Luis Vaz de Camões
Lusiade
Luis Vaz de Camões

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Zehnter Gesang.

                         

1.

Schon lenkte nach des Occidentes Grenzen,
    Wo um TemistitanTemistitan oder Tenostitan, der Name der Stadt Mexico bey den Eingebohrnen des Landes, ehe die Spanier America entdeckten. die Wogen schweben,
Der Gott des Sonnenwagens goldnes Glänzen,
    Der sich Coronis einst in Lieb' ergeben,
Und Lüfte zogen her in leichten Tänzen,
    Die klaren Fluthen säuselnd zu durchbeben
Im stillen See und prachtvoll auszuschmücken
Jasmin und Lilie, die die Gluthen drücken;

2.

Als, nun vertrauter mit den neuen Gästen,
    Die schönen Nymphen Hand in Hand verschlingen
Und einig nun und froh zu den Pallästen,
    Von Gold und Edelsteinen strahlend, dringen;
Hier ist bereitet Alles zu den Festen,
    Die Tische wollen schier der Last zerspringen.
Nichts ist vergessen von der Erde Gaben,
Was müde Schiffer kräftig könnte laben.

3.

Es setzen sich auf Sessel von Kristalle
    Je zwei und zwei, Geliebter und die Seine;
Auf goldnen Stühlen oben in der Halle
    Der Feldherr und die Göttin im Vereine.
Mit Speisen, ausgesucht und göttlich alle,
    Daß köstlicher auch in Aegypten keine,
Erfüllen sich der goldnen Schüsseln Runde,
Gezogen aus des Atlas Felsengrunde. 246

4.

Es schäumet hoch in duftenden Pokalen
    Der Wein, dem auch Falerner müßte weichen,
Und selbst AmbrosiaDer Dichter verwechselt hier unstreitig Ambrosia, die Speise der Götter, mit dem Nektar, dem Tranke derselben, indem er den Wein auf dem seligen Eylande mit Ambrosia vergleicht, allein in der Uebersetzung durfte auch dieses Versehen nicht berücksichtigt werden, da ihr es nur darum zu thun ist, die ganze Individualität des Gedichts möglichst rein von allem Zusatz wieder zu geben., die Jovis Mahlen
    Entzücken beut, kaum irgend zu vergleichen,
In Bechern, die gleich Edelsteinen strahlen,
    Daß Freud' und Lust der Herzen Tief' erreichen
Und Fröhlichkeit und Scherze sich vermischen,
Wie Wasser kühl den Wein auch muß erfrischen.

5.

Gespräche werden tausendfach versponnen
    Mit süßem Lächeln und des Witzes Scherzen,
Die bey des köstlichen Gelages Wonnen
    Noch freudiger erregen alle Herzen.
Musik von Instrumenten wird begonnen,
    Wie in dem tiefen Reich der Höllenschmerzen
Der Geister Quaalen würde Lindrung bringen,
Und eine Nymphe läßt ihr Lied erklingen:

6.

Die schöne Muse sang, daß durch die Hallen
    Des mächtigen Pallasts die Töne drangen,
Zu sanfter Instrumente hellem Schallen,
    Die stimmend in die Harmonie erklangen;
Die Winde ließen ihre Flügel fallen
    Und leises Murmeln hielt die Fluth befangen
Und es entschliefen ob der Töne Feyer
In ihren Höhlen selbst die Ungeheuer.

7.

Mit süßer Stimme werden jetzt erhoben
    Der Helden Thaten, die einst leben sollen,
Und deren Bild in einem hellen Globen
    Im Traume Zevs dem Proteus zeigen wollen;
Und, da der Gott, was ihm enthüllt von oben,
    Gemeldet hat, wo nur die Fluthen rollen,
War wohl bewußt der Nymphe die Geschichte,
Erzählend zu verkünden die Gesichte. 247

8.

Es ist, was sie gehört im weiten Meere,
    Dem Soccus nicht, nur dem Cothurn beschieden,
Ulyssen nicht, dem Sohn nicht der Cythere,
    Kann Jopas und DemodocusJopas sang bey dem Mahle, mit welchem Dido den Aeneas bewirthete, wie man sich dessen aus der Aeneis belehren kann; Auf dieselbe Weise sang Demodocus bey dem Gelage des Alcinous, Königs der Phäaker. dies bieten.
Dich ruf' ich an, Calliope! du Hehre!
    Zu diesem letzten Werk, daß du hienieden
Des Liedes Lust mir mögest nur erhalten,
Die schon in meinem Busen will erkalten.

9.

Die Jahre gehen abwärts und es schwindet
    Der Sommer bald, dem Herbste Raum zu geben.
Die hohe Kraft, die hartes Schicksal bindet,
    Vermag nicht mehr, nach Herrlichem zu streben;
Den Geist, den Kummer, groß und viel, umwindet,
    Wird Lethe bald mit ew'gem Schlaf umweben,
Doch möcht ich wohl das Lied vorher noch enden,
Das ich, o Göttin! meinem Volk will spenden.

10.

Die Göttin sang: Es folgen Gamas Bahnen
    Von Tago her die Flotten durch die Meere,
Fern, in des Indus weiten Oceanen,
    Besiegen jeden Strand die Helden Heere!
Es zwingen diese hohen Lusitanen
    Mit Zorn und Schwert und ihres Armes Schwere,
Die Könige, die nicht den Nacken biegen,
Zu sterben oder sich ins Joch zu schmiegen.

11.

Sie sang von Einem bey den MalabarenDer Regent von Cochim, der König und Oberpriester zugleich war.,
    Den Beides, Kron' und Priesterbinde schmücken
Und der, der Freundschaft Bande zu bewahren,
    Die ihn mit unsern Helden eng verstricken,
Des Krieges ärgste Drangsal muß erfahren
    Und sein Gebiet, grausam verwüstet, blicken
Und Stadt und Land verheert durch Schwert und Flamme,
Da feind der Samorin dem fremden Stamme. 248

12.

Sie singt die Flotte, die aus Belem scheidet,
    Daß Rettung ihm aus Fahren möge sprießen,
Die den Pacheco durch das Meer geleitet,
    Den künftigen Achill der Portugiesen.
Das Schiff erbebt, als es der Held beschreitet,
    Der Ocean muß weichend rückwärts fließen,
Da seine Fluth des Kiels Gebälke zwingen
Und, gegen ihre Art, zur Tiefe dringen.

13.

Doch, nahend schon des Aufgangs fernstem Strande,
    Um Cochims König Hülf' und Schutz zu geben,
Mit wenig Helden aus dem Vaterlande,
    Im krummen Strom, wo bittre Fluthen schweben,
Zerstreut er der Nairen Höllenbande
    Bey KombalamEine kleine Insel an der Küste von Cochim., daß in des Schreckens Beben
Des Ostens weite Gluth in Frost sich wendet,
Weil solche That des Häufleins Arm vollendet.

14.

Der Samorin wird neues Volk begehren
    Von Bipur, Tanor und dem Felsenlande
Narsingas, sich zu wildem Kampf zu kehren
    Für ihren Herrn und harten Widerstande;
Und die Nairen wird er noch bewehren,
    Von Calecut bis Cananoras Strande,
Daß, zwiefach falschem Glauben fröhnend, streite
Der Mohr zu Wasser und zu Land der Heide.

15.

Allein, zu Land und Wasser wird sie schlagen
    Noch einmal des Pacheco kühnes Siegen,
Und wilden Tod in ihre Reihen tragen,
    Sein hoher Ruhm ganz Malabar durchfliegen;
Zum dritten Mahl wird dann die Rüstung wagen
    Des Heiden Muth, bereit zu neuen Kriegen,
Den Seinen zürnend und Gelübde weihen
Den tauben Göttern, die nicht Sieg verleihen. 249

16.

Da will der Held mehr, als der Pässe wahren,
    Und Städt' und Tempel stürzen in die Gluthen,
Der Hund entbrennt in Zorn ob jener Schaaren,
    Die, Städte zu vernichten, nimmer ruhten,
Des Lebens dürfen nicht die Seinen sparen,
    Im Kampfe mit Pacheco nicht zu bluten,
Der, gleich dem Sturm, nach allen Seiten flieget
Und, zwiefach angegriffen, dennoch sieget.

17.

Der Samorin wird selbst zum Schlachtfeld kommen,
    Den Kampf zu schaun, der Seinen Muth zu stützen;
Da tönt ein Schuß, der so den Weg genommen,
    Daß Blut muß an des Herrschers Tragbahr sprützen.
Kein Mittel sieht er, das noch möge frommen,
    Und keine Macht, ihn fürder noch zu schützen
Drum sinnt er auf Verrath und Gift und Schlingen,
Doch läßt der Himmel wen'ger stets gelingen.

18.

Sie sang: er zieht zum siebenten Gefechte,
    Trotzend den unbesiegten Lusitanen,
Die mit dem Arm, den nie ein Kampf noch schwächte,
    Ihm nur den Pfad zum Untergange bahnen;
Zum Schreckenskampf bereitet seine Rechte
    Gebälk, Maschinen, nie vorher zu ahnen,
Um also auf die Schiffe zu gelangen,
Die seinem Angriff bis dahin entgangen.

19.

Er läßt im Meer, wie Felsen, Gluthen steigen,
    Den ganzen Bau der Flotte zu verbrennen,
Doch bey der Kriegskunst, die den Christen eigen,
    Wird nichts der höchste Muth vollbringen können.
Kein Held der Schlacht wird dem Pacheco gleichen
    Wollt' ihn der Ruhm auch noch so glorreich nennen,
Und ihm allein muß man die Palme weihen,
Mag Griechenland und Rom mir es verzeihen! 250

20.

Denn zu bestehn in solcher Schlachten Walten
    Mit wenig mehr als etwa hundert Speeren,
Mit solcher List und solcher Künste Schalten
    So vieler Hunde Macht sich zu erwehren;
Das wird man einst für Traum und Fabel halten,
    Wohl auch vermeinen, daß die Hohen, Hehren
Vom Himmel auf sein Flehn herabgestiegen,
Ihn zu erfreun mit Kraft und Muth und Siegen.

