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Personen

David

Joab

Der Diener

 

Erster Akt

David, König von Judäa. / Joab, sein Heerführer

Der König David, halb priesterlich, halb kriegerisch gekleidet, rezitiert kniend ein Gebet, an dem er schreibt.

David: … Selbst der kräftigste Mensch wird schwach, und selbst der junge Mensch strauchelt, wer sich aber Gott vertraut … Joab tritt ein. Du kommst zu früh, Joab; ich habe mein Gebet noch nicht vollendet. Sei still. – Wo war ich nur? … Ja! … Der wird nicht straucheln. Gott wird dem seine Stärke leihen, der müde ist; die Flügel werden ihm wachsen wie Adlern. – Ich hatte erst gesetzt: ihre Flügel werden wachsen wie jene … aber: wie Adlern ist besser. Was willst du von mir?

Joab: Der Hetiter ist zurück.

David: Wer ist dieser Hetiter? Woher kommt er?

Joab: Er liegt vor Rabba und bringt Nachrichten von dort. Ansonst ist er ein Soldat, nichts weiter, und wenn der König …

David: Solltest du eifersüchtig sein auf ihn, Joab? Uriel der Hetiter ist der Tapferste meiner Leute. Ich tat, als kennte ich ihn nicht, um dich lügen zu hören. Soll ich vergessen, wer die Philister bei Gath besiegte? Wer gegen sie die Ebenen von Dammim verteidigte? Sag: wer erschlug die beiden Löwen von Moab? Er war's. Und die vier Riesen, des Rapha Söhne? Er war's.

Joab: Vielleicht …

David: Hör weiter: Zur Zeit der Ernte war ich in der Höhe von Baullam, da suchte ich nach Kühlung vergeblich. Die Philister lagerten im Tale; seit zwei Tagen hatten sie Betlehem eingenommen. Du weisst, in Betlehem ist eine bittre Quelle; nach deren Wasser dürstete mich den Tag, und ich stöhnte danach … Wer schritt durch das Lager des Feindes? Und wer wagte sein Leben dafür, mir einen Becher Wasser zu bringen? Wer, sag doch! Es war der Hetiter Urias. Tu nicht, Joab, als ob du es vergessen hättest; am Rand des Grabes denke ich's noch. Ich will nicht, dass einer sagen kann, man sei dem König ohne Nutz gefällig. Ich erwarte, dass Urias an meinem Tische isst. Alles, was mein ist, gehört ihm. Ich erwarte ihn; man lass es ihn wissen. Joab gibt einem Diener ein Zeichen und den Befehl des Königs. Er ist der Freund des Nathan, nicht wahr?

Joab: Des Propheten Nathan, ja, Herr – und will sich zurückziehen.

