Rudyard Kipling
Nur-so-Geschichten
Rudyard Kipling

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Die Katze, die frei umherstreifte

Höre und merke auf und lausche; denn dieses geschah und ereignete sich und wurde und war, O meine Meistgeliebte, als die zahmen Tiere noch wild waren. Der Hund war wild, und das Pferd war wild, und die Kuh war wild, und das Schaf war wild, und das Schwein war wild – so wild wie es nur sein konnte – und sie streiften wild und im Alleingang in den Weiten Wilden Wäldern umher. Aber das wildeste aller wilden Tiere war die Katze. Sie streifte frei umher, und sie fühlte sich überall zu Hause.

Natürlich war auch der Mann noch wild. Er war schrecklich wild. Er wurde erst zahm, als er der Frau begegnete, die ihm sagte, dass sie so eine wilde Lebensweise nicht leiden konnte. Anstatt eines feuchten Blätterhaufens als Schlafstelle suchte sie eine nette trockene Höhle aus; und sie bestreute den Boden mit sauberem Sand; und hinten in der Höhle zündete sie ein nettes Holzfeuer an; und sie hängte ein getrocknetes Wildpferdfell mit dem Schwanz nach unten vor den Eingang der Höhle; und sie sagte: »Wisch dir die Füße ab, wenn du reinkommst, Lieber, und jetzt wohnen wir.«

An dem Abend, Meistgeliebte, aßen sie Wildschaf, auf heißen Steinen geröstet und gewürzt mit wildem Pfeffer und wildem Knoblauch; und Wildente, gefüllt mit Wildreis und wildem Bockshornklee und wildem Koriander; Markknochen vom Wildochsen; und Wildkirschen und wilde Grenadillen. Dann legte sich der Mann überglücklich beim Feuer schlafen; aber die Frau blieb noch auf und kämmte sich die Haare. Sie nahm den Knochen von der Hammelschulter – das große dicke Schulterblatt – und sie betrachtete die wundervollen Zeichen darauf, warf noch Holz auf das Feuer und machte einen Zauber. Sie machte den ersten Gesangszauber der Welt.

Draußen in den Weiten Wilden Wäldern versammelten sich alle wilden Tiere, wo sie aus der Ferne das Licht des Feuers sehen konnten, und fragten sich, was das bedeuten sollte. Dann stampfte das Wildpferd mit seinem wilden Huf und sagte: »O meine Freunde und O meine Feinde, warum haben der Mann und die Frau das große Licht in dieser großen Höhle gemacht, und welches Leid wird es uns zufügen?«

Der Wilde Hund hob seine wilde Nase, schnupperte den Geruch des gebratenen Hammels und sagte: »Ich werde hingehen und sehen und schauen und berichten; denn ich glaube, es ist etwas Gutes. Katze, komm mit.«

»Nein, nie!« sagte die Katze. »Ich bin die Katze, die frei umherstreift, und ich bin überall zu Hause. Ich werde nicht mitkommen.«

»Dann können wir nie wieder Freunde sein,« sagte der Wilde Hund und trabte davon zur Höhle. Aber als er ein kleines Stück weit weg war, sagte die Katze zu sich selbst: »Ich bin überall zu Hause. Warum sollte ich nicht auch hingehen und sehen und schauen und wieder weggehen, wie es mir paßt.« Also schlich sie leise, ganz leise, dem Wilden Hund hinterher und versteckte sich, so dass sie alles hören konnte.

Dies ist das Bild von der Höhle, in der der Mann und die Frau zu allererst lebten. Es war wirklich eine sehr nette Höhle und viel wärmer, als sie aussieht. Der Mann hatte ein Kanu. Es liegt am Flußufer im Wasser, damit es aufquillt. Das zerfledderte Ding am anderen Ufer ist das Lachsnetz des Mannes, mit dem er Lachse fängt. Hübsche saubere Steine führen vom Fluß zur Höhle hinauf, so dass der Mann und die Frau Wasser holen können, ohne Sand zwischen die Zehen zu kriegen. Die Dinger weit unten am Srand, die wie schwarze Käfer aussehen, sind in Wirklichkeit Stämme von toten Bäumen, die aus den Weiten Wilden Wäldern vom anderen Ufer herüber geschwommen sind. Der Mann und die Frau zogen sie aus dem Wasser, trockneten sie und machten Feuerholz daraus. Ich habe den Pferdefellvorhang am Höhleneingang nicht gezeichnet, weil die Frau ihn gerade zum Waschen heruntergenommen hat. Alle die kleinen Schmutzflecken im Sand zwischen der Höhle und dem Fluß sind Abdrücke von den Füßen des Mannes und den Füßen der Frau.

