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Hundert Altdeutsche Schwänke


Die Wahrheit findet keine Herberge

Es war ein Abenteurer, der saß an einem Abend spät vor eines Bauern Haus auf einem Block. Da der Bauer vom Felde heimkam, sah er den Gesellen und sprach zu ihm:»Guter Geselle, was sitzest du da? Warum gehst du nicht in ein Haus, damit du nicht da unter dem Himmel die Nacht sitzen musst?« Der Fremde sprach:»Lieber Bauer, ich habe eine Gewohnheit an mir. Ich bin das ganze Dorf durchgegangen und mag mich niemand beherbergen. Ich will lieber die Nacht hier bleiben, morgen wird es vielleicht besser.« Der Bauer sprach:»Guter Geselle, was ist das für eine Gewohnheit?« Der Fremde antwortete:»Ich sage jedermann die Wahrheit, darum will mich niemand beherbergen.« Der Bauer sprach:»Das ist eine gute Gewohnheit! Komm zu mir herein, du bist mir ein werter Gast, du sollst es bei mir so gut haben wie ich!« Der Geselle ging mit dem Bauern in das Haus, und der Hauswirt sprach:»Greta, Hausfrau, backe Küchlein und Schnitten, ich habe einen Gast mitgebracht!« Als sie nun aßen und bei dem Feuer saßen, wie man in den Dörfern tut, da nahm der Geselle alles wahr, wie man Haus hielt. Und war niemand in dem Hause als der Bauer, der hatte ein Blätzlein vor dem Auge hangen, und seine Hausfrau Greta hatte nur ein Auge und eine Katze, der troff ein Auge. Als man im besten Essen war, da sprach der Bauer:»Guter Geselle, du sprichst, du sagest allweg die Wahrheit, sage mir auch eine Wahrheit!« Der Geselle sprach:»Ach, lieber Hauswirt, du wirst zornig und böse über mich werden!« Der Bauer antwortete:»Nein!« Also hub der Geselle an und sprach: Du und dein Weib und deine Katze haben alle zusammen nicht mehr denn drei Augen!« Als der Bauer solches hörte, und es war die Wahrheit, erwischte er die Ofengabel und jagte den Abenteurer zum Haus hinaus. Also findet die Wahrheit oft keine Herberge.

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Von einem groben Schneiderknecht

Der arbeitete auf eine Zeit zu Reutlingen und ward von seinem Meister zur österlichen Zeit in die Kirche geschickt. Wie er zurückkam, fragte ihn sein Meister, ob er auch das Abendmahl empfangen hätte. Sprach er:»Ich meine, ich habe es empfangen und dazu nicht unbillig, denn ich habe es teuer genug gekauft.« Der Meister erschrak, befürchtete, dass etwa der Knecht sich unzüchtiger Gebärden vermessen und darum gestraft worden wäre, fragte ihn also aus, wie es zugegangen wäre. Antwortete der Knecht:»Ich bin zum Altar getreten und habe für ein kleines Bisslein einen guten Pfennig geopfert.« Der Meister schalt seine Vermessenheit, von solch hohen und köstlichen Dingen, die durch die ganze Welt nicht aufgewogen werden könnten, also schimpflich zu reden.»Ach, lieber Meister!« sprach der Knecht und lachte,»das lasset Euch gesagt sein, wäre es so teuer, wie Ihr sprechet, es würde weder Euch noch mir gegeben werden!«

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Gott tut für einen armen Landsknecht den Schuss ins Schwarze

Anno 1550, als Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig die feste Stadt Braunschweig belagerte, da lagen in der Stadt siebzehnhundert Landsknechte. Der ehrbare Rat der Stadt veranstaltete einmal der Übung wegen ein Preisschießen und ward um ein Hosentuch von der Farbe des Feldzeichens, nämlich weiß und schwarz, und um Barchent zu einem Wams geschossen. Die Schützen nahmen sich alle mit Fleiß zusammen, und ein jeder hoffte, den Preis zu gewinnen, und schossen auch alle ziemlich zum Schwarzen. Einer war auch unter ihnen, aus dem Meißner Land gebürtig, der hatte arg zerlumpte leinene Pluderhosen an und einen gar kurzen Haken (Büchse) bei sich, derhalben er von den anderen Schützen viel Spott ertragen musste. Als nun die Reihe an ihn kam, legte er den Haken ungefähr an, drückte los und traf mitten ins Schwarze. Da er also das Beste getan, ward ihm der ausgesetzte Gewinst gebracht und verehrt.»Ei«, sprach er,»was ist das, habe ich getroffen? Was geschehen, ist mir zufällig widerfahren. Ich habe ja nicht recht nach der Scheibe gezielt.«»Nun, lieber Mann«, sagte der Bürgermeister, der dabei stund,»unser lieber Herrgott hat wohl gesehen, dass du das Zeug recht notdürftig gebraucht hast, und hat für dich den Schuss getan. darum danke ihm und nimm, was er dir beschert hat!«

Das Treffen ist nicht allweg Kunst;
Zumeist es liegt an Gottes Gunst.

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Von einem Weihnachtskind und dem heiligen Josef, wie er ihm ein Müslein kochte in der Kirche und sie miteinander handgemein wurden

Im Bistum Köln geschah es einmal in der hochheiligen Christnacht, dass sie das Weihnachtskindlein in der Kirche wiegten. Und sie nahmen einen großen Chorschüler, der sollte das Kindlein sein, und legten das Jesukindlein in eine Wiege, und Maria wiegte es. Und das Kindlein fing an, gar heftig zu schreien. Als es aber nicht schweigen wollte, lief der heilige Josef geschwind hin und wollte dem Kindlein ein Müslein kochen und ihm zu essen geben, damit es schweige. Je stärker er aber kochte, umso mehr schrie das Kind. Als es nun gar nicht schweigen wollte, nahm der gute Josef einen Löffel voll heißen Muses, lief damit zu der Wiege und steckte dem Kind den Löffel mit dem heißen Mus in den Hals und verbrannte dem Kind das Maul also übel, dass ihm das Schreien und Weinen verging. Das Kind fuhr geschwind in der Wiege auf, fiel dem heiligen Josef ins Haar, und sie schlugen einander. Aber das Kind war dem guten Josef zu stark und ging dermaßen mit ihm um, dass die Leute, die in der Kirche waren, dem heiligen Josef zu Hilfe kommen mussten, sonst wäre über ihn das Weihnachtskindlein Herr geworden.

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Fünf Vaterunser wiegen über einen Zentner

In einem Dorfe in der Nähe von Dinkelsbühl saß ein armer Mann, der ein Weib und viele kleine Kinder hatte und weiter nichts, als was er täglich mit seiner sauren Arbeit gewann. Einst sagte das Weib zu ihm:»Lieber Mann, es gehen alle unsere Nachbarn auf den Markt, verkaufen und kaufen, und wir allein verkaufen nichts. Darum will ich dir fünf Vaterunser in den Fleischsack beten, mit denen ziehe zu Markt und verkaufe sie; kann kaufe uns Fleisch, dass wir doch auch einmal eine Fleischsuppe essen.« Der gute Mann zog also mit dem Fleischsacke und den fünf Vaterunsern darin gen Dinkelsbühl auf den Markt und setzte sich zu den andern Bauern, die Korn, Salz, Schmalz, Käse, Eier und anderlei feil hielten. Wenn er nun gefragt ward, was er feil hätte, sprach er:»Ich habe fünf Vaterunser in einem Fleischsacke feil.« Da nun jedermann verkauft hatte, saß unser guter armer Mann noch mit seinen fünf Vaterunsern da und konnte sie nicht an den Mann bringen, und so lange saß er, bis es den Metzgern hinterbracht ward. Die Metzger, die ziemlich gute Spottvögel sind, kamen auf den Markt und fragten ihn, was er denn in dem Sacke feil hätte. Da erzählte er es ihnen. Ein Metzger hub an und sprach:»Wohlan, komm her, ich will dir so viel Fleisch in deinen Sack geben, als die fünf Vaterunser schwer sind!« Des war der Mann zufrieden und ging mit in die Metzgerei. Der Metzger legte den Sack mit den fünf Vaterunsern auf die eine Schüssel der Waage und fing an, Fleisch auf die andere Schüssel zu legen, erstlich zwei Pfund, darnach vier Pfund und so weiter bis auf einen Zentner, und der Fleischsack wollte nicht in die Höhe gehen. Endlich nahm er alles Gewicht, das er in der Metzgerei hatte und legte es auf, doch der Fleischsack mit den fünf Vaterunsern war schwerer. Zuletzt, da sie nicht genug Gewichte hatten, gaben sie dem Manne seinen Sack voll Fleisch und ließen ihn ziehen.

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Von einem Büblein, das meisterlich kegeln konnte, aber noch zu jung war, das Beten zu lernen

Es kam in ein Wirtshaus ein reicher Kaufmann geritten eine Stunde oder zwei vor dem Nachtessen, und als er sich die Stiefel hatte ausziehen lassen, sprach der Wirt zum Kaufmann:»Herr Gast, lasset uns ein wenig spazieren gehen, es ist doch noch zu früh, zu Nacht zu essen!« Sobald das der Hänsel, des Wirts Söhnlein, hörte, rief er:»Vater, lass uns kegeln!« Der Vater antwortete:»Lass sehen, mein Hänsel, was du kannst!« Damit wollte er dem Herrn die Weile kürzen. Das Büblein setzte die Kegel auf und konnte sie auch meisterlich umwerfen, besser denn der Vater selber, ließ auch zu Zeiten einen Fluch mitlaufen, was dem Vater alles wohl gefiel. Der Kaufmann gedachte:»Der wird wohl geraten.« Zuletzt aber konnte er es nicht übers Herz bringen und musste den Wirt ein wenig sticheln und sprach:»Herr Wirt, wie alt ist Euer Bübel? Er kann besser kegeln als ein Alter.« Der Wirt antwortete:»Er geht erst in das elfte Jahr.« Der Kaufmann fragte ihn weiter:»Kann er auch beten?« Antwortete der Wirt:»Was sollte er beten können. Er ist doch noch ein Kind!« Und der Kaufmann lächelte bei sich selber und gedachte daneben:»Da kann das Bübel fluchen und kegeln besser denn ein Alter, ist aber noch zu jung, um beten zu lernen.« Ach du schnöde Welt, wie bist du doch so blind und ziehst deine Kinder so schändlich!

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Untreu schlägt den eigenen Herrn

Es geschah ungefähr um das Jahr 1506, da ritt ein Kaufmann gen Frankfurt auf die Messe, und es fiel ihm unterwegs der Mantelsack vom Sattel, darin achthundert Gulden waren. Ein Zimmermann kam des Weges daher, fand den Mantelsack und trug ihn nach Hause und wollte abwarten, ob jemand darnach fragen würde. Am Sonntag darauf nun wurde in dem Dorfe, da der Zimmermann wohnte, von der Kanzel verkündet, es seien achthundert Gulden verloren worden, und wer sie gefunden habe, dem wolle man hundert Gulden schenken, wenn er das Geld wiederbrächte. Der Zimmermann war selbiges Mal gerade nicht in der Kirche. Als er aber bei Tische saß, erzählte seine Hausfrau, wie achthundert Gulden verloren wären, und wenn sie einer wiederbrächte, dem wolle man hundert Gulden geben.»Ach!« sprach sie,»hätten wir doch den Geldsack gefunden, dass die hundert Gulden unser wären!« Der Mann sagte:»Weib, gehe hinauf in unsere Kammer, unter der Bank beim Tisch auf den Absatz vor der Mauer da liegt ein lederner Sack, den bring herab!« Das Weib tat, wie ihr der Mann geheißen. Der Mann öffnete den Mantelsack, und waren achthundert Gulden darin, wie der Pfarrer verkündet hatte. Der Zimmermann ging zum Pfarrherrn und fragte, ob es also wäre, dass man dem hundert Gulden geben wolle, der den Sack wiederbrächte. Der Pfarrherr sagte:»Ja!« Da sprach der Zimmermann:»So heißet den Kaufmann kommen, das Geld ist da!« Da war der Kaufmann froh und kam, und als er das Geld gezählt hatte, warf er dem Zimmermann fünf Gulden hin und sprach zu ihm:»Die fünf Gulden schenke ich dir, du hast dir schon hundert Gulden genommen und dich selber belohnt, es sind neunhundert Gulden gewesen.« Der Zimmermann widersprach:»Dem ist nicht so, ich habe weder einen Gulden noch hundert genommen, ich bin ein ehrlicher Mann!« Das Geld ward also bei dem Gerichte hinterlegt, und die zwei kamen vor den Richter. Nach mancher Gerichtsverhandlung wurde ein Tag gesetzt für das Urteil, und kamen viel fremde Leute daher, die den Urteilsspruch hören wollten. Man fragte da den Kaufmann, ob er einen Eid schwören könne, dass er neunhundert Gulden verloren habe. Der Kaufmann sprach:»Ja!« Da sprach der Richter:»Hebe die Hand auf und schwöre!« Und der Kaufmann schwur. Darnach fragte der Richter den Zimmermann, ob er einen Eid schwören könnte, dass er nicht mehr denn achthundert Gulden gefunden hätte. Der Zimmermann sprach:»Ja!« und schwur auch einen Eid. Da erkannten die Urteilsprecher, dass sie beide recht geschworen hätten, der Kaufmann, der neunhundert Gulden verloren hatte, und der Zimmermann, der achthundert Gulden gefunden; und urteilten, der Kaufmann sollte einen suchen, der neunhundert Gulden gefunden hätte, den der Sack wäre nicht sein, er habe nicht die rechten Wahrzeichen gesagt; und der arme Zimmermann sollte das Geld behalten, bis einer käme, der achthundert Gulden verloren hätte. Dieses Urteil lobte jedermann und ist auch zu loben, denn Untreue schlug hier den eigenen Herrn und ward das Sprichwort wahr: Wer zu viel will, dem wird zu wenig.

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Von einem Abenteurer, der prahlte, dass der Teufel zu Konstanz, der Herrgott zu Schaffhausen und die heilige Maria zu Einsiedeln seine Geschwister wären

Zu Einsiedeln im Schweizerland hat es sich begeben, dass einmal viel frommes Wallfahrervolk zusammenkam. In einem Wirtshause redeten beim Abendessen die Pilger viel von der lieben Gottesmutter Maria zu Einsiedeln, wie sie gar so gnädig wäre, erzählten auch von den Wunderzeichen, die sie getan hätte. Unter die Pilger war auch ein guter Geselle geraten, der nicht der Wallfahrt, sonder den Geschäfte halber dahin gekommen war, und aß auch mit ihnen das Abendbrot. Als nun die Pilger so viel Gutes der lieben Maria zuschrieben, redete er auch das Seine dazu und sprach:»Wie hoch schätzet ihr sie doch, sie ist meine Schwester!« Als die Pilger und auch der Wirt das hörten, erstaunten sie über diese Rede, und ward ruchbar in der ganzen Stadt und auch dem Abte hinterbracht, der den guten Gesellen einfangen und über Nacht in den Turm legen ließ. Am folgenden Morgen ließ er den Übeltäter vor den Rat stellen und verklagte ihn, weil er die liebe und würdige Muttergottes geschmäht und geredet hätte, sie wäre seine Schwester. Nach langem Hin und Her frage man den Übeltäter, was er damit gemeint hätte. Antwortete er:»Ja, die Maria von Einsiedeln ist meine Schwester, und was noch mehr ist, der Teufel zu Konstanz und der Herrgott zu Schaffhausen sind meine Brüder.« Der Rat entsetzte sich über diese Rede und steckten die Köpfe zusammen und sprachen:»Gewiss ist dieser ein Heiligenschmäher und Gotteslästerer.« Der oberste Richter fragte ihn weiter, um mehr aus ihm herauszubringen:»Wie wagst du, diese schnöden Worte allhier auszustoßen, da von allen Landen jetzund Pilger hier sind und es allenthalben erschallen wird?« Antwortete der Übeltäter:»Ich habe recht geredet, den mein Vater ist ein Bildhauer gewesen, der den Teufel zu Konstanz gemacht hat und den Herrgott zu Schaffhausen und eure Maria und mich auch; darum sind wir alle Geschwister!« Darüber lachten sie allesamt und ließen den guten Gesellen laufen.

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»O wie ist dem so wohl geholfen, dem Gott will helfen!«

Es stunden einmal zwei Blinde unter einem Tor, da der König oben im Saale saß und aß, und konnte zu demselben Tore sehen und sah, wer das aus und ein ging. Da schrie der eine Blinde:»O wie ist dem so wohl geholfen, dem der König helfen will!« Der andere fing auch an zu schreien und sprach:»O wie ist dem so wohl geholfen, dem Gott will helfen!« Und also schrien die zwei Blinden um die Wette, dieweil der König aß. Der König wollte nun versuchen, was sie für Glück hätten, und ließ zwei Kuchen backen, in den einen tat er viel Gulden, so dass er schwer war, in den andern aber tat er etliche Totengebeine, dass er leicht war; und hieß, dem Blinden, der zum König schrie, den schweren Kuchen geben und dem, der Gott angerufen hatte, den leichten. Da nun jeglicher seinen Kuchen hatte, da gingen die beiden Blinden zusammen und fragten einander, was sie bekommen hätten. Der eine sprach:»Man hat mir einen leichten Kuchen gegeben.« Da sprach der andere:»Meiner ist schwer, ich glaube, es ist Haferbrot. Lieber Bruder, lasset uns tauschen, ich habe alleweg gehört, Brot nach der Leichte, Käs nach der Schwere!« Also tauschten sie miteinander. Morgens kam der eine wiederum und schrie:»O wie ist dem so wohl geholfen, dem der König will helfen!« Der andere Blinde aber kam nicht mehr, er hatte genug. Der König ließ den Blinden fragen, wo er den Kuchen hingetan hätte. Der Blinde sprach, er hätte mit dem andern Blinden getauscht, denn dessen Kuchen wäre leichter gewesen als der seine. Da sprach der König:»Der andere Blinde hat recht geschrien, dass dem wohl geholfen ist, dem Gott will helfen. Du sollst nichts haben, darum bleibe in deinen Elend!«

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Ein Narr meinte, man könne des Guten nicht zu viel tun, und schüttete den Weihbrunnkessel auf sich

Es war ein Narr in einer Stadt, der sah auf den Sonntag in einer Kirche, wie das Volk zu dem Weihbrunnkessel ging, wie denn vor Zeiten Gewohnheit gewesen ist und an vielen Orten noch ist, und mit zwei Fingern von dem Weihbrunn an sich sprengte. Der Narr verwunderte sich darüber, dass sich die Leute also nass machten, fragte einen Bürger und sprach:»Lieber Herr, saget mir, sind das eitel Narren, die da in der Kirche sind?« Der Bürger sprach:»Nein, es sind fromme und andächtige Leute! Hältst du die für Narren? Ich meine, du seiest ein Narr!« Der Narr sprach:»Ja, daheim hält mich jedermann für einen Narren, aber ich sehe wohl, dass ich weiser bin, als die Leute sind. Denn wenn es regnet, so laufen sie ins Trockene, und jetzt bespritzen sie sich selber und machen sich nass!« Der Bürger sprach:»Es ist ein geweihtes Wasser, und wer es also an sich sprengt, dem ist es eine Abwaschung seiner täglichen Sünden!« Als der Narr solches hörte, lief er hinzu, nahm den ganzen Weihbrunnkessel, der in der Kirche stund, und schüttete den ganz auf sich. Die Leute fingen an zu lachen und fragten, ob er sich ertränken wolle. Der Narr aber sprach:»Ein Bürger hat mir gesagt, man wasche damit seine Sünden ab. Nun denke ich, man kann des Guten nicht zu viel tun. Ist eurer Sprengen gut, so muss der ganze Kessel voll besser sein!«

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Einer wählt sich Gott zum Beistand in einem Kampfe, der andere seinen Schöpfer

Zwei Meister hatten miteinander auf eine Zeit etwas zu schaffen. Einer forderte den anderen zum Kampfe heraus, mit Gottes Hilfe wolle er ihn bestehen, dass er im Rechte wäre. Der andere sagte:»Ich will dich mit Hilfe meines Schöpfers bestehen!« Er meinte aber den, der ihn in der Badestube das Wasser schöpfte. Als der angesetzte Tag kam, da erschien der eine mit seiner Wehr. Der andere erschien auch mit seiner Wehr und brachte seinen Schöpfer mit. Der erste sprach:»Das ist nicht nach des Landes Sitten (zu Landshut im Baierland ist es geschehen), dass zwei sollen fechten wider einen und einer wider zwei! Heiße denen Schöpfer abtreten!« Da sprach der andere:»Nein, euer sind zwei, so sind auch unser zwei. Ist es Gott und du, so ist es mein Schöpfer und ich, und sind zwei wider zwei. Denn du hast gesagt, du wolltest mich mit Gottes Hilfe bestehen, da sprach ich, ich wollte dich mit meines Schöpfers Hilfe bestehen! Also verzichte auf die Hilfe Gottes, der dein Geselle ist, so will ich auf meines Schöpfers Hilfe auch verzichten!« Jener aber wollte auf Gottes Hilfe nicht verzichten, da wollte der andere seines Schöpfers Hilfe auch nicht missen. Also gingen sie wiederum heim, und ward nichts aus ihrem Kampfe.

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Ein Edelmann verbot seinen Bauern zu fluchen

Es wohnte ein frommer und alter Edelmann auf einem Schloss, der hatte unter seinem Besitz ein großes Dorf, darin gar böse und grobe Bauern saßen. Denen konnte er auf keine Weise beikommen: kein Frevel war ihnen zu groß, dass sie ihn nicht verübten und gaben auf Gebot und Verbot einen Pfifferling. Vornehmlich war ihnen das Gotteslästern stark verboten und half doch nichts. Zuletzt hatte der gute Junker ein Bedauern mit Weib und Kind, denn er gedachte, die Väter würden sie ganz um ihr Hab und Gut bringen. Also ließ er ein Mandat ausgehen, welcher Bauer weiter Gott lästerte, den wolle er nicht allein an seinem Gut, sondern auch an dem Leibe strafen. Und stund nicht lange an, da waren etliche sachfällig und wurden hart an ihrem Leibe gestraft, wie mit dem Turm oder Pranger. Etlichen wurde die Zunge abgeschnitten und etliche, die die Sache zu grob versahen, gar an ihrem Leben gestraft. Kurzum, es kam zuletzt so weit, dass die Bauern von ihrem Lasterleben abstehen mussten, wiewohl es sie gar hart und sauer ankam. Das Gesinde aber war auch durch sein voriges unordentliches Wesen dahin gekommen, dass im Guten nichts mehr aus ihnen herauszubringen war, denn keines wollte in Gottes Namen etwas angreifen, es musste ein großer Schwur mitlaufen. Das war den Bauern gar beschwerlich. Sie kamen also in ganzer Gemeinde zusammen und beschlossen in gemeinem Rat, sie wollten vor den Junker auf das Schloss gehen und ihm den Handel vortragen, wie sie das Gesinde in keiner Weise mehr zu meistern wüssten, es wäre denn, dass er ihnen einen Schwur erlaubte. Also ward dem Junker die Sache durch den Schultheißen von der Gemeinde wegen vorgetragen. Als nun der Junker ihre Klage vernahm, sagte er zu ihnen, was sie denn für einen Schwur begehrten. Der Schultheiß sagte:»Gnädiger Junker, wir bitten Euer Gestrengen, gebt uns einen Schwur, der nicht zu klein, auch nicht zu groß sei, damit das Gesinde also in Furcht gehalten werden möchte.«»Wohlan!« sagte der Junker,»dieweil ihr euer Gesinde dahin gewendet, dass sie auf Bitten nichts geben wollen, so tretet alle miteinander ab und erkieset euch einen Schwur, jedoch dass er das Leiden Christi nicht berühre!« Die Bauern traten also ab und wurden in der Sache einig, um die Pestilenz zu bitten. Sie kamen wieder zu dem Junker in den Saal, und der Junker fragte:»Habt ihr euch geeinigt?«»Ja!« sprach der Schultheiß,»gnädiger Junker, wir stehen hier und bitten Euch um Gottes willen, gebt uns nur die Pestilenz!«»So geht hin«, sagte der Junker,»und habt noch die Franzosen dazu!« Der Schultheiß dankte im Namen der ganzen Gemeinde dem Junker gar fleißig der reichen Begabung halber, und zogen allesamt mit Freuden nach Hause.

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Von drei heiratsfähigen Jungfrauen

Es war einmal ein Bürger, der hatte drei Töchter, die waren alle zeitig, in den schweren Orden der heiligen Ehe aufgenommen zu werden, und der Vater wusste doch nicht, welche er zuerst versorgen sollte, denn sie hatten alle drei Freier. Er berief sie also alle drei zusammen und sprach:»Wohlan, lieben Töchter, ich will euch allen dreien miteinander Wasser geben, und ihr sollt euch die Hände miteinander waschen, aber an keinem Tuche abtrocknen, sondern die Hände selber trocken werden lassen; und welcher die Hände zuerst trocken werden, der will ich vor den andern einen Mann geben!« Der Vater goss ihnen also allen dreien Wasser über die Hände; da wuschen sie ihre Hände und ließen sie von selber wieder trocken werden. Das jüngste Töchterlein aber die wehte mit den Händen hin und her und rief stets:»Ich will keinen Mann! Ich will keinen Mann!« Und vom selbigen Hin- und Herwehen wurden ihr die Hände zuerst trocken und ward ihr zuerst ein Mann; und mussten die älteren Schwestern noch länger warten.

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Ein Schwank, wie Zank und Streit entsteht

In einem Dorfe lebte ein Ehepaar, das sich mit Mühe und Not durchs Leben schlug. Einmal lagen der Mann und das Weib am Fenster und schauten hinaus die Gasse auf und ab in Frieden und Eintracht. Da kamen etliche Schweinlein dahergelaufen, die den Weg aus dem Saustalle gefunden hatten. Dem Manne gefielen die Tierlein also wohl, dass er anhub und zu seiner Ehehälfte sprach:»Lug, liebe Hausfrau, sind das nicht schöne Viehlein? Wären sie unser, so wollte ich sie auslassen, wenn der Sauhirt austreibt, damit sie sich an die Sauherde gewöhnen!«»Einen schönen Dreck«, sprach die Frau,»sie sind noch viel zu klein, sie müssten daheim im Stalle bleiben.«»Sie sind nicht zu klein, Weib«, versetzte der Mann,»sie müssten mit dem Sauhirten!« Die Frau widersprach abermals:»Nein, sie sind zu klein und müssten daheim bleiben!« Also trieben sie den Zank und Streit noch eine Weile weiter, bis sie aufeinander losfuhren und einander mit den Fäusten bearbeiteten wegen der Ferkel, die doch gar nicht ihnen gehörten.

