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Fünfter Abschnitt

Park und Gärten

Beides sind zwei sehr verschiedene Dinge, und es ist vielleicht einer der Hauptfehler aller mir bekannten deutsch-englischen Anlagen, daß dieser Unterschied fast nie gehörig beobachtet wird, so daß einem auch hier, um mit Müllnern zu reden, nur zu oft, nichts als ein Rührei von Kunst und Unsinn entgegentritt.

Unter einem Park wird zwar, im weitern Sinne genommen, jetzt gewöhnlich das ganze, dem aufzustellenden Naturgemälde und wohnlichem Besitztume gewidmete Grundstück verstanden, eigentlicher bezeichnet aber, bildet er ein, von dem sogenannten pleasureground und den Gärten die er umschließt, sehr wesentlich abweichendes Ganzes. Das Wort pleasureground ist schwer genügend im Deutschen wiederzugeben, und ich halte es daher für besser den englischen Ausdruck beizubehalten. Dieser bedeutet ein an das Haus stoßendes, geschmücktes und eingezäuntes Terrain, von weit größerem Umfang als Gärten zu haben pflegen, gewissermaßen ein Mittelding, ein Verbindungsglied zwischen dem Park und den eigentlichen Gärten. Der Park soll nur den Charakter der freien Natur und der Landschaft haben, die Hand des Menschen also wenig darin sichtbar sein, und sich nur durch wohlunterhaltene Wege und zweckmäßig verteilte Gebäude bemerklich machen. Auch diese wegzulassen, wie manche wollen, und, um ganz die Illusion wilder Natur zu erhalten, durch das hohe Gras waten, und sich im Walde an Dornen blutig ritzen lassen zu müssen, ohne je einer einladenden Wohnung, einer den Müden aufnehmenden Bank oder Ruhesitz zu begegnen, scheint mir abgeschmackt, (obgleich es Rousseau empfiehlt) da eine solche Anlage wohl Natur, aber auch zum Gebrauch und Vergnügen des Menschen eingerichtete Natur darstellen soll. Kann man innerhalb des Parks ein Vorwerk mit seiner angrenzenden Feldflur, eine Mühle, eine Fabrik anbringen, oder hineinziehen, so wird ihm dies nur desto mehr Leben und Mannigfaltigkeit geben, die ebenso sehr empfohlen, als auf der andern Seite vor Überladung gewarnt werden muß. Um die letztere zu vermeiden, soll man sich bemühen Gegenstände der erwähnten Art bei der Disposition des Ganzen wohl zu sondern, und sie nicht ungeschickt untereinander zu vermischen. Das Feld z. B. liege, wie schon angedeutet, geschlossen um das Vorwerk her, nicht fleckig im ganzen Park verteilt; es bilde alles zusammen eine eigene Partie in ihrem besondern Charakter, zu der auch der Übergang gehörig bedingt ist. Sind aber mehrere verschiedene Gegenstände schon zu nahe aneinander geraten, oder bedarf man ihrer zu andern Zwecken, so gebe man, um dennoch der Überladung und Verwirrung zu entgehen, allen das gleiche Ansehn. So findet man z. B. im hiesigen Park Ich wiederhole nochmals, daß ich keineswegs aus Anmaßung, sondern nur, weil ich natürlich keine Belege passender für meine Theorie benutzen kann, so oft Beispiele aus meinem eigenen Park anführe. Auch hin ich der Kürze wegen, und weil ich sonst mit der Herausgabe dieser Schrift noch zehn Jahre hätte warten müssen, wo sie vielleicht, (wie ich es sehr hoffe) bereits als unnütz erscheinen würde – genötigt: mehreres als ausgeführt zu schildern, was es in der Wirklichkeit allerdings noch nicht völlig ist, aber schon, während ich schreibe, immer mehr wird, und im Plane wenigstens, soweit als ich es anziehe, ganz fest steht, weil es hinlänglich geprüft wurde. an einem See, den ein Arm des Flusses in seinem Laufe bildet, eine Fischerhütte, gegen hohe Eichen gelehnt; seitwärts auf höherem schroffen Ufer und nicht 200 Schritte davon, eine Wachsbleiche; nahe daneben einen Eiskeller und eine Parkwärterwohnung; ferner in derselben Ansicht, zwar jenseits des Flusses in größerer Entfernung doch auch scheinbar nahe, eine cottage im englischen Geschmack; und hinter dieser noch ein fast ganz mit Stroh gedecktes Dorf mit seinem hervorragenden Kirchturme.

