Autorenseite

 << zurück weiter >> 

1. Jahr. (Von 11-12 Jahren.)

12. Juli 19..: Die Hella und ich schreiben jetzt ein Tagebuch. Wir haben uns vorgenommen, wenn wir ins Lyzeum aufgenommen werden, alle Tage ein Tagebuch zu führen. Die Dora schreibt auch ein Tagebuch, aber sie ärgert sich furchtbar, wenn ich es sehe. Ich nenne die Helene Hella und sie nennt mich Rita; Helene und Grete ist so furchtbar gewöhnlich. Die Dora nennt sich seit neuestem Thea; ich sage aber doch wie immer Dora. Sie behauptet für so kleine Kinder (damit meint sie mich und die Hella) paßt überhaupt noch gar kein Tagebuch. Und was da für Unsinn drin stehen wird. Auch nicht mehr als in den ihren und Lizzi ihrem.

13. Juli: Eigentlich sollten wir erst nach die Ferien anfangen zu schreiben, aber weil wir beide wegfahren, so beginnen wir schon jetzt. Damit wir wissen, was wir in die Ferien erlebt haben.

Also vorgestern haben wir Aufnahmsprüfung gemacht, es war sehr leicht, im Diktat habe ich nur 1 Fehler gemacht in ohne h. Das Fräulein hat gesagt, das macht nichts, ich hab mich nur geirrt. Das ist auch wahr, denn ich weiß recht gut, daß man ihn mit h schreibt. Wir waren beide weiß angezogen mit den rosa Maschen und alle haben geglaubt, wir sind Schwestern oder wenigstens Kusinen. So eine Kusine ließ ich mir schon gefallen. Aber als Freundin ist es noch besser, der kann man alles anvertrauen.

14. Juli: Unser Fräulein war sehr lieb. Wegen ihr ist mir und der Hella eigentlich leid, daß wir nicht in die Bürgerschule gehen. Denn da hätten wir alle Tage vor der Schule zu ihr in die Klasse hinunter gehen können. Wegen der anderen Kinder ist es uns aber recht. Man ist doch mehr, wenn man ins Lyzeum geht als bloß in die Bürgerschule. Und darum ärgern sich auch die Kinder furchtbar. Sie bersten vor Neid, (das sagt meine Schwester von mir und der Hella, aber es ist nicht wahr.) Unsere beiden Studentinnen hat das Fräulein gesagt, wie wir uns verabschiedet haben. Wir sollen ihr bestimmt schreiben am Land. Ich tue es auch.

15. Juli: Die Lizzi, der Hella ihre Schwester, ist nie so gemein wie die Dora, die ist immer so nett! Heute schenkte sie uns jeder mindestens zehn Praliné. Die Hella sagt zwar oft zu mir: »Du kennst sie nicht, wie sie sein kann. Zu mir ist Deine Schwester auch gewöhnlich sehr lieb.« Natürlich, das ist sehr lieb, wenn sie immer von uns die Kleinen oder die Kinder sagt, als ob sie nie ein Kind gewesen wäre, und zwar noch ein viel kleineres, als wir jetzt sind. Übrigens jetzt sind wir dasselbe wie sie. Sie geht halt in die Vierte Klasse und wir in die Erste.

Morgen fahren wir nach Tirol, nach Kaltenbach. Ich freue mich schon riesig. Die Hella ist heute gefahren, nach Ungarn zu ihrem Onkel und ihrer Tante mit ihrer Mama und der Lizzi. Und ihr Papa ist in die Manöver.

19. Juli: In die Ferien ist es sehr schwer, alle Tage zu schreiben. Es ist einem alles so neu und man hat keine Ruhe zum schreiben. Wir wohnen in einer großartigen Villa im Wald. Aber den Platz vor dem Haus, den hat die Dora gleich für sich genommen zum schreiben. Und rückwärts sind so gräßlich viele ganz kleine Fliegen; da ist alles schwarz vor Fliegen. Vor Fliegen und solchen Tieren graust's mir. Wegen des vorderen Platzes lasse ich mir diese Verdrängung auf keinen Fall gefallen. Das gibt's nicht, das hat auch der Papa gesagt: »Kinder, streitet nicht!« ( Kinder auch zu ihr!!) Das ist schon recht, weil sie sich gar so viel einbildet, daß sie im Oktober vierzehn wird. »Die Plätze gehören ja allen und jedem,« hat der Papa gesagt. Das ist wahr, der Papa ist immer gerecht, nie gibt er der Dora Recht, während die Mama schon öfters die Dora bevorzugt. Heute schreibe ich an die Hella. Sie hat mir übrigens auch noch nicht geschrieben.

21. Juli: Die Hella hat mir geschrieben, 4 Seiten lang und so lieb. Wenn ich sie nicht hätte! Vielleicht kommt sie im August zu mir oder ich zu ihr, das wäre beinahe besser. Ich mache gern Besuche auf lange. Der Papa hat gesagt: »Na, wir werden schon sehen«, also da erlaubt er es bestimmt. Wenn die Eltern sagen, wir werden schon sehen, heißt das immer ja; aber sie wollen es nicht direkt sagen, damit, wenn es doch nicht geht, die Kinder ihnen keinen Vorwurf machen können, daß sie ihr Wort nicht halten. Der Papa täte überhaupt alles erlauben, aber die Mama. Na, wenn ich öfters Klavier übe, wird sie es vielleicht schon erlauben. Ich muß spazieren gehen.

22. Juli: Ich muß mich zwingen, hat die Hella geschrieben, jeden Tag zu schreiben, denn einen Schwur muß man halten und wir haben es geschworen, jeden Tag zu schreiben. Ich – –

23. Juli: Es ist gräßlich, man hat keine Ruhe. Gestern wie ich schreiben will, wird aufgeräumt und in der Laube war die D... vor der schreib ich absolut nicht und am offenen Platz vorn sind mir die Blätter weggeflogen. Wir schreiben nämlich auf lose Blätter. Die Hella meint, es ist besser, weil man nichts herausreißen braucht. Aber wir haben einander geschworen, daß wir nichts wegwerfen und zerreißen. Und warum denn? Vor einer Freundin kann man alles sagen. Das wäre eine schöne Freundschaft. Wie ich gestern zuerst doch in die Laube komme, schaut die Dora mich mit einem infamen Blick an und fragt: Du wünschest? Als ob die Laube ihr allein gehörte, überhaupt, wo sie zuerst den Platz vorn wollte. Das ist wirklich eine Gemeinheit.

Gestern nachmittags waren wir auf dem Kobler-Kogel. Es war sehr schön. Denn der Papa war sehr lustig und wir haben uns mit Tannenzapfen beworfen. Das war lustig. Der Dora habe ich einen auf ihren ausgestopften B... geworfen, da hat sie furchtbar aufgeschrien und ich habe ganz laut gesagt: Das spürst du ja gar nicht. Im Vorbeigehen hat sie gesagt: Fratz! Aber das macht nichts, wenigstens weiß ich, daß sie es verstanden hat und daß es wahr ist. Ich möchte wissen, was sie alle Tage der Erika zu schreiben hat und was sie eigentlich in ihr Tagebuch schreibt. Der Mama war nicht gut und da ist sie zuhaus geblieben.

24. Juli: Heute ist Sonntag. Den Sonntag habe ich besonders gern. Der Papa sagt zwar: Kinder, ihr habt ja alle Tage Sonntag. In den Ferien ist es wahr, aber sonst haben wir gar nicht alle Tage Sonntag. Die Bauern sind alle in ihren Kostümen und die Bäuerinnen und Kinder auch, ganz so wie im Theater. Wir haben heute die weißen Kleider an und ich habe mir einen großen Kirschenfleck hineingemacht, aber unabsichtlich, weil ich mich auf verfaulte Kirschen gesetzt habe. Jetzt muß ich nachmittags zum Spazierengehen doch das rosa Kleid anziehen. Das ist mir ganz recht, ich habe nicht gerne dasselbe Kleid an, wie die Dora. Niemand braucht gleich wissen, daß wir Schwestern sind. So kann man glauben, wir sind bloß Kusinen. Sie kann es übrigens auch nicht leiden, warum, möchte ich wissen? In 8 Tagen kommt der Oswald, da freue ich mich schon riesig. Der ist doch noch älter als die Dora, aber mit ihm vertrage ich mich immer. Die Hella hat mir geschrieben, daß sie sich langweilt ohne mich; ich mich auch.

25. Juli: Heute schrieb ich an das Fräulein Prückl. Sie ist in Achensee. Ich möchte sie sehr gerne sehen. Nachmittag gehen wir alle Tage kalt baden und spazieren. Aber heute regnet es schon den ganzen Tag. Das ist fad. Ich habe meine Farben zum Malen vergessen und lesen darf ich nicht den ganzen Tag. Die Mama sagt, wenn du jetzt alles verschlingst, hast du dann gar nichts mehr. Das ist wahr, aber nicht einmal schaukeln kann ich gehen.

Nachmittag: Das muß ich extra schreiben. Ich habe einen furchtbaren Streit mit der Dora gehabt. Sie behauptet, ich stöbere in ihren Sachen herum. Weil sie keine Ordnung hat. Ich möchte wissen, was mich ihre Sachen interessieren sollen. Ihren Brief an die Erika hat sie gestern selber am Tisch liegen lassen und da habe ich weiter nichts gelesen, als: Er ist göttlich schön. Wer, das weiß ich nicht einmal. Aber da kam sie schon bei der Tür herein. Wahrscheinlich der Krail Rudi, ihr Partner beim Tennisspielen, mit dem macht sie furchtbare Geschichten. Aber schön, na Geschmacksache!

26. Juli: Es ist doch ganz gut, daß ich mir den Puppenkoffer mitgenommen habe. Eigentlich hat die Mama gesagt: Nimm ihn nur für Regenwetter. Also spielen tu ich ja natürlich längst nicht mehr; aber schließlich Kleider nähen, das kann man schon tun mit 11 Jahren; man lernt ja auch gleich dabei etwas. Und wenn etwas fertig ist, machts mir riesige Freude. Die Mama schneidet mir die Sachen zu und ich nähe sie ganz leicht zusammen. Da kommt die Dora ins Zimmer und sagt: Ach, die Kleine näht Puppensachen. Eine solche Frechheit, als ob sie nie mit Puppen gespielt hätte. Und dann von Spielen ist bei mir doch überhaupt keine Rede. Wie sie sich neben mich niedersetzt, fahre ich mit der Nadel so stark aus, daß ich ihr einen Riesenkratzer auf der Hand mache und sage: O Pardon, du bist mir leider zu nahe gekommen. Den Sinn wird sie hoffentlich verstanden haben. Natürlich wird sie es der Mama klatschen. Soll sie. Was hat sie mich denn Kleine zu nennen. Und den roten Kratzer hat sie doch, noch dazu auf der rechten Hand, wo ihn jedes sieht.

27. Juli: Wir haben hier sehr viel Obst. Den ganzen Tag sitz ich bei den Stachelbeeren und Himbeeren und die Mama sagt, darum esse ich nichts zu Mittag. Der Doktor Klein sagt doch immer, Obst ist so gesund; also warum denn auf einmal nicht? Die Hella sagt auch immer, das, was man gern tut und hat, da drüber wird so lange geschimpft, bis es einem zuwider wird. Und die Hella ärgert sich auch oft furchtbar über ihre Mama und ihre Mama sagt: Da opfert man sich auf für seine Kinder und die lohnen es mit Undank. Na also aufopfern, ich möchte wissen, wieso. Eher müssen die Kinder sich opfern. Denn wenn ich Stachelbeeren essen will und nicht darf, so ist das ein Opfer von mir und nicht von der Mama. Ich habe das auch der Hella geschrieben. Das Fräulein Prückl hat mir geschrieben. Gott wie süß, die Adresse Fräulein Grete Lainer, Lyzealschülerin. Die Dora weiß es natürlich schon wieder besser und sagt, in den oberen Klassen von der vierten an (weil sie nämlich in die vierte kommt), schreibt man Lyzeistin. »Und in den Ferien vor der ersten Lyzeumsklasse ist man überhaupt noch keine Lyzealschülerin.« Da ist der Papa dazugekommen und hat gesagt, wir ( ich habe nicht angefangen) sollen mit diesem ewigen Wortgeplänkel aufhören; er will das nicht hören. Da hat er sehr recht; aber es wird leider nichts nützen, denn die Dora hört ja doch nicht auf. Das Fräulein Prückl hat mir geschrieben, sie hat sich sehr gefreut, daß ich ihr geschrieben habe. Und wenn ich wieder einmal Zeit habe, so soll ich ihr wieder schreiben. Gott! für sie habe ich immer Zeit. Ich schreibe ihr noch heute nach dem Nachtmahl, damit sie nicht umsonst wartet.

29. Juli: Gestern war es mir unmöglich zu schreiben. Die Warth sind angekommen und ich war den ganzen Tag bei der Erna und Liesel, obwohl es den ganzen Tag geregnet hat. Wir haben uns großartig unterhalten. Sie haben eine Menge Gesellschaftsspiele mit und wir haben um Zuckerln gespielt. Ich habe 47 gewonnen, fünf habe ich dann der Dora gegeben. Der Robert ist schon um mehr als einen Kopf größer als wir, nämlich als die Liesel und ich; ich glaube er ist fünfzehn. Er sagt Fräulein Grete und hat mir den Mantel getragen, den mir die Mama geschickt hat wegen dem Regen und er hat mich nach dem Nachtmahl bis nachhaus begleitet.

Morgen ist mein Geburtstag, da sind alle eingeladen und die Mama macht Erdbeerschnee und Waffeln. Das ist fein.

30. Juli: Heute ist mein Geburtstag; ich habe einen wunderbaren Sonnenschirm mit eingewebter Bordüre bekommen vom Papa und Malsachen und von der Mama ein riesiges Postkartenalbum für 800 Stück und Erzählungen für Backfische und die es bald sind, von der Dora hochfeine Billets de Corresp. und die Mama hat eine Chokoladecremetorte gemacht für heute nachmittags neben der Erdbeercreme. Von den Warth habe ich in aller Frühe drei Geburtstagskarten bekommen. Und der Robert hat auf seine geschrieben: In aufrichtigster Verehrung Ihr treuer R. Geburtstag haben ist herrlich, alle sind so nett, sogar die Dora. Vom Oswald habe ich ein Holzmesser zum Bücheraufschneiden bekommen, der Griff ist ein Drache, der statt des Feuers die Klinge speit; oder die Klinge kann auch die Zunge sein, das sieht man nicht so genau. An meinem Geburtstag hat es noch nie geregnet. Der Papa sagt, ich bin ein Glückspilz. O, das ist mir schon recht, das kann ich sehr gut brauchen.

31. Juli: Gestern war es himmlisch. Wir kugelten uns vor Lachen beim Sekretärspiel. Immer kam ich mit dem Robert zusammen und was wir alles getan haben, nämlich nicht wirklich, sondern nur aufgeschrieben: geküßt umarmt, im Walde verirrt, mitsammen ins Bad gegangen; na also, das täte ich wohl nicht! miteinander gestritten. Nein, das wird nicht vorkommen, das ist ganz unmöglich! Und dann haben wir auf meine Gesundheit angestoßen mit 5 Kracherln und der Robert hat durchaus einen Wein holen wollen, aber die Dora hat gesagt, nein, das wäre äußerst taktlos! Also in Wirklichkeit war es von ihr ganz etwas anderes. Sie ärgert sich nämlich immer sehr, wenn ich je einmal die Hauptperson bin, und die war ich gestern unbedingt.

Jetzt noch schnell von heute. Es war herrlich. Wir waren mit Warth im Tiefen Graben, wo furchtbar viel Erdbeeren wachsen. Die schönsten pflückte der Robert für mich, zum riesigen Ärger der Dora, die sich alle selber suchen mußte. Eigentlich suche ich ja auch gerne selber, aber wenn wer anderer aus Liebe (so sagte nämlich der Robert direkt) für einen pflückt, so verzichtet man gerne auf das Selbersuchen. Übrigens habe ich nebenbei auch selber gesucht und gab die meinen dem Papa und einige auch der Mama. Bei der Jause in Flischberg saß ich leider neben der Erna und nicht dem Robert. Die Erna ist eigentlich die Fadeste. Die Mama sagt, sie ist bleichsüchtig; das ist furchtbar interessant, aber ich weiß eigentlich nicht genau wie das ist. Die Dora behauptet auch immer, sie ist bleichsüchtig, aber es ist natürlich nicht wahr. Und der Papa sagt immer: »Red dich nicht hinein in solche Faxen; du bist pumperlgesund.« Das ärgert sie furchtbar. Die Lizzi war voriges Jahr wirklich bleichsüchtig, da hat es der Arzt gesagt, sie hatte immer Herzklopfen und mußte Eisen nehmen und Rotwein trinken. Mir scheint darauf hat es die gute Dora abgesehen.

