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Drittes Kapitel.
Von dem Umgange unter Eheleuten

1.

Eine weise und gute Wahl bei Knüpfung des wichtigsten Bandes im menschlichen Leben, die ist freilich das sicherste Mittel, um in der Folge sich Freude und Glück in dem Umgange unter Eheleuten versprechen zu können. Wenn hingegen Menschen, die nicht gegenseitig dazu beitragen, sich das Leben süß und leicht zu machen, sondern die vielmehr widersprechende, sich durchkreuzende Neigungen und Wünsche und verschiedenes Interesse hegen, unglücklicherweise sich nun auf ewig aneinandergekettet sehen; so ist das in der Tat eine höchst traurige Lage, eine Existenz voll immerwährender herber Aufopferung, ein Stand der schwersten Sklaverei, ein Seufzen unter den eisernen Fesseln der Notwendigkeit, ohne Hoffnung einer andern Erlösung, als wenn der dürre Knochenmann mit seiner Sense dem Unwesen ein Ende macht.

Nicht weniger unglücklich ist dies Band, wenn auch nur von einer Seite Unzufriedenheit und Abneigung die Ehe verbittern, wenn nicht freie Wahl, sondern politische, ökonomische Rücksichten, Zwang, Verzweiflung, Not, Dankbarkeit, dépit amoureux, ein Ungefähr, eine Grille oder nur körperliches Bedürfnis, wobei das Herz nicht war, dieselbe geknüpft hat, wenn der eine Teil immer nur empfangen, nie geben will, unaufhörlich fordert, Befriedigung aller Bedürfnisse, Hilfe, Rat, Aufmerksamkeit, Unterhaltung, Vergnügen, Trost im Leiden und dagegen nichts leistet. Wähle also mit Vorsicht die Gefährtin Deines Lebens, wenn Deine künftige häusliche Glückseligkeit nicht ein Spiel des Zufalls sein soll.

2.

Überlegt man aber, daß gewöhnlich auch diejenigen Ehen, welche auf eigener Wahl beruhen, in einem Alter und unter Umständen geschlossen werden, wo weniger reife Überlegung und Vernunft als blinde Leidenschaft und Naturtrieb diese Wahl bestimmen, obgleich man in dieser Verblendung wohl sehr viel von Sympathie und Herzenshange träumt und schwätzt, so sollte man sich beinahe verwundern darüber, daß es noch so viele glückliche Ehen in der Welt gibt. Aber die weise Vorsehung hat alles so herrlich geordnet, daß eben das, was diesem Glücke im Wege zu stehn scheint, dasselbe vielmehr befördert. Ist man in den Jahren der Jugend weniger geschickt zu weiser Wahl, so ist man dagegen von der andern Seite auch noch geschmeidiger, leichter zu leiten, zu bilden und nachgiebiger, als in dem reifern Alter. Die Ecken möchten sie auch noch so scharf sein schleifen sich leichter ab aneinander und fügen sich, wenn der Stoff noch weich ist. Man nimmt die Sachen nicht so genau als nachher, wenn Erfahrung und Schicksale uns ekel, vorsichtig gemacht, und große Forderungen in uns erweckt haben; wenn die kältere Vernunft alles abwägt, jeden Diebstahl an Genuß sehr hoch anrechnet, kalkuliert, wie wenig Jahre man vielleicht noch zu leben hat und wie geizig man mit Zeit und Vergnügen sein muß. Entstehen unter jungen Eheleuten gern Zwistigkeiten, so ist auch die Versöhnung desto leichter gestiftet. Widerwillen und Zorn fassen nicht so feste Wurzel, und wenn der Körper mitspricht, wird oft der heftigste Streit durch eine einzige eheliche Umarmung wieder geschlichtet. Dazu kommen dann nach und nach Gewohnheit, Bedürfnis, miteinander zu leben, gemeinschaftliches Interesse, häusliche Geschäfte, die uns nicht viel Zeit zu müßigen Grillen lassen, Freude an Kindern, geteilte Sorgfalt über derselben Erziehung und Versorgung welches alles, statt die Last des Ehestandes zu erschweren, in den Jahren, wo Jugend, Kräfte und Munterkeit mitwirken, dies Joch sehr süß machen und mannigfaltig abwechselnde Freuden gewähren, die durch Teilung mit einer Gattin doppelt schmackhaft werden. Nicht also im männlichen Alter. Da fordert man mehr für sich, will ernten, genießen, nicht neue Bürden übernehmen; man will gepflegt sein; der Charakter hat Festigkeit, mag sich nicht mehr umformen lassen; die Begierden dringen nicht so laut auf Befriedigung. Nur wenig Ausnahmen möchten hier stattfinden, und diese nur unter den edelsten Menschen, die bei zunehmenden Jahren nachsichtiger, sanfter werden, und, fest überzeugt von der allgemeinen Schwäche der menschlichen Natur, wenig fordern und gern geben; aber immer ist dies eine Art von Heroismus, eine Aufopferung, und hier ist ja von wechselseitiger Glückseligkeits-Beförderung die Rede kurz, ich würde anraten, in diesem Alter langsamer bei der Wahl einer Gattin zu Werke zu gehn, wenn ein solcher Rat nicht überflüssig wäre. Das gibt sich von selbst; wer sich aber in männlichen Jahren auf diese Weise übereilt, der mag dann die Folgen von den Torheiten tragen, zu welchen ein Jünglingskopf auf Mannesschultern verfährt.

3.

Ich glaube nicht, daß eine völlige Gleichheit in Temperamenten, Neigungen, Denkungsart, Fähigkeiten und Geschmack durchaus erfordert werde, um eine frohe Ehe zu stiften; vielmehr mag wohl zuweilen grade das Gegenteil (nur nicht in zu hohem Grade, noch in Hauptgrundsätzen, noch ein zu beträchtlicher Unterschied von Jahren) mehr Glück gewähren. Bei einem Bande, das auf gemeinschaftlichem Interesse beruht, und wo alle Ungemächlichkeit des einen Teils zugleich mit auf den andern fällt, ist es zur Vermeidung übereilter Schritte und deren schädlicher Folgen oft sehr gut, wenn die zu große Lebhaftigkeit, das rasche Feuer des Mannes durch Sanftmut oder ein wenig Phlegma von seiten des Weibes gedämpft wird, und umgekehrt. So würde auch mancher Haushalt zugrunde gehn, wenn beide Eheleute gleichviel Lust an Aufwand, Pracht, Üppigkeit, einerlei Liebhabereien oder gleichviel Hang zu einer nicht immer wohlgeordneten Wohltätigkeit und Geselligkeit hätten; und da unsre jungen Romanleser und -leserinnen gemeiniglich die Ideale zu ihren künftigen Lebensgefährten nach ihrem eigenen werten Ich schnitzeln, so ist es doch so übel nicht, wenn zuweilen ein alter grämlicher Vater oder Vormund einen Querstrich durch dergleichen Verbindungspläne macht. So viel nur von der Wahl des Gatten, und das ist beinahe schon mehr, als eigentlich hierhergehört.

4.

