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Dritter Aufzug

Erste Szene

Im Palaste des Varus. Eine Halle, von Säulen getragen, nach dem Hintergrunde zu offen. Man sieht durch die Arkaden den fernen Waldsaum. Hart hinter der Halle Parkanlagen. Links ein hohes Portal, nach dem Gemache des Varus führend, mit einer kleinen Treppe versehen. Diese Treppe ist mit einem kostbaren Teppich belegt. Prachtvoller Sonnenschein bedeckt die Landschaft im Hintergrunde.
Segest kommt aus einer Tür rechts. Flavus aus dem Garten in die Halle. In der Mitte derselben treffen sich beide.

Flavus

Wohin so eilig, würdiger Segest?

Segest

hastig

Das Römerheer schreit nach Rache, wirr und wüst. Weißt du, was geschah?

Flavus

Wie sollt' ich?

Segest

Ein Mord! Ein Römermord! Weißt du, wer ihn begangen hat? – Hermann hat ein blutiges Schwert. Flavus beiseite nehmend Schaff dir eine Spürnase an, Flavus; die Luft ist schwül, und man kann das Unheil riechen wie den Blitz. – Schau hin nach Norden! Da droht ein Wetter. – Schau hin nach Süden! Da droht ein Wetter. – Schau hin nach Osten! Da droht ein Wetter. – Schau hin nach Westen! Die schwarzen Wolken bäumen dir entgegen. – Bei allen Göttern, Flavus, der schlafende Riese hat einen Finger bewegt, und ein Zwerglein starb. Sarkastisch Armer Numonius!

Flavus

Hört mich doch an!

Segest

Nein, Flavus, der alte Wolf will kämpfen. – Der alte Adler sieht, wie sein Junges einen Geier vernichtet, und ihm züngelt nach Kampf. Das rostige Eisen hört Kampfgeschrei, da blinkt es und funkelt's unter dem Roste wie Frührot. – Kennst du den Mörder?

Flavus

Ja, Segest, ich kenne ihn.

Segest

Wenn du ihn kennst, Flavus, so kennst du mich und weißt, daß ich nahe daran bin, ihm all meinen Groll vor die Füße zu legen. Hermann hat ein blutiges Schwert.

Flavus

Ihr irrt, Segest.

Segest

Nein, Flavus, ich irre nicht, denn ich bin ich, und du bist du, ich sage dir, ich bin ich und habe meine Gedanken wie du deine Gedanken. Ingrimmig Und meine sind besser als deine.

Flavus

Was sprecht Ihr da von Hermann?

Segest

Geh deinen Weg, auf den ich mich verirrt, ich will indes rückwärts tappen und nach dem meinigen suchen. Zwar ist es Nacht hinter mir – Nacht – Nacht. Tiefe, schwere, dumpfe Nacht! – Oh, das sind grausame Bilder.

Flavus

Raff dich, Segest!

Segest

Hab' ich genug gebuhlt um Gunst? – Hab' ich genug in den Staub gebissen? – Hab' ich den Boden vor Römerfüßen nicht genug gefegt mit meinem Haupthaar?

Flavus

plötzlich scharf und sicher

Höre, Segest, hat dich Hermann entehrt?

Segest

noch zitternd vor Aufregung

Freilich, freilich!

Flavus

Hat er dich wie ein Kind unter seine Füße getreten?

Segest

finster

Freilich!

Flavus

Hat er all deine Pläne unterdrückt? Dich getrieben von Cheruskern und Römern? Hat er in dein heiliges Hausrecht gegriffen und dein eignes Fleisch und Blut geschändet? Hat er's getan?

Segest

aufbrausend

Ja denn! und bei dem Heer der ew'gen Leuchten! ich zahl's ihm heim!

Flavus

Und wenn ich nun die Tat, die dich ihm verpflichtet, hinwegblase wie eine Feder? – Weißt du, woher ich komme?

Segest

Nein, Flavus.

Flavus

ganz leise

Von den Mördern Numons.

Segest

Wer sind die?

