Eduard v. Bauernfeld
Fortunat
Eduard v. Bauernfeld

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Prolog.

(Nach einer feierlichen Eingangsmusik zeigt sich ein Wolkentheater.)

Fortuna (tritt auf).
Fortuna bin ich, Allen Euch Willkommene,
Die meiner Gaben täglich, stündlich Ihr begehrt;
Ich aber, eigensinnig, wie die Frauen sind,
Verweig're heftig Heischenden oft meine Gunst,
Und überschütte den, der meiner kaum bedarf,
Mit Segenströmen, gleich dem Blüthenstreuer Lenz.
So wählt' ich einen Günstling mir in alter Zeit,
Die Fabel nannt' Euch seinen Namen: Fortunat
Den Euch der Dichter heute vor die Seele stellt.
Ein schöner Jüngling, lieblich, freundlich, lebensfroh,
Rasch, unbekümmert, kecken Handelns, herzenswarm,
Gebildet nicht, doch bildsam, d'rum den Frauen werth.
Wenn Ihr in Eures eig'nen Herzens Tiefen forscht,
So habt Ihr Wunderbares auch, gleich ihm, erlebt,
Denn Ihr wart jung, und Jugend ist der Wunder Zeit.
So mögen denn die bunten Bilder Euch erfreu'n,
Erfüllen Euch mit Lebens- und mit Liebesglanz;
Denn nur, wenn Euch der Dichtung Spiegel lebensvoll
Erlebtes reich zurückstrahlt, ist er treu und wahr.
Doch schenket Glauben auch dem bunten Wunderspiel!
Gefall' es Euch, den Zauber zu belauschen,
Laßt alte Märchen Euer Ohr umrauschen,
Versenkt Euch gern in dunkler Wälder Mitte,
Wo schaurig süße Stimmen Euch umweh'n;
Eilt von dem Fürstenhofe zu der Hütte,
Von da zur Wildniß; Ihr dürft Alles sehn.
Ernst ist das Spiel, doch fehlt es nicht an Scherzen,
Verborgen nichts, am wenigsten die Herzen;
Ja, das Geheimste will ich offenbaren:
Wie man mich zwinge, sollt Ihr heut' erfahren;
Blickt nur genau auf meines Günstlings Thaten,
Und – – doch genug! Mehr will ich nicht verrathen.

(Sie zieht sich zurück; die Wolken verhüllen sie. Kurze Musik, rasch und lebhaft, zum Schluß Jagdhörner. Die Wolkencourtine hebt sich.)


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