netz befestigt, in welchem die Ladung liegt. Die Knaben belustigten sich, indem sie mit Pfeilen nach dem Ziele schossen, um einst gute Jäger zu werden. Die Stein-Indianer bedienen sich dieser Waffen so geschickt, daß sie einen kleinen Gegenstand in sehr beträchtlicher Entfernung treffen und einen Büffel in der Nähe durch und durch schießen können.

Der Büffelpferch war ein eingehegter runder Platz, von etwa 100 Yards im Durchmesser. Der Eingang war mit Schnee so zugedämmt, daß die Büffel, welche sich einmal darinne befanden, nicht wieder heraus konnten. Etwa eine Meile weit waren auf jeder Seite des Weges, der zu dem Gehäge führte, Pfähle, etwa 20 Yards von einander, in den Boden getrieben. Die Büffel sollten dieselben für Menschen ansehen und dadurch abgeschreckt werden, an den Seiten durchzubrechen. Bis gegen 60 Yards vom Pferch befand sich zwischen diesen Stäben ein Flechtwerk von Baumzweigen, hinter welchen sich die Indianer verbergen, um die Annäherung des Büffels abzuwarten. Bei dieser Art von Jagd können vorzüglich die Reiter ihre Geschicklichkeit beweisen. Es kömmt darauf an, daß diese so manöveriren, daß die Büffelheerde gezwungen wird, die etwa ¼ M. breite Gasse einzuschlagen. Ist dieß geschehen, so erheben die Jäger ein lautes Geschrei, reiten hart an die Thiere heran, und setzen sie so in Schrecken, daß sie blindlings in die Falle rennen. Sind sie bis zu den im Hinterhalt liegenden Leuten gelangt, so springen auch diese in die Höhe und vermehren die Angst der Thiere durch heftiges Schreien und Feuern und es bleibt diesen nun keine andere Wahl, als in den Pferch zu setzen, wo man sie alsbald mit Pfeilen oder Feuergewehr niederschießt. Mitten im Gehäge stand ein Baum, an welchen die Indianer Streifen von Büffelfleisch und Stücke Tuch als Opfer oder Tribut für den großen Herrn des Lebens aufgehangen hatten. Man sagte uns, diesen Baum erklettere zuweilen ein Mann und singe, während die Büffel anrückten, Hymnen zu dem Gotte der Jagd. Jener kann seinen Posten nicht eher verlassen, bis alle im Gehäge befindlichen Büffel getödtet sind. Dieser Büffelfang ist ungefähr das im Kleinen, was der Elephantenfang auf Ceylon im Großen ist. Die Crihs beklagten sich bei uns, daß die vermessenen Steinindianer in einer der letzten Nächte ihren heiligen Baum sehr beraubt und viele Pfähle aus dem Zaune gerissen hätten.

Die Büffeljagd wird noch auf andere Arten von den Indianern mit Erfolg betrieben. Am meisten Geschick gehört dazu, den Büffel zu Pferde zu erlegen. Ein gut berittener Jäger sprengt auf die Heerde zu und wählt sich ein besonderes Stück aus, welches er von den übrigen zu trennen sucht. Gelingt ihm dieß, so weiß er das Thier durch die gehörige Führung des Pferds immer abgesondert zu halten, und sobald er sich ihm auf die gehörige Schußweite genähert hat, streckt er es mit der Kugel nieder. Selten wird er sein Ziel verfehlen, obgleich er im vollen Gallop schießt. Bei dieser Gelegenheit kann der Jäger leicht mit seinem Pferde stürzen, weil jene Ebenen überall von den Dachsen unterminirt sind. Ferner droht ihm Gefahr von der Wuth des Büffels, der sich mit einem Mal gegen seinen Verfolger zur Wehre setzt und wüthend auf das Pferd losrennt. Oft gelingt es ihm, dasselbe zu verwunden oder den Reiter abzusetzen. So oft das Thier hierzu Miene macht, was der erfahrene Jäger bald merken wird, lenkt er sogleich sein Pferd um und sprengt hinweg.

Wenn die Büffel auf ihrer Huth sind, so kann man sich ihnen zu Pferde nicht nähern und sie müssen alsdann vorsichtig und langsam beschlichen werden. Man kann denken, daß dieß kein angenehmes Geschäft ist, wenn das Thermometer auf 30-40° unter dem Nullpunkte steht.

Als wir von den Zelten zurückkehrten, setzten die an drei Schlitten, in deren einem Hr. Back saß, geschirrten Hunde einem Büffelkalbe nach. Unser Freund wurde bald aus seiner Kariole geworfen und setzte sich mit in mein Pferdegeschirr. Hr. Herriot, welcher sich aufmachte, die Hunde wieder beizutreiben, fand sie erschöpft neben dem Kalbe liegen, welches sie so lange gehetzt hatten, bis es, wie sie, nicht weiter konnte. Um uns zu zeigen, wie man den Büffel zu Pferde jagd, setzte Hr. Herriot einer Kuh nach, die er durch drei Schüsse tödtete.

Der Büffel ist ein gewaltig großes und unförmliches Thier, dem alle Schönheit und Grazie abgeht; vorzüglich unbeholfen benimmt er sich im Lauf, ist aber dennoch sehr schnellfüßig; wenn er gehetzt wird, setzt er äußerst behend durch tiefen Schnee. Das Haar ist dunkelbraun, äußerst zottig und um Kopf, Hals und Höcker gelockt; das Auge ist fast ganz davon bedeckt, vorzüglich bei'm Bullen, welcher größer und ungeschlachter ist, als die Kuh. Der beliebteste Theil des Thiers ist der Höcker, den die Canadier Bos, und die Leute der Hudsonsbaigesellschaft die Perücke nennen. Es ist dieß bloß ein starker Muskel, auf welchem sich zu gewissen Jahreszeiten eine dicke Fettlage bildet und der an den langen Fortsätzen der ersten Rückenwirbel befestigt ist. Er scheint die Bestimmung zu haben, den gewaltigen Kopf des Thiers zu stützen. Nächst dem Höcker ist das unmittelbar auf den Wirbelfortsätzen liegende Fleisch, wegen seines Wohlgeschmacks und seiner Säftigkeit, am meisten beliebt und wird von den Jägern mehr ausschließend der Höcker genannt.

Ein heftiges Schneegestöber verhinderte unsere Gesellschaft, einen Lagerplatz der Steinindianer zu besuchen, indem wir sonst nicht an demselben Tage hätten zurückkehren können. Es wurde uns aber von dem Dollmetscher des Nordwestpostens abgerathen, bei ihren Zelten zu schlafen, indem unter den Eingebornen die Sage gieng, der Keuchhusten und die Masern, welche jetzt unter ihnen grassirten, seyen von einigen jüngst in's Land gekommenen Weißen eingeführt worden; so dürften die Verwandten der Gestorbenen, in der Meinung, wir seyen diese Europäer, sich an uns rächen wollen. Leider haben diese Krankheiten unter den Stammen am Saskatchawan große Verheerungen angerichtet und allein von den Crihs und Steinindianern, welche im Handelsprengel dieser Niederlassungen liegen, gegen 300 Personen weggerafft. Der Dollmetscher unterrichtete uns zugleich von einem andern schlechten Zuge im Character der Steinindianer. Wenn sie gleich einen Gast freundlich in ihren Zelten aufnehmen und ihn während seines Aufenthalts äußerst gastfrei behandeln, so schicken sie doch fast allemal einige junge Mannschaft aus, um ihn auf dem Rückwege aufzulauern und zu berauben. Darinne waren alle Pelzhändler einstimmig, daß man nie mehr Ursache habe, gegen sie auf der Huth zu seyn, als wenn man sie besuche.