Wären nun diese in ihrem Zweck ganz verschiedenen Gegenstände, die teils wirklich sehr nahe zusammenliegen, teils durch optische Täuschung, vom Wege aus gesehen, sich so darstellen, jedes auch in einem verschiedenen Stil erbaut, so würden sie dem guten Geschmack unerträglich, und wie ein wahres Salmagundi, vorkommen. Diesem Übelstand abzuhelfen, bedurfte es nur, alle Gebäude, mit geringer Nuancierung, in demselben ländlichen Charakter des Dorfes, welches den Hauptzug in der erwähnten Gegend bildet, zu halten, und die englische Cottage, die Fischerhütte, Wachsbleiche, Eiskeller, gleich dem Dorfe mit Stroh oder andern rüstiken Dachbekleidungen übereinstimmend decken zu lassen, um das Ganze von nun an wie eine einzelne Partie des Parks, wie ein freundliches, von wohlhabenden Besitzern bewohntes Dörfchen, das sich rechts und links des Flusses ausbreitet, erscheinen zu lassen. So ist Einheit hier grade durch Vielheit gewonnen, denn 20 abwechselnde Gebäude über die Gegend zerstreut, sehen wie zwanzigerlei verschiedene Dinge aus, eine Stadt von 10 000 zusammenhängenden Häusern aber bildet nur ein Ganzes.

Umfaßt die Aussicht eine sehr weite Landschaft, so mögen allerdings heterogenere Gegenstände ohne Nachteil zugleich sichtbar werden, doch kann es der Einbildungskraft nie gelingen, wie es ihr in manchen, zu ihrer Zeit berühmten, Parks doch zugemutet wird, einen chinesischen Turm, eine gotische Kirche, zwei bis drei griechische Tempel, ein russisches Blockhaus, eine Burgruine, eine holländische Meierei, und etwa gar noch einen Vulkan zur Zugabe, alles in einem Bilde zusammengefaßt, mit Befriedigung zu überblicken; sondern bei der schönsten anderweiten Umgebung wird doch der Verstand ohne Zweifel unter solchen Umständen immer an einer Art künstlerischer Indigestion leiden müssen.

Bedeutend verschieden sind dagegen die Prinzipien, die dem pleasureground und den Gärten zum Grunde gelegt werden müssen; welche letztere so mannigfach als möglich sein mögen, als Blumengärten, Wintergärten, Frucht-, Wein-, Gemüsegärten u. s. w. In England sah ich exotische, chinesische, amerikanische, ja sogar Mönchs- und Porzellangärten.

Ich könnte ein früher gebrauchtes Wort hier noch einmal variieren, und sagen: wenn der Park eine zusammengezogne idealisierte Natur ist, so ist der Garten eine ausgedehntere Wohnung. Hier mag also der persönliche Geschmack aller Art sich wohl ein wenig gehenlassen, ja sogar Spielereien und überhaupt das freieste Hingeben an die Phantasie erlaubt sein. Freilich muß diese nicht in notorische Albernheiten ausarten, wie ich z. B. im Braunschen Garten bei Wien ein Haus in Gestalt einer Tonne fand, in welcher ein riesiger Diogenes von Pappe saß, der, sehr galant für jeden Beschauer, eben sein Licht ausgelöscht zu haben schien; oder am andern Orte die angenehme Überraschung einer Ruhebank, auf der nach einigen Sekunden dem Sitzenden kaltes Wasser in den Nacken fließt, und dergleichen Impertinenzen mehr. Alles biete hier Schmuck, Bequemlichkeit, sorgfältigste Haltung, und so viel Pracht dar als die Mittel erlauben. Der Rasen scheine ein samtner Teppich mit Blumen gestickt, die schönsten und seltensten ausländischen Gewächse (vorausgesetzt daß Natur oder Kunst ihr gutes Gedeihen möglich machen können) finde man hier vereinigt, merkwürdige Tiere, schön gefiederte Vogelarten, Hierbei ist jedoch auch vor Überladung zu warnen, und besonders darauf zu sehen, daß jeder Anblick von Unreinlichkeit, und übler Geruch vermieden wird. Ist dies nicht zu erreichen, so gebe man lieber die Menagerie ganz auf; denn Seltenheiten, die man nur mit zugehaltener Nase bewundern kann, entbehrt man gern an einem Ort, der nur dem behaglichsten Genuß des Schönen gewidmet sein soll. glänzende Ruhesitze, erfrischende Fontainen, die kühlen Schatten dichter Alleen, Regelmäßigkeit und Laune, kurz alles wechsele ab, um den reichsten und mannigfaltigsten Effekt hervorzubringen, ebenso wie man auch die verschiedenen Salons im Innern des Hauses, jeden anders ausschmückt; und man setze auf diese Art, wie gesagt, die Reihe der Gemächer, in vergrößertem Maßstabe unter freiem Himmel fort, dessen blaues Zelt hier, mit sich immer neu abwechselnden Wolken, die gemalte Decke vertritt, an welcher Sonne und Mond als ewige Kronleuchter schimmern. Über ein solches Detail Regeln zu geben, kömmt mehr dem technischen Kunst- und Ziergärtner zu, noch besser dem eignen Geschmack des Herrn, und am allerbesten vielleicht dem zarten Sinn und der so Liebliches schaffenden Einbildungskraft der Frauen.

