William Shakespeare
Wie es euch gefällt
William Shakespeare

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Fünfter Aufzug

Erste Szene

Der Wald: Probstein und Käthchen

Prob. Wir werden die Zeit schon finden, Käthchen. Geduld, liebes Käthchen!

Kät. Wahrhaftig, der Pfarrer war gut genug, was auch der alte Herr sagen mochte.

Prob. Ein abscheulicher Ehrn Olivarius, Käthchen, ein entsetzlicher Textdreher. Aber, Käthchen, da ist ein junger Mensch hier im Walde der Anspruch auf dich macht.

Kät. Ja, ich weiss wer es ist: er hat in der Welt nichts an mich zu fordern. Da kommt der Mensch den ihr meint.

Wilhelm tritt auf

Prob. Es ist mir ein rechtes Labsal einen Tölpel zu sehen. Meiner Treu, wir die mit Witz gesegnet sind haben viel zu verantworten. Wir müssen necken, wir könnens nicht lassen.

Wil. Guten Abend, Käthchen.

Kät. Schönen guten Abend, Wilhelm.

Wil. Und euch, Herr, einen guten Abend.

Prob. Guten abend, lieber Freund. Bedeck den Kopf! bedeck den Kopf! Nun, sei so gut, bedeck dich! Wie alt seid ihr, Freund?

Wil. Fünfundzwanzig, Herr.

Prob. Ein reifes Alter. Ist dein Name Wilhelm?

Wil. Wilhelm, Herr.

Prob. Ein schöner Name. Bist hier im Walde geboren?

Wil. Ja, Herr, Gott sei Dank.

Prob. »Gott sei Dank« – eine gute Antwort. Bist reich?

Wil. Nun, Herr, so, so.

Prob. »So, so« ist gut, sehr gut, ganz ungemein gut . . . nein, doch nicht, es ist nur soso. Bist du weise?

Wil. Ja, Herr, ich hab einen hübschen Verstand.

Prob. Ei, wohl gesprochen! Da fällt mir ein Sprichwort ein: »Der Narr hält sich für weise, aber der Weise weiss dass er ein Narr ist.« Wenn der heidnische Philosoph Verlangen trug Weinbeeren zu essen, so öffnete er die Lippen, indem er sie in den Mund steckte: damit wollte er sagen, Weinbeeren wären zum Essen gemacht und Lippen zum Öffnen. Ihr liebt dieses Mädchen?

Wil. Das tu ich, Herr.

Prob. Gebt mir eure Hand. Bist du gelehrt?

Wil. Nein, Herr.

Prob. So lerne dieses von mir: Haben ist haben, denn es ist eine Figur in der Redekunst dass Getränk, wenn es aus einem Becher in ein Glas geschüttet wird, eines leer macht, indem es das andere anfüllt. Denn alle unsre Schriftsteller stimmen überein: ipse ist er. Ihr seid aber nicht ipse, denn ich bin er.

Wil. Was für ein Er, Herr?

Prob. Der Er, Herr, der dies Mädchen heiraten muss. Also, ihr Tölpel, meidet, was in der Pöbelsprache heisst: verlasst, den Umgang, was auf bäurisch heisst: die Gesellschaft, dieser Frauensperson, was im gemeinen Leben heisst: Mädchen . . . welches alles zusammen heisst: meidet den Umgang dieser Frauensperson, oder, Tölpel, du kommst um – oder, damit du es besser verstehst, du stirbst: nämlich ich töte dich, schaffe dich aus der Welt, bringe dich vom Leben zum Tode, von der Freiheit zur Knechtschaft. Ich will dich mit Gift bedienen, oder mit Bastonaden, oder mit dem Stahl. Ich will eine Partei gegen dich zusammenrotten, dich mit Politik überwältigen, ich will dich auf hundertundfünfzig Arten umbringen: darum zittre und zieh ab.

Kät. Tu es, guter Wilhelm.

Wil. Gott erhalt euch guter Dinge, Herr. Ab.

Corinnus tritt auf

Cor. Unsre Herrschaft sucht euch. Kommt! geschwind! geschwind!

Prob. Lauf, Käthchen! Lauf, Käthchen! Ich komme nach, ich komme nach. Ab.