Carltonhouse (nach unsern Beobachtungen unter 52º 50' 47'' n. Br. und 106º 12' 42'' w. L.) liegt etwa ¼ Meile vom Flusse auf einer ebenen Stelle, beschirmt von den hohen Bänken, welche die Ebenen begränzen. Der Boden ist fruchtbar und producirt mit wenig Mühe reichliche Aerndten von Waizen, Gerste, Hafer und Kartoffeln. Um Mitte April bereitet man denselben zur Aufnahme dieser Vegetabilien vor, und als Dr. Richardson den 10. Mai diesen Ort besuchte, stand die Waizensaat schon kräftig und gesund. Zur Zeit meines Besuches waren erst 5 Acres urbar gemacht. Im Sommer muß man vom Fort aus einer angenehmen Aussicht genießen, indem dann ein üppiges Grün die fruchtbare Gegend überzieht; allein im einförmigen traurigen Winterkleide wird das Auge nirgends ergötzt. Jenseits der steilen Bank hinter dem Hause hebt die weitläuftige Ebene an, deren Gränzen noch nicht gehörig bekannt sind. Sie erstreckt sich längs dem südlichen Arm des Saskatchawan, nach den Quellen des Missouri und Asseenaboine und wird bei dieser gewaltigen Ausdehnung nur durch wenige Berge und selbst Landrücken unterbrochen. Die trefflichen Triften geben für eine Menge grasfressender Thiere, von welchen der Büffel, der Rothhirsch und eine Antilope die erheblichsten sind, fette Weiden ab. Ihnen ziehen zwei Arten von Wölfen, eine größere und eine kleinere, schaarenweise nach. An den Ufern dieses Flusses zeigen sich im Sommer viele Bären, von denen der grauliche am grimmigsten ist, und von Indianern sowohl, als Europäern gefürchtet wird. Der Reisende ist in diesen Ebenen nicht nur dem Mangel Preis gegeben, sondern geräth auch häufig dadurch, daß sein Pferd in die zahlreichen Dachsbaue durchbricht, in Gefahr. In vielen großen Districten kennt man kein anderes Brennmaterial, als den Büffelmist, und wenn der durstige Reisende an eine Quelle gelangt, so muß er sie häufig salzig finden.

Carltonhouse und La Montée sind eigentlich Lebensmittelposten, indem nur eine unbedeutende Menge von Pelzwerk dort aufgebracht wird. Die Lebensmittel werden im Winter von den Indianern, in Gestalt von trockenem Fleisch und Fett, geliefert. Der Pemmincan, eine Mischung von beiden, bildet das Hauptnahrungsmittel der Reisenden, die sich im Sommer von einer Niederlage zur andern begeben. Auch für den Winterbedarf hebt man eine große Quantität davon auf, weil er auf Reisen am bequemsten transportirt werden kann. Die Art und Weise, wie man den Pemmincan bereitet, ist sehr einfach. Das Fleisch wird von den Indianern in der Sonne oder auf dem Feuer getrocknet und auf einem Felle mit Steinen klar gestoßen. So wird es nach den Forts gebracht, wo es von den darinne befindlichen Haaren zum Theil befreit und mit dem dritten Theile an geschmolzenem Fett vermischt wird. Dieß geschieht theils mit einer hölzernen Schaufel, oder auch indem man es mit den Händen zusammenknetet. Alsdann wird der Pemmincan fest in lederne Säcke gedrückt, von denen jeder 85 Pfd. fassen kann, zum Verkühlen an einen luftigen Ort gesetzt und kann so gleich verbraucht werden. Bewahrt man ihn vor Nässe, so hält er sich gut ein Jahr, bei vorzüglicher Sorgfalt auch wohl zwei Jahre. Heuer wurden in jedem der beiden Forts 300 bis 400 Säcke voll bereitet!

Außer Hrn. Prudens und dessen Schreiber gehörten 8 Mann zu Carltonhouse. Zu La Montée wohnten 70 Canadier und Mestizen nebst 60 Weibern und Kindern, welche täglich über 700 Pfd. Büffelfleisch consummirten, da die Ration des Mannes 8 Pfd. auf den Tag beträgt.

Mehr stromaufwärts liegen die Lebensmittelposten Fort Augustus und Edmonton, wo gleichfalls einiges Pelzwerk aufgebracht wird. Die Steinindianer haben gedroht, zu diesen Niederlassungen vorzudringen und ihnen die Zufuhr abzuschneiden, weil ihre Feinde von dort Munition und andere europäische Artikel beziehen. Da jedoch diese Drohungen immer ausgesprochen und nie in's Werk gesetzt werden, so haben sie für die Pelzhändler fast alles Beunruhigende verloren, obgleich man sich gegen einen Ueberfall möglichst vorsieht. Ein alter Crih theilte Hrn. Prudens in unserm Beiseyn mit, die Indianer hätten davon geredet, sie wollten dieß Jahr alle Weißen in dieser Gegend ausrotten. Diese Nachricht beunruhigte jenen nicht im Geringsten, sondern er ergötzte sich mit uns an einer spätern Bemerkung, die der Mann machte: wie übel die Indianer daran seyn würden, wenn sie keine europäischen Artikel mehr erhielten.

Aus Dr. Richardson's Tagebuch schalten wir hier folgende Bemerkung über eine bekannte Krankheit ein: Der Kropf ist zu Edmonton häufig. Ich untersuchte mehrere damit behaftete Personen und suchte mir aus den sichersten Quellen alle auf diese Krankheit bezügliche Notizen zu verschaffen. Folgende Umstände sind als durchaus wahr anzusehen. Die Krankheit befällt nur diejenigen, welche das Wasser des Flusses trinken. In ihrer bösartigen Gestalt zeigt sie sich fast nur an den Mestizen-Frauen und Kindern, welche fortwährend im Fort wohnen und sich des Flußwassers bedienen, welches man im Winter durch das Aufbrechen des Eises erhält. Die Männer, welche häufig die Ebenen bereisen und sich dabei des geschmolzenen Schnees zum Trinken bedienen, bleiben mehr davon befreit, und wenn sich auch an einem derselben während des Winters die ersten Symptome offenbaren, so bewirkt die jährliche Sommerreise nach der Seeküste in der Regel die Heilung. Die Eingebornen, welche sich im Winter mit Schneewasser behelfen und im Sommer aus den kleinen Flüßchen trinken, welche die Ebenen durchschneiden, werden nie von der Krankheit befallen. Diese Thatsachen sind insofern merkwürdig, als sie die allgemein angenommene Meinung entkräften, als ob die Krankheit nach dem Genuß des Schneewassers entstehe, die darin ihren Grund hat, daß der Kropf in den Alpenthälern endemisch ist.

Der Saskatchawan fließt bei Edmonton im Winter hell und nur im Mai und Juli trübe. Von dem Felsengebirge, welches ich als Urgebirge annehme, ist dieser Ort über 130 M. entfernt. Die benachbarten Ebenen bestehen aus angeschwemmtem Erdreich; der Boden hat viel Kalk und Geschiebe von sehr jungem Magnesia haltigen Kalksteine. Ziemlich weit unter Edmonton nimmt der Fluß während seines Laufs durch die Ebenen eine trübe weißliche Farbe an. Hier wird er von den Bewohnern von Carltonhouse, wo die Krankheit nur dem Namen nach bekannt ist, ohne Unterschied getrunken. Zu Rockymountainhouse, welches der Quelle des Flusses 60 M. näher liegt, als Edmonton, soll das Uebel sich noch bösartiger äußern. Dasselbe zeigt sich auch unfern den Quellen des Elenn- und Friedensflusses; allein in den von dem Felsengebirge entfernten Distrikten ist es unbekannt, obgleich die Eingebornen 9 Monate im Jahre kein anderes Getränk zu sich nehmen, als geschmolzenen Schnee. Ein einjähriger Aufenthalt zu Edmonton reicht hin, um eine Familie kropfig zu machen. Viele Kröpfe erreichen eine bedeutende Größe. Man hat gebrannten Schwamm mit Erfolg gegen das Uebel angewandt, welches jedoch sogleich wiederkehrt, sobald die erste Ursache wieder eintritt. Sehr viele von den Kindern der mit Kröpfen behafteten Weiber waren mit dicken Köpfen geboren, sind blödsinnig und in jeder Hinsicht ächte Cretins. Ich konnte nicht in Erfahrung bringen, ob es zur Erzeugung der Cretins nothwendig sey, daß beide Aeltern Kröpfe haben. Auch würde jede Folgerung in dieser Hinsicht übel begründet seyn, weil die Mestizinnen durchaus unzüchtig leben.

