Hermann Pies
Kaspar Hauser Augenzeugenberichte und Selbstzeugnisse
Hermann Pies

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IV. Das älteste größere Fragment der »Selbstbiographie«.Dieses älteste größere Fragment der »Selbstbiographie« wurde 1888 von A. v. d. Linde nach einer von ihm erworbenen, aus Daumers Besitz stammenden Handschrift Hausers veröffentlicht.
Der Bericht Daumers über diesen Hauserschen Aufsatz steht im vorigen Stück S. 213. V. d. Linde benutzt hier wieder einmal die Gelegenheit, in seiner gewohnten Manier den toten Daumer herabzusetzen und zu verdächtigen. Seine Polemik richtet sich sachlich (auf die unsachlichen persönlichen Unflätigkeiten v. d. Lindes kann hier natürlich nicht eingegangen werden) gegen den Daumerschen Ausdruck »Anfang«. Daumer bemerkt (s. S. 213), daß von Hausers Selbstbiographie verschiedene »Anfänge« vorhanden seien, »wie er denn überhaupt seine Aufsätze endlos umzuarbeiten pflegte«. (Eine auch von anderen berichtete Eigentümlichkeit Hausers.) – Aber ein so großes Stück kann man doch nicht einen »Anfang« nennen! Das ist wieder eine der Fälschungen Daumers! meint v. d. Linde. – Aber gewiß kann man das! denn der Schluß fehlt doch, wie v. d. Linde ja selbst bemerkt. – Ja, den hat Daumer als »zu häretisch« herausgenommen, denn es sind Blätter aus dem Heft herausgeschnitten! – Den Beweis für diese ehrenkränkende Beschimpfung Daumers bleibt v. d. Linde schuldig. Er hat natürlich auch nicht in den »Notizen« des Lehrers Meyer gelesen (S. 87 u. 92), daß Hauser die von Meyer so sehr verurteilte Angewohnheit hatte, aus seinen Heften Blätter herauszuschneiden. – Daumer schreibt weiter (s. S. 213): »Ein anderer Anfang ist folgender:« Da bringt er einige Zeilen des Fragments und schließt mit »usw.«. Dieses »usw.« beweist doch, daß D. gar nicht die Absicht hatte, hier etwas zu unterschlagen.

»Anfangs des November 1828.

Durchstrichen; in der Fortsetzung werden wir die Durchstriche und Korrekturen im Text in Klammern hervorheben. (v. d. L.)

Diese Geschichte von Kaspar Hauser will ich selber schreiben!

Wie ich in den Gefängniß gelebt habe, und beschreibe, wie es ausgesehnen hat, und alles was bey mir darin gewesen ist; Das Gefängniß war in der Größe sechs bis sieben Schu lang gewesen, und in der Breyte vier Schu, da waren zwey kleine Fenster, die sind acht bis neu zohl in der Höhe und auch breit gewesen, und oben auf der Decke war es wie in einen Keller. Da war aber nichts (»darin, war nichts«: durchstrichen) anders als das Stroh, wo ich gelegen bin, und gesessen, und die zwei Pferd, der Hund, und die Wohlen Decke, und in der Erde, neben mir war ein runtes Loch, wo ich meine Nothdurft hin ein gethan habe, und der Wasserkrug; und sonst war gar nichts darin, es ist auch kein Offen gewesen. Ich wiel (korrigiert in: »will«) es ihnen erzählen, was ich imer gethan habe, und was ich immer zu Essen bekom(m)enAb und zu hat das ›m‹ oder ›n‹ den Querstrich der Verdoppelung, was wir durch die Einschaltungen (m) oder (n) andeuten werden. (v.d.L.) habe; und wie ich mein la(n)ge Zeit gelebt hab: und zu gebracht; ich habe zwey spill Pferd, und ein Hund gehabt, und so Rothe bänder wo ich die Pferd damit Butz habe; und meine Kleider die Ich an gehabt habe dieses war ein Kurze hosen und ein schwarzer hosen träger, und ein Hemd, aber den Hosenträger und die Hosen habe ich auf den Bloßen Leib; gehabt und das Hemd, ausen her, und die Hosen war in Hintertheil zehrrissen, daß ich die Nothdurft verrichten habe können, ich habe ja die Hosen nicht aus ziehen kön(n)en, weil es mir niemand gelehrt hat; Ich will ein Gleichniß angeben von ein Tag wie ich es imer gemacht und gethan habe, wie ich mein Tag gehalten habe.

