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Vorwort des Herausgebers.

Vielfach wird uns Deutschen von solchen, die sich längere Zeit in Amerika resp. in England aufgehalten haben, der Vorwurf gemacht, dass hier zu Lande zu wenig für die Pflege und Ausbildung des Körpers geschähe. Man muss nun zugeben, dass jene Länder uns nicht nur in der Ausübung von allerlei Sport (Rudern, Schwimmen, Rennen, Reiten etc.) überlegen sind, sondern dass dort auch durch eine Reihe von Spielen (Cricket, Lawn-tennis etc.) viel breitere Schichten der Bevölkerung eine ausgiebige Körperübung finden, als es bei uns durch das Turnen geschieht. Es beteiligen sich dort eben an diesen Leibesübungen jung und alt, das weibliche Geschlecht nicht ausgenommen. In neuerer Zeit ist bei uns darin eine Wendung zum Bessern eingetreten, und es sollte jeder diese Bewegung nach Kräften fördern. Ich glaube daher, dass es ein glücklicher Griff der Verlagshandlung war, durch eine neue Herausgabe des mit gutem Grunde so populären Werkes über Zimmergymnastik von Schreber immer weitere Kreise dafür anzuregen, da durch dasselbe auch Unbemittelten und solchen, denen es ihr Beruf oder andere Verhältnisse nicht gestatten, sich an einem Sport zu beteiligen, eine kostenlose und wenig zeitraubende Methode an die Hand gegeben wird, ihren Körper zu kräftigen resp. frisch zu erhalten. Gerne habe ich dem Wunsche des Verlegers entsprochen, das Werkchen durchzusehen und etwa mit unseren heutigen Ansichten nicht mehr Übereinstimmendes auszuschalten. Es handelt sich dabei nur um verhältnismässig geringe Änderungen. Es lag die Versuchung nahe, das Werk durch Hinzufügung einer Reihe von Übungen, so z. B. derjenigen mit dem Stabe, noch zu ergänzen. Man muss aber gestehen, dass die aufgeführten Übungen mannigfaltig genug sind, um den gewünschten Zweck der körperlichen Durchbildung zu erreichen. Ebenso habe ich mich enthalten irgendwelche speziellere Vorschriften über Massage zu machen, habe sogar die in dem Werkchen enthaltenen unterdrückt, da mir diese in den Rahmen des Buches, das nach Schrebers eigenen Worten jeden in den Stand setzen soll, auch ohne fremde Hilfe die Übungen auszuführen, nicht hineinzupassen scheinen. Dasselbe gilt von der schwedischen Gymnastik, über die Schreber selbst jetzt wohl kaum ein so absprechendes Urteil fällen würde, wie er es in seinem Werkchen gethan hat.

Ich halte schliesslich dafür, dass die Übungen nur für gesunde resp. schwächliche Individuen zu empfehlen sind, nicht für eigentlich Kranke, die meiner Meinung nach nur unter Aufsicht resp. Anleitung eines Arztes Gymnastik treiben sollten, um nicht Gefahr zu laufen, sich zu schaden. Schreber selbst hat das übrigens auch an verschiedenen Stellen betont; ich hielt es aber für angebracht, diesen Punkt noch besonders hervorzuheben. Weil dieses meiner Ansicht nach auch nur unter ärztlicher Kontrolle geschehen soll, habe ich auch keinerlei Bemerkungen über Behandlung der Ischias, der Skoliose etc. hinzugefügt, jedoch die auf letztere bezüglichen Äusserungen Schrebers stehen gelassen, um möglichst das Gepräge des Werkchens zu erhalten.

Dr. Hoeftman.


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