Den 8. Februar. Da wir uns jetzt von den Beschwerlichkeiten der letzten Reise erholt hatten, trafen wir Anstalten, um uns nach Isle à la Crosse zu begeben, und wurden von beiden Forts aus bereitwillig unterstützt. Den 9. wurden die Cariolen und Schlitten beladen und nach dem Frühstück vorausgeschickt. Hr. Back und ich blieben jedoch bis zum Nachmittag, da Hr. Prudens sich erbot, uns durch sein Pferdegeschirr nach dem Lagerplatz fahren zu lassen. Um 3 Uhr Nachmittags schieden wir von unserm gütigen Wirthe und wurden bei'm Ausfahren durch eine Musketensalve beehrt. Nachdem wir 6 M. weit gefahren, gelangten wir zu unsern Leuten im Lager, welches unter einigen Pappelbäumen aufgeschlagen war. Die Hunde waren durch das Baden im tiefen Schnee bei ihren schweren Ladungen (da auf jeden über 90 Pfd. kam) so ermüdet worden, daß sie nicht weiter konnten. Bald nach unserer Ankunft fieng es an, stark zu schneien, und dieß hielt den größten Theil der Nacht an. Daher war unsere nächste Tagereise ganz vorzüglich langweilig, da sie uns durch tiefen Schnee und über eine höchst einförmige Ebene führte, wo wir von Bäumen nichts als ein kleines Weidengehölz erblickten. Nachmittags erreichten wir das Ende der Ebene und gelangten auf eine, mit Pappeln, Weiden und Fichten bestandene Anhöhe, wo wir, nach einem Marsch von 10 M., unsern Lagerplatz einrichteten. Wir kamen heute über drei kleine Seen; der letzte, in dessen Nähe wir uns lagerten, enthielt salziges Wasser und wir mußten daher unsern Thee mit Schneewasser bereiten, welches jederzeit einen unangenehmen Geschmack hat.

Kaum hatten wir am folgenden Morgen den Hügel vollends erstiegen, so sahen wir in geringer Entfernung ein Rudel Rothwild weiden, und ob wir gleich Lebensmittel in Ueberfluß hatten, so konnten doch unsere Canadischen Begleiter der Versuchung nicht widerstehen, darauf Jagd zu machen. Einem Mestizen gelang es, ein Stück zu verwunden; allein es entfernte sich mit dem Rudel zu weit von unserm Wege, als daß es hätte verfolgt werden dürfen. Nachmittags wurden einige Caninchen und ein Paar Holzhühner geschossen. Die Gegend, durch welche wir heute reis'ten, erhielt durch Berg und Thal eine angenehme Abwechselung, war aber nur schwach bewaldet. In den Thälern zeigten sich kleine Seen und Teiche, deren Schneedecke mit dem dunkeln Grün der sie umgebenden Fichten angenehm contrastirte. Nachdem wir auf einem gewundenen Pfade und durch dichten Wald einem mäßig hohen Berg erstiegen hatten, öffnete sich plötzlich vor uns die Aussicht auf den Irokesensee und dessen malerische Ufer. Nachdem wir über denselben gegangen, schlugen wir unser Lager auf.

Obgleich der Himmel unbewölkt war, hatten wir dennoch milde Witterung. Bald nachdem wir am Morgen des 12ten aufgebrochen waren, trafen wir gebahnten Weg und konnten schnell verrücken. Wir gingen über wenigstens 20 Hügel, an deren Fuß sich jeder Zeit ein kleiner See befand. Fast den ganzen Tag lang bemerkten wir die verheerenden Wirkungen der Holzbrände und sahen oft meilenlang keinen andern Baum, als Fichten, deren Aeste und Rinde vom Feuer zerstört waren; an andern Stellen wuchsen bloß Pappeln, welche jederzeit nach niedergebrannten Fichten entstehen. Wir legten heute 20, in gerader Richtung aber nur 16 M. zurück. In einer tiefen Schlucht fanden wir die Reste einer Indianerhütte, neben welcher ein Holzstoß lag, unter dem unsere Begleiter versteckte Lebensmittel vermutheten. Die unersättlichen Canadier fingen an, die obersten Klötze wegzuräumen, als sie zu ihrem Erstaunen einen in Leder gekleideten weiblichen Leichnam erblickten, welcher erst kurz zuvor hierhergelegt zu seyn schien. Neben demselben lagen ihre frühern Kleidungsstücke, Feuerzeug, eine Fischerleine, ein Beil und eine Schüssel von Rinde. Das Holz wurde sorgfältig wieder darübergelegt. Eine kleine Eule, welche unweit davon auf einem Baume saß, gab unseren Begleitern zu vielen sonderbaren Bemerkungen darüber Veranlassung, ob sie Glück oder Unglück bedeute.

Wir zogen den ganzen 13ten über ebenen Wiesengrund hin, auf welchem sich die Büffel zu allen Jahreszeiten in Menge aufhalten. Wir sahen mehrere Heerden, doch waren unsere Jäger nicht geschickt genug, sich ihnen auf Schußweite zu nähern. Nachmittags erreichten wir den Stinksee, welcher von fast ovaler Gestalt ist. Seine Ufer sind sehr niedrig und morastig und dieses Umstandes, nicht der schlechten Beschaffenheit seines Wassers wegen, haben ihm dir Indianer jenen Namen beigelegt. Das westliche Ende desselben liegt, unsern Beobachtungen zufolge, unter 53° 25' 24" n. Br. und 107° 18' 58" w. L.

Nach einem Marsch von 15½ M. lagerten wir uns unter einigen Fichten. Es war die einzige Stelle, die wir während des Tags getroffen hatten, wo hinlängliches Brennmaterial vorhanden war. Am folgenden Morgen gelangten wir, nachdem wir eine Stunde gereis't, auf eine gute Bahn und bemerkten die frischen Spuren von Schneeschuhen. Bald darauf gesellte sich ein Irokese zu uns, welcher bei einer Gesellschaft Erihindianer lebte, um deren Wildpret und Pelze der Nordwestgesellschaft zuzusichern. Er begleitete uns bis zu dem Gerüste, auf welchem sein Fleisch lag und lud uns dann sehr dringend ein, hier über Nacht zu bleiben und seine Gäste zu seyn. Da es noch zu früh am Tage war, so mußten wir dieß zum großen Leidwesen unserer Canadier ablehnen, welche, seitdem der Mann zu uns gestoßen, die frohe Hoffnung genährt hatte, ihren unglaublich starken Appetit hier stillen zu können. Jetzt führte uns der Weg über mehrere Hügelketten, welche so dicht mit Tannen, Birken und Pappeln bestanden waren, daß wir nur mit großer Schwierigkeit die Schlitten durch die enge Gasse geleiten konnten, welche den Weg vorstellte. Abends stiegen wir aus dem Hochlande herab, gingen über drei sumpfige Wiesen und lagerten uns an deren nördlichen Ende in einem Haine von hohen Fichten, deren Zweige mit gelblich grünen Flechten zierlich überzogen waren. Unsere Tagereise betrug 10 M. Die Witterung war, bei unserer starken Bewegung, fast zu mild.

Während der Nacht wehte ein starker Nordwestwind, der sich mit Anbruch des Morgens legte. Einer der Schlitten war am vorigen Tage zwischen den Bäumen so beschädigt worden, daß wir dessen Ladung auf die übrigen vertheilen mußten. Alsdann brachen wir auf, stießen früh auf eine festgetretene Bahn und langten bald zu einigen Indianer-Wohnungen. Es waren Crihs, die zu den Posten am Saskatchawan gehörten und sich der Biberjagd wegen hierher begeben hatten. Nachdem wir eine kurze Zeit gerastet, zogen wir durch einen Sumpf nach dem Pelikansee. Zur Rechten war die Aussicht durch eine hohe Bergkette begränzt, die sich viele Meilen weit und wie alle seither von uns überstiegene Hügelketten von S. nach N. zieht. Der Pelikansee hat eine unregelmäßige Gestalt und mißt von Osten nach Westen etwa 6, von N. nach S., 8 M. Gegen Norden verengt er sich bis auf eine Meile und endigt sich in einen Krik. Diesen reisten wir eine kurze Strecke hinan, schlugen uns dann in die Wälder und lagerten uns in einem Haine von der Tannenart, welchen die Canadier Cyprès nennen Pinus Inops., nachdem wir heute 14 Meilen zurückgelegt hatten.