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Ein Bauer will nicht an den Heiligen Geist glauben

Bei Saarburg im Westrich liegt ein Dorf, heißt Stensel. Da wohnte ein Bauer, einfältig und fromm. Der ging an dem Osterabend gen Saarburg beichten, wollte an dem Ostertag das heilige Abendmahl empfangen. Der ward nun von dem Pfarrherrn über die Heilige Dreifaltigkeit ausgefragt, was er davon hielte. Der gute Mann wusste nichts darum, hatte auch nie davon gehört. Der Pfarrherr erklärte es ihm mit Fleiß und erzählte ihm die Herrlichkeit der Heiligen Dreifaltigkeit lang und breit. Zuletzt gab er ihm ein Gleichnis und sagte:»Lieber Freund, ich will dir ein Exempel sagen; denke dir, du seiest Gott der Vater, und deinen Sohn achte, als ob er Gottes Sohn wäre, und dein Weib halte für den Heiligen Geist!« Mit dem Bescheid zog der gute Mann wiederum heim. Übers Jahr kam er abermals beichten. Der Pfarrherr fragte ihn gleich, ob er jetzt an die heilige Dreifaltigkeit glaube.»Nein!« sagte der Bauer,»ich glaube nur an die zwei ersten, an den Vater und den Sohn! An die zwei glaube ich fest. An den Heiligen Geist aber glaube ich nicht; denn alles, was der Vater und der Sohn mit großer, harter und saurer Arbeit gewinnen, das verschleckt, verfrisst und vertut der Heilige Geist und kennt keinen Boden!« Der gute Mann hatte nämlich ein solches Weib: alles, was sie in die Hände bekam, das verprasste und versoff sie; darum wollte er nicht an sie glauben. Der Pfarrherr musste den Bauern in seiner Einfalt bleiben lassen, sprach ihn seiner Sünden los und ließ ihn ziehen. Und der Bauer glaubte fürder nur an die heilige Zweifaltigkeit, denn der Heilige Geist war ihm gar zu widerwärtig.

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Zwei Eheleute ärgerten einander mit ihren verstorbenen Gatten und kamen um den Kapaun

Ein Mann hatte auf eine Zeit, da ihm sein erstes Weib gestorben war, eine andere genommen, auch eine Wittib. Als er aber nicht alles tun wollte, was sie begehrte, da lobte sie ihren vorigen Mann, wie gut sie es bei ihm gehabt hätte, und lag ihm für und für in den Ohren: das und das hätte ihr voriger Mann getan, so und so lieb und wert hätte er sie gehalten. Das hörte der gute Mann mit Ärger, und er hätte sich schier alle Haare ausreißen mögen, dass er das Weib genommen hatte. Also lebten sie miteinander die ganze Zeit in Streit und Hader. Einst begab es sich, dass die Frau einen feisten Kapaun gebraten hatte, und wie sie also beim Tische saß und von ihres seligen Mannes Tugend erzählte, kam ein Bettelmann vor das Haus und bat um Gottes willen um ein Almosen. Das Weib schnitt den Kapaun flugs in zwei Hälften und reichte die eine Hälfte durch das Fenster dem Bettelmanne hinaus und sprach:»Sieh! Habe das um meines seligen Mannes willen, dass Gott seine Seele tröste, hat mich allezeit so schön und ehrlich gehalten.« Als solches der Mann sah, nahm er die andere Hälfte, reichte sie auch dem Bettelmanne hinaus und sprach: Habe die andere Hälfte meiner abgestorbenen Frau wegen, die mich auch viel ehrlicher gehalten hat denn die jetzige!« Der Bettelmann nahm die beiden Hälften eilends unter die Arme und schob auf der Stelle davon, und die zwei Eheleute hatten das Nachsehen und mussten Hunger leiden.

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Von der Verschwiegenheit der Frauen

Ein Ritter hatte eine Frau, die hätte einmal gerne gewusst, was im Rate verhandelt worden wäre. Der Ritter wollte es ihr nicht sagen und sprach:»Ihr Weiber könnt nicht schweigen!« Die Frau sprach:»Wir Weiber können besser schweigen denn die Männer!« Der Ritter wollte sie nun auf die Probe stellen und klagte, dass ihm der Bauch arg weh täte. Die Frau sprach:»Gehet auf das Häuslein, so wird Euch besser!« Der Ritter tat es, und da er wiederkam, sprach er:»O Frau, ich hätte Euch was Heimliches zu sagen, wenn Ihr es bei Euch behalten wolltet.« Die Frau sprach:»Ja!« Der Ritter erzählte ihr also:»Mir ist eine schwarze Krähe aus dem Bauche geflogen, darum habe ich einen solchen Wehtum im Bauche gehabt.«»Herr, sei froh, dass Euch besser geworden ist«, sagte die Frau darauf. Und als es Tag ward, da ging sie zu ihrer Nachbarin und erzählte ihr, wie ihrem Herrn zwei schwarze Krähen aus dem Bauche geflogen wären, und verbot es ihr hoch und heilig, sie sollte es niemandem weiter sagen. Die Nachbarin aber sagte es anderen Leuten und sprach, dem Ritter wären drei Krähen aus dem Leibe geflogen. Und so ging das Geheimnis durch die ganze Stadt, bis dass es fünfzig Krähen wurden.

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»Gott sei gelobt, der Korb ist fertig!«

In einem Dorfe lebte ein Korbmacher, der einmal, als er einen Korb fertig gemacht hatte, zu seinem Weibe sprach:»Wohlan, Weib, nun sage: Gott sei gelobt, der Korb ist fertig!« Das Weib aber wollte es in ihrer Halsstarrigkeit nicht sagen. Darüber ward der Korbmacher zornig, schlug sie übel und sprach:»Willst du nicht sagen: Gott sei gelobt, der Korb ist fertig?« Während der Korbmacher seine Ehehälfte also verprügelte, ging der Vogt vorbei und fragte, was das zu bedeuten hätte. Dem klagte des Korbmachers Weib ihr Leid. Der Vogt, der ein Edelmann war, hub an zu lachen, zog heim und erzählte seiner Gemahlin alles, was sich zwischen dem Korbmacher und seinem Weibe zugetragen hatte. Da sprach die Vögtin:»Nun, ich wollte es auch nicht sagen, und wenn ich deswegen zerrissen würde.« Als das der Edelmann hörte, sprach er:»Wie? Wolltest du auch so halsstarrig sein?« Damit erwischte er einen Prügel und schlug sie tapfer. Die Magd, die solches gesehen, lief in den Stall zum Knecht, sagte ihm, wie der Junker seine Frau geschlagen habe, und fragte, ob er nicht wisse, warum. Der Knecht, der mit dem Vogt vor des Korbmachers Haus gewesen, gab der Magd Bescheid. Als die Magd den Hergang hörte, sprach sie unbedacht:»Nun, ich wollte auch nicht sagen: Gott sei gelobt, der Korb ist fertig! und sollte es mir ebenso ergehen wie des Korbmachers Weib!«»Wie?« sagte der Knecht,»wolltest du auch so halsstarrig sein?« nahm die Magd, trat sie mit den Füßen und ließ sie hernach wiederum laufen. Also wurden des Korbmachers Weib, die Ehefrau des Vogtes und ihre Magd alle drei an einem Tage eines Korbes halber tapfer geschlagen.

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Von der verkehrten Adelheid

Es war ein Weib also böse, dass sie immer von dem, was ihr geheißen ward, das Widerspiel tat. Ihr Mann dachte einmal eine List aus, wie er sie los werden könnte, richtete in einem Garten ein Mahl her und lud dazu Gäste ein. An demselbigen Garten aber lief ein großes Wasser entlang. Nicht weit von dem Wasser stellte er den Tisch auf und den Stuhl, darauf das Weib sitzen sollte; und saß also, dass sie dem Wasser den Rücken zukehrte. Als man nun im besten Eisen war, sprach der Mann zu seinem Weibe:»Hausfrau, rücke besser zum Tische her!« Sie sprach:»Ja!« und rückte mit dem Stuhle hinter sich. Je mehr der Mann sprach:»Rücke herzu!« desto weiter rückte das Weib hinter sich, bis sie zuletzt mitsamt dem Stuhle ins Wasser stürzte und elend ersoff. Alsbald kamen die Leute mit Rechen und Haken und Stangen und suchten das Wasser ab. Der Mann sprach zu den Leuten:»Was suchet ihr das Weib im Wasser hinab, suchet sie das Wasser hinauf, sie ist in ihrem ganzen Leben böse und widersinnig gewesen und wird es nach ihrem Tode gewiss auch noch sein. Wenn nun andere Leute das Wasser hinunter schwimmen, so wird sie sicher hinauf schwimmen.« Die Leute suchten also das Wasser hinauf ab, wie ihnen der Mann geheißen, und fanden alsbald die verkehrte Adelheid.

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Von einer Betschwester

Ein Mann hatte ein Weib, die frömmelte also, dass sie am liebsten dem Herrgott die Zehen abgebissen hätte. Wenn nun der Mann sein eheliches Werk begehrte, so hatte sie allemal Ausreden und Ausflüchte. Am Samstag in der Nacht war es nicht recht. Am Sonntag war der heiligen Dreifaltigkeit Tag. Am Montag war der armen Seelen Tag. Am Dienstag war aller Engel Tag. Am Mittwoch war Christus verkauft worden. Am Donnerstag hatte der Heiland Blut geschwitzt. Am Freitag war unser Erlöser gestorben. Und so fand sie allweg Grund und Ursache. Der Mann dachte hin und her, und zuletzt nahm er sich eine Metze mit ins Haus und legte sich zu ihr ins Bett; es waren nämlich in der Kammer zwei Bettstellen; als das Weib kam, wollte sie schier zürnen und die Metze schlagen. Der Mann aber sprach:»Frau, Ihr seid eine heilige Person, wir aber sind arme Sünder; darum geht von uns!« Von der Stunde an wollte die Betschwester von keinem heiligen Tage mehr etwas wissen und war geheilt.

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Ein Edelmann verbot seiner Frau, sich auf den großen Hund zu setzen

In einer Zeit ritt ein Edelmann mit seinem Knecht über Feld, und als er ein Stück vom Schlosse weg war, wendete er sich um und sprach zu seinem Knechte:»Heinz, ich habe was vergessen!«»Was, Junker?«»Ei, du musst wieder zurückreiten und meiner Frau sagen, dass sie sich auf den großen Hund setzen soll!« redete der Junker.»Wahrlich, Junker«, sagte der Knecht,»ich täte es nicht, denn was man den Weibern verbietet, das tun sie mit Fleiß.«»Ei, reite heim!« sagte der Edelmann,»so weiß sie sich wenigstens zu hüten.« Der Knecht ritt also zurück auf das Schloss. Die Frau fragte ihn, was er wolle.»Ei«, sprach er,»der Junker lässt Euch sagen, Ihr sollet Euch nicht auf den großen Hund setzen!«»Ja, lieber Heinz«, sagte die Frau,»reite hin und sage dem Junker, du seiest hier gewesen.« Der Knecht ritt wiederum zu seinem Herrn zurück und dachte bei sich, die Frau würde es nicht übers Herz bringen können und sich auf den Hund setzen. Die Frau daheim aber gedachte bei sich:»Was ist denn mit dem Hund, dass dir der Junker gar einen Boten nachgeschickt hat, es wird gewisslich was Besonderes sein. Ich will gehen und mich auf den Hund setzen.« Ging also hin und setzte sich auf den großen Hund. Der Hund, der solchen Schimpf nicht ertragen mochte, biss die Frau gar heftig in die Hand, und wenn man ihr nicht zu Hilfe gekommen wäre, er hätte sie vielleicht ganz umgebracht. Da der Edelmann heimkam und seine Frau also geschädigt fand, fragte er:»Hat der Knecht dir nicht befohlen, dass du den Hund in Ruhe lassen sollst?«»Ja«, sagte die Frau,»er hat es mir befohlen.« Als solches der Knecht hörte, trat er hervor und sprach:»Sagte ich es Euch nicht, Junker, Ihr sollt es unterlassen und ihr nichts verbieten, denn der Frauen Gewohnheit ist, wenn man ihnen etwas verbiete, so tun sie es erst recht.« Da gab ihm der Edelmann recht, und wenn er hernach ausritt, verbot er der Frau nichts mehr.

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Ein Weib will das Regiment führen und kommt ins Narrenhäuslein

Es lebten in einer Stadt zwei junge Eheleute, die sich ohne Zank und Hader nicht vertragen konnten, da sie den Siemann im Hause spielen und er nicht das Erweib abgeben wollte. Damit es nun fein gleich zuginge, ward ausgemacht, einen Tag sollte das Weib, den andern der Mann das Hausregiment haben, und wechselten also eine Zeit lang Tag um Tag ab. Der Mann aber ging auch denn, wenn da Weib im Hause gebot, in lustige Gesellschaft und soff sich voll und tat, als ob das Regiment allezeit in seinen Händen läge. Daher führte das Weib eine andere Ordnung ein, auf dass der Mann einen Tag ihr untertan sein sollte. An dem Tage, da sie an der Reihe war, zog sie ihres Mannes Hose und Wams an; der Mann aber musste die Weiberkittel anlegen und tun, was sie gebot, und konnte sich in den Weiberkleidern nicht in der Stadt zeigen. Wenn die Reihe wiederum an ihn kam, gab sie ihm die Hose und das Wams wiederum und zog ihre Kittel an. Eines Nachts nun hatte sich der Mann, da er das Regiment führte, im Wirtshause voll gesoffen und einen Gesellen im Streite übel zugerichtet, und ward die Missetat noch in derselbigen Nacht dem Rate der Stadt hinterbracht. Andern Tags in aller Frühe kamen also die Stadtknechte in das Haus. Das Weib hatte das Regiment nach der neuen Ordnung bereits übernommen und werkte in ihres Mannes Hose und Wams in der Stube herum, dieweil der Mann in den Weiberkleidern umlief. Die Stadtknechte ergriffen ohne viel Worte das Weib in den Mannskleidern, brachte sie aufs Rathaus und legten sie ins Narrenhäuslein, wo sie etliche Tage sitzen und fasten musste. Also endete ihr Fürwitz und war das Gespött und Gelächter aller Welt groß.

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Böse Frauen werden mit Worten, Kräutern und Steinen gebessert

Als König Salomo das Urteil gefunden hatte in der Sache mit den zwei Metzen und dem lebendigen Kinde, da ging seiner Weisheit Lob aus durch alle Lande und waren etliche Stunden im Tage gesetzt, da er jedermann Zutritt gewährte und anhörte. Es waren auch Leute in Harnischen und Knecht aufgestellt, damit sie, wenn einer dem Könige seine Sache entdeckt und der König ihm kurze Antwort gegeben, er aber den König noch weiter fragen wollte, ihn zur Tür hinauswiesen und einen andern einließen. Einmal kam ein Mann, der klagte dem Könige, wie er mit dem allerbösesten Weib geschlagen sei. Der König sprach: In verbis, herbis et lapidibus est magna virtus«, das heißt: In Worten, in Kräutern und in Steinen ist große Kraft. Der gute Mann wollte den König noch fragen, wie er die Worte verstehen sollte, aber da waren die Diener schon zur Stelle, zogen ihn von dem Könige und führten ihn zur Tür hinaus. Der Mann dachte über die Worte des Königs nach und wollte sie alle drei versuchen und versuchte es zuerst mit den Worten. Als er nämlich heimkam, da empfing ihn das Weib nach ihrer Gewohnheit mit bösen Worten. Der Mann gab ihr als Antwort die allersüßesten Worte, aber je bessere Worte er ihr gab, desto böser wurde sie, wie es denn der bösen Weiber Art also ist. Der gute Mann gedachte:»Du willst die Kräuter auch versuchen«, ging auf den Wochenmarkt und kaufte zwanzig Büschlein Kräuter um zwanzig Pfennige: Rosmarin, Salbei, Majoran, Rauten und dergleichen und trug sie unter dem Arme heim. Als er ins Haus trat, da fing das Weib abermals mit ihm zu hadern an und sprach, ob er das Geld zu nichts anderem nötig hätte denn zu solchem Narrenwerk. Da packte der Mann das Weib, drückte sie in eine Winkel und hielt ihr ein Büschlein nach dem andern unter die Nase, aber hatte keines Kraft, sie tugendhaft zu machen. Nun wollte der gute Mann es mit den Steinen auch noch versuchen. Als er einmal wiederum Scheltworte hören musste, ging er und holte die Hände voll Kieslinge und trat mit diesen ins Haus. Das Weib haderte gleich mit ihm, sprach:»Du Bube, du Lecker, was willst du mit den Steinen tun?« Da nahm der Mann einen guten Stein nach dem andern und warf ihn nach dem Weibe. Da fing das Weib an zu schreien und sprach:»Du Mörder, willst du mich umbringen?« Der Mann nahm weiter einen Stein nach dem andern und warf darauf los; da lief das Weib zur Haustüre hinaus, und der Mann lief ihr nach und warf ohne Aufhören mit den Steinen. Das Weib dachte:»Heute musst du sterben!« kehrte sich um, fiel schuldig auf die Erde nieder vor ihrem Mann und bekannte sich schuldig und versprach, sich zu bessern. Da hörte der Mann auf zu werfen, und von dem Tage an lebte das Weib mit ihrem Manne in Frieden und Eintracht. Der Mann gedachte bei sich:»In Worten, in Kräutern und in Steinen mag wohl Kraft sein, die Weiber tugendhaft zu machen. Aber ich will dem Könige Zeugnis geben, dass größere Kraft ist in Steinen denn in Kräutern und in Worten.«

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Von einer geizigen und listigen Bäuerin

Es war ein reicher Bauer, der sprach zu seinem Weibe, da er im Sterben lag:»Ich hinterlasse dir an Geld und Gut genug und will kein Testament machen. Nur um eins will ich dich bitten: den Ochsen, der März heißt, den sollst du verkaufen, und was du für Geld daraus lösest, das sollst du den armen Leuten geben.« Das Weib sprach:»Ja, ich will also tun.« Bald darauf verschied der Bauer. Als sieben Tage um waren, da nahm das Weib den Ochsen an ein Seil und band ihm einen Hahn auf den Schwanz und trieb den Ochsen mitsamt dem Hahn auf den Markt. Die Metzger kamen und griffen den Ochsen, wie feist er wäre, und fragte das Weib, wie sie den Ochsen gebe. Das Weib sprach:»Wer den Ochsen kauft, der muss den Hahn auch kaufen, ich verkaufe keines ohne das andere«, und bot den Hahn um dreizehn Gulden und den Ochsen um einen Kreuzer. Die Metzger handelten mit ihr, der Kauf ward endlich gemacht, und man gab ihr zwölf Gulden für den Hahn und einen Kreuzer für den Ochsen. Die zwölf Gulden behielt die Frau für sich, und den Kreuzer, der fünf Heller galt, verteilte sie unter fünf arme Leute um Gottes willen, wie sie es ihrem Manne am Sterbebette versprochen hatte. Es ist ein Sprichwort: Die Weiber haben neunundneunzigerlei List und noch ein Säcklein voll.

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Wer die Wahl hat, hat die Qual

Es war einmal ein geiziger Bauer, der hatte ich wider seinen Junker vergangen. Der Junker ließ ihn fangen und aufs Schloss bringen und gab ihm die Wahl zwischen drei Strafen: entweder sollte er fünfzig rohe Zwiebeln essen oder sich fünfzig Streiche auf den bloßen Hintern schlagen lassen, oder fünfzig Schillinge geben. Der Bauer war reich, aber ein rechter Geizkragen und sprach:»Ich willdie Zwiebeln essen!« Als er aber drei oder vier gegessen hatte, da mochte er keine mehr essen, sie rochen ihm in die Nase, sprach:»Ich will lieber die Streich leiden!« Als er aber drei oder vier Streiche gelitten hatte, da sprach er:»Ich will die Schillinge geben!« und zahlte dem Junker die fünfzig Schillinge.

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Von einem bairischen Bauern, der neun Tage ein Lässer war

Es begab sich, dass ein reicher Kaufmann in Geschäften durch das Baierland ritt. Wie er bei eines Bauern Haus einmal ein Lattentor antraf, durch das er reiten musste, und es vom Rosse herunter nicht auftun konnte, rief er dem Bauern zu, er solle ihm das Gatter auftun. Der Bauer schrie mit heller Stimme:»Es ist niemand in dem Haus; das Gesinde ist auf dem Felde, und ich liege hinter dem Ofen, bin ein Lässer.« Sprach der Kaufmann:»Wie lange bist du schon ein Lässer?« Antwortete der Bauer:»Morgen ist es der neunte Tag, dass man mich zur Ader ließ.« Also stieg der Kaufmann vom Rosse herunter, tat mit Mühe und Not selber das Gatter auf und rief dem Bauern zu:»Siehe hin, da auf dem Gatter liegt ein Taler und bleibe schön noch deine Zeit hinter dem Ofen!« (hatte aber nichts hingelegt) und ritt weiter seinen Weg. Wie der Bauer von dem Taler hörte, sprang er geschwind vor das Haus hinaus und wollte den Taler holen, fand aber keinen. Also ward der Bauer von dem Kaufmanne aus dem Hause genarrt.

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Von einer redenden Atzel

Ein reicher Bürger und Ratsherr zu Augsburg, der einen großen Weinberg hatte und den Wein auch verkaufte, hielt in seinem Hause eine Atzel, die mit Menschenstimme reden konnte. Da der Diener des Herrn den Wein die ganze Zeit her um vier Pfennige ausrief, so plapperte es die Atzel alleweg nach und rief auch den Wein also aus. Als nun einmal in der Nacht der Reif den Reben Schaden zugefügt hatte, schlug der Ratsherr, der sich auf sein Geschäft wohl verstand, den Wein allsogleich um zwei Pfennige höher auf, und die anderen Weinverkäufer taten es ihm nach. Die Atzel aber schrie nach ihrer Gewohnheit den Wein weiter um vier Pfennige aus und ward vor dem Hause des Ratsherrn des wohlfeilen Weines halber ein großes Gedränge. Als aber dann von den Leuten mehr Geld gefordert wurde, warfen sie dem Ratsherrn mit Scheltworten vor, dass er den Wein teurer bezahlt nähme, als er hatte ausrufen lassen, glaubten, er hätte es getan, damit alles Volk ihm zulaufe. Als nun der Ratsherr merkte, dass es durch der Atzel Schuld geschehen war, nahm er die Atzel beim Schopf und warf sie in den Kot, dass sie gar schmutzig ward. Wie sich die Atzel wiederum aufrichtete, kam eine Sau des Wegs daher, die ganz und gar von Kot und Dreck besudelt war. Zu derselbigen sprach die Atzel:»Was gilt es, du hast auch den Wein um vier Pfennige ausgerufen!« meinte, die Sau wäre auch aus dem nämlichen Grunde von ihrem Herrn in den Kot geworfen worden.

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Ein geiziger Bauer stellt sich tot und wird von seinem Knechte erschlagen

Es war einmal ein geiziger Bauer, der konnte eines Nachts nicht schlafen und warf sich hin und her im Bette. Sein Weib sprach:»Hauswirt, wie ist dir, dass du so unruhig bist?«»Ach«, antwortete der Mann,»was mir anliegt, das könntest du wohl wenden.« Das Weib sprach:»Gern!« Da redete der Mann also:»Ich habe unser Haus versorgt mit Wein, Brot, Salz, Fleisch und Schmalz, und mit allem, was in ein Haus gehört, bis auf einen einzigen Tag, und wenn wir einen Tag nicht essen wollten, so hätten wir für das ganze Jahr genug. Nun habe ich eine List erdacht, wie wir denselbigen Tag überkommen könnten. Wenn nämlich unser Gesinde auf das Feld geht, so will ich mich tot stellen, dann musst du das Totentuch, das Kreuz, die Kerzen und das Wasser bereit haben und dich zur Leiche setzen und klagen, und wenn nachher die Knechte und Mägde heimkommen, so werden sie vor Kummer und Leid nichts essen.« Das Weib war einverstanden, und sie schliefen ein. Am andern Tage geschah, wie sie verabredet hatten. Als nun das Gesinde vom Felde zurückkam, da saß das Weib bei der Leiche, klagte und weinte und sprach, ihr Hauswirt wäre jählings gestorben. Das Gesinde erschrak, und ein jedes betete fünf Vaterunser und fünf Gegrüßet seist du Maria. Da das Gebet aber aus war, sprach das Gesinde:»Frau, wir müssen essen!« Das Weib gab zur Antwort:»Wollt ihr auch essen bei dem großen Herzeleide, das ich habe?« Das Gesinde sprach:»Leid hin, Leid her! Wir wollen essen, dass wir wieder auf das Feld kommen; rüstet behänd zu!« Das Weib bereitete also die Mahlzeit, und als sie bei Tische saßen und aßen, da gedachte der tote Mann bei sich:»Dein Anschlag ist falsch! Wenn du dich aber jetzt aufrichtest, so werden sie übel erschrecken, weil ein Toter aufersteht, und vor Schrecken nichts essen.« Also richtete sich der tote Mann auf. Da erwischte schleunig einer von den Knechten eine Axt, die er auf der Bank liegen sah, und schlug ihn zu Tode. Das Weib schrie über denselbigen Knecht:»Du Mörder! Du hat mir meinen Mann zu Tode geschlagen!« Der Knecht sprach:»Nein, Frau, Ihr habt doch gesagt, er sei tot. Nun hat der Teufel den Leib vexieren wollen, da habe ich den Teufel vertrieben!« Also hatte der Bauer seinen Geiz mit dem Leben bezahlen müssen.

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Ein Bauer nottauft sein Kind und vergisst den Sohn

Einmal war bei einem Bauern ein Kind geworden, das musste man nottaufen. Nun soll aber nach dem Gebote der Kirche niemand sein eigenes Kind taufen, der Bauer aber taufte es selber. Als das Kind also getauft war, da starb es. Der Bauer tat es in ein Särglein, sprach zu seinem Sohne:»Nimm das Kalb im Stalle an ein Seil und bringe es hinten nach!« und ging mit dem Särglein unter dem Arme zum Pfarrherrn, bat ihn, er möge das Kind in der geweihten Erde begraben, er hätte es gleich nach der Geburt getauft. Der Pfarrherr sprach:»Wie hast du das Kind getauft? Ich will es wissen.« Der Bauer antwortete:»Also habe ich gesprochen: Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Heiligen Geistes, Amen!«»Wo bleibt der Sohn?« fragte der Pfarrherr. Der Bauer darauf zur Antwort gab:»Der Sohn kommt mit dem Kalbe hinten nach, das will ich Euch schenken, damit Ihr mir das Kindlein auf dem Kirchhofe begrabt.« Der Pfarrherr nahm das Kalb. Das Kind war wohl getauft und ward in der geweihten Erde begraben.