Wen ich auf wachte; da war das Wasser und Brod neben mir,. Da ist mein erstes gewesen; daß ich das Wasser getruncken habe, dann ein wenig Brod gessen; bis ich satt war, dann habe den Pferden, und den Hund, ein Brod und Wasser geben: dan habe ich es ganz aus getruncken. Jetz fange ich zu spillen an, da habe ich die Bänder runder gethan: da habe ich sehr lange gebraucht, bis ich ein Pferd gebutz habe, wen eins Butz gewesen ist, da habe ich wieder ein wenig Brod gessen; und da habe ich noch ein wenig Wasser gehabt, dieses habe ich aus truncken, dan habe ich daß zweyte Butz, da hat es auch ein so lange Zeit Dauert; als wie mit den ersten, dan hat mich wieder gehungert; dann habe ich ein wenig Brod gessen, und ein Wasser hätte ich auch gerne truncken: aber da habe ich schon keines mehr gehabt, daß ich meinen Durst bestählen (korrigiert in bestiehlen) hätte könen. Da habe ich den Krug gewiß zehn mal in die Hände genohmen, und habe Trincken wollen, da war niemals kein Wasser darin gefunden, weil ich gemeint daß Wasser komt selbst. Da habe ich noch eine Zeit lang, den Hund Butz, wen mir der Durst gar zu arg gewesen ist, da habe ich iemer ain geschlaffen, weil ich vor durst nicht mehr spiellen kon(n)te, da her kan ich es mir vorstehlen, daß ich sehr lange, geschlaffen haben muß, wen ich auf wachte, ist im(m)er daß Wasser da gewesen, und das Brod. Aber das Brod habe ich auch immer alles gessen von schlaffen auf daß andere, Brod habe ich imer gnug gehabt aber daß Wasser nicht, weil der Krug nicht groß war, da ist nicht genug Wasser hinein gangen, vielleicht hat mir der Mann nicht mehr, Wasser geben kön(n)en; weil ich kein größern Krug erhalten kon(n)te, und wie lange ich gespielt habe dieses kan ich nicht beschreiben weil ich nicht wußte was eine Stunde, oder ein Tag ist, oder ein Woche; Ich bin imer vergnügt gewesen, und zu frieden, weil mir niemals was weh gethan habe; und so habe ich es die ganze; Lebenszeit gemacht, bis der Man gekomen ist, und hat mir das nach mahlen gelehrt, ich wußte aber nicht was ich geschrieben habe. Als jetz kam der Man, zum ersten mal zu mir; ich hörte aber ihm nicht komen, auf einmal hat er mir ein kleinen Stuhl vorgesetzt, und da hat er ein Pappier, und ein Bleiweiß mit gebracht; und hat er auf den Stuhl, hingelegt, da schaue ich ein wenig immer das Pappir an, auf einmal nimt mich der Mann, bey der Hand, und giebt mir den Bleiweiß in die Hand, und hat gesagt, ich soll dieses recht gut merken, dann bekom(m)e ich recht schöneDas ›n‹ hat einen feinen, falsch angebrachten Querstrich, wie nach fünf Jahren der Artikel den in dem Merkzettel zu Ansbach. (v. d. L.) Roß, und hat auf mein Roß hinzeigt, solche bekomst du, wen ich das recht mercke und schön mache, daß schreiben hat er gemeint. Da hat er es mir gewiessen, und hat meine Hand, geführt, und der Mann war hinter mir, und dann habe ich es allein gemacht ich machte rechte lang allein mit dem schreiben, so fort, und habe alles gemerckt, was er gesagt hat, und von dieser zeit an, wußte, ich, wie die, Pferd heißen, da habe ich imer gesagt wen ich spilte Roß, net, vo, lauf, du da beim,dableiben. (v. d. L.) und der Mann, war wieder fort, ich wußte, nichts, wo er hin komen ist, aber den Stuhl, und das Pappir, hat er da gelassen, da habe ich den zum ersten mal gemerkt, gesehen habe ich ihn nicht, weil er hinter mir gewesen ist, und wie dieser Mann, den Stuhl hin gestehlt hat, so habe ich ihn stehen lassen so gescheit bin ich nicht gewesen, daß ich den Stuhl weg gethan hätte, wenn ich mich neider gelagt habe, und wie ich wieder aufwachte da habe ich wieder daß Wasser getruncken, und daß Brot gessen, dan habe, ich zum