Wichtig ist die Sorgfalt, welche Eheleute anwenden müssen, wenn sie sich so täglich sehen und sehn müssen und also Muße und Gelegenheit genug haben, einer mit des andern Fehlern und Launen bekannt zu werden und, selbst durch die kleinsten derselben, manche Ungemächlichkeit zu leiden; wichtig ist es, Mittel zu erfinden, sich dann nicht gegenseitig lästig, langweilig, nicht kalt, gleichgültig gegeneinander zu werden oder gar Ekel und Abneigung zu empfinden. Hier ist also weise Vorsicht im Umgange nötig. Verstellung fällt in allem Betrachte weg; aber einer gewissen Achtsamkeit auf sich selbst und der möglichsten Entfernung alles dessen, was sicher widrige Eindrücke machen muß, soll man sich befleißigen. Man setze daher nie gegeneinander jene Höflichkeit aus den Augen, die sehr wohl mit Vertraulichkeit bestehn mag und die den Mann von feiner Erziehung bezeichnet. Ohne sich fremd zu werden, sorge man doch dafür, daß man durch oft wiederholte Gespräche über dieselben Gegenstände nicht langweilig sei, daß man sich nicht so auswendig lerne, daß jedes Gespräch der Eheleute unter vier Augen lästig scheint und man sich nach fremder Unterhaltung sehnt. Ich kenne einen Mann, der eine Anzahl Anekdötchen und Einfälle besitzt, die er nun schon so oft seiner Frau, und in deren Gegenwart fremden Leuten ausgekramt hat, daß man dem guten Weibe jedesmal Ekel und Überdruß ansieht, so oft er mit einem dergleichen Stückchen angezogen kommt. Wer gute Bücher liest, Gesellschaften besucht und nachdenkt, der wird ja leicht täglich neuen Stoff zu interessanten Gesprächen finden; aber freilich reicht dieser nicht zu, wenn man den ganzen Tag müßig einander gegenübersitzt, und man darf sich daher nicht wundern, wenn man solche Eheleute antrifft, die, um dieser tötenden Langeweile auszuweichen, wenn grade keine andre Gesellschaft aufzutreiben ist, miteinander halbe Tage lang Piquet spielen oder sich zusammen an einer Flasche Wein ergötzen. Sehr gut ist es desfalls, wenn der Mann bestimmte Berufsarbeiten hat, die ihn wenigstens einige Stunden täglich an seinen Schreibtisch fesseln oder außer Hause rufen, wenn zuweilen kleine Abwesenheiten, Reisen in Geschäften und dergleichen seiner Gegenwart neuen Reiz geben. Ihn erwartet dann sehnsuchtsvoll die treue Gattin, die indes ihrem Hauswesen vorgestanden. Sie empfängt ihn liebreich und freundlich; die Abendstunden gehen unter frohen Gesprächen, bei Verabredungen, die das Wohl ihrer Familie zum Gegenstand haben, im häuslichen Zirkel vorüber, und man wird sich einander nie überdrüssig. Es gibt eine feine, bescheidne Art sich rar zu machen, zu veranlassen, daß man sich nach uns sehne; diese soll man studieren. Auch im Äußern soll man alles entfernen, was zurückscheuchen könnte. Man soll sich seinem Gatten, seiner Gattin nicht in einer ekelhaften, schmutzigen Kleidung zeigen, sich zu Hause nicht zuviel Unmanierlichkeiten erlauben das ist man ja schon sich selber schuldig und vor allen Dingen, wenn man auf dem Lande lebt, nicht verbauern, nicht pöbelhafte Sitten noch niedrige, plumpe Ausdrücke im Reden annehmen noch unreinlich, nachlässig an seinem Körper werden. Denn wie ist es möglich, daß eine Frau, die immer an ihrem Manne unter allen übrigen Menschen, mit welchen sie umgeht, am mehrsten Fehler und Unanständigkeiten wahrnimmt, denselben vor allen andern gern sehn, schätzen und lieben soll? Noch einmal, wenn die Ehe ein Stand der Aufopferung wird, wenn ihre Pflichten als ein schweres Gewicht auf uns liegen, owie kann dann wahres Glück ihr Teil sein?

5.

Eine Hauptvorschrift aber für alle Stände und für alle Verhältnisse wende man auch auf den Ehestand an. Sie ist diese: Erfülle so sorgsam, so pünktlich, so nach einem festen Plane Deine Pflichten, daß Du womöglich darin alle Deine Bekannten übertreffest; so wirst Du auch auf die wärmste Hochachtung Anspruch machen können und in der Folge alle diejenigen verdunkeln, welche nur durch einzelne glänzende Eigenschaften augenblickliche vorteilhafte Eindrücke machen. Aber erfülle sie auch alle, diese Pflichten! Der Mann prahle nicht etwa mit seiner Uneigennützigkeit, mit seinem Fleiße, mit seiner guten Hauswirtschaft, mit der Achtung guter Männer, der indes in der Stille sich wöchentlich ein paarmal ein Räuschchen trinkt. Die Frau poche nicht auf ihre Keuschheit, welche vielleicht das Verdienst des Zufalls oder eines kalten Temperaments ist, wenn sie indes sorglos die Erziehung ihrer Kinder vernachlässigt. Nein, wer Achtung und Zuneigung als Pflicht fordert, der muß auch Achtung und Zuneigung zu verdienen wissen, und wenn Du willst, daß Deine Frau Dich unter allen Menschen am mehrsten ehren und lieben soll, so verlasse Dich nicht darauf, daß sie Dir's am Altare versprochen hat wer kann so etwas versprechen?, sondern darauf, daß Du alle Kräfte aufbietest, besser zu sein als andre, aber besser in jedem Betrachte. Nur den Folgen nach lassen sich Tugenden und Laster klassifizieren, denn übrigens sind sie alle gleich wichtig, und ein sorgloser Hausvater ist ebenso strafbar als ein unkeusches Eheweib. Allein das ist die gewöhnliche Art zu handeln der Menschen! Sie eifern gegen Laster, zu welchen sie keinen Hang haben, und denken nicht, daß die Verabsäumung wichtiger Tugenden ein ebenso schweres Verbrechen ist als die Ausübung einer bösen Tat. Ein altes Weib verfolgt mit wütendem Grimme ein armes junges Mädchen, das durch Temperament und Verführung zu einem Fehltritte ist verleitet worden; daß aber die gute Matrone ihre Kinder wie das dumme Vieh hat aufwachsen lassen, darüber glaubt sie keine Verantwortung geben zu dürfen hat sie doch nie die eheliche Treue verletzt! Sorgsame Pflichterfüllung in allen Rücksichten ist also das sicherste Mittel, der beständig fortdauernden Zärtlichkeit seiner Ehehälfte gewiß zu sein.

6.