1. August: Die Hella ist ein bißchen beleidigt, weil ich ihr geschrieben habe, daß ich den ganzen Tag bei den W. bin. Deswegen ist sie doch meine einzige Freundin, sonst würde ich ihr das doch nicht schreiben. Sie hat ja auch am Land jedes Jahr eine andere Freundin, aber deshalb bin ich doch nicht beleidigt. Warum ihr übrigens der Robert nicht gefällt, weiß ich nicht; sie kennt ihn ja gar nicht, außer von dem, was ich ihr geschrieben habe und das war doch sicher nur lauter Gutes. Das heißt sie kennt ihn, weil er zu den Sering verwandt ist und weil sie ihn dort einmal getroffen hat. Aber von einmal kennt man doch einen Menschen noch nicht. Und jedenfalls kennt sie ihn nicht so, wie ich. Gestern war ich den ganzen Tag bei den W. Wir spielten »Platz dem König« und da erwischte mich Robert und ich mußte ihm ein Bussel geben. Und da sagte die Erna, das gilt nicht, ich habe mich absichtlich fangen lassen. Da ist der Robert furchtbar wild geworden und hat gesagt: Die Erna ist eine fade Nocken, die verdirbt jedem seine Freude. Da hat er Recht, übrigens ist jemand anderer genau so. Hoffentlich hat die Erna nichts der Dora wegen des Bussels gesagt. Denn dann wissen es gleich alle und das ist doch nicht nötig. Ich habe der Erna mit den Bonbons aufgewartet, die uns Tante Dora geschickt hat. Die anderen haben ich und der Robert und die Liesel aufgegessen. Sie waren sehr fein und beinahe lauter große. Der Robert hat sich zuerst ein ganz kleines nehmen wollen, aber ich habe gesagt, er soll nur ein großes nehmen. Und dann hat er sich immer große ausgesucht. Wie ich abends mit der leeren Schachtel nachhause gekommen bin, hat der Papa gelacht und gesagt: Ein Neidhammel ist unsere Gretel nicht. Übrigens hat die Mama noch eine ganze Schachtel voll; ob die Dora noch viel hat, habe ich keine Idee; aber wahrscheinlich.

2. August: Heute nachmittags um 5 Uhr ist der Oswald gekommen. Er ist furchtbar fesch; er bekommt schon beinahe einen Schnurrbart. Am Abend ist er mit dem Papa ins Gasthaus gegangen, sich bei den Herren vorzustellen. Er sagt, das ist ihm gräulich, aber er wird sicher allen sehr gut gefallen, besonders mit seinem neuen Touristenanzug und der echten Lederhose. Die Großmama und der Großpapa lassen alle schön grüßen. Ich kenne sie aber gar nicht. Und sie haben uns eine Menge Bäckerei geschickt und der Oswald hat riesig geschimpft, daß er es hat mitschleppen müssen. Der Oswald raucht furchtbar viel Zigaretten und der Papa hat zu ihm gesagt: Komm Alter, wir gehen ins Gasthaus, dein Zeugnis begießen. Also das finde ich komisch; bei der Dora und bei mir wird nichts begossen, höchstens bekommen wir etwas. Der Oswald hat lauter Zweier und Dreier und ganz wenige Einser und in Griechisch sogar genügend, ich habe aber lauter Einser. Er hat zum Papa etwas Lateinisches gesagt und der Papa hat sehr gelacht und auch etwas gesagt, was ich nicht verstanden habe. Ich glaube, es war nicht lateinisch, sondern eher ungarisch oder englisch. Der Papa kann fast alle Sprachen, sogar böhmisch, aber das spricht er Gott sei Dank nicht, außer wenn er uns ärgern will. Wie damals am Bahnhof, wo ich und die Dora uns so geniert haben. Böhmisch ist gräßlich, das sagt auch die Mama. Wenn der Robert böhmisch nachmacht, muß man sich kugeln vor Lachen.

3. August: Neulich war ich zu lange im kalten Bade und habe mich verkühlt, deshalb darf ich jetzt ein paar Tage nicht baden gehen. Da bleibt der Robert immer ganz allein bei mir und erzählt mir alles Mögliche. Und dann schaukelt er mich so hoch, daß ich furchtbar schreie. Heute hat er mich eigentlich beleidigt, er sagt, der Oswald ist ein öder Pimpf. Ich habe gesagt, das ist nicht wahr, die Buben können sich immer gegenseitig nicht leiden. Und daß er beim Reden anstößt, ist wirklich nicht wahr. Überhaupt ist mir der Oswald viel lieber als die Dora, die immer die Kinder sagt, wenn sie von mir und von der Hella und sogar vom Robert spricht. Da hat er gesagt: Die Dora ist grad so eine Gans, wie die Erna. Da hat er wirklich Recht. Der Robert sagt, er wird nie rauchen, das ist furchtbar ordinär, wirklich feine Herren rauchen nicht. Na also bitte, und mein Papa? Und er sagt auch, er wird auch nie einen Bart tragen, sondern er wird sich alle Tage rasieren und seine Frau muß ihm alles herrichten. Also dem Papa steht sein Bart sehr gut, ich kann ihn mir gar nicht vorstellen ohne Bart. Ich heirate jedenfalls keinen Mann, der keinen Bart hat.

5. August: Wir gehen alle Tage auf den Tennisplatz. Wie wir gestern gehen, der Robert und ich und die Liesel, die Erna und der René, ruft uns die Dora nach: Das Brautpaar in spee. Das hat sie nämlich vom Oswald und das heißt, glaube ich, in hundert Jahren. Na, so lange wartet vielleicht sie, aber wir nicht. Die Mama hat sie deswegen ordentlich ausgezankt und gesagt, sie soll nicht so blöde Sachen reden. Das war schon recht; in spee, in spee. Wir nennen sie jetzt nur mehr Inspee, da weiß niemand, von wem wir reden.

6. August: Die Hella kann nicht hieher kommen, denn sie fährt mit ihrer Mama nach Klausenburg zu ihrem anderen Onkel, der ist dort Bezirksrichter oder wie das in Ungarn heißt. Jeden Bezirksrichter stelle ich mir so vor, wie den Bezirksrichter Th... den wir kennen, so eckelhaft. Die Nase und dabei ist seine Frau so schön; aber sie wurde gezwungen zum Heiraten von ihren Eltern. Zu so etwas ließe ich mich nie zwingen, da heirate ich lieber gar nicht, sie ist auch sehr unglücklich.

7. August: Es ist ein greulicher Skandal bei uns wegen der Dora. Der Oswald hat dem Papa gesagt, daß sie beim Tennisspielen furchtbar kokettiert und das kann er nicht dulden. Der Papa hat wahnsinnig geschimpft und jetzt dürfen wir nicht mehr Tennisspielen gehen. Und am meisten hat sie geärgert, daß der Papa vor mir gesagt hat: So ein Fratz von 14 Jahren fängt schon an, sich den Hof machen zu lassen. Sie hat ganz rot geschwollene Augen und hat am Abend nichts gegessen vor Kopfweh!! Also dieses Kopfweh kennt man schon. Aber wie ich dazu komme, daß ich nicht gehen darf, das sehe ich nicht ein.

8. August: Der Oswald sagt, der Student hat sich ganz fer benommen, die Schuld liegt nur an der Dora. Also das weiß ich am besten; wenn ich nur denke, damals auf der Südbahn. Also ich darf richtig auch nicht Tennisspielen gehen, obwohl ich die Mama riesig gebeten habe, sie soll beim Papa für mich sprechen. Aber sie sagt, das nützt nichts, der Papa ist furchtbar böse und ich darf auch nicht mehr ganze Tage bei den Warth sein. Ganze Tage, ich möchte wissen, wann ich einen ganzen Tag dort war. Da hätte ich doch dort mindestens zu Mittag essen müssen. Was kann denn ich dafür, daß die Dora sich den Hof machen läßt. Das ist doch lächerlich. Aber immer sind die Eltern so. Wenn eins was tut, müssen die andern mitleiden.

9. August: Gott sei dank, ich kann wieder auf den Tennisplatz gehen; ich habe den Papa so lange gebettelt, bis er es mir erlaubte. Die Dora behauptet, sie verlange es sich ohnehin nicht! Na also, das kennt man schon, das ist der Fuchs mit den sauern Trauben. Sie spielt sich seit neuestem auf die Kranke hinaus, geht nicht ins kalte Bad und bleibt womöglich von den Spaziergängen zuhause. Ich möchte wissen, was ihr fehlen sollte. Mich wundert nur, daß der Papa es erlaubt, denn die Mama ist immer sehr, aber schon sehr nachsichtig gegen die Dora; sie ist entschieden ihr Liebling, besonders wenn der Oswald nicht da ist. Daß man den Oswald zum Liebling hat, kann ich begreifen, aber die Dora? – Überhaupt der Papa sagt immer, Eltern haben keinen Liebling, alle Kinder sind ihnen gleich. Ja, vom Papa ist das auch wahr, obwohl die Dora behauptet, ich sei der Liebling vom Papa; aber das bildet sie sich wirklich nur ein. Wir bekommen zu Weihnachten und auch sonst immer gleich viel und das ist doch das sicherste Merkmal. Die Rosa Plank bekommt immer dreimal so viel als ihre Geschwister, das heißt ein Liebling sein.

12. August: Ich kann nicht alle Tage schreiben, denn ich bin meistens mit Warth zusammen. Der Oswald kann den Robert nicht leiden, er sagt, er ist ein Lausbub und noch naß hinter den Ohren. Eine solche Gemeinheit. Ich rede seit drei Tagen nichts mit ihm, das heißt nur das Notwendige. Die Erna und die Liesel, denen ich das erzählte, sagen: alle Brüder sind so impertinent gegen ihre Schwestern. Ich möchte wissen, warum? Übrigens der Robert ist im allgemeinen sehr nett zu seinen Schwestern. Sie sagen: Ja vor dir, weil er sich vor dir scheniert. Gestern haben wir uns gekugelt vor Lachen, was er uns erzählt hat, wie sich die Buben über ihre Professoren lustig machen. Das mit den Zigarettenstumpferln war zum Totlachen. Und sie haben einen Verein, der heißt T. Au. M., d. h. nämlich auf Lateinisch Schweig oder stirb, in den Anfangsbuchstaben. Keiner darf etwas verraten und wenn einer neu aufgenommen wird, muß er sich ganz ausziehen und er muß sich so hinlegen und jeder spuckt ihm auf die Brust und verreibt es und sagt: So sei der Unsere, aber alles auf Lateinisch. Und dann muß er zum Ältesten und Größten gehen und bekommt von ihm mit einer Rute ein paar auf den P... und muß schwören, daß er nie einen verrät. Und dann raucht jeder eine Zigarre an und tupft ihn mit dem brennenden Ende auf den Arm oder sonst wohin und sagt: Jeder Verrat soll dich so brennen. Und dann ritzt ihm der Älteste, der einen besonderen Namen hat, den ich mir aber nicht gemerkt habe, das Wort Taum, d. h. eben Schweig oder stirb ein und ein Herz mit dem Namen von einem Mädchen. Der Robert sagt, wenn er mich früher kennen gelernt hätte, so hätte er Gretchen gewählt. Ich fragte ihn, was für einen Namen er eingeritzt habe, da sagte er, das dürfe er nicht verraten. Aber ich werde dem Oswald sagen, er soll im Bade schauen und es mir dann sagen. In diesem Verein schimpfen sie furchtbar über die Professoren und wer die besten Streiche ausdenkt, wird in die Rohon gewählt; ein Rohon sein, ist eine Auszeichnung und die anderen müssen ihm unbedingt folgen. Und manches kann er mir nicht einmal erzählen, sagte er, weil es zu arg ist. Und dann mußte ich ihm schwören, daß ich das alles vom Verein niemandem sage und er wollte, ich soll mich zum Schwören niederknien, aber das habe ich nicht tun wollen und da hat er mich beinahe umgeworfen. Und schließlich mußte ich ihm die Hand drauf geben und ein Bussel. Das habe ich ihm schon eher gegeben, denn an einem Bussel ist nichts dabei, aber niederknien, nein das tue ich absolut nicht. Aber ich habe mich schrecklich gefürchtet, weil wir ganz allein im Garten waren und weil er mich so beim Hals packte und niederdrückte. Das vom Verein hat er mir nämlich ganz allein erzählt, weil er sagte: Deinen Namen darf ich nicht mehr einritzen, denn zwei Namen geht gegen unsere Gesetze, aber dafür sollst du gegen deinen Schwur wissen, was ich im geheimen bin und denke.

Ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können, weil mir immer von dem Verein träumte. Ob es im Lyzeum auch solche Vereine gibt und ob die Dora auch bei einem ist und einen Namen eingeritzt hat. Aber ganz ausziehen ist doch gräßlich, noch dazu vor seinen Mitschülerinnen. Vielleicht ist das bei den Vereinen der Lyzealschülerinnen weggelassen. Aber ich würde auch nicht sagen, daß ich mir den Namen Robert einritzen will.

15. August: Gestern erzählte mir der Robert, daß es auch Vereine von Buben gibt, wo sehr unanständige Sachen geschehen, aber bei ihnen darf das nicht sein. Aber er sagte nicht was. Ich sagte, ich finde das Ganzausziehen schrecklich; aber er sagte, das ist gar nichts, das muß sein, wenn einer dem anderen vertrauen soll, wenn nur nichts Unanständiges geschieht. Ich möchte sehr gerne wissen, was. Ob der Oswald es weiß, und ob er bei einem solchen Vereine oder einem anständigen ist und ob der Papa dabei war. Wenn ich nur draufkommen könnte. Aber fragen darf ich nicht, weil ich sonst den Robert verrate. Wenn er mich sieht, preßt er mir immer so das linke Handgelenk, ohne daß es wer sieht. Er sagte, das ist die Mahnung, daß ich schweigen muß. Aber es wäre wirklich nicht notwendig, denn ich verrate ihn auf keinen Fall. Er sagte: Der Schmerz soll dich an mich binden. Wenn er das sagt, so werden seine Augen ganz dunkel, förmlich schwarz, obwohl er eigentlich graue Augen hat und riesig groß. Besonders am Abend, wenn wir auseinander gehen, schaut das gräßlich aus. Mir träumt immer von ihm.

18. August: Gestern abends war ein herrliches Kaiserfest mit Illumination. Wir kamen erst um ½1 Uhr nachhause. Zuerst gingen wir zum Parkkonzert und zur Beleuchtung. Von den Höhen schossen sie herunter und Höhenfeuer brannten überall; es war förmlich schaurig, obwohl es wunderbar war. Mir schnapperten ein paarmal die Zähne, ich weiß nicht aus Angst, daß etwas geschieht, oder was. Dann kam der R. zu mir und erzählte mir riesig viel. Er will unbedingt Offizier werden. Aber da braucht er eigentlich gar nicht so viel lernen, da lernt er alles jetzt umsonst. Er sagt, das macht nichts, das gibt ein riesiges Übergewicht. Ich finde nicht, daß er etwas blöd ausschaut, das sagt der Oswald nur, damit ich mich recht ärgere. Auf einmal waren wir von den anderen ganz getrennt und da setzten wir uns auf eine Bank und warteten auf sie. Derweil fragte ich den R. nochmals wegen der anderen Vereine, bei denen so unanständige Sachen eingeführt sind. Aber er sagte es nicht, er sagte, er wolle mir nicht meine Unschuld rauben. Das finde ich sehr blöd; vielleicht weiß er es selber nicht und tut nur so. Nur das sagte er, daß jeder beim Eintritt in den Verein so lang gekitzelt wird, bis er es nicht mehr aushalten kann. Und einmal hat einer Veitstanz bekommen, das sind schreckliche Krämpfe und da wäre bald alles aufgekommen. Und seither dürften sie in ihrem Verein nicht mehr kitzeln? Soll ich dich auch ein bissel kitzeln? Untersteh dich nicht, sag ich, und überhaupt du traust dich auch gar nicht.

