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3. Medschlis.

Die Badefrau ließ mir schon in aller Frühe durch Mustafa melden, daß das Hamam Hamam = Bad. bereit sei. Ich gab Jussuf den Auftrag, den übrigen Hannums hiervon Mitteilung zu machen, denn es war Sitte, daß alle Frauen des Harems an einem Hochzeitsbade teilzunehmen hatten. Dies war auch die erste Gelegenheit, die neue Gemahlin des gemeinsamen Herrn und Gatten in ungekünstelter Schönheit kennen zu lernen, während die Aufnahme in die häusliche Gemeinschaft und die gesetzliche Gleichberechtigung erst nach vollzogener Hochzeitsnacht erfolgte. Ich wunderte mich deshalb nicht, als Jussuf gleich zurückkehrte und mir berichtete, daß Hassa schon auf uns wartete und die übrigen Frauen in kürzester Frist mit ihren Vorbereitungen zu Ende sein würden. Es scheint, als ob Eifersucht und Neugierde, zwei bekannte weibliche Eigenschaften, die Frauen um ihre Nachtruhe gebracht hätten, da sie sonst zu so früher Stunde erst mit dem zweiten Schlaf begannen. – –

Als ich Schekerpara aufsuchte, hatte auch sie bereits alle Vorkehrungen getroffen und ließ sich gerade von ihrer Schwester, die heute den Harem verlassen mußte, in einen dichten Schleier hüllen. Ich gab nun den Befehl zum Aufbruch und geleitete die gesamten Insassen des Harems – auch die Sklavinnen hatten an dem Bade teilzunehmen – in das schöne runde Badehaus, das sich in der Mitte unseres Hofes befand. Im Vorraum erwartete uns die Badefrau, die auch den Dienstboten des Kochs, die sich ebenfalls einstellten, die für den heutigen Tag bestimmten Speisen abnahm. Mein Gemüt erheiterte sich, als ich Dolmades Dolmades = gehacktes Fleisch mit Reis und Zwiebeln in Weinblätter eingerollt. roch, mein Leibgericht. Ich sagte mir, ein Tag, der in seinen ersten Stunden schon solche Beglückungen in Aussicht stellt, wird ein glückliches Ende haben und die Dolmades werden ein gutes Omen für das Schicksal der badenden Jungfrau sein. Dann schickte ich die drei Eunuchen auf den Hof, um Wache zu halten und ließ mich selbst im Vorraum häuslich nieder, während die Badefrau die Tür zum eigentlichen Bad öffnete und mit dem Wunsche: Güleh, güleh gelirinis! Güleh, güleh gelirinis = lächelnd sollst du wiederkommen. die Frauen und Sklavinnen hineinließ.

Der Mangal Mangal, das offene Kohlenbecken im Bade, das die schweißtreibende Hitze erzeugt. in der Mitte des Baderaums dampfte und verbreitete eine heiße trockene Luft, die sich bei der halbgeöffneten Tür auch in den Vorraum drängte und aus meiner faltenlosen Stirn Schweißperlen herauspreßte. Der aromatische Duft der Mokkatiegel, die auf den glühenden Kohlen standen, zog zu mir herüber, und ich freute mich, als mir die Badefrau mit einem Segenswunsch Kaffee, Brot und Schafkäse überbrachte. Ich aß und trank mit Behagen und sah, wie die Frauen und Sklavinnen ebenfalls ihr Frühstück einnahmen und sich dabei zu entkleiden begannen, wobei die Dienerinnen hilfreich zur Hand gingen.

Aischa und Walide waren zuerst entblößt, dann folgte Hassa. Schekerpara schien etwas befangen zu sein, so daß sich ihr Hassa näherte und mit den Worten: »Du Täubchen meines Gatten, lege die Hülle ab, die deinen jungfräulichen Leib bedeckt!« die Nebenbuhlerin zu entkleiden begann. Die beiden anderen Frauen näherten sich ebenfalls und mit einem kaum unterdrückten Ruf der Bewunderung sahen sie der jungen Braut ins Antlitz. Und als die letzte Hülle gefallen war und sich Schekerparas herrliche Gestalt von der Rückseite in ihrer strahlenden Schönheit zeigte, paarten sich jetzt Erstaunen mit Neid und Eifersucht und drängten, die Schwelle der Lippen in Wortgebilden zu überschreiten. Die Walide, die ihre mütterliche Würde bewahren wollte, sagte ohne äußere Erregung: »Unser Herr und Gebieter hat einen guten Geschmack bekundet. Wie der Mond unter Sternen die Blicke auf sich lenkt, so wird sie unsere Reize verdunkeln. Und diese aufblühende Lotosblume wird ein Born des Glücks in unserem Hause sein. Seht, wie sie sich im Gehen wiegt, wie ein tändelnder Schwan, und wie die Fülle ihrer Haare sich um den Nacken schmiegt, wie ein Mantel der Nacht!« Aischa vermochte ihrem Entzücken keinen wörtlichen Ausdruck zu geben, um so mehr wies sie in Gebärden auf die schönen Linien der Körperformen hin und nickte bejahend zur Walide hinüber. In Hassas Zügen aber machte sich Mißgunst und Eifersucht deutlich bemerkbar. Ihre Wangen glühten, ihr scharfer Blick wurde noch stechender als sonst, und ihr Mund verzog sich zu einem höhnischen Lächeln, als sie sprach: »Seht, ihre Augen sind lebhaft wie Schwärme lüsterner Bienen, ihre Lenden zucken in leidenschaftlichem Begehren, sie kann die Nacht des Eintritts kaum erwarten, tröstet sie, Schwestern, bevor sie vor Sehnsucht vergeht!« Dann trat sie auf Schekerpara zu und drehte sie um. Ein dreifacher Schrei der Entrüstung drang durch den Baderaum. Schekerpara zeigte ihre blendende Schönheit auch von der Vorderseite, und ihr Busen glich zwei ausgereiften vollsaftigen straffen Orangen. Auf der Brust hing an einem silbernen Kettchen die Chamsa Chamsa = Amulett gegen den bösen Blick, eine Hand aus roter Koralle. herab, das bekannte Amulett gegen den Ain Ain = der böse Blick., das in dieser Umgebung wahrlich nicht unbegründete Berechtigung hatte, denn der bösen Blicke gab es viele.

Was aber die Rufe des Entsetzens hervorgebracht hatte, die sich den bedrückten Seelen der Hannums entrangen, war nicht die Chamsa, sondern die Merkwürdigkeit, daß der Körper der Braut mit Haaren bedeckt war.

In ihrem Groll fuhr Hassa die fragend um sich blickende und etwas verängstigte Schekerpara an: »Auf welcher verrotteten Erde bist du gewachsen, mein Täubchen, die du eher einem Igel als einem gläubigen Weibe gleichst? Welche Mutter hat dich aufgezogen und dir, den Vorschriften des Korans zum Trotze, die garstigen Haare der Mannbarkeit belassen? Weißt du nicht, daß eine Moslemin an jedem Freitag alle Härchen, die auf ihrer Zierde hervorsprießen, zu entfernen hat?! Gedulde dich, ich werde deinem Gatten behilflich sein, deine Zierde ohne Beschattung zu küssen!« Mit diesen Worten holte die Wütende ein zangenähnliches Instrument aus Holz, das sich zu diesem Zwecke in jedem Bade befindet, herbei und begann, der Schekerpara an ihrer heiligsten Stelle die Härchen mit Gewalt auszureißen.

Zuerst ließ die Braut mit Geduld alles über sich ergehen. Als sie aber von Schmerzen fast betäubt wurde, fing sie zu jammern und zu klagen an, so daß Walide und Aischa Mitleid mit ihr empfanden und die Hassa zwangen, von ihr abzulassen. Es wurde nun die Badefrau herbeigerufen, die jenen Körperteil mit Aurumsalbe bestrich, wodurch die Haare nach kurzer Zeit von selbst ausfielen. In derselben Weise wurden auch die Achselhöhlen behandelt.

Da infolge der Hitze bei allen Frauen der Schweiß heftig ausgebrochen war und das Wasser teils perlend, teils strömend die Körper bedeckte, hatten die Badefrau und die Sklavinnen alle Hände voll zu tun, die Frauen mit wohlriechenden Seifen zu bestreichen und mit lauwarmem Wasser, das in Kannen auf dem Kohlenbecken stand, zu waschen. Dann wurden die also Gepflegten auf Diwans gelegt, die sich an den Wänden entlang zogen, gerieben und geknetet und in Tücher gehüllt, um sich, von den Strapazen ermattet, der Ruhe hinzugeben. Hierauf behandelten die Sklavinnen sich gegenseitig in derselben Weise. – – – – – – – – –

Nach längerer Zeit ging die Badefrau herum und reichte Dolmades, Eier und Obst. Ich hatte nach dem ersten Imbiß mich ebenfalls einer behaglichen Verdauung überlassen und war nach dem meine Nerven anstrengenden erregten Auftritt etwas eingeschlummert. Beim Anblick der mir nun in Fülle überreichten Dolmades, Eier und Früchte öffneten sich meine Augen sofort wie vom Tau benetzt und blickten begehrend und befriedigt auf die vor mir aufgestellten Leckerbissen. Ich versprach meinem Magen, bei der nun beginnenden feierlichen Verrichtung des Einverleibens die nötige Hingebung nicht fehlen zu lassen.

Inzwischen hatte mein Herr und Gebieter kostbare Salben, Rosenwasser und herrliche Blumen für seine Braut geschickt. Als Schekerpara sich erhob, begann die Badefrau, unterstützt von den Sklavinnen, mit einer umständlichen Salbung und Parfümierung des ganzen Körpers. Auch die Haare wurden gesalbt und mit Rosenwasser bespritzt, gescheitelt, in Zöpfe geflochten und mit Blumen geschmückt. Dann hielt ihr die Badefrau der Sitte gemäß den Spiegel Zur Verhütung von Kopfschmerzen. vor das Gesicht. Zum Schluß wurden die Nägel der Hände und Füße, die Handflächen und Fußsohlen mit Henna gefärbt Blätter der Lawsonia alba.. Die anderen Hannums hatten ihre Salben und Schönheitswasser selbst mitgebracht und ließen sich auf ihre Art pflegen.