Mit dem allen aber wird es nicht fehlen, daß nicht zuweilen fremde liebenswürdige Menschen auf kurze Zeit vorteilhafte Eindrücke auf Ehegenossen machen sollten, als einer von diesen seiner Ruhe wegen wünschen möchte. Es ist nicht zu erwarten, daß, wenn die erste blinde Liebe verraucht ist und die verraucht denn doch bald, man so parteiisch füreinander bleiben, daß man nicht oft die Vorzüge andrer Leute sehr lebhaft fühlen sollte. Hierzu kommt dann noch, daß Personen, mit denen wir seltner umgehen, sich immer von ihren besten Seiten zeigen und uns mehr schmeicheln als die, mit denen wir täglich leben. Eindrücke von der Art werden aber bald wieder verschwinden, wenn nur der Gatte fortfährt, seine Pflichten treulich zu erfüllen, und wenn er keinen niedrigen Neid, keine närrische Eifersucht blicken läßt, die ohnehin nie gute, sondern allemal schlimme Folgen haben. Liebe und Achtung lassen sich nicht erzwingen, nicht ertrotzen; ein Herz, das bewacht werden muß, ist wie der Mammon eines Geizigen, mehr eine unnütze Last als ein wahrer Schatz, dessen man froh wird; Widerstand reizt; keine Wachsamkeit ist so groß, daß sie nicht hintergangen werden könnte, und es liegt in der Natur des Menschen, daß man ein Gut, das vielleicht sonst gar keinen Reiz für uns haben würde, doppelt eifrig wünscht, sobald der Besitz desselben mit Schwierigkeiten für uns verbunden ist.

Man soll auch jene kleinen Künste, die höchstens unter Verliebten, nicht aber unter Ehegatten, stattfinden dürfen, verachten, durch welche man, um die Liebe des andern Teils mehr anzufeuern, mit Vorsatz Eifersucht zu erregen sucht. Bei einem Bande, das auf gegenseitiger Hochachtung beruhn muß, darf man sich durchaus keiner schiefen Mittel bedienen. Glaubt meine Frau, ich könne in der Tat meine Pflicht und Zärtlichkeit gegen sie fremden Neigungen aufopfern, so muß das ihre eigene Achtung gegen mich vermindern, und merkt sie hingegen, daß ich nur Spielwerk mit ihr treiben will, so ist das mehr als verlorne Arbeit, die noch obendrein oft ernstliche Folgen haben kann.

Ich sage, wenn auch auf kurze Zeit der Mann seinem Weibe oder die Frau ihrem Gatten Veranlassung zu solchen Unruhen gibt, so wird doch diese kleine Herzensverirrung, wenn der leidende Teil nur fortfährt, seinen Pflichten treu zu sein, nicht dauern können. Bei kaltblütiger Prüfung wird der Gedanke aufleben: »Möchte auch jener, möchte auch jene die liebenswürdigsten Eigenschaften haben, so ist er mir doch, ist sie mir doch nicht, was mir mein Mann, mein Weib ist, teilt doch nicht mit mir jede Sorge des Lebens, hat nicht mit mir schon so viel Glück und Unglück gemeinschaftlich getragen, hängt nicht so mit ganzer Seele, mit erprobter Treue an mir, ist nicht Vater, nicht Mutter meiner lieben Kinder, wird nicht so ewig alles Gute und alles Böse mit mir teilen, wird mir nicht den Verlust ersetzen, wenn ich meinen Gatten von mir stoße.« Und ein solcher Triumph der Rückkehr, komme er früh oder spät, ist dann süß, und macht alle Leiden vergessen.

7.

Klugheit und Rechtschaffenheit aber erfordern, daß man sich selber gegen die Eindrücke größrer Liebenswürdigkeit, welche fremde Personen auf uns machen könnten, wappne. In der frühen Jugend, wenn die Phantasie lebhaft ist, die Begierden heftig wirken und das Herz noch oft mit dem Kopfe davonläuft, würde ich raten, solchen gefährlichen Gelegenheiten auszuweichen. Ein junger Mann, welcher merkt, daß ein Frauenzimmer, mit dem er umgeht, ihm vielleicht einst besser als seine Frau gefallen, wildes Feuer in ihm entzünden oder wenigstens seine häusliche Glückseligkeit verbittern könnte, tut wohl, wenn er, insofern er sich nicht Festigkeit genug zutrauet und er urteilt weise, wenn er sich diese nicht leicht zutrauet tut, sage ich, wohl, wenn er solchen Umgang, soviel wie möglich, meidet, damit derselbe ihm nicht zum Bedürfnisse werde. Diese Vorsicht ist am nötigsten gegen die feinern Koketten zu beobachten, die, ohne eben Pläne auf Verletzung der Ehre zu haben, ihr Spielwerk mit der Ruhe eines gefühlvollen redlichen Mannes treiben und einen zwecklosen Triumph darin suchen, schlaflose Nächte zu verursachen, Tränen zu veranlassen und andrer Weiber Neid zu erregen. Es gibt viel solcher eitlen Damen, die, nicht immer durch böses Herz noch Temperament, aber wohl durch die rasende Begierde, stets zu glänzen, allgemein zu gefallen, getrieben, manche stille häusliche Ruhe und den Frieden unter Eheleuten auf diese Weise zerstören. In reifern Jahren hingegen rate ich die entgegengesetzte Kurart an. Ein Mann von festen Grundsätzen, der seinem Verstande Rechenschaft von den Gefühlen seines Herzens gibt und dauerhaftes Glück sucht, wird am leichtesten von den zu vorteilhaften Begriffen, die er von fremden Personen in Vergleichung mit seiner Gattin gefaßt hat, zurückkommen, wenn er jene so oft und vielfältig sieht, daß er an ihnen mehr Fehler wahrnimmt als an seinem edlen, verständigen, treuen Weibe. Und dann kommen die Augenblicke des Seelenbedürfnisses, wo man sich nach der teilnehmenden Gefährtin sehnt, wenn schwere Bürden das Herz drücken, die kein Fremder so uns tragen hilft, oder wenn Freuden jedes Gefäß in uns erweitern, Freuden, die kein Fremder so mit uns teilt, oder Verlegenheiten uns aufstoßen, die man keinem Fremden so aufrichtig, so sicher entdecken darf als der Person, die einerlei Interesse mit uns hat; und dann ein Blick auf wohlerzogene, durch gemeinschaftliche Sorgfalt erzogene Kinder, auf die Früchte der ersten jugendlichen Liebe und das Herz kehrt ungezwungen zu den süßesten Pflichten zurück.

8.

Übrigens aber kann nichts abgeschmackter, läppischer, lästiger, von verkehrterer Wirkung sein, noch was mehr das Leben verbittert, als wenn Eheleute durch die priesterliche Einsegnung ein so ausschließliches Recht auf jede Empfindung des Herzens voneinander erzwungen zu haben glauben, daß sie wähnen, nun dürfe in diesem Herzen auch nicht ein Plätzchen mehr für irgendeinen andern guten Menschen übrigbleiben; der Gatte müsse tot sein für seine Freunde und Freundinnen, dürfe kein Interesse empfinden für kein Geschöpf auf der Welt als für die werte Ehehälfte, und es sei Verbrechen gegen die eheliche Pflicht, mit Wärme, Zärtlichkeit und Teilnahme von und mit andern Personen zu reden. Diese Forderungen werden doppelt abgeschmackt bei einer ungleichen Ehe, wo von der einen Seite schon Aufopferungen mancher Art stattfinden. Wenn da der eine Teil, um sich in dem Umgange mit liebenswürdigen Leuten aufzuheitern, auf einen Augenblick sein Unglück zu vergessen und neue Kräfte zum Ausdauern zu sammeln, seinen Geist zu erheben und wieder zu erwärmen, in die Arme zärtlicher, ihm wahrhaftig treu ergebener Freunde eilt, so soll der andre Teil ihm dafür danken, nicht durch närrisches Betragen oder gar durch Vorwürfe den Gatten, die Gattin kränken, zur Verzweiflung bringen und endlich zu wirklichen Verbrechen verleiten.