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Von einem treuen und einem treulosen Korndrescher

Zwei Arbeiter zogen miteinander im Herbste in den Dörfern herum und droschen den Bauern das Getreide; als Taglohn nahmen sie einen Teil des Getreides, das sie gedroschen hatten, und am Ende der Woche teilten sie alleweg ihr Getreide auf einem Kornboden in zwei großen Haufen und verkauften es. Nun hatten sie in einem Dorfe etliche Wochen gedroschen und ihr Getreide auf einem Kornboden in zwei großen Haufen liegen. Der eine Korndrescher ließ sich vom Geizteufel überreden und gedachte, seinem Gesellen in der Nacht das Korn zu stehlen und es heimlich zu verkaufen. Ging also zuvor auf den Boden zu dem Korn, das in zwei großen Haufen dalag, spreitete seinen Mantel über seines Gesellen Haufen, auf dass er in der Nacht nicht irr griffe, und ging wieder hinweg. Es stund nicht lange an, da stieg auch der andere auf den Kornboden hinauf, nach dem Korn zu schauen, sah seines Gesellen Mantel über seinem Korn liegen, nahm ihn weg und deckte seines Gesellen Kornhaufen damit zu, gedachte bei sich selber:»Da erkenne ich die Treue meines Gesellen, der lieber mein Korn zudeckt denn das seine, damit es nicht voll Staub und Unrat wird; mir steht es aber zu, ihm seine Treue zu vergelten.« In der Nacht kam nun der treulose Drescher mit einem dazu gedungenen Diebe, dem er für die Hilfe die Hälfte des Kornes versprochen hatte, griffen in der Finsternis, wo der Mantel lag, nahmen dasselbige Korn, trugen es hinweg, teilten und verkauften es. Am Morgen aber ward der Dieb, als er auf den Kornboden ging, gewahr, dass er sein eigenes Korn gestohlen und zur Hälfte verschenkt hatte, und ward also seiner Untreu und Habsucht wegen selber gestraft.

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Ein geldsüchtiges Bäuerlein wird betrogen

Einer von denen, die die Arbeit nicht erfunden haben, ging einmal vor Kassel die Straße am Weinberg hinauf nach der Stadt. Hart hinter ihm ging ein Bäuerlein desselben Weges. Heimlich ließ der Walzbruder einen Pfennig, der funkelnagelneu und schön gemünzt war, fallen, hob ihn dann auf und sagte mit Freuden:»Ei, was für einen schönen Gulden finde ich da!« Der Bauer war arg geldsüchtig und verdross ihn hart, dass er nicht den Gulden gefunden hatte, rief:»Gemach, guter Freund, gemach! Ich bin auch da und habe den Gulden gerade so liegen gesehen wie du, will derhalben meinen Teil davon haben!«»Soll mir recht sein!« antwortete der Geselle,»wollen also den Fund teilen, nehmet den Gulden und gebt mir meinen Teil an Münz heraus!«»Du könntest diesen Tag nicht mehr gewinnen«, gedachte das Bäuerlein bei sich, gab dem andern einen halben Gulden heraus und steckte den vermeintlichen Gulden in seinen Geldsack. Als er aber in der Stadt in einem Schenkhause den Gulden umwechseln wollte, ward ihm gesagt, dass es ein Pfennig und nichts wert wäre. Also sah er sich schnell nach seinem Weggenossen um, der aber hatte sich auf die Beine gemacht und war längst über alle Berge davon.

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Wie das Bier und die böhmische Sprache aufgekommen sind

In einer alten Fuhrmannstasche ist mit goldenen Buchstaben beschrieben gefunden worden, dass vor Zeiten an den Ort, da jetzt das Böhmerland ist, nur wenige Leute gewohnt haben, die eine gar seltsame Sprache redeten. Eine Gans aber, eine Ente und eine Taube gesellten sich da einmal zusammen und gaben einander das Versprechen, in guten und in bösen Tagen zueinander zu stehen, und ward ein Pakt gemacht. Dass sie nun nicht müßig wären, trugen sie zusammen, was sie an Gerste und Weizen bekommen konnten. Da sie nun daraus eine Brühe machten, mundete ihnen der Trank sehr gut, und meinten auch, er möchte den Leuten gut schmecken. Wurden also eins, denselben zu verkaufen, und erwählten die Gans um ihres langen Kragens und ihrer hellen Stimme willen, dass sie den Trank sollte ausrufen. Die lief durch alle Örter und schrie laut:»Biba, biba!« das ist Bier. Die Ente watschelte und trippelte sehr eilends mit ihren kurzen Beinen hinten nach und sprach:»Dacke dobersse, dack dack dack, dacke dobersse!« das heißt gut, gut. Mit der Taube aber, als der geringsten unter ihnen, spielten sie einen Schabernack, gaben ihr nämlich ihren Teil in einem engen Glase, und das sie nun nichts aus dem Glase herausbringen konnte, lief sie alleweg um das Glas herum und fluchte:»Gepsphi corva matir, gepsphi corva matir!« das ist ein arges und böses Fluchwort. Aus diesem und dem anderen Gespräch, das die drei untereinander beim Kaufen und Verkaufen führten, soll hernach die böhmische Sprache entstanden sein.

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Der durstige Baier

Es fuhr einmal ein mächtiges Schiff auf dem Meere, mit großem Gut und Kaufmannsschatz beladen. Da kam ein gewaltiger Sturm über das Schiff, so dass jedermann meinte, er müsse sterben und ertrinken. Auf dem Schiffe war auch ein grober und gar ungebackener Baier. Wie der von den andern hörte, dass sie allesamt versinken und ertrinken müssten, da ging er über seinen ledernen Sack, zog draus ein großes Trumm Brot, rieb einen Haufen Salz darauf, hub an und aß es in aller Seelenruhe in sich hinein, ließ dieweil die anderen Leute beten und Gott und seine Heiligen anrufen. Als nun zuletzt der Sturm verging und alles Volk auf dem Schiffe sich langsam wieder beruhigte, da fragten sie den Baier, was er mit seinem Tun und Treiben bezweckt hätte. Der gute Baier gab auf ihre Fragen Antwort und sagte:»Da ich von euch allen hörte, dass wir untergehen und ersaufen müssten, aß ich Salz und Brot, damit mir ein solch großer Trunk auch schmecken möchte!« Über diese Worte des durstigen Baier ward auf dem Schiffe genug gelacht.

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Ein voller Pfaffe wollte zu einem Dreikönigsabend gehen und fiel in eine Wolfsgrube, als er eine Ente zu fangen vermeinte.

Es liegt ein Dorf in Lothringen, darinnen lebte ein toller Pfaffe, wie man den derselbigen nicht wenige in Lothringen findet. Der hatte den Brauch an sich, dass er von einem Dorf zum andern lief; wo er eine gute Fresserei wusste, da lugte er, dass ihm sein Teil auch davon ward. Zum öfteren Mal hatte er auch an einem Tage an zwei Orten Messe gelesen, in seinem Dorfe, und wo er ein gutes Mahl wusste, da lief er hin und las noch eine Messe. Es begab sich an einem heiligen Dreikönigsabend, dass er von Wych in ein anderes Dorf laufen wollte, mit den Bauern einen König zu machen. Er hatte sich aber zu Wych etwas lange aufgehalten, da er mit seinen Bauern zuvor schon einen König gemacht hatte; derhalben war es etwas spät. Nun hatten die Bauern indem Dorf, in das er gehen wollte, erst am selbigen Tag eine tiefe Wolfsgrube nicht weit vom Dorfe aufgeworfen und, wie man zu tun pflegt, in der Mitte der Grube eine Haustange aufgerichtet und eine Ente in einem Korbe darauf gebunden, damit die Wölfe oder Füchse, wenn sie die Ente hörten, auf das Geschrei zuliefen und in die Grube fielen. Als nun der gute Herr nahe an das Dorf herankam, da hörte er die Ente im Feld etwas abseits vom Dorf schreien. Er dachte bei sie selber:»Diese Ente ist in dem Dorfe ausgekommen; leicht könnte sie ein Fuchs erhaschen und fressen. Besser ist, ich fange und erwürge sie und verstecke sie heimlich an einem Orte; wenn ich dann nach dem Fressen heimgehe, trage ich sie mit und habe morgen Abend auch einen guten Braten.« In solchen Gedanken kam der Pfaffe immer näher zu der Ente, und je näher er zu ihr kam, desto mehr und lauter schrie die Ente. Nun war die Grube auf allen Seiten mit kleinem Reisig und Stroh überdeckt, so dass der gute Pfaffe nicht anders meinte, denn es wäre ebener Boden, eilte also schnell auf die schreiende Ente zu, damit sie ihm nicht entlaufen möchte. In solchem eilenden Lauf fiel er gar ungestüm in die Wolfsgrube. Die Ente aber hub desto mehr an zu schreien. Das hörte auch ein hungriger Wolf, lief dem Entengeschrei zu und fiel auch zu dem Pfaffen in die Grube. Als der Wolf nun inne ward, dass er gefangen war, da hielt er sich ganz züchtiglich in der Grube und tat dem Pfaffen kein Leid an. Dem Pfaffen aber war gar angst bei dem Wolf in der Grube und bangte jeden Augenblick um sein Leben. Es dauerte keine Stunde, da kam ein Fuchs, der meinte auch einen guten Bissen zu erhaschen. Dem ging es gleich wie den vorigen zweien. Sobald aber der Fuchs in die Grube kam, fing er an, den Pfaffen an seinem Rock zu rupfen und zu zupfen, davon dem Pfaffen eine große Angst ankam, denn er meinte, sein letztes Stündlein hätte geschlagen. Nun war er nahe bei dem Dorfe und hörte ein ums andere Mal, wie die Bauern anhuben und schrien:»Der König trinkt!« Das machte erst den guten Pfaffen gar unlustig, denn es war seine Gewohnheit, dort zu sein, wo man schlemmte und demmte, und nicht über Nach in einer Wolfsgrube zu liegen. Als nun des Morgens die Bauern lugen wollten, was sie die Nacht gefangen hätten, da kamen sie mit Seilen und Leitern und Spießen und Keulen zu der Grube, fanden also da den Pfaffen, den Wolf und den Fuchs beieinander, worüber sie sich gar sehr verwunderten. Der Pfaffe bat sie gar freundlich, sie möchten von ihren Fragen abstehen und zuerst trachten, wie sie ihn aus der großen Angst und Pein brächten; nachher wolle er ihnen den Hergang lang und breit erzählen. Sie ließen ihm also ein Seil in die Grube hinunter, daran sich der Pfaffe selber band, und zogen ihn dann herauf. Der Pfaffe bat die Bauern um aller Heiligen willen, sie sollten den Wolf verschonen, den Fuchs aber sollten sie umbringen; er wollte ihnen zum Lohn einen Schnapphahn schenken. Die Bauern fragten den Pfaffen nach der Ursache, warum er doch des Wolfes Leben also erkaufen wollte, da doch kein Tier wäre, dem alle Welt so feine sie wie dem Wolf. Der Pfaffe sagte:»O lieben Freunde, der gute und fromme Wolf ist die ganze Nacht so züchtig und still bei mir in der Grube gesessen und hätte mir kein Leid zugefügt. Aber der schändliche und lästerliche Fuchs fing gleich, wie er in die Grube kam, an, nach mir zu schnappen, meinen Roch zu zerreißen, und ha mich ganz ängstlich gemacht; darum wollet den Fuchs nicht schonen.« Die Bauern nahmen den Schnapphahn von dem Pfaffen, schlugen aber nichtsdestoweniger den Wolf und den Fuchs tot. Hätten sie nur gewusst, dass der Pfaffe darauf ausgegangen war, ihnen die Ente zu stehlen, sie würden wohl den Pfaffen ebenso totgeschlagen haben wie den Wolf und den Fuchs.

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Von einem kranken Bauern

Auf einem Kirchweihfeste hatte ein Bauer zu viel gesoffen, dass man ihn für tot in sein Haus trug. Da ihm also der Tod schon ein Paar Schuhe angemessen hatte, ermahnten ihn seine Freunde und Nachbarn, er möge sich zu Gott bekehren und mit den heiligen Sterbesakramenten versehen lassen. Er gab seinen Willen dazu, und ward einer geschickt, der es dem Pfarrherrn ansagen sollte. Mittlerweile aber, als sich die Leute verlaufen hatten, stund der Bauer auf, denn der Wein und Wirbel war ihm aus dem Kopfe gewichen, und machte sich im Hause zu schaffen, lehnte eine Leiter an das Dach, stieg hinauf, und wo es schadhaft war, stopfte er es mit Stroh wiederum zu. Als der Pfarrherr und das halbe Dorf mit ihm kam, suchten sie allenthalben im Hause den Bauern; zuletzt wurden sie seiner auf dem Dache gewahr, und der Pfarrherr gebot ihm, dass er vor allen weltlichen Sorgen ablasse und sich zu Gott bekehre:»Wie?« sprach der Bauer,»muss ich denn sterben?« Antwortete der Pfaffe:»Das weiß Gott.« Sagte der Bauer weiter:»Wenn es schon sein muss, mir könnte es nicht ungelegener kommen als jetzund, denn es ist in der Erntezeit, und ich habe mein Getreide noch nicht abschneiden lassen, dazu regnet es mir durchs Dach auf das Heu, dass es hernach die Kühe nicht fressen mögen.« Antwortete der Pfaffe, er solle von solchen Gedanken abstehen und sich auf den Tod vorbereiten, damit er Gott seines Lebenswandels halber Rechenschaft geben könne, fragte ihn zuletzt, ob er mit beiden heiligen Sterbesakramente sich zu versehen begehrte. Gab der Bauer zur Antwort:»Darnach man sie gibt, denn ich habe kein Geld mehr und alles auf der Kirchweih versoffen.« Als aber der Pfaffe sagte, dass man sie umsonst empfinge, sprach der Bauer:»So bringet mir halt den Göckel her!«

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Von dem großen Jahr Platonis

Zwei herumziehende Philosophaster kehrten einmal in einer Herberge ein, da der Wirt ein alter und kurzweiliger Mann war. Gaben vor, dass sie aus dem Welschland kämen, wo sie mit Fleiß die alten Philosophen studiert hätten. Des Abends nun, als ihnen der Wein die Köpfe schon arg verdreht hatte, disputierten sie von den Meinungen der Philosophen, vornehmlich aber von dem große Jahr Platonis, wie alle Dinge nach dreißigtausend Jahren wiederum in den Stand kämen, wie es vor der Zeit einmal gewesen, und taten also mit ihrer Weisheit viel Aufhebens vor dem Wirte. Redeten auch, dass sie nach dreißigtausend Jahren wiederum bei demselben Wirte und in derselben Herberge Einkehr halten wollten, und baten zuletzt den Alten, er wollte sich mit der Bezahlung ihrer Zeche bis zu ihrer Wiederkunft nach dreißigtausend Jahren gedulden.»Ist das wirklich wahr, dass alles nach der Zeit wiederkehrt, wie ihr saget?« fragte der Wirt:»Dann muss ich euch schon sagen, meine Herren Philosuffen, vor dreißigtausend Jahren seid ihr auch hier bei mir gewesen und hattet eine gute Zeche getan und seid die mir schuldig geblieben. Bezahlet mir die alte Zeche vorerst! Dann will ich euch gerne bis zu eurer Wiederkunft wiederum borgen!« Also blieb den beiden Philosophen nichts übrig, und mussten dem Wirte bar bezahlen, was sie verschlemmt und versoffen hatten.

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Wie die von Eimbeck geschlagen wurden

Anno 1478 erhob sich Feindschaft zwischen dem Landgrafen zu Hessen und der Stadt Eimbeck, also dass es zuletzt zu einer Schlägerei kam. Die Eimbecker zogen aus, so stark sie konnten, den Hessen entgegen. Der Bürgermeister ermahnte die Seinen, standhaft zu bleiben und redlich sich ihrer Haut zu wehren; wer fliehen würde, sollte eine Kufe voll Bier als Strafe zahlen. Ein Spottvogel aus dem Haufen antwortete darauf und sprach:»Nun, nun, Herr Bürgermeister, lasset es bei einer Tonne bleiben, wir werden ohnehin genug zu saufen haben!« Das geschah auch also, denn die Eimbecker wurden geschlagen, und da jeglicher von ihnen einen Strick bei sich hatte, die Hessen damit zu binden, so wurden sie selbst mit ihren eigenen Stricken gebunden und gen Kassel in die Gefangenschaft geführt, allwo auch noch ihrer Fähnlein eines auf der alten Stadt in der Kirche steckt.

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Ein Wirt tauft den Wein und findet Fischlein in der Kanne

Es war ein Wirt in einem Dorfe am Odenwald, der allemal, wenn ihm vom Feuer träumte, in den Keller löschen lief und auch sonst allerhand Schindluder trieb, wie es denn von den Leuten dieser Zunft heißt: der beste Wirt ist ein Schelm. Bei unserem Wirte saßen nun einmal etliche Zecher und verlangten, der Wirt solle ihnen den Wein und das Wasser gesondert auftragen, sie täten sich den Trunk selber mischen. Sagte der Wirt, wem der Wein nicht gefiele, der solle ihn stehen lassen, er schenke nur rechten rheinischen Wein.»Ja, recht«, sagte einer,»er ist mit dem Rheine gewaschen und durchgeschwommen!« Da ward der Wirt zornig und ging aus der Stube. Schleunig warf einer von den Zechgesellen in die Kanne, darin man den Wein auftrug, eine Handvoll ganz kleiner Fischlein. Als nun der Wirt wiederkam, schenkte er den Gesellen aus der Kanne in die Gläser nach, ward die kleinen Fischlein darinnen gewahr und sprach:»Jetzund muss ich selber bekennen, dass ich Wasser mit darunter gemischt habe; wie könnten sonst die Fischlein in den Wein gekommen sein!« Also ward der Wirt vom Odenwald Lügen gestraft und musste sein Bubenstück bekennen.

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Wie ein Prediger auslegt, wozu die Läuse und Flöhe von Gott erschaffen wären

In einer Predigt zu Mittag, darein das Gesinde zu gehen pflegte, das morgens nicht Weile hat, sonder der Braten warten muss, da legte ein steinalter und langsamer Prediger den Spruch aus dem Buche Genesis aus, nämlich wie alle Dinge Gott zu Lob und Ehre und den Menschen zu Nutz und Frommen geschaffen wären. Da nun der Spruch von selber verständlich ist und der gute Mann in seinem Predigen langweilig anzuhören war, wurden die Zuhörer faul und schläfrig, und vornehmlich die Mägde huben bald an und schnarchten wie die alten Ackergäule. Unser Prediger vernahm auf der Kanzel das Schnieben und Schnarchen, und verdross ihn übel, dass er den Wänden predigen sollte. Nachdem er auf allerlei Tiere gekommen war, gedachte er auch der Läuse und Flöhe und predigte:»Es meinen viele Leute, meine lieben und andächtigen Christen, dass die Läuse und Flöhe nicht nutz sind. Das soll kein Christenmensch glauben, denn es steht geschrieben: Alle Dinge sind dem Menschen zu Nutz geschaffen! Dieweil nun die Läuse und Flöhe auch etwas sind, wie man sie denn kriechen und hüpfen sieht, so müssen sie auch zu etwas gut sein. Und dienen die Läuse dazu, dass sie manchem Bettler zu schaffen machen, der sonst müßig und feiernd dasäße. Darum, spricht man von der Bettlerkrankheit, so meint man das Läusesuchen. Und sind die lieben Flöhe von Gott erschaffen, dass sie die Weiber plagen, damit sie ihr unnützes Geschwätz und die bösen Gedanken vergessen, deren sie doch voll sind. Die Flöhe sind aber auch erschaffen, dass sie die stinkfaulen Mägde in der Predigt aufwecken und ermahnen, dass sie fleißig sein sollen im Zuhören, und geben einer oft einen Stich in die Seite, dass sie sich rümpft und krümmt. Sonst möchte die Faulheit so überhand nehmen, dass sogar das Himmelreich überflüssig wäre. Amen!« Da lachten die Zuhörer allesamt, und davon wurden die Mägde munter und nahmen sich des Predigers Worte zu Herzen.

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Das Lamm Gottes wächst heran

Ein einfältiger Schäfer beichtete einem Pfaffen und erzählte ihm also schwere Sünden: wenn er einen andern zwei rote Schleifen in den Hut ziehen sah, so zog er allemal drei darein; und am Tanz lugte er alleweg, dass er mit der hübschesten Dirn umspringen konnte; wenn ihm das gelang, trachteteer immer einen höheren Sprung zu tun denn ein anderer. Und solche schwere Sünden bekannte er ihm viel. Sprach der Pfaffe zu ihm:»Kannst du auch beten?« Der Schäfer antwortete:»Nein!« Der Pfaffe sprach:»Du musst es lernen!« und betete ihm das Vaterunser vor. Als der Pfaffe mitten im Vaterunser war, fiel ihm der Schäfer in die Rede und sprach:»Das wird mir schier zu lang und schwer, ich kann es nicht behalten, wenn Ihr ein kürzeres wüsstet, wäre es mir lieber.«»Wohlan«, sprach der Pfaffe,»so gebe ich dir ein anderes zur Buße, das du ein ganzes Jahr lang alle Tage sprechen sollst, bete also: O du Lamm Gottes, erbarme dich meiner! Daran kannst du dich immer deiner Herde erinnern.« Damit war der Schäfer zufrieden, erhielt die Lossprechung seiner Sünden und ging davon. Da er nun anhub, die Buße zu beten, sprach er alleweg:»O du Lamm Gottes, erbarme die meiner!« Und als es weiter ins Jahr hinein ging bis auf den Herbst, da sprach er:»O du Hammel Gottes, erbarme dich meiner!« Über ein Jahr in der Fastenzeit, als er wiederum beichtete, forschte der Pfaffe, ob er die Buße auch gebetet hätte, wie er ihm geheißen. Da betete es ihm der Schäfer also vor:»O du Hammel Gottes, erbarme dich meiner!« und sagte ihm auch, wie er den Namen dem Jahre nach verwandelt hätte. Dem Pfaffen gefiel es also schier nicht und sprach:»Warum hast du es getan?« Der Schäfer zur Antwort gab:»Herr, Ihr verstehet nichts davon, lasset Euch von mir sagen, der ich von Jugend auf mit Schafen umgegangen bin, was dieses Jahr ein Lamm gewesen ist, wird das andere Jahr ein Schaf oder ein Hammel.« Da lachte der Pfaffe und gedachte bei sich:»Hat diesen Schäfer niemand beten lehren können, so will ich es auch bleiben lassen.« Und ließ ihn also beten, wie er wollte.

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Ein Bauer überdisputiert den Bischof von Würzburg

Es ritt einmal ein Bischof über Feld, und waren wohl vierzig Mann auf Rössern mit im Zuge. Ein Bauer, der gen Acker fuhr, ließ die Ochsen und den Pflug stehen, lehnte sich an seinen Stecken und schaute dem Reiterzuge zu, vergaß schier das Maul offen. Der Bischof erblickte den Bauern, ritt auf ihn zu und sprach:»Lieber Mann, sage mir die Wahrheit, was hast du dir gedacht, da du mich mit meinen Leuten daher reiten sahest?« Der Bauer antwortete:»Herr, ich habe mir gedacht, ob Sankt Kilian zu Würzburg auch also daher geritten sei mit vierzig Rössern.« Der Bischof sprach:»Ich bin nicht allein ein Bischof, sondern auch ein weltlicher Fürst. Jetzund siehst du einen weltlichen Fürsten vor dir. Willst du einen Bischof sehen, so komme auf unser lieben Frauen Tag gen Würzburg, da siehst du einen Bischof.« Da fing der Bauer an zu lachen. Der Bischof fragte:»Was lachst du, Bauer?« Der Bauer gab zur Antwort:»Wenn den weltlichen Fürsten der Teufel holt, was tut der Bischof dann?« Da kehrte ihm der Bischof den Rücken und ritt davon, hatte von dem Bauern genug gehört.

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Ein Bäuerlein überlässt dem heiligen Franziskus seinen Kirchensitz

Ein Mönch aus dem Franziskanerorden predigte einmal den Bauern und wollte den heiligen Franziskus gern vor dem Volke seiner Würdigkeit halber mit dem höchsten Lobe auszeichnen. Darum fragte er in der Predigt und antwortete sich selber:»O heiliger Franziskus, wo soll ich dich im Himmelreiche hinsetzen? Unter die heiligen Jungfrauen? Nein! Heiliger Franziskus, wo willst du sitzen? Bei den Beichtigern? Nein! Willst du bei den Märtyrern sitzen? Nein? Heiliger Franziskus, willst du bei den Nothelfern sitzen? Nein!« Da ihm alle diese Heiligen zu gering waren, dass er den heiligen Franziskus ihnen zugesellt hätte, redete er also noch eine Weile weiter und gab sich selber die Antwort. Als aber das Fragen und Antworten an kein Ende ging, stund ein Bäuerlein in der Kirche von seinem Sitze auf und sagte:»Ach, lasset den guten Herrn allhier auf meinem Platze ausruhen, er wird gewiss schon recht müde sein, dieweil er nun schon so lange gestanden ist. Ich will ohnehin fortgehen und des Wirtes Wein versuchen!«

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Von einem Pfaffen, der sich erbot, seinen Schäflein das Abendmahl in dreierlei Gestalt zu reichen

Ein armer und ungelehrter Pfaffe strebte nach einer reichen Pfarre, die viel Einkommen hatte. Derhalben gefiel sie ihm gar wohl. Es war ihm nicht um das Schäfleinweiden zu tun, sondern er hoffte, viel Geld darauf zu bekommen. Und als er nun viel und oft darum gebeten und sich die Füße abgelaufen hatte, ward er von den Bauern auf einen Sonntag bestellt, da wollten sie mit ihm handelseins werden und ihm die Pfarre geben. Da nun derselbige Sonntag kam, erschien der Pfaffe vor dem Schultheiß und dem ganzen Gericht in Beisein des Amtmannes, und als nun alle Dinge ausgemacht waren, was er sollte als Lohn haben: Behausung, den kleinen Zehnten, etliche Viertel Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, dazu noch Wein und Geld, was dem Pfaffen alles gut passte; kurzum als alles verabredet und beschlossen war, da nahm ihn der Schultheiß auf die Seite und sagte ihm insgeheim:»Lieber Herr Pfarrer, nachdem Ihr bisher im Papsttum Euch gehalten habt, sollt Ihr wissen, dass wir es in diesem Dorf anders halten, denn wir sind hier gut eigenwillisch; darum müsst Ihr und das Abendmahl in zweierlei Gesalt reichen, nämlich Brot und Wein.« Der gute Pfaffe fürchtete, wo er sich dem widersetzte, könnten ihn die Bauern wieder fortschicken, derhalben war er gutwillig und sprach zum Schultheißen:»Das will ich gerne tun; damit ihr sehen sollt, dass ich es treulich und gut mit euch meine, so will ich euch das Sakrament in dreierlei Gestalt geben, nämlich in Brot und Wein und in Käs auch dazu.« Das gefiel dem Schultheißen recht gut, und sagte, er wollte es seinen Bauern hinterbringen, ob sie sich damit wollten genügen lassen.

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Ein Bettelmönch bringt ein Kälblein zur Welt

Ein Bettelmönch kam auf der Käsejagd des Abends sehr müde in eines Bauern Haus und musste wegen der Armut der Leute in der Stube auf dem Stroh liegen. In derselbigen Nacht, da der Mönch eingeschlafen war, kälberte des Bauern Kuh, und der Winterkälte halber tat der Bauer das neugeborene Kälblein auch in die Stube und legt es nicht weit weg, wo der Mönch schlief, auf das Stroh. Dem frommen Bruder träumte von ungefähr in der Nacht, wie er ein Kälblein geboren hätte, und stund große Angst und Pein aus. Und da er aus dem Traume erwachte, sah er das Kälblein zu seinen Füßen liegen, und glaubte nicht anders, denn er hätte es zur Welt gebracht. Erschrak noch härter und wusste nicht, was er vor Furcht anfinge. Da packte er heimlich das Kälblein, trug es hinaus und warf es in einen Brunnen und machte sich aus dem Staube. Als dann der Bauer aufstund und das Kälblein irre ging, fiel sein Argwohn allsogleich auf den Bettelmönch, das er so zeitig von dannen gegangen war. Auf der Stelle lief er zu den Mönchen ins Kloster und musste der Käsejäger den Hergang erzählen und das Kälblein teuer bezahlen. Da alle Welt die neue Zeitung erfuhr, hatte der Bettelmönch zum Schaden auch noch den Spott.