Flavus

Schurken sind es, nichtswürdige Verräter, die Tod und Rache ausbrüten allen Römern. Nach der Sonne deutend Sieh da, wie die Morgensonne unschuldvoll herableuchtet, als gälte es, den Römern ein fröhliches Fest schaffen, Glück zu verkünden. – Und doch gebar die Nacht, die vor ihr kam, einen Vernichtungskeim, der wie ein Pilz wachsen kann, wenn man ihn nicht schnell zu dämmen vermag. Ich habe mich unter die Verräter gemischt und habe mitgeschworen einen finsteren Schwur: laut zur Vernichtung der Römer, in meinem Herzen aber zur Vernichtung der Germanen. – Ich werde den Keim ausbrennen mit Feuer! – Wo ist Varus, daß ich ihm mit Numons Mördern zugleich das Haupt einer giftigen Viper in die Hände gebe!

Segest

Du willst die Verschwörung verraten, Flavus? Du kamst nicht früh genug. Man hat sie schon verraten.

Flavus

außer sich

Feuer und Flammen! – Was sagst du? – Man hat – wer hat – verraten, Segest?

Segest

Ja, Flavus, man hat! Und dich mit, als Anstifter der Verschwörung. Verdächtig macht dich dein Neid gegen Hermanns Vorzug. Dein vergebenes Haschen nach der Gunst des Varus. – Du hast viel gewagt, Flavus!

Flavus

Ich will bekennen, Segest, gleich – gleich. Alles tat ich nur um Roms willen. Ich bin schuldlos, hatte nur Gutes im Sinne, man wird, man muß mir glauben.

Segest

Wer glaubt dem Dieb, den man beim Stehlen ertappt hat, seine Unschuld?

Flavus

hastig

Dann bin ich ein Opfer meiner Treue für Rom. – Segest, dann – will gehen – muß ich fliehen.

Segest

ihn zurückhaltend

Bleibe! – Du siehst, wie du töricht gehandelt! Man hat dich nicht verraten, noch weiß man nichts von den Mördern Numons. Eile also mit der Entdeckung, verliere keine Zeit, gehe zu Varus, bekenne alles! Aber frei – frei. Werden die Mörder vorher verraten, gefangen und gehangen, so wirst du mit verraten, gefangen und gehangen, trotz allen Schwüren der Treue.

Flavus

Ja, Segest. Ich habe zuviel gewagt! – Wenn man mich unter den Bluthunden gewahrt hätte! – Das Volk ist tückisch und falsch, die Fama dringt in das Innerste der Erde, Segest.

Zweite Szene

Varus kommt im Gespräch mit einem Zenturio und Hermann durch den Park im Hintergrunde. Wie er in die Halle tritt, wird das Gespräch hörbar.

Segest

Varus und Hermann! Sei gefaßt!

Flavus

Ich bin's.

Segest und Flavus, abseits.

Varus

Wo fandet ihr die Leiche?

Zenturio Aurelius

Im Gewälde.
Der deutsche Wald, Ihr wißt, ist dicht und groß,
und keiner seiner alten, breiten Bäume
verrät den andern.

Hermann

mit einem finsteren Blick auf Flavus, leise zu sich

Das ist schwerer Irrtum,
es gibt Verräter.

Zenturio Aurelius

Darum suchten wir
die Stelle, da er lag, gewiß vergebens.

Varus

Und fandet ihr von Tätern keine Spur,
zertretnes Gras, zerknicktes Waldgesträuch,
das euch die Richtung zeigte, sie zu fahnden?

Zenturio Aurelius

Wir fanden keine.

Varus

Nun, so nehm' ich an,
er war des Lebens müde.

Zenturio Aurelius

Nein, o Herr.
Er ist erschlagen von Germanen!

Varus

Wie,
ihr fandet keine Spur und schiebt die Schuld
wie niedre, feige Herren auf die Knechte?!
Pfui über dich!

Zenturio Aurelius

Verzeiht, o Herr, die Spur
fand sich im eingeschlagnen Haupt Numons,
draus gähnte eine Wunde mir entgegen,
so tief, so klaffend, grauenerregend, Herr,
als schriee sie den Himmel an um Rache,
Rache an den Germanen.

Varus

An den Römern!
warum nicht an den Römern?

Zenturio Aurelius

Nur Germanen,
nicht aber Römer schlagen solche Wunden.

Varus

Aurel, das lass' ich gelten! Willst du mir
nun sagen, ob gerechte Rach' ihn fällte,
ob bloßer Neid vielleicht? – Du weißt es nicht? –
So geh und forsche erst darnach, anstatt,
ein wildes Tier, nach Blut zu dürsten, nur
weil Blut geflossen ist.