9.

Die Wahl aber dieser Freunde muß dem Herzen, sowie die Wahl sittlicher Vergnügungen und unschuldiger Liebhabereien dem Geschmacke eines jeden überlassen bleiben. Ich habe oben gesagt, daß ich glaube, es werde nicht durchaus Gleichheit von Neigungen, Temperamenten und Geschmack zum Eheglück gefordert. Unerträgliche Sklaverei wäre es daher, sich dergleichen aufdrängen lassen zu müssen. Es ist wahrlich schon hart genug, wenn man die Freude entbehren soll, edle Empfindungen, erhabene Gedanken, feinere Eindrücke, welche seelenerhebende Bücher, schöne Künste und dergleichen auf uns machen, mit der Gefährtin unsers Lebens teilen zu können, weil die stumpfen Organe derselben dafür nicht empfänglich sind; aber nun gar diesem allen entsagen oder sich in der Wahl seines Umgangs und seiner Freunde nach den abgeschmackten, gefühllosen Grillen eines schiefen Kopfs und kalten Herzens richten, allen wohltätigen Erquickungen von der Art entsagen zu müssen das ist Höllenpein; und ich brauche wohl nicht hinzuzufügen, daß am wenigsten der Mann, der doch von der Natur und bürgerlichen Verfassung bestimmt ist, das Haupt, der Regent der Familie zu sein, und der oft Gründe haben kann, warum er diesen oder jenen Umgang wählt, dieser oder jener Beschäftigung sich widmet, diesen oder jenen Schritt tut, der manchen auffallend sein kann, daß dieser wohl am wenigsten auf solche Weise sich wird einschränken lassen. Es erleichtert hingegen das Leben unter Menschen, die nun einmal verbunden sind, alle Leiden und Freuden gemeinschaftlich zu tragen, wenn man nach und nach seine Neigungen, seinen Geschmack gleich zu stimmen, wenn der eine Sinn für das zu bekommen sucht, was der andre liebt und gern sieht, besonders wenn dies wirklich groß, erhaben und edel ist, und es zeugt wahrlich von fast viehischer Dummheit oder von der verächtlichsten Indolenz, wo nicht von dem bösesten Willen, wenn man nach vieljähriger Verbindung mit einem verständigen, gebildeten, feinfühlenden, liebevollen Geschöpfe noch ebenso unwissend, roh, stumpf und starrköpfig geblieben ist, als man vorher war. Wenn dann der erste Rausch der Liebe vorüber ist, und dem leidenden Teile gehen die Augen auf über das, was der Ehegatte ihm sein könnte, sein sollte, sein müßte, was andre ihm gewesen sein würden, oder sind dann gute Nacht, Ruhe, Frieden, Glück! Zärtlichkeit und Hochachtung hingegen werden bei vernünftigen Personen jene Gleichstimmung leicht bewirken, wenn nicht störrischer Eigensinn oder empörende Ungleichheit in Denkungsart die Trennung unterhalten.

10.

Wie aber soll man sich gegen wirkliche Ausschweifungen waffnen – denn bis jetzt habe ich nur von Herzensverirrungen geredet – wie soll man sich waffnen, wenn von einer Seite heftiges Temperament, ein reizbarer Körper, Mangel an Herrschaft über Leidenschaften, Verführung, Buhlerkünste, anlockende Schönheiten und Gelegenheit uns hinziehn, von der andern vielleicht der Gattin mürrisches Betragen, üble Launen, Dummheit, Kränklichkeit, Mangel an Schönheit, an Jugend, an Gefälligkeit, an Temperament uns zurückstoßen? Dies Buch ist kein vollkommnes System der Moral; also überlasse ich jedem vernünftigen Manne, diese Frage ausführlich zu beantworten und selbst zu beurteilen, wie er es anfangen müsse, Meister zu werden über seine Begierden, auch gefährlichen Gelegenheiten und Verführungen auszuweichen, welches freilich in der Jugend und in gewissen Lagen und Verhältnissen nicht so leicht ist, als man wohl denkt. Doch soviel über diesen Gegenstand als hierher gehört und sich ohne Beleidigung der Sittsamkeit sagen läßt. Man gewöhne sich selber und einer den andern nicht an Üppigkeit, Wollust, Weichlichkeit und Schwelgerei, mache, daß die körperlichen Bedürfnisse und Begierden nicht zu heftig in uns werden; man sei selbst in der Ehe schamhaft, keusch, delikat und kokett in Gunstbezeugungen, um Ekel, Überdruß und faunische Lüsternheit zu entfernen. Ein Kuß ist ein Kuß, und es wird wahrlich fast immer des Weibes Schuld sein, wenn ein sonst nicht schlechter Mann diesen Kuß, den er von treuen, reinen und warmen Lippen ehrenvoll und bequem zu Hause erlangen könnte, mit Hintansetzung von Pflicht und Anstand, bei Fremden holt. Hat aber die größere Schwierigkeit und Seltenheit so viel Reiz für den Menschen, ei nun! so suche man auch der ehelichen Vertraulichkeit diesen Reiz der Neuheit zu geben, zuweilen kleine Hindernisse in den Weg zu legen oder durch Enthaltsamkeit, Entfernung u.dgl. das Verlangen darnach zu vermehren. In weiter fortrückenden Jahren fällt dann auch dieser Vorwitz so ziemlich weg, denn da werden ja die Triebe bescheidner und leichter von der Vernunft zu regieren, man müßte denn sie mutwilligerweise reizen.

11.