21.

Nicht Jener, der Darius Macht, ergossen
    Auf Marathons Gefilde hat geschlagen,
Noch, der mit nur viertausend Kampfgenossen
    Vertheidigt Thermopylae sonder Zagen,
Noch Cocles, der Ausonien entsprossen,
    Den Kampf einst bey der Brücke wollte wagen,
Mit einem Heer, noch Fabius einst waren
Im Kriege stark, gleich ihm, und Kampf erfahren.

22.

Doch es beginnt der Nymphe Ton, von Zähren
    Beklommen, banger, leiser nun zu klingen;
Es will die Stimme kaum noch Kraft gewähren,
    Den schnöden Lohn des Heldenmuths zu singen.
O Belisar, sprach sie: den zu verklären,
    Im Glanz des Ruhms die Musen Kränze schlingen,
Ward einst in Dir der Kriegsgott selbst gebeuget,
Hier ist, der Dir von gleichem Loose zeuget!

23.

Hier ist ein Held, den gleiche Thaten schmücken
    Und der erwählt wie Du zu hartem Lohne!
In Dir und ihm sehn wir zu Boden drücken
    Den hohen Sinn, gebeugt zu Schmach und Hohne;
Im Hospital sind sterbend die zu blicken,
    Die Schirm einst waren für Gesetz und Krone.
So handeln Könige, bey deren Schlüssen
Wahrheit und Recht furchtsam verstummen müssenPacheco fiel bey König Emanuel deswegen in Ungnade, weil er nach einer vielleicht unwahren Beschuldigung bey Direction der königlichen Bergwerke ungefähr zweytausend Minen unterschlagen oder wenigstens sich unrechtmäßigerweise zugeeignet haben sollte; Er ward abgesetzt und starb, wie Camoens sagt, em pobres leitos. Der Dichter konnte, da er diese Zeilen niederschrieb, nicht wissen, daß er selbst, wie man jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen kann, einst sein Leben unter ähnlichen Umgebungen beschließen würde.. 251

24.

So handeln Könige, wenn sie, verführet
    Von Willkühr, sich zu äußrem Scheine wenden,
Und Lohn, wie er dem Ajax nur gebühret,
    An des Ulysses glattes Wort verschwenden;
Doch räch' ich mich, denn, wenn zu Gnad' erkühret
    Nur solche sind, die Trug und Schatten spenden,
Und weise Ritter keinen Lohn erringen,
So fällt der Fuß in gierer Schmeichler Schlingen.

25.

Doch Du! der, ungerecht nur gegen diesen,
    Solch einem Manne solchen Lohn beschieden,
Ward ihm auch rühmlich Loos nicht angewiesen,
    Er wollte doch ein schönes Reich dir bieten!
So lang herab Apollons Strahlen schießen,
    Zu leuchten aller Erde weit hienieden,
Soll er bey jedem Volk im Glanze leben
Und Dich der Kargheit Rüge stets umschweben.

26.

Sie sang: Es naht, begabt mit Königsehre
    Und Königsnamen, Einer und geleitet
Des Sohnes Muth zum Kampfe jener Meere,
    Daß er mit Römern um die Palme streitetDie Helden, auf welche die Nymphe hier deutet, sind Don Francisco von Almeyda erster Vicekönig von Indien und sein Sohn Don Lorenzo.,
Durch Beider Kraft und ihres Armes Schwere
    Wird Züchtigung Quiloas Stadt bereitet,
Und der Tyrann verjagt aus ihren Thoren,
Und dann ein milder König ihr erkohren.

27.

So thun sie auch Mombazas stolzen Wällen,
    Mit prunkenden Pallästen reich berathen,
Daß Flamm', und Schwert der Straßen Bau entstellen,
    Zur Sühnung längst verübter Missethaten.
Dann, wenn die Küsten weit von Schiffen schwellen,
    Um tückisch Lusus Schaaren zu verrathen,
Wird kraft der Segel, kraft des Ruders Walten,
Lorenzos Blüthe glorreich sich entfalten. 252

28.

Es stürzen, wild, wie Donner, hergetragen,
    Aus glühem Erz die starken Eisenballen,
Um Segel, Masten, Steuer zu zerschlagen
    Der großen Schiffe, die im Meere wallen.
Dann wird er mit Harpunen Entrung wagen,
    Selbst in das Schiff des Samorin zu fallen,
Hinein sich schwingen und mit Lanz' und Degen
Vierhundert Mohren, so darin, erlegen.

29.

Allein des Götterrathes dunkles Walten,
    Der nur allein der Diener Werth ergründet,
Führt ihn, daß ihm das Leben zu erhalten
    Sich weder Muth noch Klugheit unterwindet.
Bey Tschaul muß der edle Held erkalten,
    Wo Flamm' und Schwert des Meeres Tief' entzündet,
Und Blut und Kampf Aegyptus Flotte spendet,
Und die, so von Cambaja ward gesendet.

30.

Hier muß allein den tapfern Feindes Schaaren
    Durch Uebermacht der Muth der Helden weichen,
Und Windstill sich mit andern Meeresfahren
    Verbinden und sich ihnen feindlich zeigen;
Indeß die Alten aus der Vorzeit Jahren,
    Den edlen Muth zu schaun, aus Gräbern steige,
Und einen zweiten Scävola dort finden,
Den auch Verstümmlung nicht kann überwinden.

31.

Ob auch ein Schuß, vom Zufall blind getragen,
    Zerschmettert hat die Hüft' und wild durchdrungen,
Will hoher Muth doch Jegliches noch wagen;
    Das Schwert hält noch der tapfre Arm geschwungen,
Bis neue Kugeln jenen Bau zerschlagen,
    Der seine Seele körperlich umschlungen
Und sie empor schwebt, ledig ihrer Bande,
Als Siegerin zu ihrem VaterlandeAls der Samorin von Don Lorenzo geschlagen worden war, sandte er um Beystand an den Sultan von Egypten und den König von Camboja. Beyde schickten Flotten und nun ward Don Lorenzo in der Nähe von Tschaul, einer Stadt im Reiche Decan, und in der Mündung des bey Tschaul vorbeyfließenden Flusses von neuem angegriffen. Um das christliche Geschwader sichrer zu vernichten, war vorher in der Mündung des Flusses unter dem Wasser Gebälk und Palissadenwerk angebracht worden, in das sich nun die nicht großen Fahrzeuge verwickelten und weder vorwärts noch rückwärts konnten. Durch eine Kugel des Geschützes, das auf die Flotte in dieser Lage zu spielen anfing, ward Don Lorenzos Knie und Hüfte zerschmettert; aber ohne dessen zu achten, befahl er, ihn an den Mast anzubinden, und fand so mit dem Degen in der Hand und unter Aufmunterung der Seinen zu rühmlichem Kampfe einen glorreichen Tod.

32.

Zieh ein zum Frieden aus des Kampfes Stunde!
    O Seele! die erkämpft hat reinen Frieden,
Denn Rache will für Deine Todes Wunde,
    Der Dich gezeugt hat, stracks den Feinden bieten.
Schon donnern die Geschütze in der Runde.
    Karthaunen, Bomben ist es schon beschieden,
Der falschen Mamelucken schnödes Dichten
Und die Cambayer strafend zu vernichten.

33.

Er kömmt der Vater, Grimm in seinen Augen,
    Und von des Schmerzes Furien geleitet,
Daß Lieb' und Wuth sein Herz in Flammen tauchen,
    Und Thränenfluth in seine Blicke gleitet,
Den edlen Zorn in Rache auszuhauchen
    Wird großes Blutbad jedem Schiff bereitet,
Wohl mag der Ganges diesen Kampf vernehmen
Und ihn der Indus schaun, der Nil sich grämen.

34.

So wie der wilde Stier der Hörner Wehren
    Erprobend wetzt am Stamme hoher Eichen,
Und, sich der Kraft an Buchen zu belehren,
    Die Luft durchhaut mit wilder Kampflust Streichen;
So will Francesco, eh' er sich den Meeren
    Cambojas nahe, Dabul erst erreichen,
Zu bändigen der stolzen Veste Streben
Und sie dem scharfen Schwert dahin zu geben.

35.

Noch eh Belagerung Dio rings umschlungen,
    Das so berühmt durch Widerstand und Schlachten;
Hat er der Feinde Flotte schon bezwungen,
    Die Ruder nur, nicht Panzer mit sich brachten,
Und ob auch, nicht so nah herbeigedrungen,
    Die des MeliquezMeliqueaz war der Anführer des Geschwaders von 40 Segeln, welches der König von Camboja dem Samorin zu Hülfe geschickt hatte. will nach Rettung trachten,
So wird sie doch den Kugeln nicht entgehen
Und bald des Meers geheime Ruhstätt sehen. 254

36.

Und Emir Hocems FlotteDies ist das Geschwader von 12 Segeln. das der Sultan von Aegypten zu Bekämpfung der Christen bestimmt hatte. die am Lande
    Vor Anker drauf die Rächenden erreichen,
Sieht Arm' und Beine schwimmend zu dem Strande
    Im Meere, das den Todten war zu eigen.
Es werden in des Kampfes blindem Brande
    Die tapfern Helden Feuerflammen gleichen.
Was nur das Ohr hört und die Augen sehen
Ist Rauch und Schwert und Glut und Sterbenswehen.

37.

Doch ach! er wird mit seinen Siegeskränzen
    Nicht zu des Tago froher Heimath kehren
Und bald dem Helden, hoch in Ruhm zu glänzen,
    Ein dunkles Loos, das ich erblicke, wehren.
Das Kap der Stürme will in seinen Grenzen
    Dem Todten eine Ruhestatt gewähren,
Weil es, den zu ermorden, nicht erröthet,
Den Indien und Aegypten nicht getödtet.

38.

Und wilde Kaffern werden das erringen,
    Was wohlgeübten Feinden nicht gelungen,
Und spitzgebrannte Pfähle dahin dringen,
    Wohin nicht Pfeile, Kugeln nicht, gedrungen.
O! was der Götter Schlüsse mit sich bringen,
    Ist vor dem Volk mit Finsterniß umschlungen,
Daß Zufall ihm und dunkles Glück nur scheinet,
Was doch der Gottheit reiner Wille meinet.