Nachdem die zeitraubende Arbeit des Ankleidens vollbracht war, – die Sonne stand schon in der zweiten Hälfte des Himmels –, geleitete ich die Frauen und ihre Dienerschaft wieder in den Harem zurück.

Schekerpara, deren der aufmerksame Bräutigam wohl ständig gedacht haben mochte, fand ihre Gemächer mit Blumen, sie selbst die schönste und duftendste unter ihnen, geschmückt und auf einem mit Schildpatt und Elfenbein reich verzierten Tisch eine Fülle von kostbaren Geschenken, Süßigkeiten und Unterhaltungsspielen, in deren Gesellschaft sie wohl die Zeit der Einsamkeit, die ihr nun bevorstand, ohne Langeweile verbringen dürfte. Aber auch sonst waren unsichtbare Hände im Hause tätig gewesen, um den heutigen Gesellschaftsabend würdig vorzubereiten. Der Lichthofsaal war mit Girlanden und Blumen geschmückt, und für jede Hannum und die gesamte Dienerschaft waren Geschenke und Kästchen mit Süßigkeiten niedergelegt. Ich bekam ein schönes schwarzes Gewand aus feinstem Stoff und eine goldne Halskette mit einer großen Münze daran, auf deren einen Seite sich die Schriftzeichen meines Gebieters und auf der anderen Seite in Würdigung meines erhabenen Berufes sich ein großes feingeschnittenes Auge befand. Die Hannums wurden ebenfalls mit Kleidern und seidenen Tüchern bedacht, während die Sklavinnen und Eunuchen bunte Stoffe und Geld erhielten, worüber sich alle herzlichst freuten.

Ich beschloß, zur Feier des Abends meinen neuen Schmuck sofort anzulegen, um mich den Besucherinnen in meiner imponierenden Erhabenheit zu zeigen. Inzwischen nahm die Anrichtung des Festmahls ihren Fortgang. Wie am vergangenen Abend wurden in langer Reihe Schüsseln und Platten, Kuchen und Süßigkeiten, Erfrischungen und Blumengewinde hereingetragen, und wie am vergangenen Abend labte ich mich an den herrlichen Leckereien und bat Allah, mir recht oft solche Feste zu bescheren. Und wie gestern schwirrte auch heute die Schar der Besucherinnen kreischend, lachend, rufend, schwatzend wie schnabelklappernde Kraniche herein, etwa zwanzig Frauen in den verschiedensten Altersstufen, unter ihnen sogar ein Großmütterchen gebeugten Nackens, die Suleika gerufen wurde. Es war mir unmöglich, die Namen aller bei dem Durcheinander der Stimmen zu vernehmen, jedoch habe ich diejenigen, die einen besonderen Eindruck hervorriefen, meinem Gedächtnis eingeprägt. Die alte Dame, die mehr als ein Menschenalter zu tragen hatte, war von einer jüngeren Hannum, ihrer Tochter namens Rukeija, die sicher schon seit Jahren Nene Nene = Großmutter. genannt wurde, begleitet. Eine Frau, die Chadidscha hieß und die Gattin eines hohen Staatsbeamten sein soll, zeichnete sich durch zurückhaltendes, vornehmes Wesen und gewinnende Gesichtszüge aus. Weniger angenehm wirkte das laute Benehmen einer jüngeren Dame, die sich Seinab rufen ließ und einen Nekim Nekim = Arzt. zum Eheherrn hat. Schweigsamer und etwas träumerisch blickte eine wohlhabende Kaufmannsfrau Mecher in den Saal. Sie beteiligte sich überhaupt nur an der Unterhaltung, wenn sie mit verzücktem Augenaufschlag schwärmerisch ihre Meinung äußern konnte. In ähnlicher Weise, aber viel lebhafter und immer ein fröhliches Lächeln auf den gefärbten Lippen, benahm sich eine Frau Kiraz, die Gattin eines reichen Geldwechslers und Kamelhändlers. Die Rolle der Uebermütigsten aber fiel einer Lale zu, der Frau eines wegen seiner Kunstfertigkeit bekannten Goldschmieds, die etwa zwanzig Jahre zählte, jugendfrisch und hübsch von Angesicht war, und deren Gold- und Juwelenschmuck an Wert eine Kamelherde übertraf.

Es bleibt sich gleich, ob ich sieben Frauen beschreibe oder siebzig, bei allen sind dieselben Vorzüge und Nachteile. Und wenn ich mir vorstelle, daß ich selbst einen Harem hätte und den ganzen Vogelschwarm im Saale als meinen Besitz betrachten sollte, wandelt mich ein Schwächegefühl an, das von meinen Fußspitzen beginnt, den ganzen Leib in Windungen durchzittert und aus meinem letzten Haupthaare schmerzhaft entweicht. Allah sei gepriesen, daß er mich zu dem gemacht hat, was ich bin!

Das Stimmengewirr wurde nur wenig übertönt durch die Musik der Sklavinnen, und es trat nur eine kurze Pause ein, wenn eines der Mädchen ein Lied sang. Die Tänzerinnen, die heute auftraten, waren von anderer Art; sie hatten spanische Tracht, bedienten sich farbiger Schleier bei ihren schrittartigen Bewegungen und anmutigen Windungen des Körpers und begleiteten den Rhythmus des Tanzes mit Kastagnetten und Tamburins. Zwei Tänzerinnen ohne Schleier machten mit einer Art Mandoline und Laute die Musik dazu, was alles sehr gefällig aussah und harmonisch klang. Der Beifall war sehr geräuschvoll und die Freigebigkeit der Hannums sehr groß, so daß die Sklavinnen und Tänzerinnen ihre Freude offen bekundeten und ihre Darbietungen mehrfach wiederholten.

Diese Unterhaltungen für Auge und Ohr und die dauernde Beschäftigung des Mundes mit Leckereien und Erfrischungen hinderte aber nicht, daß dieselben Lippen sich ebenso dauernd bewegten, um der süßen Sprache Töne miteinander auszutauschen. Und diese Uebung war mit so wenigen Unterbrechungen verbunden, daß man den Eindruck hatte, es gelte heute abend den ganzen Koran und sämtliche Bücher der Sunna Sunna = Ergänzungen des Korans. vorzutragen.

Wovon bei der Festtafel gesprochen wurde, bedarf keines weiteren Hinweises, denn die Liebe unter allen Arten des Fühlens und Denkens, die eigene Geschlechtlichkeit und ähnliche Abhandlungen bilden den einzigen Unterhaltungsstoff der Frauenwelt, falls nicht von prächtigen Gewändern, Salben und Wohlgerüchen die Rede ist. Hierzu gesellte sich heute abend noch ein anderes Angriffsobjekt der Zunge, das um so geeigneter war, als es den Vorzug hatte, von dieser Gesellschaft durch eine Anzahl von Wänden getrennt zu sein, nämlich Schekerpara.

Die Besucherinnen wußten, daß heute der Badetag war, und es dauerte auch nicht lange, da machte Frau Lale die erste neckische Bemerkung über die einzige Jungfrau im Hause der Glückseligkeit, deren Sabah Sabah = der Morgen. Bezeichnung der Jungfernschaft. in der zweitnächsten Nacht geopfert werden würde. Alle Tischgenossinnen griffen diesen Unterhaltungsbissen sofort auf, und es hagelte eine Flut von Fragen über die Beschaffenheit der zukünftigen Chasseki.

Die Walide und Aischa schilderten wahrheitsgemäß den heute im Bade empfangenen Eindruck von der wunderbaren Schönheit der Braut, und erstere fügte würdig hinzu: »Wir alle haben die Sabah besessen und verloren; das ist das Geschick des Weibes, und hierin offenbart sich der Wille des Schöpfers. Es ist ganz selbstverständlich, daß mein Herr und Gebieter sich den Vorschriften unserer heiligen Religion entsprechend eine Jungfrau zum Weibe nimmt, denn Mohammed – Allah gebe ihm die ewige Glückseligkeit! – hat verkündet: geh hin, nimm zum Weibe eine Jungfrau, und Omer Haleby, indem er sich auf die Worte des Propheten beruft, sagt: Schon diesem Worte entsprechend ist es für die Gläubigen vorteilhafter, eine Jungfrau zu ehelichen als eine Frau, deren Leib bereits unter dem Stachel des Uebels erschauert ist. Aber das Leben mit der Sonne, den Rausch der Rose mit ihrem in den Kopf steigenden Dufte – das umschließt eine Jungfrau, deren Flanken noch von jeder Berührung rein sind! Weshalb spottest du also, Lale, über die Jungfrau, die ihrer Bestimmung entgegengeht? Oder gereut es dich, daß du deine Sabah eingebüßt hast?!«

Die Frau des Goldschmieds erwiderte mit hellem Lachen: »Du kannst dir wohl selbst vorstellen, Walide, daß ich hierüber weder Neid noch Reue empfinde, denn aus dem Verlust meines Morgens sind mir viele herrliche Abende und Nächte entstanden, die ich nimmer entbehren möchte. Und wenn ich die Braut im Hause scherzhaft die einzige Jungfrau nannte, so kam mir der Gedanke, weil ich euch abgegriffenen Matronen und die nicht minder mit unreinen Flanken behafteten Sklavinnen und Tänzerinnen um mich sah. Und umgekehrt erschien mir die Braut im Geiste als ein unschuldiges Mädchen, das sich in der Einsamkeit mit den künftigen Dingen vertraut macht und darüber nachdenkt, wie es wohl sein mag, wenn ihr Eheherr sie zum Weibe macht. Als Mädchen bin ich selbst mit Furcht und Bangen in den Harem eingezogen, und deshalb muß ich immer lachen und necken, wenn mich eine Jungfrau an solchen Gemütszustand erinnert!«