David: Geh nicht fort. David schweigt eine Weile. Ich habe Angst vor dem Propheten … Du lächelst? Du kennst nicht seine Macht, deshalb. Das Volk gehorcht seiner Stimme; ich selber, vor ihm, wie ein Kind bin ich stumm; sagt er »der Ewige« … man glaubt Gott selber zu hören. Ja ja, ich habe auch andere Propheten gehört: sie prophezeien, dann sind sie still. Die Stimme dieses aber hört nicht auf. Ich will ihn zwingen, dass er schweigt. Mein Joab, ich habe Angst vor Nathan. – – – – – – – – – Es kommt eine Stunde im Tag, da die Kraft der Könige sich mindert: Es kommt ein Tag im Leben, da der rüstige Schreiter sich müde fühlt. Ich denke meiner Kräfte, der Gebete meiner Jugend; der damals mit Gott sprach, war ich. Ich denke des König Saul … Auch ich, wie er, fange an, vor meinen Schritten den Schatten wachsen zu sehen. Ich bin es nicht mehr, den der Ewige hört; er spricht nicht mehr durch meinen Mund, er richtet das Wort nicht mehr an mich … Doch trag ich schlecht seit einer Zeit sein Schweigen. Ich will ihn zwingen, dass er redet. – – – – – – – – – – Wie ein ausgehungerter Hund an einem faserlosen Knochen nagt, wie eine Mutter in die Arme ihr totes Kind drückt, so drückte ich nachtlang den Namen meines Gottes auf meine Lippen. In meinen gebetgekreuzten Händen wärmte ich, was mir an Glauben blieb, um zu beten. Und sieh – ich hörte es über mir wie einen Flügelschlag … es war die Stunde, da das Licht der Lampe flackert, da das Öl der Lampe versiegt; die Stunde, da der Mutige erschrickt, da sein kraftvoller Entschluss schwach wird, da der Wein des Schlafes trunken macht die Könige und die Menschen. Meine Seele aber in mir blieb wach; ich hatte Gott erwartet die Nacht lang. – Ich vernahm es über mir wie einen Hauch: der schwerlose Geist Gottes, der zu mir herabstieg. Geist Gottes, welchen Namen geb ich dir? … Joab, ich sah oft die Taube um ihr Nest flattern, wenn sie eine Weile zögert: soll ich mich niederlassen? Und wie sie zögert, sich niederzulassen. Über meinem Lager schlug der Geist Gottes mit dem Flügel. Er kam immer näher … Goldene Taube, meine Hand wird dich bald greifen, vielleicht … Ich streckte den Arm. Erhob mich und verfolgte sie von Saal zu Saal bis hin zur Treppe rechts, die zu den Gärten hinaufsteigt. Sie wuchs; sie leuchtete wie ein Blitz, ruhte manchmal – da fühlte ich mit einem Schlag ganz kraftlos meine Knie, und ganz nah, sie zu greifen, fasste Bestürzung meine ganze Seele. Sie ging weiter; sie hüpfte von Stufe zu Stufe; ich wollte sie fassen und wagte nicht … Wohin du auch fliegst, Taube, ich warte hier … – – – – – – – – – Das war eine heimliche kleine Terrasse, von der ich glaubte, ich kennte sie noch nicht. Der Vogel Gottes hatte sich plötzlich hoch in die Luft geschwungen: es kam mir plötzlich vor, als nehme er all mein Verlangen mit sich. Es war bald die Stunde, da der Himmel erwacht, da die Mauer blaut. Die Gärten zu meinen Füssen waren tiefe Schattenbecken, in die mein sichtiger Blick durch den Nebel tauchte. Wem gehören diese Gärten, Joab? Ich, ich weiss es nicht; ich weiss nur, dass hier mein Haus aufhört. Ich beugte mich hinüber, denn ich unterschied nicht deutlich genug, was ich im Grunde eines Gartens Weisses sich bewegen sah. Ich ahnte am stärkeren Dunste einen Brunnen; hei dem Brunnen eine gebeugte Gestalt; war das ein verschleiertes Weib? Ein weisser Flügel am Wasserrand? … Ja, das bewegte sich, das tat wie ein Flügel; eine Weile glaubte ich, ich hätte meinen Vogel wiedergefunden. Die aufgehende Sonne zwang mich, die Lider zu schliessen; da ich die Augen wieder öffnete, war ich von Licht geblendet, aber nichts sonst als ein Weib war da; die nackten Füsse standen im Wasser. Zwischen Rosenbüschen durch schritt die Frau bis ans Herz des Brunnens. Und weiter noch schritt sie in mein Herz. Ihr Gesicht, ich konnte es nicht sehen, und ihr Haar deckte schwarz die Schultern; aber durch die Rosenbüsche sah ich ihren Bauch zucken, eine Blume schien sich zu erschliessen zwischen ihren Knien, die sie auseinandertat … Mein Herz stieg mir in die Kehle und sprang in einem Schrei heraus … Der Diener, der zum Hetiter geschickt war, kommt zurück.

Der Diener: Herr, Urias lässt dem König, seinem Herrn, vermelden …

David: Er kommt nicht?

Der Diener: Er sagt: Ich soll in das Haus des Königs treten und Rabba ist noch nicht eingenommen.

David: Es ist gut. Wenn er nicht kommt, so werde ich zu ihm gehen. Geh, Joab. Er soll ein sehr einfaches Mahl bereiten, und ich werde diesen Abend sein Gast sein. Meld es ihm. Exit Joab.

 

Zweiter Akt

David. / Joab

David sitzt bekümmert. Joab steht vor ihm.