Er lacht riesig und auf einmal packt er mich am Arm und kitzelt mich unter der Achsel. Ich habe schrecklich lachen müssen, aber ich habe es verbissen, weil doch manchmal Leute vorbeigegangen sind. Drum ließ er mich auch aus und kitzelte mich in der Hand. Das war zuerst ganz angenehm, aber später ärgerte ich mich schon und riß ihm die Hand weg. Da kam gerade die Inspee mit zwei anderen Mädchen und wie sie vorbei waren, gingen wir schnell hinter ihnen, als ob wir immer so gegangen wären. Dadurch habe ich mir einen Putzer von der Mama erspart, die immer will, daß alle beisammen sind. Beim Weggehen sagt der R.: Paß auf Gretel, einmal kitzel ich dich so, daß du schreist. – Lächerlich, das lasse ich mir nicht gefallen, da gehören doch zwei dazu.

Richtig, bei der Juxtombola habe ich eine Vase mit 2 Turteltäubchen und ein Sackerl mit Bonbons gewonnen und der R. ein Eßbesteck. Das hat ihn furchtbar geärgert. Die Inspee hat eine Füllfeder gewonnen, wie ich sie mir wünsche und einen Spiegel, in dem man furchtbar häßlich ausschaut. Das gönne ich ihr, weil sie sich so viel einbildet.

29. August: Gotteswillen, es ist mir etwas Gräßliches passiert. Ich habe Seite 30 bis 34 verloren vom Tagebuch. Ich muß es entweder im Garten oder auf der Louisenhöhe liegen gelassen haben. Das ist furchtbar. Wenn das wer findet. Und ich weiß nicht einmal genau, was gerade auf diesen Seiten steht. Ich bin rein zum Unglück geboren. Wenn ich nicht der Hella geschworen hätte, alle Tage Tagebuch zu schreiben, so tät ich am liebsten ganz aufhören. Wenn die Mama oder gar der Papa etwas erfährt. Und heute regnet es so greulich, daß ich nicht einmal in den Garten gehen kann, und auf die Louisenhöhe schon gar nicht, überhaupt nicht allein. Ich muß es vorgestern verloren haben, denn gestern und vorgestern habe ich nicht geschrieben. Wenn es nur niemand findet, das wäre gräßlich. Ich bin so aufgeregt, daß ich zu Mittag gar nichts essen konnte, obwohl wir meine Leibspeise Moor im Hemd hatten. Und ich bin auch so unglücklich, denn der Papa war so besorgt und die Mama auch und sie fragten in einer Tour, was mir fehlt und ich konnte kaum das Weinen verbeißen vor allen Leuten. Wir waren nämlich heute im Hotel, weil die Resi für 2 Tage weggefahren ist. Und dann im Zimmer bei den Eltern durfte ich auch nicht weinen, weil ich mich sonst verraten hätte. Ich habe nur eine Hoffnung, daß niemand weiß, daß die Blätter von mir sind, weil wir die Hella und ich im Tagebuch steil schreiben, erstens, damit niemand unsere Schrift erkennt und zweitens weil man mehr Papier erspart als beim gewöhnlichen Schreiben. Wenn es nur morgen schön wäre, daß ich gleich in der Frühe in den Garten suchen gehen könnte. Heute freut mich gar nichts und ich habe mich nicht einmal sehr geärgert, wie die Inspee sagte: O, vielleicht einen Streit gehabt mit dem Herrn Bräutigam?

30. August: Im Garten ist es nicht. Ich habe die Mama gebeten, daß wir nachmittag unbedingt zur Louisenhütte gehen. Die Mama war furchtbar lieb und fragte, warum ich so aufgeregt bin, ob mir etwas geschehen ist. Und da konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und weinte gräßlich. Und sagte der Mama, ich habe etwas verloren, was mir schrecklich ist. Die Mama glaubte den Brief der Hella, den sie mir am Dienstag schickte und da sagte ich: Nein etwas viel Ärgeres, mein Tagebuch. Da sagte die Mama: Nun das ist doch hoffentlich nicht so arg und das wird doch niemanden interessieren. O ja, sage ich, weil alles vom R. seinem Verein drin steht. Und da sagt die Mama: Schau Gretel, weil du schon vom R. sprichst; ich sehe wirklich nicht gern, daß du immer bei Warth bist; sie passen wirklich nicht zu uns und der R. ist keine Gesellschaft für dich; du bist jetzt, wo du ins Lyzeum kommst, kein kleines Kind. Versprich mir, daß du nicht ewig mit ihnen bist. – »Ja Mama, ich werde mich unauffällig zurückziehen.« Da hat sie furchtbar gelacht und mich auf beide Wangen geküßt und hat mir versprochen, daß sie der Inspee nichts sagt vom Tagebuch, denn die braucht nicht alles wissen. Gott die Mama ist so entzückend. Noch 3 Stunden und vielleicht liegen die Blätter noch dort.

Am Abend: Gott sei Dank! Vor der Hütte lagen 2 Blätter ganz zerweicht vom Regen und verwischt und ein Blatt lag auf dem Fußboden, das war ganz zerrissen. Da muß einer mit dem Absatz darauf gestanden sein und 2 Blätter waren zu einem Fidibuß gerollt und etwas verbrannt. Also hat niemand etwas gelesen. Ich bin so glücklich und beim Nachtessen sagte der Papa: nun was leuchten denn deine Augen so überglücklich? Hast du das große Los gezogen? und da habe ich die Mama auf den Fuß getreten, daß sie mich nicht verrät und der Papa hat furchtbar gelacht und gesagt: So, mir scheint, da wird in meinem eigenen Hause eine Verschwörung angezettelt und ich sag schnell: Wir sind zum Glück nicht im eigenen Haus, sondern im Hotel und alle lachen und jetzt ist Gott sei dank alles vorüber. Aber durch Schaden wird man klug. Das passiert mir kein zweitesmal.

31. August: Ich gehe wirklich weniger mit W. und mit dem R. Ich glaube, er ist beleidigt. Heute nachmittag, wie ich zur Jause hinaufgehe, faßt er mich beim Handgelenk und sagt: Dein Vater hat recht, du bist eine Hex. »Dich muß man kuranzen«. Das ist eine Gemeinheit. Ich habe übrigens nicht gewußt, was kuranzen heißt. Da habe ich den Papa gefragt und er hat mir's erklärt und gefragt woher ich das habe. Da sagte ich, ich habe es im Vorbeigehen von 2 Herren gehört. Eigentlich habe ich geglaubt kuranzen heißt kitzeln. Aber es geht mir furchtbar ab, wenn ich niemanden zu Reden habe. Die meisten Leute sind schon fort und wir fahren auch heute 8 Tage. Wegen dem Kuranzen ist das so. Den Papa lüge ich nicht gerne an, aber man wird förmlich gezwungen dazu. Ich kann doch nicht sagen der R. will mich kuranzen, wenn ich nicht einmal weiß, was das heißt. Die Dora lügt noch viel mehr, und ich freue mich immer, wenn ich ihr auf eine Lüge komme, nämlich ihre Lügen sind so handgreiflich. Ich werde nie ertappt. Nur einmal, damals wie die Frau Oberst v. Stary da war, da hat der Papa etwas gemerkt, weil er dann sagte: Du Schlaucherl, du abgedrehtes.

3. September: Eine solche Gemeinheit! Ich rede mit dem R. nie mehr ein Wort. Der Oswald hat wirklich recht, wenn er sagt, er ist ein Lausbub. Wenn ich wirklich aus der Schaukel gefallen wäre, hätt ich mir den Fuß brechen können, 4 Tage vor dem Wegfahren. Und die Fragerei, wie das passiert ist. So kitzeln ist wirklich eine Frechheit und ich hab ihm ein ordentliches mit dem Absatz hineingehaut. Mir scheint auf die Nase oder den Mund. Und dann untersteht er sich zu sagen: Eigentlich geschieht mir recht, das kommt davon, wenn man sich mit solchen Fratzen, mit solchen Wickelkindern abgibt. Der hat's notwendig, er ist selber noch nicht ganz vierzehn. Das war bloß geschwindelt mit den fünfzehn Jahren und er soll einer der schlechtesten Schüler im Gym. sein, lauter genügend hat er und er kommt nicht in die Fünfte, sondern erst in die Vierte. Also jedenfalls haben wir ausgeredet, mein Herr. So ein Frechdachs. Ich werde das nie jemanden erzählen, es ist mein erstes und hoffentlich mein einziges Geheimnis vor der Hella.

6. September: Morgen fahren wir weg. Die letzten Tage waren eckelhaft fad. Ein paar mal sah ich den R. aber ich drehte den Kopf weg. Der Papa fragte, was ich mit den Warth und dem R. gehabt habe, daß auf einmal die dicke Freundschaft entzwei ist. Natürlich mußte ich lügen, denn die Wahrheit konnte ich unmöglich sagen. Ich sagte, der R. schimpft über alles, was ich tue, über meine Schrift und daß ich nicht ordentlich vorlesen kann. (Das ist nämlich wirklich wahr, das hat er einmal gesagt) und der Papa sagte: Na morgen beim Abschied werdet ihr euch schon wieder aussöhnen. O, da irrt sich der Papa sehr. Mit so einem Menschen rede ich überhaupt kein Wort mehr.

Die Dora bekommt einen tegetthoffblauen, seidenen Staubmantel im voraus zu ihrem Geburtstag. Ich finde, das paßt eigentlich noch nicht für sie und dann ist sie auch für einen Staubmantel viel zu mager.

14. September: Vorgestern ist die Hella gekommen. Sie schaut großartig aus und sagte mir dasselbe. Ich bin so froh, daß sie wieder da ist. Ich habe doch der Hella das erzählt vom R. Sie ist empört und sagt, ich hätte ihm 2 geben sollen; eins für das Kitzeln und eins für das Wickelkind und eins für die Fratzen. Wenn wir ihn nur einmal begegnen würden, da werden wir ihn beide ordentlich anschauen.

17. September: Die Inspee hat richtig den seidenen Staubmantel bekommen, aber die Kapuze aus schottischer Seide finde ich etwas kindisch. Aber ich habe nichts gesagt, sondern daß ihr der Mantel sehr gut steht. Sie hat ihn wenigstens schon fünfmal probiert. Ob der Papa das im Ernst gemeint hat, daß sie wie eine Dame aussieht, oder ob er sie zum Narren gehalten hat. Ich glaube das letztere. Denn wie eine Dame schaut sie wirklich nicht aus. Natürlich, sie wird ja auch schließlich erst 14 Jahre. Gestern nachmittag waren eine Menge Mädeln eingeladen, natürlich für mich die Hella und wir haben uns großartig unterhalten. Aber die meisten haben gräßlich aufgeschnitten vom Land, wo sie überall angeblich waren. Wir waren 9 Mädeln, aber die liebste ist mir die Hella.

21. September: Morgen fängt die Schule an. Das heißt, wir haben verabredet, daß wir immer Liz sagen und nie Schule. Ich bin schon furchtbar neugierig.

22. September 19..: Heute hat die Schule angefangen. Die Hella hat mich abgeholt und wir sind miteinander gegangen. Die Inspee hat bei der Mama geklatscht, daß wir ihr davongelaufen sind. Wir brauchen doch keine Gouvernante. Wir sind 34 in der Klasse. Als Klassenvorstand haben wir eine Frau Doktor, dann 2 Fräulein, 1 Professor und ich glaube noch ein Fräulein im Zeichnen. Die Frau Doktor hat Deutsch und Schönschreiben. Sie hat uns nebeneinander gesetzt in die 3. Bank. Dann hat sie eine Anrede gehalten, dann sind die Bücher diktiert worden, aber wir sollen noch warten mit dem kaufen bis Montag. Wir haben 2 mal Pause, eine lange und 2 kurze. Die lange gehört zum Spielen, die kurzen zum Hinausgehen. Ich war nie draußen in der Volksschule und jetzt gehe ich schon gar nicht. Die Mama sagt auch immer, das ist nur eine schlechte Gewohnheit. Die meisten Kinder waren draußen, sogar unter der Stunde. Heute haben wir keinen eigentlichen Unterricht gehabt. Morgen beginnt er, aber wir wissen nicht was. Dann gingen wir nachhause.

23. September: Heute haben wir das Fräulein von Geographie und Geschichte gehabt, das ist keine Doktorin. Die Inspee sagt, sie haben sie voriges Jahr gehabt, aber sie haben sie nicht leiden können, sie ist gar nicht schön. Der Papa hat geschimpft und hat zur Inspee gesagt: Du dummes Ding, setz ihr nur so dummes Zeug in den Kopf. Da zeig deine Auktorität als Große. Bei jeder Lehrerin und jedem Lehrer kann man etwas lernen, wenn man nur will. Aber uns gefällt das Frl. Vischer wirklich nicht und Geographie und Geschichte ist so nicht meine Leibspeise. Übrigens lerne ich ja nicht für sie, sondern für mich. Die Frau Dr. Mallburg ist furchtbar lieb und schön. Wir werden immer nur Frau Dr. M. schreiben von ihr. Wenn sie lacht hat sie zwei Grüberln und eine Goldplombe. Sie ist neu an der Anstalt. Ich weiß nicht ob wir auch Gesang haben. In Französisch haben wir die Madame Arnau, die ist sehr schön gekleidet, ein schwarzes Spitzenkleid. Die Hella hat ein wunderbares Etui für die Bleistifte und Federn; ganz weich, so müssen wir es haben, damit es keinen Lärm macht, wenn es in der Stunde hinunterfällt. Ich glaube es kostet 7 K oder 1 K 70, daß weiß ich nicht genau. Heute hatten wir gleich bis 12 Uhr Schule, zuerst Deutsch, dann Rechnen, dann Religion für die Katholischen und dann gingen wir fort. Die Hella hat auf mich gewartet, der Herr Pastor war nämlich nicht da.

24. September: Wir haben geglaubt, die Buchhandlungen sind heute ausnahmsweise offen, aber wir haben uns geirrt. Die Mama von der Hella hat gesagt, natürlich das kommt davon, wenn die Küken klüger sein wollen, als die Hennen. Nachmittag war die Hella bei mir und die Inspee war bei F. eingeladen. Dort gehe ich nicht mit, weil es mir zu fad ist, den ganzen Tag wird Klavier gespielt. Ich habe schon von den Klavierstunden genug. Sie fangen erst an, wenn der Stundenplan fix ist. Vielleicht am 1. Oktober, dann muß ich an die Frau B. schreiben, eigenhändig, hat sie gesagt. Das verlangt sie von allen ihren Schülerinnen. Die Lehrerin von der Hella wär mir lieber. Aber sie hat keine Zeit und ist auch teurer, glaub ich. Aber wenigstens könnte sie mir nicht immer das Fräulein Dora als Muster vorhalten. Es ist eben nicht jeder so musikalisch wie das Frl. Dora. Abends hat die Inspee bis um 10 oder um 12 Uhr in einem dicken Buch gelesen, und dabei geheult. Das hat sie geleugnet, aber ich hab's gehört und sie hat auch gar nicht reden können. Sie sagt, sie hat Schnupfen, die Lügnerin.

25. September: Heute haben wir einen proffesorischen Stundenplan bekommen, aber er bleibt nicht, bis die Professoren von Gymnasium genau wissen, wann sie kommen können. Unsere Frau Doktor könnte auch in einem Gymnasium sein, aber weil nur eines ist, so ist sie bei uns. Wir haben für morgen eine mündliche Redeübung: Unsere Ferien. Höchstens 8 oder 10 Sätze, zu Hause können wir es niederschreiben, aber in der Schule dürfen wir nicht hineinschauen. Ich habe es schon gemacht. Aber vom Robert habe ich nichts geschrieben. Der verdient nicht einmal, daß ich an ihn denke. Ich habe auch der Hella gar nicht alles gesagt.

25. September: Ich war dran bei der Redeübung und die Frau Doktor hat gesagt, sehr gut, wie heißt du? Grete Lainer hab ich gesagt und sie hat gesagt: Und das ist deine gute Freundin neben dir? Jetzt soll sie uns sagen, wie sie ihre Ferien verlebt hat. Die Hella hat es auch sehr gut gekonnt und die Frau Doktor sagte auch, sehr gut. Dann hat es geleutet. In der großen Pause hat die Frau Doktor mit uns gespielt: Reih um. Das war sehr lustig. Ich kam 6mal dran. In den kleinen Pausen waren wir ganz allein, weil die Lehrkräfte alle so viel zu tun haben wegen dem Stundenplan. Eine Repetentin aus dem Lyzeum F. ist bei uns. Sie sitzt in der letzten Bank, denn sie ist sehr groß. So groß wie die Frau Doktor.