Jetzt ergriff Hassa das Wort, und man merkte es ihren Bewegungen sofort an, daß sie zum Kampfe entschlossen sei. »Ich für meinen Teil,« sagte sie barsch und hart, »rechne mich keineswegs zu den abgegriffenen Matronen. Gerade das Gegenteil ist der Fall, und ich wäre glücklich, wenn ich so wie du von der Ehe reden könnte. Mit Recht kann ich mich noch als Halbjungfrau bezeichnen« …

Ein allgemeines tosendes Gelächter unterbrach die Sprecherin, weil die Frauen dieses sonderbare Wort für einen absichtlichen Scherz hielten, der zum Ausdruck bringen sollte, daß ihr Morgen erst zur Hälfte aufgegangen sei. Als sich die Heiterkeit etwas gelegt hatte, fuhr Hassa noch erregter als zuvor fort: »Euer wieherndes Lachen kann ich nicht begreifen. Wenn man nicht wüßte, daß hier der Haremlik ist und daß nur abgegriffene Weiber mit durchgewalkten Flanken an unserer Festtafel teilnähmen, würde man euch von außen vielleicht für wiehernde Hengste vor der Hochzeitsnacht halten. Ich wollte euch nur sagen, daß ich von anderer Beschaffenheit bin als ihr, und daß ich mich als ein Mittelding zwischen Jungfrau und Weib fühle, weil der Herr dieses Hauses der Unbeständigkeit Meister ist und die Frauen nicht begehrt, die er besitzt. Irgendeine liebliche Fratze, die ihm durch Zufall begegnet und mit lüsternen Augen seine Männlichkeit zur Begattung erregt, vermag ihn für einzelne Nächte zu fesseln. Der gesicherte Besitz aber lähmt bald die entfachte Begierde. Ihr hättet nur sehen sollen, wie die lüsterne Schöne heute ins Bad kam, haarig wie eine Bärin und das Gehäuse der Sabah wie von einem Quittenstrauch umschattet. Wenn ich sie nicht für die Hochzeitsnacht so hergerichtet hätte, wie es sich für eine Moslemin geziemt, hätte sich der stürmische Ehemann mit einem Igel vermählt und wäre nach vollzogener Tat wie ein erschreckter Hund mit eingeklemmtem Schwanze davon gelaufen!«

Wieder erhob sich ein allgemeines Geschrei, Lachen und Kreischen, denn Hassa wirkte geradezu wie eine Spaßmacherin, so daß der gewollte Eindruck ihrer Rede wie eine Seifenblase zerplatzte. Und dies war gut, denn sonst wäre vielleicht die ganze Fröhlichkeit der Gesellschaft durch die Streitsucht der einen Hannum zerstoben. Diese Empfindung mußte auch wohl die kluge Chadidscha haben, als sie vornehmen Tones sich mit den Worten an Hassa wandte: »Liebe Schwester, du hast uns mit deiner Ansprache viel Vergnügen bereitet, aber dennoch sah man es deinem Gesicht an, daß du dich beleidigt fühltest. Ebenso hätten wir von deiner Rede gekränkt sein können, wenn wir deine scharfen Worte mit derselben schwarzen Galle eingesogen hätten wie du. Wir haben nur den Magen mitgebracht und die Galle zu Hause gelassen. Um dir und uns nicht die gute Laune zu vertreiben, gebe ich dir den Rat, deine persönlichen Angelegenheiten bei dir zu behalten und vor allem deinem Gatten, der unser Gastgeber ist, nichts Uebles nachzureden. Es ist nicht unsere Sache, mit der Wage des Herzens und der Vernunft zu prüfen, wie dich dein Gatte im Ehebett behandelt, wie es auch nicht unsere Sache ist, von dir den Nachweis und die Gründe zu verlangen, ob du dich deinem Gatten gegenüber richtig verhalten oder wodurch du seine Neigung verloren hast. Wir sind zu einer Hochzeitsfeier geladen, und es gilt, einer hoffnungsvollen jungen Braut zu gedenken und ihr Glück und Segen im Ehestande zu wünschen. Ich schlage daher vor, meine lieben Schwestern, daß wir Blumen von unserer Tafel sammeln und diese mit herzlichen Freundschaftsgrüßen der zukünftigen Chasseki dieses Hauses übersenden!«

Freudig und mit den Händen klatschend stimmten alle Besucherinnen dem Vorschlage zu, es wurden sofort die schönsten Blumen gesammelt und eine Sklavin beauftragt, den duftigen Strauß mit Worten schwesterlicher Ergebenheit zu überbringen.

Hassa war verstummt, als sie fühlte, daß auch nicht eine der Frauen ihr beipflichtete. Sie biß sich vor Erregung auf die Lippen und warf wütende Blicke um sich. – – – – – – – – – –

Als die Sklavin zurückkehrte und mitteilte, daß Schekerpara, ihre neue Herrin, sich herzlichst bedanke und nichts sehnlicher wünsche, als daß die Teilnehmerinnen an ihrem Hochzeitsfeste eine dauernde Erinnerung an fröhlich verbrachte Stunden nach Hause nehmen mögen, war die allgemeine Lustigkeit wieder mit einem Schlage hergestellt, und man begann, sich wieder wie bisher in übermütigster Laune zu unterhalten. Nur die neckische Lale konnte es nicht unterlassen, gelegentlich spitze Pfeile des Spottes gegen Hassa zu schleudern, die aber, ohne sich mehr als nötig an der Unterhaltung zu beteiligen, sich so verhielt, als ob sie nicht gemeint sei. – –

Von dem Scherzen, Singen und Tanzen gesättigt und von den Tönen der Musik ermüdet, trat eine kleine Pause ein, während welcher sich Frau Kiraz an die älteste der Damen mit der Bitte wandte, aus dem reichen Schatz ihrer Lebensgeschichte einen kleinen belustigenden Abschnitt zu erzählen. Sofort unterstützten auch die übrigen Frauen diese Bitte mit lebhafter Eindringlichkeit, so daß die alte Suleika sich schwerfällig räusperte, die Lippen ihres zahnlosen Mundes mit der Zunge befeuchtete und mit einer gedämpften, aber immer noch melodischen Stimme also sprach: »Mein Leben hat der Freuden viele nicht gekostet, und die Zeiten der Liebe, als meines Lebens Baum noch grünte und Früchte trug, dämmern mir so nebelhaft in weiter Ferne, daß meine Augen aus der Vergangenheit keine greifbaren Bilder mehr erfassen können. Aber so manches habe ich im Kreise meiner Familie vernommen, was wohl geeignet wäre, unsere schöne Geselligkeit dadurch zu würzen, daß wir den Schleier des Geheimnisvollen aus längst entschwundenen Tagen lüften. Meine Ahnen waren Unfreie und in den Palästen der großen Fürsten dieser Welt bedienstet. Durch Fleiß und Treue vom sklavischen Joche befreit, haben sie die Erinnerung an jene Zeit festgehalten und durch mündliche Ueberlieferung vererbt, so daß ich euch von Hochzeitssitten an früheren Kaiserhöfen und aus dem Harem der Vorgänger unseres mächtigen Padischah Schönes und Reizvolles berichten kann:

Die byzantinische Braut.

Der Kaiser Kantakuzen verlobte vor einigen Jahrhunderten seine jüngste Tochter dem Sultan Urchan, der damals einer der gewaltigsten Herrscher der Welt war. Zur Abholung der Braut entsandte der Bräutigam dreißig Schiffe, eine Menge Reiterei und die Angesehensten seines Hofes, während der Kaiser selbst mit seinem Heere, dem Hofstaate und der ganzen Familie nach Selymbria zog, wo die Uebergabe der Prinzessin stattfinden sollte. Hier, in der Ebene vor der Stadt, ward ein mit kostbaren Tüchern verhängtes Gerüst aufgeschlagen, auf dem nach der alten bei Vermählungen byzantinischer Prinzessinnen an fremde Fürsten üblichen Sitte die Braut vor ihrer Abreise dem Volke zur Schau gestellt werden mußte. Daneben war das kaiserliche Zelt worin sich die Kaiserin mit ihren drei Töchtern befand.

An dem zur Uebergabe bestimmten Abende verblieb die Kaiserin mit den anderen zwei Töchtern im Zelte, der Kaiser aber bestieg sein Roß, und nun harrte der Hofstaat und das Volk der Dinge, die da kommen sollten.