 

Zweite Szene

Ebendaselbst: Orlando und Oliver

Orl. Ist es möglich dass ihr auf so geringe Bekanntschaft Neigung zu ihr gefasst? Kaum saht ihr sie, so liebt ihr. Kaum liebtet ihr, so warbt ihr. Kaum habt ihr geworben, so sagt sie auch ja? Und ihr beharrt darauf sie zu besitzen?

Oliv. Macht euch weder aus der Übereilung davon ein Bedenken, aus ihrer Armut, der geringen Bekanntschaft, meinem schnellen Werben, noch aus ihrem raschen Einwilligen: sondern sagt mit mir, ich liebe Aliena. Sagt mit ihr dass sie mich liebt. Willigt mit beiden ein dass wir einander besitzen mögen. Es soll zu eurem Besten sein, denn meines Vaters Haus und alle Einkünfte des alten Herrn Roland will ich euch abtreten und hier als Schäfer leben und sterben.

Rosalinde tritt auf

Orl. Ihr habt meine Einwilligung. Lasst eure Hochzeit morgen sein, ich will den Herzog dazu einladen und sein ganzes frohes Gefolge. Geht und bereitet Aliena vor, denn seht ihr, hier kommt meine Rosalinde.

Ros. Gott behüt euch, Bruder.

Oliv. Und euch, schöne Schwester.

Ros. O mein lieber Orlando, wie bekümmert es mich dich dein Herz in einer Binde tragen zu sehn.

Orl. Meinen Arm.

Ros. Ich dachte, dein Herz wäre von den Klauen eines Löwen verwundet worden.

Orl. Verwundet ist es, aber von den Augen eines Fräuleins.

Ros. Hat euch euer Bruder erzählt wie ich mich stellte als fiel' ich in Ohnmacht, da er mir euer Tuch zeigte?

Orl. Ja, und grössere Wunder als das.

Ros. O ich weiss wo ihr hinaus wollt. Ja, es ist wahr, niemals ging noch etwas so schnell zu, ausser etwa ein Gefecht zwischen zwei Widdern, und Cäsars thrasonisches Geprahle »Ich kam, sah und siegte«. Denn euer Bruder und meine Schwester trafen sich nicht so bald, so sahen sie . . . sahen nicht so bald, so liebten sie . . . liebten nicht so bald, so seufzten sie . . . seufzten nicht so bald, so fragten sie einander nach der Ursache . . . wussten nicht so bald die Ursache, so suchten sie das Hilfsmittel . . . und vermittelst dieser Stufen haben sie eine Treppe zum Ehestande gebaut die sie unaufhaltsam hinaufsteigen, oder unenthaltsam vor dem Ehestande sein werden. Sie sind in der rechten Liebeswut, sie wollen zusammen, man brächte sie nicht mit Keulen auseinander.

Orl. Sie sollen morgen verheiratet werden, und ich will den Herzog zur Vermählung laden. Aber ach! welch bittres Ding ist es, Glückseligkeit nur durch andrer Augen zu erblicken. Um desto mehr werde ich morgen auf dem Gipfel der Schwermut sein, je glücklicher ich meinen Bruder schätzen werde, indem er hat was er wünscht.

Ros. Wie nun? morgen kann ich euch nicht statt Rosalindens dienen?

Orl. Ich kann nicht länger von Gedanken leben.

Ros. So will ich euch denn nicht länger mit eitlem Geschwätz ermüden. Wisst also von mir (denn jetzt rede ich nicht ohne Bedeutung) dass ich weiss, ihr seid ein Edelmann von guten Gaben. Ich sage dies nicht, damit ihr eine gute Meinung von meiner Wissenschaft fassen sollt, insofern ich sage: ich weiss dass ihr es seid . . . noch strebe ich nach einer grössern Achtung als die euch einigermassen Glauben ablocken kann, zu eurem eignen Besten, nicht zu meinem Ruhm. Glaubt denn, wenns euch beliebt, dass ich wunderbare Dinge vermag: seit meinem dritten Jahr hatte ich Verkehr mit einem Zauberer von der tiefsten Einsicht in seiner Kunst, ohne doch verdammlich zu sein. Wenn euch Rosalinde so sehr am Herzen liegt als euer Benehmen laut bezeugt, so sollt ihr sie heiraten, wann euer Bruder Aliena heiratet. Ich weiss in welche bedrängte Lage sie gebracht ist, und es ist mir nicht unmöglich, wenn ihr nichts dagegen habt, sie euch morgen vor die Augen zu stellen, leibhaftig und ohne Gefährde.