26. September: Heute haben wir zum ersten mal den Professor Riegl gehabt in Naturgeschichte. Er trägt einen Zwicker und schaut einen nie an. Und im Französisch hat die Madame A. gesagt, daß ich die beste Aussprache habe. Wir haben sehr viel auf und ich weiß nicht, ob ich alle Tage zum Schreiben komme. Die Kinder sagen der Professor Igel statt Riegel und die Weinmann hat gesagt Nikel.

30. September: Ich habe gar keine Zeit zum schreiben gehabt. Die Hella schreibt schon seit dem 24. nicht. Heute muß ich aber schreiben, denn ich bin dem Robert begegnet in der Schottengasse. Guten Tag mein Fräulein, nur nicht so stolz, hat er im Vorbeigehen gesagt. Und wie ich mich umgedreht habe, war er schon vorbei, sonst hätt ich ihm was ordentliches gesagt. Ich muß zum Nachtmahl.

1. Oktober: Ich kann nicht schreiben, der Oswald ist aus S. gekommen, er hat sich den Fuß verstaucht, aber ich weiß nicht, er kann dabei herumgehen. Er ist furchtbar blaß und redet kein Wort vor Schmerzen.

4. Oktober: Heute haben wir frei, weil der Geburtstag des Kaisers ist. Gestern hat mir die Resi etwas Gräßliches erzählt. Der Oswald darf nicht mehr nach S. zurück. Er hat etwas angestellt, was, weiß die Resi nicht, sie sagt etwas sehr Unanständiges, ich möchte wissen, was, vielleicht etwas am Klosett. Er bleibt immer so lange draußen, das habe ich schon am Lande bemerkt. Oder am Ende war etwas in seinem Vereine. Die Inspee tut, als ob sie es wüßte, aber es ist natürlich nicht wahr, sie weiß gar nichts. Der Papa ist wütend und die Mama hat ganz verweinte Augen. Zu Mittag redet kein Mensch ein Wort. Wenn ich nur wüßte, was er getan hat. Der Papa hat gestern furchtbar geschrieen mit ihm und da haben wir, die Dora und ich gehört, wie er gesagt hat: So ein Lausbub hat es notwendig, (Jetzt haben wir etwas nicht verstanden) und dann hat er gesagt, du schau in Deine Schulbücheln und nicht auf die Mädeln und die verheirateten Frauen, du Lausbub du. Und die Dora sagt: Ah jetzt versteh ich und ich sag: Ich bitt dich, sag mir was denn, es ist doch mein Bruder so gut wie deiner. Aber sie sagt: »Das verstehst du nicht, das paßt nicht für so junge Ohren.« Das ist eine Gemeinheit, für ihre Ohren aber paßt es und sie ist doch nur um nicht einmal ganz drei Jahre älter als ich. Aber weil sie das blaue Kleid halblang bekommen hat, bildet sie sich so viel ein und glaubt, sie ist eine Dame. So schauen sie aus, die Damen und dann nascht sie Kompott, daß sie den Mund ganz voll hat und gar nicht reden kann. Wenn ich so etwas merke, rede ich immer auf sie, daß sie antworten muß. Das ärgert sie furchtbar.

9. Oktober: Jetzt weiß ich alles!!! Also daher kommen die kleinen Kinder. Und das hat am Ende der Robert damals gemeint. Nein, das tue ich nie, ich heirate einfach nicht. Denn dann muß man es tun; es tut furchtbar weh und doch muß man. Wie gut, daß ich es schon weiß. Aber ich möcht nur wissen, wie, die Hella sagt, das weiß sie auch nicht genau. Aber vielleicht sagt es ihr ihre Kousine, die weiß nämlich wirklich alles. Und neun Monate dauert es, bis man das Kind kriegt und dabei sterben sehr viele Frauen. O, das ist gräßlich. Die Hella weiß es schon lang, aber sie hat sich nicht getraut, mir was zu sagen. Ihr hats heuer am Lande ein Mädel gesagt. Und sie hat es der Lizzi, ihrer Schwester sagen wollen, eigentlich sie hat sie nur fragen wollen, ob das alles wahr ist und die Lizzi rennt zu ihrer Mama und sagt ihr, was die Hella gesagt hat. Und ihre Mama sagt: »Das ist schrecklich mit die Kinder, so eine verdorbene Geration, daß du dich nicht unterstehst, einem anderen Kind das zu sagen, vielleicht zu der Grete Lainer« und gibt ihr ein paar Ohrfeigen. Als ob sie was dafür könnte! Darum hat sie mir so lange nicht geschrieben. Die Arme, nein die Ärmste, aber jetzt kann sie mir alles sagen und wir werden eine die andere nicht verraten. Und die Inspee, die falsche Katze, weiß das natürlich längst und will es nur nicht sagen. Aber das weiß ich doch nicht, warum der Robert damals bei der Schaukel gesagt hat: Du Närrin, davon kriegt man noch lang kein Kind. Vielleicht weiß es die Hella. Wenn ich nachmittag ins Turnen gehe, gehe ich vorher zu ihr und frag sie. Gott ich bin so neugierig.

10. Oktober: Ich habe eine gräßliche Angst, ich war gestern nicht in der Turnstunde. Ich war bei Hella oben und da habe ich mich ohne Absicht so verspätet, daß ich mich dann nicht getraut habe hinzugehen ins Turnen. Und die Hella hat gesagt, ich soll nur bei ihr bleiben, wir sagen die Rechenaufgabe war so schwer, wir haben sie solange nicht können. Zum Glück haben wir wirklich eine. Aber ich habe zuhause gar nichts gesagt, weil morgen der Oswald wegkommt nach G. zum Herrn Dir. S. Jetzt habe ich geglaubt, ich weiß schon alles und jetzt hat mir die Hella erst wirklich alles gesagt. Das ist gräßlich mit der P... Ich kanns gar nicht weiter schreiben. Sie sagt, natürlich hats die Inspee schon, schon damals wie ich geschrieben habe, die Inspee braucht nicht baden gehn, wenn sie nicht will; da hat sie es bekommen. Und wie das nur sein muß, da muß man doch immer Angst haben. Ströme von Blut sagt die Hella. Aber da wird ja alles ganz bl... Und darum hat die Inspee immer das Licht abgedreht am Land, wenn sie noch gar nicht ausgezogen war, damit ich nichts sehe. Pfui Teufel, ich hätte auf keinen Fall hingeschaut. Mit 14 Jahre bekommt man es und es dauert bis 20 Jahre. Die Hella sagt, die Franke Berta in unserer Klasse weiß alles. Sie hat ihr in der Rechenstunde auf den Faulenzer geschrieben: Weist du was P... bedeutet? Und die Hella hat darunter geschrieben, natürlich schon längst. Und dann hat die Franke um 12 Uhr auf sie gewartet, wie die Katholischen Religionsstunde gehabt haben und sie sind damals mit einander nachhause gegangen. Ich erinnere mich noch ganz gut, ich habe mich sehr geärgert, weil das keine Freundschaft ist. Am Dienstag gehen wir mit der Franke, die Hella hat ihr schon geschrieben unter der Stunde, daß ich alles weiß und sie braucht sich nicht schenieren. Die Inspee ahnt etwas, sie schaut immer herüber und lacht höhnisch, sie glaubt wahrscheinlich, nur sie kann es wissen.

16. Oktober: Morgen ist der Geburtstag vom Papa und von der Dora. Ich ärgere mich jedes Jahr, daß die Dora gerade mit dem Papa zusammen Geburtstag hat. Am meisten ärgert mich eigentlich, daß sie sich soviel darauf einbildet, denn es ist ja wirklich ein bloßer Zufall, wie der Papa immer sagt. Und ich glaube, ihm ist es nicht einmal besonders angenehm. Jeder will doch seinen Geburtstag an einem eigenen Tag haben, nicht mit jemanden anderen zusammen. Und diese Einbildung, die ist schon nimmermehr schön. Übrigens heuer ist es so nichts mit einer ordentlichen Geburtstagsfeier wegen der Geschichte mit dem Oswald. Der Papa ist wütend und er hat sich auf 2 Tage im Bureau frei gemacht, weil er nach G. gefahren ist, wohin der Oswald kommen soll.

17. Oktober: Es war doch schöner heute, als ich geglaubt habe. Die ganze Familie Bruckner war da und da ist natürlich vom Oswald nicht viel geredet worden, nur daß er einen verstauchten Fuß hat, (das ist aber nicht wahr, daß weiß ich jetzt bestimmt) und daß er wahrscheinlich nach G. kommt. Und der Oberst B. hat gesagt: Das beste für einen Bub ist die Militäranstalt, da muß er parieren. Und am Abend hat der Oswald gesagt: Das ist ein Stuß, was der Hella ihr Papa gesagt hat, denn in der Militäranstalt kann man ebenso gut herausgeschmissen werden, wie aus dem Gymnasium. Das sieht man doch am Edgar Groller. Damit hat er sich aber verraten und die Dora hat auch gleich gesagt: Ah so, herausgeschmissen bist du worden, und wir haben geglaubt, du hast den Fuß verstaucht. Da hat er sich furchtbar geärgert und hat gesagt: Euch Görn, wird man nicht alles auf eure frechen Nasen binden und hat die Tür zugehaut, weil die Mama gerade nicht im Salon war.

19. Oktober: Wenn wir nur erfahren könnten, was eigentlich mit dem Oswald war. Mit einem Mädchen muß es etwas sein. Aber was der Papa dann von einer verheirateten Frau gesagt hat, das wissen wir nicht. Wahrscheinlich hat ihn eine verheiratete Frau beim Direktor oder beim Klassenvorstand angezeigt und so ist dann alles herausgekommen. Es tut mir eigentlich furchtbar leid: denn ich denke mir, wie es mir gewesen wäre, wenn alles herausgekommen wäre vom Robert und mir. Jetzt ist es mir ja alles eins. Aber damals im Sommer wäre es mir furchtbar gewesen. Der Oswald spricht fast kein Wort, höchstens noch mit der Mama. Er tut immer, als ob er lesen würde, aber lächerlich, mit einem solchen Liebeskummer liest man doch nicht wirklich. Ich habe der Franke nichts näheres erzählt, nur daß mein Bruder eine unglückliche Liebe hat und deswegen hier in Wien ist. Und da hat sie uns erzählt, daß sich heuer im Sommer ein Kusin von ihr wegen ihr erschossen hat. In der Zeitung ist gestanden wegen einer Schauspielerin, aber das ist nicht wahr, es war wegen ihr. Sie wird nämlich schon 14 Jahre.

20. Oktober: Wir gehen jetzt meistens mit der Franke. Sie sagt, sie hat schon wahnsinnig viel erlebt, aber sie kann es uns jetzt noch nicht erzählen, weil wir uns nocht nicht gut genug kennen. Bis später einmal. Wahrscheinlich fürchtet sie sich, wir könnten sie verraten. Sie will längstens mit 16 Jahren heiraten. Also in zwei Jahren. Da macht sie natürlich das Lyzeum nicht fertig, sondern tritt schon aus der 3. Klasse aus. Sie hat drei Verehrer, aber sie weiß noch nicht, wem sie wählen wird. Die Hella sagt, ich solle doch nicht alles glauben, das mit den drei Verehrern auf einmal ist bestimmt aufgeschnitten.

21. Oktober: Die Franke sagt, wenn man blaue Ringe hat, dann hat man es und wenn man ein Kind bekommt, dann hat man es nicht mehr, bis man wieder eins bekommt. Und sie hat uns auch erzählt, wie man es bekommt, aber das glaube ich nicht recht, mir scheint, das weiß sie selber nicht ganz genau. Da ist sie sehr böse geworden und hat gesagt: »Gut, so red ich gar nichts mehr. Wenn ich es so nicht weiß.« Aber das von Mann und Frau, das versteh ich nicht. Sie sagt, es muß jeden Abend geschehen, sonst bekommen sie kein Kind; wenn sie einen Abend vergessen, so bekommen sie kein Kind. Und darum stehen die Betten ganz nebeneinander. Das nennt man Ehebetten!!! Und es tut so weh, daß man es kaum aushalten kann. Aber man muß, denn der Mann kann einen dazu zwingen. Wieso zwingen, das möchte ich gerne wissen. Aber ich hab nicht gefragt, weil sie sonst geglaubt hätte, ich mache mich lächerlich über sie. Und die Männer haben es auch, aber nur sehr selten. Wir gehen jetzt immer mit der Franke Berta, sie ist ein sehr liebes Mädel, vielleicht darf ich sie am nächsten Sonntag einladen.

23. Oktober: Heute ist der Papa mit dem Oswald weggefahren. Die Mama hat sehr geweint. Ich habe zum Oswald beim Wegfahren noch schnell gesagt: Ich verstehe, was du leidest. Aber er hat mich nicht verstanden, denn er sagte: Dumme Kröte. Vielleicht hat er es auch nur wegen dem Papa gesagt, der mit einem fürchterlichen Gesicht daneben gestanden ist.

27. Oktober: Gott, es ist alles wie verhext. Gestern hab ich ungenügend in Geschichte bekommen und heute habe ich in der Rechenschularbeit gar keine Rechnung richtig. Und wir haben gestern noch solange geübt; Ich sag vorläufig nichts zuhause. Aber wegen der Turnstunde neulich, habe ich doch Angst. Wenn mir nur die Mama morgen das Geld mitgibt und nicht selber geht, denn dann erfährt sie es sicher.

28. Oktober: Heute war die Frau Direktor in der französischen Stunde da und hat mich sehr gelobt. Sie sagt, im Französischen könnte ich in der dritten sein und dann fragt sie mich, ob ich in den anderen Gegenständen auch so gut beschlagen sei. Ich habe nicht sagen wollen, Ja und auch nicht Nein, und da haben alle Kinder gesagt Ja, sie kann überall alles. Und da hat mir die Frau Direktor auf die Schulter geklopft und hat gesagt: Das hör ich gern. Und wie sie draußen war, habe ich gräßlich geweint und die Madame Arnau hat gefragt: Ja was hast du denn? und die Kinder haben gesagt: In der Rechenschularbeit hat sie Ungenügend und sie kann doch so gut rechnen. Und da die Madame hat gesagt: »Du wirst dir das Ungenügend schon wieder verbessern«.

30. Oktober: Heute habe ich einen furchtbaren Verdruß gehabt mit dem Fräulein Vischer aus Geschichte. Gestern wie ich mit der Mama in die Elektrische einsteige, sitzt die V. drin. Ich schau weg, damit die Mama sie nicht sieht und sie ihr nicht am Ende sagt, daß ich die dummen Sagen nicht können habe. Und heute wie sie hereinkommt, sagte sie: Lainer, kennst du die Schulordnung? Ich weiß gleich was sie meint und sage: »Ich habe Fräulein gegrüßt in der Elektrischen, aber Fräulein haben gerad nicht hergeschaut«. »Das ist sehr schön, ein Vergehen durch eine Lüge beschönigen zu wollen. Setz dich!« Ich habe mich sehr geniert, weil mich alle Kinder angesehen haben. Und um 11 Uhr hat die Franke gesagt zu mir: Mach dir nichts draus, sie hat dich auf den Zug und da wird sie immer was finden. Und sie muß es der Frau Doktor M. gesagt haben, weil sie in der Deutschstunde als freie Redeübung vom Grüßen aufgegeben hat. Und alle Kinder schauten mich wieder an. Sonst hat sie nichts gesagt. Sie ist überhaupt ein Engel, meine süße E. M., sie heißt nämlich Elisabeth; aber Namenstag feiert sie keinen, weil sie protestantisch ist; das ist riesig schade wegen dem 19. November.

31. Oktober: Ich habe doch ein Glück. Mit der Turnstunde ist nichts herausgekommen, obwohl die Mama selbst dort war. Und mündlich habe ich heute im Rechnen Eins bekommen. Das Fräulein Steiner ist auch sehr lieb und hat gesagt: Ja L. was war denn das bei der Schularbeit, du rechnest ja sonst so gut? Ich habe mir nicht anders helfen können und hab gesagt: Ich hatte neulich solche Kopfschmerzen. Da lacht die Franke beinahe heraus, das war nicht schön von ihr; ich glaube überhaupt, man darf ihr nicht ganz vertrauen: sie ist vielleicht etwas falsch. Nach der Stunde hat sie zwar gesagt, sie hat gelacht, weil »Kopfschmerzen« ganz etwas anderes bedeutet.