ersten schreiben angefängt, und dan wie ich daß schreiben aufgehört habe, da habe ich die Roß genohmen, und habe es wieder, so butzt, wie, imer aber wen ich mit der Händ ein wenig, hingestossen bin da habe ich imer gesagt, Ros, net, vo, lauf, du da beim; aber zu vor habe ich nur imer gesagt, net, vo, lauf, du da beim, weil ich es nicht wußte was es sind. Da habe ich gewis, noch zwey oder drey mal, geschlaffen, ich beschreibe es, nach meinen, zwey, oder drey, Tage, sinds gewesen, bis dieser Mann gekomen ist, wie er das zweyte mal gekomen ist, da war es grad wieder so, ich habe ihm auch nicht komen gehört, wie das erstemal; und wie er das zweyte mal kam, da hat er ein kleines, Büchlein mit gebracht; dieses hat er mir auf den Stuhl hin gelegt, wie das Pappir, und den Bleiweis, dann hat er mir die Hand genohmen, und die überigen in die Hand genohmen und mit einen Finger auf das Büchlein hingethan, und hat mir dieses vorgesagt, drey oder virmal dan habe ich es gekant, da hat er gesagt, ich soll es recht merken, da hat, er ein Roß genohmen und hat so gerohlt, und dieses hat mir gefallen, und habe alles gut mercken kön(n)en, und da habe, ich imer fort, gelernt, und der Mann, ist auch hinter mir gewesen, und wen ich es ein Wort nicht mehr gut gekannt habe, da hat er es mir wieder gesagt; dan wird ich es noch villeicht nur zweymal gesagt haben, da war der Mann, fort gewesen, da habe ich mein Pferd in die Hand genohmen, und habe es auch so gemacht, weil der Mann, gesagt habe (korrigiert in hatte) wen ich recht mercke, so dürfe ich auch so machen, und wie ich diese Worte, gut gekannt habe, dann habe ich mit den Roß grad so gemacht wie er es mir gezeigt hat, und bin so strack gerohlt das es mir selber weh gethann habe (wie oben), dann ist dieser man komen und hat mich mit den Stock, geschlagen, und hat mir so weh gethann, daß ich still weinte, stiehl (durchstrichen) daß mir die Thränen, herunter gefallen sind; und hat mir am rechten Elenbogen weh gethan, und ich wußte nicht wo auf einmal der Schlag herkomt; weil ich den Mann niemals gehört habe, wan er kam; wie er mir den Schlag gegäben hat, da habe ich mich recht stiell gehalten, weil es mir sehr weh gethan habe (wie oben), und habe ich meine Roß Butzt, so habe ich die Bänder so leiß hin gelegt: das es selber nicht weiß, wie stiell als ich es gethan habe; und da wen ich mein Nothdurft verrichtet habe, da habe ich den Deckl; recht leis weg gethan, und von meinen Stroh, auf den ich gelegen, und gesessen bin, da habe ich niemals weg gehen können, weil ich zum ersten nicht gehen kante und zum zweyten habe ich nicht weg gekonnt; da ist es gewesen, als, wen ich hin gehalten were und habe schon, niemals gedacht, daß ich weg wollte, oder daß ich ein gespert wehre. und wie er mich geschlagen habe (wie oben) da ist es gewiß (durchstrichen) eine solche Zeit angestanden, daß ich gewiß noch zwanzig mal wach geworden, und mit die Roß spilt habe, bis er kam und hat mich, fort getragen aus meinen Gefängniß. Da kam er noch ein mal und hat wieder, ein Pappir gebracht, und hat gesagt, ich soll es wieder so machen, schreiben habe er gemeint, jetz, habe ich meinen Namen, noch mal schreiben müssen, und ich habe es nicht vergessen, gehabt, wie er mir anfangs gelehrt hat, und dieses habe, ich auch noch mal sagen müßen, und alles habe ich gekannt, was er mir gelehrt hat. Dann war er wieder fort; wie er fort war, habe ich wieder mit meinen, Pferd gespilt; und das Wasser, und Brod, ist noch imer so gewesen, wie der Mann, zum ersten gekomen ist, ist daß Wasser, und Brod imer so komen, wen ich aufwachte war daß Brod, und Wasser da, wie vor her, Ehe der Mann, zu mir kam.