Ich berühre daher, diesen Punkt betreffend, nur noch einiges Allgemeinere.

Daß der Bezirk jeder besondern Gartenabteilung, worunter ich den pleasureground hier immer mit verstehe, eine Vermachung haben müsse, die ihn vom Park trennt, ist schon der Sicherheit der kostbaren Anlagen wegen unerläßlich. Läßt die Lokalität eine höherliegende Terrasse, oder ein fortlaufendes Aha zu, so würde in den meisten Fällen dies die beste Begrenzung eines Ziergartens, und regelmäßige Linien, die nicht verborgen sind, sondern recht sichtlich die Unterscheidung andeuten, dafür wohl am meisten zu empfehlen sein; denn ein Garten ist Gegenstand der Kunst allein, und muß auch als solcher in die Erscheinung treten.

Indem diese Befriedigung das auf den Grasplätzen des Parks weidende Vieh oder Wild vom Gartenrevier gänzlich abhält, oder auch nur die zum Mähen bestimmten Wiesen deutlich davon scheidet, erfreut sich das Auge des Beschauers zuerst in der Nähe an dem behaglichen Glanze der farbenreichen Umgebung, dem vielfachen Schmucke der Zierpflanzen, und dem glatten smaragdgrünen Teppich des Gartens, durch jede Sorgfalt aufgeputzt; jenseits aber zugleich an der freien Landschaft, ihren imposanten Gruppen, ihrem hohen, dunklen, nur von wilden Blumen einfach durchwirkten, weit hinflutenden Grase – so schön, wenn der Wind wollüstig darin wühlt, wie der Jüngling in den wallenden Haarlocken seiner Geliebten, oder wenn lustige Mäher dort, unter duftenden Heuhaufen scherzen, zwischen welche die Sonne lächelnd ihre blinkenden Streiflichter sendet. Dieser Gegensatz der freien Natur zu künstlicher Zierde, ergötzt das Gemüt, auf solche Weise doppelt, weil er beides sichtlich trennt, und doch in der Trennung wieder den Kontrast zu einem großen, heitern, sich nirgends widersprechenden Bilde verschmilzt.

Es kömmt auf die Örtlichkeit an, ob alle verschiedene Gärten, (und je mehr deren sind, je anmutiger wird ihre Abwechselung wirken) in ein und demselben großen Raum einzuschließen sind, wozu dann die Nähe des Wohnhauses am passendsten sein möchte, oder ob sie im ganzen Parke verteilt werden sollen. Ich habe bei mir die Mittelstraße eingeschlagen, d. h. den pleasureground rund um das Schloß ausgedehnt, nicht wie es fast durchgängig in England Sitte ist, nur an die eine Seite desselben angelehnt, und innerhalb desselben zuerst die Blumengärten, mit einem Gewächshause das mit den Salons in Verbindung steht, dicht unter den Fenstern angebracht, dann in einiger Entfernung als besondere und wieder unter sich zusammenhängende Partie (immer aber noch im Bezirk des pleasureground) die Orangerie, den Wintergarten, Treibhäuser und Gemüsegärten angelegt; die Fruchtgärten aber, den Weinberg und die Baumschulen, ganz entfernt vom Schloß, im Park selbst verteilt; und überdies noch mehrere kleinere Gärten, in verschiedenem Geschmack, mit den übrigen Hauptgebäuden im Park verbunden, wie die nähere Beschreibung weiterhin genauer entwickeln wird.