Den 16. Febr. Wir waren noch nicht lange aufgebrochen, als wir einem Indianer nebst Familie begegneten, der von dem Greenlakeposten am grünen See kam und uns mittheilte, daß der Weg bis dahin gut gebahnt sey. Wir eilten daher in der Hoffnung, noch heute dahin zu gelangen, so schnell als möglich vorwärts; fanden dieß aber unmöglich, und hielten etwa 12 Meilen dießseits in einer unbewohnten Fischerhütte. Es fielen heute häufige Schneeschauer. Am folgenden Morgen machten wir uns frühzeitig auf und erreichten den Posten, der Hudsonsbaigesellschaft zur Frühstückszeit, wo uns dessen Befehlshaber Hr. M'Farlane freundlich empfing. Die andere Niederlassung, welche am jenseitigen Ufer des Flusses liegt, stand unter Hrn. Dugald Camoron, einer der Actionärs der Nordwestgesellschaft, dem Hr. Back und ich bald nach unserer Ankunft einen Besuch abstatteten. Diese Niederlassungen sind klein, haben aber für den Pelzhandel eine günstige Lage, da die zahlreichen Krihks in der Nachbarschaft von Bibern, Ottern- und Bisamratten wimmeln. Die Bewohner erhalten in der Regel eine, mehr als hinlängliche Zufuhr von Nahrungsmitteln. In diesem Jahre hatten sie jedoch wegen der epidemischen Krankheit, welche die Indianer zum Jagen untauglich machte, kaum das Nothdürftigste auftreiben können. Der grüne See hat seine größte Ausdehnung beinahe von N. nach S., ist 18 M. lang, aber an keiner Stelle mehr als 1½ breit. Das Wasser ist tief und gefriert sehr spät im Jahre zu. Trefflicher Tittameg und Forellen erster Güte werden darin vom März bis December gefangen. Nach dieser Zeit aber begeben sich die Fische nach den größern Seen.

Wir blieben zwei Tage um die Rückkehr einiger Leute zu erwarten, welche bei den Indianern Fleisch auftreiben und uns begleiten sollten. Hr. Back und ich bedurften dieser Ruhe nicht, indem für uns das Gehen in Schneeschuhen durchaus nicht mehr eine Quelle von Leiden war. Wir speis'ten zweimal bei Hrn. Cameron, der uns viele nützliche Winke in Bezug auf unsere künftigen Unternehmungen mittheilte. Da wir von diesem Herrn erfuhren, es werde wahrscheinlich im nächsten Frühling in dem District Athabaska großer Nahrungsmangel herrschen, indem die Indianer während der Jagdzeit an der Epidemie litten, so unterzog er sich, auf meine Bitte, dem Geschäft, einen Vorrath von Pemmincan nach Isle à Crosse zu schicken. An Dr. Richardson und Hrn. Hood schrieb ich, sie würden bei ihrer Reise denselben vorfinden und möchten auch soviel Vorräthe als möglich in ihren Canoes von Cumberland mitbringen.

Die Atmosphäre war hell und kalt, so lange wir hier verweilten. Das Fort der Hudsonsbaigesellschaft liegt, unseren Beobachtungen zufolge, unter 54° 16' 10" n. Br. u. 107° 29' 52" w. L.

Den 20sten Febr. Nachdem wir von den beiden Posten mit Kariolen, Schlitten und Lebensmitteln versorgt worden, traten wir heute unsere Reise an. Die Musketensalve, welche bei unserm Aufbruch erfolgte, wurde, bei der Abwesenheit der Männer, von den Mestizinnen abgefeuert. Unser Weg führte nach dem Ende des Sees, hierauf einen kleinen Fluß entlang; dann durchschnitten wir die Wälder nach dem Biberfluß, in dem wir einen schmalen, äußerst geschlängelten und von mäßig hohen Ufern eingeschlossenen Strom fanden. Etwa 1½ M. weiter hinauf lagerten wir uns zwischen Pappelbäumen. Am folgenden Tage reis'ten wir auf dem gewundenen Fluß bin, der hier etwa 200 Yards Breite hält. Wir kamen an der Mündung von zwei Flüssen vorbei, die der Biberfluß aufnimmt. Auf dem Letztere davon fahren die Indianer, wie man uns sagte, nach dem kleinen Sclavensee. Die Ufer des Flusses wurden immer höher und waren mit Fichten, Pappeln und Weiden bestanden. Obgleich die Witterung äußerst kalt war, fiel uns doch das Reisen verhältnißmäßig nicht schwer, da wir in unseren leichten Kariolen fast den ganzen Tag fahren und uns in einen warmen Büffelpelz hüllen konnten. Hr. M'Leod, von der Nordwestcompagnie, stieß zu uns. Er hatte die Gefälligkeit gehabt, einige Effecten, welche nicht in unsere Schlitten gingen, von Greenlake mitzubringen. Indem wir immer den Fluß verfolgten, erreichten wir noch früh am Tage das obere Ende der großen Stromschnelle, wo wir das Eis so rauh fanden, daß wir über eine Landspitze fahren mußten. Bald nach Mittag verließen wir den Fluß und bogen nach Nordosten ab, worauf wir uns nordwestlich wandten, bis wir den Long- (Langen-) See erreichten und an dessen nördlichem Ende, nach einer Tagereise von 23. M., unser Lager bereiteten. Jener See ist etwa 14 M. lang und ¾ bis ½ M. breit; seine Ufer und Inseln sind niedrig, aber gut bewaldet. Es fielen heute häufige Schneeschauer.

Den 23sten Febr. Die Nacht war gewaltig stürmisch, doch gegen Morgen legte sich der Wind in etwas. Wir gingen heute über mehrere unbenannte Seen und Marschen, ehe wir an den Train- (Schlitten-) See gelangten, von welchem die Pelzhändler ehedem den Bedarf an Birkenholz zu ihren Schlitten (Traineaux) bezogen; doch ist dieser Baum jetzt daselbst ausgerottet und man findet nur noch Fichten und wenige Pappeln. Es begegneten uns einige mit Fischen beladene Schlitten, welche uns der gütige Hr. Clark, von der Hudsonsbaigesellschaft, sobald er von unserer Annäherung hörte, entgegen schickte. Gegen Abend wurde die Witterung weit unfreundlicher und während wir über den Isle à la Crosse-See setzten, waren wir einem schneidend kalten Winde mit Schneegestöber ausgesetzt; wie froh waren wir daher, als wir gegen 6 Uhr Nachmittags das Hudsonsbaigesellschaftsgebäude erreichten. Hr. Clark empfing uns auf die freundschaftlichste Weise und ließ uns zu Ehren einige Musketensalven abfeuern. Mit derselben Aufmerksamkeit wurden wir am folgenden Tage von Hrn. Bethune, dem im Fort der Nordwestcompagnie befehligenden Actionär behandelt. Hier fand ich die Briefe, welche ich im vergangenen November an die Interessenten der Nordwestcompagnie in Athabaska von Cumberlandhouse aus geschrieben hatte. Dieser Umstand überzeugte uns von der Nothwendigkeit unserer gegenwärtigen Reise.

Die hiesigen Niederlassungen liegen am südlichen Ufer des Sees, dicht neben einander. Es sind Forts von bedeutender Wichtigkeit, indem sie an einem Communicationspunkte der Districte des Englischen Flusses, Athabaska Columbia liegen. Die niedrige, und von Gewässern durchschnittene Umgegend wimmelte früher von Bibern und Ottern, die sich jedoch durch die unablässigen Nachstellungen der Indianer bedeutend vermindert haben. Von Indianern besuchen diese Forts die Crihs und einige Chipewyer, welche sich fast nur im Frühling und Herbst einstellen; im Frühling bringen sie den Ertrag ihrer Winterjagd und im Herbst holen sie dagegen die Artikel, deren sie benöthigt sind. Während unseres Aufenthalts kamen drei junge Chipewyer, welche den Vorrath an Pelzen, den ihre Horde aufgebracht hatte, angaben und um Abholung desselben nachsuchten; denn seitdem das üble Vernehmen zwischen den beiden Compagnien stattfindet, weigern sich die Indianer, die Pelze und Lebensmittel selbst zu bringen.