Am denselben Tage, wie er mich noch meinen Namen schreiben hat lassen. Da hat er mich fort tragen. Jetz kam dieser Mann, und hat mich auf gehoben, von Schlaffe, und hat mir mein Kurze hosen aus gezogen, und ein andere, Kurze hosen angezogen, und ein großen Hut und Stiefel, und Janker, und wie er mich angezogen, hat, dan habe (wie oben) er mich, an die Wand hin gestellt, und hat mir, die zwey Hände genohmen (das h ausradiert) und hats an den Hals gethan; wie er mich aus den, Gefängniß, raus getragen, hat, da habe (wie oben) er sich, bickgen müßen und hat, mich über ein kleinen, Berg, hinauf getragen, da habe ich schon zum, weinen angefangt, da hat der Mann gesagt, ich soll aufheren (aufhören), sonst bekome ich keine Roß wie aber, ich über den Kleinen Berg, hinauf gekomen bin, da hat, mich so gefrohren, weil ich die Luft niemals, gehabt habe, und ein so schröcklicher Geruch, ist mich angefallen, daß es mir weh gethan habe (korrigiert in hat), und dan sind mir auf den zweyten, Berg gekomen, und da habe ich ein geschlaffen, dieses kan ich aber nicht; sagen, obe der Berg lange (ge)dauert hat oder kurz und wie weit er mich getragen hat, dieses kann ich auch nicht sagen, und wie ich wach geworden bin, da war ich auf der Erden gelegen, und auf den Angesicht, war ich gelegen, und da hat es schröcklich gerochen und hat mir alles so weh gethan, wie ich erwachte habe ich den Kopf um gewend, da wird es der Mann gesehen haben, da ist er gekomen, und hat mich, aufgehoben, und hat mir das gehen (Gehen) gelernt, hat, mir ein Fuß um den andern so fortgestoßen mit seinen Fuß, weil er in anfang (Anfang), mich an alle zwey arme (Arme) geführt hat, weil ich gar, keinen Schritt gehen kon(n)te, und da hat der Man gesagt, ich soll imer auf den Boden sehen und soll recht aufmercken, daß ich allein gehen kan, das erste, war immer gewesen (daß ich ge)weint habe, Kaspar nicht weinen sonst bekomst keinen Roß, ich habe oft geweint, weil mir das gehen (Gehen) so hart ankomen ist, und alles hat mir weh gethan, aber wenn er gesagt habe (wie oben), daß ich kein Roß bekome da habe ich imer gleich auf gehört zum weinen, da war ich kaum 8 Schritt weit gegangen, da hat mich der Mann hin gelegt, auf den Boden, und auch wieder mit den gesicht (Gesicht) auf die Erde hin, da habe ich ein wenig aus geruth (geruht) ich habe aber auh nicht lange liegen bleiben könen weil es mir zu strack gerochen hat, und da habe ich den Kopf, auf gehoben, da hat er mich wieder ab (durchstrichen) aufgehoben, und hat mich wieder fortgeschlept, das zweyte mal wie ich um etliche Schritte weiter (ge)gangen sei (bin), als das erste mal, und da haben mir mein Füße, so weh gethan, daß ich es gar nicht sagen, (kann), da hat er mir ein Wasser und ein Brod geben, da habe ich mich hin gesetzt auf den Boden, und er ist hinter mir gewesen, und wie ich daß Brod und Wasser verzährt habe, da hat er mich wieder fort (geschleppt) und da hat er mich zum ersten mal unter einen Arm geführt, und habe es nicht sagen könen daß mir alles so weh thut, da sind wir um etliche Schritt weitter (ge)gangen als das zweyte mal, da ist es dunckel worden, und bin recht mid (müd) gewesen, und haben mir die Füße recht weh gethan, da habe, ich mich auf den Boden, hingelegt, und habe geschlaffen, und wie lange ich geschlaffen, habe, dieses kan ich nicht sagen, wie ich wach geworden bin da ist es schon häll gewesen, da war ich schon