1. November: Heute fangen wir den Schreibtischteppich zu Weihnachten für den Papa an. Natürlich hat sich die Inspee die rechte Hälfte genommen, weil die leichter geht und ich muß die linke Hälfte machen, wo man immer den ganzen Binkel in der Hand hat. Für die Mama mach ich eine gestickte Buchtasche aus Leder mit Seide und Malerei; die Malerei darf ich in der Schule machen beim Fräulein H., die hab ich auch sehr gern. Aber am liebsten habe ich die Frau Doktor M. Ich lade die Franke nicht ein, weil sie gestern so gelacht hat und die Mama will auch nicht, daß ganz fremde Mädeln kommen.

2. November: Ich weiß noch immer nicht alles. Die Hella weiß viel mehr. Wir haben gesagt, wir prüfen uns in Naturgeschichte und sind hinüber in den Salon und dort hat sie mir noch sehr viel anvertraut. Und dann ist die Mali, unser neues Dienstmädel hineingekommmen und die hat uns etwas Gräßliches gesagt. Die Resi ist nämlich im Spital, weil sie krank ist. Nämlich alle Juden müssen als ganz Kleiner eine furchtbar gefährliche Operation durchmachen; es tut schrecklich weh und davon sind sie so grausam. Sie müssen das tun, damit sie mehr Kinder bekommen; aber nur die kleinen Buben, die Mäderln nicht. Das ist gräßlich und ich möchte keinen Juden heiraten. Wir haben die Mali auch gefragt, ob es wahr ist, daß das so schrecklich weh tut und da hat sie gelacht und gesagt: Es wird nicht gar so arg sein, sonst täten's nicht alle. Und die Hella hat gefragt: Haben Sie es denn auch schon getan, Sie haben ja gar keinen Mann? Und da hat sie gesagt: Gehn's Fräulein, so was redt man nicht, das ist nicht schön. Und wir haben uns sehr geniert und haben sie gebeten, daß sie nichts der Mama sagt. Und sie hat es uns geschworen.

5. November: Mit dem dummen Gürtel ist alles herausgekommen. Vorgestern räum ich meinen Kasten aus und will Ordnung machen, da kommt die Mali die Betten herrichten und sieht den Gürtel mit den Fransen. »Jö, sagt sie, der ist schön!« Sie können ihn schon haben, ich trag ihn so nicht mehr, sag ich. Und gestern zu Mittag schaut die Mama auf einmal die Mali an und ich spür', daß ich ganz rot werde. Und nach dem Essen sagt die Mama, du Gretel, hast du der Mali den Gürtel geschenkt? Ja, sag ich, sie hat mich gebeten. Da kommt sie grad herein das Wasser hinaustragen und sagt: »Nein, ich hab nicht bitt drum, die Fräuln Grete hat mir'n von selber geben.« Und ich weiß nicht wie das war, ich war schon in unserem Zimmer, da kommt die Mama und sagt: Eine rechte Freude erlebt man an seinen Kindern. Die Mali hat mir gesagt, was für schöne Sachen du und die Hella redet. Ich renn gleich in die Küche und sag zur Mali: Wie können Sie einen solchen Tratsch machen? Sie haben sich in unser Gespräch gemischt. Das ist eine Gemeinheit und zwar eine kolossale. Am Abend beschwert sie sich beim Papa über mich und der Papa schimpft greulich und sagt: Nette Rangen hab ich, das muß man sagen. Der Verkehr mit der Hella wird eingeschränkt, verstanden?

6. November: Das ist das Schönste, jetzt bin ich eine dumme Gans. Wie ich aber der Hella einen Stoß gegeben habe, sie soll vor der Mali nichts reden, da hat sie gelacht und gesagt: Was glaubst du denn, die Mali weiß doch so alles; vielleicht besser als wir zwei zusammen. Und dann erst hat die Mali das von den Juden gesagt. Und jetzt bin ich die dumme Gans. Also weiß ich wenigstens, was ich bin, eine dumme Gans. Und das sagt einem die beste Freundin, die man hat.

7. November: Die Hella und ich sind sehr kühl zusammen. Wir gehen miteinander, aber wir reden nur das ganz Gewöhnliche von der Schule und vom Lernen, sonst nichts. Seit heute gehen wir aufs Eis, so oft wir Zeit haben, das ist leider nicht sehr oft. Die Mama arbeitet für uns an dem Teppich. Es ist eine greuliche Arbeit, aber sie hat doch weniger zu tun als wir.

8. November: Aufs Eis kommt ein wunderbares Fräulein; sie läuft großartig Bogen, Achter und Figuren. Ich bin hinter ihr gelaufen. Wie sie in die Garderobe ging, duftete es um ihr riesig. Ob sie bald heiraten wird und ob sie das alles weiß? Sie ist so schön und streicht sich immer die Haare aus der Stirn, wenn sie ihr hereinfallen. So schön möchte ich auch sein; dann wäre ich glücklich. Aber leider bin ich schwarz und sie ist blond. Wenn ich nur erfahren könnte, wie sie heißt und wo sie wohnt. Morgen muß ich wieder aufs Eis; lieber lern ich in der Nacht.

9. November: Ich bin ganz aufgeregt; sie war nicht am Eis. Vielleicht ist sie krank.

10. November: Heute auch nicht. Ich bin zwei Stunden dort geblieben, aber leider umsonst.

11. November: Endlich! heute kam sie. Gott, sie ist so schön.

12. November: Sie hat mich angeredet. Ich stehe neben der Tür und auf einmal hör ich hinter mir lachen und da hab ich gleich gewußt: Das ist sie! Und richtig, da kommt sie und sagt: Wollen wir zusammen laufen? Oh bitte, wenn Sie es gestatten, sag ich und wir machen Gitter und laufen mit einander. Mir schlug das Herz bis zum Halse, und ich möchte immer was reden, aber mir fällt gar nichts Vernünftiges ein. Und wie wir zur Tür kommen, steht schon ein Herr da und grüßt sie und sie grüßt auch, und zu mir sagt sie: Auf Wiedersehen. Da frag ich noch schnell: Wann, morgen? Ja, vielleicht, ruft sie. – – – Nur vielleicht, vielleicht, wenn es nur schon morgen wäre.

13. November: Die Inspee behauptet, sie heißt Anastasia Klastoschek. Aber das ist nicht wahr, sie kann keinen solchen Namen haben, eher kann sie Eugenie oder Seraphine oder Laura heißen, aber Anastasia, das ist sicher nicht wahr. Wozu es so häßliche Namen gibt. Wenn sie wirklich so heißt? Und dann Klastoschek, so einen böhmischen Namen, und sie soll aus Mähren sein und schon 26 Jahre; lächerbar, 26 Jahre, sie ist vielleicht höchstens 18 Jahre, aber nein, so alt ist sie bestimmt nicht. Die Dora behauptet, sie wohnt in der Phorusgasse und sie sagt, gar so schön ist sie nicht. Das ist natürlich der bure Neid; die Dora findet keine schön außer sich selbst.

14. November: Ich habe das Fräulein an der Kassa gefragt, sie heißt wirklich Anastasia Klastoschek und wohnt in der Phorusgasse; aber wie alt sie ist, weiß das Fräulein nicht. Zuerst hat sie es mir nicht sagen wollen und hat gefragt, wozu ich es wissen will und wer mich fragen schickt. Erst als ich sagte, ich möchte es nur für mich wissen, schaut sie im Buch nach, weil ich nämlich die Nummer von ihrem Garderobekasten weiß; 36, das ist eine so schöne feine Zahl, die habe ich so gern, ich weiß eigentlich nicht warum, aber wenn man sie sagt, so ist es immer, als ob ein Eichhörnchen im Baum herumspringt.

20. November: Ich kann absolut nicht alle Tage schreiben. Die Mama liegt im Bett und der Doktor kommt alle Tage, aber ich weiß eigentlich nicht, was ihr fehlt. Ich glaube, der Doktor weiß es auch nicht ganz bestimmt. Wenn die Mama krank ist, so ist es zu Haus so unheimlich und sie sagt auch immer: Nur nicht krank sein, das ist das Ärgste. Mir liegt nichts dran, wenn ich krank bin; ich bin sogar gern krank, dann sind alle so nett zu einem, der Papa setzt sich, wenn er nachhaus kommt zu einem ans Bett und sogar die Dora tut einem verschiedenes zu lieb; das heißt, sie muß es tun. Übrigens habe ich ihr, wie sie Diphteritis gehabt hat vor zwei Jahren, auch alles zu lieb getan, da wäre sie fast gestorben, sie hat 41,8 Fieber gehabt und die Mama war ganz verweint. Der Papa weint nie. Es muß komisch ausschauen, wenn ein Mann weint. Wie heuer mit dem Oswald der Skandal war, hat er schon geweint, ich glaube, der Papa hat ihm ein paar Ohrfeigen gegeben. Er hat zwar gesagt: O nein, aber ich glaube es doch; denn geweint hat er bestimmt, auch wenn er's leugnet. Es ist ja keine Schande und dann ist er doch so noch kein großer Mann. Wenn ich mich furchtbar ärgere, dann wein ich schon. Wegen einer Ohrfeige allerdings nicht.

21. November: Heute in der Religionsstunde ist die Schrötter Lisel, das ist der Liebling vom Herrn-Katecheten, nein wir müssen sagen Herr Professor, also sie ist der Liebling vom Herrn Professor mit der Bibel zu ihm gegangen und hat gefragt, was schwanger heißt. Bei der Maria steht das nämlich wirklich in der Bibel. Die Schrötter weiß nämlich noch gar nichts und die Kinder haben sie solang aufgehetzt, bis sie gegangen ist und gefragt hat. Der Herr Professor ist ganz rot geworden und hat gesagt: Wenn du es noch nicht weißt, so macht das nichts. Das lernen wir erst später, wir sind ja noch im alten Testament. Ich war nur froh, daß die Hella nicht neben mir sitzt in der Religion, weil sie protestantisch ist; sonst hätten wir bestimmt herausgeplatzt vor Lachen. Ein paar Kinder haben sehr gelacht und da hat der Herr Professor zur Schrötter gesagt: Du bist ein braves Kind, kümmere dich nicht um die anderen. Und die Schrötter hat schrecklich geweint. Ich hätte absolut nicht gefragt, auch wenn ich es wirklich nicht gewußt hätte. Übrigens ist schwanger ein dummes Wort, es heißt eigentlich gar nichts; nur, wenn man es weiß.

22. November: Wie ich gestern nach der Religionsstunde mit der Franke gegangen bin, haben wir natürlich davon gesprochen. Sie sagt, dazu heiraten die Leute, nur dazu. Das glaube ich wohl nicht, daß die Leute nur deswegen heiraten. Es gibt doch viele Leute, die heiraten und dann doch keine Kinder kriegen. Das ist schon richtig, sagt die Franke, aber es ist doch ganz bestimmt so. Und dann erzählte sie mir noch vieles, was ich nicht alles aufschreiben kann. Es ist zu gräßlich und merken tue ich mirs sowieso. Wie ich heute bei der Mama auf dem Bett sitze, fällt mir auf einmal ein, daß wirklich das Bett vom Papa ganz neben dem von der Mama steht. Daran hab' ich eigentlich nie gedacht. Und jetzt ist es ja auch gar nicht mehr notwendig, weil wir alle doch schon groß sind. Dann bleiben halt die Sachen stehen wie früher. Was schaust du denn so herum, mein Kleines, fragt die Mama. Ich hab mir aber nichts merken lassen, sondern hab gesagt: Ich hab nur geschaut, wenn dein Bett zuerst stünde und dann der Waschkasten, so könntest du besser zum Lesen sehen, wenn du im Bett liegst. Das geht nicht wegen dem Spiegelhacken, da ist die Wand ganz zerklopft, sagt die Mama. Ich hab' weiter nichts gesagt und sie auch nicht. Ich schlafe überhaupt lieber auf einem Diwan als im Bett, weil man sich da so gut anpreßen kann an die Rückenwand. Ich bin froh, daß die Mama nichts gemerkt hat. Man muß furchtbar achtgeben, daß man sich nicht verrät, wenn man alles weiß.

25. November: Ich habe jetzt eine herrliche Geschichte gelesen; sie heißt Ein treues Herz und handelt von einem Mädchen, der ihr Bräutigam fortgehen muß, weil er einen anderen erschossen hat, der ihm aufgepaßt hat. Und die Rosa bleibt ihm treu, bis er zurückkommt nach zehn Jahren und dann heiraten sie. Es ist großartig und zuerst furchtbar traurig. Solche Bibliotheksbücher lasse ich mir gefallen, aber die wir in der Volksschule hatten, die habe ich alle schon gekannt und da hat das Fräulein nie gewußt, was sie mir und der Hella geben soll. Leider bekommen wir im Lyzeum nur alle vier Wochen ein Buch, weil die Frau Doktor sagt, wir haben so soviel zu tun, und wenn wir frei haben, sollen wir in die frische Luft gehen. Ich komme nicht jeden Tag dazu, aufs Eis zu gehen. So gern ich die Goldfee habe, so hab ich sie getauft, aber ihr Name ist mir gräßlich. Wie sie gerufen wird, die Inspee sagt Stasi, aber das glaube ich natürlich nicht; eher vielleicht Anna, aber das ist so gewöhnlich. Gott sei Dank, daß mich die Hella immer Rita nennt, so sagen jetzt in der Schule alle Rita. Nur zuhause sagen alle leider Gretl. Neulich habe ich zur Inspee gesagt: Wenn du wünschest, daß ich Thea sagen soll, so bitte ich mir Rita zu sagen; und Gretl verbiete ich mir überhaupt, so sagt man zu kleinen Kindern oder Bauernmädeln heißen so. Da sagte sie: Gott, wie Du mich nennst, ist mir ganz egal. Na also, dann bleibt es bei Dora, aber für immer.

27. November: Der Papa ist Oberlandesgerichtsrat geworden. Er ist sehr froh und die Mama auch. Wir haben gestern abends drauf angestoßen. Jetzt kann er noch Präsident des Obersten Gerichtshofes werden, aber nicht gleich, sondern in ein paar Jahren erst. Wir werden wahrscheinlich im Mai ausziehen, weil wir eine größere Wohnung nehmen werden. Die Inspee hat zur Mama gesagt, sie möchte dann ihren eigenen Raum, wo sie ungestört ist. Lächerbar, wer stört sie denn, ich vielleicht? Eher wohl sie mich, wenn sie immer herschaut, wenn ich Tagebuch schreibe. Die Hella sagt auch immer: Ältere Schwestern sollt es nicht geben; da hat sie wohl sehr, sehr recht. Leider kann man es nicht ändern. Die Mama sagt, zum Nikolo sind wir wirklich schon zu groß, aber ich sehe das nicht ein, dazu ist man nie zu groß. Und dann hat doch die Inspee auch noch voriges Jahr was vom Nikolo bekommen und war schon dreizehn und ich bin jetzt nicht einmal noch zwölf. Überhaupt wir kriegen ja so nur Chokolade und Zuckerln und Datteln und solche Sachen, das ist ja ohnehin kein eigentliches Geschenk. Die Kinder wollen der Frau Doktor einen großen Krampus hinstellen auf das Katheder. Aber ich finde das dumm. Einer Lehrkraft, die man gern hat, kann man doch keinen Krampus geben und bei einer, die wir nicht leiden können, ist schad um die Zuckerln und leer können wir ihn auch nicht hinstellen, das wäre eine Beleidigung. In der Hinsicht hat die Mama schon recht, daß der Krampus nur für die Kinder gehört.

1. Dezember: Wir geben allen Lehrkräften einen Krampus, jede gibt eine Krone, hoffentlich gibt mir der Papa die Krone extra. Vielleicht gibt er uns jetzt überhaupt mehr Taschengeld, wenigstens um eine Krone mehr. Das wäre fein. Den Lehrkräften, die wir gern haben, geben wir einen großen und die wir weniger gern haben, einen kleinen. Nur beim Herrn Prof. J. da trauen wir uns nicht. Aber wenn nur er keinen bekommt, ist er vielleicht beleidigt.