Der Isle à la Crosse-See hat seinen Namen von einer, unfern der Forts liegenden Insel erhalten, auf welcher sich sonst die Indianer alljährlich versammelten und mit dem Kreutzspiel (Siehe oben) belustigten. Derselbe ist mit Recht wegen seines Ueberflusses an trefflichem Tittameg berühmt, welcher hier ein Gewicht von 6-15 Pfd. erreicht. Die Pelzhändler nähren sich hauptsächlich von diesem trefflichen Fische, den man sich fast nie zum Ueberdruß ißt. Man fängt ihn das ganze Jahr hindurch, mit Ausnahme von 2-3 Monaten, in Menge mit Netzen.

Den 4. März. Zum zweiten Mal seit unserer Abreise von Cumberland, sahen wir ein äußerst glänzendes Nordlicht. Wir hatten Alles vorbereitet, um. heule abreisen zu können; allein der stürmische Wind und daß Schneegestöber veranlaßten uns, zu bleiben. Wir speis'ten bei Hrn. Bethune, der sein Möglichstes zu thun versprach, uns vom Saskatchawan Pemmincan zu verschaffen, der bei der muthmaßlichen Ankunft unserer Canoes im Frühling bereit liegen sollte. Auch Hr. Clark hatte sich zu 6 Säcken Pemmincan verbindlich gemacht und überhaupt unsere Expedition mit jedem andern Artikel, den er erübrigen könnte, zu versorgen versprochen. Dem Hrn. Clark bin ich außerdem für viele schätzbare Notizen über das nördlich vom Sclavensee liegende Land und dessen Bewohner, so wie für ein Verzeichniß der Artikel, deren wir bedürfen möchten, sehr verpflichtet. Jener Herr hatte mehrere Jahre lang am Mackenzieflusse gelebt und war einmal so weit nach dessen Mündung vorgedrungen, daß er die Eskymos in großer Zahl traf. Doch nahmen diese eine so feindselige Stellung gegen ihn an, daß er es nicht gerathen fand, in irgend eine Verbindung mit ihnen zu treten, und sich so schnell als möglich zurückzog. Nach unsern Beobachtungen liegt dieß Fort unter 55° 25' 35" n. Br. und 107° 51' w. L.

Den 5. März. Wir traten unsere Reise diesen Morgen an, nachdem uns die beiden Compagnien zu gleichen Theilen mit den Mitteln zu derselben versehen hatten. Hr. Clark begleitete uns bis an die Gränzen seines Distrikts. Dieser Herr, welcher auf seinen Winterreisen viele Erfahrungen gesammelt hatte, war uns in vieler Hinsicht nützlich. So mußten die Leute, nach seiner Anweisung, den Lagerplatz mit mehr Rücksicht auf Bequemlichkeit und Schutz herstellen, als es unsere frühern Begleiter gethan hatten. Nachdem wir 18 M. zurückgelegt, spannten wir auf der Gravel- (Kiel-) Spitze am Deep- (tiefen) Flusse aus.

Am folgenden Morgen gelangten wir um 9 Uhr an den Klear- (klaren) See, dessen südliche Buchten wir durchschnitten, worauf wir über eine Landzunge nach dem Büffelsee gelangten und nach einer Tagereise von 26 M. unser Lager aufschlugen. Nach dem Abendessen unterhielten uns die Canadier, welche, bei ihrer natürlichen Lebhaftigkeit, nur sehr geringer Anregung bedürfen, mit Rudergesängen. Am folgenden Morgen gelangten wir zu den Niederlassungen, welche an dem Westufer des Sees an dem kleinen Biberflusse liegen. Es waren kleine Blockhäuser, welche zum Frommen der in der Nachbarschaft jagenden Indianer im vergangenen Oktober in Eile erbaut worden waren. Da Hr. M' Murray, ein Actionnär der Nordwestcompagnie, nach Isle à la Crosse eine Einladung an Hrn. Back und mich hatte ergehen lassen, so fuhren wir in unsern Kariolen nach seinem Posten, wo wir äußerst liebreich aufgenommen wurden. Diese Posten werden nur von wenigen Crihs und Chipewyern besucht. Die Umgegend hat eine zu geringe Wildbahn, als daß viele Familien aus derselben ihren Unterhalt beziehen könnten, und die Pelzhändler nähren sich fast einzig von den, im Herbst vor dem Zufrieren des Sees gefangenen Fischen. Da das Wasser seicht ist, so ziehen sich dieselben, sobald jener gefriert, nach tieferen Gewässern. In beiden Nächten, die wir hier zubrachten, zeigte sich das Nordlicht äußerst glänzend, mannichfaltig und in seinen Bewegungen schnell. Seine Strahlen verdunkelten häufig Sterne der ersten Größe, während sie über dieselben hinfuhren. Zuweilen konnte man jene schwach hindurchschimmern sehen. Einmal bemerkte ich, daß ein Lichtstrom die untere Fläche einiger Wolken erleuchtete. Geräusch war nicht zu vernehmen.

Hr. M' Murray gab seinen Reisedienern und den Mestizen einen Ball. Diesen Spaß erwarten dieselben bei der Ankunft eines jeden Fremden. Hierauf beschenkte uns jener Herr mit dem kostbaren Pelz eines schwarzen Fuchses, welchen er kurz vor unserer Ankunft gefangen hatte und den wir mit andern naturhistorischen Gegenständen nach England schickten. Unseren Beobachtungen zufolge liegt das Haus der Nordwestcompagnie unter 55° 53' n.Br, und 108° 54' 10" w. L.

Die Ufer des Büffelsees sind von mäßiger Höhe und gut bewaldet. Doch gleich hinter ihnen wird das Land marschig und ist nach allen Richtungen hin von Wasser durchschnitten. In weniger Entfernung vom westlichen Ufer ist ein weit sichtbarer Berg, dessen Anblick uns nach der langweiligen Gegend, durch welche uns der Weg seither geführt hatte, viel Freude gewährte.

Am 10. machten wir uns nach dem Frühstück wieder auf den Weg und reis'ten auf einem gutgebahnten Pfade schnell vorwärts. Nachdem wir 18 M. im Rücken hatten, betraten wir den Fluß Loche, der sich zwischen Ufern, die mit Zwergweiden und einigen Fichten bestanden sind, hinwindet. Etwa 3 M. weiter stromaufwärts rasteten wir. Auf unserem nächsten Tagemarsche bemerkten wir verschiedene offene Stellen im Eise und mußten deßhalb mit großer Vorsicht reisen. Unsere Begleiter sagten aus, das Eis dieses Flusses sey, der warmen Quellen wegen, selbst in den härtesten Wintern nicht sicher. Wir verließen den Fluß und gelangten über einen Tragplatz an den See Methye und bald darauf zu dem, an dessen westlichen Ufer gelegenen Handelsposten. Dieß waren bloße Hütten, welche nach Einbruch des letzten Winters in der Eile errichtet worden waren. Wir fanden hier zwei Jäger, Chipewyer-Mestizen, welche uns über die Gegenden jenseits des Athabaskasees nicht die mindeste Auskunft geben konnten. Sie sprachen von Hrn. Hearne und dessen Begleiter Matonnabee, welche zu einer Zeit reis'ten, da diese Indianer noch nicht geboren waren; konnten sich aber der Expedition des Sir Alexander Mackenzie noch entsinnen.

Der malerische, etwa 10 M. lange und 6 M. breite See hat seinen Namen von einem gewissen Fische erhalten, der darin gefangen wird. Der Methye wird wenig geschätzt und von den Pelzhändlern bis auf die Leber nur aus Noth genossen. Den Hunden ist selbst diese zuwider. Doch giebt es zu Ende des Jahres auch Tittameg's und Forellen in dem See. Wir bestimmten die Lage der Häuser zu 56° 24' 20" n. Br. und 109° 23' 6" w. L.