wieder ausgeruht gewesen, aber, die Schmerzen, sind gar niemals vergangen, diese waren imer gleich gewesen, (da bin ich Gewis um durchstrichen) da bin ich gewis Acht Schritte weitergegangen, da habe ich vielleicht meinen meisten weg (Weg) gethan; wie die erste Nacht vorüber war, aber ich kan es nicht gewis sagen ob es würklich, Nacht wahr, es kan(n) leicht gewesen sein, daß mir die Augen, vergangen sind; vor Schmerzen, weil sie zu groß waren, dann hat er mir wieder ein Brod geben, und ein Wasser, dan hat mir dieser Mann das betten, gelehrt, die (das) wird er mir dreymal vorgesagt haben, (und es, er? mir vor gesagt habe, hat er gesagt durchstrichen) ich soll dieses recht merken, daß du schöne Roß bekommst, im dem großen dorf da ist dein Vater; der hat recht schöne Roß, und ein solcher Reiter kanst du auch werden; wie dein Vater gewesen ist; jetz würde es zum zweyten mal nacht (Nacht), und ist mir auch der große Schmerzen komen als wie die vorige Nacht, da habe ich mich auf die Erde hin gelegt, und habe ein geschlaffen, und dieses kan ich aber nicht sagen, wie lange ich imer geschlaffe habe; wan ich aber aufwachte, wahr es imer Hell, dann wie ich wach wurde hat mich die (der) Mann wieder fort, da bin ich ein stück (Stück) weit(er ge)gangen, da habe (ich) zum weinen angefangt, und sagt, Roß, Roß, weil mir, die Fuß sehr weh gethan haben, da sagte der Mann ich sollte daß weinen auf hören, sonst bekome ich keine Roß mehr, dann habe ich wieder aufgehört zum weinen; wen mir gleich die Füße recht weh gethan haben, dann würde ich mir (nur) zehn, mal ausgeruht haben, und dieser Mann hat sich im(m)er hinter mir hin, gesetzt, da habe ich wieder ein Brod, und Wasser, bekom(m)en, wie ich aber dieses Brod gessen habe, und daß Wasser truncken, da hat er mich wieder fort, dann wirde ich vielleicht nur acht, oder Neun, mal, ausgeruht, haben, da habe ich wieder zum weinen angefangt, und sagte Roß, Roß, Roß, mit diesen wollte, ich sagen, er soll mich nach Haus führen zu meine Pferd, wo ich ein, gespirt war; dieses konnte ich aber nicht sagen, da hat der Mann gesagt, höre ab (auf) zu weinen jetzt bekomst bald eine Roß, dann würde ich nur zweymal aus geruht, dann hat, er mir wieder die Kurze hosen aus gezogen und habe (wie oben) mir, ein lange Hosen angezogen, und ein andern Hut auf gesetzt, und wie er mir die Kleider angezogen habe (wie oben), ist er auch imer, hinter mir gewesen, wie ich aber diese Kleider an gehabt, habe, da wird ich vielleicht, zwanzig, oder dreysigmal aus geruht haben bis mir in daß (durchstrichen) daß Große (große) dorf gekomen, sind. wie wir aber in der Stadt gewesen sind, da hat er mir ein Brief in die Hand geben, und hat gesagt, ich soll stehen bleiben bis ein solchr, komt wie du bist, dan sagt du er soll dich da hin führen wo dieser Brief hingehört. Da war ich lange dagestanden, bis ein Bub gekomen ist, da haben aber mir meine Füße so weh gethan, und der Arm in dem ich den Brief gehalten habe, entlich (endlich) ist doch einer komen, der mich in das Haus hingeführt hat, und wie ich hin komen bin, da war ich so müd gewesen, und haben mir die Füße so weh gethan, das ich es nicht sagen kann, da habe ich zum weinen angefangt, dan haben sie mir auf einen Theller etwas gebracht, ich habe es gar nicht gekant, was es sein soll, weil ich niemals ein Teller, oder Schüßln gesehen habe, und dan in ein kleinen Glaß, haben sie auch was