Hermann Bote
Till Eulenspiegel
Hermann Bote

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Die 59. Historie sagt, wie Eulenspiegel in Erfurt einen Metzger noch einmal um einen Braten betrog.

Nach acht Tagen kam Eulenspiegel wieder zu den Fleischbänken. Da sprach derselbe Metzger Eulenspiegel mit Spottreden an: »Komm wieder her und hol dir einen Braten!« Eulenspiegel sagte ja und wollte nach dem Braten greifen. Da war der Metzger flink und nahm den Braten schnell an sich. Eulenspiegel sagte: »Warte, laß den Braten liegen, ich will ihn bezahlen.« Der Metzger legte den Braten wieder auf die Bank.

Da sprach Eulenspiegel zu ihm: »Wenn ich dir ein Wort sage, das dir von Nutzen ist, soll dann der Braten mein sein?« Der Metzger sagte: »Du könntest mir solche Worte sagen, die mir nichts nützen. Du könntest mir aber auch Worte sagen, die mir von Nutzen sind, und dabei den Braten hinwegnehmen.« Eulenspiegel sprach: »Ich will den Braten nicht anrühren, wenn dir meine Worte nicht gefallen.« Und er sagte weiter: »Ich spreche jetzt dies: ›Wohlauf, her, mein Säckel, und bezahle die Leute! ‹ Wie gefällt dir das? Gefällt dir das etwa nicht?« Da sagte der Metzger: »Die Worte gefallen mir wohl, sie behagen mir sehr.« Da sprach Eulenspiegel zu denen, die umherstanden: »Liebe Freunde, das hörtet ihr wohl, also ist der Braten mein.«

Eulenspiegel nahm den Braten, ging damit hinweg und sagte spöttisch zu dem Metzger: »Nun habe ich mir wieder einen Braten geholt, wie du mich ansprachst.« Der Metzger stand da und wußte nicht, was er darauf antworten sollte. Zweimal war er genarrt worden und hatte zu seinem Schaden den Spott seiner Nachbarn, die bei ihm standen und über ihn lachten.


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