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Von einem laut schreienden Mönch auf der Kanzel und einem alten Weib

Zu Poppenried wohnte ein Mönch, der dieselbige Pfarre zu versehen hatte. Er hatte eine überaus grobe Stimme; wenn er auf der Kanzel stund und es hätte ihn einer vorher nicht gehört, der meinte, der Mönch wäre von Sinnen gekommen. Eines Tages da erhub er wieder ein solches Geschrei. Da war nun eine gute, alte Wittib in der Kirche, die schlug beide Hände heftig zusammen und weinte gar bitterlich. Das nahm der Mönch auf der Kanzel denn auch wahr. Als nun die Predigt aus war, sprach der Mönch zu der Frau, was sie zu solcher Andacht bewegt hätte.»O lieber Herr!« sagte sie,»als mein lieber Hauswirt, Gott lasse ihn selig ruhen, aus dieser Welt scheiden wollte, wusste er wohl, dass er mit seinen Verwandten sein nachgelassen Hab und Gut teilen musste. Darum begabte er mich voraus mit einem hübschen und jungen Esel. Nun stand es nicht sehr lange nach meines Mannes seligen Tode an, da starb mit der Esel auch. Als Ihr nun vorhin also mit einer groben und starken Stimme auf der Kanzel zu schreien anfinget, gemahntet Ihr mich an meinen lieben Esel; der hatte auch eine solche Stimme wie Ihr.« Der Mönch, der auf ein gar gutes Geschenk bei dem alten Weiblein gehofft hatte, dabei auch großen Ruhms von ihr gewärtig war, fand also eine gar verächtliche Antwort und ward einen Esel gleichgehalten.

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Ein Raubritter geht zur Beichte

Einen edlen Heckenritter und Strauchhahn kam einst die Galgenreue an, und der Wind wehte ihn in eine Kirche, wollte seiner Sünden ledig werden. In der Kirche ging er hin und her, trug einen Rotgulden in der Hand und wendete und drehte ihn nach allen Seiten. Das sah ein Pfäfflein, dem stank das Maul nach dem Gulden, dachte:»Schau dazu, dass du den Gulden kriegst, ehe ihn dir ein anderer wegfischt. Du musst sonst manche Messe schinden, ehe du einen Rotgulden zusammenbringst.« Er wagte es, ging zu dem Edelmanne, und nach getaner Reverenz sagte er zu ihm:»Ehrenfester Junker, ich sehe, dass Ihr ein Anliegen habt; wenn Ihr beichtet, so wird Euer kummervolles Herz Trost empfangen, und ich bin auch darum hier.« Der Edelmann sagte:»Ja!« Nach der Beichte fragte der Pfaffe den Edelmann, ob er auch wahrhaft Reue über seine begangenen Sünden empfinde und sich hinführ, soweit menschliche Schwachheit das zuließe, vor Sünden zu hüten willens sei. Sagte der Ritter, nein, das wollte und könnte er nicht zusagen. Also konnte ihn der Pfaffe nicht lossprechen und musste den Gulden dahinfahren lassen. Ein anderes Pfäfflein, der nicht weniger gerne den Gulden gehabt hätte, machte sich nun ebenso an den Edelmann heran und nahm ihm die Beichte ab. Wie er nun auch nicht zusagen wollte, vom Sündigen zu lassen, gedachte der Pfaffe:»Lässest du ihn ohne Absolution von dir, wird der Gulden, darin gar viel guter Bisslein stecken, einen andern Herrn suchen.« Er fand darum eine List und sprach ihn folgendermaßen los, doch lateinisch, da es der Raubritter nicht verstand:»Unser Herr Jesus Christus absolviere dich, wenn er will, und vergebe dir deine Sünden, was ich nicht glaube, und helfe dir ins ewige Leben, was unmöglich ist!« Also bekam er den Rotgulden, und dem Raubritter ward der Wille getan.

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Von einem entlaufenen Mönch, der mit der Schrift überwunden ward

Ein entlaufener Mönch kam auf die ehrsame Kunst der Druckerei und verpflichtete sich, vier Jahre zu lernen. Als er eine Zeit dabei war, zog er das Gasthütlein ab, also dass er bald das große Wort führte. Was immer geredet ward, er wollte alles besser wissen denn die anderen Gesellen, und sonderlich aus der Heiligen Schrift, und machte allen Gesellen mit seinem Disputieren den Kopf voll. Es sind aber die Druckergesellen gemeiniglich mit allen Salben gerieben, war auch einer unter ihnen, der ein großer Spottvogel und Schwänkemacher war. Der sprach einmal zu dem Mönche:»Du treibst allewege viel mehr Geschwätz denn andere Gesellen und bist doch nicht fest in der Schrift. Ist es dir recht, so will ich am Sonntag eine kurze Disputation mit dir halten, doch unter der Bedingung, dass nichts verhandelt werde denn mit der Schrift, also dass sich ein jeder mit der Schrift behelfe und wehre. Es sollen die anderen Gesellen zuhören und Richter sein.« Der Mönch war wohl zufrieden, und versprachen einander also die Disputation. Als nun der Sonntag kam und sie zusammen saßen, hatte sich der Mönch mit der Heiligen Schrift, und was er sonst an Büchern für brauchbar dazu hielt, versehen; der Setzer aber, als ein großer Spottvogel, hatte sich etwa gegen fünf oder sechs Pfund Buchstaben in einen Sack getan, die man auf der Druckerei nicht anders denn Schrift heißt. Als sie nun anfingen zu disputieren und der Mönch ihm viel hohe und große Fragen (wie er meinte) aufgab und der Setzer ihm stets mit lachendem Munde spöttische Antwort gab, also dass der Mönch bald merkte, dass er ihn zum Narren hielte, fuhr er empor und fasste den Setzer beim Haar; aber der Setzer war nicht faul und rückte mit seinem Sack hervor, darin die Schrift war, und schlug sie dem Mönch um Kopf und Lenden, wo er ihn treffen konnte, also dass der Mönch Zeter und Mordio schrie und die Gesellen ihm zu Hilfe kommen mussten. Also musste der Mönch den Spott zu den Streichen haben, und erkannten die Gesellen, dass der Setzer sollte gewonnen haben und der Mönch mit der Schrift überwunden wäre. Also ward der Mönch danach ein wenig still, denn wenn er eine Disputation anfing, drohten ihm die Gesellen mit der Schrift und sprachen:»Muss man wieder die Schrift fühlbar bei die gebrauchen?«

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Schwalben und Sperlinge, der Mönche Abbilder

Zwei Bettelmönche, der eine aus dem Predigerorden, der andere aus dem Barfüßerorden, zogen miteinander über Land, das Almosen für ihre Brüder einzusammeln. Gleichwohl aber stichelte aus Brotneid in seiner Predigt ein jeder auf den andern mit heimlichen Worten und Gleichnissen und

Predigte also der Barfüßer zuerst und sprach:»Lieben Bauern und guten Freunde! Hütet euch vor dem Vogel, der da Schwalbe heißt, inwendig ist er weiß, auf dem Rücken aber schwarz, das ist, er bedeutet die Menschen, die vor einem gut, hinter einem aber falsch sind. Er ist ein böser und schlimmer Vogel, hat wohl das Ansehen, als bringe er gute neue Zeitung des nahenden Sommers, ist aber selbst zu nichts nütze. Und wenn dieser Vogel erzürnt, wird er ganz unsinnig und sticht die Kühe. Und wo dieser auf jemand schmeißt, erblindet er davon, wie ihr da im Buche Tobiae leset. Darum habe ich euch in christlicher und gutherziger Meinung vor dem schädlichen Vogel warnen wollen.« Also flickte er dem Predigermönch eins am Zeug, die tragen inwendig weiße Röcke, auswendig aber schwarze Kappen. Als nun am Nachmittage der Predigermönch auf die Kanzel stieg und predigte, da verfehlte er auch nicht, den Barfüßer die Larve vom Gesicht herunterzureißen, sprach also:»Ich kann zwar den Vogel, die arme Schwalbe, so groß nicht verteidigen oder schützen. Der Sperling aber, in seiner grauen Halskappen, ist der nicht ein schädlicher Vogel? Vor dem seid ja fleißig gewarnt, lieben Freunde. Was ist gut oder nützlich an einem Sperling? Er raubt, stiehlt und frisst alles, was er nur in Feld und Scheune bekommen kann als Gerste, Hafer, Weizen, Roggen, Äpfel, Birnen, Erbsen, Kirschen und dergleichen. Hält keine Fasten und achtet keinen Bettag, schlemmt und prasst einen Tag wie den andern, ist schier unersättlich und keinem aus dem ganzen Vogelgeschlecht, sondern der Art nach den räuberischen Harpyen zu vergleichen. Was ist nur vor ihm sicher? Auch ist er ein unkeuscher und geiler Vogel, dessen größte Kunst ist, dass er schreit: zwirr, zwirr, scirp, scirp. Ist ein falscher Schmeichler, im Winter heißt er die Bauern ohne Aufhören Vetter, Vetter! Im Sommer aber narrt er sie Filz, Filz!« Also hackte der Predigermönch zurück, und als ihnen die Bauern fleißig gespendet hatten, zogen sie miteinander weiter ihren Weg.

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Ein Mönch zeugt der Juden Messias

Vor alten Zeiten wohnten in der Stadt Prag im Böhmerland gar viele Juden. Derselbigen einer hatte eine junge und schöne Tochter, der ein Mönch nachstieg und Liebe von ihr begehrte. Das Mägdlein schenkte ihm ihre Gunst, der Mönch raubte ihr der Jungfräulichkeit Blume, und zuletzt ward sie von ihm schwanger. Auf dass sie nicht in die Schande käme, ersann der Mönch eine List, kam des Nachts oftmals in ihres Vaters Haus, erhob einen geheimnisvollen Lärm und seltsames Geschrei und sagte mit schrecklicher Stimme, wie dass er ein Engel wäre, vom Himmel gesandt, ihnen zu verkünden, dass sie das Mägdlein heilig achten und sich freuen sollten, da der langersehnte Messias aus ihr geboren würde. Die Juden waren selig über diese fröhliche Botschaft vom Himmel, und ward die Kunde davon weit und breit unter allen verbreitet und die Freude allenthalben groß; derhalben auch aus allen Landen die Juden zu diesem Mägdlein pilgerten und die Geburt des Messias mit Bangen abwarteten. Aber ach das große Leid, das über die Juden kam! Als nämlich die Zeit um war, schenkte die Jüdin einem jungen Töchterlein das Leben und ward also die Hoffnung der Juden auf den langersehnten und oft verheißenen Messias gar schändlich betrogen.

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Von einem ungelehrten Pfaffen, der den Kalender nicht verstand

Es liegt ein Dorf im Lothringerland, mit dem Namen Langenwasen genannt. Darin lebte auch ein hochgelehrter Pfaffe, dem nichts mangelte, außer dass er nicht wusste, wenn es Samstag oder Sonntag war, da er sich gar nicht auf den Kalender verstand. Er hatte jedoch ein besonderes Merkmal für die Tage; er war nämlich von einem so sinnreichen Verstand, dass er nur vom Zusehen gelernt hatte, die allerbesten Besen machen, die man antreffen konnte. Er nahm sich vor, jeden Montag anzufangen, und machte einen Besen, am Dienstag wieder einen, am Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag, jeden Tag einen; und wenn er dann der Besen sechs beisammen hatte, so konnte er annehmen, dass den künftigen Tag Sonntag sein musste. Darum ging er stets am Samstagabend zu seinem Sigristen und befahl ihm, des Morgens zu der Messe zu läuten. Nun war ein schandbarer Bauer zu Langenwasen, der war oft um den Pfaffen; derselbige fand den Pfaffen einmal, wie er seine Besen also zählte: den ersten Besen nannte er Montag, den andern Dienstag, den dritten Mittwoch, den vierten Donnerstag, den fünften Freitag; danach sagte er:»Morgen muss ich meinen Kirchendiener läuten heißen.« An solchen Worten konnte der Bauer wohl erkennen, dass er seine ganze Wochenrechnung allein an den Besen hatte. Auf einen Mittwoch danach kam obgemeldeter Bauer wieder in des Pfaffen Haus und fand den Pfaffen nicht daheim, denn er war nach Besenreisern ausgegangen. Der Bauer fand drei Besen beieinander in einem Winkel stehen, er nahm eilends den einen und verbarg ihn hinter einer alten Kiste. Der gute Pfaffe arbeitete danach, als er auch dem Holz kam, ganz fleißig. Am Freitag fing er wieder an, seine Besen zu zählen, und fand deren nicht mehr denn vier. Er sagte zu sich selber:»Wie bin ich doch ganz irr in meinen Besen geworden, hätte gewettet, es wäre heute Freitag gewesen, und ist doch erst Donnerstag.« Also stund er am Samstagmorgen wieder auf und machte seinen Freitag. Am Sonntagmorgen machte er seine Samstag. Nun hatte aber der Bauer, der ihm den Besen versteckt hatte, dem Sigristen die Sache verraten. Und als die Zeit kam, fingen sie an, zur Messe zu läuten. Der Pfaffe meinte, es wäre jemand gestorben, lief in die Kirche und fragte, was das für ein Geläute wäre.»Ich habe zur Messe geläutet«, sagte der Sigrist,»denn es ist heute Sonntag.«»Wie kann das möglich sein?« sagte der Pfaffe,»Samstag ist heute!« Also kamen sie hart in Streit zusammen, so dass zuletzt der Pfaffe den Sigristen einen Lügner hieß. Der Sigrist, der um alles wusste, stellte sich gar zornig und sagte:»Herr Pfarrherr, Ihr scheltet mich einen Lügner; das müsst Ihr mich überführen, oder ich will gen Metz gehen und Euch vor dem Bischof verklagen.« Der Pfaffe sagte:»Du Schalk, so gehe und bringe noch einen andern mit dir in mein Haus, da will ich dir gute Rechnung für einen jeglichen Tag geben.« Der Sigrist lief zu dem Bauern, der ihm das Geheimnis mit den Besen verraten hatte, und brachte ihn mit sich in des Pfaffen Haus. Der Pfaffe fing an und zählte seine Besen und konnte nicht mehr finden denn den Freitag; den Samstag hatte er noch nicht ganz fertig gemacht.»Siehst du«, sagte der Pfaffe,»da steht noch der Samstag und ist noch nicht fertig gebunden.« Der Sigrist sagte:»Was gehen mich die Besen an! Zeigt mir den Kalender!« Der Pfaffe sagte:»Was kümmert mich der Kalender, da mir die Tage an meiner Arbeit nicht fehlen.« Zuletzt suchte der Sigrist hin und wieder im Haus, fand den Besen hinter der Kiste, zog ihn hervor und sprach:»Hier sehet Ihr, Herr Pfarrer von Langenwasen, welcher von uns beiden wahr geredet hat; nun erwartet nur nichts anderes von mir, denn dass ich nächstens gen Metz ziehe und Euch vor dem Bischof verklage; der wird Euch den Kalender zu lehren wissen!« Wem war mehr Angst denn dem guten Pfaffen. Er bangte nicht allein, dass er um seine Pfünde käme, sondern fürchtete auch das Gefängnis. Darum bat er den Sigristen um Verzeihung, er wollte fürderhin besser den Kalender lernen und nicht mehr auf sein Besenmachen achthaben. Der Bauer, der den Besen versteckt hatte, legte bei dem Sigristen auch ein gutes Wort für den Pfaffen ein; also vertrugen sie sich miteinander. Und als die Messe vollbracht war, führte sie der Pfaffe ins Wirtshaus, zahlte die Zeche und lernte künftig den Kalender. Solche ungeschickte Priester haben wir nicht im deutschen Land, es müsste denn manchmal anders sein.

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Ein bairischer Pfaffe predigt seinen Bauern

Zu Osterhofen im Baierland, da war ein armer Pfaffe, der sich sein Brot sauer verdienen musste. Auf eine Zeit wollte er predigen, war seiner Not halber ganz und gar unlustig, sagte:»Lieben Kinder Christi! Ich soll enk das Wort Gottes verkünden, ös seid so schändliche und böse Bauern, ös wollt nicht beten, nicht fasten, nicht auf den Altar opfern und nichts um Gottes willen geben. Nehmet wahr, über Nacht sterbe ich und fahre von Mund auf zu dem allmächtigen und ewigen Gott. Spricht er zu mir: Herr Hans, seid mir willkommen! Ziehe ich mein Barettlein ab und spreche: Gnädiger Herr! Alsdann sagt der allmächtige und ewige Gott: Mein Herr Hans, wo habt Ös die Schäflein, die Ös geweidet habt auf dem Erdreich unten? Lieber Herr Hans, wo sind enkere armen Leute? O mein, da stehe ich vor dem allmächtigen und ewigen Gott, als wäre mir die Hand geschissen. Der Teufel hat sie alle hinterrücks mir hinweg gezogen. Darum will ich enk endlich sagen, wann ös kein ander Art annehmen wollt, so sei der Teufel enker Seelsorger und Pfarrherr. Und will hiemit Urlaub genommen haben. Amen!« Also zog der Pfaffe von der Pfründe und kam gen Vilshofen, das er noch ist.

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Der Kranich mit einem Bein

Es war ein Ritter zu Florenz und hatte einen Ordensmann für einen Beichtvater, der in der Fastenzeit daselbst alle Tage predigte. Am heiligen Osterfeste wollte der Ritter dem Mönche eine Ehre antun und lud ihn zu Gast, dass er mit ihm speise. Der Mönch kam in des Ritters Haus, ehe der Gottesdienst aus war, und der Herr war noch in der Kirche. Den Mönch aber hungerte schon arg, und als er in die Küche kam, da sah er allerlei Gebratenes an dem Spieße, Fasanen und Kraniche. Sprach er zu der Köchin:»Das Gebratene wäre jetzund am allerbesten zu essen, gib mir eine Keule von einem Kranich, nachher will ich warten.« Die Köchin sprach:»Wahrlich, ich darf es nicht tun, mein Herr möchte mich zum Haus hinaus jagen, wenn ich ihm das Wildbret also geschändet auf den Tisch brächte. Aber nehmet es Euch selber, so habe ich keine Schuld!« Der Mönch machte sich mit dem Messer über einen Kranich, riss ihm eine Keule aus, und die Köchin gab ihm ein Weißbrot dazu und stellte ihm eine halbe Maß Wein hin. Also ließ sich der Mönch die Keule gut schmecken. Als man nachher bei Tische saß und der Braten aufgetragen ward, da lag der Kranich auf der beschädigten Seite. Der Herr sah es uns sprach:»Wo ist denn der andere Schenkel hingekommen?« und wollte fast über die Köchin zürnen. Der Mönch, der neben dem Herrn saß, beruhigte ihn und raunte ihm in ein Ohr, er solle sich vor den Gästen damit abfinden, nach dem Essen wolle er ihm erklären, dass der Vogel nicht mehr denn einen Schenkel gehabt hätte. Der Herr ließ es also als ein verständiger Mann dabei sein, und als man gegessen hatte, sprach er:»Wohlan, lieber Beichtvater, wir wollen spazieren gehen!« und gingen vor die Stadt hinaus, da die Kinder laufen und springen. Auf dem Wege sprach der Ritter:»Lieber Beichtvater, Ihr habt gesagt, dass der Vogel nicht mehr denn einen Schenkel gehabt hätte, wie ist denn die Sache?« Der Mönch sprach:»Das will ich Euch zeigen!« und führte ihn weiter vor die Stadt Florenz auf die Wiesen hinaus, da an die hundert Kraniche stunden, und war ihre Gewohnheit, auf einem Bein zu stehen. Der Mönch zeigte hin und sprach, wie die Vögel alle nur ein Bein hätten. Der Ritter aber schlug seine Hände zusammen und jagte sie; da erschraken die Vögel und streckten die Hälse aus und den anderen Schenkel. Der Ritter zum Mönche sprach:»Nun, sehet Ihr, dass sie zwei Schenkel haben?« Gab der Beichtvater darauf zur Antwort:»Lieber Herr, hättet Ihr die Hände auch also zusammengeschlagen, da wir bei Tische saßen, so wäre der andere Schenkel auch hervorgekommen!«

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Ein Pfarrherr verbot seinen Bauern das Lügen und hieß, wenn jemand lüge, sollte der andere dazu pfeifen

In einem Dorfe waren gar ungeschlachte und schalkhafte Bauern, die oft im Wirtshaus uns sonst mit Scheltworten einander der Lüge ziehen und zu öfteren Malen herumschlugen und stachen, was der Pfarrherr ihnen oft und oft von der Kanzel gewehrt hatte. Half aber nichts. Auf eine Zeit, an einem Sonntage, da der gute Herr nicht viel studiert hatte und seinen Bauern predigen sollte, fing er abermals an, ihnen ihre Scheltworte vorzuhalten, sprach:»Ihr seid doch unverbesserliche Bauern! Habe euch jetzt eine lange Zeit schon das Fluche, Schwören, Lügenzeihen, Schlagen und Raufen verboten, wird aber je länger je böser. Ihr zeihet einander freventlich der Lüge, woraus dann aller Hader und Zank sich erhebt. Wenn einer doch lügt und ein anderer ihn seiner Lügen halber strafen will, spreche er nicht mit Trotz: du lügt, sondern pfeife dazu, so wird es denn dieser merken und zu dem Scherze lachen. Pfui, es ziemt euch nicht!« Und das merkte auch ein ungeschlachter Bauer hinten in der Kirche. Der Pfarrherr ließ nun davon ab und predigte den Bauern von der Erschaffung der ersten Menschen, sprach:»Lieben Untertanen, der allmächtige Gott hat es, als er Himmel und Erde gemacht, für gut gehalten, auch den Menschen zu erschaffen, hat einen Lehmbatzen zusammengewalzt, wie einen Menschen geformt und ihn hernach an eine Zaun gelehnt, dass er zum Leben käme.« Wie das der ungeschlachte Bauer hinten in der Kirche hörte, tat er einen überlauten Pfiff, was der Pfarrherr merkte und sprach:»Wie, Bauer, meinst du, ich lüge?«»Nein, Herr«, antwortete der Bauer,»wer hat aber den Zaun gemacht, wenn noch kein Mensch auf Erden gewesen ist?« Man spricht: Wie der Pfaffe, also sind auch seine Untertanen.

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Wie ein reicher Bauer beten lernte

Es war ein reicher Bauer. Als der einmal beichtete, da fragte ihn der Beichtvater, ob er auch beten könne. Er antwortete:»Nein, ich habe es oft unternommen zu lernen, aber ich habe es nie erlernen können.« Da fragte ihn der Beichtvater:»Könnet Ihr auch schreiben und lesen?«»Nein«, sagte der Bauer. Der Beichtvater sprach:»Wie könnt Ihr denn behalten, wem Ihr Korn oder Geld leihet?« Er sprach:»Dasselbe kann ich wohl behalten.« Da sagte der Beichtvater:»Wollet Ihr zu Buße haben, den armen Leuten Korn zu leihen? Doch sollen sie es Euch nach der Ernte wieder bezahlen.« Der Bauer sagte:»Ja, das will ich gern tun.« Darauf schickte der Beichtvater einen armen Mann zu ihm, den der Bauern nicht kannte. Derselbe arme Mann sprach zu ihm:»Euer Beichtvater hat mich zu Euch geschickt, Ihr sollet mir zwei Sester Korn leihen.« Der reiche Mann fragte:»Wie heißt du?«»Ich heiße Vater unser!« Der reiche Mann fragte weiter:»Von welchem Geschlecht bist du?«»In den Himmeln heißt mein Geschlecht«, sprach er. Nach acht Tagen schickte der Beichtvater einen anderen armen Mann zu ihm, der sollte sich nennen: Geheiligt werde die Nam, vom Geschlecht: Zukumm dein Reich. Der reicht Mann merkte sich den Namen, und da der Beichtvater glaubte, er hätte die Namen behalten, schickte er einen anderen armen Mann zu ihm, der nannte sich: Dein Wille der werde, vom Geschlecht: Auf Erdreich als in dem Himmel. Und so machte er es weiter durch das ganze Vaterunser. Danach kam der Beichtvater zu dem reichen Manne und fragte ihn, ob er das Korn ausgeliehen habe. Er antwortete:»Ja!« Der Beichtvater fragte weiter:»Wie heißen die Namen?«»Der erste«, begann der reiche Mann,»heißt Vater unser, vom Geschlecht In den Himmeln, der andere heißt Geheiligt werde dein Nam, vom Geschlecht Zukumm dein Reich«, und so zählte er alle übrigen Namen durch das ganze Vaterunser auf. Da lachte der Beichtvater, so dass der reiche Mann fragte:»Warum lachet Ihr, Herr?« Der Beichtvater erwiderte:»Darum, dass Ihr jetzund beten könnt, indem Ihr die Namen nennet.« Da war der reiche Mann froh, schenkte den armen Leuten das geliehene Korn und ließ dem Beichtvater einen neuen Rock anmessen.

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Von einem Müller, der abgehaust hatte und betteln ging

Zu Sembach im Schweizerland, da war ein Müller, der hauste ab, ward gepfändet und ihm alles genommen, was er hatte, und musste betteln gehen. Derselbe, mag wohl der Müller Heiliger geworden sein. Auf seiner Bettelfahrt kam er einmal vor eines Bäcken Haus zu Zofingen und bat um ein Almosen um Gottes und des Handwerks willen. Der Bäcker ragte ihn, welches Handwerk er betrieben hätte. Der Bettler gab zur Antwort, er wäre ein Müller gewesen. Fragte der Bäcker weiter:»Wie viel Bauern hast du denn gehabt, die bei dir gemahlen haben?« Antwortete der Bettler:»Neunzehn!«»Oho!« darauf der Brotbäck weiter sprach: Du ungeschickter Mann, hast du das Stehlen nicht besser verstanden, dass du jetzund betteln gehen musst? Ich hätte mich mit dem Malzer also zusammengetan, und hätten alle neunzehn Bauern früher betteln gehen müssen denn ich. Hast du so gute Gelegenheit gehabt, auf deinen Säckel zu schauen, und auf deinen Vorteil ganz vergessen, da gebe ich dir nicht einmal das, was ich auf meiner Wirkbank zusammenscharre, geschweige denn ein Stück Brot. Weißt du nicht, dass man zu Zeiten sich irgendwie umschauen muss, wie man mag und kann, will man im Alter nicht betteln gehen!« Und gab ihm nichts, hieß den Bettler weitergehen.