Orl. Sprichst du in nüchternem Ernst?

Ros. Das tu ich bei meinem Leben, das ich sehr wert halte, sage ich gleich dass ich Zauberei verstehe. Also werft euch in euren besten Staat, ladet eure Freunde . . . denn wollt ihr morgen verheiratet werden, so sollt ihrs, und mit Rosalinden, wenn ihr wollt.

Silvius und Phöbe treten auf

Seht, da kommen Verliebte, die eine in mich und der andere in sie.

Phö. Es war von euch sehr unhold, junger Mann,
Den Brief zu zeigen den ich an euch schrieb.

Ros. Ich frage nichts danach, es ist mein Streben
Verachtungsvoll und unhold euch zu scheinen.
Es geht euch da ein treuer Schäfer nach:
Ihn blickt nur an, ihn liebt, er huldigt euch.

Phö. Sag, guter Schäfer, diesem jungen Mann
Was lieben heisst.

Silv. Es heisst aus Seufzern ganz bestehn und Tränen,
Wie ich für Phöbe.

Phö. Und ich für Ganymed.

Orl. Und ich für Rosalinde.

Ros. Und ich für keine Frau.

Silv. Es heisst, aus Treue ganz bestehn und Eifer,
Wie ich für Phöbe.

Phö. Und ich für Ganymed.

Orl. Und ich für Rosalinde.

Ros. Und ich für keine Frau.

Silv. Es heisst, aus nichts bestehn als Phantasie,
Aus nichts als Leidenschaft, aus nichts als Wünschen,
Ganz Anbetung, Ergebung und Gehorsam,
Ganz Demut, ganz Geduld und Ungeduld,
Ganz Reinheit, ganz Bewährung, ganz Gehorsam.
Und so bin ich für Phöbe.

Phö. Und so bin ich für Ganymed.

Orl. Und so bin ich für Rosalinde.

Ros. Und so bin ich für keine Frau.

Phö. zu Rosalinde: Wenn dem so ist, was schmäht ihr meine Liebe?

Silv. zu Phöbe: Wenn dem so ist, was schmäht ihr meine Liebe?

Orl. Wenn dem so ist, was schmäht ihr meine Liebe?

Ros. Wem sagt ihr das: »was schmäht ihr meine Liebe?«

Orl. Der die nicht hier ist und die mich nicht hört.

Ros. Ich bitte euch, nichts mehr davon: es ist als wenn die Wölfe gegen den Mond heulen . . . zu Silvius: Ich will euch helfen, wenn ich kann. zu Phöbe: Ich wollte euch lieben, wenn ich könnte. Morgen kommen wir alle zusammen. zu Phöbe: Ich will euch heiraten, wenn ich je ein Weib heirate, und ich heirate morgen. zu Orlando: Ich will euch Genüge leisten, wenn ich je einem Mann Genüge leistete, und ihr sollt morgen verheiratet werden. zu Silvius: Ich will euch zufriedenstellen, wenn das was euch gefällt euch zufriedenstellt, und ihr sollt morgen heiraten. zu Orlando: So wahr ihr Rosalinde liebt, stellt euch ein, zu Silvius: so wahr ihr Phöbe liebt, stellt euch ein, und so wahr ich kein Weib liebe, werde ich mich einstellen. Damit gehabt euch wohl, ich habe euch meine Befehle zurückgelassen.

Silv. Ich bleibe nicht aus, wenn ich das Leben behalte.

Phö. Ich auch nicht.

Orl. Ich auch nicht. Ab.

 

Dritte Szene

Ebendaselbst: Probstein und Käthchen

Prob. Morgen ist der frohe Tag, Käthchen . . . morgen heiraten wir uns.