39.

Doch, welch ein Licht beginnt empor zu hellen!
    Sang nun der Nymphe Mund mit lauterm Schallen;
Blut röthet dort Melindas Meereswellen
    Da Lamas, Ojas, Bravas Festen fallen
Durch Cunhas Hand! soweit die Wogen schwellen,
    Wird nie des Helden hoher Ruhm verhallen,
Weit durch des Austrus Inseln und die Strande
Von San Lorenzo und des Südens Lande. 255

40.

Von Albuquerques Waffen strahlt der Schimmer
    Von Flammen, die in Ormus Reichen siegen,
Da ihm die Perser, stolz und muthig immer,
    Verweigern, sich in sanftes Joch zu schmiegen.
Dort tödten ihren Feind die Pfeile nimmer
    Und müssen rückwärts auf die Schützen fliegen,
Von Gott gewendet, daß er klärlich deute,
Wer für den Glauben und die Kirche streiteBei der Eroberung von Ormus durch Albuquerque, der nicht mehr als 500 Mann gegen 30000 Perser hatte, sollen die Pfeile dieser Perser nicht zu den Christen gelangt, sondern auf die Schützen zurückgeflogen seyn und diese verwundet haben..

41.

Nicht Salzgebirge mögen dort bewahren,
    Daß Fäulniß nicht an jenen Körpern zehre,
Die todt an Gerums Küsten zu gewahren,
    Und in Mascates, Calahates Meere;
Bis endlich nur des Untergangs Gefahren
    Den Nacken beugen dieser Perser Heere
Und dem Gesetz sie zürnend müssen weichen,
Die Perlen BaremsBarem, eine Insel nahe bey Ormus, in deren Nähe die vorzüglichsten Perlen jener Gegenden gefischt wurden; Gerum, das in derselben Stanze vorkömmt, ist das neuere Ormus nach Stanze 103 dieses Gesangs. zum Tribut zu reichen.

42.

Welch' ehrenvolle Palmen seh' ich flechten,
    Die ihm der Sieg um seinen Scheitel schlinget,
Wenn fruchtlos er in herrlichen Gefechten
    Der mächtgen Goa Inselland bezwinget!
Doch will er auch nicht mit dem Schicksal rechten,
    Als es die Beut' ihm wiederum entringet,
Denn Muth und Geist wird bald sie wieder finden
Und Schicksal selbst und Mars selbst überwinden.

43.

Bald kehrt er zu der Veste Wällen wieder,
    Mit Flamm' und Lanz' und Kugeln sie zu fällen,
Und öffnet mit dem Schwert der Schaaren Glieder,
    Die Heiden ihm und Mohren dar ihm stellen.
Die hohen Krieger stürzen Alles nieder,
    Gleich Leu'n und Stieren, die von Hunger schwellen,
Und würdig ist der Kampf dem Tag vergönnet,
Der einst nach Katharina ward benennet. 256

44.

Und Du auch wirst dem Helden nicht entfliehen,
    Ob Du selbst in Aurorens Schooß' gelegen,
Ob hoher Ruhm Dir lang' ist angediehen,
    Malacca! und des Reichthums schöner Segen!
Ob Crisen Dir zur Hülfe sind verliehen,
    Ob Pfeile, die verborgne Gifte hegen;
Die tapfern Javer, feurigen Malayen,
Sie fröhnen Alle Lusus Heldenreihen.

45.

Noch hätte mehr gesungen die Sirene,
    Um Albuquerques hohes Lob zu preisen,
Doch ein Vergehn erstickt des Liedes Töne,
    Ob seine Thaten auch die Welt umkreisen.
Wenn einem Helden, daß der Ruhm ihn kröne,
    Der Fahren viele das Geschick verheißen;
So muß er mehr als ein Genoß den Seinen,
Als mit des Richters ernster Streng', erscheinen.

46.

Denn, in der Zeit, wo Hunger, Durst und Plagen
    Und manchem Weh der Krieger muß erliegen
Und Blitz und Donner auf ihn nieder schlagen
    Und er sich muß in Ort und Wetter fügen,
Ist es ein rohes, thierisches Betragen
    Als Uebermuth, Unmenschlichkeit zu rügen,
Ob einer Schuld zu strafen den am Leben,
Dem Schwäch' und Lieb' Entschuldigung wohl geben.

47.

Denn das Vergehn war nicht der Blutschuld Schande,
    Gewalt nicht an der Jungfrau reiner Blüthe;
Verletzt auch wurden nicht der Ehe Bande,
    Nur eine Sklavin, niedrig an Gemüthe.
O! wenn das Herz von Härt' und wildem Brande,
    Von Eifersucht und Grausamkeit erglühte,
Und zürnend auch nicht schonet der Genossen,
Wird heller Ruhm von Schatten schnell umflossen. 257

48.

Die reizende Kampaspe, die ihm eigen,
    Gab froh einst Philipps großer Sohn Apellen,
Der Städte nimmer hatte zu ersteigen
    Und nimmer war von seinen Kampfgesellen.
Araspes muß der Macht der Liebe weichen,
    Die auf ihn strömt mit heißen Flammenwellen,
Weil er Pantheas Obhut übernommen,
Als könnt' ihm Fahr von Liebe nimmer kommen;

49.

Doch, als ihn Cyrus mächtig überwunden
    Von Liebe sieht, der nichts gilt Widerstreben,
Verzeiht er ihm und in des Kampfes Stunden
    Will bald der Krieger Dank und Sühne geben.
Gewalt nur hat einst Judiths Hand verbunden
    Mit Balduin, dem Eisernen, zu leben,
Und doch beut Carl dem Räuber Flanderns Gauen,
Um blühend sie und groß den Sohn zu schauenCarl der Kahle, König der Franken, hatte eine Tochter mit Namen Judith, die, nachdem ihr erster Gemahl, König Eduard von England gestorben war, von Balduin, mit dem Beinamen des Eisernen, entführt ward, worauf sich derselbe mit ihr verheirathete. Trotz seines Unwillens darüber gab König Carl ihm doch zuletzt Flandern, wo er Brüßel gegründet haben soll..

50.

Und weiter pries die Nymphe mit Gesange,
    Wie Soarez auf seines Laufes Bahnen
Zum rothen Strand' Arabiens gelange,
    Dem Wind entrollend dort des Sieges Fahnen;
Und wie das scheußliche Medina bange
    Und Mecca, Gidda, Untergang nur ahnen
Und Abyssinien, Barbaran befahren,
Was Zeylas große Handelsstadt erfahren.

51.

Auch Taprobanas Insel, so gepriesen
    In grauer Zeit, da zu ihr hin man schiffte,
Als jetzt ihr Ruhm und Rang ist angewiesen,
    Beut ihrer Rinde Gluth und Würzgedüfte
Einst auch noch zum Tribut den Portugiesen,
    Wenn, hoch und prächtig ragend in die Lüfte,
Sich in Kolumbo das Kastell erhebet,
Vor welchem bang der Eingeborne bebet. 258

52.

So will dem Meer Sequeira auch vertrauen
    Und bricht sich neue Bahnen durch die Wogen,
Um Dich! du großes stolzes Reich zu schauen,
    Das einst Candace Saba hat erzogenDiego Lopez von Siqueira ging im Jahre 1505 nach Indien und versuchte von da aus durch die Meerenge von Aden das rothe Meer zu beschiffen, wo er zuerst Verkehr mit dem daran liegenden sogenannten Reiche des Priesters Johann verschaffte.,
Und Macua, wo nur Cisternen thauen,
    Bis er zum Hafen Arquico gezogen
Und er entdeckt viel Inseln jener Ferne,
Daß neue Wunder seine Mitwelt lerne.

53.

Dann folgt Meneses, doch des Helden Eisen
    Wird Afrika mehr als dies Land noch beben
Und Ormus will er ihre Fehl beweisen
    Und doppelten Tribut von ihr erheben.
So wird auch Gama! Dir! nach langer Reisen
    Verbannung, einst hier Rückkehr noch gegeben,
Daß Du als Graf noch herrschest, reich an Ehren,
Im Land, das Du entdeckt in unsern MeerenVasco von Gama ward nach seiner Rückkehr von der Entdeckungsreise in den Grafenstand erhoben und im Jahr1524 mit dem Karakter eines Vicekönigs bekleidet, nach Indien zurückgeschickt, wo er drey Monat darauf starb..

54.

Doch jener Zwang des Schicksals, dem entgangen
    Noch Keiner ist der Sterblichen auf Erden,
Wird dich in deiner Königswürde Prangen
    Der Welt entreißen und des Trugs Beschwerden,
An Jahren jung, an kühnem Unterfangen
    Und Weisheit alt, wird dann hier Herrscher werden
Ein anderer Meneses und die Kronen
Des Ruhmes werden diesem Heinrich lohnen.

55.

Nicht nur die Malabaren wird er schlagen,
    Pananes und Couletes Stadt zerstören,
Und männlich seine Brust entgegen tragen
    Den Kugeln, zahllos aus der Feinde Heeren,
Auch jene SiebenEine Anspielung des Dichters auf die sogenannten sieben Todsünden., die das Herz zernagen
    Wird er mit hoher Tugendkraft beschwören
Und Habsucht, Unenthaltsamkeit besiegen,
Die seinem Alter doch so nahe liegen. 259

56.

Wenn ihn die Sterne wieder zu sich rufen,
    Wirst Du! o tapfrer Mascarenhas! kommen,
Zur Glorie des ewgen Ruhms berufen,
    Ob Dir auch schnöd die Herrschaft wird entnommen.
Selbst Jene, die so hohes Unheil schufen,
    Gestehn Dein Lob, doch wird auch dies nicht frommen,
Nur Palmen hat das Schicksal Dir beschieden,
Nicht aber, froh und glücklich zu gebieten.

57.