Auf ein gegebenes Zeichen fielen die seidenen, mit Gold durchwirkten Vorhänge des Prunkgerüstes von allen Seiten zugleich, und die Braut zeigte sich in der Mitte knieender Eunuchen, die sie mit Fackeln beleuchteten, dem Volke. Trompeten, Pfeifen, Schalmeien und andere Musikinstrumente ertönten, und als die Musik beendet war, begannen die zahlreichen Sänger mit dem Absingen der zum Preise der Braut verfertigten Hochzeitslieder. Dann wurde die Prinzessin ihrer Mutter wieder zugeführt, und am nächsten Morgen erfolgte die Uebergabe der Braut und mit dem Hochzeitszuge auch die Fortschaffung ihrer Ausstattung, die aus folgenden Kostbarkeiten bestand, und zwar in dreimal neun Gaben: erstens juwelenfunkelnder Kopfputz und goldene mit Türkisen und Rubinen eingelegte Pantoffeln, dann der Koran in goldenem Einband mit brillantenen Spangen; ein Juwelenkästchen aus Kristall, worin große Diamanten und Perlen zu schauen waren, im Werte von Hunderttausenden von Dukaten; Armbänder, Halsbänder, Gürtel, Kopfreifen, Ohr- und Finger- und Knöchelringe, als die sieben Sphären, in denen sich die Schönheit des Harems bewegt; zusammen siebenundzwanzig Geschenke, von siebenundzwanzig Sklaven getragen. Elf vergitterte Wagen voll Zofen und Sklavinnen folgten zum Dienste der Braut und bei jedem zwei schwarze Verschnittene; hieran schlossen sich viermal sieben Sklavinnen in golddurchwirkten Kleidern zu Pferde, von viermal sieben schwarzen Verschnittenen begleitet. Zweihundertvierzig Lasttiere waren mit Zelten, Taperen, Gold- und Silberstoff, Teppichen und Polstern beladen. Den Zug eröffneten 500 Janitscharen, an ihren Filzkappen erkennbar, und achtzig Emire mit grünen Kopfbinden. Dann kamen die Imams und Scheichs, die Wesire, die Gelehrten und Geistlichen und zuletzt Arbeiter mit Aexten und Hämmern, mit Stangen und Brecheisen, um Häuser und Hütten niederzureißen, die den Zug oder die freie Bewegung der ungeheuren Hochzeitspalmen in den Straßen hinderten. Nach den Hochzeitspalmen, die durch ihre himmelemporragende Höhe das Symbol männlicher Zeugungskraft, durch den Reichtum der mannigfaltigsten Früchte die Fruchtbarkeit der Frauen darstellten, kamen zwanzig Beamte der Kammer, hinter denen drei Hochzeitsfackeln von vielen Sklaven getragen wurden; die dritte, von riesenhafter Größe, mit Goldblech beschlagen, leuchtete mehr durch das Gefunkel der kostbaren Steine als durch die Flamme; hierauf folgten fünfzig Beamte des Hofstaates der Prinzessin.

Dann wurde der hochzeitliche Traghimmel aus karmoisinrotem Samt und dahinter ein größerer mit Goldplatten bedeckter sichtbar, dessen golddurchwirkte Vorhänge von allen Seiten bis zur Erde niederhingen; unter ihm ritt die Sultanin-Braut, von schwarzen Eunuchen umgeben. Es folgte ihr Staatswagen, mit Gold bedeckt, von vier Schimmeln gezogen, hierauf kamen acht Wagen mit Zofen und Verschnittenen und endlich fünfundzwanzig ihrer schönsten Sklavinnen mit fliegenden Schleiern und Haaren.

Zur Festtafel wurde herbeigeschafft: zehntausend silberne Schüsseln, siebentausendneunhundert Hühner aus den europäischen Gerichtsbarkeiten von Rodosto, Amedschick, Schehrköji, aus den asiatischen des Sandschaks Chudawenghiar, tausendvierhundertfünfzig kalkuttische Hühner, dreitausend junge Hühner, zweitausend Tauben, tausend Enten, hundert goldene Tassen, fünfzehntausend Lampen und zehntausend Kannen, um die Sorbete zu kredenzen. Hundertzwanzig Schlauchträger in juchtenen Häuten und Hosen, mit eingeölten Schläuchen, wurden als Wächter des Festes bestellt, damit an diesem Tage nicht die Keule und der Stock, sondern der geölte Wasserschlauch die Ordnung aufrecht erhalte.

Das Zelt, in dem die Vermählung stattfand, stellte im Innern den Himmel mit Sternen aus Edelsteinen dar, der Zeltknopf bestand aus Ambra und der Vorhang, der zum geheimsten Gemache führte, war von reinstem Goldgewebe, mit Perlenmustern verziert. Das Allerheiligste wurde nur durch einen aus großen Edelsteinen zusammengefügten Halbmond, hinter dem kleine Lämpchen glühten, beleuchtet. Die Sultanin-Braut ruhte auf einem elfenbeinernen Bett mit vergoldeten Löwenfüßen. Sie war völlig entkleidet und nur mit einem weißen Seidenstoff bedeckt, der in Goldstickerei die auf die Ehe bezüglichen Koranverse zeigte. Das Bett und der mit schweren Teppichen belegte Fußboden waren mit Blumen geschmückt und das kleine Gemach durchzog ein Duft von Ambra, Weihrauch und Rosenwasser.

Der Sultan wurde von dem ersten Eunuchen entkleidet, seine Pantoffel wurden als Symbol seiner Herrschaft über die junge Gattin am Eingang des Ehegemachs niedergelegt, und nun betrat er geräuschlos das Allerheiligste, zog die Decke von dem Körper der Prinzessin und bedeckte ihren Leib, vom Halse beginnend bis zu den Fußspitzen, mit zärtlichen Küssen. Als er fühlte, daß sie bereit sei, ihm den Eingang zum Paradiese willig zu gewähren, nahm er schnell und mit Leidenschaft Besitz von ihr und machte sie zu seinem ehelichen Weibe.

Der Eunuch, der inzwischen den Eingang bewachte, erkannte an einem unterdrückten Schmerzensschrei der Sultanin den Augenblick der Weihe und gab den versammelten Hochzeitsgästen ein Zeichen, worauf die Musik einsetzte und ein Freudengeheul, begleitet von tausend Segenswünschen für das Paar, die Luft erzittern machte.«

Alle Frauen klatschten begeistert Beifall, als Suleika geendet hatte, und die Kaufmannsfrau Mecher rief mit verzücktem Augenaufschlag: »Ach wie herrlich, zu schön, zu schön, bitte erzähle doch mehr!« Aber die Alte war durch den langen Gebrauch ihres schwachen Atems zu sehr erschöpft, als daß sie sogleich mit einer anderen Geschichte hätte beginnen können. Die in ihrer Nähe sitzenden Hannums bemühten sich nun mit zärtlicher Sorgfalt um die ehrwürdige Matrone und labten sie mit den schönsten Früchten und erfrischendsten Getränken.

Als sich Suleika nach einiger Zeit erholt hatte, sagte sie lächelnd: »Ich glaube euch gern, meine lieben Schwestern, daß ihr euch alle die Haut der jungen Sultanin gewünscht hättet, aber wo Rosen sind, da pflegen auch die Dornen nicht zu fehlen, und hinter den vergoldeten Palasttoren soll manchesmal schon am Tage die Nacht hineinscheinen, und manche Frau soll ihre Schönheit in Tränen gebadet haben und an Leib und Seele elend vertrocknet sein. Auch den hohen Würdenträgern am Hofe des Padischah ergeht es nicht immer so, wie es den Anschein hat, und die Gnadenbeweise kaiserlicher Huld, um die ein hoher Günstling von seinen Freunden und Untergebenen oft beneidet wird, zeigen sich bei näherer Kenntnis als merkwürdige und erniedrigende Förmlichkeiten, wie zum Beispiel bei der Vermählung des Großwesirs Raghib, über die ich euch einige Einzelheiten erzählen kann:

»Mustafa III. wollte seine dreiundvierzigjährige Schwester Ssaliha, eine reichlich abgegriffene Witwe und Veteranin ihres Geschlechts, deren Leib sicher schon seit vielen Jahren nicht mehr flüssig war, verheiraten, um sie aus seinem Haremlik zu entfernen. Er verlobte sie daher als Beweis seiner höchsten Gunst dem Großwesir Raghib und setzte den Hochzeitstag fest. Einen Tag vor seiner Vermählung sandte der also Beglückte seiner Braut, um sich nach deren Wohlbefinden zu erkundigen, zehn silberne Schüsseln mit silbernen Deckeln auf silbernem Tische, eine silberne Tasse mit Zuckerwerk, dreißig Tassen mit Blumen und fünfzig mit Früchten.

Am Vermählungstage begab sich die Sultanin ohne feierlichen Aufzug, weil sie Witwe war, in den Palast des Großwesirs; ihre Verschnittenen folgten aus demselben Grunde in ihren täglichen Turbanen und ohne Musikkapelle.

Nach Sonnenuntergang kam nach hergebrachter Sitte der Kißlar Agassi, um die verschämte Braut in die Arme des Bräutigams zu führen.

Die Hofsitte verlangt, daß die Prinzessin ihren Bräutigam unwillig und abweisend empfange und ihn kaum würdige, sie anzublicken. Nachdem der wortlose Auftritt einige Zeit gedauert, erhebt sie sich plötzlich mit Unwillen und zieht sich in ihr inneres Gemach zurück. Der Bräutigam folgt ihr und findet sie auf dem Ehrenplatze eines Sofas sitzend. Er wirft sich ihr zu Füßen und bleibt mit gekreuzten Armen knieend und erwartet so ein günstiges Wort der ungnädigen Gebieterin. Endlich sagt sie: »Bring mir Wasser!« Er reicht es knieend und bittet zugleich um die Gnade, daß sie geruhen möge, den Schleier zurückzuschlagen, der mit Blumen und Juwelen geschmückt ist. Ihre mit Gold und Perlen durchflochtenen Haare hängen in sieben Strähnen herab. Kaum hat sie das Wasser gekostet, als zwei Sklaven erscheinen, die zwei Schüsseln hereintragen und auf einen Tisch in der Mitte des Zimmers niedersetzen. In der einen Schüssel befinden sich zwei gebratene Tauben, die andere ist mit kandiertem Zucker gefüllt. Der Bräutigam bittet inständigst, daß die Braut davon kosten möge, sie aber antwortet stolz: »Ich mag nicht!« Um die Unerbittliche zu erweichen, nimmt der Bräutigam jetzt zu anderen Mitteln seine Zuflucht. Er ruft die Eunuchen und läßt reiche Geschenke zu ihren Füßen niederlegen. Hierdurch gnädig gestimmt, gestattet die erhabene Braut, daß der Bräutigam ihr unter die Arme greife und sie nach Hofsitte halb tragend, halb führend zu Tisch geleite, Er reicht ihr ein Stück gebratene Taube und sie steckt ihm kandierten Zucker in den Mund. Die Tafel wird aufgehoben, die Braut nimmt ihren Sitz wieder auf dem Sofa, die Eunuchen treten ab, und das Paar bleibt allein, um nach der Hofsitte eine Stunde in förmlichster Unterhaltung zu verbringen. Musik, Tanz und Schattenspiele im Harem, an denen die Neuvermählte, natürlich ohne den Gatten, teilnimmt, verkürzen die Nacht.