Kät. Mich verlangt von ganzem Herzen danach, und ich hoffe, es ist kein unehrbares Verlangen, wenn mich verlangt, eine Frau wie andre auch zu werden. Hier kommen zwei von des verbannten Herzogs Pagen.

Zwei Pagen treten auf

1. Page. Schön getroffen, wackrer Herr!

Prob. Wahrhaftig, schön getroffen! Kommt, setzt euch, setzt euch, und ein Lied!

2. Page. Damit wollen wir aufwarten: setzt euch zwischen uns. Sollen wir frisch dran, ohne uns zu räuspern, oder auszuspeien, oder zu sagen dass wir heiser sind, womit man immer einer schlechten Stimme die Vorrede hält?

1. Page. Gut! gut! und beide aus einem Tone, wie zwei Zigeuner auf einem Pferde.

Lied:

Ein Liebster und sein Mädel schön,
    Mit heisa und ha und juchheisa trala!
Die täten durch das Kornfeld gehn,
    Zur Maienzeit, der lustigen Paarezeit,
Wann Vögel singen, tirlirelirei:
Süss Liebe liebt den Mai.

Und zwischen Halmen auf dem Rain,
    Mit heisa und ha und juchheisa trala!
Legt sich das hübsche Paar hinein,
    Zur Maienzeit, der lustigen Paarezeit,
Wann Vögel singen, tirlirelirei:
Süss Liebe liebt den Mai.

Sie sangen diese Melodei,
    Mit heisa und ha und juchheisa trala!
Wie's Leben nur 'ne Blume sei,
    Zur Maienzeit, der lustigen Paarezeit,
Wann Vögel singen, tirlirelirei:
Süss Liebe liebt den Mai.

So nutzt die gegenwärtige Zeit,
    Mit heisa und ha und juchheisa trala!
Denn Liebe lacht im Jugendkleid,
    Zur Maienzeit, der lustigen Paarezeit,
Wann Vögel singen, tirlirelirei:
Süss Liebe liebt den Mai.

Prob. Wahrhaftig, meine jungen Herrn, obschon das Lied nicht viel sagen wollte, so war die Weise doch sehr unmelodisch.

1. Page. Ihr irrt euch, Herr, wir hielten das Tempo, wir haben die Zeit genau in acht genommen.

Prob. Ja, meiner Treu! ich könnte die Zeit auch besser in acht nehmen als solch ein albernes Lied anzuhören. Gott befohlen, und er verleihe euch bessre Stimmen . . . Komm, Käthchen! Ab.

 

Vierte Szene

Ein anderer Teil des Waldes: der Herzog, Amiens, Jacques, Orlando, Oliver und Celia

Hzg. Und glaubst du denn, Orlando, dass der Knabe
Dies alles kann was er versprochen hat?

Orl. Zuweilen glaub ichs und zuweilen nicht,
So wie wer fürchtet hofft und weiss, er fürchte.

Rosalinde, Silvius und Phöbe treten auf

Ros. zum Herzog: Habt noch Geduld . . . erst wird der Pakt bekräftigt:
Ihr, wenn ich eure Rosalinde bringe,
Erklärt, ihr gebt sie dem Orlando hier?

Hzg. Ja, hätt ich Königreich' ihr mitzugeben.

Ros. zu Orlando: Ihr sagt, ihr wollt sie, wenn ich sie euch bringe?

Orl. Ja, wär ich aller Königreiche König.

Ros. zu Phöbe: Ihr sagt, ihr wollt mich nehmen, wenn ich will?

Phö. Das will ich, stürb ich gleich die Stunde drauf.

Ros. Wenn ihr euch aber weigert mich zu nehmen,
Wollt ihr euch diesem treuen Schäfer geben?

Phö. So ist der Handel.

Ros. zu Silvius: Ihr sagt, wenn Phöbe will, wollt ihr sie haben?

Silv. Ja, wär sie haben und der Tod auch eins.