Der Mann und die Frau sind beide in der Höhle beim Mittagessen. Als das Baby kam, sind sie in eine gemütlichere Höhle ungezogen, weil das Baby immer zum Fluß gekrabbelt und hineingefallen ist, und der Hund es herausziehen mußte.

Als der Wilde Hund den Höhleneingang erreichte, hob er das getrocknete Pferdefell mit der Nase an und schnüffelte nach dem wunderbaren Geruch des gebratenen Hammels, und die Frau, die das Schulterblatt betrachtete, hörte ihn, lachte und sagte: »Da kommt der erste. Wildes Ding aus den Wilden Wäldern, was willst du?«

Der Wilde Hund sagte: »O meine Feindin, Weib meines Feindes, was riecht hier so gut in den Wilden Wäldern?«

Da nahm die Frau einen gebratenen Hammelknochen auf und warf ihn dem Wilden Hund vor und sagte: »Wildes Ding aus den Wilden Wäldern, probiere und versuch's.« Der Wilde Hund nagte an dem Knochen, und der war leckerer als alles, was er je geschmeckt hatte, und er sagte: »O meine Feindin, Weib meines Feindes, gib mir noch einen.«

Die Frau sagte: »Wildes Ding aus den Wilden Wäldern, hilf meinem Mann am Tag bei der Jagd und bewache in der Nacht diese Höhle, und ich werde dir so viele gebratene Knochen geben, wie du brauchst.«

»Ah!« sagte die Katze, als sie das hörte. »Das ist eine sehr kluge Frau, aber sie ist nicht so klug wie ich.«

Der Wilde Hund kroch in die Höhle und legte der Frau den Kopf auf den Schoß und sagte: »O meine Freundin, Weib meines Freundes, ich werde deinem Mann den ganzen Tag beim Jagen helfen, und bei Nacht werde ich eure Höhle bewachen.«

»Ah!« sagte die Katze. »Das ist ein sehr dummer Hund.« Und sie ging durch die Weiten Wilden Wälder davon, ihren wilden Schweif schwenkend, in ihrem wilden Alleingang. Aber sie verriet nichts.

Dies ist das Bild von der Katze, die allein umherstreifte, wie sie im Alleingang durch die Weiten Wilden Wälder wandert und ihren Wilden Schweif schwenkt. Sonst ist außer ein paar Pilzen nichts auf dem Bild. Sie wuchsen da, weil die Wälder ziemlich feucht waren. Das klumpige Ding auf dem unteren Zweig ist kein Vogel. Es ist Moos, das da wuchs, weil es in den Wilden Wäldern so feucht war.
br> Unter dem richtigen Bild ist ein Bild von der gemütlichen Höhle, in die der Mann und die Frau umgezogen sind, als das Baby kam. Es war ihre Sommerhöhle, und davor pflanzten sie Weizen an. Der Mann reitet auf dem Pferd, um die Kuh zu suchen und zum Melken zur Höhle zurück zu bringen. Er hält die Hand hoch und winkt dem Hund, der auf die andere Seite des Flusses geschwommen ist, um dort Kaninchen zu suchen.

Als der Mann aufwachte, sagte er: »Was macht der Wilde Hund denn hier?« Und die Frau sagte: »Sein Name ist nicht mehr Wilder Hund, sondern Erster Freund, weil er für immer und immer und immer unser Freund sein wird. Nimm ihn mit, wenn du Jagen gehst.«

Am nächsten Abend schnitt die Frau einen großen grünen Armvoll frisches Gras aus den Wasserwiesen, trocknete es am Feuer, so dass es wie frischgemähtes Heu roch, und sie setzte sich an den Höhleneingang und flocht ein Halfter aus Pferdehaut, und sie schaute auf das Hammel-Schulterblatt – auf das große breite Schulterblatt – und machte einen Zauber. Sie machte den zweiten Gesangszauber der Welt.