Endlich wünscht die hohe Frau, von den Zerstreuungen ermüdet, zu Bett zu gehen, und die Gesellschaft verabschiedet sich. Von einem Eunuchen begleitet, bringt die erste Sklavin dem Bräutigam die Nachricht, daß die Braut sich im Bette befinde, und nun beginnt des Lustspiels zweiter Teil, in dem der Bräutigam gezwungen wird, sich der abgegriffenen Witwe, dieser ausgelernten Schülerin aller Begattungsarten, so zu zeigen, als ob er ein jungfräuliches Weib vor sich hätte, das er durch Verführungskünste erst zur Gewährung des Beischlafs reizen müßte. Er schleicht ins Schlafzimmer, entkleidet sich geräuschlos, naht sich knieend den Füßen der Braut, die er sanft berührt und küßt. Und wenn sie dies gutwillig duldet, rückt er unter Küssen weiter hinauf, und sobald er an ihren Beinen merkt, daß sie gewillt ist, sich ihm zu geben, nimmt er Besitz von der ihm durch die höchste Gunst zugewiesenen Prinzessin.

Am dritten Tage schickte der Sultan seinem Schwager eine eiserne Keule, damit er seine Frau töte, falls sie ihm noch nicht die Rechte eines Ehegemahls gewährt haben sollte.

Die Geschichte erwähnt keines solchen Todes, sie verschweigt auch, ob der Großwesir von der vertrockneten Blume, die ihm kaiserliche Huld ins Ehebett gelegt, einen Liebeshauch verspürte!«

Es wurde wieder reichlich Beifall gespendet und die Hannums lachten herzlich über das Schicksal des huldbegnadeten Großwesirs, denn daß ein Eheherr, und noch dazu ein so gewaltiger, gezwungen ward, ein altes Weib mit allen Verführungskünsten in derselben Weise zur Hingabe zu reizen, wie dies bei einer jungfräulichen Braut üblich zu sein pflegt, mußte bei den zur Demut und zur Verherrlichung des Mannes erzogenen Bewohnerinnen des Haremliks ein starkes Gefühl der Schadenfreude erwecken. Selbst Hassa, die sich bisher ziemlich teilnahmslos benommen hatte, konnte doch am Schlusse der Erzählung ein Lächeln der Zufriedenheit nicht unterdrücken. – – –

Bei der lebhaften Geistesart der Hannums entspann sich auch jetzt wieder eine Auseinandersetzung über den Inhalt des schönen Hochzeitsberichts, der im Gegensatz zu anderen Geschichten diesmal ganz der Wirklichkeit entnommen war. Aischa meinte, daß der Großwesir sich wohl bewußt gewesen sei, ein empfindungsloses altes Weib vor sich gehabt zu haben, und daß er nur der Sitte und den Hofgesetzen entsprechend sich so benommen habe, um eine, wirkliche Hochzeitsnacht vorzutäuschen. Frau Seinab, die Gattin eines Arztes, glaubte, die Schwester des Sultans, jene heiratslustige Witwe, in Schutz nehmen zu müssen. Sie vertrat den Standpunkt, daß eine Frau mit dreiundvierzig Jahren, auch wenn sie Orientalin ist und früh verblüht, dennoch der Liebe geneigt sein kann, selbst wenn die monatliche Reinigung schon seit längerer Zeit aufgehört hätte. Von ihrem Eheherrn, dem Arzte, wisse sie, daß der verwelkte und hängende Schoß einer Frau durch geeignete Mittel wieder verengt und verjüngt werden könne, besonders durch den Saft einer Pflanze, die man in der Arztsprache Asterakantha benenne, es sei auch bekannt, daß die Inder eine große Zahl solcher Mittel wüßten, die sowohl beim Manne wie auch bei der Frau in Fällen der Schwäche und Erschlaffung wieder geschlechtliche Reizbarkeit hervorriefen. Es wäre viel interessanter gewesen, zu erfahren, was die Sultanin-Schwester in der Hochzeitsnacht empfunden habe, als von Vorgängen Kenntnis zu bekommen, die jedem Weibe bekannt seien. Jedenfalls finde sie es nicht angebracht, eine Frau ihres Alters wegen zu verlachen, weil sie kurz vor dem Abschied von den Freuden des Lebens noch einmal gründlich die Genüsse der Liebe schmecken wollte.

Diese mutige Verteidigung einer hochstehenden Dame, die sich nicht selbst rechtfertigen konnte, fand bei einem Teile der anwesenden Frauen, namentlich bei den älteren, freudige Zustimmung, und einige gaben sogar ihre Verschönerungskünste preis, um für die Erklärungen der Seinab Beweise zu erbringen. Es läßt sich denken, daß solche Enthüllungen geheimster Art, über die sonst nicht die intimsten Freundinnen ihre Gedanken auszutauschen pflegen, inmitten einer luftigen Frauengesellschaft den fruchtbarsten Boden fand. Und in der Tat wurden jene allzu aufrichtigen Frauen von ihren Mitschwestern in der drastischsten Weise verspottet und höhnisch als Lehrmeisterinnen für geschwächte Männer und erschlaffte Frauenzierden bezeichnet.

Die Walide, die so gelacht hatte, daß ihr die Tränen in den Augen standen, stellte durch einige beschwichtigende Worte die Ruhe wieder her, dann sprach sie, immer noch mit lächelndem Mund: »Liebe Schwestern, eure Deutungen und Witze erübrigen sich. Nach meiner Ansicht hat der Großwesir sich lediglich so benommen, wie das moslemische Sittengesetz dies vorschreibt, und hierin stimme ich der Aischa vollkommen bei, wenngleich sein Verhalten bei dem hohen Stande der Braut eine gewisse höfische Zurückhaltung und zeremonielle Gemessenheit beobachten mußte. Omer Haleby, der gelehrte Vermittler und Deuter der Gesetze unseres Propheten, empfahl ein zartes Vorgehen bei der Begattung. Er sagt: »Wenn ihr den Akt beginnen wollt, so zieht eure Frau sanft zu euch heran und sagt ihr süße Dinge, die sie vorbereiten, eine würdige Teilnehmerin an eurem Vergnügen zu sein. Liebkoset sie und sie liebkose euch. Küsset sie auf die Wangen, auf die Lippen, auf den Busen, auf den Nacken und spielt mit ihren Haaren. Wenn ihre Natur eine kalte ist, wenn ihr seht, daß ihre Erregung mit der euren nicht übereinstimmt, so legt eure Hand auf ihre Zierde und erreget sie leicht oder energisch, aber ohne widernatürlichen Mißbrauch, denn das Gesetz verbietet solche Uebung. Diese Zärtlichkeiten soll auch die Frau euch erweisen, ja sie soll euch sogar in diesen entzückenden Spielereien vorangehen, so wie es der heilige Prophet bei verschiedenen Gelegenheiten empfohlen hat.« Hiermit meinte der Gelehrte nicht etwa die jungfräuliche Braut,« fuhr die Walide fort, »sondern den Begattungsakt überhaupt, und zwar nicht nur in der Hochzeitsnacht, sondern während der ganzen Zeit der Ehe ohne Rücksicht auf das Alter der Frau. Ich für meinen Teil finde das Verhalten des Großwesirs so liebenswürdig, daß ich jeder von uns einen solchen Gatten wünsche!«

Jetzt meldete sich die Hassa wieder, um hierauf etwas zu entgegnen, sie wurde aber sogleich mit dem Rufe: »Wir wissen schon, was du sagen willst!« am Sprechen verhindert, und Frau Seinab fügte höhnisch hinzu: »Gekränkte Eitelkeit, nutzlose Liebeskünste!«

Die übermütige Lale, die bei dem Charakter der Hassa wohl den Ausbruch eines ernstlichen Zwistes befürchtete, um so mehr, als das Gesicht der Hassa von Wut verzerrt war, gab der Unterhaltung schnell eine andere Wendung und lenkte die Blicke und die Aufmerksamkeit aller Hannums auf sich, als sie mit lebhaften Gebärden also zu sprechen begann: »Die Erzählung von der byzantinischen Braut, die wir soeben von unserer ehrwürdigen Suleika – Allah gebe ihr noch viele Jahre! – vernommen haben, bringt mir eine Geschichte in Erinnerung, deren Schauplatz ebenfalls in Byzanz ist, und die es wohl verdient, in unserer fröhlichen Gesellschaft vorgetragen zu werden. In der Voraussetzung, daß ihr euch alle sittsam verhaltet und mich nicht durch Zwischenrufe stört, will ich euch die schöne Legende erzählen, sie heißt:

Die männerfeindliche Prinzessin und der weiberfeindliche Kaiser.

Einst lebte im Lande der aufgehenden Sonne ein Kaiser, Faksur mit Namen, dessen Wesir, ein weiser und hochbegabter Mann, ohne Anmeldung und zu jeder Zeit das Gemach des Kaisers betreten durfte. Als er eines Morgens von diesem Rechte Gebrauch machte, traf es sich, daß der Kaiser noch schlief. Das Geräusch des Eintretenden erweckte ihn, und erzürnt ergriff er sein Schwert und stürzte sich auf den Wesir. Im Begriffe, diesen umzubringen, eilten die Hofleute, durch den Lärm angelockt, herbei, fielen gnadeflehend dem Kaiser zu Füßen und retteten mit knapper Not das Leben des höchsten Beamten.