2. Dezember: Heute waren wir Krampus kaufen für die Lehrkräfte. Die Frau Doktor M. bekommt den schönsten mit einer großen Butte und die Keller hat ganz kleine Bücherln, wo Schiller, Goethe und Märchen, daraufgeschrieben ist, die kommen oben drauf und drunter die Zuckerln. Das paßt ausgezeichnet für sie, weil die Frau Doktor doch Deutsch unterrichtet und diese Dichter lernt man in der Vierten in Deutsch. In der Vierten haben sie im November eine Schillerfeier gehabt und bei uns hat die Frau auch eine sehr schöne Rede gehalten und einige Kinder haben deklamiert. Die Hella hat mir übrigens ein furchtbares Gedicht gezeigt von Schiller. Da kommt vor: Ertappt ich sie im Bade, wie schrie sie da um Gnade, das Mädchen weiß, ich bin ein Mann. Und dann noch eine Stelle: »Zu Gottes freien Ebenbild darf ich den Stempel zeigen, woraus das Leben quillt«. Aber das steht nur in der großen Ausgabe von Schiller. Mir scheint, wir haben mehrere solche Bücher im Bücherkasten, weil wie die Inspee neulich so herausgekramt hat, hat die Mama aus dem anderen Zimmer gerufen: »Dora, was suchst du denn eigentlich im Bücherkasten? Ich werde dir sagen, wo es steht.« Und sie hat gesagt: Nichts, ich hab nur etwas nachgeschaut, und hat schnell zugesperrt.

4. Dezember: Die Kinder sind so blöd und haben einen schrecklichen Tratsch gemacht wegen der Krampusse für die Lehrkräfte. Es geht nämlich mit dem Geld nicht zusammen und da hat die Keller gesagt, die Markus hat sich etwas genommen und dann hat sie gesagt, nein nicht genommen aber behalten. Und die Markus hat sich natürlich beschwert bei der Frau Doktor und ihr Papa ist zur Frau Direktorin gegangen und hat sich auch beschwert. Und die Frau Doktor hat gesagt, wir wissen doch, daß Geldsammlungen verboten sind und wir dürfen niemanden einen Krampus geben. Jetzt hat die Keller die fünf Krampusse und wir wissen nicht, was wir tun sollen. Die Mama hat gesagt, solche Sachen gehen nie gut aus, da kommt immer ein Streit heraus.

5. Dezember: Wir fürchten uns schrecklich: Die Hella, ich und die Bergler Edith haben den Krampus, den wir für die Frau Doktor M. gekauft haben, vor ihre Türe gestellt. Die Bergler weiß nämlich ihre Wohnung, weil sie alle Tage bei ihr vorbeigeht. Ob sie ahnen wird, von wem der Krampus ist. Ich hab gar nicht gewußt, daß die Bergler Edith so lieb ist, mir ist sie immer so falsch vorgekommen, weil sie Augengläser tragen muß. Aber sie ist bestimmt nicht falsch, da sieht man, wie man sich oft täuschen kann. Morgen haben wir Deutsch-Schularbeit.

6. Dezember: Zuerst hat die Frau Doktor gar nichts gesagt. Und dann hat sie das Thema zur Schularbeit diktiert: »Warum ich einmal am Abend nicht einschlafen konnte«. Die Kinder waren alle ganz erstaunt und da hat die Frau Doktor gesagt: Nun Kinder, das ist gar nicht so schwer. Der eine kann nicht einschlafen, weil er knapp vor einer Krankheit steht, der andere vor Aufregung entweder aus Freude oder aus Furcht. Ein anderer hat ein schlechtes Gewissen, weil er etwas getan hat, was ihm grad erst verboten wurde; nicht wahr, so etwas Ähnliches habt Ihr doch schon alle erlebt? Und dabei hat sie die Bergler Edith und uns zwei furchtbar lang angeschaut. Aber sonst hat sie nichts gesagt. Wir wissen also nicht bestimmt, ob sie es ahnt. Ich konnte gestern nicht aufs Eisfest gehen, weil ich so stark huste und die Dora auch nicht, weil sie Kopfschmerzen hatte; ich weiß nicht ob wirkliche oder die gewissen Kopfschmerzen; wahrscheinlich solche gewisse.

17. Dezember: Jetzt bin ich eine ganze Woche nicht zum Schreiben gekommen. Vorgestern bekamen wir Interiems-Zeugnisse: In Geschichte habe ich genügend, in Naturgeschichte gut und sonst lauter sehr gut. Wegen der dummen Vischer habe ich im Fleiß nur einen Zweier. Das hat den Papa sehr geärgert; er sagt im Fleiß kann jeder einen Einser haben. Das ist schon wahr, aber wenn man irgendwo genügend hat, kriegt man keinen Einser im Fleiß. Die Inspee hat natürlich lauter Einser, nur in Englisch einen Zweier. Sie büffelt aber auch sehr. Die Beste bei uns ist die Verbenowitsch, aber wir können sie alle nicht leiden, sie bildet sich wahnsinnig viel ein und die Franke sagt, sie ist nicht vertrauenswürdig. Die Franke läßt sich von ihrem Kusin, der geht in die 7., in die Schule begleiten; sie wird schon bald 14 und ist sehr schön. Sie sagt nicht, was für ein Zeugnis sie hat, ich glaube ein sehr schlechtes.

18. Dezember: Heute ist die Dora beim Nachtmahl ohnmächtig geworden, weil in ihrem weichen Ei schon ein kleines Henderl drin war, nämlich noch kein wirkliches, aber man hat schon die Flügel und den Kopf gesehen, aber nur angedeutet, hat der Papa gesagt. Was man aber deswegen ohnmächtig werden braucht, das sehe ich wirklich nicht ein. Nacher hat sie gesagt, es hat ihr so gegraust. Und sie kann nie mehr ein Ei essen. Zuerst war der Papa auch ganz erschrocken wie die Mama, aber dann hat er gelacht und gesagt: Solche Faxen! Sie hat sich dann gleich niederlegen müssen und ich bin noch sehr lange bei den Eltern aufgeblieben. Und wie ich dann in unser Zimmer kam, hat sie gelesen, d. h. ich habe den Lichtschein beim Türspalt gesehen; wie ich aber die Tür aufgemacht habe, war es schon finster und wie ich frage: Ah du liest ja noch, gibt sie keine Antwort und dann tut sie, als ob sie erst durch mein Lichtaufdrehn wäre wach geworden und fragt: Was ist denn? Solche Falschheiten kann ich nicht leiden und drum habe ich auch gleich gesagt: Geh bitt' dich, du weist recht gut, daß es 9 Uhr ist. Und weiter nichts. Heute auf dem Schulweg haben wir keine Silbe gesprochen. Glücklicher Weise hat sie dann eine aus ihrer Klasse getroffen.

19. Dezember: Ich bin sehr neugierig, was ich zu Weihnachten bekomme. Gewünscht habe ich mir: Ein weißes Pelzwerk, nämlich Boa, Muff und ein Samtbarett mit dem gleichen Pelz verbrämt, Jackson-Schlittschuhe, weil die Meinen immer gleich locker werden, deutsche Heldensagen, nicht am Ende Griechische; da möchte ich mich bedanken, Haarbänder, durchbrochene Strümpfe und wenn möglich eine goldene Nadel wie die Hella sie zum Geburtstag bekommen hat. Aber der Papa sagt, die wird unserem Christkindl wohl ein bißerl zu teuer sein. Die Inspee wünscht sich ein Frontmieder. Aber ich glaube, sie bekommt es nicht, weil es ungesund ist. Der Teppich für den Papa ist schon fertig und beim Scheren, das Buchtascherl für die Mama noch nicht ganz. Der Dora gebe ich eine kleine Toilette. Ja und meinen Hauptwunsch hätte ich bald vergessen, eine Schatulle zum Versperren für mein Tagebuch. Die Dora wünscht sich auch Ajourstrümpfe und 3 Bände Kränzchen. Neulich ist mir etwas Furchtbares passiert. Ich habe ein Tagebuchblatt liegen lassen oder verstreut, das weiß ich nicht genau. Wie ich nachhaus komme, sagte die Inspee: » das hast du verloren, nicht? Es sind wohl Notizen aus der Schule?« Ich merk' es nicht einmal gleich, aber dann seh ich's gleich am Format und sage: Ja, es sind Notizen. Hmm, sagt die Inspee, aber kaum aus der Schule. Danke Gott, wenn ich das nicht der Mama sage. Übrigens wenn man nicht einmal noch orthographisch schreiben kann, dann sollte man wirklich noch kein Tagebuch schreiben. Das ist eben nichts für Kinder. Ich war wütend. Dann auf dem Klosett habe ich geschaut, was ich für einen Fehler gemacht habe; na, wenn nicht mit doppel n und daß ohne scharfes ß, das ist weiter was. Ich war nur froh, daß gerade nichts von ihr drauf gestanden ist. Das doppel n und das scharfe ß streicht sie rot an, als ob sie eine Lehrerin wäre, das ist die höhere Frechheit! Am besten wäre eigentlich in ein Buch mit Schloß zu schreiben, das man immer zusperrt, dann kann niemand etwas lesen und gar Fehler rot anstreichen. Ich schreibe doch oft so schnell, da ist ein Fehler leicht leicht möglich. Ich möchte wissen, ob sie nie einen Fehler macht. Mich ärgert das Ganze wütend. Aber wegen der Mama kann ich weiter nichts sagen, höchstens auf dem Schulweg; aber nein, wenn ich gar nichts rede, ärgert sie sich am meisten. Wenn ich viel rede drüber, so fällt der Mama das wieder ein von den 5 Seiten am Land und das ist nicht unbedingt nötig.

22. Dezember: Heute ist die Tante Dora gekommen. Sie wird jetzt einige Zeit bei uns bleiben, bis die Mama ganz gesund ist. Ich habe mich nicht mehr sehr gut erinnern können an sie, da war ich nämlich erst vier oder fünf Jahre, wie sie fort von Wien ist. Der liebe schwarze Käfer hat sie zu mir gesagt und hat mir ein Bußerl gegeben. Das schwarz höre ich nicht gerade sehr gern, aber die Hella sagt, es steht mir sehr gut, das ist pikant. Pikant sagen immer die Offiziere von ihrer Kusine in Krems, von der der Papa sagt, sie ist eine beauté das heißt soviel als Schönheit und sie ist auch ganz dunkel. Aber ich möchte doch lieber blond sein, blond und dazu braune oder noch lieber blaugraue Augen. Ob ich auch so eine beauté werde? Hoffentlich ja!!

23. Dezember: Ich freue mich schon furchtbar auf morgen. Was ich bekommen werde? Jetzt muß ich Christbaum aufputzen. Die Inspee fragt gerade: Heuer putzt die Gretel auch auf? Sie hat ja nie aufgeputzt! Ich möchte wissen, warum nicht. Aber die Tante drinnen hat gleich meine Partei genommen. »Natürlich putzt sie auch auf; aber bitte nicht allzuviel ins Kröpfchen«. »Wenn die Dora nichts ißt, ess ich auch nichts«, sag ich gleich.

Am Abend. Gestern haben wir die letzte Schule gehabt. Wir haben frei vom 23. bis zum 2. Jänner. Das ist herrlich. Da gehe ich jeden Tag aufs Eis. Heute und morgen habe ich natürlich keine Zeit. Ob ich der »Goldfee« eine Karte schicken soll. Wenn sie nur einen schöneren Namen hätte. Aber Anastasia Klastoschek; das ist gräßlich ordinär. Überhaupt alle böhmischen Namen sind so gräßlich ordinär. Der Papa kennt einen Grafen Wilczek, aber noch ärger ist schon Schafgotsch. Ich würde nie einen heiraten, der Schafgotsch oder Wilczek heißt und wenn er auch ein Graf und ein Millionär ist. Gestern haben wir allen Lehrkräften gratuliert, bei der Frau Dr. war ich und die Verbenowitsch, weil sie uns am liebsten hat, d. h. haben soll. Zum Professor Rigl, Igel, wir sagen immer Nickel, hat niemand gehen wollen, weil er beim Gratulieren immer sagt: »Is scho gut«. Das ist doch eine Gemeinheit und so haben müssen die Klassenordnerinnen gratulieren gehen. Vor Weihnachten hat die Frau Doktor uns ermahnt, daß wir niemanden von den Lehrkräften etwas geben dürfen. »Ich bitt' Euch Kinder, haltet Euch darnach, es kommt nur Verdruß heraus dabei, Ihr wißt es ja vom Nikolo her. Und ins Haus dürft ihr den Lehrkräften auch nichts schicken und vor die Tür stellt ein feines Christkindl auch niemanden etwas«. Und dabei hat sie mich und die Bergler Edith furchtbar angeschaut. Also weiß sie es doch vom Krampus. Ich bin so müde, daß mir die Augen zufallen. Ah bravo, morgen ist Weihnachten!!!

24. Dezember: Der Weihnachtstag Nachmittag ist scheußlich. Man weiß nicht, was man tun soll, nichts freut einem mehr. Aufs Eis mag ich auch nicht, so schreibe ich jetzt lieber. Gestern ist der Oswald gekommen. Alle sagen, daß er gut aussieht; ich finde ihn schrecklich blaß und er hat auch ganz höhnisch gelächelt, wie alle seine gute Farbe lobten; natürlich, wie kann er denn gut aussehen, wenn er einen Liebesgram hat. Ich möchte ihm gern sagen, daß ich ihn ganz gut verstehe, aber er ist zu stolz, ein Mitleid anzunehmen. Er hat sich einen Armeerevolver zu Weihnachten gewünscht, aber ich glaube, er bekommt ihn nicht, weil Mittelschüler keine Waffen haben dürfen. Vor einiger Zeit hat im Gymnasium in Galizien ein Schüler seinen Professor aus Rache erschossen; es hat geheißen wegen schlechten Fortgang, aber in Wirklichkeit war es wegen einem Mädchen, obwohl der Professor schon 36 Jahre alt war. Heute vorm. war ich mit dem Oswald in der Stadt, Einkäufe besorgen; wir haben die Warth begegnet, nämlich die Elli und – – – den Robert. Der Oswald findet die Elli ganz passabel, aber der Robert ist ein grünes Scheusal, sagt er; und es paßt ihm nicht sagt er, daß er mich so anglozt. Wenn er erst das vom Sommer wüßte! Ich habe den Robert furchtbar von oben herunter behandelt und das hat ihn wütend geärgert. Wenn man Euch Mädeln nur behüten könnte vor all dem Traurigen, was die Welt »Liebe« heißt, sagte der Oswald am Nachhauseweg. Und wie ich anfangen will zu sagen »Ich weiß, daß Du unglücklich liebst und fühle mit Dir«, biegt die Inspee mit ihrer guten Freundin um die Ecke der Bognergasse und es rennen ihnen 2 Offiziere nach, so daß sie uns gar nicht gesehen haben. »Saperment, die Frieda hat sich herausgemausert, das ist ein feiner Bissen«, sagt der Oswald. Solche ordinäre Bemerkungen kann ich nicht ausstehen und ich habe auch den ganzen Weg nicht mehr geredet. Er hat es auch bemerkt und hat zur Mama gesagt: »Der Gretel ist vor Neid der Mund zugefroren«. Weiter nichts. Das ist wirklich infam und ich weiß wenigstens, was ich zu tun habe.

Gott, schnell noch ein paar Worte. Der ganze Weihnachtsabend ist verpatzt. Ein Dienstmann hat für die Dora ein Boukett abgegeben und der Papa ist wütend. Ich möchte nur wissen von wem? Am Ende, gar von den 2 Offizieren heute? Die Inspee sagt natürlich, sie weiß nicht, von wem. Mich wundert nur, daß der Oswald nichts verraten hat. Er sagte nur: Na, das ist auch ein Gusto! Aber der Papa hat ihn gleich recht angefahren: »Du halt das Maul und denk an deine Schweinereien«. Das habe ich ihm gegönnt; ich finde ja auch die Dora nicht so großartig, aber schließlich kann sie ja doch einem gefallen. Im Boukett war ein Gedicht, das hat die Dora schnell heimlich herausgerissen, ehe es der Papa gesehen hatte. Es ist sehr schön und als Unterschrift steht: Einer, dem Sie das Weihnachtsfest verschönern! Und als Überschrift: »Festzauber«. Ich finde es geradezu heroisch, daß die Dora sich nicht verrät; sie behauptet auch zu mir, sie weiß es nicht; wenn das nicht eine ihrer Falschheiten ist. Ich glaube, eigentlich eher wird es von dem jungen Perathoner sein, der immer mit ihr läuft am Eis.