Draußen in den Wilden Wäldern fragten sich alle wilden Tiere, was mit dem Wilden Hund geschehen war, und schließlich stampfte das Wilde Pferd mit dem Huf und sagte: »Ich werde gehen und sehen und berichten, warum der Wilde Hund nicht zurückgekommen ist. Katze, komm mit.«

»Nein, nie!« sagte die Katze. »Ich bin die Katze, die alleine umherstreift, und ich bin überall zu Hause. Ich werde nicht mitgehen.« Aber trotzdem folgte sie dem Wilden Pferd leise, ganz leise, und versteckte sich, so dass sie alles hören konnte.

Als die Frau das Wilde Pferd trappeln und über seine lange Mähne stolpern hörte, lachte sie und sagte: »Hier kommt der zweite. Wildes Ding aus den Wilden Wäldern, was willst du?«

Das Wilde Pferd sagte: »O meine Feindin, Weib meines Feindes, wo ist der Wilde Hund?«

Die Frau lachte, nahm das Schulterblatt auf, schaute es an und sagte: »Wildes Ding aus den Wilden Wäldern, du bist nicht wegen des Wilden Hundes hergekommen, sondern wegen dieses guten Grases.« ( In jenen Erhabenen Zeiten war der Genitiv noch überall verbreitet, Anm.d.Übers.)

Und das wilde Pferd, trappelnd und über seine lange Mähne stolpernd, sagte: »Das ist wahr; gib es mir zu fressen.«

Die Frau sagte: »Wildes Ding aus den Wilden Wäldern, beuge deinen wilden Kopf und trage, was ich dir gebe, und du sollst dreimal täglich das wunderbare Gras fressen.«

»Ah,« sagte die Katze, als sie das hörte, »das ist eine schlaue Frau, aber sie ist nicht so schlau wie ich.« Das Wilde Pferd beugte seinen wilden Kopf und die Frau zog ihm den geflochtenen Lederhalfter über, und das Wilde Pferd atmete auf die Füße der Frau und sagte: »O meine Herrin, Weib meines Herrn, für dieses wunderbare Gras will ich euer Diener sein.«

»Ah,« sagte die Katze, als sie das hörte, »das ist ein sehr dummes Pferd.« Und sie ging durch die Weiten Wilden Wälder davon, ihren wilden Schweif schwenkend, in ihrem wilden Alleingang. Aber sie verriet nichts.

Als der Mann und der Hund vom Jagen kamen, sagte der Mann: »Was macht das Wilde Pferd hier?« Und die Frau sagte: »Sein Name ist nicht mehr Wildes Pferd, sondern Erster Diener, weil es uns für immer und immer und immer von einem Ort zum andern tragen wird. Reite auf seinem Rücken zur Jagd.«

Am nächsten Tag kam die Wilde Kuh zur Höhle, ihren wilden Kopf hoch erhoben, damit ihre wilden Hörner sich nicht in den wilden Bäumen verfingen, und die Katze folgte ihr und versteckte sich genau wie zuvor; und alles ging wieder genau so wie zuvor; und die Katze sagte dasselbe wie zuvor, und als die Wilde Kuh versprochen hatte, der Frau jeden Tag ihre Milch im Tausch für das wunderbare Gras zu geben, ging die Katze durch die Weiten Wilden Wälder, ihren wilden Schweif schwenkend und in ihrem wilden Alleingang davon, ganz genau wie zuvor. Aber sie verriet nichts. Und als der Mann und das Pferd und der Hund vom Jagen nach Hause kamen und die selben Fragen wie zuvor stellten, sagte die Frau: »Ihr Name ist nicht mehr Wilde Kuh, sondern Spenderin Guter Nahrung. Sie wird uns für immer und immer und immer die warme weiße Milch geben, und ich werde sie pflegen, während du mit dem Ersten Freund und dem Ersten Diener jagen gehst.«