Nachdem sich der Kaiser bald wieder beruhigt hatte, fragte man ihn nach der Ursache seines plötzlichen Zornes, und er antwortete: »Soll ich nicht in die größte Wut versetzt werden, wenn man mich aus einem herrlichen Traume erweckt? Ich sah ein liebreizendes Mädchen von solcher Schönheit, daß selbst der ewig wandelnde Mond ihresgleichen noch nie erblickt hat. Während ich die Wonne ihres Anblicks genoß und meine Arme ausbreitete, um sie an mein Herz zu drücken, trat der Wesir herein und riß mich aus meinem Entzücken. Das geschaute Bild aber lebt in meiner Erinnerung weiter und zehrt an meiner Seele bei Tag und Nacht!«

Nach dem Willen des Allmächtigen war jener Wesir aber nicht allein der Weiseste der Weisen, ein erfindungsreicher Kopf, der aus jeglicher Not zu erretten vermochte, sondern ein so geschickter Meister in der Malerei, daß die Wesen, die sein Pinsel hervorzauberte, wirklich zu leben schienen.

Derijet, so hieß dieser Gelehrte und Künstler, wünschte nun, seinem liebeskranken Gebieter zu helfen, weshalb er ihn bat, ihm seinen Traum noch einmal ausführlich zu beschreiben. Der Kaiser willfahrte dieser Bitte, und der Wesir malte den Palast, wie der Kaiser ihn im Traume gesehen, nebst dem entzückenden Mädchen mit allen Reizen der wundervollen Gestalt und des lieblichen Gesichts. Alsdann erbaute er vor den Toren der Stadt an einer Stelle, wo die Karawanen anzuhalten pflegten, eine bequeme Herberge, stellte das Bild dort auf und ließ alle, die vorüberzogen oder in der Herberge einkehrten, fragen, ob jemand von ihnen den Ort oder das Mädchen auf dem Bilde irgendwo gesehen hätte.

Eines Tages erschien ein Pilger, der schon in der ganzen Welt herumgewandert war, betrachtete das Bild eine Weile nachdenklich und geriet in großes Erstaunen. Der schnell herbeigerufene Wesir fragte ihn nach dem Grunde seiner Ueberraschung, und der Reisende entgegnete: »Ich wundere mich darüber, daß das Bild jenes Mädchens der Tochter des Kaisers von Byzanz so sprechend ähnlich sieht!« Derijet freute sich sehr über diese Mitteilung und forschte nun weiter nach dem Mädchen, worauf der Pilger erzählte: »Die Prinzessin von Byzanz, deren wirkliche Schönheit man auf diesem Bilde nur ahnt, ist deshalb im ganzen Lande bekannt, weil sie einen entschiedenen Widerwillen gegen die Ehe hat. Ueber den Ursprung dieser unnatürlichen Abneigung wird folgendes erzählt: Eines Tages, als die Prinzessin in ihrem Garten saß, bemerkte sie ein Pfauenpaar, das im Gebüsche Junge ausgebrütet hatte. Kaum waren die Kleinen aus dem Ei geschlüpft, da begann auch das Männchen schon wieder, mit einem anderen Pfauenweibchen zu tändeln und sich verliebt zu zeigen. Durch einen Zufall geriet nun das Gebüsch in Brand, und anstatt hinzuzueilen und seinem bisherigen Weibchen und den Kleinen beizustehen, drängte es ihn nach Begattung, und er bestieg gerade in dem Augenblick die andere Pfauenhenne, als das erste Weibchen mit ihren Kindern laut klagend in den Flammen umkam.

Die Treulosigkeit des Männchens und seine Rücksichtslosigkeit in der Liebe im Vergleich zu der Aufopferung und Selbstlosigkeit des Weibchens, überzeugten die Prinzessin nun von der Unzuverlässigkeit, der Selbstsucht und der Unbeständigkeit des männlichen Geschlechts, so daß sie annahm, daß alle Schlechtigkeiten der Welt ihren Ursprung in jenen Eigenschaften der Männer hätten.

Kurze Zeit darauf stand die Prinzessin des Nachts, vom Glanze des Mondes beschienen, auf ihrem Altan und erfreute sich träumend der herrlichen Frühlingsluft. Da vernahm sie einen kläglichen Aufschrei und gewahrte auf dem gegenüberliegenden Dache einen großen Kater im Begattungsakt mit einer Katze, der er in das Genick gebissen hatte, um sie seinen Lüsten gefügig zu machen und sie festzuhalten. Hiermit nicht genug, sprang derselbe Kater noch auf vier andere Kätzchen und verfuhr mit ihnen in derselben Weise. Nachher leckte sich der böse Kater vergnügt die Schnauze, während die armen Katzen, die Befruchtung im Leibe, entsetzt davonliefen. – – – – – – – – – – –

Nach dem Anblick dieses nächtlichen Ereignisses wurde die Prinzessin schwermütig und klagte bei Tag und Nacht: »Wenn ich einen Mann nehme, und ich bekomme ein Junges und unser Haus brennt und mein Mann ruht inzwischen bei einem anderen Weibe und läßt mich mit seinem Kinde umkommen was habe ich dann von meiner ganzen Jugend gehabt, und wozu soll ich ein Kind gebären, wenn es der Vater verderben läßt. Und wenn ich einen Mann nehme und der Mann befruchtet mich und beißt mich in den Nacken, um mich seinen Lüsten gefügig zu machen und mich festzuhalten und er tut dasselbe der Reihe nach auch mit anderen Frauen und putzt sich vergnügt seinen Schnurrbart und läßt mich unbekümmert um die Befruchtung laufen, was habe ich dann als eheliches Weib an Qualen zu erdulden und welches Schicksal steht mir bevor!« Also beschloß die Prinzessin, niemals zu heiraten und in ihrer Gegenwart durfte keines Mannes Erwähnung geschehen.

Der Wesir war sehr glücklich über diesen Bericht, den er dem Kaiser sofort mitteilte, wobei er versprach, die Prinzessin ebenso in den Kaiser verliebt zu machen, wie dieser sich im Traume in sie verliebt hatte. Dann bat Derijet, die Reise nach Byzanz antreten zu dürfen, was ihm auch gewährt wurde. Nun legte er seine Kleider ab und machte sich im Gewande eines Reisenden und in Begleitung des erwähnten Pilgers auf den Weg. Allmählich erreichten sie denn auch Griechenland und langten bald darauf in Byzanz, der Hauptstadt des Landes, an. Dort führte der Pilger den Wesir umher und zeigte ihm auch die kaiserlichen Hofgärten. Bei einem Vergleich mit dem Bilde, das er bei sich hatte, stellte sich heraus, daß er ganz und gar das paradiesische Stück Erde vor sich sah, das Faksur in der geheimnisvollen Welt der Träume erblickte … Dies bestätigte ihn in dem Glauben, daß das Mädchen, in das der Kaiser verliebt war, die Prinzessin von Byzanz sei, und beide Reisegefährten überlegten nunmehr, wie man ihr nahekommen könne.

Um dies zu ermöglichen, begann der Wesir, nachdem er in einer Karawanserei Wohnung genommen, als Maler aufzutreten und Bilder zu malen. Seine Kunstwerke waren aber von so außergewöhnlicher Feinheit, daß er bald allgemein berühmt wurde, und daß man auch dem Kaiser und seiner Tochter von dem kürzlich aus dem fernen Osten angekommenen geschickten Maler lobpreisend erzählte.

Da die Prinzessin nun den Kunstgenuß über alle Maßen liebte, bat sie ihren Vater, den Künstler herbeizurufen und ihm den Auftrag zu geben, ihren Palast auszumalen. Der Kaiser ließ den Wesir durch den Pilger zu sich führen und beauftragte den Maler, die Wünsche seiner Tochter zu erfüllen.

Derijet gab sich nun große Mühe, seine Kunst zu bewähren, und es gelang ihm auch, den Palast mit so herrlichen Bildern auszuschmücken, daß jeder, der sie sah, in Entzücken geriet. Als er die ganze Arbeit vollendet hatte, malte er noch an die Tür des Raumes der Prinzessin, wo sie des Tages zu sitzen und des Nachts zu schlafen pflegte, ein Kunstwerk von seltener Vollkommenheit, und zwar in der Mitte einen herrlichen großen Garten, wo duftende Rosen die Beete schmückten, klagende Nachtigallen die Lüfte durchzogen, die schönsten Früchte an den Bäumen reiften und uralte Zypressen kühlenden Schatten spendeten. In diesem paradiesischen Gefilde errichtete er einen Kiosk und malte da hinein, im Glanze seiner Herrlichkeit auf dem Throne sitzend, die schönen und edlen Züge des Kaisers Faksur. Außerhalb der Tür malte er dann eine grüne Flur mit einem lieblichen Garten, wobei man an die Gefilde der Seligen, unter denen die Bäche fließen, denken konnte, und auf der Wiese saftigem Grase sah man zwei Hunde in merkwürdiger Stellung. Es schien, als ob sie zusammengewachsen wären und der eine sich bemühe, den andern mit sich fortzuziehen. Das Wasser aber, das den Garten durchströmte, gab er so klar wieder, daß man den Paradiesesbrunnen Selsebil zu schauen glaubte. Endlich schuf seine Kunst noch eine mit den Jungen im Wasser ertrunkene männliche Antilope und gegenüber auf der Flur ein Antilopenweibchen, das sich von einem Männchen begatten ließ und die Augen verdrehend verzückt gen Himmel sah.

