Langsdorff
Eine Reise um die Welt
Langsdorff

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Vorwort

Manchen, denen es gewagt zu sein scheint, meine auf einer der interessantesten Reisen um die Welt gesammelten Beobachtungen dem Publikum zu einer Zeit zu übergeben, wo es schon die von dem verdienstvollen Chef dieser Expedition gelieferte Beschreibung zum Teil in den Händen hat, bemerke ich nur: der Hauptgrund meiner Unternehmung bestand darin, daß ich mein Augenmerk als Arzt und Naturforscher auf andere Gegenstände zu richten verpflichtet war als dieser gelehrte und wissenschaftliche Nautiker, und daß ich dessen Expedition im Jahre 1805 in Kamtschatka verließ, und folglich der Ausgang meiner Reise eine ganz verschiedene Wendung nahm, indem ich in der Folge die Aleutischen Inseln und die Nordwestküste von Amerika besuchte und endlich zu Lande durch Sibirien nach Rußland zurückkehrte.

Jeder Beobachter hat seinen eigenen Gesichtspunkt, von dem aus er die neuen Gegenstände ansieht und beurteilt, seine eigene Sphäre, in die er dasjenige zu ziehen sucht, was mit seiner Neugierde, seinem Wissen und seinem Interesse überhaupt in näherem Bezug steht. Daher wird man auch in meinem Werke vielleicht manches berührt sehen, was man in dem von Krusenstern herausgegebenen vermißt, manches aber gar nicht oder anders dargestellt finden als in jenem allgemein als vortrefflich anerkannten Werke.

Meine Absicht konnte es nicht sein, eine nautische Beschreibung dieser Reise zu liefern oder mich mit dem politischen oder merkantilischen Zweck der Expedition, mit dem Plan der Reise, der Anordnung und Ausrüstung der Schiffe zu beschäftigen. Alles dies würde nach dem erschienenen Werke unseres würdigen Chefs überflüssig sein und am unrechten Platze stehen. Ich habe mich bemüht, die mir allgemein interessant scheinenden Gegenstände, die Sitten und Gebräuche verschiedener Völker, ihre Lebensart, die Produkte der Länder im allgemeinen und den historischen Verlauf unserer Reise aufzuzeichnen und in einem populären Vortrag nur solche Begebenheiten mitzuteilen, von denen ich voraussetzen konnte, daß sie der Leserwelt aller Stände neu, unterrichtend und willkommen sein möchten. Inwiefern ich meine Absicht erreicht habe, das muß ich der Beurteilung anderer überlassen.

St. Petersburg, den 12. Juni 1811.
G. H. v. Langsdorff.


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