Am nächsten Tag wartete die Katze, ob noch ein Wildes Ding zu der Höhle gehen würde, aber niemand rührte sich in den Weiten Wilden Wäldern, also ging die Katze allein hin; und sie sah, wie die Frau die Kuh molk, und sie sah das Licht des Feuers in der Höhle, und sie roch den Geruch der warmen weißen Milch.«

Katze sagte; »O meine Feindin, Weib meines Feindes, wo ist die Wilde Kuh hingegangen?«

Die Frau lachte und sagte: »Wildes Ding aus den Wilden Wäldern, geh' zurück in die Wälder, denn ich habe meine Haare hochgeflochten, und ich habe das magische Schulterblatt weggepackt, und wir haben keinen Bedarf mehr an Freunden oder Dienern in unserer Höhle.«

Katze sagte: »Ich bin kein Freund und ich bin kein Diener. Ich bin die Katze, die alleine umherstreift, und ich wünsche, in eure Höhle zu kommen.«

Frau sagte: »Warum bist du dann nicht am ersten Abend mit dem Ersten Freund gekommen?«

Katze wurde sehr wütend und sagte: »Hat der Wilde Hund Geschichten über mich erzählt?«

Da lachte die Frau und sagte: »Du bist die Katze, die frei umherstreift, und fühlst dich überall zu Hause. Du bist weder Freund noch Diener. Du hast es selbst gesagt. Hau ab und geh zu deinem Überall-Zu-Hause.«

Da tat die Katze so, als ob es ihr leid täte und sagte: »Darf ich niemals in die Höhle kommen? Darf ich niemals am warmen Feuer sitzen? Darf ich niemals die warme weiße Milch trinken? Du bist doch sehr weise und sehr schön. Du solltest nicht grausam sein, nicht einmal zu einer Katze.«

Die Frau sagte: »Ich wußte, dass ich weise bin, aber ich wußte nicht, dass ich schön bin. Also werde ich einen Handel mit dir machen. Wenn ich jemals ein Wort zu deinem Lob sage, darfst du in die Höhle kommen.«

»Und wenn du zwei Worte zu meinem Lob sagst?« sagte die Katze.

»Das werde ich niemals tun,« sagte die Frau, »aber falls ich zwei Worte zu deinem Lob sage, darfst du in der Höhle am Feuer sitzen.«

»Und wenn du drei Worte sagst?« sagte die Katze.

»Das werde ich niemals tun,« sagte die Frau, »aber falls ich drei Worte zu deiner Ehre sage, darfst du dreimal täglich die warme weiße Milch trinken, für immer und immer und immer.«

Da machte die Katze einen Buckel und sagte: »Nun mögen der Vorhang am Eingang der Höhle und das Feuer im Innern der Höhle und die Milchtöpfe, die am Feuer stehen, sich erinnern, was meine Feindin, das Weib meines Feindes, gesagt hat.« Und sie ging, ihren wilden Schweif schwenkend, in ihrem wilden Alleingang durch die Weiten Wilden Wälder davon.

Als an diesem Abend der Mann, das Pferd und der Hund vom Jagen kamen, erzählte die Frau ihnen nichts von dem Handel, den sie mit der Katze gemacht hatte, weil sie befürchtete, dass es ihnen nicht gefallen würde.

Die Katze lief weit, weit weg und vesteckte sich lange Zeit in den Weiten Wilden Wäldern in ihrem wilden Alleingang, bis die Frau sie ganz vergessen hatte. Nur die kleine Fledermaus – die kleine kopfüber-Fledermaus – die in der Höhle hing, flog mit den Neuigkeiten, die es gab, zur Katze.

Eines Abends sagte die Fledermaus: »In der Höhle ist jetzt ein Baby. Er ist neu und rosa, und fett und klein, und die Frau hat es sehr gern.«

»Ah,« sagte die Katze, »aber was hat das Baby sehr gern?«

»Es hat Sachen gern, die weich sind und kitzeln,« sagte die Fledermaus. »Es mag warme Sachen im Arm halten, wenn es einschläft. Es mag, wenn man mit ihm spielt. Das mag es alles gerne.«

»Ah,« sagte die Katze, als sie das hörte, »dann ist jetzt meine Zeit gekommen.«

In der nächsten Nacht ging die Katze durch die Weiten Wilden Wälder und versteckte sich ganz nah bei der Höhle, bis am Morgen der Mann und der Hund und das Pferd zum Jagen gingen. Die Frau war an dem Morgen sehr mit Kochen beschäftigt, und das Baby weinte und störte sie bei der Arbeit. Also trug sie es vor die Höhle und gab ihm eine Handvoll Kiesel zum Spielen. Aber das Baby weinte immer noch.

