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Vorwort zur ersten Auflage

Das vorliegende Buch ist entstanden aus den Vorbereitungen zu einer Reihe von Vorträgen, die ich im Sommer 1914 für die Hamburgischen Ferienkurse angemeldet hatte, deren Abhaltung aber durch den Ausbruch des Krieges verhindert wurde. Ein längerer Aufenthalt in der Heimat, den ich im Frühjahr und Sommer 1916 in Hamburg als Soldat verbringen durfte, hat mir in seiner knapp bemessenen freien Zeit dazu gedient, die Niederschrift zu bewerkstelligen.

Von vornherein habe ich dem Buche einen möglichst großen Leserkreis gewünscht. Es wendet sich an möglichst breite Schichten vor allem des niederdeutschen Volkstums. Ich mußte deshalb danach streben, innerhalb des verfügbaren Raumes dem Ganzen eine handliche, abgerundete und leicht lesbare Form zu geben. Zu der Erörterung schwerer wissenschaftlicher Einzelfragen war hier kein Platz, auch mußte von einer Belastung des Buches mit gelehrten Anmerkungen und Quellennachweisen abgesehen werden.

Ich habe mich daher in der Regel bemüht, nur das zu geben, was wissenschaftlich feststeht. Um dabei aber zugleich auch für die wissenschaftliche Forschung das eine und andere beizutragen, habe ich die einzelnen Belege im allgemeinen nicht den bekannten landschaftlichen Volkskunde-Monographien der einzelnen Gebiete Niederdeutschlands entnommen, sondern ich habe nach Möglichkeit aus neuen oder weniger bekannten Quellen zu schöpfen gesucht. Thomas Kantzow, Ernst Moritz Arndt und der in seiner Bedeutung für die niederdeutsche Volkskunde meist zu wenig gewürdigte Johann Heinrich Voß sind von mir wiederholt benützt. Für das südhannoversche Gebot habe ich Georg Schambachs Wörterbuch der niederdeutschen Mundart der Fürstentümer Göttingen und Grubenhagen, meist ohne ihn ausdrücklich zu nennen, reichlich ausgenützt. Den Angaben volkskundlicher Einzelheiten aus dem Gebiete der Niederelbe liegen meine eigenen umfangreichen Sammlungen zugrunde, die ich, so Gott will, nach dem Kriege in einer Hamburgischen Volkskunde zusammenfassen werde. Schließlich muß ich mit Dank hervorheben, daß mir für den trachtenkundlichen Abschnitt das ausgezeichnete Buch von Karl Spieß über die deutschen Volkstrachten vortreffliche Dienste erwiesen hat.

Daß dieses Büchlein nichts Erschöpfendes sein kann, daß es nur als Grundriß der niederdeutschen Volkskunde angesehen sein will, versteht sich von selbst. In Stoff und Arbeitsart der volkskundlichen Forschung einzuführen und ihr neue Freunde zu gewinnen, das ist sein Ziel. Möchte ihm die Erreichung dieses Zieles in möglichst weitem Maße beschieden sein!

Hamburg, den 4. August 1916.
Otto Lauffer.

Vorwort zur zweiten Auflage

In der zweiten Auflage habe ich den Wortlaut der ersten nur in wenigen Einzelheiten berichtigt oder ergänzt. Freundliche Hinweise von Freunden und Fachgenossen, die ich dankbarst entgegennahm, sind dabei berücksichtigt. Zu umfänglichen Erweiterungen habe ich mich nicht entschließen können. Sie wären dem Inhalt zugute gekommen. Aber sie hätten die Form gesprengt, und eben diese wollte ich erhalten.

In gleicher Weise möchte ich hier reden zu deutschem Geist wie zu deutschem Gemüt. Und mit dieser Hoffnung wünsche ich dem Buche Glück und Gedeihen auch zu seiner neuen Ausfahrt im Dienste von Volk, Heimat und Vaterland.

Hamburg, am Lichtmeßtage: 2. Febr. 1923.
Otto Lauffer.


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