An Bantams Reich, von dem Malaccas Staaten
    So lange mußten hohe Schmach erleiden,
Wirst Du für das, was tausend Jahre thaten,
    An Einem Tage Rache Dir bereiten;
Gefahren, Mühen, ehrner Kugeln Saaten,
    Bollwerke, Gruben, die sich furchtbar breiten,
Geschosse, Lanzen, Sümpfe, Defileen
Wirst Du besiegt und unterthan Dir sehen.

58.

Und Ehrgeiz und der Habsucht arges Ringen,
    Die gegen Gott und Recht die Stirne heben,
Vermögen nicht, in Schande Dich zu bringen,
    Vermögen nur, Dir Unlust reich zu geben;
Mag Unrecht und Gewalt es auch gelingen,
    Nach Willkühr sich der Macht zu überheben,
Das ist kein Sieg, denn, wahrhaft nur heißt siegen,
Den Lockungen des Unrechts nie erliegenDon Pedro Mascarenhas war zum Gouverneur von Indien bestimmt. Nur bis zu seiner Ankunft sollte Lope Vaz von Sampajo die Regierung führen, allein als Mascarenhas ankam, weigerte sich Sampajo nicht nur, dies seinem Versprechen und seiner Pflicht gemäß zu thun, sondern ließ auch Mascarenhas in einen Kerker werfen und hart behandeln..

59.

Doch mag ich auch Sampajo nicht versagen
    Des Muthes Ruhm und großer Thaten Ehre.
Dem Blitzstrahl gleich wird auf den Feind er schlagen
    Und Tausende verderben auf dem Meere,
Nach Bacanor des Krieges Gräuel tragen,
    In Malabar, daß CutialesCutiale, der Anführer einer Flotte, von 130 Fahrzeugen, die Sampajo durch Don Juan Deca mit nicht mehr als 11 Schiffen angreifen und vernichten ließ. Speere
Ob sie auch zahllos dräuen von Verdecken,
Zerbrochen füllen bald des Meeres Strecken. 260

60.

Und, Dios Flotten, die sich stolz behagen,
    Als müsse Tschäuls HäufleinBey Tschaul lag ein kleines Portugiesisches Geschwader, das von der großen feindlichen Flotte hart bedrängt wurde. hier sich flüchten,
Wird er mit seinem Blick allein schon schlagen
    Durch Hector von Silveira und vernichten;
Den Hector Portugals, von dessen Wagen
    Im Kampf Cambajas Küste wird berichten,
Und der den Guzaraten das wird gelten,
Was der Trojaner einst der Griechen Helden.

61.

Der grausame Sampajo wird vertrauen
    Cunha das Steuer, daß er lang es lenke,
Und Chales hohe Thürme wird er bauen,
    Ob auch nur zitternd seiner Dio denke,
Und Baçain wird ihn als Sieger schauen,
    Daß in Meliques Hand das Schwert sich senke,
Wenn Ströme Bluts im Sturm an seinen Wällen
Und in den trotzenden Trancheen schwellen.

62.

Dann folgt Noronha, dessen starkes Ringen
    Von Dio abtreibt wilde Runer Schaaren,
Das, hoch geübt in kriegerischen Dingen,
    Anton von Silveira will bewahren,
Und wenn der Tod Noronha wird bezwingen,
    Wird, herrschend hier, ein Zweig sich offenbaren
Von Dir, o Gama! der so kühn sich zeiget,
Daß, bangend ihm, das rothe Meer erbleichet.

63.

Aus Deinen Händen, Stephan! wird erlangen
    Die Zügel EinerDon Alonso von Sousa., der so kühner Thaten
Mit Ruhm schon in Brasil sich unterfangen,
    Die Räuber züchtigend aus Frankreichs Staaten.
Wenn er in Indien Herrschaft dann empfangen,
    Dringt er, eh' Andre noch die Stadt betraten,
Zuerst im Sturm durch Damans stolze Pforten,
Wo Flamm' und Pfeile dräuen aller Orten. 261

64.

Cambajas König kann nicht widerstreben,
    Daß er in Dio eine Burg sich gründe,
Wenn er nur wolle Hülf' und Schutz ihm geben,
    Daß er des Moguls Kriegsmacht überwinde.
Dann wird er sich zu wildem Kampf erheben,
    Daß nicht der Heiden König Eingang finde
In Calecut, daß, was nur mit ihm ziehet,
Mit Blut bedeckt, stracks in die Heimath fliehet.

65.

Er stürzt die starke Veste Repelin,
    Daß flüchten muß der König mit den Seinen,
Dann will er, nah dem Kapo Comorin,
    Mit großen Thaten größre That noch einen.
Die Flotten all des stolzen SamorinMan hat hier und in den beiden, dieser Zeile entsprechenden Zeilen die Reime des Originals absichtlich beibehalten, wie auch sonst hin und wieder geschehen ist, um wo möglich auch in Kleinigkeiten die Weise zu geben oder anzudeuten, mit welche der Portugiesische Dichter den Leser anspricht.
    Die schon die Welt ganz zu bezwingen meinen,
Wird er mit Schwert und Feuer schnell besiegen,
Und Beadala seinem Joch erliegen.

66.

Und wenn er so die Feinde all geschlagen,
    Wird er in Indien den Scepter führen,
Und Widerstand und Einspruch Keiner wagen,
    Weil Alle Furcht und banges Zittern spüren.
Baticola nur will noch nicht verzagen,
    Die Strafe Beadalas zu erkühren,
Drum wird es bald mit Blut und Tod erfüllet,
Die schöne Stadt in Flamm' und Rauch gehüllet.

67.

Dies thut Martin, der seinen Namen leitet
    Von Martis Thatenmuth und Kraft und Stärke,
Daß man auf ihn, wenn er in Waffen schreitet,
    So wie im Rath auf seine Weisheit merke.
Dann folget Castro, welcher, hoch entbreitet,
    Die Fahnen trägt zu manchem Heldenwerke.
Des Vormanns Werth giebt auch dem Nachmann Ehre,
Der baute Dio, der ist Schutz und Wehre. 262

68.

Denn Perser, Abessiner, Runer-Schaaren,
    Die her aus Rom, nach ihrem Namen sprießen,
Und Brauch und Sitten vielfach offenbaren,
    Beginnen nun die Veste einzuschließen.
Die Himmel müssen eitle Klag' erfahren,
    Weil diese Wenigen das Land genießen,
Schwört Jeder, seinen Bart mit hohem Muthe
Zu baden in der Portugiesen Blute.

69.

Doch nicht der Minen schlau verborgne Schlingen,
    Der Widder, Katapulten wildes Walten
Kann Mascarenhas frohen Muth bezwingen,
    Ob Rettung auch sich nirgend will entfalten;
Bis nahe schon die höchsten Fahren dringen
    Und Castro, Ruhm und Freiheit zu erhalten,
Dem Tode weiht der eignen Söhne Leben,
Um ihnen Ruhm und Gotte sie zu geben.

70.

Fernando, Einer von den edlen Zweigen,
    Wird in der Flammen, in der Mauern Toben,
Die donnernd Stückweis' in die Lüfte steigen,
    Ergriffen und zum Himmel aufgehoben;
Alvaro bricht sich in Neptunus Reichen,
    Wenn Winter fest den feuchten Pfad umwoben,
Die kühne Bahn, obsiegend allen Fahren,
Und Stürmen, Fluthen und der Feinde Schaaren.

71.

Und seht! es naht der Vater in den Wellen,
    Und führt den Ueberrest der Portugiesen,
Durch Kraft und Weisheit, höher noch zu stellen,
    Kann er des Sieges in der Schlacht genießen,
Der Pfort' entbehrend stürmen, zu den Wällen
    Die Einen, während, Blut nur zu vergießen,
Der Feinde Reihn dort öffnen andre Helden,
Daß würdig sie Geschicht' und Lied kaum melden. 263

72.

Ein tapfrer Sieger geht er, unerschüttert,
    Um mit Cambajas Könige zu streiten,
Der aber, ob des Anblicks, schon erzittert,
    Ob auch viel Krieger ihn zu Roß begleiten,
Und so wird auch Hydalcans Macht zersplittert,
    Daß seine Lande viele Schmach erleiden
Und Dabul an der Küste wird bezwungen
Und Pondams Stadt, von Wüsten rings umschlungen;

73.

Und dies' und andre Helden aller Zeiten,
    Die würdig nach des Ruhmes Wundern rangen,
Den Mavors gleich an Muth und Kampf und Streiten,
    Wird dieser Insel hohe Lust empfangen,
Wenn scharfe Kiele durch die Fluthen gleiten
    Und triumphirend dann die Wimpel prangen,
Harrt ihrer hier der Nymphen Chor mit Speise,
Denn schwere That gelangt zu Ruhm und Preise.

74.

So sang die Nymphe und die Andern sangen
    Ihr Beifall nun in lautem Jubelschalle,
Daß solche Aussicht herrlich aufgegangen,
    Sie freudig feyernd durch die weite Halle.
So weit Fortunens schwanke Rade langen,
    Beginnen jetzt in Einem Tone Alle:
Wird Ehre, Ruhm und Tapferkeit nicht fehlen,
Sich euch, glorreiches Volk! anzuvermählen!

75.

Als nun des Körpers nöthiges Begehren
    Befriedigt ist durch edle Kost der Speisen
Und von der Zukunft Thaten zu belehren,
    So süß erklungen waren holde Weisen;
Sprach Thetis, höhern Ruhm noch zu gewähren
    Dem Tage, dem so hohes Fest verheißen,
Im Schmuck der Anmuth, und der Würde Strahle,
Wie folgt, zum hochbeglückten Admirale; 264

76.

Die höchste Weisheit läßt es Dir gelingen,
    O Gama! mit des Körpers Aug' zu blicken,
Was eitle Wissenschaft nicht mag erringen,
    Weil Elend nur und Trug die Menschen drücken.
Durch jenes Dickicht will ich mit Euch dringen,
    Doch müßt Ihr Euch zu Muth und Klugheit schicken,
So sprach sie und auf steilem Pfade leitet
Sie nun, wo man nur mühsam vorwärts schreitet.

77.