Da streckte die Katze ihr Patschpfötchen aus und tätschelte dem Baby die Bäckchen, und es gluckste; und die Katze rieb sich an seinen speckigen Knieen und kitzelte es mit dem Schwanz unter dem speckigen Kinn. Und das Baby lachte; und die Frau hörte es und lächelte.

Dann sagte die Fledermaus – die kleine kopfüber-Fledermaus, die am Höhleneingang hing: »O meine Gastgeberin, Weib meines Gastgebers und Mutter des Sohnes meines Gastgebers, ein wildes Ding aus den wilden Wäldern spielt sehr schön mit deinem Baby.«

»Gesegnet sei das Ding, was immer es auch sein mag,« sagte die Frau und streckte ihren Rücken, »denn ich war heute morgen eine sehr beschäftigte Frau und es hat mir einen Dienst erwiesen.«

In genau dieser Minute und Sekunde, Meistgeliebte, fiel der getrocknete Pferdefell-Vorhang, der mit dem Schwanz nach unten über den Eingang der Höhle gespannt war – wuusch! – herunter, weil er sich an den Handel erinnerte, den sie mit der Katze gemacht hatte, und als die Frau hinging und ihn aufhob – siehe da! – da saß die Katze ganz zufrieden in der Höhle.

»O meine Feindin, Weib meines Feindes und Mutter meines Feindes,« sagte die Katze, »ich bin es: denn du hast ein Wort zu meinem Lob gesprochen, und jetzt darf ich für immer und immer und immer in der Höhle sitzen. Aber ich bin immer noch die Katze, die frei umherstreift, und ich bin überall zu Hause.«

Die Frau war sehr wütend, nahm ihr Spinnrad auf und begann zu spinnen. Aber das Baby weinte, weil die Katze weggegangen war, und die Frau konnte es nicht beruhigen, weil es um sich schlug und trat und ganz blau im Gesicht wurde.

»O meine Feindin, Weib meines Feindes und Mutter meines Feindes,« sagte die Katze, »nimm einen Faden von dem Garn, das du spinnst, binde es an deine Spinnwirtel und zieh sie über den Boden, und ich werde dir einen Zauber zeigen, der dein Baby so laut zum Lachen bringt, wie es jetzt schreit.«

»Ich werde das mal machen,« sagte die Frau, »weil ich mit meiner Weisheit am Ende bin, aber ich werde dir nicht dafür danken.«

Sie band den Faden an die kleine tönerne Spinnwirtel und zog sie über den Boden, und die Katze rannte hinterher, schlug mit den Pfoten danach und rollte Hals-über-Kopf, warf sie sich rücklings über die Schulter und jagte zwischen ihren Hinterbeinen danach, verlor sie zum Schein und sprang wieder darauf los, bis das Baby so laut lachte, wie es geschrieen hatte, und hinter der Katze her krabbelte und in der ganzen Höhle herumtollte, bis es müde wurde und sich mit der Katze in den Armen schlafen legte.

»Jetzt,« sagte die Katze, »werde ich dem Kind ein Lied singen, von dem es eine Stunde lang schlafen wird,« und sie begann zu schnurren, laut und leise, leise und laut, bis das Baby fest schlief. Die Frau lächelte, als sie auf die zwei herabschaute und sagte: »Das hast du wunderbar gemacht. Keine Frage, du bist sehr gescheit, O Katze.«

In der selben Minute und Sekunde, Meistgeliebte, kam der Rauch des Feuers hinten in der Höhle in Wolken von der Decke herab – puff! – weil er sich an den Handel erinnerte, den sie mit der Katze gemacht hatte, und als er sich verzogen hatte – siehe da! – saß die Katze ganz gemütlich direkt am Feuer.