28. Dezember: Ich habe gar keine Zeit gehabt zum Schreiben. Ich habe alles bekommen, was ich mir gewünscht habe. Und von der Tante Dora haben wir jede einen Operngucker aus Perlmutter in Pelüschetäschchen bekommen. Wir werden nämlich in alle Schülervorstellungen gehen, wir haben von Papa die Anweisung bekommen; nämlich die hat er selbst geschrieben für alle Vorstellungen im Schuljahr 19.. bis 19.. Ich freue mich furchtbar, denn die Frau Dr. M. kommt auch. Wenn ich nur neben ihr sitzen könnte.

31. Dezember: Ich habe heute alles durchlesen wollen, was ich geschrieben habe. Aber ich bin nicht dazugekommen. Aber im neuen Jahr muß ich wirklich alle Tage schreiben.

1. Jänner 19..: Wenigstens ein paar Sätze muß ich schreiben. Nachmittags waren wir bei Rydbergs eingeladen und da waren auch die Warth Edle von Wernhoff!! dort. Mit der Lisel habe ich geredet wie gewöhnlich, aber mit dem R. kein Wort. Sie sind früher fort als wir, und da hat mich die Heddy gefragt, was ich mit dem R. gehabt habe. Er hat von mir gesagt: Die schwarze Gans kann mir gestohlen werden. Und dann hat er gesagt, mir kann man alles aufbinden. Ich bin so dumm, daß ich alles glaube. Was das eigentlich heißen soll, weiß ich nicht; denn er hat mir nie etwas aufgebunden. Übrigens werde ich mir nicht den ersten Tag im Jahr durch den verderben lassen. Aber da hat die Hella Recht, wenn man am 1. Jänner einen ordinären Menschen zuerst begegnet, so ist das schon ein schlechter Anfang. Ich begegnete nämlich in der Frühe, wie ich aus dem Tore ging, unseren alten Briefträger, der immer so brummt wenn ihm nicht gleich aufgemacht wird. Ich schaute schnell weg und drüben ging gerade ein feiner junger Herr, aber das nützte nichts mehr, der ordinäre Briefträger war doch der erste.

12. Jänner: Ich ärgere mich furchtbar. Wir dürfen nicht mehr auf Eis gehen, weil die Inspee wieder mit ihren dummen Ohren anfängt und die Mama bildet sich ein, sie hat sich im vorigen Jahr die Mittelohrentzündung am Eis geholt. Also gut, dann soll sie nicht gehen; aber ich? Was kann denn ich dafür, daß sie so empfindlich ist? Der Papa ist sonst wirklich die Gerechtigkeit selber, aber in diesem Falle verstehe ich ihn nicht. Das ist doch einfach lächerlich, das heißt es ist zu traurig, als daß man sagen kann lächerlich. Ich bin empört. Jedenfalls rede ich gar nichts.

12. Februar: Jetzt habe ich ein ganzes Monat nicht geschrieben, weil ich soviel lernen mußte. Und heute haben wir die Zeugnisse bekommen. Im Fleiß habe ich, trotzdem ich so gelernt habe in der letzten Zeit, wieder nur einen Zweier. Die Frau Dr. M. hat eine großartige Ansprache gehalten und hat gesagt: Wie die Saat, so die Ernte. Das ist aber nicht immer wahr. In Naturgeschichte habe ich zweimal nichts gekonnt und habe doch 1 bekommen und in Geschichte habe ich nur einmal nichts gekannt und habe Genügend bekommen. Allerdings kann mich das Fräulein V. nicht leiden, weil ich damals in der Elektrischen nicht gegrüßt habe. Und deshalb hat sie auch im Jänner, wie die Mama nachfragen war, gesagt: »Es fehlt ihr am richtigen Ernst«. Und damals habe ich gehört, wie der Papa zur Mama gesagt hat: Mein Gott, sie ist doch noch ein Kind, aber heute hat er mir doch einen Skandal wegen dem Fleißzweier gemacht. Das hat er doch wissen können. Die Dora hat, wie sie behauptet, lauter Einser, aber sie zeigt das Zeugnis nicht. Und was ich nicht sehe, das glaube ich nicht. Und die Mama verrät sie einfach nicht.

15. Februar: Der Papa ist wütend, weil der Oswald ein Nichtgenügend hat im Griechisch. Eigentlich ist das Griechisch ganz unnötig; denn niemand braucht es, außer die Leute in Griechenland und dorthin geht doch der Oswald ohnehin nie, wenn er auch auf den Landesgerichtsrat studiert wie der Papa. Die Dora lernt natürlich Latein; na, das tue ich mir nicht an. Die Hella hat keine besonderen Noten und ihr Papa tobte!!! Er verlangt, sie soll die Beste sein. Aber sie ist gar nicht so erpicht darauf und sagt: Man muß nicht alles haben. Wenn sie im zweiten Halbjahr nicht lauter Einser hat, darf sie nicht weiter gehen ins Lyz. Sie muß in die Bürgerschule gehen. Dann bringt sie sich um. Der Papa ist auch sehr komisch; Wozu hat man denn Geschichtenbücher, als daß man sie liest. Gestern lese ich im Töchteralbum und der Papa kommt herein und sagt: Du, lies lieber im Geschichtsbüchel als im Geschichtenbuch und schlägt mir das Buch zu. Ich habe einen solchen Zorn gehabt, daß ich mich schon um 7 Uhr ohne Nachtmahl ins Bett gelegt habe.

20. Februar: Heute begegnete ich der Goldfee. Sie redete mich an und fragte, warum ich nicht aufs Eis komme. Das Kostümfest am 14. sei großartig gewesen. Ich sagte: Denken Sie sich Fräulein, meine Schwester hatte im vorigen Jahr Mittelohrentzündung und deshalb dürfen wir beide heuer nicht aufs Eis. Sie lachte furchtbar und sagte so entzückend süß: Ja, die böse Schwester. Sie ist einfach göttlich: Ein rehbraunes Kostüm mit feinem Pelz, ich glaube Zobel besetzt und einen riesigen braunen Kastorhut mit Schinébändern, hochfein. Und dann diese Augen und der Mund. Ich glaube, sie wird den Herrn heiraten, der immer mit ihr gelaufen ist. Wenn wir im Herbst wieder neue Winterkleider bekommen, lasse ich mir ein rehbraunes mit Pelz machen, wir müssen doch nicht immer gleich angezogen sein. Die Hella und die Lizzi sind nie gleich angezogen.

8. März: Mit der Franke spreche ich nie mehr ein Wort; eine solche Falschheit. Ich habe solche Kopfschmerzen, weil ich die ganze Stunde geweint habe. Sie schreibt der Hella und mir in der Rechenstunde auf: Ein Verhältnis heißt ganz etwas anderes. Und das Fräulein schaut gerade her und sagt: Wem hast du zugenickt? Und sie sagt: Der Lainer. Weil sie gelacht hat über das Wort »Verhältnis«. Das war aber wirklich nicht wahr. Ich habe zuerst an garnichts gedacht und erst wie ich den Zettel lese, fällt der Hella und mir ein, was Verhältnis heißt. Nach der Stunde ruft uns das Fräulein St. hinunter ins Professorenzimmer und sagt der Frau Dr. M., daß wir, die Franke und ich, so gelacht haben über das Wort »Verhältnis«. Und die Frau Dr. M. sagt: Was gibt es denn da zu lachen; rechnet lieber ordentlich. Und das Fräulein sagt: Schämt Euch, in der ersten Klasse sollt Ihr solche Sachen gar nicht wissen. Ich werde mir Eure Mutter vorladen. In der Deutschstunde hat die Frau Dr. M. einen Spruch als Aufsatz gegeben: Rein das Herz und wahr das Wort, klar die Stirn und frei das Aug, das sei des Menschen Hort, oder so ähnlich; ich muß es mir von der Hella abschreiben, denn ich habe die ganze Stunde geweint.

10. März: Heute hat sich die Franke herausreden wollen; aber die Hella und ich haben ihr gleich gesagt, wir reden nicht mehr mit ihr. Und sie soll nur dran denken, was für Sachen sie uns gesagt hat. Und da hat sie alles abgeleugnet und gesagt, wir haben ohnehin schon alles gewußt. Wir sollen uns nur nicht so verstellen. Das ist eine Gemeinheit. Wir haben eigentlich gar nichts gewußt und sie hat uns alles gesagt. Und schon oft hat die Hella zu mir gesagt, sie wollte, daß wir garnichts wüßten. Weil sie immer Angst hat, sich zu verraten. Und dann weil sie oft an so etwas denkt, wenn sie lernen soll. Das ist bei mir gerade ebenso. Und manchmal träumen einem auch solche Sachen, wenn man gerade Nachmittag davon geredet hat. Aber es ist doch besser, wenn man alles weiß.

22. März: Ich komme so selten zum Schreiben, erstens haben wir sehr viel zu lernen und zweitens freut es mich nicht mehr, seit der Papa das gesagt hat. Wie ich das letztemal geschrieben habe, das war an einem Samstag nachmittags, da kommt der Papa herein und sagt: Kommt Kinder, wir fahren nach Schönbrunn. Das ist Euch gesünder als Tagebuchkritzeln, das Ihr dann höchstens irgendwo liegen laßt. Also hat die Mama es doch dem Papa gesagt in den Ferien. Das hätte ich nie geglaubt von der Mama, denn ich hatte sie gebeten, sie soll mir schwören, daß sie's niemanden sagt. Und sie hat gesagt: Bei so etwas schwört man nicht; aber ich sage es auch so niemanden. Und jetzt muß sie es doch gesagt haben, obwohl sie es mir versprochen hatte, nichts zu sagen. Da ist ja die Falschheit von der Franke nichts dagegen, denn die kennen wir doch erst seit heuer, aber daß die Mama das tut, das hätte ich nie geglaubt. Ich habe es der Hella erzählt, wie wir aufs Tivoli jausnen gingen und sie sagte, sie würde auch ihrer Mama nicht ganz trauen, eher noch dem Papa. Aber der hätte ihr, wenn ihr das passiert wäre, das Tagebuch um die Ohren gehaut. Ich habe mir nichts anmerken lassen, aber am Abend habe ich der Mama nur ein ganz kleines Bußerl gegeben. Und sie hat gesagt: Was hast du denn, mein Kleines, ist dir etwas passiert? Und da habe ich mich nicht halten können und habe gräßlich geweint und gesagt: Du hast mich schmählich verraten. Und die Mama hat gesagt: »Ich?« Ja, du; du hast dem Papa das vom Tagebuch gesagt, obwohl du mir versprochen hast, nichts zu sagen. Zuerst erinnerte sich die Mama nicht einmal daran; aber dann erinnerte sie sich gleich und sagte: »Aber, Kindchen, der Papa darf doch alles wissen. Du hast doch nur nicht wollen, daß die Dora etwas erfährt«. Das ist wohl wahr, das wäre schon gar schön gewesen; aber der Papa hätte es auch nicht wissen brauchen. Und die Mama war furchtbar lieb und nett und ich ging erst um 10 Uhr ins Bett. Aber sagen werde ich ihr doch auf keinen Fall mehr etwas und das ganze Tagebuch freut mich nicht mehr. Die Hella sagt: Das ist eine Dummheit; deswegen soll ich nur weiterschreiben; aber ein andermal soll ich nichts verlieren, und dann soll ich nicht gleich immer alles der Mama und dem Papa klatschen, Sie sagt ihrer Mama gar nichts mehr, seit damals im Sommer, wo ihr ihre Mama eine Ohrfeige gegeben hat, weil ihr das fremde Mädchen alles gesagt hat. Es ist wahr, die Hella hat recht, ich bin sehr kindisch, daß ich mit allem gleich zur Mama renne und ihr alles erzähle. Und das ist vom Papa auch nicht schön, daß er mich so aufzieht mit dem Tagebuch; wahrscheinlich hat er selber nie eines gehabt.

27. März: Juchu, wir fahren zu Ostern nach Hainfeld; ich freue mich riesig. Die Freundin der Mama wohnt dort und ihr Mann ist dort Doktor, deshalb müssen sie jahraus, jahrein dort wohnen. Voriges Jahr im Winter war sie einmal mit der Ada auf drei Tage bei uns, weil sie augenleidend ist. Die Ada ist zwar beinahe so alt wie die Dora, aber die Dora sagt in ihrer Frechheit: »Nach ihrem geistigen Niwo paßt sie entschieden besser zu dir.« Die Dora glaubt nämlich, so gescheit wie sie, ist kein anderer Mensch. Und zwei Buben haben sie, aber die kenne ich nicht genau, weil sie erst 8 und 9 Jahre sind. Die Freundin der Mama war schon einmal im Irrenhaus, weil sie trübsinnig war, wie ihr kleines Kind mit zwei Jahren gestorben ist. Ich kann mich gut erinnern, das muß vor zwei Jahren gewesen sein, da sagten die Eltern immer, die arme Anna, unter drei Tagen hat sie ihr Kind verloren. Und ich habe geglaubt, wirklich verloren, und habe einmal gefragt, ob sie es schon gefunden haben. Ich glaubte nämlich, im Wald verloren, weil bei Hainfeld soviel Wald ist. Und ich kann seither nicht leiden, wenn jemand sagt verloren statt, er ist gestorben, weil man sich dann nie auskennt, wie es gemeint ist.

Am 8. April fangen die Osterferien an und wir fahren am 11., am Gründonnerstag.

6. April: Ich weiß nicht, wie ich das machen soll mit dem Tagebuchschreiben. Mitnehmen will ich es eigentlich nicht und mir alles merken und dann nachher alles schreiben, das weiß ich, das tue ich dann nicht. Die Hella meint, ich soll mir Schlagwörter, so sagt immer die Frau Dr. M., aufschreiben in Hainfeld und dann wenn ich zurückkomme, alles ordentlich aufschreiben. Sie macht es auch so. Sie fahren nämlich auf die Brionischen Inseln. Ich war noch nie am Meere. Die Hella sagt aber, es ist gar nicht so großartig. Sie war schon viermal. Aber sie ist nicht gar so vernarrt wie alle anderen Leute. Also muß es nicht so wunderbar sein. Und ich denke mir's auch ziemlich fad.

12. April: Gestern angekommen. Ada sehr lieb und die zwei Buben furchtbar ordinär. Der Ernstl sagt zur Ada: Ich geb dir ein Paar am A..., wennst nicht augenblicklich mein Revolver hergibst. Die Ada ist schon so groß wie ihre Mama. Sie reden alle etwas bäurisch. Auch der Herr Doktor. Er trinkt furchtbar viel Bier, ich glaube 8 l.

14. April: Heute Papa nachgekommen. Hat den Herr Doktor riesig gern. Haben sich geküßt. Da hab ich furchtbar lachen müssen. Vormittag waren wir im Wald; aber es sind noch keine Veilchen, nur ganz wenig Schneeglöckchen, aber dafür riesig viel Nießwurz, ganz rote.

15. April: Gestern um 4 Uhr Auferstehung. Wir waren nicht drinnen in der Kirche, weil die Mama Angst hatte, der Dora wird schlecht vom Weihrauch und vom Stiefelgeruch. Solche Faxen! Es war sehr schön. Heute nachmittags fahren wir in die Ramsau, dort ist es sehr schön.

16. April: Heute ist der Papa weggefahren. Morgen fahren wir. Zu Pfingsten wird die Ada von der Mama zur Firmung geführt. Da kommen alle zu uns. In der Ramsau bin ich im Sumpf stecken geblieben. Das war wirklich gräßlich. Aber der Herr Doktor hat mich herausgehoben. Und dann haben wir furchtbar gelacht, wie meine Schuhe und die Strümpfe ausgeschaut haben. Zum Glück habe ich mich an einem Baumstumpf halten können, sonst wäre ich untergesunken.

18. April: Die Hella sagt, es war großartig auf den Brionischen Inseln. Sie ist ganz dunkelbraun. Aber das habe ich nicht gern, und drum gehe ich nie in meinem Leben nach dem Süden. Die Hella sagt zwar, wenn man im Winter heiratet, muß man die Hochzeitsreise nach dem Süden machen. Aber ich sehe das gar nicht ein, ich verschiebe es einfach auf den Sommer.

Die Ada ist erst dreizehn, nicht vierzehn wie die Dora, und der Herr Pfarrer schimpft furchtbar, daß sie noch nicht gefirmt ist. Die Mama führt sie heuer zur Firmung. Wir werden nicht gefirmt, weil die Eltern niemand bitten wollen. Aber ich möchte schon gefirmt werden, denn da muß man eine Uhr kriegen und kann sich zu Weihnachten etwas anderes wünschen.