Obgleich fast alle diese Gärten durch hie und da zerstreute Blumenpartien geschmückt sind, so sind doch nur die eigentlich sogenannten Blumengärten für die Hauptmassen und zur größten Mannigfaltigkeit derselben bestimmt. Ihre Verteilung und Aufstellung muß, ich wiederhole es, dem individuellen Geschmack großenteils überlassen bleiben, doch bemerke ich soviel, daß dieselbe Sorte Blumen in Massen zusammengefaßt, in der Regel einen weit herrlicheren Effekt hervorbringt, als die Mischung vielartiger auf demselben Beete. Die Nuancen sind jedoch hier so vielfältig, und die Berücksichtigungen des Ausführbaren dabei so zahlreich, daß nur lange Übung und Erfahrung erschöpfende Lehrmeisterin darin werden kann. Die Beleuchtung der Blumen durch die sie umgebenden Gegenstände ist ein Hauptpunkt. Eine Rose im Schatten und eine Rose im Sonnenlicht bieten ganz verschiedene Farben dar, noch mehr die blauen Blumen. Besonders auffallend aber ist der Effekt, den man hervorbringt, wenn man durch die Einfassung dunkler Schatten ein helles Sonnenlicht auf volle weiße Blumen unter einer Mischung bunter fallen läßt, überhaupt aber ist es anzuraten, bunte Blumen oft durch weiße zu unterbrechen, um diese dadurch besser hervortreten und sich abstufen zu lassen.

Ein Wintergarten muß, wie schon der Name anzeigt, nur aus immergrünen Pflanzen bestehen, und ist in unserm kalten Klima nur sehr schwierig mit einiger Abwechselung herzustellen. Orangerie- und Treibhäuser, Statuen und wohl auch architektonische Springbrunnen, die, selbst wenn das Wasser gefriert, nicht ohne pittoreske Wirkung bleiben, müssen ihn beleben. Die regelmäßige Anlage nach antikem, oder daraus abgeleitetem französischem Geschmack, sagt diesen Gärten am besten zu; und wünscht man den Effekt von Rasenstücken, so kann dieser zweckmäßig durch immergrüne Kriechpflanzen, oder dem schönen hellgrünen Heidel- und Preiselbeerenkraut hervorgebracht werden.

Ich wiederhole es, daß ich mich über alle diese Gegenstände nur sehr kurzfassen muß, da sie teils, ihres großen Details wegen, außer den Grenzen meines Zweckes liegen, teils in der Beschreibung des M...r Parks doch noch einige weitere Erledigung finden werden.

Ich schließe daher diesen Abschnitt, indem ich nur noch über Frucht- und Küchengärten kürzlich beibringe, daß auch diese, obgleich in der Hauptsache nur dem Nutzen gewidmet, doch durch gefällige Disposition der Beete, durch an freien Spalieren gezogene Obstbäume, durch mit Treillagengängen eingefaßte Mauern, (s. tab. I c.) durch bequeme Wege, die mit breiten Blumenrabatten eingefaßt sind, und durch möglichste Reinlichkeit und Ordnung, einen sehr angenehmen Aufenthalt abgeben können, wo man mit Vergnügen im Frühjahr die warmen Sonnenstrahlen aufsucht, oder im Herbst sich von Bäumen und Sträuchern, die frischen und ausgesuchtesten Früchte selbst abpflückt. In England, wo man alles so gern mundgerecht macht, pflanzt man deshalb die Erdbeeren auf Terrassen an den Wegen, um ohne mühsames Bücken zu ihnen gelangen zu können. Ebenso führt man erhöhte Wege an den Fruchtbäumen hin, damit Kirschen und Apfel in einer Waage mit dem Munde des Spaziergängers wachsen. Mehrere Mauern werden sehr zweckmäßig in der Mitte des Gemüsegartens errichtet, um nicht nur die Sonnen-, sondern auch die Schattenseite derselben benutzen zu können, und alle Arten Obstbäume sehr kunstmäßig in verschiednen Formen daran heraufgezogen. Jedoch fehlt den englischen Früchten im Freien zu sehr die warme Sonne, und die reifsten sind immer noch, wie zur Zeit des Duc de Lauragais, die gebratnen Äpfel. Dieser sagte bekanntlich, »qu'en Angleterre il n'y avait de poli que l'acier, et de fruits mûrs que les pommes cuites.«

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tab. I c: Randbepflanzung von Nadelholz.


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