»O meine Feindin, Weib meines Feindes und Mutter meines Feindes,« sagte die Katze, »ich bin es, denn du hast ein zweites Wort zu meinem Lob gesprochen, und jetzt kann ich für immer und immer und immer an dem warmen Feuer hinten in der Höhle sitzen. Aber ich bin immer noch die Katze, die frei umherstreift, und ich bin überall zu Hause.«

Da war die Frau sehr sehr wütend, und öffnete ihr Haar, legte Feuerholz nach, holte das breite Schulterblatt des Hammels hervor und begann einen Zauber zu machen, der sie davor schützen sollte, ein drittes Wort zum Lob der Katze zu sagen. Es war kein Gesangszauber, Meistgeliebte, es war ein Stummer Zauber; und nach und nach wurde es so still in der Höhle, dass eine kleine winzige Maus aus einer Ecke hervorkroch und über den Boden rannte.

»O meine Feindin, Weib meines Feindes und Mutter meines Feindes,« sagte die Katze, »gehört die kleine Maus zu deinem Zauber?«

»Aah! Hieeh! Nein, überhaupt nicht!« sagte die Frau, und sie ließ das Schulterblatt fallen und sprang auf den Hocker, der vor dem Feuer stand, und drehte ihr Haar sehr schnell auf, aus Angst, dass die Maus daran herauflaufen würde.

»Ah,« sagte die Katze, als sie das sah, »dann wird die Maus mir nicht schaden, wenn ich sie auffresse?«

»Nein,« sagte die Frau und drehte ihre Haare auf, »friß sie schnell auf, und ich werde dir ewig dankbar sein.«

Katze machte einen Sprung und fing das Mäuschen, und die Frau sagte: »Tausend Dank. Nicht einmal der Erste Freund ist schnell genug, um so wie du Mäuschen zu fangen. Du mußt sehr klug sein.«

In diesem selben Moment und Augenblick, o Meistgeliebte, zerbrach der Milchtopf, der beim Feuer gestanden hatte, in zwei Stücke – ffft – weil er sich an den Handel erinnerte, den sie mit der Katze gemacht hatte, und als die Frau von ihrem Hocker sprang– siehe da! – schlabberte die Katze die warme weiße Milch aus einem der Bruchstücke.

»O meine Feindin, Weib meines Feindes und Mutter meines Feindes,« sagte die Katze, »ich bin es; denn du hast drei Worte zu meinem Lob gesprochen, und jetzt kann ich dreimal täglich für immer und immer und immer die warme weiße Milch trinken. Aber ich bin immer noch die Katze, die frei umherstreift, und ich bin überall zu Hause.«

Da lachte die Frau und stellte der Katze eine Schale mit warmer Milch hin und sagte : »O Katze, du bist so klug wie ein Mensch, aber denk daran, dass dein Handel nicht mit dem Mann oder dem Hund abgeschlossen wurde, und ich weiß nicht, was sie machen werden, wenn sie nach Hause kommen.«

»Was interessiert mich das?« sagte die Katze. »Wenn ich meinen Platz am Feuer in der Höhle und dreimal täglich meine warme Milch habe, kümmert es mich nicht, was der Mann oder der Hund machen.«

Als an dem Abend der Mann und der Hund in die Höhle kamen, erzählte die Frau ihnen die ganze Geschichte von dem Handel, während die Katze am Feuer saß und grinste. Dann sagte der Mann: »Ja, aber mit mir hat sie keinen Handel gemacht, und auch nicht mit den anständigen Männern, die nach mir kommen werden.« Dann zog er seine beiden Lederstiefel aus und nahm seine kleine Steinaxt (das waren drei) und er holte ein Stück Holz und ein Beil (das macht zusammen fünf ), stellte alles in einer Reihe auf und sagte: »Jetzt werden wir unseren Handel machen. Wenn du nicht Mäuse fängst, so lange du in der Höhle bist, für immer und immer und immer, werde ich diese fünf Sachen nach dir werfen, sobald ich dich sehe, und alle anständigen Männer nach mir werden das auch so halten.«

»Ah,« sagte die Frau, als sie das hörte, »das ist eine sehr kluge Katze, aber sie ist nicht so klug wie mein Mann.«

