Alois Essigmann
Sagen und Märchen Altindiens. 1. Band
Alois Essigmann

 << zurück weiter >> 

Meine liebe, stille Mutter!

Als du vor drei Jahrzehnten Deinen Kindern Märchen vorlasest, waren sie alle erstaunt: Du konntest Deine sanfte Stimme zur Härte zwingen, wenn Du als Harun al Raschid den bösen Kalum-Bek verurteiltest. – Nie hätten sie solches von Dir erwartet.

Wie recht tatest Du, keinerlei Pathos an diese flache Tatsachenwelt zu verschwenden, Maß zu halten in allem, was sich messen läßt, und dafür in der Unendlichkeit der Phantasie zu schwelgen!

Wenn ich diese Arbeit Deinem Andenken weihe, so dankt der Mann seiner Kindheit. Das gärende Werden, das zwischen Anfang und Reife liegt, lag auch zwischen Mutter und Sohn, wie die Jugend zwischen Kind und Mann.

Es ist vorbei! Alle Irrwege haben sich zum sicheren Pfad vereinigt.

Nimm hier die erste Frucht, die ich an diesem Wege zum Glück gepflückt habe. Du bist ja noch unter uns, als wärest Du am Leben!

Dein dankschuldiger Sohn
Alois Essigmann


 << zurück weiter >>