21. April: Wir haben wahnsinnig viel zu lernen. Denn der Herr Landesschulinspektor wird bald kommen. Das ist immer sehr unangenehm. Die Mme. A. sagt zwar: die Inspektion gilt den Lehrkräften und nicht den Schülern. Aber trotzdem ist es auch für die Schülerin greulich. Erstens weil sie sich blamiert und zweitens die Geschichten, die die Lehrkraft dann hinterdrein macht. Die Dora sagt, eine ungünstige Inspektion kann einem die Note um zwei Grade verschlechtern. Da fällt mir gerade ein, daß ich noch gar nicht geschrieben, warum der Oswald zu Ostern nicht da war. Er durfte nämlich, obwohl er durchaus keine guten Noten hat, nach Pola zur Tante Alma fahren, weil der Richard heuer das letztemal in die Ferien kommt. Dann fährt er auf drei Jahre mit dem Dampfer Ozean nach dem Orient oder in die Türkei oder nach Persien, das weiß er noch nicht genau. Wenn der Oswald Lust hat, geht er auch zur Marine in zwei Jahren.

9. Mai: Heute war der Herr Landesschulinspektor da, zuerst in Naturgeschichte, da kam ich, Gott sei Dank nicht dran, und dann in Deutsch; da kann ich dran, beim Lesen und bei der Inhaltsangabe der wandelnden Glocke. Gott sei Dank hab' ich alles können.

14. Mai: Heute ist der Geburtstag von der Mama. Wir haben absolut keine Zeit gehabt, ihr etwas zu arbeiten, so haben wir eine wunderbare elektrische Lampe für den Nachttisch gekauft, der Knopf ist eine herabhängende Weintraube und der Ständer ist aus Messing. Sie hat eine große Freude gehabt. Gestern war die Frau v. R. da, das ist eine Freundin der Mama und von der Mama der Hella. Bei der Frau v. R. möchte ich sehr gern Klavierstunden haben, sie gibt nämlich welche, seit ihr Mann, der Major war, gestorben ist, obwohl sie reich ist.

15. Mai: Das wegen der Inspektion muß doch wahr sein; der Prof. Igel-Nickel sagte heute in der Pause zum Herrn Religionsprofessor: Also jetzt kommt er noch die ganze Woche und dann sind wir für dieses Jahr sicher. Wir, das heißt natürlich die Lehrkräfte. Aber eigentlich können die Lehrkräfte nicht immer etwas dafür, wenn die Schüler nichts können. Der Oswald sagt zwar, ja es ist einzig und allein ihre Schuld. Ich bin auch froh, wenn die Inspektion vorüber ist. Die Lehrkräfte sind ganz anders, wenn der Herr Inspektor da ist, manche sind besser, manche sind strenger und die Mme. A. sagt: Es ist ihr immer ganz schlecht vor Angst.

29. Mai: Zu Pfingsten war die Frau Dr. Haslinger aus Hainfeld mit der Ada und den zwei Buben da wegen der Firmung. Am Pfingstsonntag ist auch der Herr Dr. gekommen und abends sind alle wieder gefahren. Die Ada ist sehr schön, aber sie sieht doch bäuerisch aus. Ich lasse mich auf keinen Fall firmen, wir mußten drei Stunden warten, obwohl der Freitag vor Pfingsten ein sehr feiner Tag ist. Die Dora war gar nicht mit; nur die Mama und ich und die Ada und ihre Mama. Alle Bandl-Frauen glaubten, ich sei auch ein Firmling, weil ich auch weiß angezogen war. Das hat die Ada auch ein bischen gefuchst. Am Samstag waren wir vor- und nachmittags in der Stadt, weil das der Ada lieber war als auf den Kahlenberg; Sonntag vormittags in Schönbrunn und nachmittags fuhren sie schon weg. Die Uhr, die Ada bekommen hat, war sehr schön, und von der Dora und mir extra ein goldenes Halskettchen. Sie hat sich sehr gefreut, nur hatte sie Sonntag nachmittags greulich Kopfweh. Weil sie den Stadtlärm nicht gewöhnt ist.

31. Mai: Die Ada weiß auch schon Verschiedenes, aber nicht alles. Einiges habe ich ihr gesagt. Heuer im Winter hat sich ein Mädchen in H. ins Wasser gestürzt, weil sie ein Kind bekommen sollte. Da waren alle sehr aufgeregt und da hat ihre Mama einiges gesagt, aber eben nicht alles. Die Ada hat schon einmal gesehen, wie eine Hündin ihre Jungen bekommen hat, aber das hat sie ihrer Mama nicht gesagt; denn die wäre wahrscheinlich sehr böse darüber gewesen. Aber sie konnte nichts dafür, der Hund gehörte dem Herrn, der neben ihnen wohnt und da hat sie gerade in den Flur gesehen. Und die Ada erwartet es täglich, da sie schon bald 14 Jahre wird. Jedes große Mädel in H. hat einen Verehrer. Die Ada sagt, sobald sie 14 Jahre ist, bekommt sie auch einen; sie weiß schon, wen.

3. Juni: Heute hat die Ada geschrieben, bei der Mama hat sie sich für die Firmung bedankt und mir hat sie extra geschrieben. Es ist eigentlich komisch, daß sie nicht mit der Dora gute Freundin geworden ist, sondern mit mir. Aber ich glaube, die Dora redet nicht solche Sachen, höchstens mit ihren Freundinnen im Lyz. besonders mit der Frieda Ertl. Und drum hat die Ada mit mir Freundschaft geschlossen, obwohl ich gerade um zwei Jahre jünger bin. Sie ist wirklich ein liebes Mädel.

19. Juni: In unserer Klasse kommt fortwährend etwas weg, zuerst die Überschuhe der Fleischer, dann meine neuen Handschuhe und jetzt schon dreimal Geld und heute das neue Täschchen vom Fräulein Steiner. Es war eine große Untersuchung. Aber es ist nicht herausgekommen. Wir glauben alle, es ist die Schmolka. Aber niemand will es sagen. Wir haben heute gar nicht aufgepaßt in der Stunde, besonders wie die Sch. um ½12 hinausgegangen ist.

20. Juni: Auf unserem Klosett hat die Schuldienerin abgefallene Perlen gefunden, aber da sie nichts wußte, hat sie sie auf den Mist geworfen. Ob wirklich die Sch.? das wäre furchtbar gemein. Das Frl. St. ist schrecklich aufgeregt, weil sie das Täschchen von ihrem Bräutigam zum Geburtstag bekommen hat und weil seine Photographie drin war. Eigentlich tut mir aber die Sch. doch leid. Niemand redet mit ihr, obwohl es gar nicht bewiesen ist. Sie ist furchtbar blaß und hat immer Tränen in den Augen. Und die Hella meint auch, sie ist es vielleicht doch nicht, denn sie ist einer von den Lieblingen vom Frl. St. und sie hat sie auch sehr gern. Sie trägt ihr immer die Hefte nach Hause.

22. Juni: Unser Klosett war verstopft und wie der Schuldiener nachschschaute, fand er das Täschchen. Aber was hat das Fräulein davon; sie kann es doch unmöglich mehr brauchen. Wir haben die ganzen Stunden gelacht, so oft wir eins das andere anschauten und die Lehrkräfte haben furchtbar geschimpft. Nur die Frau Dr. M. sagte: »Ich bitt' Euch, jetzt lacht Euch offen aus über die in jeder Hinsicht unappetitliche Geschichte und dann basta.«

23. Juni: Heute war ein Skandal. Die Verbenowitsch sammelt die Deutschhefte ab und wie ihr die Sch. ihr Heft geben will, sagt sie: Bitte das Heft persönlich abzugeben; ich will mit (dann machte sie eine lange Pause) Ihnen nichts zu tun haben. Wir waren alle ganz entsetzt und die Sch. war so weiß wie die Wand. Um 10 Uhr bat sie, nachhausegehen zu dürfen, weil ihr schlecht sei. Morgen wird jedenfalls ihre Mama kommen.

24. Juni: Die Mama der Sch. war nicht da. Die Verbenowitsch sagt: Natürlich nicht! Die Sch. war auch nicht da. Die Hella sagt, sie würde so etwas nicht auf sich sitzen lassen, sie würde sich ins Wasser stürzen. Also, eigentlich ins Wasser stürzen, das tut man doch nur aus anderen Gründen. Aber ich würde es meinem Papa sagen, damit er in die Schule geht. Die Franke sagt: Ja, das ist alles recht schön, weil Ihr es nicht getan habt; aber wenn eine es getan hat, dann traut sie sich garnichts zu sagen zu Hause. Übrigens ist der Vater der Sch. schwer krank, er ist ganz gelähmt und liegt schon seit zwei Jahren im Bett und kann nicht reden.

27. Juni: Heute sind die Hella und ich mit der Frau Dr. M. gegangen. Eigentlich geht sie nie mit jemanden, aber die Hella ist auf einmal von mir weggerannt und zu der Frau Dr. hin und sagt: Bitte schön, Frau Dr. um Verzeihung, daß ich Sie auf der Gasse belästige; wir müssen Sie sprechen. Und sie war ganz rot dabei. Da sagt die Frau Dr.: »Was ist denn?« Und die Hella sagt: »Kann man nicht herausbekommen, wer das Täschchen genommen hat? Wenn es die Sch. doch nicht war, so kränkt sie sich zu Tod, wie die Kinder sie behandeln, und wenn sie es war, dann dulden wir sie nicht mehr unter uns.« Die Hella war wirklich großartig und die Frau Dr. M. hat sich alles von uns erzählen lassen, auch das von der Verbenowitsch mit den Heften; wir haben deutlich gesehen, sie hatte Tränen in den Augen, und sie sagte: »Das arme Kind! Kinder, ich werde mich ihrer annehmen, das verspreche ich Euch.« Und wir küßten ihr beide die Hand und mir klopfte das Herz bis zum Hals. Und die Hella sagte: »Sie sind ein Engel.« So etwas bringe ich nie heraus.

28. Juni: Heute war die Sch. wieder da, aber die Frau Dr. M. hat nichts gesagt. Wir, die Hella und ich, haben sie fortwährend angeschaut und die Hella hat sich dreimal geräuspert und da hat die Frau Dr. gesagt: Bruckner, höre doch auf mit deinem Räuspern; davon werden deine Halsschmerzen nur ärger. Aber mir scheint, sie hat dazu mit den Augen gezwinkert. Also vergessen hat sie nicht. Ich wollte zu der Sch. reden, aber die Hella sagte: Warte noch, wir dürfen der Frau Dr. nicht vorgreifen. Jetzt hat sie alles in die Hand genommen. Morgen vor neun gehen wir vor ihrem Hause auf- und ab, bis sie kommt.

30. Juni: Gestern war leider Feiertag und heute hatte die Frau Dr. erst um 11 Uhr Unterricht. Aber sie hat schon mit der Sch. geredet, nur wissen wir nicht, wann und wo; in der Pause bestimmt nicht, und während der Stunde ist die Sch. nicht geholt worden.

1. Juli: Heute gingen wir mit ihr. Gott, sie ist so süß. Liebe Kinder, sagt sie, das ist eine so traurige Sache, in der man auf keinen Grund kommt. Die Sch. behauptet fest und steif, sie war es nicht und seht Kinder, ob sie es tat oder nicht, diese Tage brennen sich ihr unauslöschlich in die Seele ein und die Hella fragte: »Bitte Fr. Dr. geben Sie uns einen Rat, was sollen wir tun, mit ihr reden oder nicht?« Da sagte sie: Kinder, ich glaube, daß sie nach dieser Sache im nächsten Jahr nicht mehr zu uns kommen wird; Ihr tut ein gutes Werk, wenn Ihr ihr die letzten Tage erträglich macht. Intim wart Ihr ja nie mit ihr, aber ein paar freundliche Worte schaden Euch nicht und können sie stützen. Und Ihr 2 habt ein großes Ansehen in der Klasse; Euer Beispiel wird gut wirken. Wir gingen bis zur Schule mit ihr und deshalb konnten wir ihr nicht die Hand küssen; aber die Hella sagte ganz laut: Gott, wie himmlisch süß! Sie muß es gehört haben. Aber die Sch. war nicht in der Schule. Der Papa sagt, er ist froh, bis Schulschluß ist, denn ich bin schon ganz verrückt wegen der Geschichte. Aber er ist doch dafür, daß wir, ich und die Hella, etwas zur Sch. sprechen. Und die Mama auch. Nur die Dora sagte: Ja, es ist ganz recht, aber doch ein wenig reserviert.

5. Juli: Die Sch. war nicht mehr in der Schule. Morgen bekommen wir die Zeugnisse.

6. Juli: Wir haben furchtbar geweint, ich und die Hella und die Verbenowitsch, weil wir jetzt beinahe drei Monate die Frau Dr. M. nicht sehen werden. Ich habe nur in Geschichte und Naturgeschichte 2, sonst lauter 1. Die Franke sagt: Wer dem Professor Igel-Nigl nicht zu Gesicht sieht, kann lernen, daß er krumm und dumm wird und er kriegt doch keinen Einser. Der Papa ist sehr zufrieden. Die Dora hat natürlich lauter Einser und die Hella drei Zweier. Und die Lizzi, mir scheint, auch drei oder vier. Der Papa hat uns jeder ein 2 K-Stück geschenkt, die können wir verjuxen, hat er gesagt. Und von der Mama haben wir Spitzenkragen bekommen.

9. Juli: Wir gehen heuer nach Hainfeld, das ist fein, ich freue mich schon; aber erst am 20., weil der Papa nicht früher Urlaub bekommt und die Mama mag den Papa nicht so lange allein lassen. Überhaupt wegen der paar Tage. Nur leider ist die Hella schon fort, heute früh nach Parsch bei Salzburg; das Wort ist so unangenehm und die Hella geniert sich auch sehr, es zu sagen; wie man einem Ort einen so ordinären Namen geben kann. Sie haben eine ganze Villa gemietet.

12. Juli: Es ist greulich fad. Fast jeden Tag habe ich einen Streit mit der Dora, weil sie sich so viel einbildet. Gestern kam der Oswald. Er ist furchtar fesch, beinahe so groß wie der Papa, das heißt um einen Viertelkopf kleiner, aber der Papa ist eben riesig groß. Und dann hat er eine ganz tiefe Stimme, die hatte er früher nicht. Und die Haare hat er schief abgeteilt, das steht ihm sehr gut. Er behauptet, er bekommt schon einen Schnurrbart, aber das ist nicht wahr; den müßte man doch sehen; fünf Haare sind doch kein Schnurrbart.

19. Juli: Gott sei Dank, übermorgen fahren wir endlich. Der Papa wollte, die Mama sollte mit uns vorausfahren, aber sie wollte nicht. Aber eigentlich wäre es ganz gut gewesen.

24. Juli: Wir wohnen nur drei Häuser weit von H. entfernt. Die Ada und ich sind den ganzen Tag beisammen. Und von der Dora ist zufällig eine Schulkollegin da, die sie ganz gut leiden kann, die Rosa Tilofsky. Der Oswald sagt: Hainfeld ist zum Buckligwerden fad; er wird sich irgendwo von einem Freund einladen lassen. Hier bleibt er auf keinen Fall die ganzen Ferien. Von der Ada sagt er: »Ländliche Einfalt«. Wenn er wüßte, wieviel die weiß. Und die Rosa T. nennt er einen Wimmerlkomplex, weil sie zwei oder drei Wimmerln hat. Überhaupt hat der Oswald an jedem etwas auszusetzen: Von der Dora sagt er: Sie ist ein grüner Frosch, weil sie immer so blaß ist und kalte Hände hat und von mir sagt er: Da kann man überhaupt noch gar nichts sagen: »Das ist noch ein ganz unreifer Embryo.« Gott sei Dank, weiß ich aus der Naturgeschichte, was ein Embryo ist, nämlich ein kleiner Frosch. »Ich habe mich wütend geärgert und da hat der Papa gesagt: Tröst' dich, er ist auch noch lange kein Mann, sonst wäre er höflicher gegen seine Schwestern und deren Freundinnen.« Das hat ihn sehr geärgert und seither redet er kein Wort, wenn die Ada und die Rosa mit uns zusammen sind. Jetzt kommt bald mein Geburtstag, da werde ich, Gott sei Dank, zwölf, und dann noch zwei Jahre, dann bin ich 14; auf das freue ich mich riesig. Heute hat mir die Hella geschrieben zum zweiten Male. Sie fährt im August nach Ungarn zu ihrem Onkel, der hat ein großes Gut und dort lernt sie reiten.


 << zurück weiter >>