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Der Graf mit dem zweiten Gesicht

Erstes Kapitel.

Unsere Erzählung beginnt zur Zeit des großen blutigen Bürgerkrieges, der im 17. Jahrhundert das britische Reich erschütterte. Schottland war von den Greueln des innern Krieges noch nicht heimgesucht worden, obgleich die Einwohner in ihren politischen Ansichten sich in feindlich einander gegenüberstehende Parteien schieden. Viele waren unzufrieden über die Oberherrschaft der Stände, verwarfen die Kühnheit, daß das schottische Parlament dem englischen Heer ein Heer zur Hilfe ausgesandt hatte, und trugen sich vielmehr mit dem Vorsatz, auf die erste Gelegenheit hin auf Seite des Königs zu treten und zum mindesten dahin zu wirken, daß das Heer unter General Leslie aus England zurückgerufen würde, sofern es nicht möglich sein sollte, einen großen Teil Schottlands dem König zu erhalten.

Diesem Plane huldigten vor allem die Adligen vom Norden, die sich aufs hartnäckigste geweigert hatten, dem sogenannten feierlichen Bunde beizutreten, und einige Häuptlinge der Hochlandsstämme, deren Interessen und Einfluß auf dem Bestand des Königtums beruhten und die schließlich noch in dem halbwilden Zustande lebten, wo man den Krieg lieber sieht als den Frieden.

Die Leiter des Staates erkannten wohl die Gefahr der gegenwärtigen Lage und ergriffen mit großer Sorgsamkeit Maßregeln zur Abwehr. In Selbstzufriedenheit stützten sie sich jedoch darauf, daß vorderhand noch kein Führer oder einflußreicher Wann aufgetreten war, um die Königspartei zu einem Heere zusammenzuschließen, ja es hatte sich noch nicht einmal jemand gefunden, um die Banden, die vielleicht in ebendemselben Maße durch Liebe zum Raub, wie durch politische Grundsätze zu Feindseligkeiten sich hinreißen ließen, in zusammenhängenden Unternehmungen oder vorübergehenden Ausfällen anzuführen. Im allgemeinen rechnete man damit, daß man in den ans Hochland anstoßenden Grafschaften des Niederlandes nur eine genügende Masse Militär aufzustellen brauchte, um die Häuptlinge der Gebirge wirksam in Schach zu halten.

In den westlichen Hochlanden hatte die hervorragende Partei zahlreiche Feinde; doch glaubte man, daß der Marquis von Argyle, auf den das Parlament mit Sicherheit zählen konnte, seinen umfassenden Einfluß dahin geltend gemacht habe, die Macht der unzufriedenen Clans zu brechen und den Mut ihrer Häuptlinge zu dämpfen. Seit dem letzten Friedensschluß war durch die dem König abgenötigten Zugeständnisse der überwiegende Einfluß dieses Edelmannes in den Hochlanden noch bedeutend gewachsen. Allerdings war man sich klar darüber, daß Argyle mehr der Mann war, eine politische Unternehmung geschickt zu leiten, als persönlichen Mut zu betätigen und daß er es besser verstände, einen Staatsstreich ins Werk zu setzen, als feindselig gesonnene Gebirgsbewohner im Zaum zu halten; doch glaubte man, was dem Häuptling fehle, werde durch die große Zahl seiner Stammesangehörigen und den Mut der tapferen Herren, die ihre Führer im Kriege waren, wieder wett gemacht. Da nun die Campbells schon mehrere ihrer Nachbarstämme ihre Übermacht bitter hatten fühlen lassen, so war man der Hoffnung, es würde sich wohl ein jeder Stamm hüten, sich einen so gewaltigen Clan zum Feinde zu machen.

Na nun das schottische Parlament oder die Konvention der Stände mit Sicherheit auf den ganzen Westen und Süden Schottlands – den reichsten Teil des Königreichs – rechnen konnte und außerdem noch viele mächtige Freunde hatte, so war man der Meinung, daß man sich durch keinerlei Rücksicht auf drohende Gefahren bestimmen zu lassen brauche, die eingeschlagene Politik zu ändern oder die Hilfsarmee von 20000 Mann zurückzuziehen – die zur Unterstützung der Truppen des englischen Parlaments abgesandt worden war und die Königspartei mitten in ihrer Laufbahn zum Sieg und Erfolg aufgehalten und gezwungen hatte, sich auf die Verteidigung zu beschränken.

Das Heer des englischen Parlaments, mit der schottischen Armee und den Streitkräften des Lord Fairfax und des Grafen von Manchester vereinigt, war stark genug, York zu belagern und die furchtbare Schlacht von Marston-Moore zu schlagen, in der der Prinz Ruprecht und der Marquis von Newcastle vernichtet wurden.


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