Ros. Und ich versprach dies alles auszugleichen.
O Herzog, haltet Wort, gebt eure Tochter.
Orlando, haltet eures, sie zu nehmen.
Ihr, Phöbe, haltet Wort, heiratet mich.
Wenn ihr mich ausschlagt, ehlicht diesen Schäfer.
Ihr, Silvius, haltet Wort, heiratet sie,
Wenn sie mich ausschlägt . . . und von dannen geh ich,
Zu schlichten diese Zweifel. Rosalinde und Celia ab

Hzg. An diesem Schäferknaben fallen mir
Lebendige Züge meiner Tochter auf.

Orl. Mein Fürst, das erstemal dass ich ihn sah,
Schien mirs, er sei ein Bruder eurer Tochter.
Doch, lieber Herr, der Knab ist waldgeboren
Und wurde unterwiesen in den Gründen
Verrufner Wissenschaft von seinem Oheim,
Den er als einen grossen Zaubrer schildert,
Vergraben im Bezirke dieses Walds.

Probstein und Käthchen treten auf

Jac. Sicherlich ist eine neue Sündflut im Anzüge, und diese Paare begeben sich in die Arche. Da kommt ein Paar seltsamer Tiere, die man in allen Sprachen Narren nennt.

Prob. Gruss und Empfehlung euch allen!

Jac. Werter Fürst, heisst ihn willkommen: das ist der scheckig gesinnte Herr den ich so oft im Walde antraf. Er schwört, er sei ein Hofmann gewesen.

Prob. Wenn irgend jemand das bezweifelt, so lasst ihn mich auf die Probe stellen. Ich habe mein Menuett getanzt, ich habe den Damen geschmeichelt, ich bin politisch gegen meinen Freund gewesen und geschmeidig gegen meinen Feind, ich habe drei Schneider zugrunde gerichtet, ich habe vier Händel gehabt und hätte bald einen ausgefochten.

Jac. Und wie wurde der ausgemacht?

Prob. Nun, wir kamen zusammen und fanden, der Handel stehe auf dem siebenten Punkt.

Jac. Wie, siebenten Punkt? Lobt mir den Burschen, mein gnädiger Herr.

Hzg. Er gefällt mir sehr.

Prob. Gott behüt euch, Herr! Ich wünsche das nämliche von euch. Ich dränge mich hier unter die übrigen ländlichen Paare, zu schwören und zu verschwören, je nachdem der Ehestand bindet und Fleisch und Blut bricht. Eine arme Jungfer, Herr, ein übel aussehend Ding, Herr, aber mein eigen: eine demütige Laune von mir, Herr, zu nehmen was sonst niemand will. Reiche Ehrbarkeit, Herr, wohnt wie ein Geizhals in einem armen Hause, wie eine Perle in einer garstigen Auster.

Hzg. Meiner Treu, er ist sehr behende und spruchreich.

Prob. Wie des Narren Bolzen, und solche süssen Schüsse!

Jac. Aber der siebente Punkt! Wie fandet ihr den Handel auf dem siebenten Punkt?

Prob. Wegen einer siebenmal zurückgeschobenen Lüge . . . Halt dich grade, Käthchen . . . Nämlich so, Herr. Ich konnte den Schnitt von eines gewissen Hofmanns Bart nicht leiden . . . er liess mir melden, wenn ich sagte, sein Bart wäre nicht gut gestutzt, so wäre er andrer Meinung: das nennt man den »höflichen Bescheid«. Wenn ich ihm wieder sagen liess, er wäre nicht gut gestutzt, so liess er mir sagen, er stutzte ihn für seinen eignen Geschmack: das nennt man den »feinen Stich«. Sagte ich noch einmal, er wäre nicht gut gestutzt, so erklärte er mich unfähig zu urteilen: das nennt man die »grobe Erwiderung«. Nochmals, er wäre nicht gut gestutzt, so antwortete er, ich spräche nicht wahr: das nennt man die »beherzte Abfertigung«. Nochmals, er wäre nicht gut gestutzt, so sagte er, ich löge: das nennt man den »trotzigen Widerspruch«, und so bis zur »bedingten Lüge« und zur »offenbaren Lüge«.

Jac. Und wie oft sagtet ihr: sein Bart wäre nicht gut gestutzt?

Prob. Ich wagte nicht weiter zu gehn als bis zur bedingten Lüge, noch er mir die offenbare Lüge zuzuschieben, und so massen wir unsre Degen und schieden.

