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Eine neue Kunstwelt nach dem Kriege?

Zu all den Segnungen, die dieser große Kampf, den wir mit Recht den deutschen nennen, und von dem kein Deutscher glaubt, daß er nicht siegreich für uns wird – zu all der sittlichen Reinigung und Einigung der besten Volkskräfte, zu all den verzweigten, stilleren Segnungen, die wir jetzt noch mehr ahnen und fühlen, denn bewußt feststellen können, die erst nach dem Kriege gewertet werden, soll nicht zu ihnen auch eine aufbauende Einigung der deutschen Kunstkräfte kommen, nach der seit etwa zwanzig Jahren alles Junge, und das ist das Lebende, drängt?

Die Zeit der Kunst vor dem Kriege, mit ihren vielen Schwankungen und Neuerungen, war eine der großen vorbereitenden (daher an großen, bleibenden Werten verhältnismäßig armen) Perioden, wie sie zwischen allen großen, fruchtbaren Kulturzeiten zu finden sind. In dieser Anschauung können uns auch die aus dem Gärungsteig hervorragenden, in Einzelwirkungen meist ganz vollkommenen Werke der Tessenow, Behrens, Taut, Hodler, Schönberg nicht beirren; ihre Werke, die die kommende Kunsteinheit, den kommenden Zeitstil ahnen lassen, Werke, zu denen unsere Zeit noch nicht den Gleichschritt gefunden.

Es war eine Pubertätszeit. Das zeigten besonders die Jüngsten im Futurismus, Kubismus (die freilich romanischen Ursprungs sind, deren Aufsaugung aber nur den Willen nach Neuem beweist) und in der im- oder expressionistischen Großstadtlyrik. Daß unsere Menschen über deren Leistungen, die aus Überhastung des künstlerischen Wachstumstempos, aus unfertiger oder ganz und gar irriger Verkrampfung absurd oder hysterisch wirken – lachen, ist nicht wunderlich. Aber doch ist es Drang. Und das ist das Wertvolle, wertvoller denn ihre Kunstwerke.

Alle diese Jüngsten haben sich mehr oder weniger von dem, was die eigentlich nationale Stärke deutscher Kunst ausmacht, haben sich von der gesunden, echten Schwere, von der unverwaschbaren Sprache (gegen die besonders die neueste Lyrik aus Neusucht gesündigt), von dem deutschen Gemüt, von der Vertiefung, die die anderen Völker an uns rühmen oder uns auch als »Philosophiererei« zum Vorwurf machen – entfernt. Möge dieser Krieg unsere Kunst wieder in ihr Zentrum werfen.

Dem Deutschen liegt die Neigung zur Weltbetrachtung, zur Weltfreundschaft im Blut, und darum werden wir dann auch nicht aus nationaler Einschränkung (welches Fertigung ist) den Anschluß zur Lebenskunst der übrigen Welt verlieren. Und: es gibt in der Welt und über der Welt nur eine Kunstseele, nur eine beste und ewige, das heißt: bleibende Kunst!

 


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