Und lange gehn sie nicht, so ist erschienen
    Der Gipfel und sie schauen mit Entzücken
Die Auen von Smaragden und Rubinen,
    Der Götter Fußpfad scheint des Berges Rücken;
Und in der Luft glänzt eine Kugel ihnen,
    Durch welche hell der Sonne Strahlen zücken,
So daß man klärlich, wie die Außenseite,
Des Mittelpunktes Inhalt unterscheide.

78.

Sie ist aus unbekanntem Stoff gewoben,
    Doch hatte Gottes Scepter viele Kreise
Geordnet um den wunderbaren Globen,
    Die um das Centrum ziehen ihre Gleise.
Umwälzend sich, bald sinkend, bald gehoben,
    Sinkt er und steigt er doch auf keine Weise,
Denn, überall sich gleich und sonder Ende,
Ist er nur Eins durch Gottes Wunderhände.

79.

Vollkommen Eins, und durch sich selbst gehalten,
    Dem höchsten Künstler gleich, der ihn erbaute,
Und Wunsch und Staunen fühlte Gama walten,
    Als er den wunderbaren Globen schaute.
Da sprach die Göttin: sieh der Welt Gestalten
    Verkürzten Umriß, den Dir Gott vertraute,
Damit Du Acht vor allen Dingen gäbest,
Woher Du kommst, wohin Du gehst und strebest! 265

80.

Du siehest hier den großen Weltbau schweben
    Und seinen Aether, seine Elemente,
Wie Form die höchste Weisheit ihm gegeben,
    Die sonder Anfang ist und sonder Ende.
Was, rings die runde Kugel zu umgeben,
    So herrlich glänzt, in milder Strahlenspende,
Ist Gott, doch das, was Gott sey, nur zu fassen,
Muß menschliche Vernunft wohl unterlassen.

81.

Der erste Kreis, der wieder in sich schließet
    Die andern alle, und sie rings umwindet,
Und solchen Schimmer, solchen Glanz ergießet,
    Daß ihm das Auge, der Verstand erblindet,
Das ist der Lichtkreis, wo der Frieden sprießet,
    Den nur des Guten reine Seele findet,
Und nie ein Andrer fasset und erreichet
Und dem kein Loos der ganzen Erde gleichet.

82.

Hier sind die wahrhaft Göttlichen zu finden,
    Wenn ich, Saturn und Janus und die Horen
Und Zevs und Juno und die Andern schwinden,
    Die Menschenwahn und Blindheit nur geboren.
Wir dienen nur, dem Liede zu verbinden
    Noch höhre Lust, und, werden wir erkohren
Zu größrem Loos, so gebet Ihr dem Reigen
Der Sterne unsre Namen noch zu eigen.Die Bereitwilligkeit, mit welcher Thetis hier und in den folgenden Stanzen sich und den ganzen alten Mythencyclus gleichsam vernichtet, ist auf den ersten Blick seltsam, doch aber wohl für die Individualität des Gedichts und für die Unschuld, mit welcher Camoens, unbekümmert um Wirkung und selbst poetische Möglichkeit, die ganze Weltansicht seines Zeitalters in seinem Werk niederlegen wollte, nicht unbedeutend. Der nun zu Ende eilende Dichter ist gleichsam von dem Wunsche gedrängt, gelegentlich noch eine Apologie für die durch das ganze Gedicht sich hinziehende alte Mythenwelt bey dem christlichen Leser zu bewirken..

83.

Doch, da der heilgen Allmacht hohes Walten,
    Die unter Jovis Namen hier sich deutet,
Die Welt durch tausend Geister will verwalten,
    Die nur der Himmel hohe Weisheit leitet;
Und es in der Propheten Schrift enthalten,
    Wie auch davon manch Beispiel ist bereitet,
Daß gute Geister Gunst und Hülfe geben,
Und uns nach Kräften Böse widerstreben; 266

84.

So wollten auch des Liedes bunte Weisen,
    Die bald ergötzen, bald auch unterrichten,
Uns unter jener Götter Namen preisen,
    Von denen alte Poesien dichten.
Der Engel hohe Himmelsschaaren heißen
    Gottheiten in den heiligen Geschichten,
Die dieses Namens Glanz selbst denen leihen,
Ob fälschlich auch, die sich dem Bösen weihen.

85.

Genug! es herrscht nur Ein Gott! doch er sendet
    Die Diener aus, zu thun nach seinem Willen,
Nun will ich fürder, was sein Wort vollendet,
    Das tiefe Werk der höchsten Hand enthüllen.
Nächst diesem Kreise, der sich niemals wendet,
    Wo Freuden nur der Frommen Seel' erfüllen,
Läuft hier ein Andrer, von so schneller Regung,
Daß er kaum sichtbar ist, die Urbewegung!

86.

Von seiner Schnelle mächtig fortgerissen,
    Kreist Alles, was in seinem Schoos enthalten,
Die Sonne wirkt zu Tag und Finsternissen
    Der Nächte nur nach dieses Kreises Walten.
Und unter ihm will sich ein andrer schließen,
    So langsam und von solchem Joch gehalten,
Daß langsam er nur Einen Schritt vollendet,
Wenn Phoebus Licht zwölfmal den Lauf gewendet.

87.

Sieh! unter ihm, den folgenden, geschmücket
    Auf seiner Bahn mit Strahlenkörpern, gehen,
Die, mit des Kreises Umschwung fortgerücket,
    Noch eigen sich um ihre Axen drehen.
Auch magst Du wohl den Gürtel, ausgeschmücket
    Mit goldnem Glanz, um ihn geschlungen sehen;
Zwölf Thiere stehn auf seinem Strahlenkreise,
Bestimmte Herberg gebend Phoebus Reise. 267

88.

Schau das Gemälde nun von andern Seiten,
    Das hier die funkelnden Gestirne machen!
Sieh Cynosura, sieh den Wagen gleiten,
    Andromeda, den Vater und den Drachen!
Sieh schön Kassiopea Licht verbreiten,
    Den stürmischen Orion und den Nachen,
Den Schwan, der sterbend singt zur Todesfeyer,
Den Hasen und die Hunde und die Leyer!

89.

Und nächst dem Firmamente siehst Du weiter
    Saturns, des alten Gottes, Himmelsbogen;
Dann Jupiter, des sechsten Kreises Leiter,
    Und Mars alsdann, dem Krieger nur gewogen;
Des Himmels Auge, Venus, klar und heiter,
    Hat Liebe spendend dann den Kreis gezogen
Und dann Merkur, der ob dem Redner waltet,
Und noch zuletzt Diana, dreigestaltet.

90.

Nicht gleicher Lauf ist eigen diesen Sternen,
    Da dieser schnell und jener langsam schreitet.
Bald muß ihr Lauf vom Centrum sich entfernen,
    Bald wird der Erde näher er geleitet.
Sie mußten dies aus Gottes Ruf erlernen,
    Der Feuer, Luft und Wind und Fluth bereitet,
Die näher in der Mitte Tiefen streben,
Wo Erd und Meer zum Schwerpunkt ist gegeben.

91.

In diesem Centrum sind der Menschen Zonen,
    Die keck sich mit den Leiden nicht begnügen,
Die vielfach auf dem festen Lande wohnen,
    Daß sie das Meer nach neuen selbst durchpflügen.
Du siehst hier mannichfache Nationen,
    Und Land und wilde Meere bunt sich fügen,
Und mannichfache Könige hier schalten,
Und Sitt' und Satzung tausendfältig walten. 268

92.

Europa sieh! das Christliche, erhaben
    Durch Muth und Friedenskünste hoch vor allen!
Sieh Afrika! so reich an Erdengaben,
    Doch weit in rohe Thierheit noch verfallen,
Mit jenem Kap, das, euerm Blick vergraben,
    Bis jetzt dem fernsten Süden zugefallen;
Sieh in den ungeheuren Regionen
Barbaren nur, wild und gesetzlos, wohnen!

93.

Sieh dort Monomotapas Reich, das große,
    Mit Negern, welche Kleider nicht umhüllen!
Dort unterliegt Gonzalo hartem LooseGonzalo von Silveira predigte das Evangelium auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung und ward daselbst von den Barbaren erschlagen.,
    In Schmach und Tod den Glauben zu erfüllen.
In dieser Hemisphäre dunklem Schooße
    Wächst das Metall, um dessen Gabe willen
Das Volk sich müht. Sieh! dort des Sees Ergießen,
Aus dem der Nil und der Cuama fließen!

94.

Sieh ohne Thüren dort des Negers Hütte!
    Der in der engen Wohnung, voll Vertrauen
Auf seiner Nachbarn treue biedre Sitte,
    Und sicher auf des Königs Schutz kann bauen.
Sieh dort die Veste, in Sofalas Mitte,
    Ein schwarzes Heer, gleich Krähen anzuschauen,
Mit wilden dichten Schaaren weit umschlingen,
Und doch Annajas Heldenmuth nicht zwingenPedro von Anaga, ein Kastilischer Ritter, commandirte im Jahr 1505 ein Portugiesisches Geschwader und brachte den König von Sofala dahin, daß er ihm vergönnte, in dieser Stadt ein Kastell zu erbauen. Dies ward nun mit vieler Schnelligkeit aufgeführt. Da es aber den König bald reute, diese Erlaubniß gegeben zu haben, belagerte er den Anaga mit 6000 Kaffern in seiner Burg, ward aber geschlagen und verlohr zuletzt selbst sein Leben, ungeachtet die Portugiesen nicht mehr als 35 Mann stark zum Gefechte gewesen seyn sollen..

95.

Sieh jene Sümpfe, die des Niles Quelle,
    Von welchen nimmer Kunde ward den Alten,
Und, wo den Krocodil erzeugt die Welle!
    Dort Abessinen, die an Christo halten!
Sieh dort ein neues Wunder, sonder Wälle
    Geschützt die StädteAnspielung des Dichters auf viele Städte in Persien, die nicht mit Mauern umgeben sind, und vor feindlichen Ueberfällen durch Bergketten, die sich rings um sie her ziehen, beschützt werden. vor des Feind's Gewalten,
Sieh Meroe! die Insel, weit zu preisen,
Die jetzt Nolam die Eingebornen heißen! 269

96.