Jac. Könnt ihr nun nach der Reihe die Grade nennen?

Prob. O Herr, wir streiten wie gedruckt, nach dem Buch, so wie man Sittenbüchlein hat. Ich will euch die Grade aufzählen. Der erste der höfliche Bescheid, der zweite der feine Stich, der dritte die grobe Erwiderung, der vierte die beherzte Abfertigung, der fünfte der trotzige Widerspruch, der sechste die Lüge unter Bedingung, der siebente die offenbare Lüge. Aus allen diesen könnt ihr euch herausziehen, ausser der offenbaren Lüge, und aus der sogar, mit einem blossen Wenn. Ich habe erlebt dass sieben Richter einen Streit nicht ausgleichen konnten, aber wie die Parteien zusammenkamen, fiel dem einen nur ein Wenn ein, zum Beispiel: »wenn ihr so sagt, so sage ich so«, und sie schüttelten sich die Hände und machten Brüderschaft. Das Wenn ist der wahre Friedensstifter, ungemeine Kraft in dem Wenn.

Jac. Ist das nicht ein seltner Bursch, mein Fürst? Er versteht sich auf alles so gut und ist doch ein Narr.

Hzg. Er braucht seine Torheit wie ein Stellpferd, um seinen Witz dahinter abzuschiessen.

Hymen mit Rosalinde in Frauenkleidern an der Hand, und Celia treten auf

Feierliche Musik

Hym.      Der ganze Himmel freut sich,
        Wenn irdischer Dinge Streit sich
            In Frieden endet.
        Nimm deine Tochter, Vater,
        Die Hymen, ihr Berater,
            Vom Himmel sendet.
        Dass du sie gebst in dessen Hand
        Dem Herz in Herz sie schon verband.

Ros. zum Herzog: Euch übergeb ich mich, denn ich bin euer.
zu Orlando: Euch übergeb ich mich, denn ich bin euer.

Hzg. Trügt nicht der Schein, so seid ihr meine Tochter.

Orl. Trügt nicht der Schein, so seid ihr meine Rosalinde.

Phö. Ists Wahrheit, was ich seh, Dann – meine Lieb, ade!

Ros. zum Herzog: Ich will zum Vater niemand ausser euch.
zu Orlando: Ich will zum Gatten niemand ausser euch.
zu Phöbe: Ich nehme nie ein Weib mir ausser euch.

Hym.      Still! die Verwirrung end ich,
        Die Wunderdinge wend ich
            Zum Schluss, der schön sich fügt.
        Acht müssen Hand in Hand
        Hier knüpfen Hymens Band,
            Wenn nicht die Wahrheit lügt.

zu Orlando und Rosalinde: Euch und euch trennt nie ein Leiden.
zu Oliver und Celia: Euch und euch kann Tod nur scheiden.
zu Phöbe: Ihr müsst seine Lieb erkennen
Oder ein Weib Gemahl benennen.
zu Probstein und Käthchen: Ihr und ihr seid euch gewiss
Wie der Nacht die Finsternis.
Weil wir Hochzeits-chöre singen,
Fragt euch satt nach diesen Dingen:
Dass euer Staunen sei verständigt
Wie wir uns trafen, und dies endigt.

Lied:

        Ehstand ist der Juno Krone:
            O seliger Bund von Tisch und Bett!
        Hymen bevölkert jede Zone,
            Drum sei die Eh verherrlichet.
        Preis, hoher Preis und Ruhm zum Lohne
        Hymen, dem Gotte jeder Zone!

Hzg. O liebe Nichte, sei mir sehr willkommen!
Als Tochter, nichts Geringres, aufgenommen.

Phö. zu Silvius: Ich breche nicht mein Wort: du bist nun mein,
Mich nötigt deine Treue zum Verein.