In der Ehe soll gegenseitiges uneingeschränktes Zutraun, soll Offenherzigkeit stattfinden. Kann denn aber gar kein Fall eintreten, wo einer vor dem andern Geheimnisse bewahren dürfte? Oja, gewiß! Freilich, da der Mann von der Natur bestimmt ist, der Ratgeber seines Weibes, das Haupt der Familie zu sein; da die Folgen jedes übereilten Schrittes der Gattin auf ihn fallen; da der Staat sich nur an ihn hält; da die Frau eigentlich gar keine Person in der bürgerlichen Gesellschaft ausmacht; da die Verletzung der Pflichten von ihrer Seite schwer auf ihm liegt und diese Verletzung die Familie weit unmittelbarer beschimpft und derselben Schande und Nachteil bringt als die Ausschweifungen des Mannes dies tun; da sie viel mehr von dem äußern Rufe abhängt als er; endlich da Verschwiegenheit mehr eine männliche als weibliche Tugend ist, so kann es wohl seltner gut sein, wenn die Frau ohne ihres Mannes Wissen Schritte unternimmt und dieselben vor ihm verheimlicht. Er hingegen, der an den Staat geknüpft ist, oft Geheimnisse zu bewahren hat, die nicht ihm gehören, und durch deren Verbreitung er mit andern in Verlegenheit kommen kann, er, der das ganze seines Hauswesens übersehn soll, auch vielfältig den Plan, nach welchem er handelt, nicht den schwächern Einsichten unterwerfen darf, sondern fest und unerschütterlich seinem Verstande und Herzen folgen und das Urteil des Volks verachten muß; er kann unmöglich immer so alles erzählen und mitteilen. Verschiedenheit der Lagen aber kann diesen Gesichtspunkt verrücken. Es gibt Männer, die sehr übel fahren würden, wenn sie einen einzigen Schritt ohne Rat und Wissen ihrer Weiber täten; es gibt sehr plauderhafte Herrn und sehr verschwiegne Damen. Eine Frau kann weibliche Geheimnisse von einer Freundin anvertrauet bekommen haben in allen diesen und ähnlichen Fällen müssen Klugheit und Redlichkeit das Verhalten beider Teile bestimmen. Das aber bleibt eine heilige Regel, daß, wenn wahrhaftes Mißtrauen sich einschleicht, wenn man Offenherzigkeit erzwingen muß, alles Glück der Ehe entflieht. Nichts kann endlich schändlicher, niederträchtiger sein, als wenn der Mann pöbelhaft genug denkt, heimlich Briefe seiner Frau zu erbrechen, ihre Papiere zu durchwühlen oder ihre Schränke zu durchsuchen. Auch verfehlt er mit solchen unwürdigen Mitteln immer seines Zwecks. Nichts ist leichter, als die Wachsamkeit eines Menschen zu hintergehn, wenn es bloß auf beweisbare Vergehen ankommt, und man die feinern Bande zerrissen, die Verlegenheiten der Delikatesse und des Zutrauens gehoben hat; ein Mann, der einmal seine Frau eine Ehebrecherin nennt, steckt sich selbst das Horn der Hahnreischaft auf; nichts ist leichter, als einen Menschen zu hintergehn, den man genau kennt, bei dem man allen Glauben verloren hat, den man oft auf falschem Argwohn ertappen kann, weil Leidenschaft ihn blind macht, und der durch Mißtrauen verdient hat, getäuscht zu werden Betrug ist fast immer die sichre Folge davon, und man kann auf diese Weise das edelste Geschöpf moralisch zugrunde richten und zu Verbrechen reizen.

12.

Ich rate aus Gründen, die wohl jeder vernünftige Mensch selbst einsehn wird, auch nicht einmal an, daß Eheleute alle Geschäfte gemeinschaftlich treiben, sondern daß jeder seinen angewiesenen Wirkungskreis habe. Es geht selten gut im Hause, wenn die Gattin für ihren Gatten die Berichte ad Serenissimum entwerfen und er dagegen, wenn Fremde eingeladen sind, die Kapaune braten, Cremes machen und die Töchter ankleiden helfen muß. Daraus entsteht Verwirrung; man setzt sich dem Gespötte des Hausgesindes aus; der eine verläßt sich auf den andern, will sich aber dagegen in alles mischen, alles wissen mit einem Worte, das taugt nichts.

13.

Was aber die Verwaltung der Gelder betrifft, so kann ich die Weise der mehrsten Männer von Stande nicht billigen, welche ihren Gemahlinnen eine gewisse Summe geben, womit sie auskommen müssen, um davon den Haushalt zu bestreiten. Dadurch entsteht geteiltes Interesse; die Frau tritt in die Klasse der Bedienten, wird zu Eigennutz verleitet, sucht zu sparen, findet, daß der Mann zu lecker ist, macht schiefe Gesichter, wenn er einen guten Freund zur Tafel einladet; der Mann, wenn er nicht fein denkt, meint immer, er speise für sein teures Geld zu schlecht, oder, wenn er im Gegenteil zu viel Delikatesse übt, so wagt er es nicht, zuweilen ein Gerichtchen mehr zu fordern, aus Furcht, seine Gattin in Verlegenheit zu setzen. Gib also Deiner Hausfrau (wenn nicht etwa ein Haushofmeister oder eine Ausgeberin diejenigen Geschäfte bei Dir versehen, die eigentlich zu den Pflichten der Gattin gehören), gib ihr eine Summe Geldes, die Deinen Umständen angemessen sei, zur Ausgabe. Wenn diese verwendet ist, so komme sie und fordere mehr von Dir. Findest Du, daß zuviel ausgegeben worden, so laß Dir die Rechnung zeigen. Überlege mit ihr gemeinschaftlich, auf welcher Seite gespart werden könne. Mache ihr kein Geheimnis aus Deinen Vermögensumständen; allein bestimme ihr auch eine kleine Summe zu ihren unschuldigen Vergnügungen, zu ihrem Putze, zu stillen wohltätigen Handlungen, und fordre davon keine Berechnung.

14.

Gute Hauswirtschaft ist eines der notwendigsten Stücke zur ehelichen Glückseligkeit. Man suche desfalls vor allen Dingen, wenn man auch im ledigen Stande einigen Hang zur Verschwendung gehabt hätte, sich davon loszumachen und sich häuslicher Sparsamkeit zu befleißigen, sobald man heiratet. Einem einzelnen Menschen ist alles leicht zu ertragen, Not, Mangel, Demütigung, Zurücksetzung; am Ende steht ihm, wenn er gesunde Arme hat, die ganze Welt offen, er kann alles im Stiche lassen und in einem unbekannten Winkelchen der Erde leicht mit seiner Hände Arbeit sein Leben fristen; aber wenn schlechte Haushaltung den Ehemann und Vater in Armut gestürzt hat, und er nun den Blick umherwirft auf die Personen seiner Familie, die von ihm Unterhalt, Nahrung, Wartung, Erziehung, Vergnügen fordern; wenn er dann oft nicht weiß, woher er auf morgen Brot nehmen, wovon er die großen Mädchen kleiden soll, die ihre jetzigen Lumpen bald aufgerissen haben; oder wenn seine bürgerliche Ehre, seine Beförderung, die Versorgung seiner Kinder davon abhängt, daß er mit den Seinigen in einem gewissen anständigen Aufzuge, vielleicht gar mit einigem Glanze erscheine, und es doch von allen Seiten dazu fehlt; wenn das Silbergeräte vom Wucherer, wo es im Versatze steht, auf einen Mittag geborgt werden muß, um Gäste darauf bewirten zu können, indes unten im Hause ein Knabe wartet, der es gleich nach der Mahlzeit wieder in Empfang nehmen soll; wenn Gläubiger und Advokaten ihn in die Enge treiben und Juden an den Zipfeln seines schlaffen Geldbeutels melken; dann fallen böse Launen, Krankheit des Leibes und der Seele den Unglücklichen an; Verzweiflung ergreift ihn; er sucht sich zu betäuben, verfällt in Ausschweifungen; von innen zernagt ihn das unruhige Gewissen, von außen verfolgen ihn bittre Vorwürfe seines Weibes; das Winseln seiner Kinder schreckt ihn auf aus fürchterlichen Träumen; die Verachtung, womit der vornehme und reiche Pöbel auf ihn herabblickt, umwölkt jeden Strahl von Hoffnung; Mut und Trost schwinden; die Freunde fliehen; das Hohngelächter der Feinde und Neider erschüttert jede Nerve, und in dieser traurigen Lage schwindet denn freilich aller Schatten von häuslicher Freude; der Elende fliehet auch nichts so sehr als den Anblick und den Umgang derer, die er mit sich in das Unglück gestürzt hat sollte also einer von den Eheleuten zur Verschwendung geneigt sein, so ist es ratsam, weil es noch Zeit ist, Mittel vorzuschieben, jener gräßlichen Lage auszuweichen. Der andre Teil, der besser mit Gelde umzugehn weiß, übernehme die Kasse! Man mache sich einen genauen Etat, wie man dem Haushalte wieder aufhelfen will, und befolge diesen pünktlich, schränke sich ein, sorge aber dafür, daß, wo möglich, auch etwas zu erlaubten Vergnügungen übrigbleibe, damit dem Verschwender die Einschränkungen und Entbehrungen nicht zu schwer werden.