Nachdem dies alles vollendet und das Zimmer noch mit Teppichen und Polstern geschmückt worden war, führte man die Prinzessin hinein, die beim Anblick der herrlichen Kunstwerke in solches Erstaunen geriet, daß sie kein Wort hervorzubringen vermochte. Bald aber rief sie den Wesir herbei und bat ihn, ihr zu erklären, was das für ein Garten sei, und was der Thronsitz zu bedeuten habe, und wen die Figur darauf darstelle, und welche Bewandtnis es mit den Hunden und Antilopen habe. Derijet glaubte jetzt die Früchte seines ganzen Bemühens ernten zu müssen und sprach: »Dieses paradiesische Gefilde ist ein getreues Abbild von dem Hofgarten des Kaisers Faksur im fernen Osten, die auf dem Thron sitzende Figur aber mit den liebreizenden engelgleichen Zügen ist er selbst. Ich habe ihn deshalb so einsam dargestellt, weil er wegen seltsamer Begebnisse, die sich in seinem Garten ereigneten, das weibliche Geschlecht im höchsten Grade verabscheut!« – »Und was bedeuten die Tiere?« fragte die Prinzessin, indem sie auf die Hunde und Antilopen zeigte. – – »Das sind jene Vorgänge,« erwiederte der Wesir wortbereit, »die des großen Kaisers Abneigung und Einsamkeit verschuldeten. Eines Tages saß er seiner Gewohnheit gemäß in diesem Kiosk und genoß die herrliche Aussicht über die blühenden Fluren, als er zwei Hunde gewahrte, ein Weibchen und ein Männchen. Die Tiere neckten und spielten miteinander, und man konnte deutlich beobachten, wie das Weibchen den männlichen Hund durch fein erdachte Künste zur Liebe reizte. Aber siehe da, als der Hund, aufs höchste erregt, das Weibchen bestieg und es befruchtete, blieb er an ihr kleben und kam nicht wieder los. Das Weibchen zog ihn nun mit sich, überallhin, und das Männchen mußte folgen, ob es wollte oder nicht.

An einem anderen Tage nun, als der Kaiser wieder in seinem Kiosk saß und mit Vergnügen die Umgegend seines Gartens betrachtete, sah er, wie ein Antilopenpaar mit den Jungen herankam, um aus dem Bache zu trinken. Während sie am Rande standen und sich an dem frischen Wasser labten, schwoll der Bach durch Schneeschmelze im Gebirge plötzlich so an, daß er zu einem wilden Strome wurde, über die Ufer trat und die Jungen mit sich fortriß. Das Männchen warf sich sofort mutig in die Wellen, um die Jungen zu retten, des Stromes Gewalt aber tötete das Tier, so daß es das Schicksal seiner Kinder teilte. Das Weibchen hingegen hörte in diesem Augenblick auf der benachbarten Wiese den Liebeslockruf eines anderen Männchens und eilte dorthin, um sich dessen Umarmung hinzugeben und im Liebesgenuß der eigenen Jungen zu vergessen.

Diese Begebenheiten machten einen so tiefen Eindruck auf den Kaiser, daß er schwermütig wurde und bei Tag und Nacht klagte: »Wenn ich mich von einem Weibe umgarnen lasse, es befruchte und an ihr kleben bleibe, und ich muß ihr überall hin folgen, ob ich mag oder nicht, und was habe ich dann von meiner ganzen Jugend und meiner männlichen Kraft, und wo bleibt die Freiheit meines Tuns?! Und wenn ich ein Kind zeuge, und wir gehen in den Bach und baden und das Wasser schwillt an und reißt mein Kind fort, und ich springe nach, um es zu retten und komme dabei um, und meine Frau, anstatt uns beizustehen, gibt sich inzwischen der Umarmung eines anderen Mannes hin und erfreut sich des Liebesgenusses angesichts unserer Leichen, was habe ich dann von meiner Ehe, von der eingebüßten Freiheit und all den Opfern, die ich als Mann an Kraft und Gut gebracht?!« Aus alledem schloß der Kaiser Faksur, daß das weibliche Geschlecht über alle Maßen unzuverlässig, treulos und nur dem Liebesgenuß ergeben sei, weshalb er jedem Umgange mit Frauen entsagte und eine so tiefe Abneigung ihn ergriff, daß der Name Weib in seiner Gegenwart nicht ausgesprochen werden durfte!«

Als die Prinzessin diese Erzählung vernahm, geriet sie in tiefes Nachdenken und sprach zu sich selbst: »Bei dem Weltenschöpfer, ich dachte, Treulosigkeit und Selbstsucht fänden sich nur beim männlichen Geschlecht, also gibt es deren auch beim weiblichen!« – – Und zu Derijet gewandt, sagte sie: »Dieser Kaiser Faksur ist ein Ehegatte für mich; beinahe möchte ich glauben, daß der Allgütige mich seinetwegen bis zu dieser Stunde als Jungfrau erhalten hat. Einen so würdevollen, feinfühligen und einsichtigen Mann wünsche ich mir, und ich zweifle nicht, daß auch ich ihm als Gattin willkommen sein werde!« Dann begab sie sich zu ihrem Vater und bat ihn, sie mit Faksur zu verheiraten. Dem byzantinischen Kaiser war nichts angenehmer als dies, denn er fürchtete schon, daß die Prinzessin ledigen Standes bleiben würde. Er gab deshalb sofort seine Einwilligung, schrieb einen Brief an Faksur und rüstete eine Gesandtschaft nach dem fernen Osten aus. Der Wesir legte nun wieder seine Pilgerkleidung an und kehrte mit den Byzantinern nach seiner Heimat zurück. Dort angekommen, unterrichtete er seinen Gebieter von dem Zusammenhang der Dinge, so daß er, als die Gesandtschaft vor ihn geführt wurde, schon wußte, um was es sich handelte. Anfangs stellte sich der Kaiser so, als ob er dem Vorschlage nicht ganz geneigt sei. Da aber jenes Ehebündnis sein innigster Wunsch war, sagte er den Gesandten nach einigen Tagen, er habe zwar nie die Absicht gehabt, sich zu verheiraten, um jedoch den großen Kaiser von Byzanz zu verpflichten, nehme er sein Anerbieten an. – – In diesem Sinne verfaßte er dann ein Schreiben, das er nach Griechenland zurücksandte. Den Wesir schätzte er aber nach diesem treuen und schwierigen Dienste mehr als zuvor und überhäufte ihn mit Wohltaten und Ehrenämtern.

Nach einiger Zeit traf die Prinzessin-Braut mit reicher Aussteuer und vielem Gefolge an Faksurs Hofe ein und wurde festlich empfangen. Die beiden, die sich im Bilde so sehr gefielen, faßten in Fleisch und Blut eine uferlose Neigung zueinander und liebten sich über alle Maßen. Die Hochzeit wurde mit wahrhaft kaiserlichem Gepränge gefeiert und zu Ehren der Braut ein Volksfest veranstaltet, das acht Tage dauerte. – – – – –

In der Hochzeitsnacht, als die Prinzessin die Wonnen empfand, die sie aus einer Jungfrau zum Weibe machten, flüsterte sie lächelnd zu ihrem Gatten: »Während ich dein liebliches Antlitz immer über mir sehe und deine Lippen meinen Mund mit Küssen bedecken, harre ich des Augenblicks, wo du mir in den Nacken beißt!« Der Kaiser lächelte ebenfalls und erwiderte: »Ich habe doch nun schon vielfach erkannt, daß du mich immer wieder freigegeben hast, während ich doch fürchtete, daß ich an dir kleben bleiben und du mich für immer festhalten würdest!«

Und beide mußten ihre Umarmung unterbrechen, weil sie sich vor Lachen nicht mehr lieben konnten, denn die Prinzessin hatte in einer Nacht erfahren, wie falsch sie über die Männlichkeit gedacht, und der Kaiser hatte zu gleicher Frist empfunden, daß das Weib wohl gerne nimmt und gibt, daß aber das Kleben nur eine symbolische Bedeutung habe. – – – – – – – – – – – – –

Als Frau Lale diese Erzählung beendet hatte erscholl lauter Jubel durch den ganzen Raum, und viele Hannums beteuerten, eine so schöne, lebensfrische und unschuldsvolle Geschichte noch nie gehört zu haben. – – – – – – – – – – –

Meine Augenlider begannen sich schwer zu senken, und mein Leib, der durch die festlichen Genüsse in diesen Tagen an Umfang noch erheblich zugenommen hatte, verlangte nach Ruhe. Ich sah mich bereits wieder eingeschlummert und meiner Backschische verlustig, denn ich fühlte, daß ich dem aufdringlichen Schlafe nicht widerstehen würde. Zu meinem Glücke hatten auch die Frauen jetzt genug des geräuschvollen Festes und verspürten ebenfalls das Bedürfnis nach Ruhe, denn die Nacht war weit vorgeschritten und der Morgen begann zu grauen.

Die Tänzerinnen und Sklavinnen wurden wieder reichlich beschenkt und entlassen und die Hannums rüsteten sich unter wirrem Durcheinander von Worten und Gelächter zum Heimgange. Ich begleitete die Besucherinnen mit besonderer Höflichkeit und Ergebung zur Haustüre und empfing – Allah sei Dank! – so reichlichen Lohn, daß mein gestriger Schlummer damit bezahlt wurde.