Als wir den 13. aufbrachen, schieden wir von Hrn. Clark; bald erreichten wir den Methyetragplatz, über den wir in den Kariolen reis'ten. Wir hatten gute Bahn und fuhren durch Fichtengruppen, die so günstig gestellt waren, daß kein großer Aufschwung der Phantasie dazu gehörte, um sich in einen wohlgeordneten Park versetzt zu glauben. Zunächst mußten wir über einen kleinen See, worauf uns der Weg bergan führte, bis wir auf den Kamm einer hohen Bergkette gelangten, von welcher sich den Blicken eine höchst malerische und romantische Aussicht darbot. Zwei Reihen von Bergen laufen viele Meilen parallel neben einander hin, bis sie sich im düstern Blau des Horizonts verlieren. Durch die zwischen ihnen liegende, fast durchaus ebene Gegend schlängelt sich ein Strom, dem zu beiden Seiten Flüßchen und Bäche von den Bergen zustürzen. Selbst im kahlen freudlosen Winterkleide war die Gegend entzückend schön, um wie viel mehr mußte sie es im grünen Gewande des Sommers seyn! Von den fernen Parthien wird der Blick jedoch mit Gewalt auf die unmittelbar unter den Füßen liegende, wild-erhabene Gegend zurückgezogen. Hier blickt man in gewaltige, 200-300 F. tiefe Schluchten, welche mit Bäumen bestanden sind und zu beiden Seiten des schmalen Pfades, der sich über acht aufeinanderfolgende Hügelketten nach dem Thale hinabzieht, jäh abfallen. An einer Stelle, die der Hahnenkamm heißt, steht der Wanderer gleichsam auf einem kleinen Streifen isolirt, wo ihn ein einziger falscher Tritt in den Abgrund hinabstürzen würde. Von hier aus zeichnete Hr. Back die Gegend ab, und um ihn hierin zu begünstigen, machten wir heute, nach einer Tagereise von 21 M., früher als gewöhnlich Halt.

Der Methyetragplatz ist etwa 12 M. breit und die Canoes mit ihrer sämmtlichen Ladung mußten sowohl auf dem Hin- als dem Rückwege, über denselben geschleppt werden. Er gehört zu der Bergkette, welche das südliche Wassergebiet vom nördlichen scheidet. Nach Sir Alex. Mackenzie setzt dieselbe in südwestl. Richtung fort und verflächt sich zwischen dem Saskatchawan- und Elk- (Elenn-) Fluß hart an dem Ufer des letztern, unter 53° 36' n. Br. und 113° 45' w. L. Von dieser Stelle läuft ein Arm desselben gerade nördlich. Nach Hrn. Hood's Beobachtungen liegt die Nordseite des Tragplatzes unter 56° 41' 40" n. Br. und 109° 52' 15" w. L.

Am 14. begannen wir mit Tagesanbruch, die letzte Hügelkette diesseits des Flusses hinabzusteigen, wobei den Schlitten bei der schroffen Böschung der Bergwände viel Gefahr drohte, in die auf beiden Seiten befindlichen Schluchten zu stürzen. Die Hunde wurden daher abgespannt und die Schlitten von Männern gehalten; trotz dieser Vorsicht glitten sie mit erstaunlicher Schnelligkeit bergab und die Leute mußten, während sie dieselben zu hemmen suchten, die possirlichsten Stellungen annehmen. Als wir am Fuße angelangt waren, hatte ich Aufforderung, über die gewaltige Arbeit zu staunen, deren sich die Reisenden zweimal des Jahres an dieser Stelle zu unterziehen haben. Wir setzten über den Clearwater- (Klarwasser-) Fluß, welcher am Fuße dieser Berge hinströmt, und folgten längs dem nördlichen Ufer einem Indianerpfade, so daß wir die Tragplätze White Mud und Good vermieden. Hierauf blieben wir auf dem Flusse bis zum Pine- (Fichten-) Tragplatz und giengen dann durch einen romantischen Felsenpaß, welcher gothischen Ruinen glich und dessen rauhe Umrisse einen angenehmen Contrast mit den weichen Contouren des Schnees und dem dunkeln Nadelgehölz bildeten, das sich auf seinen Gipfeln erhob. Hiernächst kamen wir über den Cascadetragplatz, dem letzten auf dem Wege nach dem Athabaskasee, und gelangten bald darauf zu einigen Chipewyerzelten, in denen fünf Familien wohnten. Bei'm Häuptlinge, Daum genannt, rauchten wir den Calumet und beschenkten die Männer mit etwas Taback und einer schwachen Mischung von Branntwein und Wasser. Sie schienen diese Aufmerksamkeit nicht so gut aufzunehmen, als die Crihs, sondern dieselbe als etwas ganz Natürliches zu betrachten. In ihren Zelten herrschte die größte Unreinlichkeit und die armen Geschöpfe waren erbärmlich bekleidet. Hr. Frazer, welcher uns vom Methyesee aus begleitete, erklärte ihre ärmlichen Umstände dadurch, dass diese Indianerbande vor Kurzem ihre sämmtlichen Effecten vernichtet hatte, um ihre Trostlosigkeit wegen des Verlustes ihrer Verwandten, durch die Epidemie, zu bezeigen. Wenn ein naher Verwandter stirbt, so verschonen diese unglücklichen Leute keinen Artikel; ihre Kleider, ihre Zelte werden klein geschnitten, die Gewehre zerschlagen und jede andere Waffe unbrauchbar gemacht, wenn nicht Jemand diese Effecten vor ihnen verbirgt, was selten geschieht. Hr. Back zeichnete eines der Kinder ab. Dieß machte dem Vater außerordentliche Freude und er stellte seinem Sohne vor, wie er sich nun recht gut betragen müsse, weil ein großer Häuptling ihn abgemalt habe. Diese Wilden schätzten Gemälde sehr hoch und betrachten dieselben, wenn sie auch noch so schlecht ausgeführt sind, als wirksame Talismane. In Bezug auf das Land jenseits des Athabaskasees, welcher gen Norden die Gränze ihrer Streifzüge macht, blieben uns diese Indianer jede Aufklärung schuldig. Da sie von unserer Ankunft unterrichtet waren, so hatten sie einen Lagerplatz für uns zubereitet. Doch würden wir bei ihrer Zudringlichkeit die Nacht in ihrer Nähe höchst unruhig zugebracht haben und reis'ten daher noch 2 M. auf dem Flusse weiter, worauf wir nach einem Marsche von 16 M., unser Lager in einem Fichtenhaine aufschlugen.

Als wir am Morgen des 15. längs dem Flusse fortreis'ten, bemerkten wir einen starken Schwefelgeruch und fanden am nördlichen Ufer zerstreute Bruchstücke von äußerst reinem Schwefel, welcher der Niederschlag einer benachbarten Quelle zu seyn schien. Wir reis'ten den ganzen Tag auf dem, etwa 400 Yards breiten Flusse hin. Derselbe enthält einige Inseln und fließt zwischen niedrigen Ufern, hinter denen zu beiden Seiten die Berge ansteigen. Nachdem wir 13 M. zurückgelegt, spannten wir aus und wurden bald darauf von einem Chipewyer besucht, von dem wir glaubten, er wolle sich zum Führer nach Pierre au Calumet anbieten. Da jedoch keiner unserer Begleiter mit ihm anders, als durch Zeichen sprechen konnte, so warteten wir ruhig bis zum Morgen ab, was er thun wolle. Der Wind wehte während der Nacht in starken Stößen und brachte viel Schnee mit. Am nächsten Tage geleitete uns der Chipewyer nach dem Flusse Pembina, welcher von S. kommt. Hier fanden wir die Spuren von Indianern, welche diese Nation den Tag zuvor verlassen zu haben schienen. So hatten wir denn gebahnten Weg, welcher unsern sehr ermatteten Hunden gut zu Statten kam. Hart vor uns setzte ein Moosethier über den Fluß; in der Gegend ist dieß Wild überhaupt sehr häufig. An einem angenehmen, geschützten Orte schlugen wir, nach einer Tagereise von 14 M., unser Lager auf.