15.

Ist es aber besser, daß der Mann oder daß die Frau reich sei? Wenn eines sein soll, so stimme ich für ersteres. Gut ist es, wenn beide einiges Vermögen haben, um zu den Notwendigkeiten des Lebens gemeinschaftlich beitragen zu können, damit nicht einer so ganz auf Unkosten des andern zehre. Soll aber die Abhängigkeit, welche doch natürlicherweise daraus auf seiten des ärmern Teils entsteht, stattfinden, so ist es der Natur gemäßer, daß das Haupt der Familie am mehrsten zum Unterhalte der Familie beitrage. Heiratet aber ein Mann eine reiche Frau, so setze er sich wenigstens in den Fall, dadurch nie ihr Sklave zu werden. Aus Verabsäumung dieser Vorsicht sind so wenig Ehen von der Art glücklich. Hätte meine Frau mir großes Vermögen zugebracht, so würde ich mich doppelt bestreben, ihr zu beweisen, daß ich geringe Bedürfnisse hätte; ich würde wenig an meine Person wenden; ich würde ihr beweisen, daß ich dies Wenige mit meinem Fleiße mir erwerben könnte; ich würde ihr Kostgeld geben; ich würde nur der Verwalter ihres Vermögens sein; ich würde Aufwand im Hause machen, weil das sich für reiche Leute schickt; aber ich würde ihr zeigen, daß dieser Aufwand meiner Eitelkeit nicht schmeichelte; daß ich bei zwei Speisen ebenso vergnügt als bei zwanzigen bin, daß ich keiner Aufwartung bedarf, daß ich gesunde Beine habe, die mich ebenso weit, wenngleich nicht so schnell fortbringen als ihre vergoldeten Wagen; und dann würde ich, wie es dem Hausherrn zukommt, über die Anwendung ihres Vermögens unumschränkte Gewalt verlangen.

16.

Ist es nötig, daß der Mann klüger sei als die Frau? Das ist wiederum eine nicht unwichtige Frage; wir wollen sie näher beleuchten. Der Begriff von Klugheit und Vernunft wird mit allen seinen Relationen und Modifikationen nicht immer auf einerlei Art verstanden. Die Klugheit eines Mannes soll wohl von ganz andrer Art sein als die, welche man von einer Frau verlangt; und wenn nun vollends Klugheit mit Welterfahrung oder gar mit Gelehrsamkeit verwechselt wird, so wäre es Unsinn, von diesen bei einem Geschlechte soviel als bei dem andern voraussetzen zu wollen. Ich fordre daher von einem Frauenzimmer einen esprit de détail, eine Feinheit, unschuldige Verschlagenheit, Behutsamkeit, einen Witz, ein Dulden, eine Nachgiebigkeit und Geduld lauter Stücke, die doch auch zur Klugheit gehören! welche in dem Grade nicht immer das Eigentum des männlichen Charakters sind. Dagegen erwarte ich, daß der Mann zuvorschauender, gefaßter bei allen Vorfällen, fester, unerschütterlicher, weniger den Vorurteilen unterworfen, ausdauernder und gebildeter sei als das Weib. Jene Frage aber war in allgemeinem Sinne zu verstehn, nämlich also: Wenn einer von beiden Teilen schwach, stumpf von Organen und unwissend in manchen zum Weltleben nötigen Kenntnissen sein sollte, würde es da besser sein, daß der Mann oder daß die Frau der schwächere Teil wäre? Ich antworte ohne Anstand: Noch habe ich nie eine glückliche und weise geordnete Haushaltung gesehn, in welcher die Frau die entschiedene Alleinherrschaft gehabt hätte. Es geht in einem Hause, wo ein Mann von mittelmäßigen Fähigkeiten das Regiment führt, größtenteils immer noch besser her als in einem, wo eine kluge Frau ausschließlich Herr ist. Es kann vielleicht Ausnahmen davon geben; allein ich kenne deren keine. Es versteht sich aber, daß hier nicht von der feinern Herrschaft über das Herz eines edeln Gatten die Rede ist; wer wird diese nicht gern einem klugen Weibe einräumen, welcher verständige Mann wird nicht fühlen, daß er oft sanfter Zurechtweisung bedarf? Jene ausschließliche Herrschaft hingegen scheint der Bestimmung der Natur zuwider. Schwächrer Körperbau; eingepflanzte Neigung zu weniger dauerhaften Freuden; Launen aller Art, die den Verstand oft in den entscheidensten Augenblicken fesseln; Erziehung und endlich bürgerliche Verfassung, welche die Verantwortung des Hausregiments allein auf den Mann wälzt; das alles bestimmt laut die Gattin, Schutz zu suchen, und legt dem Gatten die Pflicht auf zu schützen. Nun ist aber doch nichts lächerlicher, als wenn der Weisere und Stärkere Schutz suchen soll bei dem Toren und Schwachen. Frauenzimmer von vorzüglichen Geistesgaben handeln daher wahrlich gegen ihren eigenen Vorteil und bereiten sich unangenehme Aussichten, wenn sie aus Herrschsucht sich dumme Männer wünschen oder wählen; die sichern Folgen davon sind Überdruß, verwirrte Haushaltung und Verachtung des Publikums für einen von beiden Teilen, und das heißt ja für beide Teile. Männer aber, die so unmündig am Geiste sind, daß sie die Rolle eines Hausvaters nicht gehörig zu spielen, nicht Herrn in ihrem Hause zu sein vermögen, tun besser, Hagestolze zu bleiben und sich ein Plätzchen in einem Hospital oder eine Präbende zu kaufen, als daß sie sich vor Kindern, Hausgesinde und Nachbarn lächerlich machen. Ich habe einen schwachen Fürsten gekannt, dessen Gemahlin so unumschränkte Gebieterin über ihn war, daß, als sie einst bestellt hatte, auszufahren, der Fürst hinunter in den Schloßhof schlich und den Kutscher, welcher da hielt, leise fragte: »Wisset Ihr nicht, ob ich mitfahre?« Das macht solche Ehemänner zum Gespötte, und niemand mag Geschäfte mit einem Manne treiben, dessen Willen, dessen Freundschaft und dessen Art irgendeinen Gegenstand anzusehn, von den Launen, Winken und Zurechtweisungen seiner Frau abhängt, der seine Briefe erst seiner Hofmeisterin zur Durchsicht vorlegen und über die wichtigsten, geheimsten Angelegenheiten erst Instruktion bei dem Bratenwender holen muß. Sogar in der Höflichkeit gegen die Ehefrau soll der Mann seine Würde nicht verleugnen. Verächtlich ist selbst den Weibern ein Mann, der, bevor er sich zu etwas entschließt, erst jedesmal sagt: »Ich will es mit meiner Frau überlegen«, der ihr immer das Mäntelchen nachträgt, sich nicht untersteht, in eine Gesellschaft zu gehn, wo sie nicht ist, oder der seine treuesten Bedienten abschaffen muß, wenn Madame ihre Gesichtsbildung nicht vertragen kann.