Als ich von Schekerpara, der ich meinen Nachtgruß überbrachte, da ich sie noch mit dem Ordnen ihrer Schätze beschäftigt sah, zurückkehrte, beobachtete ich, hinter einem Vorhang versteckt, wie Hassa sich mit Ali zu schaffen machte, ihn liebkoste und ihm Süßigkeiten in den Mund steckte. Ich mußte vor Entrüstung ganz rot geworden sein, so fühlte ich das Blut in meinen Kopf steigen, denn eine solche Unwürdigkeit hätte ich mir selbst bei einer Heidin nicht vorgestellt. Rasch und geräuschvoll trat ich aus meinem Versteck hervor und befahl dem Eunuchen, den Korridor sofort zu verlassen und sich auf sein Lager zu begeben. Ali grinste höhnisch und zeigte mir seine mächtigen Zähne wie ein kläffender Hund. Hassa wurde kreidebleich und zog sich ohne ein Wort der Entschuldigung zurück. Ich konnte lange keine Ruhe finden und kugelte mich in meinem Bette, denn ich befürchtete, daß zwischen Hassa und dem Eunuchen geheimnisvolle Beziehungen beständen, die vielleicht meine Beseitigung zum Ziele hätten. Ich beschloß daher, am nächsten Tage meinen Gebieter aufzusuchen und zugleich mit den Besprechungen über die Vorbereitungen zur Hochzeitsnacht auch meiner Beobachtungen Erwähnung zu tun. – – – – – – – – – –


Nachdem ich mich gewaschen, gebetet, mich gesalbt und parfümiert hatte, ging ich, wie es bereits zu meiner Gewohnheit geworden, zu meinem Freunde, dem Koch, um meine Kostproben zu nehmen, was mich einige Stunden des Vormittags beschäftigte. Dann schickte ich Mustafa zu meinem Gebieter und ließ fragen, wann er die Gnade hätte, mich im Laufe des Tages wichtiger Besprechungen wegen zu empfangen. Mir wurde die Mitteilung, daß ich zur Mittagsstunde in den Selamlik kommen und an der Tafel teilnehmen möge, was mich mit herzlicher Freude erfüllte und meinen Magen veranlaßte, einige hüpfende Bewegungen zu machen, die mich etwas schmerzten. Zugleich ließ mir mein Herr sagen, ich möchte den Befehl des Hauses für diesen Abend an Jussuf abgeben, weil ich wahrscheinlich erst zu später Stunde zurückkehren würde.

Als die Mittagszeit herannahte, schmückte ich mich, meldete der Walide, daß ich die Haremswache an Jussuf abgetreten hätte und begab mich über den Hof in den Selamlik.

Nachdem ich mehrere mit herrlichen Teppichen und Polstern ausgestattete Räume in Begleitung eines Dieners durchschritten hatte, hörte ich eine rauschende Musik und traf meinen Gebieter inmitten seiner Gäste in einem Prunksaale, der mit allerlei Kostbarkeiten aus Teppichen, Stoffen, Waffen und Gewächsen königlich geschmückt war. Der Glanz der Lichter, die bunten goldgestickten Gewänder, der schwere Tabakduft und die Klänge der Musik verwirrten mich etwas, so daß der Kammerherr mich am Arme nahm und mich zu meinem Gebieter geleitete, der auf einem erhöhten Sitze neben seinem Gefolge und den Gästen thronte. Ich verneigte mich vor ihm und begrüßte die übrigen Herren mit Ehrfurcht. Hierauf wurde mir befohlen, auf einem herbeigeschafften Kissen Platz zu nehmen. Während die Herren mich mit allerlei neckischen Fragen überschütteten und in ihrer Fröhlichkeit Kurzweil mit mir trieben, wurden noch delikatere Speisen gereicht als ich sie im Haremlik gewohnt war. Einer von den Gästen, der, nach seiner reichen Gewandung zu urteilen, ein ganz hoher Herr sein mochte, wandte sich an die übrigen Tischgenossen und sagte in ganz ernstem Tone: »Meine lieben Freunde und Brüder, mit Verwunderung habe ich wahrnehmen müssen, daß der Kißlar Agassi dieses Hauses sich in einem so abgemagerten und geschwächten Zustande befindet, daß man ihm unmöglich die Ueberwachung des Haremlik anvertrauen kann, ohne ihn vorher ausreichend zu kräftigen. Ich schlage euch daher vor, alle gemeinsam an seiner Fütterung teilzunehmen!« Die Herren lachten herzlich über diesen Vorschlag, und ehe ich etwas erwidern konnte, bildete sich ein Kreis um mich, und viele Hände stopften Bissen an Bissen in meinen Mund, und zwar mit solcher Schnelligkeit, daß ich kaum kauen konnte und zu ersticken glaubte. Als mir der Atem ausging und mein Leib bis zum Beginn der Zunge gefüllt war, ließen sie von mir ab. Mein Gebieter lachte während des ganzen Vorganges dermaßen, daß er beinahe von seinem Sitze heruntergefallen wäre, während ich wie ein übermäßig gefüllter Wasserschlauch zu platzen drohte und nur mit Mühe und Not Luft schöpfen konnte. Gern hätte ich etwas erwidert, aber das Sprechen war mir unmöglich, deshalb neigte ich nur mein Haupt und hauchte heftig aufstoßend: danke!

Infolge dieser übermäßigen Inanspruchnahme meines Leibes, die mir hoffentlich keinen Schaden an meiner Gesundheit bereiten werde und wegen der Anstrengungen einer ausgiebigen Verdauung war ich in der Tat so geschwächt und ruhebedürftig, daß ich den Festlichkeiten nur mit geringem Interesse beiwohnen konnte. Heute tanzten hier die Weiber mit den hüpfenden Bäuchen, und die Schattenspiele, die veranstaltet wurden, hinterließen einen tiefen Eindruck, denn sie hatten eine moralische Bedeutung und wurden von besonderen Künstlern ausgeführt. Auch Gaukler traten auf und zeigten allerlei seltsame Kunstgriffe, und Gruppen von Knappen führten gymnastische Spiele und lebende Bilder vor. – – – – – – – – – – –

Am späten Abend erhob sich mein Gebieter und befahl mir, ihm zu folgen. In einem benachbarten Zimmer fragte er mich nun, wie es Schekerpara ergehe, wie die Frauen die Feste begangen hätten, ob zahlreicher Besuch gekommen sei usw. mehr. Dann machte er mich darauf aufmerksam, daß er morgen abend zu Beginn der Nacht sein Beilager mit Schekerpara halten werde. Da seine Mutter nicht mehr am Leben sei, habe er eine Mamy Mamy = Hebamme. beauftragt, die Braut zu unterweisen. Wir besprachen auch die Frage des Dienstes bei der jungen Chasseki, und ich brachte Mustafa in Vorschlag, wobei ich die Gelegenheit wahrnahm, meine Beobachtungen, Hassa und Ali betreffend, ausführlich zu schildern.

Mein Gebieter wurde nachdenklich und sein Antlitz verfinsterte sich, als er sprach: »Der Hassa gedenke ich nur mit Widerwillen; diese fränkische Frau ist aller Laster des Abendlandes voll, und es war schon längst meine Absicht, sie von mir zu trennen. Ich fürchte, daß sie den Eunuchen veranlaßt hat, ihre Begierden in naturwidriger Art zu füllen, wie dies bei den Franken üblich zu sein scheint, denn Ali ist bisher ein guter Bursche gewesen. Bis auf weiteres mag Jussuf sich um die Hassa kümmern, den Dienst bei meiner Chasseki will ich vorläufig dem Ali anvertrauen, jedoch sollst du ein wachsames Auge haben und dich stets in der Nähe der Schekerpara aufhalten. Ich mache dich für alles verantwortlich, was geschieht!«

Mit diesen Worten entließ mich mein Gebieter, und ich war froh, daß ihm nicht der Gedanke gekommen ist, Hassa und Ali hätten sich zu einem Komplott gegen mein Leben verbunden.

Als ich den Haremlik betrat, nahmen die Besucherinnen Abschied von den Hannums des Hauses, sie bedankten sich für die festliche Bewirtung und schleppten eine Menge Gebäck und Süßigkeiten mit sich fort, denen ich mit Wehmut nachblickte.

Allah wollte, daß ich noch zur rechten Zeit kam, um meine Backschische in Empfang zu nehmen. Ich begrüßte Schekerpara, die sich gerade zum Schlafe rüstete, und begab mich dann selbst zur Ruhe. – – – – – – – – – – – – –


IV.

Im Namen Allahs,
des Erbarmers, des Barmherzigen!

O Prophet, wenn gläubige Frauen zu dir kommen
und dir geloben, Allah nichts an die Seite zu
stellen und weder zu stehlen noch zu huren
oder ihre Kinder zu töten oder mit einer Verleumdung
zu kommen, die sie zwischen ihren
Händen und Füßen ersonnen haben Gemeint ist die Unterschiebung illegitimer Kinder., noch
gegen dich im geziemenden widerspenstig zu
sein, so nimm ihren Treueid an und bitte
Allah um Verzeihung für sie. Siehe, Allah
ist verzeihend und barmherzig.

60. Sure, 12.

Siehe, die Gerechten werden trinken aus einem
Becher, gemischt mit Wasser aus der Quelle
Kafur Kampferquelle.. – Eine Quelle, aus der Allahs
Diener trinken sollen, sie leitend in Leitungen:
Sie, die das Gelübde erfüllen und einen Tag
fürchten, dessen Uebel sich weit ausbreitet.
Und die mit Speise, aus Liebe zu ihm, den
Armen und die Waise und den Gefangenen
speisen: »Siehe, wir speisen euch nur um
Allahs willen; wir begehren keinen Lohn von
euch noch Dank. Siehe, wir fürchten von
unserem Herrn einen finsterblickenden unheilvollen
Tag.« Drum schützt sie Allah vor dem
Uebel jenes Tages und wirft auf sie Glanz
und Freude; und er belohnt sie für ihre
Standhaftigkeit mit einem Garten und Seide.

Gelehnt in ihm auf Hochzeitsthronen, sehen sie in
ihm weder Sonne noch schneidende Kälte.
Und nahe über ihnen sind seine Schatten und
nieder hängen über sie ihre Trauben. Und
es kreisen unter ihnen Gefäße von Silber
und Becher wie Flaschen, Flaschen aus
Silber, deren Maß sie bemessen.

Und sie sollen darinnen getränkt werden mit
einem Becher gemischt mit Ingwer. Eine
Quelle ist darinnen, geheißen Salsabil. –

Und die Runde machen bei ihnen unsterbliche
Knaben; sähest du sie, du hieltest sie für zerstreute
Perlen. Und wenn du hinsiehst, dann
siehst du Wonne und ein großes Reich. Angetan
sind sie mit Kleidern von grüner Seide
und Brokat und geschmückt sind sie mit silbernen
Spangen, und es tränkt sie ihr Herr mit
reinem Trank: »Siehe das ist euer Lohn
und euer Eifer ist bedankt.«

76. Sure, 5-22.


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