Flavus

unterwürfig zu Varus und spricht, Mitleid heuchelnd

Mein edler Feldherr,
niemand ersetzt Euch den Numonius.

Varus

sinnend

Du sprichst die Wahrheit, er war stark und treu.

Flavus

leise zu Varus

Ich hätt' ein Wort für Euch, doch insgeheim.

Varus

Wenn's Wahrheit ist, von Wichtigkeit für mich,
so hat Arminius ein Recht darauf;
sprich nur.

Flavus

leise zu Varus

Herr, es betrifft …

Hermann

der alle Bewegungen des Flavus scharf beobachtet hat, kommt jenem nun im Augenblicke des Verrates zuvor, indem er ihm in die Rede fällt

… Numonius!
Wir wissen seine Mörder, ohne dich.

Flavus

niedergeschmettert, leise zu Segest

Doch wahr, Segest?!

Hermann

zu Flavus

Warum erbleicht mein Bruder,
wird fahl wie Schnee? Varus, ist das ein Mann,
des Galle Blut trinkt, greift ein andrer nur
bescheiden auch nach einem Fünkchen Ruhm?

Flavus

halblaut

Varus, ich bin unschuldig.

Varus

Schafft mir Licht!
Was soll das alles? Redet! – Ich bin irre.

Hermann

stellt sich so, als spräche er nur zu Flavus und als wüßte Varus schon um alles

Am Waldsaum, wo der Weg führt durchs Gebirg,
im letzten, kleinsten Haus von Teutoburg,
da wohnt ein Spielmann, alt und grau. Bei ihm
lebt seine blinde Tochter. – Sigwin ist
des Alten Name, und sein Kind heißt Siegtraut.

Flavus

wie vorher

Varus, du weißt genug, um zu verdammen.

Hermann

wie vorher

Numon, o Herr, entbrannte für die Blinde.
Ich nenn's nicht Liebesglut, was ihn durchdrang,
denn, Herr, das ist geläuterte Begierde;
ich nenn's Gelüst, schmutzig und sumpfig.

Varus

Und
woher ward dir dies alles?

Hermann

wie vorher

Hört mich weiter.
Nunion war mein Gebieter – war ein Römer,
wenn er befahl, war's meine Pflicht zu folgen.
So hatte er auch gestern mich erlesen
als seinen Helfer bei verruchtem Tun.
Ich mußte folgen und ich folgte. Vor
des Barden Hütte aber hieß er mich
ein wenig, wie er sagte, gar nicht lange,
auf seine Rückkehr warten. Denn es sei
ein blindes Kind, so meint' er, leicht betört. –
Ich wartete. – Kaum barg die Mauer ihn,
hört' ich ein wüst Geschrei und Waffenlärm,

Feurig

der Sänger übte Hausrecht an Numon,
stieß mit dem Schwert von seiner Tür die Schande.

Varus

mißtrauisch zu Flavus

Und wie kamst du den Mördern auf die Spur?

Hermann

Hört mich nur weiter, Feldherr. Ich verbarg
mich im Gebüsch und sah, wie man, was irdisch war
vom Mann Numonius, zur Schwelle schleifte.
Eber, der Meister Schmied von Teutoburg,
hat meines Achtens nach die Tat vollbracht
für seinen Freund, den greisen Sänger Sigwin.
Als er heraustrat, schwang er seinen Hammer
und rief zum Kampfe alle, die etwa
im dichten Walde sich verborgen hätten. –
Von seinen wilden Rufen aufgeschreckt,
kam nun halb Teutoburg. Männer und Weiber,
Greise und Kinder. Unter ihnen sah ich

Hier wirft er einen verächtlichen Blick auf den zitternden Flavus

auch meinen Bruder Flavus.

Flavus

freudig aufatmend

Ja, so ist es.

Varus

schmerzlich

Armer Numonius.

Auffahrend, Aurel herbeiwinkend

Aurel, komm näher.
Hast du noch jetzt Gelüst nach Rache an
dem Vater, der, sein Kind vor Schande rettend,
Numonius erschlug?

Er zieht einen Ring vom Finger und reicht ihn dem Aurel, der zögert, ihn zu nehmen.

Nimm diese Vollmacht,
geh hin und laß ihn hängen! – Willst du nicht?

Dritte Szene

Eggius kommt. Gemurmel hinter der Szene.

Segest

zu Varus

Herr, Eggius, der Tribun, verlangt zu reden.