Wir waren am folgenden Morgen noch nicht weit gereis't, als wir an einige Indianerhütten gelangten, die einem alten Chipewyerhäuptling, Namens Sonne, zustanden, dessen Familie aus 5 Jägern nebst Weibern und Kindern bestand. Die Leute waren über unsere Ankunft sehr erfreut, und schienen, nachdem ihnen der Zweck unserer Expedition mitgetheilt worden war, deren guten Fortgang eifrigst zu wünschen; indeß wußten sie über die Gegenden jenseits des Athabaskasees nicht das Mindeste zu berichten. Wir rauchten mit ihnen die Friedenspfeife und gaben jedem Anwesenden ein Glas verdünnten Branntwein und etwas Taback. Von einem canadischen Diener der Nordwestcompagnie, welcher bei den Wilden wohnte, erfuhren wir, daß auch diese Familie viele Glieder verloren, und ihre sämmtlichen Effecten vernichtet habe. Diese Leute seyen in der Regel nicht in so jämmerlichen Umständen als gegenwärtig, sondern bei ihrer großen Geschicklichkeit im Jagen mit allerhand nützlichen Artikeln ungewöhnlich gut versehen. Wir handelten ihnen gegen etwas Munition ein paar Schneeschuhe ab. Die Chypewyer sind dafür bekannt, daß sie dieselben gut zu verfertigen wissen; wir sahen hier deren von mehr als 6 Fuß Länge und 8 Breite. Mit diesem unförmlichen Behänge kann ein tüchtiger Jäger im Frühling, wenn der Schnee mit einer Kruste überzogen ist, einen Moose- oder Rothhirsch einholen.

Nachdem wir diese Indianer verlassen hatten, ging unsere Reise, des tiefen Schnees wegen, sehr langsam vorwärts; wir verließen indeß den Fluß nicht, bis wir an dessen Vereinigung mit dem Athabaska oder Elk-(Elenn-)Fluß gelangten. Die Lage einer Insel, die sich gleich unter demselben befindet, bestimmten wir zu 111°8' 42''' w. L. Wir hatten auf dem heutigen Tagemarsche sehr wenig Holzung gesehen. Das westlichste Ufer ist in der Nähe des Zusammenflusses durchaus von Bäumen entblös't und besteht aus hohen, senkrechten, damals beschneiten Felsen. Auf den östlichen Ufer stehen einige Fichten.

Den 18ten März. Bald nachdem wir den Lagerplatz verlassen, begegneten wir zwei Leuten aus der Niederlassung Pierre au Calumet, welche uns in Bezug auf dessen Lage und Entfernung genaue Auskunft gaben. Da uns ihre Spur zu Gute kam, so reis'ten wir ziemlich schnell und legten heute 22 M. zurück, obgleich das Wetter stürmisch war und unablässig Schnee fiel. Wir blieben fortwährend auf dem Flusse, welcher gegen zwei Meilen breit ist. Die Inseln scheinen besser bewaldet als die Ufer, deren Saum beinahe kahl ist. Bald nachdem wir uns gelagert, stieß unser Indianischer Führer, welcher ohne Erlaubniß gestern zurückgeblieben war, um einem Bekannten jagen zu helfen, wieder zu uns. Bei seiner Ankunft schien es ihm nicht darum zu thun zu seyn, die Ursache seiner Abwesenheit uns wissen zu lassen, sondern er setzte sich gelassen und begann sein Abendessen zu bereiten. Aus diesem Betragen konnten wir abnehmen, wie wenig man sich auf die Ausdauer eines Indianischen Führers verlassen kann, wenn ihn seine Neigung von seinem Geschäft abzieht.

Den nächsten Morgen sandten wir früh den Indianer nebst einem Canadier, um dem Befehlshaber von Pierre au Calumet von unserer Annäherung zu benachrichtigen, und nach dem Frühstück brach auch die übrige Gesellschaft auf, um die letzte Station bis dahin zurückzulegen. Nachmittags kamen wir an dem Posten an. Es befehligte daselbst Hr. Jolin Stuart, der Actionär-Aelteste der Nordwestcompagnie im District Athabaska. Obgleich er vor diesem Morgen nichts von unserer Expedition gehört hatte, so fanden wir ihn dennoch vorbereitet, uns auf das Wohlwollenste aufzunehmen, und dem Circularschreiben des Hrn. M' Gillevray zufolge, uns möglichst mit Rath und That beizustehen. Jener Herr hat das Binnenland Nordamerica's zweimal durchreis't und den stillen Ocean auf dem Flusse Columbia erreicht, daher war er mit den verschiedenen Arten zu reisen und mit den Hindernissen, die man in menschenleeren Gegenden antreffen dürfte, vollkommen vertraut und mußten uns seine Mittheilungen äußerst willkommen seyn. Da er nie nördlicher als bis an den großen Sclavensee gekommen war, so kannte er jene Gegend nur aus den Berichten der Indianer. Indeß war er der Meinung, die am nördlichen Ufer jenes Sees wohnenden Indianer, welche jedoch erst im Frühling die Forts besuchten, würden zuverlässige Nachrichten, nach denen wir unsere Unternehmungen sehr wohl bestimmen dürften, mittheilen können. Er rieth mir, dem in jenem District befehligenden Aktionär brieflich aufzutragen, alle mögliche Notizen über jenes Land zu sammeln und aus dem Stamme, welcher das zu bereisende Land am genauesten kenne, Führer und Jäger aufzutreiben. Aeußerst ungern mußten wir hören, wie Hr. Stuart daran zweifle, daß irgend ein erfahrner canadischer Reisender sich bereit zeigen würde, uns bis an die Meeresküste zu begleiten. Die große Furcht vor den Eskimos, welche schon die Mannschaft eines Canoes niedergemacht hätten, das unter Hrn. Livingstone geschickt worden war, eine Handelsverbindung mit den an der Mündung des Mackenzie-Flusses wohnenden Eskimos einzuleiten, werde sie davon zurückhalten. Derselbe Stamm habe ferner Hrn. Clark und dessen Gesellschaft zum Rückzug gezwungen, wovon ich schon früher geredet.

So ungünstig diese Nachrichten lauteten, so tröstete uns doch Hr. Stuarts Versicherung, daß er und seine Mitactionärs die Furcht der Canadier möglichst beschwichtigen und überhaupt unserer Expedition auf jede Weise Vorschub leisten würden, und da wir zu unserer Ausrüstung im Frühling nothwendig zwei Canoes bedurften, so traf er alsbald Anstalt, daß die Rinde und andere Materialien dazu beigetrieben wurden.

Hr. Stuart theilte uns mit, daß die Bewohner zu Fort Chipewyan wegen der letzten Krankheit der Indianischen Jäger seither bloß von dem Ertrage ihrer Fischerei lebten, wovon sie selbst kaum die nöthigsten Lebensmittel bezögen, und machte uns daher das gütige Anerbieten, bis zum Frühling bei ihm zu bleiben; da uns jedoch daran gelegen war, möglichst bald Nachrichten einzuziehen und uns Hr. Stuart versicherte, daß drei Personen in dem großen Haushalt zu Chipewyan eben keinen großen Unterschied machten, so beschlossen wir uns dahin zu begeben und bestimmten den 22sten zur Abreise. Pierre au Calumet, hat seinen Namen von dem thonigen Muschel-Kalkstein erhalten, aus welchem die meisten Pfeifen der Canadier und Indianer bereitet sind und der hier bricht. Das Gebäude steht auf der Höhe eines steilen Ufers, daß sich fast senkrecht zu 180 Fuß erhebt und gewährt eine weitläuftige Ansicht auf den schönen Fluß und die ausgedehnten Ebenen hin, welche hinter demselben beginnen und durch bedeutend hohe Berge begränzt sind, die besser bewaldet zu seyn scheinen, als die ziemlich kahle Umgegend des Forts. Am gegenüberliegenden Ufer hat früher eine der Hudsonsbaigesellschaft zustehende Niederlassung bestanden, welche im vergangenen December von ihren Bewohnern deßhalb verlassen wurde, weil die durch die Epidemie um ein Drittheil verminderten Indianer ihnen nicht hinlängliche Lebensmittel lieferten. Diese gehören zu den nördlichen Crihs und bestehen gegenwärtig nur aus wenigen Familien, obgleich sie früher durch überlegene Anzahl und räuberische Gesinnungen der Schrecken ihrer Nachbarn waren.

Auf mehreren in der Nähe der Häuser liegenden Inseln befinden sich Naphtha-Quellen, und die Steine am Ufer sind mit dieser nützlichen Substanz stark geschwängert. Etwa ½ M. vom Ufer befindet sich ein Hügel mit runder Kuppe, auf welchem man einen Niederschlag von Kochsalz findet, den man auch auf dem Marschboden am Fuße desselben trifft, wohin er durch verschiedene kleine Bäche von dem obern Behälter geführt wird.