Die Katze zählte die fünf Sachen (die sehr knorrig aussahen) und sagte: »Ich werde für immer und immer und immer Mäuse fangen, wenn ich in der Höhle bin; aber ich bin immer noch die Katze, die frei umherstreift, und ich bin überall zu Hause.«

»Nicht, wenn ich in der Nähe bin,« sagte der Mann. »Wenn du das zuletzt nicht gesagt hättest, hätte ich alle diese Sachen für immer und immer und immer weggelegt; aber jetzt werde ich meine Stiefel und meine kleine Steinaxt nach dir werfen (das sind drei), wann immer ich dich sehe. Und alle anständigen Männer nach mir werden das auch so halten.«

Dann sagte der Hund: »Wartet mal. Mit mir und mit allen anständigen Hunden nach mir hat sie keinen Handel gemacht.« Und er zeigte seine Zähne und sagte: »Wenn du nicht für immer und immer und immer lieb zu dem Baby bist, so lange ich in der Höhle bin, werde ich dich jagen, bis ich dich habe, und wenn ich dich habe, werde ich dich beißen. Und alle anständigen Hunde nach mir werden das auch so halten.«

»Ah,« sagte die Frau, als sie das hörte, »das ist eine sehr kluge Katze, aber sie ist nicht so klug wie der Hund.«

Die Katze zählte die Zähne des Hundes (und die sahen sehr spitz aus) und sagte: »Ich werde für immer und immer und immer lieb zu dem Baby sein, wenn ich in der Höhle bin, so lange es nicht zu feste an meinem Schwanz zieht. Aber ich bin immer noch die Katze, die frei umherstreift, und ich bin überall zu Hause.«

»Nicht, wenn ich in der Nähe bin,« sagte der Hund. »Wenn du das zuletzt nicht gesagt hättest, hätte ich für immer und immer und immer meine Schnauze gehalten; aber jetzt werde ich dich auf einen Baum scheuchen, wann immer ich dich sehe. Und alle anständigen Hunde nach mir werden das auch so halten.«

Dann warf der Mann seine zwei Stiefel und seine kleine Steinaxt (das macht drei) nach der Katze, und die Katze rannte aus der Höhle, und der Hund scheuchte sie auf einen Baum; und von jenem Tage bis heute, Meistgeliebte, werden drei von fünf anständigen Männern immer mit Sachen nach einer Katze werfen, sobald sie sie sehen, und alle anständigen Hunde werden sie auf einen Baum scheuchen. Aber die Katze hält ihre Seite des Handels genauso ein. Sie wird Mäuse töten und lieb zu Babies sein, wenn sie im Haus ist, solange die sie nicht zu feste am Schwanz ziehen. Aber wenn sie damit fertig ist, und auch zwischendurch, und wenn der Mond aufgeht und die Nacht kommt, dann ist sie die Katze, die frei umherstreift, und ist überall zu Hause. Dann geht sie in die Weiten Wilden Wälder oder auf die Weiten Wilden Dächer, ihren wilden Schweif schwenkend, in ihrem wilden Alleingang.

 

Pussi sitzt am Feuer und schnurrt,
Pussi springt auf den Baum,
Spielt mit dem alten Kork an der Schnur,
Spielt für sich, beachtet mich kaum.
Viel lieber ist mir da Bello, der Hund
Der sich richtig benehmen kann,
Bello ist, was der Erste Freund war, und
ich bin der Höhlenmann.

Pussi ist nur Mein-Mann-Freitag geblieben,
Bis es Zeit war, die Pfoten zu rühren;
(Für Crusoe hat sie'n Fuß-Abdruck geschrieben)
Jetzt will sie auf Dächern spazieren.
Sie plustert den Schwanz und miaut
Und kratzt und rennt hin und her.
Doch Bello spielt mit und bellt fröhlich laut,
Mein Erster Freund, das ist er.

Pussi reibt ihr Köpfchen an meinem Knie
Tut so, als liebt' sie mich sehr;
Doch wenn ich zu Bett geh, seh ich sie nie,
Dann läuft sie im Hof hin und her;
Und da bleibt sie, bis die Sonne aufgeht,
Darum weiß ich, sie macht mir was vor;
Denn Bello schnarcht nachts bei mir vor dem Bett,
Mein Erstester Freund, das ist er!

 


 


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