17.

Es gibt in diesem Leben eine Menge Ungemachs zu tragen. Auch der, welcher der Glücklichste zu sein scheint, hat insgeheim Leiden mancher Art zu überwinden, wahre und eingebildete, unverschuldete oder selbstgeschaffene gleichviel, aber immer darum nicht minder Leiden. Sehr wenig Weiber haben Kraft genug, das Unglück standhaft zu leiden, guten Rat in der Not zu erteilen und ihren Gatten die Bürde tragen zu helfen, die nun einmal getragen werden muß. Die mehrsten erschweren das Übel durch unzeitige Klagen, durch Geschwätz über das, was sein könnte, wenn es nicht so wäre, wie es ist, oder gar durch übel angebrachte, zuweilen sehr unbillige Vorwürfe. Ist es daher irgend möglich, kleinere Unannehmlichkeiten (mit Hauptunglücksfällen läßt sich das selten tun) vor Deiner Ehefrau zu verbergen, so verschließe lieber den Kummer in Deinem Herzen. Es kann ja ohnehin ein gut geartetes Gemüt nicht erleichtern, wenn es andre, die es liebt, mit sich leiden macht; und wenn nun gar die Last dadurch nicht erleichtert, sondern vielmehr erschwert wird, wer sollte dann nicht lieber schweigen und seinen Rücken dem Sturme allein preisgeben? Schickt die Vorsehung Dir aber einen großen, nicht zu verschweigenden Unfall, Not, Schmerz, Krankheit zu, verfolgen Dich widrige Geschicke oder böse Menschen, o, dann rufe Deine ganze Standhaftigkeit auf. Fasse Deinen Mut zusammen und versüße der Gefährtin Deines Lebens die Bitterkeit des Kelchs, den sie mit Dir austrinken muß. Wache über Deine Launen, damit nicht der Unschuldige durch Dich leiden müsse. Verschließe Dich in Dein Kämmerlein, wenn das Herz zu schwer wird. Dort erleichtre Dich durch Tränen oder Gebet. Stärke und stähle Dein Herz durch Philosophie, durch Zuversicht auf Gott, durch Hoffnung und durch weise Entschließungen, und dann tritt hervor mit heitrer Stirne und sei der Tröster des Schwächern! Ach, es ist kein Elend in der Welt von beständiger Dauer, kein Schmerz so groß, der nicht freie Augenblicke übrigließe; ein gewisser Heroismus im Kampfe gegen das Unglück führt Freuden mit sich, die wahrlich das härteste Ungemach vergessen machen, und der Gedanke, andre zu trösten und aufzurichten, erhebt wunderbar das Herz, erfüllt mit unbeschreiblicher Heiterkeit ich rede aus Erfahrung.

18.

Wir sind darüber einig geworden, daß vollkommne Gleichheit in Denkungsart und Temperament zu einer glücklichen Ehe nicht notwendig sei; traurig aber ist doch immer die Lage, wenn die Ungleichheit gar zu auffallend ist, wenn die Gattin so an gar nichts von allem warmen Anteil nimmt, was dem Gatten wichtig und interessant scheint. Traurig ist es immer, wenn man, um Genuß unschuldiger Freuden, um Leiden, um hohe Gefühle, ferne Aussichten, Unternehmen, kurz um alles, was Kopf und Herz beschäftigt, zu teilen, sich nach fremden Mitgenossen umsehn muß. Traurig ist es, wenn ein phlegmatisches Geschöpf zu jedem geistreichen Tropfen, den uns die süße Phantasie einschenkt, Wasser gießt, uns aus jeder seligen Täuschung unsanft aufweckt, unsre wärmsten Gespräche mit Plattitüden beantwortet und unsre schönsten Pflanzungen zertritt. Was ist aber in solchen Lagen zu tun? Vor allen Dingen Hiobs Spezifikum gebraucht! Nicht lange moralisiert, wo keine Besserung zu hoffen ist; geschwiegen, wenn man doch nicht verstanden wird; und dann die Gelegenheit vermieden, Szenen zu veranlassen, wodurch wir zu arg entrüstet oder gekränkt oder durch die Dummheit des Weibes öffentlich beschimpft würden so kann man denn doch wenigstens negativ so ziemlich glücklich sein.

19.

Wie aber, wenn das Schicksal oder eigne Torheit uns auf ewig an ein Geschöpf gekettet hat, das mit großen moralischen Gebrechen oder gar mit Lastern behaftet, der Liebe und Achtung edler Menschen unwert ist; wenn unsre Gattin uns durch ein mürrisches, feindseliges Temperament, durch Neid, Geiz oder unvernünftige Eifersucht das Leben verbittert, oder wenn sie sich durch ein falsches, tückisches Herz verächtlich macht, oder wenn sie in Unzucht oder Völlerei lebt? Ich brauche hier nicht zu erinnern, daß mancher ehrliche Mann unschuldigerweise in dies Labyrinth geraten kann, wenn ihm die Liebe in früher Jugend einen Streich gespielt hat, indem der böse Feind Asmodäus im Brautstande immer die schönste Larve vornimmt. Ich schweige hingegen auch davon, daß sehr oft der Mann durch üble oder unvorsichtige Behandlung daran schuld ist, wenn Untugenden und Laster, zu welchen der Keim in dem Herzen seiner Frau lag, zum Ausbruche kommen. Es würde mich endlich zu weit führen, wenn ich Regeln für das Verhalten in jeder einzelnen unglücklichen Lage von der Art geben wollte also nur so viel im allgemeinen. Man muß in solchen Situationen dreierlei Rücksichten nehmen; nämlich: zuerst solche, welche auf Beförderung unsrer eigenen Ruhe abzielen; sodann Rücksichten auf Kinder und Hausgenossen; und endlich auf das Publikum. Was uns selbst betrifft, so rate ich, wenn einmal keine Hoffnung zu Bewirkung sittlicher Besserung da ist, sich nicht mit Klagen, Vorwürfen und Zänkereien aufzuhalten, sondern in der Stille solche kräftige Gegenmittel zu wählen, die uns Vernunft, Rechenschaft und Gefühl von Ehre anraten. Entwirf reiflich und mit möglichst kaltem Blute Deinen Plan. Überlege wohl, ob eine Trennung nötig sei, oder wie Du es anzufangen habest, Deinen Zustand, wenn derselbe nun einmal nicht zu verbessern ist, leidlich zu machen, und laß Dich dann von dieser Richtschnur durch nichts, selbst durch keine bloß anscheinende Besserung noch durch Liebkosungen abwendig machen. Erniedrige Dich aber nie so weit, daß Du Dich durch Hitze zu groben Behandlungen verleiten ließest, sonst hast Du schon zur Hälfte unrecht. Erfülle endlich um so treuer Deine Pflichten, je öfter Dein Weib dieselben übertritt; so wird auch Dein Gewissen beruhigt sein, sind mit einem ruhigen Gewissen läßt sich alles, auch das Ärgste, ertragen. In Betracht Deiner Kinder, des Hausgesindes und des Publikums aber vermeide alles Aufsehn. Laß, wo möglich, Dein Unglück nicht ruchbar werden! Wenn Uneinigkeit unter Eheleuten herrscht, so werden die Kinder immer schlecht erzogen. Ist diese Uneinigkeit also nicht zu verbergen, so trenne Dich lieber von Deinen Kindern und überlasse ihre Leitung fremden guten Händen. Wenn bekannte Uneinigkeit unter Eheleuten herrscht, so ist das Hausgesinde nie zur Ordnung, Treue und Gradheit geneigt; es entstehen Parteien und Klatschereien ohne Ende; vermeide daher allen Zank in Gegenwart des Gesindes. Wenn öffentliche Uneinigkeit unter Eheleuten herrscht, so verliert der unschuldige Teil zugleich mit dem schuldigen die Achtung der Mitbürger; vertraue deswegen nicht leicht Dein häusliches Unglück fremden Leuten an.