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Ein dummer Teufel kann die Ablassbriefe nicht lesen

Zwei Bürger pilgerten einst aus einer Stadt selbander nach Rom, Ablassbriefe daselbst zu erstehen. Der eine war reich und hatte viel Geld und konnte seine Briefe gut bezahlen und zuletzt die Schuld und Pein Absolution erhalten. Der andere aber war arm, der beichtete nur zu Rom und konnte sich einen Ablassbrief nicht leisten. Nachher zogen sie zu zweit wiederum heimwärts; auf dem Wege flunkerte der Reiche von seiner Gewalt und seinen Briefen und war ein großes Ding. Nach etlichen Jahren fügte es sich, dass der arme Mann starb, und kam in die Hölle, und der Reiche starb auch und ward auch verdammt auf ewig in die Hölle. Da sprach der arme Mann zu dem Reichen:»Wie? Bist du auch allhier? Wo sind denn deine Briefe, von denen du so gloriert hast? Haben sie dir nicht geholfen?« Der Reiche sprach:»Lose zu, guter Geselle, wie es mir ergangen ist; da ich im Sterben lag, da ist ein ungelehrter Teufel gekommen, der konnte die Briefe nicht lesen und hat mich mitsamt den Briefen hinweg geführt; und sind mir die Briefe allesamt verbrunnen. Also bin ich auch hier.«

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Unser Herrgott gibt für eine Kuh hundert

Es war ein armer Bauer, der hatte nicht mehr denn eine Kuh. Und einmal war das Weib in der Predigt, da predigte der Pfarrherr, wer eine Kuh oder was es sonst wäre um Gottes willen hergäbe, dem würde Gott hundert dafür geben. Als das Weib heimkam, da erzählte sie ihrem Manne, wie der Pfarrherr gepredigt hätte, und tät raten, die Kuh dem Pfarrherrn um Gottes willen zu geben. Dem Manne war es recht; und brachten also ihre einzige Kuh dem Pfarrherrn und hofften allezeit, Gott werde ihnen die Kuh hundertfältig vergelten. Der Pfarrherr behielt die Kuh eine Zeitlang daheim, ehe er sie austrieb; nachher aber band er zwei Kühe zusammen, auf dass des Pfarrherrn Kuh den Neuling heimführte. Es kehrt sich aber das Blättlein um, des Bauern Kuh führte die Pfaffenkuh mit in das Haus der zwei Bauernleute. Als es nun Abend ward, ging der Pfarrherr die beiden Kühe irre, und man sagte ihm, wo sie wären. Der Pfarrherr kam also zu des Bauern Haus und verlangte die zwei Kühe heraus. Der Bauer sprach:»Ich habe keine Kuh, die Euer ist. Unser Herrgott ist mir hundert Kühe schuldig gewesen, wenn es so ist, wie Ihr gepredigt habt; eine hat er mir schon geschickt, ist mir aber alleweil noch neunundneunzig schuldig!« Der Bauer und der Pfarrherr kamen miteinander nun vor das Gericht, aber der Pfarrherr musste dem Bauern die zwei Kühe lassen.

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Ein Landsknecht hilft einem Bauern seine Armut essen

Ein guter, junger Geselle zog in den Krieg, verhoffte auch einmal reicht zu werden. Als aber der Krieg nicht lange währte, sondern, wie man sagt, ein Loch gewann und die Knechte auf Urlaub geschickt wurden, da wurde auch unser guter Bruder mit vielen Seinesgleichen ohne Geld wiederum heimgeschickt. Und wie er also bis in seine Heimat sich durchschlagen und durchbetteln musste, kam er vor eines Bauern Haus, der saß bei Tische und aß mit seinem Gesinde und seinen Kindern zu Morgen. Also klopfte der Krieger an das Fenster und begehrte einen Zehrpfennig, auf dass er mit Ehren weiterkommen könnte. Der Bauer sprach:»Fürwahr, mein guter Geselle, ich habe nicht viel Zehrpfennig wegzuschenken, das Geld ist in meinem hause recht teuer; willst du aber vorlieb nehmen, so komme herein und iss mit mir, so gut ich es habe, so will ich meine Armut, die mir Gott beschert hat, gerne mit dir teilen.« Der Krieger hatte sehr großen Hunger und war froh, dass er zu einem Essen kam, setzte sich zum Tisch und fraß die Armut schier ganz allein auf. Als er sich angegessen und fast einen Hafen mit Milch ausgetrunken hatte, sagte er dem Bauern großen Dank und zog eiter seine Straße. Wie er auf der Straße war, dachte er erst den Worten nach und auch, dass ihm die Armut so gut geschmeckt hatte, und sagte zu sich selber:»Ich fürchte, ich werde an dieser Mahlzeit verdauen müssen.« Wenn er nun später gefragt wurde, wie es käme, dass er nicht reich würde, gab er allemal zur Antwort, er hätte einem Bauern seine Armut helfen essen, die müsse er noch verdauen; wenn die verdaut wäre, so hoffe er, noch einmal reich zu werden.

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Der Gänsedieb ermahnt seine Kinder, sie sollten den Leuten die Gänse in Ruhe lassen

Ein armer Mann brachte auf eine Zeit eine Gans heim, die er vielleicht gekauft hatte, ehe sie feil geworden war. Als die Gans bereitet war und auf dem Tische stand und der Gänsedieb mit seinen Kindern um die gebratene Gans herumsaß, begab es sich, dass der Mann, dem die Gans abhanden gekommen war, einen Argwohn auf den armen Mann hatte, vor das Fenster kam und horchte, ob er sie von der Gans reden hörte. Wie solches der gute, arme Mann merkte, sprach er zu seinen Kindern:»Lieben Kindlein, esset schön das Habermus, betet und seid fromm und lasset den fremden Leuten ihre Gänse in Ruhe, damit nicht über uns geklagt wird!« Wie der gute Mann vor dem Fenster, dem die Gans auf dem Tische gehörte, solche Reden vernahm, zog er heim und sprach zu seinem Weibe:»Wahrlich, der Mann, auf den wir unserer gestohlenen Gans halber eine Argwohn gehabt, ist unschuldig; der hat seine Kindlein so schön ermahnt, siesollten Habermus essen und fremden Leuten die Gänse in Ruhe lassen.« Also konnte der Gänsedieb mit seinen Kindern in Ruhe und Frieden die Gans aufessen, und der, dem die Gans gehörte, musste den Schaden haben.

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Von einer gestohlenen Kuh

Vor etlichen Jahren stahl ein Dieb eine Kuh im Land zu Hessen und trieb sie in ein Dorf, Hulsa genannt, da ward sie geschlachtet und gegessen. Es stund nicht lange an, da fingen sie den Dieb und brachten ihn zu Homberg ins Gefängnis. Als er schon einen Schwengel in einer Feldglocke abgeben sollte, da glückte es ihm (mit was für Mittel und wessen Hilfe ward nicht kund), dass er aus dem Turme entkam. Um die Zeit kam der Pfarrherr aus obgedachtem Dorf, Herr Scheuch, genannt, ein wüster Pfaffe, in den Weinkeller zu Homberg. Sprach zu ihm einer der Amtsleute:»Herrlein, Herrlein, man sagt seltsame Dinge von Euch, Ihr sollt von der gestohlenen Kuh auch essen geholfen haben.« Antwortete der Pfarrherr:»Bei Gott! vier Pfund habe ich davon gegessen, doch ist es in Unwissenheit geschehen. Ihr Amtsleute aber hattet den Dieb in Händen und hättet ihn an den Galgen knüpfen sollen, aber ihr nahmet lieber Geld und ließet das Geld im Beutel zappeln.«»Was liegt Euch daran«, sprach der andere,»der Dieb ist doch seit der Zeit gehenkt worden.«»Ei, darum schweiget fürder still«, sagte der Pfarrherr,»und lasset mich mit Frieden, denn mit der Kuh ist es eben auch so gegangen; hätten wir sie zu Hulsa nicht gefressen, wäre es ihr an einem anderen Orte widerfahren.«

Wie einer ruft in den grünen Wald,
Die gleiche Stimme herwider schallt.

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Ein Spitalsvater läuft mit der heiligen Gertrud um die Wette und wird dadurch reich

Auf eine Zeit ward ein Mann zum Pfleger eines Spitals bestellt, das der heiligen Gertrud geweiht war. Einige Zeit, da er die Verwaltung übernommen hatte, hub er an, auf großem Fuße zu leben, was man zuvor an ihm nicht gewohnt war. Alle Welt verwunderte sich, woher er auf einmal so viel Geld habe, bis das Geheimnis durch die Geschwätzigkeit seiner Frau kund ward, dass er nämlich das Geld der heiligen Gertrud abgewonnen hatte. Also erzählte es seine Frau einer verschwiegenen Freundin, und bald wusste es das ganze Städtlein: Eines Tages, da er gerade die fälligen Gelder des Spitales eingezogen hatte, legte er den Sack voll Geld auf den Altar neben das hölzerne Bild der heiligen Gertrud und sprach zu dem Bilde:»Wohlan! Es gilt, wer zuerst von uns beiden an die Kirchentüre kommt, der soll das Geld gewonnen haben!« Der Spitalsvater lief und erreichte zuerst die Türe, herentgegen die heilige Gertrud ruhig auf dem Altare stehen blieb. So hatte er denn das Geld gewonnen, und kam von das Sprüchlein auf, das man zu einem sagt, der unverhofft reich geworden: Er hat gut reich werden können, ist mit der heiligen Gertrud um die Wette gelaufen und hat gewonnen.

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Drei Studenten: Habes, Habeo, Curre cito.

Drei Studenten hatten einmal miteinander ausgemacht, sie wollten in einem Dorfe einem Bauern etliche Gänse stehlen. Als sie in der Nacht heimlich um des Bauern Hof herumschlichen und also laut taten, dass es der Bauer hörte, da wollte er doch nicht aufstehen, sondern gedachte bei sich, er werde sie schon vor dem Konsistorium verklagen. Da schichten sie einen in den Hof hinein, der sollte die Gänse stehlen. Draußen fing einer an und fragte:»Habes?« Der die Gänse stahl, antwortete:»Habei!« Und der dritte ermahnte den Gänsedieb und rief:»Curre cito!« Diese Worte behielt der Bauer fein im Ohre. Als er morgens in die Stadt kam, ging er auf das Konsistorium und sagte, es hätten ihrer drei Studenten ihm die verwichene Nacht etliche Gänse gestohlen, und bat die Doktoren, sie möchten die Studenten dazu verhalten, dass sie ihm die Gänse bezahlten.»Ei, lieber Biedermann, zeige uns die drei, die dir den Schaden getan haben! Dann wollen wir sie dazu verhalten, dass dir die Gänse bezahlt werden müssen.«»Lieben Herren«, sagte der Bauer,»ich kenne sie nicht, ich weiß aber wohl, wie sie heißen; der eine heißt Habes, der andere Habeo und der dritte Curre cito.« Da fing ein Student an zu lachen, vielleicht war es einer von den drei Gänsedieben, und sagte:»Verba sunt.«»Nein, nein«, fiel dem der Bauer in die Rede,»es ist nicht des Färbers Hund gewesen, es sind die drei, die ich jetzt genannt habe, und ich bitte euch, lieben Herren, verhaltet die losen Buben dazu, dass sie mir die Gänse bezahlen!« Da nun die Doktoren auf dem Konsistorium sahen, was für einen Vogel sie vor sich hatten, gaben sie dem Bauern zur Antwort, er solle hinziehen, sie wollten nach den dreien fleißig frage, und wenn sie die Spitzbuben herausbekämen, würden sie veranlassen, dass ihm die Gänse bezahlt werden. Mit dieser Antwort musste sich der Bauer zufrieden geben und zog heim. Die Doktoren haben aber nicht viel nachgeforscht, und sind also dem Bauern die Gänse nicht bezahlt worden.

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Ein Schneider bestiehlt sich selber

Es war ein Schneider im Deutschen Land, hielt den heiligen Tuchmann, der nur ein einziges Auge hatte, darin gut hundert Ellen Tuch verborgen werden konnten, alleweg hoch in Ehren und bestahl, wo er nur konnte, seine Kunden. Einmal machte der Schneider für sich selber ein Paar Hosen, und als er die Stümpfe schneiden wollte, legte er das Tuch dreifach aufeinander. Sein Knecht, der zusah, sagte:»Meister, warum wollt Ihr drei Stümpfe schneiden? Sollen sie verteilt werden oder nicht? Zeiget es mir, dass ich es auch lerne!« Als der Schneider auf das Tuch schaute, sprach er:»Ei, dass Gott der Gewohnheit Sankt Velten gebe! Ich habe ganz vergessen, dass es mir selber gilt.«

Wer andern leicht Untreu beweist,
Sich selbst unwissend bescheißt.

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Ein Geselle überlistet einen Krämer

Es kam einmal ein Geselle zu Frankfurt auf der Messe zu einem Krämer und fragte ihn und sprach also:»Lieber Krämer, was gilt ein seidenes Bändlein, das mir von einem Ohre zu dem andern reichen mag, denn das Barett fällt mir oft ab, wenn der Wind stark weht.« Der Krämer merkte seine List nicht und sagte:»Ich achte es eine Elle lang, das gilt einen Kreuzer.« Der Abenteurer sprach:»Wenn es aber etwas länger wird, was soll ich dann dafür geben?« Der Krämer darauf antwortete:»Du hast doch nicht einen so großen Kopf, gib mir zwei Kreuzer, so will ich dir messen von einem Ohre zum andern; Gott gebe, wie lang es wird!« Der Geselle gab ihm die zwei Kreuzer, nahm die seidenen Bändlein und hub sie mit dem einen Ende an das linke Ohr und sprach zu dem Krämer:»Nun miss du bis zu dem andern Ohr!« Der Krämer nahm die Bändlein, zog ihm das Barett ab und wollte ihm zu dem andern Ohr messen, da sah er, dass es abgeschnitten war, und sprach:»Wo ist denn das andere Ohr? Es ist ja nicht da!« Der Geselle antwortete:»Es ist zu Erfurt an dem Pranger angenagelt; miss nur bis dahin!« Das wollte der Krämer aber nicht tun; und kamen des Zwiespaltes halber vor den Bürgermeister. Der konnte wohl erkennen, sollte der Krämer bis zum andern Ohr messen, so würden alle seine Bändlein und der ganze Kram nicht genug sein; darum riet er dem Krämer, dass er sich mit etlichen Groschen mit dem Gesellen ausgleiche. Der andere war damit zufrieden, denn sonst hätte er leicht sein linkes Ohr zu Frankfurt lassen müssen.

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Von einem hölzernen Johannes

Also lieb hatte ein Weib ihren Mann, dass sie sich vornahm, nach seinem Absterben sich von keinem andern den Hof machen zu lassen. Ließ darum ein hölzernes Bild in der Form, Gestalt und Größe ihres Hauswirtes schnitzen und mit Farben anstreiche, benannte das Bild den hölzernen Johannes; der sollte, wenn sie einmal Wittib würde, anstatt eines Mannes bei ihr bleiben. Es trug sich zu, dass es nach ihrer Vermutung ging und ihr Hauswirt das Zeitliche segnete. Nachdem sie fast ein halbes Jahr heftiglich getrauert, fing die Kümmernis an, allmählich nachzulassen. Und als sie einmal von ihrer Freundschaft zu einer Schmauserei geladen ward, ging sie hin und befahl ihrer Magd, dass sie den hölzernen Johannes, wenn er warm geworden, vom Ofen wegnehmen und ihr ins Bett tragen, wie es alle Abend ihr Brauch war, und dann sie selber heimholen sollte. Die Magd gedachte, die Frau würde nach der Gasterei fröhlich und guter Dinge sein, rief ihren Bruder herbei, der ein schöner und gerader Jüngling war, erzählte ihm von dem Brauche der Frau und legte ihn ins Bett anstatt des hölzernen Johannes, den sie versteckte. Nachher ging sie ihre Frau holen, führte sie mit dem Lichte in die Kammer und legte sich dann auch zur Ruhe nieder. Dieser Johannes nun wärmte die Frau also wohl, dass sie ihn nicht wie den andern, wenn er kalt geworden, vors Bett stellte, sondern bei sich behielt bis an den Morgen. Auf Geheiß der Frau kam alle Morgen die Magd und fragte, ob sie gen Markt gehen und etwas kaufen sollte. Sprach die Frau, dass sie schaue, ob sie nicht Fische zu einem festlichen Essen bekommen könnte.»Gern will ich es tun«, antwortete die Magd,»wenn ich sie aber schon bringe, so haben wir nicht so viel dürres Holz im Hause, dass man sie rechtschaffen sieden könnte.«»Ach«, sprach die Frau,»so nimm den hölzernen Johannes, der ist dürr genug, den zerhaue und koche damit, bis er verbrannt ist.« Also brachte die Magd ihren Bruder in einen großen Reichtum, denn dieweil er die Frau so wohl wärmte, behielt sie ihn und ward ihr ehelicher Mann.

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Von streitbaren Bauern

Da Kaiser Friedrich der Erste mit dem Rotbart Herr zu Württemberg war, zogen die Bauern von einem Dorf in das andere nicht anders auf die Kirchweihe, als sollten sie in den Krieg ziehen, mit Spießen und Gewehren; und ging selten ohne Schaden ab; denn wenn die Bauern voll Weines wurden, so schlugen sie einander, dass etliche tot am Platze blieben. Der Fürst wollte solchem Schaden vorbeugen, machte eine Ordnung und verbot bei hoher Strafe, dass keiner eine Wehr mehr im Lande sollte tragen, weder auf Kirchweihen noch sonst; wenn aber einer über Feld ginge, so könnte er wohl eine Wehr tragen wider die Räuber, Wölfe und Hunde. Da erdachten die Bauern ein anderes und ließen sich große Rosenkränze machen mit festen Ringen und zogen große Stricke durch und hängten sie um die Hälse. Wenn sie dann auf die Kirchweihen zogen, so hieben sie mit den Rosenkränzen auf einander ein; und wurden mehr Leute mit den Rosenkränzen zu Tode geschlagen denn zuvor mit den Spießen und Gewehren.

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Einer überlistet seinen Anwalt

Einer ward vor Gericht wegen einer Sache verklagt und glaubte, dass er kaum mit heiler Haut davon kommen würde. Das klagte er einen Fürsprecher; der sprach zu ihm:»Ich will dir aus der Sache helfen und dich ohne Schaden durchbringen, wenn du mir vier Gulden für meine Arbeit zum Lohn gibst.« Der war zufrieden und versprach, ihm die vier Gulden zu geben, wenn er ihm aus der Sache hälfe. Also gab ihm der Fürsprecher den Rat, wenn er mit ihm vor das Gericht käme, so solle er keine andere Antwort geben denn das einzige Wort: Blä! Man möge ihn fragen oder ihm vorhalten, was man wolle. Da sie nun vor das Gericht kamen und viel gegen den Mann geklagt ward, konnte man kein anderes Wort aus ihm herausbringen denn Blä. Also lachten die Herren und sagten zu seinem Fürsprecher:»Was wollt Ihr in seinem Namen antworten?« Sprach der Fürsprecher:»Ich kann nichts für ihn reden, denn er ist ein Narr und kann mir auch nicht heißen, was ich reden soll; es ist mit ihm nichts anzufangen; er soll billig für einen Narren gehalten und freigelassen werden.« Also wurden die Herren einig und ließen den Mann laufen. Danach heischte der Fürsprecher von ihm die vier Gulden; da sprach dieser:»Blä!« Der Fürsprecher aber sagte:»Du wirst mir das nicht abbläen, ich will mein Geld haben!« und zog ihn vor das Gericht. Und als sie beide vor dem Gerichte stunden, sagte dieser allweg»Blä!« Da sprachen die Herren zum Fürsprecher:»Was macht Ihr mit dem Narren? Wisst Ihr nicht, dass er nicht reden kann?« Also musste der Anwalt das Wort Blä statt seiner vier Gulden zu Lohn haben und traf Untreue ihren eigenen Herrn.

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Von einem Stationierer und einem Landsknecht

Ein Stationierer machte ein Geschrei unter den Bauern auf einer Kirchweih, er könnte die Seelen aus dem Fegefeuer mi einem Ablasse, den der Heilige Vater ihm gegeben, erlösen. Trat ein Landsknecht zu ihm und sprach:»Wenn ich gewiss wüsste, dass die Seelen meiner Eltern und Freunde erlöst würden, wollte ich meine letzten zwei Gulden daran sprengen.« Der Stationierer sprach:»Was ist dein Vater für ein Mann gewesen?« Sprach der Landsknecht:»Er war ein frommer Mann.« Darauf der Stationierer sagte:»So ist er nicht in der Hölle! Tut er denn auch Wunderzeichen?«»Nein!« sprach der Landsknecht. Da sagte der Pfaffe:»So ist er im Fegefeuer.« Der Landsknecht gab ihm also einen Batzen und erlöste damit seinen Vater; hernach fragte er seiner Mutter halben, ob die auch könnte erlöst werden. Der Betrüger stellte dieselben Fragen und sollte die Mutter auch im Fegefeuer sein. Der Landsknecht gab ihm abermals einen Batzen, und trieben das Geschäft weiter und erlösten noch etliche aus der Freundschaft, so dass am Ende der Landsknecht vierzehn Seelen mit vierzehn Batzen aus dem Fegefeuer erlöst hatte, dann sprach er:»Herr, bin ich gewiss, dass sie nun erlöst und selig sind?«»Ja«, sagte der Pfaffe,»ich schwöre dir einen Eid!«»Wohlan!« sprach der Landsknecht,»Herr, Ihr habet gern Gold, gebt mir die vierzehn Batzen wieder, ich will Euch einen Goldgulden dafür geben!« Das gefiel dem Stationierer und gab die Batzen heraus. Die nahm der Landsknecht zu sich und sprach:»Die Seelen sind nun im Himmel, kommen nicht wieder heraus; ich bedarf das Geld besser denn Ihr, lieber Herr!« behielt das Gold und Münz miteinander und zog davon, ließ den Stationierer unter den Bauern stehen.

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Sankt Nimmerleinstag

Es findet oft ein großer Fuchs einen noch größeren in der Höhle, heißt es. Also erging es auf eine Zeit einem listigen markgräfischen Bauern mit einem Kommismetzger oder Landsknecht: derselbige war noch listiger denn der Bauer. Der Landsknecht kam auf einen Freitag in das Dorf, in dem obgemeldeter Bauer seine Wirtschaft hatte. Der Landsknecht nun hatte einen schönen Klepper, darauf er denn geritten gekommen war. Dem Bauern gefiel der Klepper über die Maßen wohl und fragte den Landsknecht oft, ob ihm das Ross nicht feil wäre.»Nein!« sagte der Landsknecht,»es ist mein Leibross, gäbe es nicht her, wenn mir es einer doppelt bezahlen täte.« Als sie aber nachher ins Saufen kamen, da wusste der Bauer von nichts anderem mehr zu reden denn von dem Rosse und hörte nicht auf, den Landsknecht zu bitten, er möge ihm das Ross überlassen. Wie nun der Landsknecht solches an dem Bauern merkte, gedachte er, des Bauern Begehren zu stillen, und sagte:»Ihr habt vorhin vernommen, dass mit mein Ross nicht feil ist; dazu gebt Ihr mir nicht so viel, als ich dafür verlange.« Antwortete der Bauer:»Lieber Kriegsmann, meinst du denn nicht, ich könnte einen solchen Klepper auch so gut bezahlten wie du? Sage nur den Preis; schaue, ob ich auf den Kauf nicht eingehe.«»Wohlan!« sagte der Landsknecht,»dieweil du schon des Sinnes bist, so wisse, dass er mir nicht anders feil ist zu verkaufen denn um fünfzig Kronen.« Nun war das Ross fünfundzwanzig Kronen wohl wert, was der Bauer wohl erkannte. Darum sagte er zu dem Landsknecht:»Wohlan, mein Brüderlein, damit du meinen Ernst siehst, so will ich dir das Ross um fünfundvierzig Sonnenkronen abnehmen und will dir also bar fünfundzwanzig Kronen bezahlen; die andern zwanzig will ich dir an Sankt Nimmerleinstag geben.« Der Landsknecht dachte:»Bauer, lass sehen, wer den andern bescheißt«, und sagte:»Guter Freund, mir ist nicht so hoch und groß an der Bezahlung gelegen, wenn ich nur den Heiligen kennen täte; steht er auch im Kalender?«»Freilich steht er darin«, redete der Bauer,»sonst wäre er ja kein Heiliger.«»Ich bin zufrieden«, sagte der Landsknecht,»eine Verschreibung sollen wir einander aber immerhin geben.« Darauf ging der Bauer gutwillig ein, und tranken den Weinkauf, den wollte der Bauer halb bezahlen.»Nein«, sagte der Landsknecht,»ich habe nun fünfundzwanzig Kronen empfangen, so soll billig ich die Zeche bezahlen.« Dem Bauern gefiel der Handel wohl, meinte, er hätte einen Hirschen gefangen, da war es kaum ein Rehbock. Der Landsknecht nahm die fünfundzwanzig Kronen mitsamt der Verschreibung und zog seine Straße weiter. Als nun der Allerheiligentag kam und nicht ganz acht Tage danach verwichen waren, fand sich der gute Landsknecht wiederum ein, seine ausständigen zwanzig Kronen zu fordern. Er kam wieder in das vorige Wirtshaus und schickte nach dem Bauern und den andern, die bei dem Kaufe dabei gewesen. Die kamen alle auf der Stelle. Sobald der Bauer den Landsknecht erblickte, empfing er ihn freundlich und fragte, was ihn denn die Straße zurückführe.»Das könnt Ihr wohl erraten«, sagte der Kriegsmann,»ich komme, mein ausständisches Geld vollends einzuziehen laut Eurer Verschreibung.«»Hoho!« sagte der Bauer,»das Ziel ist noch nicht verfallen, wird auch noch lange nicht verfallen.« Darauf sagte der Landsknecht:»Lieber Bauer, die Sache wird sich meiner Rechnung nach anders befinden; als wir den Kauf miteinander gemacht, habe ich dich gefragt, ob Sankt Nimmerlein auch ein Heiliger sei; da hast du ihn als einen Heiligen anerkannt und gesagt, er stünde auch im Jahreskalender. Nun habe ich allenthalben im Kalender gesucht, finde aber keinen Sankt Nimmerlein darinnen. Es ist aber vor acht Tagen Allerheiligen gewesen; dieweil nun Sankt Nimmerlein auch ein Heiliger ist, lasse ich mich nicht dadurch irre machen, dass er nicht im Kalender steht, denn es sind viele Heilige, die im Niederland, in Italien und an anderen Orten für Heilige gehalten werden, die wir aber in unseren Kalendern nicht haben.« Als sie nun viel und mancherlei Reden miteinander gehabt hatten, berief sich der Bauer auf das Gericht, womit der Landsknecht auch einverstanden war. Also kamen sie vor den Landesherrn und klagte. Als nun Klage und Antwort von beiden Parteien gehört ward, wurde der Bauer dazu verhalten, den Landsknecht zufrieden zu stellen, und nahm ihm der Landesherr um seiner Betrügerei willen auch eine gute Geldstrafe ab. Da ward ein Fuchs durch den andern Fuchs gefangen, wie denn billig und recht ist.