Varus

Nun, Eggius, so rede!

Eggius

Großer Varus,
wenn mich nicht alles trügt, so sind's die Mörder
Numons, die ich gefangen.

Varus

gleichgültig

Fingst du welche? –
Gut. Führe sie herein.

Der Tumult hinter der Szene wird ärger.

Ich höre Lärm
und Drohungen und Flüche.

Eggius

Herr, das Heer
umringt neugierig die gefangnen Männer,
erregt sind die Gemüter. Wie ein Meer
sich zornig bricht am felsigen Gestade,
so schreckt ihr Zorn vor deiner Macht zurück.
Ein Wort von dir, und er ist frei.

Varus

Dies Wort
will ich hier sprechen. Darum, Eggius,
verwehre niemandem den Eingang. Hörst du?

Eggius

Ich gehe, dein Gebot zu tun.

Varus läßt sich nieder. Eggius ab.

Vierte Szene

Flavus

leise zu Segest

Segest!
Wenn es die wahren Mörder sind?!

Segest

ebenso leise

Dann stelle
dich nicht, daß sie dich sehen können, Flavus.

Fünfte Szene

Der Park im Hintergrunde füllt sich teils mit bewaffneten, teils mit unbewaffneten römischen Kriegern. Flüche werden ausgestoßen und Drohungen, geballte Fäuste geschwungen etc. Zenturionen teilen die Menge, diese bildet Spalier bis ohngefähr in die Mitte der Halle. Sigwin und Eber, beide mit gebundnen Händen, durchschreiten das Spalier. Hinter ihnen vier römische Soldaten mit bloßen Schwertern.

Erster Zenturio

wie Sigwin und Eber kommen, zu den Römern

Zurück, ihr Männer!

Erster Soldat

aus der Menge

Schlagt sie tot, die Bestien!

Zweiter Soldat

Den ruß'gen Hund schlagt tot!

Dritter Soldat

Haut doch dem Alten
mit seinem Klimperholz das Hirn entzwei!

Vierter Soldat

Gebt ihm 'nen Fußtritt, brecht sein dürr Gestell
doch voneinander!

Zweiter Zenturio

Ruhig, Leute, ruhig!

Fünfter Soldat

mehr im Vorderteil des Spaliers, zu Eber

Was macht Er solch ein bissiges Gesicht,
als könnt' Er Sonne, Mond und Sterne packen,
mit seinen Zähnen Eichenbäume fressen?!

Sechster Soldat

ganz im Vordergrunde

Du Feueresse, steh!

Siebenter Soldat

ebenfalls im Vordergrunde, zu Sigwin

Gerippe, steh!

Eggius

rufend

Schweigt vor dem Feldherrn! Ruhe vor dem Feldherrn!

Unter der Menge entsteht ein dumpfes Gemurmel, was aber alsbald einer Totenstille Platz macht, als sich Varus erhebt. Sigwin und Eber stehen mit gesenkten, finsteren Blicken. Das Spalier schließt sich hinter ihnen.
Varus nach einer langen Pause, in welcher er die beiden Gefangenen
mit ernster, halb mitleidiger Miene betrachtet hat. Aller Augen sind erwartungsvoll auf Varus gerichtet.

Varus

langsam auf Sigwin zugehend, zu diesem mit leiser, freundlicher Stimme

Wer bist du?

Sigwin

gelassen das Haupt erhebend, langsam

Herr, nichts mehr in diesen Fesseln.

Varus

wie oben

Sag deinen Namen.

Sigwin

wie vorher

Knecht in diesen Fesseln.

Hermann

zu Varus

Es ist Sigwin, mein Feldherr.

Varus

für sich

Stolz und groß!
Wendet sich an Eber, ebenso sanft und freundlich
Was blickst du finster, mächtiger Germane,
wie ist dein Name?

Eber

ohne den Kopf zu erheben, finster, ehern

Todgeweiht, doch frei.

Varus

tritt einige Schritte zurück und spricht dann laut und vorwurfsvoll

Wo habt ihr meinen Freund Numonius?

Eber

erhebt sein Haupt. Seine Augen funkeln, seine Hände greifen krampfhaft in die Fesseln, als er mit dröhnender Stimme ruft

Mit meinem Hammer hab' ich ihn erschlagen!

Unter der Menge entsteht eine Bewegung der Wut, die auszubrechen droht.