gebracht, dieses habe ich auch nicht gekant was es sein soll, und hat mir der gerucht schon weh gethan, dan haben sie mir ein Brod, geben und ein Wasser, dieses habe, ich gleich erkannt, dieses habe ich gleich gessen, und das Wasser, wie ich bekomen habe, dieses war mein bestes gewesen, dann haben Sie mich in einen Pferdstahl gelegt, und wie ich dannu gekomen bin da hat es auch so gerochen und habe so ville Kopfschmerzen bekomen, und ich habe es gar nicht gewuß was denn dies alles ist, dann habe sie mich von diesen Haus wieder fort, und in ein anderes geführt, und von diesen Hauß wo sie mich wieder fort, haben, da haben erst mir meine Füß, so weh gethan, daß ich gar nicht wußte, wie ich gehen sollte, und wie ich in das zweyte Hauß komen bin da waren sehr ville Buben, und die haben mich so geplagt und, dan haben sie mit mir imer gesch (durchstrichen) gesprochen und ich habe es nicht verstanden, was sie alles gesagt, haben, dann haben sie mich wieder in ein anderes Hauß geführt, ich habe so kaum mehr gehen können, weil ich so schmerzen gehabt habe, im dritten Hauß habe ich erst schlaffen können, aber da bin ich sehr froh gewesen, wie ich mich setzen, habe können, und ein geschlaffen habe ich gleich, mit den großen Schmerzen die ich gehabt habe.

Den ersten Tag wie ich aufwachte da bin ich auf gesessen, und da war es soll hell gewesen, ich wüßte nicht, wo ich bin, und habe sehr ville Schmerzen gehabt, und haben mir die Augen sehr weh gethan, und ich habe imer nach meine Roß umgesehen und ich habe keine gesehen, da habe ich zum weinen angefangt, da war noch einer beim darin gewesen, der ist zu mir herga(n)gen und hat zu mir was gesagt, aber ich verst (durchstrichen) habe ihm nicht verstanden was er sagte, aber ich sagte zu ihm Roß, Roß, ham, da ist dieser wieder zu seinem Bette hingegangen und hat, sich wieder hin gelegt, und ich habe wieder geweint, da ist er noch eine zeitlang, auf seinen Bette dort gelegen, dann ist er auf gestanden, und nahm das Wasser und ich meinte er wollte Trincken aber truncken hat er nicht er hat es in den Mund genohmen und hat sich gewaschen, und wie ich dieses gesechen habe, ich wußte nicht was dieses ist, und da ist er wieder zu mir hergangen und und hat wieder zu mir vielles gesprochen aber ich habe nichts verstanden, was er sagte, da war wieder einer gekomen und der hat mir ein Brod gebracht, und ein Wasser, und dieser hat so Starck gesprochen, daß er mir recht weh gethan, da waren mir sehr vielle trenen (durchstrichen) Trehnen aus den Augen gefloßen, da habe ich dieses alles sagen könen, was mir dieser Mann gesagt habe, da ich ein Reider (Reiter) werden soll, wie mein Vater ist, und schöne, Roß, bekome, und daß habe ich, ich zu den Man gesagt, den Hieldel kan ich auch nicht anders nennen als den Man, weil ich noch nicht wußte wie ich sagen soll, zum Gefängniß werter weil ich nicht sprechen kan, aber wie er daß Wasser und Brod gebracht habe da hat er recht laut gesprochen und sehr lange, dan ist er wieder fortgegangen, da habe ich zu(m) Hieldel gesagt, ham weißen, dan hat er gesagt ich soll sagen wo ich her gekomen bin, ich habe dieses nicht verstanden wie er mich um dieses gefragt hat Da ist er wieder fort gegangen, dan habe ich zum weinen angefangt, daß mir die trehnen herunter gefallen sind, dan ist dieser Man der bei mir eingespirt war, ist wieder hergegangen und hat gesagt ich soll zum weinen auf