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Von einer listigen Hausmagd

Ein Herr hatte eine Hausmagd, die war eine Schleckerin. Auf einen Sonntag hatte er einen guten Gesellen zu Gast geladen, der sollte bei ihm zu Nacht essen; er sprach deshalb zur Hausmagd:»Brate uns zwei Hühner, ich habe einen Gast geladen!« Als nun die Hühner gebraten waren, da rochen sie der Magd so wohl in die Nase, dass die Hühner beide aufaß. Da kam der Gast in die Küche (die hatte zwei Türen) und sprach zu der Köchin:»Wo ist der Herr?« Die Köchin antwortete:»Sehet Ihr ihn nicht dort stehen? Er wetzt das Messer und will Euch beide Ohren abschneiden; sind heute acht Tage, da schnitt er einem Gaste auch die Ohren ab.« Da lief der Gast schleunig davon. Der Herr kam in die Küche und sprach:»Wo sind die Hühner hingekommen?« Die Hausmagd zur Antwort gab:»Der Gast hat sie mit sich hinweg getragen; sehet Ihr nicht, wie er dort läuft?« Da lief der Herr dem Gesellen nach und hatte das Messer in der Hand und schrie:»Gib mir nur eines!« Der Gast lief noch fester und rief zurück:»Ich gebe dir keines!« Der Herr meinte, er solle ihm ein gebratenes Huhn geben, der Gast aber bangte, er müsse ihm ein Ohr geben. Also blieb die Hausmagd bei ihrer Ehre und wird hieran auch der Weiber List gemerkt.

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Ein Landsknecht kommt durch einen tüchtigen Sprung um Mägdlein und Nachtherberge

Es haben die frommen Landsknechte, Gott verzeih' mir's, einen Brauch im Land, und sonderlich im Land zu Schwaben und auf dem Schwarzwald, dass sie zur Winterszeit auf der Gart herumziehen und die armen Bauern um Speise, Brot, Eier, Salz und Schmalz stürmen, und muss mancher arme Mann geben, es sei ihm lieb oder leid; wiewohl sie niemand zwingen, bitten sie doch oft mit solchen schelmischen Worten, dass die Bauern ihnen freiwillig geben; denn sie fürchten für ihre Scheuern und Ställe. Es haben aber gemeldete Landsknechte ein Wahrzeichen: wo sie ihre Herbergen nachts haben, da malen sie an die Stubentüre burgundische Kreuze mit Ästen; wo einer der frommen Gartbrüder in eine Stube kommt und findet dies Zeichen an einer Wand oder Türe stehen, begehrt er gar nichts, sondern wendet sich mit guten Worten wieder zurück und sagt:»Ei, ich sehe sehr wohl, das ist eine Landsknechtsherberge; habet mir nichts für ungut.« Kommt aber einer auf die Nacht, so hat er auch die Freiheit vom Papst, dass er nicht lange um Herberge bitten braucht, der Hausvater weiß Bescheid und muss ihm Herberge geben kraft ihrer Privilegien. Nun begab es sich auf dem Wald, dass ein guter, junger Landsknecht, der noch nicht mit allen Salben gerieben war, in großem Hunger und Armut sich durchschlagen musste. Der kam in eines reichen Bauern Hof und tat seinen Spruch. Der Bauer saß weit von den Leuten auf dem Wald und hatte nicht mehr denn eine einzige Nachbarin, die war eine Wittib und hatte eine schöne Tochter, züchtig und fromm; die verstand mitsamt ihrer Mutter, diese Knaben zu herbergen. Das wusste der Bauer, darum er zu dem Gartknecht sagte:»Lieber Kriegsmann, ich habe sehr viel über Nacht behalten. Da hast du Geld, damit du dir eine Maß Wein gönnen kannst; nimm vorlieb und gehen in das Haus, das du dort siehst, da wirst du ohne Zweifel gute Herberge bekommen; und wenn du dich fein und geschickt umtust, so kannst du Erbe und Besitzer des Hauses und Hofes werden.« Der gute Bursche, der noch nicht mit dem Teufel zur Schule gegangen war, glaubte dem Bauern aufs Wort, kam zu der Wittib und sprach sie um Herberge an. Die gute Frau sagte ihm Herberge zu mit der Bedingung, dass er sein eigenes Brot hätte.»Ja«, sagte der Landsknecht,»auf diese Nacht habe ich Brot für unser drei.« Also wurden sie der Sache einig und setzten sich zu Tisch; indem aber die Tochter zu Tisch kam, sah sie der gute Geselle gar freundlich an.»Ach«, sagte er,»wäre doch ein Weinschenk jetzund vorhanden, gern möchte ich ein paar Maß Wein bezahlen!« Die Mutter aber sagte:»Mein lieber Sohn, hast du Lust, Wein zu bezahlen, mein Nachbar auf dem Hof hat noch guten Wein um Geld zu verkaufen, denn er beherbergt auch zuweilen Gäste über Nacht um Geld. Darum, willst du so milde sein und ein Maß Wein kaufen, so werde ich und meine Tochter auch eine bezahlen; sodann will ich uns gute schwäbische Zelten dazu backen.« Der gute Bruder Veit meinte, die Sache wäre schon gewonnen; sein Beutel musste sich ergeben; darin fand er mit Mühe und Not Geld für zwei Kannen Wein. Die Junge lief bald fort nach Wein, und buk Zelten die Alte. Endlich saßen sie zusammen und waren fröhlich und guter Dinge. Als nun die Alte meinte, die Zeit wäre vorhanden, sagte sie:»Mein lieber Sohn, ich will dir nicht verbergen, ich und meine Tochter sind allein in diesem Haus, wir haben nicht mehr denn zwei Betten; nun kann ich dich als einen milden Gastgeber nicht allein liegen lassen. Darum wollen wir drei miteinander springen, welche zwei dann am weitesten das Ziel erreichen, die sollen diese Nacht beieinander schlafen.« Der gute Kerl war damit zufrieden, meinte, wie denn auch geschah, die Junge würde besser denn die Alte springen können. Sie waren alle drei also einverstanden. Die Alte legte das Ziel weit vor das Haus hinaus und tat den ersten Sprung und sprang nur ein kleines Stück. Darnach sprach die Tochter und tät einen gar tapferen Sprung; des freute sich der Landsknecht sehr; er meinte, der Tochter tapfer zuzuspringen, damit sie zusammenkämen, und sprang mit großen Freuden, seiner Not und Armut vergessend, gar weit über das Ziel hinaus. Indem schlossen die Mutter und Tochter die Tür vor ihm zu, reichten ihm seinen Spieß durch ein Gucklöchlein hinaus und sagten:»Ho, ho! Du bist gar zu weit über das Ziel gesprungen.« Der gute, arme Tropf hatte Geld, Mühe und Arbeit umsonst vertan; wollte er die Nacht nicht im Regen liegen, so musste er unter einen Saustall kriechen. Des Morgens kam er wieder zu dem Bauern, der ihm die Herberge gewiesen hatte; der fragte ihn, ob er bei den Weibern Glück gehabt hätte, und der Landsknecht erzählte ihm alles vom Anfang bis zu Ende. Also behielt er ihn einmal zu Gaste, wies ihn darnach weiter und warnte ihn auch vor solchen staken Sprüngen, damit er nicht über das Ziel spränge.

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Von einem kranken Edelmann und einem schlauen Arzt

Es war ein Edelmann krank, derhalben ward in die Stadt nach dem Arzte geschickt. Der Arzt kam, besah das Wasser, griff dem Edelmanne den Puls und fand, dass ihm nichts anderes fehlte, denn dass er einmal herzhaft lachte; so würde er genesen. Also fragte er die Knechte, ob sie ihn nicht zum Lachen bringen könnten; die wussten aber nichts. Da machte der Arzt mit den Knechten aus, sie sollten ihrem Herrn sagen von einem Bauern in einem Dorf, der ein weit beschriener Arzt wäre, nach dem sollte er schicken. Also ward auch getan. Unser Arzt legte nun Bauernkleider an, kam zu dem Junker und sprach:»Ich muss das Wasser besehen!« Mit dem Wasser stellte sich der Bauer hernach zum Fenster, besah es mit Fleiß und sagte:»Junker, mich wundert nicht, dass Ihr krank seid, Ihr habt einen Karren mit Mist und zwei Rösser und einen Knecht mit einer eisernen Gabel im Leibe stecken.«»Den Teufel habe ich!« sprach der Junker; der Arzt redete weiter:»Es ist wahr, wollt Ihr es nicht glauben, so kommt her und besehet es selber!« Der Junker stund von dem Bette auf und besah das Wasser, da sah er es auch also und lugte zum Fenster hinaus; stund der Knecht im Hofe und lud mit einer Gabel Mist auf den Karren. Und von der groben Auslegung des Bauern fing der Edelmann an zu lachen von ganzem Herzen und konnte nicht mehr aufhören und ward also gesund.

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Der Stein Vergilii zu Rom

Vergilius hatte ein Angesicht zu Rom in einem Steine gemacht, daselbst bewährte man die, die da Eide schwuren: wenn einer unrecht geschworen hatte, so biss das Angesicht ihm die Hand ab, wenn er ihm die Hand ins Maus stieß; hatte er aber recht geschworen, so schadete es ihm nichts; so wurden viele des Meineids überführt. Nun begab es sich einmal, dass ein Kaiser die Kaiserin im Argwohn hatte, als ob sie ihn mit einem Ritter hinterginge; der Kaiser strafte sie oft mit Worten, wenn ihm etwas hinterbracht wurde. Einmal sprach er:»Frau, die Sachen gehen nicht mit rechten Dingen zu. Wollt Ihr Euch vor dem Stein Vergilii reinigen und schwören und ihm die Hand in das Maul stoßen, so will ich Euch glauben!« Die Kaiserin sprach:»Ja!« Der Tag ward angesetzt, da es geschehen sollte, und als der Tag da war, kam der Kaiser mit seiner Ritterschaft vor den Stein. Die Kaiserin war auch auf dem Wege mit ihren Jungfrauen und Frauen, die ihr das Geleite gaben, und es liefen schier alle Leute herzu, die in Rom waren, und war ein großes Getue. Nun begab es sich, da man also hinzog, da kam ein Narr in einem Narrenkleide, der drang durch alle Frauen herzu und fiel der Kaiserin an den Hals und den anderen Frauen auch und küsste sie vor aller Welt. Die Kaiserin weinte und gebärdete sich übel, der Narr aber verlor sich wiederum unter der Menge. Als nun die Kaiserin vor den Stein Vergilii kam, da der Kaiser mit seiner Ritterschaft stund, schwur sie und sprach also:»So wahrlich als kein Mann meinen Leib berührt hat denn allein der Kaiser und der unselige Narr, der mich vor aller Welt vorhin geschändet hat, so wahrlich stoße ich meine Hand da hinein!« und hielt sie lange drinnen. Da hatte der Kaiser eine fromme Frau, denn sie hatte recht geschworen: der Narr war derselbige Ritter im Narrenkleid.

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Von einem, der in Wassersnot Sankt Christoffel ein großes Wachslicht verhieß

Es war einmal ein großes Ungewitter auf dem Meere, und erlitte ein Schiff einen grausamen Schiffbruch; in der größten Not rief der eine und verhieß sich zu Sankt Jakob, der andere zu Sankt Nikolaus, der dritte zu Sankt Katharinen von Senis, und also suchte sich ein jeder einen besonderen Heiligen; da waren gar wenig, die zu dem rechten Schiffsmann riefen, der mit seinem Drohen Wind und Meer augenblicklich stillen konnte. Auf diesem Schiffe war auch ein Kaufmann; als der seine Gefährten also schreien und rufen hörte und sah, dass man alles Gut aus dem Schiffe warf, die Maste und Segel vom Sturme schon umgeworfen und zerfetzt waren und die Schiffsleute ganz verzagten, und ein jeder sich nach einer Diele oder einem Brett umschaute, auf dem er sich dem grausam wütenden Meere ergeben wollte, da fing derselbe gute Mann auch an, mit lauter Stimme zu rufen:»O du heiliger Sankt Christoffel, hilf mir in diesen meinen großen Wassernöten, damit ich wieder ans Land kommen möge! Herentgegen verspreche ich dir eine Wachskerze so lang und so groß, wie da ist dein Bildnis zu Paris in der hohen Kirche!« Diesen Ruf wiederholte er ein ums andere Mal; zuletzt sagte einer seiner Gesellen:»O mein lieber Kumpan, du versprichst sehr große Dinge, denn wahrlich, wenn deine ganze Freundschaft und dein ganzes Geschlecht zusammentäten und Hab und Gut darangäben, sie könnten das Wachs nicht aufbringen.« Der Kaufmann aber, der zuvor sehr laut geschrien, sagte seinen Gesellen heimlich ins Ohr:»Lieber Geselle, hilft mir nur Sankt Christoffel ans Land, ich wollte mich wohl mit ihm vertragen; er sollte mit einer Kerze oder einem Unschlittlichtlein vorlieb nehmen!« Ach die grobe Einfalt! Meinte, Sankt Christoffel hätte Gewalt, ihm aus Nöten zu helfen, hätte auch sein grausam Schreien und Rufen gehört, könnte aber die Worte, die er seinem Gesellen heimlich gesagt, nicht hören.

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Ein Bauer redet mit seinem Sohn lateinisch

Ein Bauer hatte einen Sohn auf dem Studium, der ihm ein wüstes Loch in den Säckel machte und die roten Pfennige taper herausblies und doch nichts studierte, dieweil der Vater nichts davon verstund. Auf eine Zeit kam der Sohn wieder heim und wollte mehr Geld holen. Den guten Mann verdross die große Vergeudung seines Sohnes, und was auch seinem Säckel schier zu viel. Als er nun Mist auflud, da stund der Sohn vor der Türe und sah ihm zu, da sagte der Vater:»Sohn, was heißt eine Gabel?« Antwortete der Sohn:»Gäbelinum.«»Was heißt Mist?« Antwortete der Sohn:»Mistelinum.«»Was heißt ein Wagen?« Antwortete der Sohn:»Wagelinum.«»Ei«, sagte der Vater,»so nimm in Tausendteufelsnamen das Gäbelinum und wirf das Mistelinum auf das Wagelinum!« und gab dem Sohn die Mistgabel in die Hand, sprach:»Das sei fürderhin deine Schreibfeder und lass Studieren Studieren sein!«

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Von einem niederländischen Kriegsmann, der während eines Gefechtes in einem hohlen Baume war

Vor vielen Jahren hatten die Niederländer untereinander einen Krieg. In einem Haufen waren zumeist Holländer beisammen, unter denen auch einer war, der des Kriegs und Kriegsbrauches unerfahren gewesen und vermeinte, er könne es im Kriege auch so haben wie daheim bei der Mutter. Da ihm einmal das Essen nicht recht passte, lief er zum Hauptmann und begehrte Urlaub. Als der Hauptmann nach der Ursache seines Begehrens fragte, sagte er:»Wat scall ick hier liggen, waken unde krige nen Fe ind Lif, ick habbe von Dage koum so grot Bötter aß mein Backanetken iss.« Der Hauptmann merkte an diesen Worten, dass er einer der scharfen Krieger wäre, die nicht über zwei Tage von der Mutterbrust bleiben können, und sprach zu ihm, er sollte Geduld haben, sie würden bald alle mitsammen heimziehen. Bald darauf fügte es sich, dass sie sich mit den Feinden schlagen mussten und Sieger waren. Nach getaner Schlacht ermahnte der Oberst einen jeden, wieder in die Ordnung und an seinen Ort zu stehen, auf dem Schlachtfelde in der Schlachtordnung zu bleiben und wie üblich, Freudenschüsse zu tun. Unser verfressener Bengel aber konnte seine eigene Schande nicht verbergen und sagte:»Wat scall malck wedder henne gon, dar hei gestahn hefft? So hebbe ick in ein holen Widenboum gestecken, das scall ick, mar sint Jan, wedder henne gon!« Solches ward bald seinem Hauptmanne hinterbracht, der ihn darum laufen ließ, wohin er Lust hatte.

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Unseres Herrgotts Zähren

Ein frommer und einfältiger Mann aus dem Schwabenlande wallfahrtete gen Rom. Als er nun ins Land Italien kam, kehrte er bei einem Wirte ein, der empfing ihn höflich, da er wohl Geld zu verzehren hatte. Der Wirt trug ihm auf, was er Gutes hatte, dazu die allerbesten Weine, die man in Italien trinkt, als Veltliner, Rheinfall und andere gute Geschlecke. Die schmeckten dem guten Schwaben gar wohl. Derhalben er zuletzt den Wirt fragen tät, was denn das für ein Trank wäre. Da gedachte sich der Wirt gleich, er hätte einen rechten Kunden ausgegangen, denn er war auch ein geborener Deutscher und ein großer Schalk.»Lieber Freund«, sagte er,»der Trank, um den Ihr mich ausfraget, das sind unseres Herrgotts Zähren.«»O!« sagte der einfältige Schwabe,»du lieber Gott, warum hast du nicht auch im Lande zu Schwaben geweint?« Dieser guten und einfältigen Leute findet man nicht viel mehr bei unseren Tagen.

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Die Kuckucksmette

Im Schwabenland liegt ein Flecken, Mundingen genannt, da waren vor Zeiten gar absonderliche und einfältige Bauern daheim. Auf eine Zeit war einer von Mundigen, Hans Wurst zubenannt, in die Stadt auf den Markt geritten. Auf dem Heimwege hörte er an der Mundinger Mark zwei Kuckucke gegeneinander rufen, der eine war im Mundinger Bann, der andere im Walde, der zum nächsten Dorfe, Justingen geheißten, gehörte. Wie nun unser einfältige Bauer merkte, dass der Kuckuck in dem fremden Walde heller und lauter kuckte und also dem Mundinger Gauch überlegen war, ward der Bauer zornig, sprang von seinem Rosse und stieg auf den Baum zu dem Mundinger Kuckuck und half ihm kucken also lang und viel, bis der fremde Gauch weichen musste und überwunden war. Während dieser Kuckucksmette kam ein Geselle daher des Weges, sah das Ross stehen, schwang sich hinauf und ritt davon. Als nun der Justinger Gauch verscheucht war und der andere schwieg, stieg unser Hans Wurst vom Baume herab, ward den Verlust des Rosses gewahr und musste also zu Fuß heimtraben. Zu Mundingen ließ er die Glocke läuten und die Gemeinde zusammenrufen, erzählte, dass er der Ehre und des Ruhmes aller halben ihrem Gauche gegen den von Justingen hilfe und Beistand geleistet hätte und dabei um sein Ross gekommen sei; gab ihnen zu bedenken, dass es recht und billig wäre, ihm den Schaden zu ersetzen. Ward darauf mit einhelliger Stimme beschlossen, dass ihm auf Kosten der Gemeinde ein anderes Ross gekauft werden sollte, da er so fleißig und ernstlich der ganzen Gemeinde Ehre bedacht hatte.

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Wer leicht glaubt, wird leicht betrogen

Etliche Menschen glauben leichtfertig, was man ihnen sagt, und werden darum oft tapfer betrogen. Also erging es auch einem Bauern, der ein Schaf auf seinem Halse trug und es auf dem Markte verkaufen wollte. Da war ein Geselle, der sprach:»Ich will den Bauern überreden, dass er das Schaf von sich wirft, und wir wollen es uns dann gut schmecken lassen.« Selbiger stellte ihrer drei weit voneinander auf, und jeder sollte sprechen:»Wie willst du den Hund geben?« Der Bauer zog daher des Weges und kam zum ersten, der sprach:»Bauer, wie gibst du den Hund?« Der Bauer sagte:»Es ist doch kein Hund, es ist ein Schaf.« Sprach der andere:»Siehst du das für ein Schaf an?« Der Bauer ging weiter seinen Weg und kam zum zweiten, der sprach ebenso wie er erste:»Bauer, wie gibst du den Hund?« und der dritte sagte auch so. Da warf der Bauer zuletzt das Schaf von sich und sprach:»Ist es ein Hund, ich habe es für ein Schaf angesehen!« Da nahmen die Gesellen, als der Bauer fort war, das Schaf und hatten ein gutes Fressen.

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Die Bauern von Wintershausen wollten einen lebendigen Herrgott haben

Die Bauern von Wintershausen hatten in ihrer Kirche einen alten und zerbrochenen Herrgott. Da sie gern einen neuen gehabt hätte, wurden sie einig und schickten zwei aus dem Gericht zum Bildhauer, dass er ihnen bis zur Karwoche einen anderen Herrgott machen sollte. Die zwei Biedermänner kamen nach Straßburg zu einem Bildhauer, der ein rechter Faxenmacher war, und richteten ihren Auftrag aus. Da fragte sie der Bildhauer, ob sie lieber einen lebendigen oder einen toten Herrgott haben wollten, nach ihrem Wunsche würde er ihnen einen machen. Der eine von den zweien meinte, man sollte die Gemeinde darum vorher befragen, der andere sagte, es wäre nicht nötig, wenn sie nur wüssten, wie teuer ein jeder Herrgott käme. Der Bildhauer antwortete, der tote brauche mehr Arbeit und wäre auch köstlicher denn der lebendige, darum bekämen sie den lebendigen um ein billiges Geld. Die zwei berieten heimlich eine Weile, wurden einig und sagten dann zum Bildhauer:»Machet uns also einen lebendigen Herrgott; wenn wir ihn heimbringen und möchte der Gemeinde nicht gefallen oder dass er sich sonst widerspenstig zeigte, so könne wir ihn immer noch selber zu Tod schlagen; es ist ohnehin dann die Marterwoche, da er sich solches schon gefallen lassen muss.«

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Ein Dieb will vor dem Hängen nicht Ungesundes essen

Einmal führte man einen Dieb aus, der sollte gehenkt werden. unterwegs kam man vor eines Bäcken Haus vorbei, da lag neugebackenes Brot auf dem Laden; das roch so fein und wohl, dass dem armen Sünder danach gelüstete.»Ach!« sprach er,»wäre doch ein Mansch da, der mit ein Weißbrot kaufen täte.« Der Nachrichter erbarmte sich und schenkte ihm einen Heller für ein Weißbrot; schnitt ein Scherzlein ab und schob es dem Dieb in den Mund; der Dieb sprach:»Lieber Meister, schabet mir das Mehl an der unteren Seite ab, man spricht, es sei gar ungesund.« Der Nachrichter antwortete:»Dir ist es gesund genug, solange du noch zu leben hast.« Also machen es auch viele Menschen, die, wie sie es von Jugend auf gewohnt sind, noch in ihren letzten Jahren Kurzweil und Freuden suchen, da sie doch bald von hinnen scheiden müssen.

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Ein Bauer versteht ein Rezept unrecht

Zu Wittenberg ist es geschehen, dass ein Bauer einmal einem Arzte klagte, wie ihn der Schwindel und der Kopfweh übel peinigte. Der Arzt riet ihm, er solle für etliche Groschen überzogenen Koriandersamen kaufen und den gebrauchen; und wenn es nicht besser würde, möge er ihn wieder aufsuchen. Der Bauer ging und betrachtete den Namen Koriander stets bei sich und wollte ihn ja nicht vergessen; indes kam ihm einer aus seinem Dorfe in die Quere, der hielt ihn mit etlichem Geschwätz eine Weile auf. Als dieser von ihm gegangen, war ihm der Koriander aus dem Sinn gekommen, dachte hin und her und verfiel auf Kalender; fragte einen, wo dieselbigen zu kaufen wären. Der wies ihn zum Buchbinder, da ging der Bauer hin und verlangte für drei Groschen überzogene Kalender. Der Buchbinder konnte nicht anders denken, weil er überzogene Kalender forderte, es müssten nicht die langen, sondern eingebundene sein, gab dem Bauern von denen für drei Groschen sechse. Die fraß der Bauer daheim alle nacheinander auf und war gesund. Derhalben kam er am folgenden Tag zum Arzte und verehrte ihm eine großen Butterwecken, sagte, dass für den Schwindel keine bessere Arznei wäre denn Kalender, doch hätte er das Hinterste (meinte, wo sie gepappt und geleimt wären) schwer hinunter bringen können. Also ist wahrhaftig zu Wittenberg geschehen.

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Von dem Narren im Sack

Der Kurfürst von Sachsen hatte einen Narren, der hieß Klaus. Der hatte einmal etwas verbrochen, weshalb die Kurfürstin zu ihm kam und sprach:»O lieber Klaus, du weißt wohl, was du getan hast; ich fürchte, es wird dir schlimm gehen, denn der Fürst hat dir gedroht, er will dich henken lassen; da hilft dir nichts.« Der gute Klaus Narr erschrak also übel, dass er schier in die Hose hofierte. Das merkte nun die Fürstin und gedachte:»Die Sache wird sich gut machen.« Es war nämlich ein angelegter Handel und darum angefangen; deshalb sagte die Fürstin weiter:»Lieber Klaus, wenn du mir folgen willst, was ich dich heiße, so will ich dir davonhelfen.« Der Narr war froh und versprach der Fürstin, er wollte ihr folgen. Da hatte sie einen Edelmann dazu bestellt, der war in Bauernkitteln verkleidet, dass ihn der Narr nicht erkannte, sondern vermeinte, es wäre ein Bauer. Die Fürstin sagte zu dem Bauern:»Liebes Bäuerlein, lange deinen Sack her und lass meinen Klaus darein schlüpfen und binde den Sack zu und trage ihn vor das Tor hinaus; wenn man dich fragt, was du tragest, so sage, es sei Hafer, den habest du im Schlosse gefasst.« Das Bäuerlein nahm den Sack, stieß den Narren hinein, band den Sack zu, nahm ihn auf seine Achsel und zog davon. Wie er aber über die Brücke zum Schloss hinaus wollte, stund der Kurfürst mitsamt seinen Edelleuten auf der Brücke; sprach den Bauern an und fragte ihn, was er im Sacke trage. Antwortete das Bäuerlein:»Gnädigster Herr, ich trage Hafen, den habe ich im Schlosse gefasst.« Das wollte der Kurfürst nicht recht glauben und fragte ihn zum andern Mal und sprach:»Du, Bäuerlein, sage mir die rechte Wahrheit! Was trägst du im Sack, dass er so schwer ist?« Das Bäuerlein sprach wie zuvor:»Es ist Hafer!« was der Kurfürst schier nicht glauben wollte. Da find der Narr an und schrie im Sacke:»Du Narr, er trägt Hafer! Hörst du es nicht? Hafer trägt er! Verstehst du nicht mehr deutsch? Hafer! Hafer!« Darüber lachten der Kurfürst und seine Edelleute, gingen davon und ließen den Narren im Sack stecken.