In diesen fernen Landen wird der Eine
    Von Deinen Söhnen kühn die Türken schlagen.
Der große Name Christoph ist der Seine,
    Doch soll er auch ein hartes Schicksal tragen.
Sieh dort, mit Dir in freundlichem Vereine,
    Melindas Küsten aus dem Meere ragen,
Und gen Quilmance dort den Rapto fließen,
Den Oby längst des Urlands Väter hießen.

97.

Sieh dort das Kap Aromata vor Zeiten,
    Jetzt Quardafu im Volke! Hier beginnet
Des rothen Meeres Mündung sich zu weiten,
    Das aus den Tiefen Farbe sich gewinnet,
Und, Afrika von Asien zu scheiden,
    Als Gränze gleichsam weit ergossen, rinnet.
Die besten Völker dort in Afrika
Sind Arquico, Suanquem, Macua.

98.

Sieh das entleg'ne Suez! von den Alten
    Für den erhabnen Wohnplatz der Heroen,
Wie auch wohl Arsinoe noch gehalten,
    Wo jetzt Aegyptens Flotten furchtbar drohen.
Sieh dort die Fluth, die sich zum Pfad gespalten,
    Als Moses aus Aegypten einst geflohen,
Dort ist der Anfang Asiens, gewaltig
An Reichen und an Ländern mannichfaltig!

99.

Sieh dort den Berg des Sinai erglänzen!
    Wo Katharinens heil'ger Leib begraben!
Sieh Tor und Gidda, deren weite Gränzen
    Kristallne süße Bronnen nirgend laben.
Sieh Adems dürres Reich die Fluthen kränzen,
    Die Pforten dort zugleich und Ende haben.
Und nah dabey Arziras Felsen grauen,
Auf welchen nie des Himmels Regen thauen! 270

100.

Sieh dort die drei Arabien gelegen,
    Wo braune Völker schweifen durch die Lande
Und sorgsam stets der edlen Rosse pflegen,
    So leicht und muthig in des Kampfes Brande.
Sieh dort der Perser Meereseng' entgegen
    Sich weithin strecken dieser Küsten Strande
Und in die Luft ein Vorgebirge streben,
Dem Namen hat Fartaques Stadt gegeben.

101.

Sieh dort Dafar, das edlen Weihrauch sendet
    Zu lieblichen Gerüchen den Altären,
Und, zu der andern Seite hingewendet,
    Dann Raselhades Au'n, die nichts gewähren,
Und Ormus Reich, das längst dem Strand sich endet,
    Den euer Ruhm mit Thaten wird verklären,
Wenn gegen Türkenflotten und Galeeren
Einst Kastelbranco wird die Schwerter kehren.

102.

Sieh Asaboros Kap sich dort erheben,
    Das Mussendon die Schiffenden jetzt heißen,
Von Persien und Arabien umgeben
    Beginnt des Meeres Welle hier zu kreisen.
Schau Barems Eyland, reiche Perlen weben
    Ihm einen Teppich in den Wellengleisen
Auroren gleich, und Phrat und Tigris eilen,
Der Salzfluth ihre Ströme mitzutheilen.

103.

Sieh dort des Perserreiches große Lande,
    Das stets zu Roß sich und im Schlachtfeld findet,
Und des Geschützes Waffen hält für Schande
    Und, wenn nicht harte Faust den Muth verkündet;
Sieh den Beweis auf Gerums Inselstrande,
    Daß Jegliches im Raum der Zeit verschwindet,
Denn von Armuzas Stadt, – einst nah gelegen,
Begann er Ruhm und Namen drauf zu hegen. 271

104.

Hier wird Dom Philipp von Meneses zeigen,
    Was er vermag mit Muth in dem Gefechte,
Wenn große Perserheere vor ihm weichen,
    Ob Wenig auch nur leihen ihre Rechte.
Pedro von Sousa schlägt mit wilden Streichen
    Den Feind, der sich des Widerstands erfrechte,
Und hat Ampaza schon im Sturm genommen,
Daß seinem Arm es mög' als Probstück frommen.

105.

Doch! lassen wir der Enge Meerespforten,
    Carpelas Cap, das jetzo Jasque heißet,
Mit jenes ganzen Erdstrichs dürren Orten,
    Dem die Natur nur wenig Huld erweiset;
Carmanien ist er benennet worden.
    Und siehe dort, wo das Gebirg sich weiset,
Den großen Indus von den Höhen fließen,
Und andre Höhn des Ganges Strom ergießen.

106.

Alcinde, sieh! mit Früchten reich beliehen!
    Jaquetes Golf, wo große Fluthenmassen
Heran, urplötzlich bald erschwellend, ziehen,
    Bald eilend wieder das Gestad verlassen.
Cambajas Lande, hoch zu Glanz gediehen,
    Die weit herein den Meeren Eingang lassen
Und tausend Städte könnet ihr noch sehen,
Ob ihre Namen auch zu übergehen.

107.

Und dort sind Indiens berühmte Strande
    Südwärts bis Kapo Komori gebreitet,
Sonst Cori, gegenüber Ceylons Lande,
    Das einst durch Tapobrana ward gedeutet.
In diesem Meer wird Deinem Vaterlande
    Nach Dir durch Waffen hoher Sieg bereitet
Und Länder, Städte sind ihm dort verheißen,
Die ihm viel Menschenalter nicht entreissen. 272

108.

Sieh! die Provinzen zwischen beiden Flüssen,
    Wo zahllos mannichfache Völker weben,
Die Mahoms Lehren dort gehorchen müssen,
    Hier nach der falschen Götzen Satzung leben.
Und dort! Narsingas Reichen, sollst Du wissen!
    Ward Thomas heil'ger Leichnam einst gegeben;
Des tapfern Kämpen in des Glaubens Streite,
Der seine Hand gelegt in Christi Seite.

109.

Hier war die Stadt Meliapor gelegen,
    Die, weit berühmt durch Reichthum, Macht und Schöne,
Der alten Götzen schnöden Dienst thät hegen,
    Wie heute noch die Sitte ihrer Söhne;
Einst nahete auch ihr des Glaubens Segen
    Durch Thomas Predigt, deren fromme Töne
Bekehrt schon hatten tausend weite Lande,
Doch lag die Stadt damals noch fern vom Strande.

110.

Als er dort predigt nun der Christen Lehre
    Und Kranke heilt und Todten giebt das Leben,
Beginnet eines Tags auf offnem Meere
    Ein ungeheures Holz heran zu schweben;
Der König wünscht, nicht achtend dessen Schwere,
    Es an des festen Landes Bord zu heben
Durch Elephanten, Hebel, Menschenhände,
Damit er es zu einem Bau verwende.

111.

Doch keine Kraft ist irgend es im Stande,
    Auch zu bewegen nur die schwere Masse,
Da tritt hervor der göttliche Gesandte,
    Daß er es kleine Müh sich kosten lasse,
Und löst den Gürtel ab sich vom Gewande,
    Daß er mit ihm des Holzes Stamm umfasse
Und hebt es dahin, wo ein hoher Tempel
Jetzt allen künftigen dient zum Exempel. 273

112.

Wohl wußte der Apostel, wenn der Glaube
    Dem Felsen heißt, von seiner Stelle weichen,
Gehorcht dem heil'gen Wort der starre, taube,
    So lehrte Christus und that selbst desgleichen.
Dem Staunen wird das Volk darob zum Raube
    Und die Braminen, die ein solches Zeichen
Noch niemals sahn und solch ein heilig Leben,
Beginnen schon vor Eifersucht zu beben.

113.

So heißen dort die Heidenpriester, denen
    Das Herz zernagt des bittern Neides Herbe,
Es strebet nun mit tausend schwarzen Plänen,
    Daß Thomas nicht mehr lehre oder sterbe,
Und in des Oberhauptes Busen dehnen
    Des Truges Fäden sich, der ihn verderbe,
Ein Bubenstück, das nochmals kann beweisen:
Der Tugend schlimmster Feind sey heuchelnd Gleisen.

114.

Den eignen Sohn ermordet er und klaget
    Thomas der Schuld an, welcher nichts begangen,
Und falsche Zeugen werden schnell befraget
    Und Todesurtheil soll er schon empfangen;
Da steht der Heil'ge stark und unverzaget,
    Zur Allmacht auf, um Hülfe zu erlangen,
Daß sie ein Wunder noch ihn wirken lasse
Und Volk und König so die Wahrheit fasse.

115.

Er läßt den Leichnam bringen, daß er Leben
    Empfang' und seinen Mörder selbst verkünde
Und so der Wahrheit mög' ein Zeugniß geben,
    Vor welchem jeder Zweifel stracks verschwinde;
Da sehen All' den Jüngling auf sich heben
    Im Namen deß, der starb für unsre Sünde,
Und Thomas brünstig danken sein Erwecken
Und dann des Vaters blut'ge That entdecken. 274

116.

Und solch Erstaunen wirkt dieß Wunderzeichen,
    Daß sich der König läßt die Taufe geben
Und nach ihm Viel ins Bad der Kindschaft steigen
    Und Thomas Gott nun Alle Preis erheben:
Da muß dem Hasse alles Mitleid weichen
    In den Braminen, die von Neide beben
Und endlich doch das rohe Volk bereden,
Den Heiligen in blinder Wuth zu tödten.

117.

An einem Tage, wo er Christum lehrte,
    Beginnt durch List ein Aufruhr wild zu toben;
Da nahm den Dulder Christus von der Erde,
    Und in den Himmel ward er aufgehoben,
Ob auch die Stein' ihn furchtbar trafen, kehrte
    Der Heilige doch nur den Blick nach oben
Bis endlich Einer nahte von den Bösen,
Die Brust durchbohrend ihm mit Lanzenstößen.

118.

Dich wird der Indus und der Ganges weinen!
    Dich, Thomas! jedes Land, das Du durchzogen!
Dich mehr noch jene Gläubigen und Reinen,
    Die Christi Lehren durch Dich eingesogen.
Doch sieh des Himmels Engelchor erscheinen
    Und wölben Deines Sieges Ehrenbogen!
Du stehst vor Gott! o! fleh um seine Gnade
Für Deiner treuen Lusitanen Pfade!