hören, und hat noch mehr zu mir gesagt, das andere habe ich nicht verstanden was er zu mir gesagt hate, aber dieses habe ich verstanden, wie er sagte ich soll zum weinen auf hören, dann habe ich auf gehört, und sagte zu ihm Roß Reiter wie Vater is da hat er wieder was gesagt, aber ich ver (durchstrichen) habe aber ihm nicht verstanden was er gesagt hat, und wie er dieses gesagt hat dan ist er wieder zum seinen Bette hin gegangen, und da war ich sitzen bliben bis der Gefängnißwärter kam, und wie er gekomen ist, da hat er daß essen gebracht, in einer Schüßl mir, und der Andern und wie er hingestehl hat, da ist mich ein so geruch angefallen daß ich es gar nicht erzählen kan, und habe recht vielle Schmerzen bekomen, und wie ers mir hin gestehlt hat, wußte ich es was dieses sein soll ich habe niemals eine schüßel und ein Lefel gesehen, und dieser Mann der bey mir war hat auch in einer Schüßel was bekomen, der hat alles gessen, und wie er daß seinige gessen gehabt hat, da hat er mein Schüßel in die Hand genohmen und den Lefel und hat es mir hin gehalten und sagte er ich soll essen und dieses habe ich auch nicht verstanden wie er dieses gesagt hat, dan habe ich gesagt j was nit, dann hat er es gessen, aber das Brod habe ich schon gessen, dieses der Hieldel mit gebracht hat und wie er mir das Essen hin gestelt hat dan hat er imer gesagt, ich soll sagen wo ich her bin, und weil ich dieses nicht verstanden habe dann sagte ich imer j, was, nit, Roß Reiter wie mei Vater ist, dann hat der Hieldel gesagt, wenn ich nicht sage wo ich her bin, dan kan ich kein Reiter werden, aber ich verstande van diesen alles nichts dan sagte ich imer j, was, nit, dan ist er wieder fort gegangen Dan habe ich wieder sehr lange geweint, dan ist dieser Mann wieder her gegangen und sagt ich zum weinen auf hören, und habe es gethan und er hat noch mehr gesagt aber ich habe ihm nicht verstanden was er alles gesagt hat, dan ist es abend geworden da hat der Hieldel wieder daß Brod, und Wasser, gebracht, da habe ich zu weinen angefangt und sagte ham weiße Roß, dan hat imer der Hieldel mich recht rasch an gesprochen und dieses hat mir im(m)er sehr weh gethan, in den Kopf dan habe ich daß Brod gessen und daß Wasser truncken, dann ist es Nacht geworden, da habe ich wieder geschlaffen, jetz würd es zum zweigten mal nacht (durchstrichen) Tag, da bin ich wieder auf gesessen und habe zum weinen wieder angefangt, und habe wieder geweint bis der Hieldel gekomen ist, und hat das Brod gebracht, dan sagte ich wieder ham Roß und Reiter möcht wän wie Vater ist, dan hat der Hieldel gesagt was er imer gesagt hat, und imer so rasch daß es mir weh gethan, und weil ich den Hieldel niemals verstanden habe da was er gesagt hat ich habe immer gesagt j, was, nit, und weinte wieder fort dan ist er wieder fort, dan ist dieser wieder her gangen der bey mir ein gespirt war und sagt ich soll zum weinen aufhören dan habe ich wieder auf gehört, und hat auch noch mehr gesagt, aber ich habe ihm nicht verstand was er gesagt hat, gegen 9 Uhr ist er vort komen dan bin ich allein gewessen, und wie dieser fort war da habe ich wieder geweint bis der Hieldel zu mittag kam, und hat daß Essen und ein Brod –

Hier ist das Blatt weggeschnitten, der Schluß dieser Urrezension ist wohl gar zu häretisch gewesen.Der Schlußsatz von v. d. Linde. Vgl. die Anmerkung 82.


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