Alfons Petzold
Gedichte
Alfons Petzold

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Der Weiße Tod

            Der Bremser mit verkrampftem Griff
hält festgepackt den Hebel;
ein banger, langgezog'ner Pfiff
durchirrt den dichten Nebel,
der ringsumher wie eine Wand
sich um den sausenden Wagen spannt.

Heut ist die Nacht der weißen Not:
Beim Absturz der Lawinen
steht händereibend Bahnwärter Tod
und späht hinab die Schienen.
Er zählt bedächtig die Opfer und lacht.
Die Flocken sinken durch die Nacht.

Nicht links, nicht rechts ein Lichtlein blüht,
schwarz starrt die dunkle Ferne,
und nur der Schienenstrang erglüht
im Schimmer der Laterne.
Der Führer zu dem Heizer spricht:
»Den Wochenlohn für ein Sternlein Licht.«

Da blinkt's vor ihnen seltsam auf,
im Felsbruch reckt sich ein Beben.
Was hebt und was nacht sich im wilden Lauf?
»Bremser, jetzt gilt es das Leben!«
»Die Bremse an!« – Ein dreifacher Schrei. –
Gerettet der Zug. – Wo sind die drei?

Die dreie, die in dieser Nacht
standen auf der Maschine,
sie haben als Opfer sich dargebracht
der rollenden Lawine.
»Zieh an! Zieh!« Der Bremser zog an...
Der eisige Rachen fraß alle drei Mann.

 


 


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