119.

Und Ihr! nun, deren Zungen sich erfrechen,
    Euch Gottes Boten, Thomae gleich, zu nennen,
Wie mögt Ihr Boten Gottes Euch entbrechen,
    Den Glauben allen Völkern zu bekennen?
Seyd Ihr das Salz, so müßt' Ihr kraftvoll sprechen,
    Und Euch von Eurem Vaterlande trennen;
Womit denn sonst so vielen Ketzereien
In unsrer Zeit des Salzes Heil verleihen! 275

120.

Doch will ich dessen nun die Worte sparen
    Und jener Küste Zeichnung flugs beenden,
Bey dieser StadtNach der Episode von Thomas, die der Dichter bey Gelegenheit der Erwähnung der Stadt Meliapor in den vorstehenden Stanzen besungen hat, kehrt er zu dieser Stadt zurück und geht von ihr in Beschreibung Indiens weiter fort. berühmt seit alten Jahren,
    Beginnt des Ganges Golf sich krumm zu wenden.
Narsingas Reichthum ist dort zu gewahren,
    Orixa dort mit bunter Kleider Spenden!
Und in des Busens Ausgang strömt die Schnelle
Des großen Ganges in des Salzes Welle.

121.

Des Ganges Fluth, in dessen heil'gen Wellen
    Die Eingebornen fromm und gläubig baden,
Um sich der Sünden, welche sie entstellen,
    Im reinen Strom der Sühnung zu entladen.
Sieh Catigam dort mit Gebäuden schwellen
    Weit aus Bengalens üppigen Gestaden,
Und wie, mit allem Köstlichen versehen,
Die Küsten sich von da nach Süden drehen.

122.

Arrakam sieh! und Pegu kannst Du schauen,
    Bewohnt einst von der Ungeheuer Schaaren,
Die dort entsprungen der Umarmung Grauen
    Von Weib' und Hund, die mit einander waren.
Zu wehren solchem, durch die Lust der Frauen,
    Und so den Ihren Sünde zu ersparen,
Muß tönend Erz, wo solche Trieb' entspringen,
Auf den Befehl der Königin erklingen.

123.

Sieh hier Tavay, die Stadt, wo Siams breite,
    Fernausgedehnte Reiche schon beginnen;
Tenassarims und Quedas Prachtgebäude,
    Wo die Bewohner Pfeffer sich gewinnen.
Und weiter hin erhebt in blauer Weite
    Malacca sich, zu seinem Hafen rinnen
Des Handels Ström' aus allen Nationen,
Die an des großen Meeres Küsten wohnen. 276

124.

Sumatra war, so spricht die alte Kunde,
    Vorzeiten mit Malaccas Strich nur Eines,
Bis in des Meeres tiefem Wellenschlunde
    Das Land versank des vorigen Vereines.
Hier in des Chersonesus Felsengrunde
    Erzeugt sich Gold, gediegenes und reines,
Und golden heißt er dieser Gabe wegen,
Nach Andern war auch Ophir hier gelegen.

125.

Sieh dort, wo Cingapura sich erhebet,
    Des Meeres Weg den Schiffen sich verengen,
Die Küsten dann, die erst gen Norden strebet,
    Sich krümmen und nach Osten vor sich drängen.
Sieh Pan, Patane, über ihnen schwebet
    Der Scepter Siams; zahllos sind die Mengen
Ihm unterthan! Sieh auch den Menam fließen
Und aus dem See Schiamay sich ergießen.

126.

Sieh diesen Erdstrich tausend Nationen,
    Sonst nie gekannt und mannichfach, umfassen!
Die Laer, die ein weites Land bewohnen,
    Die Aver, Bramer, Wüsten überlassen!
Sieh Andre! fern in Felsenregionen!
    Sieh wild die Queer sanfte Sitten hassen,
Von Menschenfleisch sich nähren und das Ihre
Mit Eisen brennen, daß es scheuslich ziere.

127.

Sieh durch Camboja ziehn des Mecoms Wellen,
    Der so als Fürst der Ströme wird geheißen,
Im Sommer steigend von den fernen Quellen,
    Daß seine Fluthen das Gestad zerreißen;
Dem kalten Nil gleich pflegt er anzuschwellen,
    Die blinden Völker, die an ihm sich weisen,
Vermeinen, daß, gleich uns, ein zweites Leben
Den Thieren müsse Lohn und Strafe geben. 277

128.

Einst werden noch von ihm mit sanfter Weise
    In seinen Au'n die Lieder aufgenommen,
Die aus dem Schiffbruch, aus den Klippen Kreise,
    Aus wildem Meer an dieses Land geschwommen,
Wenn Der dem Hunger, der Gefahr der Reise,
    Dem ungerechten Kerker ist entkommen,
Der mit der Leyer lieblichem Erklingen
Mehr Ruhm als Glück sich künftig wird erringenDies ist die merkwürdige Stanze, wo der Dichter die Thetis bei Verkündigung ihrer Gesichte sein eigenes Schicksal berühren läßt..

129.

Sieh Schampas Küste, die sich dort uns zeiget,
    Wo Düfte würzig aus den Wäldern schweben!
Sieh Cochinchina, das der Ruf verschweiget,
    Ainam sich aus fremden Meeren heben!
Und dann das Kaiserthum, das Keinem gleichet,
    Dem Macht und Reichthum sonder Maaß gegeben;
Das mächt'ge China, von der Sonnenwende
Bis zu dem kalten Gürtel sonder Ende!

130.

Dort, zwischen ihm und seinem Nachbarlande,
    Dehnt endlos sich der Bau der großen Mauer,
Zum sichern weltbekannten Unterpfande,
    Von seiner Herrschaft Macht und Stolz und Dauer.
Hier herrschet nicht der Erbe, der Verwandte!
    Dem Vater folgt der Sohn nicht, denn seit grauer,
Verjährter Zeit wird dieses Reiches Krone
Dem Weisesten, dem Tapfersten zum Lohne!

131.

Dort birgt sich auch viel Land noch Deinem Blicke,
    Das einst sich zeigen wird in spätern Jahren.
Doch laß auch jene Inseln nicht zurücke!
    Wo sich Natur so reich will offenbaren.
Die mittlere, die einst, nach dem Geschicke,
    Des Glaubens hohe Gnade wird erfahren
Längst China dort, von wo man es ergründet,
Ist Japan, wo sich feines Silber findet. 278

132.

Sieh, durch des Aufgangs Meere, fern verstreuet,
    Der Inseln Heer, sieh Tidor sich erheben!
Ternate, dessen Gipfel Flammen speiet,
    Die wogend in die glühen Lüfte streben!
Den Baum sieh! der der Näglein Frucht sich freuet
    Der einst Euch kostet vieler Helden Leben!
Die goldnen Vögel in der Lüfte Reichen,
Die sich auf Erden todt nur wieder zeigen!

133.

Sieh Bandas Inseln dort in Farben glänzen,
    Die mannichfach aus Purpurfrüchten schießen!
Der Vögel Schwärme, die in leichten Tänzen
    Froh des Tributs der grünen Nuß genießen!
Borneo sieh! das Bäume rings bekränzen,
    Aus welchen Thränen dicken Saftes fließen,
Camfora heißt der Baum, und, ihn zu preisen,
Hat man nach ihm die Insel auch geheißen.

134.

Sieh Timor auch, wo sich der Sandel findet,
    Das Holz, so reich an Kraft und süßen Düften,
Und Sunda, dessen Küste dort verschwindet,
    Wo südwärts Berge ragen in den Lüften!
Dort strömt ein Fluß, der, eh' er sich verbindet
    Mit andern, sagt das Volk auf jenen Tristen
Und staunt das Wunder an, das Holz versteinet,
Mit dem sich seiner Wässer Stoff vereinet.

135.

Sieh dort die Insel, die es nicht gewesen,
    Wo auch Vulcane flammend oft erscheinenDie Insel Sumatra mit Beziehung auf Stanze 124.!
Den Quell des Oeles und das Wunderwesen
    Des Balsams, welchen rauhe Stämme weinen!
Wohl köstlicher, als Weihrauch, auserlesen
    Und herrlich quellend in Arabiens Haynen,
Und außer dem, was ihr mit andern eigen,
Kann sie noch Gold und zarte Seide zeigen. 279

136.

In Ceylon sieh des Berges Höhe streben,
    Daß sie den Gipfel über Wolken strecket,
Deß Heiligkeit die Völker rings erheben,
    Weil sich im Fels ein Menschentritt entdecketAuf der höchsten Bergspitze Ceylons soll sich noch ein Felsenstück erheben, auf dessen obern Platte der Tritt eines menschlichen Fußes sich zeigt, von welchem die Tradition verschiedenes berichtet, bald daß es der Fuß eines Heiligen aus Delhi sey, welcher auf der Insel zuerst die Einheit Gottes gelehrt habe; bald daß es die Spur von Adams Fußtritt sey, als er von da aus zum Himmel aufgehoben worden..
Und den Maldiven ist die Frucht gegeben,
    Ob auch im tiefen Meeresgrund verstecket,
Die, wenn ein Gift die Adern wild durchwühlet,
Den Brand des Todes mächtig löscht und kühlet.

137.

Sieh unten, an des rothen Meeres Strande,
    Socotorah die Aloe Dir bringen!
Und andre Inseln an der Küsten Sande
    Von Africa, die einst Ihr sollt bezwingen,
Wo jenes seltnen Balsams unbekannte
    Und köstliche Gedüfte mild entspringen,
Und San Lorenzo mußt Du dort erkennen,
Das Madagascar Einige benennen.

138.

Hier saht Ihr nun des Ostens neue Strande,
    Die Eure Hand der Welt einst wird erringen,
Seit Euer Muth zum Meere hin sich wandte,
    Das Eure Flotten überall bezwingen;
Doch, wisset auch, was noch im Abendlande
    Dort einem Lusitanen wird gelingen,
Der, ob ihm abhold auch des Königs Gnade,
Einherziehn wird auf nie geträumtem Pfade.