David: Er bewohnt einen kleinen Garten … – Der Tisch unter der Weinlaube, auf dem mich das Mahl erwartete, war weiss. – Sieh, sagte er, meine Rebe, und wie sie Schatten gibt. – Und lieblich war der Schatten auf dem Tisch. – Der wenige Wein, den sie mir spendet, ist der hier, König David; er ist süss, kost ihn. – Und sein Weib, das herbeigekommen war – Bathseba nennt sie sich – neigte sich und füllte meinen Becher. Die dunkle Flut ihres Haares schien um sie zu zittern. Ich hatte sie nicht wiedererkannt und auch, anfangs, den Garten nicht wiedererkannt. Sie kam mir, bekleidet, noch viel schöner vor. Ihr ungekanntes Antlitz lächelte … Aber der Garten, Joab! der Garten! Wie sag ich es nur? Er glich nicht mehr jenem des Morgens, den Nebel füllten; das war ein heimlicher Ort … Ich trank den Becher Weines. Ich habe manchen Wein getrunken, Joab, aber nach diesem da, glaube ich, dürstete mich seit langem; er stieg in mich hinab wie ein tiefes Glück; er erfüllte mein Herz wie die Erhörung der Gebete; ich fühlte meine Kräfte jung werden. Bathseba lächelte; der Garten füllte sich mit Licht; alles strahlte von Liebe und Glück des Urias. –

Du siehst all mein Glück, König David, sagte er; es ist einfach; es hält sich im Schatten eines Gartens. Es schläft in den Mauerlöchern deines Palastes. Gegen Kälte, gegen Wind schützt es dein Haus, unwissentlich sogar … Ich, einer deiner Geringsten, grosser König David, was bin ich vor dir? – Vor den Philistern schützt mich deine Stärke, sagte ich, – was bin ich vor Gott, Hetiter? Dich aber kenn ich als einen meiner Tapfersten, und von der Höhe meines Hauses herab unterschied ich deinen Garten. Er war bleich und blau von den Nebeln des Morgens; die Sonne hob sich kaum hinein …

Ich konnte diese Nacht nicht schlafen, ich hatte so gebetet, dass ich trunken war; und da ich die Treppe hinaufstieg, strauchelte ich bei jedem Schritt; wie im Schlafe noch verfolgte ich einen Traum und träumte von einem wundersamen Vogel, der flog von Saal zu Saal, und ich wurde müde, da ich ihm folgte; aber es führte mich wohl Gott durch ihn bis zu dieser schmalen Terrasse, sieh, die dort oben. Ich sah meinen Vogel in deinem Garten wieder, Urias. Als die Sonne durch den Nebel drang, ja, der Vogel, den ich verfolgte … du lächelst? er war da – komm, zeig sie mir – an einer Quelle; er hatte das Rosengebüsch auseinandergezwängt, und da, ruhig, allen Augen ferne, glaubte er wohl, da badete er in dem zitternden Wasser … Vor Rabba zurückgehalten, konntest du ihn nicht sehen, lieber Urias, aber Bathseba vielleicht …? Und Bathseba schwieg errötend und beugte sich zum Wasser und liess, Scham oder Lächeln zu verbergen, ihr Haar vor das Gesicht fallen.

Schon neigte sich der Tag; der ganze Garten sog sich mit Schatten voll … – Urias, sagte ich, weshalb bist du nicht in den Palast gekommen? Ist es, weil Nathan … – Ich habe Nathan noch nicht gesehen, Herr; nicht seit meiner Rückkehr von der Belagerung von Rabba. König David, König David, das stolze Rabba ist noch nicht genommen! … Ich soll im Palaste des Königs ruhen, und dein Volk wartet in Ungeduld! Nein, so lange die Krieger, o König, diese Mauern nicht gestürmt haben, ist mein Platz im Felde, bei ihnen; diesen Abend noch kehre ich zurück. – Bleib mit uns noch eine Weile, Urias; wie lange brauchst du nach Rabba? Ein paar Stunden … Schon hebt sich die Nacht. Und dann sprachen wir nichts mehr. Der Himmel war so klar, dass man die Quelle hörte und dass das Dunkel um Urias einer stillen Tiefe seines Glückes glich … – – – – Aber das Verlangen, Joab! Das Verlangen tritt in die Seele ein wie ein Fremder, den hungert.

Joab: Und was, König David, hält dich zurück? Nimm dir dieses Weib.

David: Ja. – – – Das tat ich alsbald, Joab. Er hat einen kleinen Garten. Die geringste meiner Terrassen ist grösser! Ich habe die Hände schon voll Gut und Glück, dass ich nicht mehr ein Korn darin halten kann; aber dieses kleine Glück da, dafür lass ich alle andern zur Erde fallen … Es ist aus so wenig gemacht, dieses Glück! Als ob es genügte, dass ich meine Hand ausstrecke, es haben wollte, um es zu nehmen, dass ich meine Hand darauf lege, um es zu haben …

Joab: Und Bathseba, Herr.