Varus

gelassen

Löst ihnen ihre Fesseln! Sie sind frei.

Alle stehen wie vom Blitz getroffen.

Varus

lauter

Löst ihnen ihre Fesseln! Sie sind frei.

Er wendet sich nach dem Portal links. Alle weichen zurück.

Eggius

tritt ihm entgegen und spricht schüchtern

Verzeiht mir, großer Varus, wenn ich zweifle.

Varus

laut gebietend

Wer zweifelt hier, wenn Varus spricht?
Die Fesseln los! Und sie sind frei!

Schnell ab nach dem Portale links.
Eine Pause des Erstaunens, dann löst man den Gefangenen die Fesseln, und die Menge verläuft sich schnell.

Sechste Szene

Sigwin und Eber, die sich von ihrem Erstaunen erst nach und nach erholen; zu ihnen schleicht sich Flavus. Hermann, unbemerkt von allen im Parke hinter der Halle, beobachtet Flavus genau.

Sigwin

Ist der ein Römer?

Eber

Höre, alter Sigwin,
träf' ich den Varus einst im Schlachtgetümmel,
beim großen Thor, es böge sich mein Schwert.

Flavus

leise, lauernd

Freunde, mir dankt die Rettung, nicht dem Varus! –
Auf Sonnenwende! – Und es bleibt dabei?!
Gewiß, es bleibt dabei?!

Sigwin

in überströmender Dankbarkeit, schüttelt Flavus die Hand

Das dank' ich dir,
und wenn ich dir zum Lohn aus Hellas Rachen
ein Opfer reißen müßt', ich tät's! Beim Thor!

Eber

die andere Hand des Flavus ergreifend

Dank! braver, braver Mann!

Flavus

hat an der linken Hand Eber, an der rechten Sigwin und geleitet beide, während er spricht, seitwärts nach dem Ausgang der Halle.

Nun still davon.
Trollt euch von dannen, trollt euch! – Launen kommen
und Launen gehen mit dem Winde. Varus
könnte bereuen, was er tat. – Trollt euch!

Sie stehen am Ausgange.

Auf Sonnenwende, also bleibt's dabei?!

Eber

bedeutsam und Flavus herzhaft die Hand schüttelnd

Es bleibt dabei!

Sigwin

wie Eber

So wahr ich lebe, Flavus!

Sigwin und Eber ab.

Siebente Szene

Flavus

sich dehnend

Ha, nun ist alles gut und rein die Luft,
durchsichtig wie an schönen Maientagen.
Ha! Wie dem Schwimmer, dessen Fahrzeug barst
auf offner See, dem Land zusteuert, müd
und hoffnungslos, so war mir baß zumut! –
Doch wie dem Schwimmer, wenn nach langer Not
er festen Grund gefaßt mit einem Mal,
wenn er den Ufersand betritt mit Jauchzen,
ist mir jetzo zumut!

Er tut einen Schritt nach dem Gemache des Varus.

Nun, nicht gezaudert,
jetzt will ich frei bekennen den Verrat.
Eber und Sigwin, Kattwald und ihr andern,
hauptlose Leichen seid ihr alsobald
wie eure Stämme. Römerrache kommt,
das Henkersbeil für den Gelüst nach Freiheit.
Und was den Schurken Hermann anbetrifft,
dem sag' ich dies: Jetzt zünd' ich's an, mein Licht,
er sehe zu, ob es sein Fünkchen noch
zu überstrahlen wagt.

Er steht an den Stufen, die zu dem Gemache des Varus führen.

Wohlan, zu Varus.

Hermann

ist während des Monologes unbemerkt näher getreten

Flavus, ich hab' mit dir zu reden.

Flavus

zuckt zusammen, wie von einer Otter gebissen

Später!

Er greift nach dem Türgriff.

Hermann

springt mit einem mächtigen Satze nach der Tür, stößt Flavus die Stufen hinab, so daß dieser am Fuße der Treppe ins Knie sinkt. Hierauf spricht er, indem er das Portal öffnet, bleich, monoton

Ich habe mit dem Varus noch zu reden.

Ab ins Gemach des Varus.

Achte Szene

Flavus

sich aufrichtend

Du tückischer, verpuppter Römerhasser,
greifst du in meinen Plan?! – Du kannst ihn hemmen,
doch nicht vernichten!

Vorhang fällt.


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