Jakob tritt auf

Jak. Verleiht für ein paar Worte mir Gehör:
Ich bin der zweite Sohn des alten Roland,
Der Zeitung diesem schönen Kreise bringt.
Wie Herzog Friedrich hörte, täglich strömten
Zu diesem Walde Männer von Gewicht,
Warb er ein mächtig Heer. Sie brachen auf,
Von ihm geführt, in Absicht seinen Bruder
Zu fangen hier und mit dem Schwert zu tilgen.
Und zu dem Saume dieser Wildnis kam er,
Wo ihm ein alter heiliger Mann begegnet,
Der ihn nach einigem Gespräch bekehrt
Von seiner Unternehmung und der Welt.
Die Herrschaft lässt er dem vertriebnen Bruder,
Und die mit ihm Verbannten stellt er her
In alle ihre Güter. Dass dies Wahrheit
Verbürg ich mit dem Leben.

Hzg.                                             Willkommen, junger Mann!
Du steuerst kostbar zu der Brüder Hochzeit:
Dem einen vorenthaltne Länderein,
Ein ganzes Land, ein Herzogtum, dem andern.
Zuerst lasst uns in diesem Wald vollenden,
Was man hier wohl begann und wohl beging.
Und dann soll jeder dieser frohen Zahl,
Die mit uns herbe Tag und Nacht erduldet,
Die Wohltat unsers neuen Glückes teilen,
Wie seines Ranges Mass es mit sich bringt.
Doch jetzt vergesst die neue Herrlichkeit
Bei dieser ländlich frohen Lustbarkeit.
Spiel auf, Musik! . . . Ihr Bräutigam' und Bräute,
Schwingt euch zum Tanz im Überschwang der Freude.

Jac. Herr, mit Erlaubnis: – hab ich recht gehört,
So tritt der Herzog in ein geistlich Leben
Und lässt die Pracht des Hofes hinter sich?

Jak. Das tut er.

Jac. So will ich zu ihm: diese Neubekehrten,
Sie geben viel zu hören und zu lernen.
zum Herzog: Euch, Herr, vermach ich eurer vorigen Würde,
Durch Tugend und Geduld verdient ihr sie . . .
zu Orlando: Euch einer Liebsten, eurer Treue wert.
zu Oliver: Euch eurem Erb und Braut und mächtigen Freunden . . .
zu Silvius: Euch einem lang und wohlverdienten Ehbett . . .
zu Probstein: Und euch dem Zank . . . denn bei der Liebesreise
Hast du dich auf zwei Monat nur versehn
Mit Lebensmitteln . . . Seid denn guter Dinge:
Ich bin für andre als für Tänzersprünge.

Hzg. Bleib, Jacques, bleib!

Jac. Zu keiner Lustbarkeit . . . habt ihr Befehle,
So schickt sie mir in die verlassne Höhle. Ab.

Hzg. Wohlan! wohlan! begeht den Feiertag,
Beginnt mit Lust was glücklich enden mag. ein Tanz

 

Epilog

Ros. Es ist nicht Sitte dass die Heldin den Epilog macht, aber es ist nicht unziemlicher als wenn der Held den Prolog macht. Wenn es wahr ist dass guter Wein keinen Kranz braucht, so ists wahr dass ein gutes Stück keinen Epilog braucht. Aber bei gutem Wein nimmt man gute Kränze und gute Stücke machen sich desto besser mit Hilfe guter Epiloge. In was für einem Fall bin ich nun, die ich weder ein guter Epilog bin noch mich bei euch einschmeicheln kann mit einem guten Stück? Ich bin nicht gekleidet wie ein Bettler, drum steht mir nicht an zu bitten: mein Mittel ist euch zu beschwören, und ich beginne mit den Frauen. Ich befehle euch, o Frauen, bei eurer Liebe zu Männern, dies Spiel so gern zu haben als euch gefällt . . . und ich befehle euch, o Männer, bei eurer Liebe zu Frauen (und ich merke an eurem Gelächel, keiner von euch hasst sie) dass euch und den Frauen das Spiel zusammen gefalle. Wär ich eine Frau, so würde ich so viele von euch küssen als Bärte haben die mir gefielen, Gesichter die ich möchte, und Odem der mir nicht widerte: und ich bin sicher, so viele als gute Bärte oder gute Mienen oder angenehmen Odem haben, werden mir, für mein freundliches Erbieten, bei meiner Verbeugung Lebwohl wünschen.

 


 


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