David: Ja, Bathseba. Ja, ich glaubte sie schöner. Sie ist schöner so in ihrem Garten, als da sie in der Quelle badete. Bathseba! Bathseba … … Bist du das Weib? Bist du die Quelle? Meines Verlangens schwankendes Bild?

Joab, da ich sie endlich in meinen Armen hielt, wirst du es glauben, kam mir beinah ein Zweifel, ob sie es war, die ich verlangte, ob's nicht etwa der Garten war … Und dieser Wein! Der Wein, den ich trank, der Wein ihrer kleinen Rebe! Trank ich mit einem Zug den ganzen Inhalt? Ich habe Angst davor. Es ist der Wein, nach dem ich dürste, sag ich dir. Als ob er rührte, Tropfen um Tropfen mir einen dürren Winkel meines Herzens feuchtete. Du denkst noch: dies Wasser von Betlehem, das Urias mir an einem Fiebertage holen ging; er allein konnte meiner Lippe ihre Frische geben: mich dürstet nach diesem Glücke des Urias, und sei es auch gemacht aus allerwenigstem … Genug, Joab! Du siehst, es ist unmöglich.

Weshalb besitze ich nicht mehr? Bring mir dies Weib zurück in den kleinen Garten des Hetiters. Alles ginge gut, verlangte mich bloss nach ihr; so aber … Dann weiss ich auch, dass er zurückkommt diesen Abend. Er soll sein ruhiges Glück wieder finden, wie er es verlassen hat; zumindest glaubt er so. Denn des Schiffes Spur auf der Welle, des Mannes Spur auf dem Leibe des tiefen Weibes, Gott selber, Joab, erkennte sie nicht. Doch sieh immer zu, dass Nathan der Prophet davon nichts weiss …

Exit Joab.

 

Dritter Akt

Der gleiche Saal. Der König David ist allein, in der Nacht.

Bist du es, Joab? … Nein. Noch nichts. Soll ich allein bleiben bis zum Morgen? Und diese Nacht, endet denn diese Nacht nicht? Ich betete zu Gott; und dann, hoffte ich, würde ich gleich einschlafen. Aber gibt es denn hinfort noch einen Schlaf für David? Ich wollte zu Gott beten und ich begann zu sinnen … Schön ist die Tat den leiblichen Augen am hellen Tage, unheilvoll dem, der sie des Nachts mit dem Auge des Geistes wiedersieht! Wer auf dem Gipfel der vollbrachten Tat nicht alsobald einschlummert, aber sie im Dunkel sich immer wieder erinnert, der gleicht einem Blinden, der, um es wiederzuerkennen, mit seinen Händen das Antlitz eines Toten, den er liebte, liebkost. Fänd ich wo Rast! Joab! Gott schütz uns vor Nächten, in denen nicht Schlaf noch Liebe wohnt. – – – Alles schickte sich an, mich schlafen zu lassen; alles war still, und alles schlief schon, in meinem Herzen, im Himmel und auf Erden, und ich wollte einschlafen … Da kam der Hetiter. Plötzlich kam er aus der Nacht heraus; und ich erkannte ihn kaum; nur die Lampe an meinem Lager leuchtete auf ihn. Wie kam er herein? Die Tore sind doch geschlossen. Er stand vor mir ohne ein Wort und ohne seinen Mantel abzuwerfen. – Urias, sagte ich, bist du es? Antworte! Weshalb kommst du? Was willst du tun? Hast du über Rabba gesiegt? Wohl nicht. Ich wüsste es sonst schon … Leg deinen Mantel ab. Ich kann deine Augen nicht sehen. Sprich zu mir. So sprich doch! Weshalb bist du so unbeweglich? Wer liess dich kommen? Was willst du von mir? Deine Bathseba erwartet dich. Dein Platz ist in ihrem Bett, neben ihr, in deinem Garten. Geh doch. Geh heim. Ich will schlafen …