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Ein Bürger zu Kassel fängt einen Hasen

Im Umkreise der Stadt Kassel ist dem gemeinen Manne bei hoher Strafe verboten, die Hasen zu fangen, derhalben sie fast allenthalben in die Gärten laufen und viel Kraut zu schanden machen. Vor Jahren ging nun ein Bürger vor das Neustädter Tor in seinen Garten, und wie er unter dem Kohle einen Hasen ersah, warf er mit seiner Barte nach ihm; und gelang ihm der Wurf, fasste den Hasen unter seinen Mantel und kehrte nach der Stadt zurück, gedachte bei sich selber:»Jetzund kannst du auch einmal Wildbret essen; musst aber solches nicht allein genießen, sondern etliche aus deiner Freundschaft zu dem Schmause laden.« Dabei konnte er wohl merken, dass sie von dem Hasen nicht satt würden und er seinen Gästen auch ein Gericht Fleisch und Fische vorsetzen und wenigstens ein halbes Viertel Wein auf den Tisch stellen müsste. Also überschlug er dies und jenes samt den Kosten und fiel ihm zuletzt ein, dass er eine schwere Buße erleiden müsste, wenn von dem Hasenbraten etwas ruchbar würde (weil selten eine Sache verschwiegen bleibt), und in solchen schweren Gedanken kam er auf die Fuldabrücke und sprach zu seinem Hasen:»Solltest du mich in unnütze Kosten und Verdrießlichkeiten bringen, wäre mir lieber, ich hätte dich nie gesehen; will derhalben deiner fürder ledig sein!« Sprach's und warf den Hasen in die Fulda und ließ ihn davonschwimmen.

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Von einem jungen Schweizer Bauern

Der war von Kindheit auf bei dem Viehe in den Alpen daheim, und da er sich mit Eifer zu der Bauernarbeit hielt, war er ein seltener Gast in der Kirche und wusste nichts um deren Brauch. Einmal nahmen ihn seine Nachbarn mit und gingen am Karfreitag in die Pumpermette. Nun war bei den Alten an etlichen Orten der Brauch, dass sie um die Zeit, da die Juden den Herrn gefangen hatten, ein großes Gerumpel und Gepolter anrichteten und alle Lichter und Kerzen auslöschten; als dies geschah, sprang unser Schweizer in eine Ecke, zog sein Schwert aus der Scheide, hielt es vor sich und schrie seinem Nachbarn zu, dass er ein mannliches Herz hätte. Als das Getümmel zu Ende war und die Lichter wiederum angezündet wurden, fragte er seinen Nachbarn, ob ihm einer was angetan hätte; indem ersah er, wie die Pfaffen ein großes Kreuz durch die Kirche trugen, vermeinte, es wäre ein Toter, und sprach:»Wohlan, ich habe mir gleich gedacht, dass ein solch erregter Auflauf ohne Totschlagen nicht abgehen wird.«

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Bauern wollen einen Bären fangen

Da um eine Dorfschaft herum viel gute Feldbirnen wuchsen, hielt sich ein großer und starker Bär da auf, der auch dem Vieh viel Schaden tät. Der Edelmann im selbigen Dorf, dessen Bauern seine verpflichteten Dienstlete waren, versprach ihnen, seine Knechte mit Rohren und Jagdhunde zu schicken, dem Bären Furcht einzujagen. Solches schlugen die Bauern ab, sprachen, ihrer wären genug, sie wollten des Bären allein Herr werden. Ward auch gleich beim Wirt ein guter Trunk bestellt, denn sie wollten die Bärenhaut bei ihm versaufen; wer sich, wenn die Glocke geläutet, nicht auf der umgrenzten Walstatt einfände, der sollte eine Geldstrafe erlegen. Also zogen die Bauern allesamt zur festgesetzten Stunde mit Wehr und Waffen auf die Bärenjagd aus. Ein alter Mann aber, der große und weite Stiefeln trug, hatte sich etwas verspätet und trug Sorge, er könnte in die Buße kommen, lief derhalben, seine Nachbarn noch vor dem Angriff zu erreichen, und kürzte den Weg durchein hohes und dickes Gesträuch von Birken und anderen Hecken; indem er aber schier müde ward, ächzte und schnaubte er über den Berg und blies:»Och, och, och!« und trat da dürre Gezweige entzwei, dass es krachte und die Reiser schlugen ihm wider die Stiefel. Solches Getöse, Prasseln und Schnaufen vernahmen die Bauern hart unten am Berglein, vermeinten nicht anders, denn der Bären wären zwei, schrien einander zu, ein jeder möge an sich selber denken und an Weib und Kind, und liefen den kürzesten Weg dem Dorfe zu. Der gute alte Mann ward das gewahr und eilte desto fester, vermeinte, sie sähen den Bären vor sich, und rief, sie möchten auf ihm warten, und hatte Angst, der letzte zu sein. Die aber glaubten, der Bär sei hinter ihnen, sahen sich aus Furcht nicht um und hörten auch nicht auf zu laufen, bis ein jeder bei den Sinnen war, und erzählten da die schreckliche Gefahr, die sie bestanden hatten. Kaum hatten diese kecken Bärenfänger das Feld geräumt, da kam erst der Bär unter die Herde geschlichen und richtete großen Schaden an. Die Bauern aber mussten allesamt bis auf den Alten dem Junker, dessen Beistand sie verschmäht, die Buße geben, die sie denen auferlegt hatten, die nicht zum Weidwerk erschienen, auch den Schaden an ihrem Vieh leiden und dem Wirte, den sic ich große Unkosten gestürzt, Ersatz leisten und hatten noch den Spott.

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Von einem fahrenden Schüler

Vor alten Zeiten war ein sonderlicher Orden fauler, betrügerischer und unnützer Buben, die nicht studieren und auch nicht arbeiten wollten, herentgegen aufs Betteln ausgingen und die armen und einfältigen Bauer tapfer betrogen. Gaben vor, in der Frauen Venus Berg oder sonst einem Loch gewesen zu sein, wo sie allerhand Künste und Zauberei gelernt hätten, und verhießen um Geld wunderbare Dinge. Von denen, die beim gemeinen Mann fahrende Schüler hießen, kam einer auf eine Zeit gen Justingen zu einem ehrlichen Wagnermeister, der schon oft von solchen Vögeln betrogen war, begehrte ein Almosen und sprach, dass er ein Meister der sieben freien Künste und einer von denen wäre, die einmal im Venusberg gewesen. Sprach der Wagner:»Freund, bist du vor einem Jahr nicht auch hier gewesen?« Sagte der Fahrende:»Nein!« Der Wagner sprach weiter:»So trolle dich von hinnen und komme mir nimmer unter die Augen; von mir bekommst du nichts!« Der andere war zornig und sprach, warum er ihn, einen Meister der sieben freien Künste und einen, der sich auf die schwarze Kunst verstehe, also verächtlich duze, als ob er die Säue mit ihm gehütet hätte. Antwortete der Wagner:»Das Flunkern mit deinen sieben Künsten lasse, denn ich kann ihrer mehr als du und ernähre mit einem Handwerk mich, mein Weib und sieben Kinder, du aber kannst dich allein mit deinen sieben Künsten nicht ernähren und musst betteln gehen; darum sollst du mich billig ihrzen und nicht ich dich!« Das war eine gute Antwort, worauf der fahrende Schüler nichts sagen konnte, und ging also verspottet davon.

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Ein guter Schlemmer, Grünenwald geheißen, reimte zu Augsburg ein Liedlein, damit ward der Wirt von dem reichen Fugger bezahlt

Auf dem Reichstag zu Augsburg geschah ein guter Schwank von einem Sänger an des Herzog Wilhelms von München Hof; er war ein berühmter Musikus und Zechbruder und hieß mit Namen Grünenwald; nahm nicht vorlieb mit dem, was ihm an seines gnädigen Fürsten und Herrn Tisch vorgesetzt ward, sondern suchte sich anderswo gute Gesellschaft, die ihm zusagte und mit ihm tapfer schlemmte und zechte; er kam so weit hinein, dass alle Geschenke, und was er an barem Gelde mitgebracht hatte, in nasser Ware und guten Bisslein dahingingen. Aber noch musste die Maus bass getauft werden, und machte der Wirt bei acht Gulden an die Wand. Kurzum, es kam zuletzt dahin, dass der Herzog von München mitsamt den Fürsten, Herren und Städtern aufbrechen wollten. Der Wirt erfuhr die Sache, kam zu dem guten Grünenwald und forderte die angeschriebene Schuld.»Lieber Wirt«, sagte Grünenwald,»ich bitte Euch von wegen guter und freundschaftlicher Gesellschaft, die wir nun lange zusammen gehabt, lasset die Sache auf diesmal also ruhen, bis ich gen München komme, denn ich bin jetzt nicht bei Gelde; wir haben doch nicht so gar weit zusammen; ich kann es Euch alle Tage schicken, denn ich habe noch Kleinod und Geld zu München, womit ich die Schuld bezahlen könnte.«»Das gönne dir Gott!« sagte der Wirt,»mir ist aber damit nicht geholfen; es wollen sich meine Gläubiger auch nicht mit Worten bezahlen lassen, von denen ich Brot, Wein, Fleisch, Salz, Schmalz und andere Speisen kaufe; komm ich auf den Fischmarkt, sehen die Fischer bald, ob ich um bar Geld oder auf Borg kaufen will; nehme ich auf Borg, muss ich doppelt bezahlen. Ihr Gesellen aber setzt euch zum Tisch, und der Wirt kann euch nicht genug auftragen, wenn ihr gleichwohl nicht einen Pfennig in der Tasche habt. Darum höre mich eben, wie ich dieses Mal gesinnt bin. Willst du mich bezahlen, ist es recht; wo nicht, will ich mich demnächst zu meines gnädigen Fürsten und Herrn von München Sekretarius verfügen, derselbige wird mir wohl Weg und Steg anzeigen, damit ich zu meinem Gelde komme.« Dem guten Grünenwald war der Spieß an den Bauch gesetzt, wusste nicht, wo aus und ein, denn der Wirt, der auch mit dem Teufel zur Schule gegangen, war ihm zu scharf; er fing an, die allersüßesten und schlauesten Worte hervorzuholen, die er sich nur erdenken konnte, aber war alles umsonst; der Wirt wollte sich nicht beschwatzen lassen und sagte:»Ich mache nicht viel Umstände; glatt geschliffen ist bald gewetzt. Du hast Tag und Nacht wollen voll sein, den besten Wein, den ich in meinem Keller gehabt, habe ich dir auftragen müssen; darum suche nur nicht viele Mäuse; hast du nicht Geld, so gib mir deinen Mantel, alsdann will ich dir eine Zeitlang noch borgen. Wo du aber in bestimmter Zeit nicht kommst, werde ich deinen Mantel auf der Gant verkaufen lassen. Jetzund wissen wir miteinander Bescheid!«»Wohlan«, sagte Grünenwald,»ich will der Sache bald Rat finden!« saß nieder, nahm sein Schreibzeug, Papier, Feder und Tinte und dichtete folgendes Liedlein:

Stund auf an einem Morgen
Und wollt' gen München zieh'n,
Und war in großen Sorgen,
Ach Gott, wär' ich erst hin!
Mein Wirt, dem war ich schuldig viel,
Ich wollt' ihn gern bezahlen,
Dich auf ein ander Ziel.

»Herr Gast, ich hab' vernommen,
Du willst von hinnen schier;
Ich lass' dich nicht wegkommen,
Die Zehrung zahl' erst mir,
Oder setz' mir deinen Mantel ein,
Dann will ich gerne warten,
Auf die Bezahlung dein.«

Die Red' ging mir zu Herzen,
Betrübt ward mir mein Mut;
Ich dacht', da hilf kein Scherzen,
Sollt' ich den Mantel gut
Zu Augsburg lassen auf der Gant
Und bloß von hinnen ziehen,
Wär's allen Sängern Schand'.

»Ach Wirt, hab nur Gedulde
Mit mir geringe Frist,
Es ist nicht groß die Schulde,
Leicht mir 's bald möglich ist,
Dass ich dich zahl' mit barem Geld;
Darum lass mich von hinnen,
Ich zieh' nicht aus der Welt.«

»Gast, das geschieht mit nichten,
Dass ich dir borge heut;
Woll' Ausred' nicht erdichten;
Wollt'st voll sein allezeit,
Ich trug dir auf den besten Wein,
Drum mach' dich nur nicht müßig,
Ich will bezahlet sein.«

Was ich auch sang und sagte,
Der Wirt, der sah ganz krumm,
Und ob ich gleich verzagte,
Fragt' er doch nicht darum.
In solcher Not wusst ich kein Geld,
Wo nicht dem frommen Fugger
Zu helfen mir gefällt.

Herr Fugger, habt Erbarmen
Mit meiner Klag und Pein
Und kommt zu Hilf' mir Armen,
Es will bezahlet sein
Mein Wirt von mir auf diesen Tag,
Mein Mantel tut ihm gefallen,
Mir hilft nicht Bitt' und Klag'.

Dem Wirt bezahle in Hulden
Der edle Fugger gut
Bald alle meine Schulden,
Das macht' mir leichten Mut.
Ich schwang mich zu dem Tor hinaus:
Ade, Herr Wirt, du laus'ger,
Ich komm' dir nimmer ins Haus.

Dies Liedlein fasste Grünenwald bald in seinen Kopf, ging an des Fuggers Hof, ließ sich dem Herrn ansagen. Als er nun vor ihn kam, tät er seine gebührliche Reverenz, dann sagte er:»Gnädiger Herr, ich habe vernommen, das mein gnädiger Fürst und Herr allhier aufbrechen und gen München ziehen will. Nun habe ich doch nicht von hinnen scheiden können, ich habe mich denn von Euer Gnaden empfohlen. Habe Deren zu Liebe ein neues Liedlein gedichtet. Wenn Euer Gnaden das begehrt zu hören, wollte ich es Deren zum Abschied singen.« Der gute Fugger, der von Art ein herablassender Herr war, sprach:»Mein lieber Grünenwald, ich will es gerne hören; wo sind deine Mitsänge, die dir behilflich sein werden? Lass sie kommen!«»Gnädiger Herr!« sagte Grünenwald,»ich muss allein singen, denn mir kann hierin weder Bass noch Diskant helfen.«»So singe her!« sagte der Fugger. Der gute Grünenwald hub an und sang sein Lied mit ganz fröhlicher Stimme heraus. Der gute Herr Fugger verstand seine Krankheit bald, meinte aber nicht, dass sich die Sache ganz so verhielte, wie er in seinem Singen zu verstehen gab, darum er eilends nach dem Wirte schickte. Als er nun die Wahrheit erfuhr, bezahlte er dem Wirte die Schuld, errettete dem Grünenwald seinen Mantel und schenkte ihm eine gute Zehrung dazu. Die nahm er mit Dank an und zog alsdann seine Straße; da erhob sich ein Wind, der selbigen Mantel recht lustig vor dem Hause des armseligen Wirtes aufblies, war aber dem Wirte entgegen und warf ihm auch die Fenster zusammen. Diesem Grünenwald kam seine Kunst diesmal gar wohl zu statten, sonst hätte er seinen Mantel zurücklassen müssen und nackt aus Augsburg fortfahren können. Darum Kunst nimmer zu verachten ist.

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Ein Landsknecht teilt Tuch mit einem Mönch

Im Jülicher Land zog ein armer Landsknecht daher über das Feld und hatte nicht überflüssige Kleider an dem Leibe. Dem begegnete ein alter Barfüßermönch, der trug viel Tuch auf Kutten und sonstige Kleider für sich und seine Brüder. Der Landsknecht sprach ihn an und sagte:»Herr, teilen wir nicht miteinander? Ihr braucht das Tuch nicht alles, habt noch eine gute und feste Kutte an, ich aber bin nackt und bloß.« Der Mönch sprach:»Lieber Geselle, ziehe du deine Straße, ich bin eine geistliche Person, und lass mich in Frieden, ich gebe dir nichts.«»Wie, Mönch?« sprach der Landsknecht,»du willst ein geistlicher Mann sein und den Nackten nicht kleiden und hast so viel übriges Tuch? Willst du dich vom Teufel also verführen lassen, dass du Gottes Befehl übertreten solltest, den Nackten zu kleiden? Da sei Gott vor, du sollst meinethalben nicht zum Teufel fahren!« Indem erwischte der Landsknecht das Tuch und sagte zu dem Mönch:»Ich brauche nicht mehr denn drei Ellen, das übrige behalte du!« Der Mönch konnte ihn nicht hindern, der Landsknecht nahm das Tuch, tät es auseinander und maß mit seinem Spieß drei Ellen davon, es wären zu Frankfurt wohl sechzehn Ellen gewesen, wickelte das Tuch zusammen und zog davon. Der Mönch war traurig, legte das andere Tuch auch zusammen und schrie dem Landsknecht nach:»Du verloffener Bube, du musst mir das Tuch am Jüngsten Tag bezahlen und Gott dem Allmächtigen Rede und Antwort stehen, dann wollen wir uns wiedersehen!« Der Landsknecht wendete sich um, ging zu dem Mönche und sagte:»Dieweil du mir eine so lange Zahlzeit bis zum Jüngsten Tage setzest, so will ich das übrige Tuch auch dazu nehmen, es kommt dann alles in eine Rechnung und Bezahlung!« Also nahm er ihm das andere Tuch auch und zog davon, ließ dem Mönche das Nachsehen.

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Ein Geselle hält mit einem Fischlein ein Zwiegespräch

Es kam ein armer Geselle, der einen Zehrpfennig gleichwohl in der Tasche hatte, zu Nürnberg in die»Goldene Gans«, und da er nicht gewusst hatte, dass es eine feine Herberge war, schämte er sich und blieb hinter dem Ofen sitzen. Da ersah ihn der Wirt und sprach:»Guter Geselle, willst du nicht auch zu Tisch sitzen und essen?« Der Geselle antwortete:»Ich fürchte, es ist zu wenig Platz.« Sprach der Wirt darauf:»Komm her, ich will dir Platz machen!« Nun waren die Tische alle besetzt bis auf eine Tafel, da etliche reiche Bürger und Kaufleute saßen, die des Wirtes beste Kunden waren. darum sprach der Wirt:»Lieben Herren, lasset doch den guten Bruder zu euch sitzen!« Die Herren rückten zusammen und machten dem Gesellen Platz, so dass er ganz unten am Tische zu sitzen kam. Als nun gar köstliche Gerichte aufgetragen wurden, schämte sich der gute Geselle hinzulangen und hieß ihn niemand essen. Als nun ein feines Fischgericht auf den Tisch kam, schickte es sich von ungefähr, dass die kleinsten Fischlein vor dem Gesellen stunden; da nahm er einen von der Platte und tat, als ob er etwas mit ihm redete; alsdann hub er ihn zum rechten Ohr, als wollte er hören, was ihm der Fisch sagte. Die Herren sahen ihn an und lachten; einer unter ihnen sprach:»Lieber Freund, was habt Ihr mit dem Fische, dass Ihr ihn also an das Ohr haltet? Der Geselle stellte sich, als ob er es nicht gern sagen wollte, und sprach:»Lieben Herren, mein Vater ist mir vor etlichen Jahren nicht weit von hier in der Pegnitz ertrunken, da habe ich den Fisch gefragt, ob er ihn nicht gesehen hätte; er aber gibt mir zur Antwort, er sei noch zu jung, ich sollte seine Eltern fragen, die könnten mir Bescheid geben.« Da lachten die Herren und merkten, dass er gerne von den großen Fischen gegessen hätte, und legten ihm also zwei große Fische auf den Teller. Da sie genug gelacht hatten, schoben sie ihm die Platten und Schüsseln zu; und konnte sich der gute Geselle von Herzen satt essen.

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Warum die Landsknechte fromm heißen

Wie die Landsknechte zu dieser Ehre kamen, davon wird ein solcher Schwank erzählt: Ein altes und halbblindes Mütterlein war in einer Stadt zu Markt gewesen und hatte vom neuen Most mehr, als sie vertragen konnte, zu sich genommen. Als sie nun gegen Abend nach ihrem Dorfe heimgehen wollte, verdrehte ihr der Most also den Kopf, dass sie einen Teil abladen musste; davon ihr ganz übel ward, vom Steg in einen tiefen Graben hinabfiel und nimmer herauskonnte. Denselbigen Weg zog ein Landsknecht in die Stadt, den hörte das Mütterlein vorbei traben, rief und bat, er möchte ihr um Gottes willen heraushelfen. Das tat auch der gute Bruder. Darnach dankte ihm das Mütterlein fleißig, und da sie ihn nicht recht erkannte, fragte sie, wer er doch sei; er sprach:»Ein Landsknecht.«»Ei«, sprach sie,»du frommer Landsknecht, Gott mag es dir jederzeit vergelten, was du an mir Gutes getan hast, du frommer Landsknecht.« Also hat dieser Name seinen Ursprung von einem betrunkenen Mütterlein.

Geringe Wohltat macht gar oft
Einen guten Namen unverhofft.

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Einer findet nach dem Gebrauch von sechs Pillen den verlorenen Esel wieder

Auf der Kirchweih zu Iring im Breisgau war ein Zähnereißer und Quacksalber, der hatte Würmersamen, Pillen, Zahnwehpulver, Abführmittel, Enzian, Rhabarber und viel anderes Zeugwerk feil und führte den ganzen lieben Tag ein großes Geschrei und unnützes Geschwätz, wie es denn solcher Leutbetrüger Brauch ist; löste viel Geld und betrog das Volk tapfer. Wie also viel Leute um ihn stunden und seinem Lügengeschwätz zuhörten, da kam auch ein einfältiger Bauer daher und sagte:»Lieber Meister, ich wollte Euch bitten, mein Esel, o ein frommes und hübsches Tier, ist mir schon über drei Wochen abgängig, habe ihn lange gesucht und kann ihn nicht wiederfinden, ob Ihr nicht etwas hättet, das Ihr geben könnt, damit ich den armen Esel wieder bekomme; ich wollte Euch gut bezahlen.« Der Leutbetrüger sagte:»Ja freilich, lieber Freund, freilich kann ich Euch helfen; da habe ich gutbewährte Pillen, die kommen von Arsenik, allerhinterst in der Welt, haben Kraft, die Augen zu öffnen, die Sinne zu schärfen, und wenn ein Ding verloren ist, so findet man es wieder. Von diesen Pillen müsset Ihr also abends sechs schlucken, darauf zu Nacht essen und ein Maß starken Wein trinken, alsdann Euch niederlegen und das Bett vollschwitzen; in der Frühe möget Ihr zeitig aufstehen und den Esel suchen, werdet ihn ohne Zweifel bald finden.« Der gute Jockel ließ sich beschwatzen und bezahlte die sechs Pillen gut. Des Abends tat er, wie ihm der Mann geheißen, und legte sich ins Bett; ward also schwach, dass er meinte, die Eselspillen würden ihm den Garaus machen, ehe sie zu wirken anfingen, und die ganze Nacht schwitzte er die Kissen, das Bett und die Kammer voll. Wie schwach er auch war, so stund er mit den Hühnern doch auf und suchte seinen Esel, wie ihm der Kälberarzt gesagt hatte. Wie er also auf einer grünen Wiese war, da kam ihn das Bauchweh gar so arg an, lief hinter eine Hecke und wollte (mit Verlaub) seine Notdurft verrichten: da sah er auf einmal seinen lieben Esel weiden. Auf der Stelle sprang er zu seinem Esel, saß auf und ritt gar fröhlich heim und sagte jedermann von des Arztes Kunst, der ihm so starke Pillen gegeben, dass er seinen lieben Esel, den er lange gesucht, wiedergefunden.

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Landsknechte schießen zu Böhmen ums Hakengeld

Anno 1543 schickten etliche Kurfürsten, Fürsten und andere Stände des Heiligen römischen Reiches aufs Neue Kriegsvolk (damit doch nicht viel ausgerichtet wurde) ins Ungarland, den Türken wiederum zu vertreiben. Auf der Hinfahrt kamen etliche Fähnlein Landsknechte durch Böhmen. Bei einem Dorf da wollten die Hauptleute die Schützen um den Hakengulden schießen lassen und machten darum an dem Tore einer öden Scheuer mit Kreide einen großen Kreis. Nun waren natürlich nicht alle Schüsse gleich; besonders ein junger, starker und wohlgeputzter Knecht, der ein Schneider war, ließ sich übler an als alle andern im Haufen, denn er traf nicht einmal den Kreis oder das Tor, sondern er fehlte sogar die ganze Scheune schier um die Breite eines Schrittes. Darüber ward der Hauptmann zornig und sprach zum Schreiber, der einen jeden Schuss, danach er gut war, aufschrieb:»Streiche den Hudler ganz aus!« Der Schneider aber erwischte des Schreibers Hand und sagte:»Nichts da ausgestrichen!« Sprach der Hauptmann:»Was soll man mit dir Bengel machen? Du wolltest einen Mann treffen und fehlst sogar die große Scheune!«»Das ist also, Herr Hauptmann!« sprach derselbige Landsknecht,»die andern vor mir haben schier alle in einer Richtung geschossen und hätten nicht mehr denn die treffen können, die durch das Tor gekommen wären; nun ist es unmöglich, dass alle auf einem Ort angreifen werden; etliche werden hinten herum sich blicken lassen, die hätte ich sicher getroffen.« Wegen dieser schlauen Entschuldigung ließ ihn der Hauptmann weiter als Schützen gelten.

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Von einem Abenteurer, einer Wirtin und dem Papste

In ein Wirtshaus zu Rom kam ein Abenteurer, war auch ein Deutscher. Am Abend redete er bei Tische:»Frau Wirtin, wer hilft mir morgen, dass ich um Papste komme und mit ihm rede?« Die Wirtin sprach:»Ich bin wohl schon dreißig Jahre hier und habe noch nie mit dem Papste geredet und Ihr kommt erst her und wollt gleich mit dem Papste reden. Ich möchte einem hundert Gulden schenken, der es zustande brächte, dass der Papst mit mir redet.« Der Abenteurer fragte:»Wollt Ihr es dabei sein lassen?«»Ja!« sprach die Frau,»ich wollte es tun!« nicht lange darauf war der Papst in seiner Kapelle und las eine stille heilige Messen. Der Abenteurer schlich sich hinein und hörte die Messe darinnen. Da nun der Papst das Allerheiligste aufhub, da kehrte der Geselle dem Altare den Rücken. Als die Messe zu Ende war, ward es dem Papste gemeldet; der ließ den Abenteurer kommen, meinte, er hätte einen blöden Glauben, und fragte ihn, was er damit gemeint habe. Der Abenteurer sprach:»Meine Wirtin hat mich also tun heißen.« Der Papst schickte nach der Wirtin aus dem deutschen Wirtshaus und fragte, warum sie ihre Gäste also beten hieße. Die Wirtin wollte von nichts wissen und leugnete alles ab. Da sie nun selbander heimgingen, sprach der Abenteurer:»Frau Wirtin, gebet mir jetzund die hundert Gulden, der Papst hat heute mit Euch geredet und Ihr mit ihm auch.« Also musste die Frau Wort halten und dem Abenteurer die hundert Gulden geben.