139.

Sieh jenen Erdstrich weit zusammen hangen
    Und hoch vom Nordpol hin nach Süden ragen;
Wo des Metalles reiche Schätze prangen,
    Die hell des blonden Phöbus Farbe tragen!
Castilien! Eure Freundin wird erlangen,
    Den starren Hals einst in sein Joch zu schlagen,
Denn, mannichfach an Völkern und an Reichen,
Wird dort sich nirgend Brauch und Sitte gleichen. 280

140.

Doch sollt auch Ihr, wo er sich breitet, finden
    Einst noch ein Land, wo rothe Wälder stehen;
Sein Name wird das heilge KreuzAls Pedro Alvarez von Cabral im Jahre 1500 zum erstenmale nach Gamas Rückkehr von Calcutta, nach Indien segeln wollte, ward seine Flotte von 18 Schiffen durch einen Sturm an die Küsten des jetzigen Brasilien verschlagen und dieses Land dadurch von den Portugiesen entdeckt. Cabral pflanzte am Meerufer ein Kreutz auf und nannte das Land davon Santa Cruz. Als aber später das daselbst wachsende Holz, Brasil mit Namen, bekannt wurde, und dieser Erdstrich durch dasselbe vorzügliche Wichtigkeit für den Handel erlangte, ging nach und nach dasselbe Wort, Brasil, auf das Land selbst über, und bezeichnete von da an das ganze Reich, welches die Portugiesen sich daselbst unterthänig gemacht haben. verkünden,
    Und Eure Flott' es einst vor Allen sehen.
Längst dieser Küste krümmenden Gewinden
    In ferne Zonen seine Kiele drehen,
Wird Magellan, durch eine That, wie diese,
Doch nicht durch Rechtlichkeit, ein PortngieseDer patriotische Camoens hält es für unredlich, daß Magellan, nach mannichfach erlittner übler Behandlung in Portugal seinem König Emanuel und seinem Vaterlande den Rücken kehrte und in die Dienste Carls des Fünften ging, für welchen und durch dessen Unterstützung er denn endlich jene berühmte Straße entdeckte, die noch seinen Nahmen führt..

141.

Mehr als des Weges Hälfte wird er schauen,
    Der von der Linie geht zum Pol in Süden,
Und Menschen dort, Giganten gleich, mit Grauen
    Erblicken und doch immer nicht ermüden,
Und fürder noch der Straße sich vertrauen,
    Der einst sein Name rühmlich wird beschieden,
Daß er in Meer' und Länder so wird dringen,
Die Austrus deckt mit seinen kalten Schwingen.

142.

Dies, Lusitanen! sollt Ihr Alles wissen
    Von Thaten ferner Zukunft auf dem Meere,
Das Ihr so kühn der Dunkelheit entrissen,
    Und von der Helden Muth und hoher Ehre!
Doch jetzt, wo, trotzend allen Hindernissen,
    Ihr es vollbrachtet, daß die schönen Chöre
Der ewgen Bräute freudig Euch umschlingen,
Und Euerm Haupt des Ruhmes Kränze bringen;

143.

Jetzt mögt Ihr schiffen, da Euch Meer und Winde
    So günstig sind, zum theuern Vaterlande,
So sprach sie, und die Helden ziehn geschwinde
    Nun fürbaß von der Liebe frohem Strande.
Gesorgt ist, daß am Bord sich Vorrath finde,
    Und, treu vereint durch frohe schöne Bande,
Geleiten Sie die Nymphen, ihnen eigen,
So lange Sonnenstrahlen niedersteigen. 281

144.

So schiffen sie auf stiller Fluthen Rücken,
    Da sanfte Winde folgen ihren Straßen,
Bis sie das schöne theure Land erblicken,
    Das sie gebar, und das sie nie vergaßen;
Des Tago Mündung schaun sie mit Entzücken,
    Um ihrem Lande, das sie schon umfassen,
Und ihrem König, der sie wollte senden,
Nun Lohn und Ruhm und Titel reich zu spenden.

145.

Nicht weiter! Muse! denn die goldne Leyer
    Ist nicht mehr rein und rauh die Stimme worden,
Nicht vom Gesang! Nein! weil des Liedes Feyer
    Nur Tauben tönt und wilden rohen Horden!
Denn jene Gunst, durch die der Geist sich freier
    Zum Himmel schwingt in herrlichen Accorden,
Versagt mein Vaterland, das wildem Streben
Und dumpfer Trauer nur sich preisgegeben.

146.

Es ist des Schicksals wunderbares Walten,
    Daß froher Muth und Lust hier nicht gedeihen,
Durch die sich alle Kräfte hoch entfalten
    Und froh sich jedem Unternehmen weihen;
Drum darf ich Dir, o König! nicht verhalten,
    Dem Götter zu regieren hier verleihen,
Daß Du nur trachten mögest unter Allen,
Ein Herr zu seyn von trefflichen Vasallen!

147.

Schau! wie sie fröhlich ziehn auf jedem Wege
    Gleich tapfern Stieren und gleich starken Leuen,
Nicht matt durch Hunger, nicht durch Wachen träge
    Nicht Schwert und Pfeil und Flamm' und Kugel scheuen,
In Sonnenglut und auf des Eispols Stege
    Und bey der Heiden und der Mohren Dräuen,
Und, wenn um sie verborgne Fahren schlagen,
Im Schiffbruch und im Meeresgrund nicht zagen. 282

148.

Bereit, in Allem willig Dir zu dienen,
    Gehorchen sie dem Wort, in ferner Weite
Und, forderst Du das Härteste von ihnen,
    Ein jeder eilt, daß er es stracks bereite;
Und wenn der Hölle Geister selbst erschienen,
    Sie rüsteten den Heldenarm zum Streite,
Und würden mit Dir jeden Feind bezwingen,
Der Ueberwindung Schmach nie auf Dich bringen.

149.

Drum, König! auch, erfreue sie, beglücke
    Mit Deinem Antlitz sie und Huld und Gnade!
Vernichte jene Formen strenger Tücke,
    So öffnen sich zur Heiligkeit die Pfade!
Und näher Deinem hohen Throne rücke
    Die Männer, die mit wohl erfahrnem Rathe
Die Milde einen und es recht verstehen,
Von wo, wohin und wie die Sachen gehen!

150.

In ihren Aemtern walte hold den Deinen!
    Vertheile sie nach Wandel und Talenten!
Der Priester mög' im Tempel nur erscheinen
    Und auf zu Gott für Dich Gebete senden,
Der Erde Ruhm nur eitlen Tand vermeinen,
    Mit Buß, und Fasten sich für uns verwenden.
Nie werden, die als wahre Priester leben,.
Nach schnödem Gold und eitler Ehre streben.

151.

Die edlen Ritter halte hoch in Ehren,
    Die unerschüttert eignen Bluts nicht schonen,
Des Glaubens Herrschaft immerdar zu mehren,
    So wie Dein Reich in unsrer Erde Zonen.
Denn, wenn sie sich auf Dein Gebot bewehren,
    Zu siegen in den fernsten Regionen,
Muß erst zwiefacher Feind bezwungen werden,
Der Feinde Macht und furchtbare Beschwerden. 283

152.

Laß nicht o Herr! die stolzen Allemanen,
    Engländer, Gallier und Wälsche sagen:
Gehorchen zieme nur den Lusitanen,
    Doch wenig, mit Befehlen es zu wagen!
Es leite Dich auf Deiner Herrschaft Bahnen
    Der Männer Rath, die, was sich zugetragen,
Durch vieler Jahre Wechsel tief ergründet,
Da mehr, als Hundert, oft Ein Weiser findet.

153.

Du weißt, wie Phormio der Schulgerechte
    Von Hannibal verlacht ward, als zu wagen
Er tollkühn war, die Lehre der Gefechte
    Dem Helden breit und künstlich vorzutragen.
Die Kunst zu kriegen, die gediegne, ächte,
    Wird nie in Schulen tiefe Wurzel schlagen,
Noch Phantasie zu ihrer Kunde leiten,
Sie lernt sich nur, durch sehen, üben, streiten!

154.

Doch ich! was red' ich Niederer zum Throne
    Zu Dir! der nimmer wohl von mir gehöret? – –
Weil Gott auch aus der Erde niedrem Sohne,
    Und aus des Säuglings Munde Lob bescheeret!
Auch ward dem Fleiße Wissenschaft zum Lohne,
    Erfahrung, daß nicht Irrthum leicht bethöret
Und Kraft und Kunst, wie Du es magst befinden,
So viele Ding' im Liede zu verbinden.

155.

Um Dir zu dienen schwang mein Arm den Degen,
    Der Muse weiht' ich mich, um Dich zu singen,
Jetzt fehlt mir noch nur Deines Beifalls Segen,
    Der dem Verdienste Glanz und Werth muß bringen.
Kommt dieser mir und Deine Huld entgegen,
    Wird Dir die That, die Herrliche! gelingen,
Wie mir mein Geist, weissagend, es vertrauet,
Der Deinen, Gott geweihten, Vorsatz schauet. 284

156.

Daß mehr als vor dem Anblick der Meduse
    Des Atlas Scheitel Deinem Blick, erbeben,
Daß, stürzend in die Flur von Ampeluse,
    Marocco, sich Trudante Dir ergeben;
Dann soll die frohe hochgepriesne Muse
    In aller Welt Dich König so erheben,
Daß Du, der Alexander unsrer Zeiten,
Nie um Homer Achilles sollst beneidenEin Krieg des Glaubens gegen die Mauren in Africa war in jenen Zeiten das höchste und glorreichste Unternehmen eines Königs von Portugal. Darum ermuntert Camoens den jungen König Sebastian, die Waffen zu diesem Entzweck zu ergreifen, und verspricht ihm im voraus ein Heldengedicht, um die Thaten dieses künftigen Krieges zu verewigen. Wer die Geschichte der letzten Zeiten des Sebastians und Camoens kennt, lächelt wehmüthig über den Rath und das Versprechen des Dichters..

 

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