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Zwölfter Abschnitt

Erdarbeiten und Planaden

Hierüber ist nicht allzuviel zu sagen. Das Hauptsächlichste möchte sein, daß man sie sich soviel als möglich ersparen muß. Die natürlichen Unebenheiten des Terrains sind in der Regel malerischer als sie die Kunst mit vieler Mühe hervorbringt. Künstliche Hügel aber machen meistens nur wenig Effekt. Sind sie indessen nötig, um eine Aussicht von ihrem Gipfel zu erlangen, einer Pflanzung größere Höhe zu geben, oder die Erde eines ausgekarrten Sees loszuwerden; so kann man bei der ihnen zu erteilenden Form zum Teil die, bei dem Artikel Inseln, gegebnen Vorschriften gleichfalls befolgen, da das Wasser mit den natürlichen Höhen auch fast immer in vielfacher Berührung gestanden, sie teils gerundet, teils abgerissen hat. Oberfläche und Seiten derselben müssen mehrfach durch schroffe und sanftere Linien abgewechselt werden, ohne doch Konfusion darzubieten, und Pflanzung dann weiter nachhelfen.

Trifft man auf einer anzufüllenden Stelle schöne alte Bäume an, die man nicht versetzen will, oder kann, so pflegt man sie in England mit einer Art von, aus Feldsteinen aufgesetzten, Brunnen zu umgeben, in welchen Luft und Feuchtigkeit bis zu den Wurzeln herabdringen können. Nur bei Eichen hat man dies nicht nötig. Ich habe bei mir wenigstens die unerwartete Erfahrung gemacht, daß alte wie junge Eichen sich bis über ein Dritteil ihrer Höhe ohne Nachteil verkarren lassen, und auch nicht im mindesten davon zurückgehen.

Obgleich im allgemeinen eine gewisse Wellenförmigkeit des Terrains wünschenswert ist, so macht es doch zuweilen einen äußerst guten Effekt den Grund kleiner Täler mit steiler Umgebung so eben wie ein Lineal planieren zu lassen. Es findet solch Verfahren auch in der Natur häufig sein Vorbild, und wirkt anmutig durch den Kontrast.

Auf Wiesen im allgemeinen müssen die einzelnen kleinen Erhöhungen und Vertiefungen, sowohl der Zweckmäßigkeit als des bessern Ansehns wegen, ausgeglichen, größere Bewegungen des Terrains aber ja nicht unnötig gestört werden. Sollte man indes eine solche bedeutendere Erhöhung, anderer Motive wegen, dennoch wegnehmen und planieren wollen, und es stünden zufällig schöne Bäume darauf, deren Hinwegnahme nicht gewünscht würde, so rate ich diese auf einzelnen kleinen Hügeln (tertre) stehenzulassen, was einer Wiese noch mehr Abwechselung gibt, weshalb ich oft sogar absichtlich auf diese Art, und mit gutem Erfolg, pflanzen ließ. Hierbei fällt mir noch eine Bemerkung ein, die ich nachholen will, obgleich sie besser in einen der früheren Abschnitte gepaßt hätte.

Wenn man einen besonders schönen Baum, oder eine solche Baumgruppe, vom vorteilhaftesten Standpunkte zeigen will, so muß dies nicht vom Fuße der Gruppe, sondern ohngefähr in der halben Höhe derselben, womöglich von einem schroffen Abhang, und in doppelt so großer Entfernung als ihre Höhe beträgt, geschehen. So gesehen erscheint sie fast noch einmal so ansehnlich, als von unten, wo man an ihr hinaufblicken muß.

Daß man bei allen Erdveränderungen, wo nicht Kiesplätze, Wege, Pflanzungen oder Häuser bezweckt werden, sorgfältig den Humus wieder oben aufbringen muß, versteht sich wohl von selbst, ich habe es indes, öfter als man glauben sollte, dennoch vernachlässigen sehen.


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