Das Haus der Nordwestcompagnie liegt unter 57° 24' 6'' n. Br. Hr. Stuart besaß ein treffliches Thermometer, welches den niedrigsten Stand der Temperatur auf 43° unter Null zeigte. Bei seinem vieljährigen Aufenthalt am großen Sclavensee hatte dasselbe nie unter 45 gestanden. Am 21sten stieg es über Null und gegen Mittag auf + 43. Die Atmosphäre war von Dünsten geschwängert, es schneiete fortwährend und hatte ganz den Anschein, als wolle sich das Wetter umsetzen. Am 22sten schieden wir von unserm gastfreien Wirthe, in der Hoffnung ihn im Mai wieder zu sehen, da sich zu jener Zeit die Interessenten der Gesellschaft gewöhnlich zu Fort Chipewyan versammeln. Wir schlugen nach einem Tagemarsch von 14. M. bei Sonnenuntergang unser Lager auf. Wir hatten uns von dem Flusse, welcher beinahe nördlich fließt und 400-600 Yards breit ist, nicht entfernt. Die Ufer sind hoch und mit Kiefern, Tannen, Erlern, Birken und Weiden, wohl bestanden. Nachdem wir am 23sten 19½ M. zurückgelegt, lagerten wir uns zwischen Fichten von gewaltiger Höhe und Dicke.

Es schneiete fortwährend, bis am folgenden um Mittag; allein wir setzten unsere Reise auf dem Flusse fort, dessen Ufer und Inseln mehr- und mehr niedrig und baumlos wurden, nur die Weiden waren noch häufig. Wir holten einen alten Canadier ein, welcher seine müden Hunde während des warmen Sonnenscheins rasten ließ. Er fuhr von einigen Indianerwohnungen Fleisch nach Fort Chipewyan und hatte, auf zwei geringe Hunde, über 250 Pfd. geladen. Nach Einbruch der Dunkelheit traf auch er in unserm Lager ein. Der Streit, welcher sich nun zwischen ihm und unsern kanadischen Begleitern, über die Eigenschaften ihrer Hunde entspann, gewährte uns vielen Spaß. Dieß Thema macht jedoch den Gegenstand der Unterhaltung ein für allemal aus und wir würden das Gespräche wahrscheinlich gar nicht beachtet haben, wenn nicht der alte Mann mehr als einmal seinen ganzen Lohn hätte verwetten wollen, daß seine beiden unansehnlichen und magern Hunde ihre Ladung binnen kürzerer Zeit nach dem Athabaskasee ziehen würden, als irgend eines jener Gespanne von drei Hunden. Da wir ihm seine scheinbare Vermessenheit vorrückten, so entgegnete er besonnen, die Leute aus dem Unterlande verständen, ihre Hunde nicht zu behandeln, und er verlasse sich auf seine geschicktere Führung. Wir ersahen bald aus seinen Reden, daß die Reisediener von Athabaska sich allen übrigen bei weitem überlegen glauben. Die einzigen Gründe, welche er für diese Meinung anführte, waren, daß sie ihre Last über den fürchterlichen Methyetragplatz gebracht hätten und an ein mühseeligeres und kümmerlicheres Leben gewöhnt waren.

Den 25sten März. Da uns jetzt der alte Canadier zum Führer diente, so schickten wir den Indianer nebst einem unserer Leute mit einem Schreiben nach dem Athabaskasee voraus. Der Rest der Gesellschaft brach später auf, und hielt sich bis 10 Uhr auf dem Flusse, da wir über Tragplätze nach dem Fluß Embarras übergingen, durch welchen die gewöhnliche Wasserverbindung mit dem See hergestellt ist. Es ist ein schmaler Strom, der sich zwischen angeschwemmten Ufern hinwindet, welche mit Fichten, Pappeln und Weiden bestanden sind. Wir waren noch nicht weit gereis't, als wir zu unsern vorausgesandten Leuten gelangten. Das stürmische Wetter hatte sie zurückgehalten, indem der Uebergang über den See bei dem starken Schneegestöber nicht bewerkstelligt werden konnte. Wir sahen uns daher genöthigt, das Lager aufzuschlagen, konnten uns aber damit trösten, daß wir jetzt zum erstenmale während unserer langen Reise der Witterung wegen anhalten mußten. Der Wind wehte mit immer größerer Kraft und wir begaben uns also so bald als möglich unter unsere Decken.

Den 26sten März. Das stürmische Wetter hielt die ganze Nacht hindurch an, und erst um 6 Uhr Morgens schienen sich Wind und Schneegestöber legen zu wollen. Zwei Canadier wurden alsbald nach Fort Chipewyan vorausgeschickt und auch wir brachen nach dem Frühstück auf; allein unser Indianer, der sich bei diesem Wetter nicht reiselustig fühlte, blieb bei'm Feuer sitzen. Wir verließen bald den Fluß und gelangten über einen Tragplatz, einen kleinen See und eine Landspitze, an die Ufer des Mamma-weesees. Hier fanden wir, daß der Wind noch fortwährend heftig wehte und das Schneegestöber war so stark, daß die fernen Gegenstände, welche uns als Wegweiser dienen sollten, unsichtbar waren. Zum Glück schimmerte einmal eine Inselgruppe, die auf unserm Wege lag, durch die Schneewolken hindurch, und dieß bestimmte uns, nach denselben aufzubrechen. Doch mußten wir auf diesem Wege viel von Kälte leiden und dort die Ankunft unseres Indianischen Führers abwarten. Er geleitete uns zwischen diesen Inseln durch, über einen kleinen See und einen sumpfartigen Fluß zu dem Athabaskasee, und alsbald erblickten wir die Niederlassungen. Um 4 Uhr Nachmittags langten wir zu Fort Chipewyan an und wurden von den Herrn Keith und Black, den Actionären der Nordwestcompagnie, höchst gütig und gastfrei aufgenommen. So befanden wir uns denn am Ziele einer Winterreise von 857 Meilen. Könnte man die damit verknüpften angenehmen und unangenehmen Ereignisse gegen einander halten, so würden wohl die Letztern das Uebergewicht haben und unter diesen dürfte das Erlernen des Gehens in Schneeschuhen wohl das Unangenehmste seyn. Man stelle sich vor, wie dem zu Muthe seyn muß, der an wunden Füßen, und geschwollenen Knöcheln beständig ein Gewicht von 2-3 Pfd. nachzieht. Ausdauer und Gewohnheit können allein über die daraus entspringenden Leiden hinwegsetzen. Diesem zunächst ist es höchst peinigend, beständig Zeuge von der gewissenlosen und unnöthigen Grausamkeit zu seyn, mit welcher die Leute und vorzüglich die Canadier, ihre Hunde behandeln. Sie schlagen unbarmherzig auf dieselben los und suchen sie unaufhörlich durch die gräßlichsten Flüche anzutreiben. Der übrigen Unannehmlichkeiten vergißt man schnell, im Lagerplatz um das große Feuer her liegend, bei der geselligen Heiterkeit der Reisegesellschafter, die sich alsdann gewöhnlich ihre früheren Reiseabentheuer erzählen. Zu dieser Zeit sind die Canadier beständig heiter und aufgeräumt, und würden sich ganz ungestört ihrer Fröhlichkeit überlassen dürfen, wenn nicht beständig die gefräßigen Hunde sie umkreisten, um sich jeden eßbaren Artikels zu bemächtigen. Später tragen indeß diese nützlichen Thiere wieder zur Bequemlichkeit des Reisenden durch die Wärme bei, welche sie ihm mittheilen, indem sie sich gewöhnlich an seiner Seite oder zu seinen Füßen lagern. Doch nichts gewährt dem Reisenden in jenen Ländern mehr Genuß, als die gastfreie Aufnahme, die ihm in jedem Handelsposten zu Theil wird, so gering auch immer die Mittel des Wirthes seyn mögen, und wenn er dann auf kurze Zeit seine Reisekleider ablegen und sich in reinliche Wäsche hüllen kann. – Folgendes sind, nach Englischen Normalmeilen, die Stationen, welche Hr. Back und ich, seit unserer Abreise von Cumberlandhouse durchreis't hatten.

Von Cumberlandhouse nach Carlthonhouse263 M.
Von Carlthonhouse nach Isle à la Crosse230 M.
Von Isle à la Crosse nach der Nordseite des Methye Tragplatzes124 M.
Von Methye-Tragplatz nach Fort Chipewyan240 M.
  
 857 M.


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