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Der fahrende Schüler aus dem Paradeis

Durch ein Dorf ging einmal ein armer Student, der wenig Zehrung im Säckel trug bei sich, aber lieber die Füße unter dem Tische hatte, denn dass er in den Büchern studierte, wie man deren noch viel findet. Wie er nun in das Dorf hineinkam, ging er auf eines reichen Bauern Haus zu; der Bauer war nicht daheim, sondern in das Holz gefahren. Die Frau aber, die zuvor schon einen Mann gehabt, der Hans geheißen und vor wenig Jahren gestorben war, weshalb sie jetzt den andern Mann hatte; dieselbige Frau also stund in dem Hofe vor dem Haus. Und wie sie den Studenten ersah, sprach sie ihn an und fragte ihn, wer er sei und von wannen er komme. Der Student antwortete:»Ich bin ein armer Student und komme von Paris.« Die einfältige Frau verstund nicht recht, vermeinte, er hätte gesagt, er komme aus dem Paradies, und fragte ihn deshalb noch einmal:»Kommt Ihr aus dem Paradies?«»Ja, liebe Frau«, sprach der Student, denn er merkte allsogleich, wen er vor sich hatte. Da sprach die Bäuerin:»Lieber, guter Freund, kommt mit mir in die Stube! So will ich Euch etwas Weiteres fragen.« Als er nun in die Stube kam, da hieß sie ihn niedersitzen, fing an und sprach:»Mein guter Freund, ich habe vorher schon einen Mann gehabt, hat Hans geheißen, der ist vor drei Jahren gestorben. Ach du mein lieber Hans, Gott tröste deine arme Seele. Ich weiß, dass er im Paradiese ist, er ist wohl so ein frommer Mensch gewesen. Lieber Freund, habt Ihr ihn nicht im Paradies gesehen? Oder kennt Ihr ihn nicht?« Der Student sagte:»Wie heißt er mit dem Zunamen?« Sie sprach:»Man hat ihm nur Hans Gutschaf gesagt; er schielte ein wenig.« Der Student besann sich und sprach:»Potz ja! Ich kenne ihn jetzt wohl!« Die Frau sprach:»Ei, lieber Freund, wie geht es ihm, meinem guten Hansen?« Der Student antwortete und sprach:»Schlecht genug! der arme Tropf hat weder Geld noch Kleider; wenn gute Gesellen bisher nicht das Beste getan hätten, er wäre wohl Hungers gestorben. Denn wenn wo gute Gesellen beieinander zechen, so holt er Wein und Brot und schenkt ihnen ein.« Da die Frau solches hörte, fing sie an zu weinen und sprach:»Ach du mein Hans! Nun hast du keinen Mangel bei mir gehabt und musst erste in jener Welt Mangel leiden! Hätte ich das gewusst, ich wollte die wohl versorgt haben mit Kleidern und mit Geld, dass du auch anderen gleich hättest zehren können; denn du hast durch Gottes Gnade noch gute Kleider. Hätte ich nur einen Boten, ich wollte sie dir schicken und einen guten Zehrpfennig dazu.« Als der Student solches hörte, sprach er zu der Frau:»O liebe Frau, seid guter Dinge! Wenn es nur an einem Boten mangelt, so will ich Euch gerne den Gefallen tun und es ihm bringen. Denn ich will demnächst wiederum ins Paradies, ich habe noch etlichen Geld zu bringen.« Als das die Frau hörte, war sie froh, brachte dem Studenten zu essen und zu trinken und hieß ihn redlich zechen.»Ich will«, sprach sie,»dieweil etwas zusammensuchen.« Also ging sie hinauf in die Kammer über den Kasten, wo des Hansen Kleider lagen und nahm etliche Hemden, zwei Paar Hosen und den gefütterten Rock mitsamt etliche Schneuztüchlein und packte es aufs Engste zusammen, dass es fein bequem zu tragen sei. Darnach nahm sie etliche alte ungrische Gulden und gute alte, geprägte Plapharte, band sie in ein weißes Tüchlein, gab es dem Studenten mitsamt dem Bündel und schenkte ihm auch etwas, damit er es desto fleißiger ausrichte. Als er nun gegessen und getrunken hatte, nahm er das Bündel mit den Kleidern auf den Rücken, dankte der Frau und zog davon. Nun war es eben um Mittag, dass der Bauer aus dem Holze heimkam, lief die Frau ihm entgegen und sprach:»Lieber Hauswirt, soll ich dir nicht Wunder sagen! Es ist ein Mann bei mir gewesen, der kommt aus dem Paradies und kennt meinen Hansen selig wohl; er hat mir gesagt, wie er so arm sei und großen Mangel leide; da bin ich hingegangen und habe ihm seine Kleider geschickt samt etlichen ungrischen Gulden und geprägten Plapharten, von denen du nichts gewusst hast.« Der Bauer erschrak und sprach:»Ei, da hast du dich aber anlügen lassen!« saß schnell auf seinen besten Hengst und eilte dem Studenten nach. Der Student aber lugte stets hinter sich, denn er dachte sich wohl, dass es also kommen würde. Und als er den Bauern hinter sich hereilen sah, warf er geschwind das Bündel in eine Hecke, fand von ungefähr ein Paar Handschuhe da und eine Schaufel und machte sich zu schaffen. Als nun der Bauer zu ihm kam, fragte er, ob er nicht einen mit einem Bündel gesehen habe.»Ja!« sagte der Student,»sobald er Euch gesehen, ist er über die Hecke gesprungen und dem Holze zugeeilt.« Der Bauer sprach:»Sei so gut, halte mir das Ross, ich will ihm nacheilen«, und sprang allsogleich über die Hecke dem Holze zu. Der Student nahm sein Bündel, saß auf des Bauern Ross und ritt davon. Als nun der Bauer niemand fand, kehrt er wieder um, und war das Ross verschwunden mitsamt dem, der es ihm gehalten hatte; da gedachte der Bauer wohl, wie es zugegangen wäre. Als er nun heimkam, fragte ihn die Frau, ob er den Studenten gefunden habe; er sagte:»Ja, ich habe ihm das Ross dazugegeben, dass er desto eher hinkäme.«

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Die sechs Studenten aus dem Ungerland

Es zogen auf eine Zeit sechs gute Studenten miteinander aus, die wollten das Ungerland besehen, was für ein Studium da zu Ofen unten wäre. Nun trug sich's zu, dass sie alle sechs nur noch fünf Heller hätten, und waren noch sehr weit heroben im Baierland. Als sie gen Passau kamen, hätten sie gern zu Morgen gegessen, wussten aber nicht, wie sie es anstellen sollten; gingen also in ein Wirtshaus und sprachen zum Wirt, er sollte ihnen zu essen geben; der Wirt meinte, sie hätten Geld, und trug ihnen zu essen und zu trinken fleißig auf; sie aßen und tranken und waren guter Dinge, ließen sich nichts anfechten. Als sie nun genug gezecht hatten, sprachen sie:»Herr Wirt, machet uns die Zeche!« Der Wirt tat es, da hatten sie sieben Batzen verschlemmt, und sah einer den andern an; endlich fing einer an und sprach:»Wirt, wir wollen Euch sagen, wie es um uns steht, wir haben alle sechs nicht mehr als fünf Heller, machet mit und, was Ihr wollt, wir können Euch die Zeche dieses Mal nicht bezahlen.« Der Wirt besann sich bald und sprach:»Wo wollt ihr den hinziehen?« Einer antwortete:»Wir wollen hinunter ins Ungerland und ein Jahr unten bleiben und sehen, was es für ein Studium unten habe.«»Nun wohlan!« sprach der Wirt,»wenn ihr übers Jahr wieder heraufkommt, so kehret wiederum bei mir ein, und der mit die größte Lüge anhängt, und ich glaube sie, dem will ich die Zeche schenken und noch eine dazu.« Des waren die Studenten froh und versprachen dem Wirte, übers Jahr wiederzukommen, und zogen also hinunter ins Ungerland. Als sie nun nach Jahr und Tag dem Ungerland den Rücken gekehrt hatten und wiederum der Heimat zuzogen, machten sie unterwegs aus, bei dem wundermilden Wirte zu Passau einzukehren, und taten vorher eine Verabredung. Es trat einer zuerst ein, grüßte den Wirt und bat um Herberge; die sagte ihm der Wirt zu und sprach:»Von wannen ziehet Ihr daher?« Er hatte ihn nämlich nimmer erkannt. Antwortete der Student:»Ich ziehe her aus dem Ungerland.« Sprach der Wirt:»Was spricht man Neues?«»Nicht sehr viel, doch sitzt zu Ofen ein Vogel auf dem Kirchturm, der gibt Schatten auf drei Meilen bis gen Gran.«»Oho!« sprach der Wirt,»das ist erlogen.« Dieweil sie also redeten, trat der andere ein und bat um Herberge, die sagte ihm der Wirt zu und fragte ihn wie den ersten; der sprach:»Ich weiß nichts Neues, es wäre denn, zu Ofen auf dem Kirchhof da liegt ein Ei, sind wohl dreihundert Bauern darüber, die können es weder heben noch wenden, und hundert Steinmetzen konnten kein Stücklein von dem Ei abschlagen.« Sprach der Wirt:»Dann mag es wohl wahr sein, dass der Vogel so weit Schatten gibt.« Indem kam der dritte, den fragte der Wirt wie die vorigen; der sprach:»Ich weiß nichts Neues, denn dass die Donau ausgebrunnen ist von Pressburg bis gen Wien.« Da lachte der Wirt von Herzen und sprach:»Das kann nur eine Lüge sein.« Alsbald trat der vierte ein, dem sagte er auch Herberge zu und fragte ihn von neuer Zeitung wegen; der antwortete:»Nicht viel, grad zwischen Pressburg und Wien da liegen die allerschönsten Fisch an der Donau und sind alle gebraten.« Sprach der Wirt:»Nachher wird es wahrlich wahr sein, dass die Donau ausgebrunnen ist.« Also schwatzte der Wirt mit den Studenten, die aber taten, als gehörten sie nicht zusammen. Stund eine Weile an, kam der fünfte; dem sagte der Wirt auch Herberge zu und fragte:»Von wannen ziehet Ihr?« Der sprach:»Aus dem Unterland.«»Lieber Geselle«, redete der Wirt,»was sagt man Neues? Es sind ihrer vier da gekommen, die sagen seltsame neue Zeitung«, und erzählte ihm deren Reden.»Habe nichts davon gehört«, sprach der,»aber das habe ich als die reine Wahrheit gehört, dass unser Herrgott gestorben sein soll.«»Das ist doch erstunken und erlogen!« sagte der Wirt,»Wie kann denn unser Herrgott sterben?« Zuletzt kam der sechste auch und bat um Herberge, die sagte ihm der Wirt zu und fragte ihn, ob er auch reden gehört hätte, dass unser Herrgott gestorben sei.»Davon habe ich nichts gehört«, gab der zur Antwort,»aber das habe ich zu Linz gesehen, dass eine Leiter an den Himmel gelehnt ist, und da steigen Weiber und Kinder auf und ab, trägt ein jedes Wurst und Semmel in der Hand.« Der Wirt sprach:»Ach, es wird gewisslich wahr sein, dass unser Herrgott gestorben ist, und wird unsere liebe Frau den armen Leuten Gaben austeilen, weil sie Würste und Semmeln herabtragen.« Dieweil sie also im Gespräche waren, da ward das Essen fertig, sie saßen zu Tisch und waren guter Dinge. Über eine Weile da fing einer unter den Studenten an und sprach zum Wirte:»Lieber Wirt, sind nicht vor einem Jahr sechs arme Schlucker bei Euch gewesen und konnten die Zeche nicht bezahlen?«»Ja!« sagte der Wirt,»ich warte immer, ob sie nicht kommen und mir die Zeche bezahlen.« Der redete weiter:»Habt Ihr nicht zu ihnen gesagt, Herr Wirt, wenn sie kommen, wolltet Ihr dem, der die größte Lüge sagt, das Mahl schenken?« Der Wirt sprach:»Ja.«»Nun, so habt Ihr uns alle da, und welcher hat jetzund die größte Lüge getan?« Da sprach der Wirt:»Ich kann es nicht entscheiden, wer die größte Lüge getan hat.« Also zogen sie am Morgen auf Regensburg zu und geben die Lügen einem jeden zur Entscheidung, welche die größte ist.

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Vom Schwaben, der das Leberlein gefressen

Als unser Herrgott noch auf dem Erdreich gewandelt ist, von einer Stadt zu der andern, das Evangelium gepredigt und viel Zeichen und Wunder getan hat, ist auf eine Zeit ein guter, einfältiger Schwabe zu ihm gestoßen und hat ihn gefragt:»Weggenosse, wo willst du hin?« Hat unser Herrgott ihm geantwortet:»Ich ziehe herum und mache die Leute selig.« Sagte der Schwabe:»Mein lieber Geselle, willst du mich mit dir lassen?«»Ja«, sagte unser Herrgott,»wenn du fromm sein willst und weidlich beten?«»Ja!« sagte der Schwabe. Als sie nun miteinander gingen, kamen sie zwischen zwei Dörfer, darinnen die Glocken läuteten. Der Schwabe, der gern schwätzte, fragte unser Herrgott:»Weggenosse, was läutet man da?« Unser Herrgott (dem alle Dinge offenbar sind) antwortete:»In dem einen Dorf läutet man zu der Hochzeit, im andern wird ein Toter ausgeläutet.«»Gehe du zu dem Toten«, sprach der Schwabe,»ich will zur Hochzeit gehen!« Unser Herrgott ging also in das Dorf und machte den Toten wieder lebendig, da schenkte man ihm hundert Gulden. Der Schwabe tät sich auf der Hochzeit um und half den Leuten beim Einschenken. Und als die Hochzeit ein Ende hatte, schenkte man ihm einen Kreuzer, des der Schwabe wohl zufrieden war, sich auf den Weg machte und wieder zu unserem Herrgott stieß. Als aber der Schwabe unseren Herrgott von Weitem sah, hub er sein Kreuzerlein in die Höhe und schrie:»Siehe, Weggenosse, ich habe Geld, was hast du?« Trieb also viel Aufhebens mit seinem Kreuzerlein. Unser Herrgott lachte ihn aus und sprach:»Ach, ich habe wohl mehr als du«, den Sack auftät und den Schwaben die hundert Gulden sehen ließ. Der Schwabe aber war nicht faul, warf sein armes Kreuzerlein unter die hundert Gulden und sprach:»Gemein, gemein! Wir wollen alles miteinander gemein haben!« Das unser Herrgott gut sein ließ. Als sie nun miteinander weiterzogen, begab es sich, dass sie zu einer Herde Schafe kamen. Sagte unser Herrgott zum Schwaben:»Gehe zum Hirten, lass dir ein Lämmlein geben und koche uns das Geschlinge zum Essen!« »Ja!« sagte der Schwabe, ging zum Hirten, ließ sich ein Lämmlein geben, zog es ab und bereitete das Geschlinge zu einem Essen. Und im Sieden schwamm das Leberlein stets in die Höhe; der Schwabe drückte es mit dem Löffel hinunter, es wollte aber nicht bleiben; das verdross den Schwaben, nahm ein Messer, schnitt das Leberlein voneinander und aß es auf. Und als das Essen auf den Tisch kam, fragte unser Herrgott, wo das Leberlein hingekommen wäre. Der Schwabe bald antwortete:»Es hat keins gehabt.«»Ei«, sagte unser Herrgott,»wie wollte es gelebt haben, wenn es kein Leberlein gehabt hätte.«»Es hat bei Gott und allen Heiligen keins gehabt!« Was blieb unserem Herrgott übrig, wollte er haben, dass der Schwabe still war und schwieg, musste er wohl zufrieden sein. Nun es begab sich, dass sie wiederum miteinander herumwanderten, da läutete man abermals in zwei Dörfern. Der Schwabe fragte:»Weggenosse, was läutet man da?«»In dem Dorf wird ein Toter ausgeläutet, in dem anderen läutet man zu einer Hochzeit«, sagte unser Herrgott.»Ja«, sprach der Schwabe,»geh du zur Hochzeit, ich will zu dem Toten!« vermeinte, er möchte auch hundert Gulden verdienen; fragte ihn weiter:»Mein Lieber, wie hast du ihm getan, als du den Toten auferweckt hast?«»Ja«, sagte unser Herrgott:»ich sprach zu ihm:»Stehe auf im Namen des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes! Da stund er auf.«»Ist gut«, sagte der Schwabe,»ich weiß ihm schon zu helfen.« Zog hin, kam zu dem Dorf, da man ihm den Toten entgegen trug; der Schwabe sah es alsbald und schrie mit heller Stimme:»Ausgehalten, ausgehalten! Ich will ihn lebendig machen, und wenn ich ihn nicht lebendig mache, so henket mich auf der Stelle ohne Gnade und Erbarmen.« Die guten Leute waren froh, verhießen ihm hundert Gulden und setzten den Baum, darin der Tote lag, nieder. Der Schwabe tät den Sarg auf und fing an zu sprechen:»Stehe auf im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!« Der Tote wollte aber nicht aufstehen; dem guten Schwaben ward angst, seinen Segen zum andern und dritten Mal sprach:»Ei, so bleibe liegen in tausend Teufels Namen!« Wie nun die Leute sahen, dass sie mit dem Narren betrogen waren, ließen sie den Sarg stehen und eilten mit dem Schwaben auf dem kürzesten Weg zum Galgen, warfen die Leiter an und führten den armen Schwaben hinauf. Unser Herrgott zog fein allgemach hernach, wusste wohl, wie es dem Schwaben gehen würde, wollte aber sehen, wie er sich stellen täte; zum Hochgericht kam und sprach:»Mein guter Geselle, wie hast du ihm getan; in was für einem Zustand sehe ich dich da?« Der Schwabe fing an zu schelten und sprach, er habe es ihn nicht recht gelehrt.»Ich habe dich recht gelehrt«, sprach unser Herrgott,»du aber hast ihm nicht recht getan. Wie es auch jetzund sei, willst du mir sagen, wo das Leberlein hingekommen ist, so will ich dich befreien.«»Ach«, sprach der Schwabe,»es hat wirklich keins gehabt; wessen zeihest du mich?«»Ei, du willst es mir nicht sagen, wohlan! Sage es, und ich will den Toten lebendig machen und dich befreien.« Der Schwabe fing an zu schreien:»Henket mich nur, henket mich nur! So entgehe ich der Marterei. Der gibt mir keine Ruhe mit dem Leberlein und hört doch wohl, dass es keins gehabt hat, henket mich nur flugs!« Wie solches unser Herrgott hörte, dass er sich lieber henken lassen wollte, ehe er die Wahrheit bekennen täte, befahl er, ihn herabzulassen, und machte selber den Toten lebendig. Als sie miteinander heimzogen, sprach unser Herrgott zum Schwaben:»Komm her, wir wollen miteinander das gewonnene Geld teilen! Wenn ich dich alleweg vom Galgen freimachen sollte, würde es mir zu viel sein.« Nahm also das Geld und teilte es in drei Teile. Als solches der Schwabe sah, sagte er:»Ei, lieber Geselle warum machst du drei Teile, sind doch unser nur zwei?«»Ja«, sprach unser Herrgott,»der eine Teil ist mein, der andere dein, und ein dritter ist dessen, der das Leberlein gefressen hat.« Da der Schwabe das vernahm, sprach er:»So habe ich es bei Gott und allen Heiligen gefressen!« Und zuvor wollte er sich eher henken lassen, als dass er bekannt hätte, aber da er das Geld sah, bekannte er es ungenötigt.

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Die Landsknechte ziehen zur Hölle und in den Himmel und werden von Sankt Peter nach Beiteinweil gewiesen, wo der gefallenen Landsknechte Aufenthalt ist

Nach der großen Schlacht zu Mailand wollten die erschlagenen Landsknechte nicht auf der Walstatt bei den Schweizern liegen bleiben, berieten untereinander, richteten ein Fähnlein auf, das war weiß mit einem roten Kreuz, und zogen in der Ordnung allesamt mit Wehr und Waffen der Hölle zu. Als aber die Teufel das Fähnlein mit dem roten Kreuz darauf ersahen, mit dem vormals die Hölle war überwunden worden, da erschraken sie hart, verriegelten, verbollwerkten und besetzten die Tore und stellten sich an den Türmen, Mauern und Zinnen zur Wehr auf. Wie nun die Landsknechte daherzogen und da ein warmes Winterlager zu finden vermeinten, da warfen uns schossen die Teufel, sagten:»Lieben Männer, ziehet nur rechter Hand dem Himmel zu! Wir geben euch keine Herberge und lassen euch nicht ein!« Mit großem Murmeln und Fluchen zogen also die Hühner- und Bauernfeinde wiederum ab, machten sich in guter Ordnung eilends vor den Himmel und begehrten Einlass. Sankt Peter fragte nach Stand und Namen; sie sagten, sie wären fromme Landsknechte und in der Schlacht von Mailand ums Leben gekommen und begehrten eingelassen zu werden.»Wer ist so unverschämt, der euch hieher gewiesen hat?« redete Sankt Peter,»trollt euch nur eilends und schnell davon, ihr Blutzapfer! Da ihr in eurem Leben allezeit den Frieden und die Einigkeit gehasst, so ist es nicht billig, dass ihr die ewige Ruhe besitzen sollt.« Auf solches erwiderte ihr Hauptmann:»Wo sollen wir denn zum Teufel bleiben? In der Hölle versperrt man uns Tür und Tor, im Himmel will man uns nicht einlassen, wo sollen wir also bleiben?«»Trollt euch hinfort!« sagte Sankt Peter,»oder ich will andere Saiten aufziehen. Ihr seid nichts denn Bluthunde, Gotteslästerer, Leuteschinder, verfluchte, verzweifelte und gottlose Knechte!« Da ward der Hauptmann der Landsknechte arg erzürnt und sagte mit lauter Stimme:»Wie kann doch ein großer Wolf, der Kälber und Schafe frisst, den armen und kleinen Fuchs, weil er Hühner zu fangen pflegt, einen Räuber schelten? Weißt du nicht, du Glatzkopf, was du getan hast? Deinen Herrn und Meister und deinen Gott hast du fälschlich und meineidig dreimal verleugnet und verschworen. Das hat unser keiner getan. Solches will ich vor allen himmlischen Heerscharen sagen, dass du ärger, meineidiger und treuloser gewesen bist als keiner unter uns, und will uns schmähen und schänden und nicht einlassen! Nun wollen wir wissen, wo wir hin sollen!« Sankt Peter war schamrot geworden und fürchtete übel, dieweil der Hauptmann so laut schrie, es möchten die andern im Himmel etwas davon hören, sagte zu ihnen:»Lieben Landsknechte, seid still und schweiget! Ich will euch ein eigenes Dorf geben, liegt ganz in der Nähe, heißt Beiteinweil; daselbst werden mit der Zeit noch mehr Landsknechte zu euch kommen; da könnt ihr euer Wesen treiben, könnt spielen, mumschanzen, zechen und fröhlich sein.« Also hat sie Sankt Peter gen Beiteinweil gewiesen, daselbst halten sie noch ihr Regiment. Was auch Landsknechte vor den Himmel komme, die weist Sankt Peter gen Beiteinweil zum alten Haufen und sind ihrer jetzund dort eine Menge frommer Landsknechte beisammen.

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Der Schneider im Himmel

Ein Stummer hat es erzählt, dass ein blindes Weib auch gesehen habe, wie ein hinkender Schneider vor Zeiten auf seiner Wanderschaft in den Himmel ziehen wollte, ob er etwa da Arbeit bekäme, und ganz spät vor denselbigen gekommen ist. Er klopfte an und fragte, ob er nicht einen Meister bekommen könnte.»Nein!« sagte Sankt Peter.»So bitte ich schön«, sprach der Schneider,»dass Ihr mich diese Nacht beherbergt.«»Das wird nicht geschehen!« antwortete Sankt Peter.»Ich kenne deine Art wohl, dass du gerne einsteckst, was nicht dein ist.« Der Schneider aber wollte sich nicht abweisen lassen, sondern bat, da er lahm und gar müde wäre, es möchte sich leicht ein Örtlein hinter dem Ofen finden, da wollte er sich drücken und niemandem im Wege stehen. Durch sein Flehen brachte er es zuweg, dass ihn Sankt Peter zu guterletzt einließ. Es begab sich aber, dass unser Herrgott mitsamt allen seinen Heiligen kurze Zeit darauf vor das Himmelstor hinausging und in den Gärten lustwandelte, und blieb unser Schneider mutterseelenallein im Himmel zurück. Wie er nun so allein war, stolzierte er in allen sieben Himmeln herum und ließ nichts unberührt, was ihm in die Hände kam; zuletzt kam er auch zum Thronsessel des allerhöchsten Gottes, setzte sich hinein und machte sich breit; von dannen herab konnte er alles sehen, was die Menschen auf Erden begingen; ward auch gewahr, dass an einem Bach ein altes Weib einem andern, das neben ich wusch, ein leinenes Tuch stahl und versteckte. Derhalben er bei sich erwog, was Diebstahl für eine schwere Sünde wäre, zu Zorn bewegt, ward und das Stühlein unter seinen Füßen nahm und damit nach der Diebin warf. Bald kam die himmlische Gesellschaft aus den Gärten wiederum zurück, unser Herrgott setzte sich in den Thronsessel und vermisste allsogleich sein Stühlein. Also ward bei allen Heiligen herumgefragt und allenthalben nach dem Stühlein gesucht, und konnte niemand das Fußstühlein ausgehen. Zuletzt rückte unser Schneider hinter dem Ofen hervor und bekannte vor dem höchsten Gotte, wie er im Zorne das Stühlein auf ein diebisches Weib geworfen hätte. Da lachte der Herrgott und sprach:»O mein liebes Schneiderlein, wenn ich jedes Mal also zornig und rachgierig ein Stühlein nach dir geworfen hätte, wenn du nicht nur kleine Fetzlein, sonder ganze Ellen Tuch verschwinden lassen hat, will von anderen Leuten ganz schweigen, so hätten wir weder Stühle noch Bänke mehr und könnten uns im ganzen Himmelreiche nirgends niedersetzen.«

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Der Welt Lauf

Es sprach ein Vater zu seinem Sohne:»Komm, lieber Sohn, ich will dir der Welt Lauf zeigen!« und gingen über Feld und führten einen Esel an der Hand. Als sie in ein Dorf kamen, da sprachen die Bauern:»Sehet die Narren, sie führen den Esel an der Hand, und könnte leicht einer darauf sitzen!« Als sie vor das Dorf hinaus kamen, da saß der Alte auf, und der Bursche führte das Tier. Als sie in ein anderes Dorf kamen, sprachen die Bauern also:»Sehet, der Alte reitet und lässt den Jungen zu Fuß gehen!« Als sie in ein drittes Dorf kamen, da saß der Junge auf den Esel, und der Alte ging nebenher; die Bauern redeten:»Der junge Bursche reitet und lässt seinen alten Vater laufen!« Bald kamen sie zu einem vierten Dorfe, da saßen sie beide auf den Esel; da sprachen die Bauern:»Sehet, die wollen das arme Tier zu Tode reiten, sitzen alle zwei auf dem schwachen Esel!« Als sie endlich zum letzten Dorfe kamen, banden sie dem Esel die Füße zusammen, steckten eine Stange durch und trugen den Esel durch das Dorf. Lachten die Bauern und redeten:»Die Narren tragen den Esel an der Stange, er könnte wohl alle beide ertragen!« Da sprach der Vater zu seinem Sohne:»Siehst du, mein lieber Sohn, wie wir es getan haben, ist es nicht recht. Darum tue du, wie du meinst, dass es Gott gefällig sei, und lass die Leute reden und schwatzen, was sie wollen; selbst Gott kann es nicht jedermann recht tun!«

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