Weshalb geht er nicht fort, Joab? … Weshalb bleibt er ohne ein Wort? Was will er von mir? Geschenke? – Er hat sie immer zurückgewiesen … Und er wollte nicht einmal den süssen Wein trinken, den ich ihm reichte, als ich ihn so bleiben sah. Und seine Anwesenheit, in der Nacht, weilte und weilte; es schien mir zuweilen, dass die Lampe an meinem Lager verlöschen wolle oder dass der Hetiter im Schatten verfliesse … – – – – – War er wirklich fort, als der Prophet Nathan kam? … Ah! Ich schlief nicht diese Nacht. Ich habe es dir ja gesagt! Nathan war fürchterlich … Jetzt aber, Joab, frage ich Gott: was soll der Mensch tun, wenn hinter jeder seiner Begierden Gott sich verbirgt? – – – – – – Als ob er jedes seiner Worte aus mir herausrisse in der Nacht, so begann Nathan zu sprechen. Was hat er gesagt! Ach! Ich möchte seine Worte auslöschen in mir … Er sprach von einem Armen, der nichts besass als ein Lamm. Ein Lamm, sag ich dir, das er gekauft und aufgezogen, das er heranwachsen gesehen, das auf seiner Brust schlief, das er liebte. – Genug, Nathan! Ich weiss. Bathseba heisst es! Schweig! – Er aber, als ob er mich nicht hörte, sprach weiter: – Neben dem armen Mann wohnte ein sehr reicher Mann, der besass Reichtümer in solcher Zahl und Vieh so viel, dass er es nicht zählen konnte. Ein schweifender Wanderer kam zu dem Reichen … – Genug, Nathan! Genug! Ich erkenne in ihm mein Verlangen … – Er hatte Hunger. – Ich wusste nicht, wie seinen Hunger stillen. – Der Reiche aber, der Güter in solcher Zahl sein nannte … – Nichts von all meinem Besitz gefiel mir mehr. – Tat, als schlösse er über seinem Reichtum die Augen und ging an die Habe des Armen. – Das wollte er, der Wanderer. Nichts andres, sag ich dir, hätt ihn befriedigen können. Umsonst wollt ich ihn schweigen machen; er sprach so laut wie ein König im Hause. – Das Lamm, das der Arme hatte für sein einziges Gut, der Reiche hat es genommen. – Genug, Nathan! Genug! … Dein Reicher hat den Tod verdient! – Das Lamm, das der Arme hatte für sein einziges Gut, der Reiche hat es genommen … – Auch das ist es nicht, was das schweifende Verlangen begehrte … Und sieh! Seine Bathseba, ich hab sie ihm zurückgegeben. Ich verlangte ihrer nur mit dem Schatten ihres Gartens. Wonach ich Verlangen trug, war der Frieden des Urias, zwischen seinen so einfachen Dingen, und die er liess, um mir zu dienen … Ich will, ich will bereuen, aber was hab ich getan? In der Zeit meines Verlangens war Bathseba vor meinen Augen, und ich sah nichts als sie, jetzt aber … Bist du es, Joab? Ein tritt Joab. Er steht ganz aufrecht an der Tür im Dunklen; spricht nicht.

Ja, du bist es. Endlich! Ich erwartete dich wie das Morgengrauen. Du kehrst von Rabba? Ist der Hetiter mit dir zurückgekommen? Die Stadt ist genommen? Nein. Du hättest es mir gesagt ohne Frage. Was tatet ihr da unten? Hast du meine Befehle alle ausgeführt? Ich erinnere mich ihrer nicht mehr genau. Hab ich dir nicht gesagt … Urias war unter den Tapfersten, in der vordersten Reihe, nicht wahr? … Du sprichst nicht … Hiessest du ihn bis ganz an die Mauer gehen? Zu nah … dann … liesset ihr ihn, als ihr flöhet … Schweig, Joab! Das darf selbst Gott nicht vernehmen, und ich darf es nicht wissen, aus Angst, es nicht mehr vergessen zu können … Nein! Nein! Sag mir, dass er in seinem Garten schläft, unter seiner Weinlaube … Das Morgengrauen dringt leise ins Gemach und beleuchtet schwach Joab: man unterscheidet hinter ihm ein verschleiertes Weib in Trauerkleidern. Was ist's, was du hinter dir herschleppst, im Dunkel und ganz in Trauer? … Bathseba! … Geh! Bring sie weg! Ich sagte dir, dass ich sie nicht mehr sehen will … Ich hasse sie!

 


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