Hans Dominik
König Laurins Mantel
Hans Dominik

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Im ganzen Lande klangen die Friedensglocken. Der Boden Venezuelas wieder frei!

Eine Flugjacht stieg in La Venta auf, nahm Kurs nach Norden. Die drei Insassen schauten mit wehmütiger Freude auf das glückliche Land, das allmählich hinter ihnen am Horizont versank.

»Sie werden vergeblich nach dem ›Freunde Wildrakes‹ rufen«, sagte Oswald Winterloo und drückte Medardus die Hand.

Der machte eine stumme Bewegung der Abwehr, schritt zum Maschinenraum, prüfte den Tourenzeiger. Nicht schnell genug konnten ihn die Propeller vorwärts tragen.

In das Friedensfest war über den Ozean aus Schloß Winterloo eine Nachricht vom alten Friedrich gekommen: »Dr. Arvelin schwer erkrankt!«

Die Worte hatten sie jäh aus aller Festfreude gerissen. Hin zu ihm, dem alten, gütigen, väterlichen Freund! – –

Edna nahm Winterloos Hand, deutete gen Westen, wo die Küste des Kontinents wie ein Nebelstreif noch einmal kurz sichtbar ward.

»Nehmen wir Abschied von der alten Heimat, Oswald! In der neuen drüben wird uns, so Gott will, ein besseres Glück blühen! Hoffen wir nur, daß wir Dr. Arvelin noch lebend finden! Der alte Getreue – er hat es wohl verdient, daß wir ihm noch einmal unsere Dankbarkeit aussprechen für das, was er an dir, an uns allen getan!« – – –

*

Sie standen am Sterbelager Arvelins. Der schlug noch einmal die Lider auf. Sein Auge blieb an den dreien haften, die sein Lager umstanden. Mit einem langen Blick voller Liebe umfing er sie noch einmal. Dann schlossen sich seine Augen für immer. – – –

Viele Jahre später noch, wenn das Leben die Freunde zusammenführte, sprachen sie, wenn sie des Krieges gedachten, von den rätselhaften Vorgängen jener Zeit. Keiner, der eine Erklärung zu geben vermochte. Unbewußt jedoch klang in ihrem tiefsten Innern dabei ganz leise der Name »Arvelin«.

 


 


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