20.

Sehr gern aber pflegen sich dienstfertige gute Freunde, alte Weiber beiderlei Geschlechts, Vettern und Basen in solche Angelegenheiten zu mischen. Leide nicht, daß irgend jemand, wer es auch sei, ohne Dein Bitten sich um Deine häuslichen Umstände bekümmre. Weise solche Naseweisigkeiten mit aller männlichen Entschlossenheit von Dir! Gute Seelen vertragen sich ohne Vermittlung, und mit schlechten richtet ein Friedensstifter doch nichts aus. Allein bete, daß der Himmel Dich bewahre vor solchen alten Hexen von Schwiegermüttern, die alles wissen, alles tun und, wenn sie auch dumm wie das Vieh sind, dennoch alles dirigieren wollen; deren Geschäft ist, Hetzereien anzustiften, zu unterhalten, und die mit Köchinnen und Haushälterinnen gemeinschaftliche Sache machen, um aus christlicher Liebe die Handlungen des Nächsten auszuspähn. Solltest Du aber zum Unglücke so eine Meerkatze, ein solches satanisches Hausgerät mit erheiratet haben, so ergreife die erste Gelegenheit, da sie sich in Deine Hausvatersangelegenheiten mischen will, um ihre freundlichen, frommen Dienste auf eine solche Art zu verbitten, daß sie Dir so bald nicht wiederkomme. Es gibt aber auch gute, edle Schwiegermütter, die ihrer Kinder Ehegenossen als ihre eigenen Kinder lieben, ihren verheirateten Töchtern mit treuem Rat beistehen, und denen man dann um so mehr Ehrerbietung und Aufmerksamkeit schuldig ist, wenn man ihnen die Bildung eines geliebten Weibes zu danken hat.

Überhaupt sollen alle Zwistigkeiten unter Eheleuten nur unter ihren vier Augen ausgemacht werden, und, wenn es auf das Höchste kommt, vor der Landesobrigkeit; alle Mittelinstanzen taugen gar nichts, und fremde Friedensstifter und Beschützer des leidenden Teils machen immer das Übel ärger. Der Mann muß Herr sein in seinem Hause; so wollen es Natur und Vernunft! Mit einem Herrn zankt man nicht; er hat aber Richter über sich, nicht neben sich. Er soll sich auf keine Weise diese Herrschaft rauben lassen, und auch dann, wenn die weisere Frau seiner offenbaren Macht die heimliche Gewalt über sein Herz entgegenstellt, muß doch das äußere Ansehen der Herrschaft nie wegfallen.

21.

Nichts erschüttert so heftig das Glück unter Gatten und Gattinnen als die Verletzung ehelicher Treue. Der Moralität nach und unsern religiösen und politischen Grundsätzen gemäß ist die Übertretung der ehelichen Pflichten von einer Seite so unedel als von der andern; in Rücksicht auf die Folgen hingegen ist freilich die Unkeuschheit einer Frau weit strafbarer als die eines Mannes. Jene zerreißt die Familienbande, vererbt auf Bastarde die Vorzüge ehelicher Kinder, zerstört die heiligen Rechte des Eigentums und widerspricht laut den Gesetzen der Natur, nach welchen immer Vielweiberei weniger unnatürlich als Vielmännerei sein würde. Man hat nicht einmal in irgendeiner Sprache einen üblichen Ausdruck für das letztere. Der Mann ist das Haupt der Familie; die schlechte Aufführung seiner Frau wirft zugleich Schande auf ihn als den Hausregenten nicht umgekehrt also. Ohne Betracht auf Folge und Rechenschaft aber, so dünkt mich, handelt ein Teil, der den andern für untreu hält, sehr unweise, wenn er durch Vorwürfe oder gar durch unvernünftiges Toben ihn in Schranken halten will. Ist ihm um sein Herz zu tun, so muß er wissen, daß man nur durch sanfte, liebevolle Mittel Herzen fesselt, durch das Gegenteil aber zurückstößt; verlangt er nur den alleinigen Besitz seines Leibes, so ist er ein Geschöpf der gemeinsten Art. Eheleute, die durch kein edlers Band aneinandergeknüpft sind, finden tausend Mittel, sich zu hintergehn, und es ist daran nicht viel verloren. Insofern also bei der Untreue nicht Zärtlichkeit und Hochachtung gekränkt werden, so ist wahrlich nach der Franzosen Meinungen die Hahnreischaft, wenn man die Sache weiß, sehr wenig, und wenn man sie nicht weiß, gar nichts. Noch ärger aber, und das sicherste Mittel, auch den treuesten Gatten zu Ausschweifungen zu verleiten, ist, ihn auf bloßen Verdacht durch Vorwürfe und niedriges Mißtraun zu beleidigen. Sollte aber Dein Unglück gewiß und Deine Schande nicht zu verbergen sein, so ist freilich kein andres Mittel als Trennung durch gerichtliche Hilfe oder durch gütliche Übereinkunft, obgleich der Schandfleck dadurch nicht ausgelöscht wird. In allen übrigen Fällen ist die Ehescheidung eine höchst bedenkliche Sache. Leute, die eine Reihe von Jahren miteinander verlebt haben, können einen solchen Schritt nicht leicht tun, ohne beide an öffentlicher Achtung zu verlieren. Eheleute, die Kinder haben, können nie sich trennen, ohne sehr nachteilige Folgen für die Bildung und zeitliche Glückseligkeit dieser Kinder. Ist es daher irgend möglich, bei einem weisen, vorsichtigen Betragen, es miteinander auszuhalten, so ertrage, leide und dulde man und vermeide öffentliches Ärgernis.

22.

Allein alle diese Vorschriften sind wohl nur besonders anwendbar auf Personen im mittlern Stande. Die sehr vornehmen und sehr reichen Leute haben selten Sinn für häusliche Glückseligkeit, fühlen keine Seelenbedürfnisse, leben mehrenteils auf einem sehr fremden Fuß mit ihren Ehegatten und bedürfen also keiner andern Regeln als solcher, die eine feine Erziehung vorschreibt. Und da sie auch eine eigne Moral zu haben pflegen, so werden sie wohl in diesem Kapitel wenig finden, das für sie tauglich wäre.


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