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Die Donner von Gaëta.

Zwischen dem Golf von Terracina und dem von Neapel, löst sich von dem teilweise vulkanischen Gebirgsknoten der Apenninen bei Itri und Fondi eine trichterförmig sich verschmälernde Landzunge ab, welche amphitheatralisch zu einem kurzen, sandigen, etwa 700 Meter breiten Hals dieses Trichters niedersteigt, und dann plötzlich einen Kopf dieses Halses in einem riesigen Felsenkessel bildet und seine schroffen Wände der Meeresflut entgegenwirft.

Diese Landzunge bildet den Golf von Gaëta, – auf diesem Vorgebirge liegt die Festung Gaëta.

Weit taucht hier der Blick ins tyrrhenische Meer, schweift über die ponzischen Inseln am fernen Horizont und wandert an der Küste entlang, an der Mündung des Volturno vorüber, bis in der verschwimmenden Ferne Ischia, das Vorgebirge Mysene den Golf von Neapel abschließen.

Von der Seeseite, dem Südwesten her gesehen, bieten die zerklüfteten Kalkfelsen einen grotesken Anblick. An den schroffen schwarzbraunen Wänden, die hier nicht des Schutzes künstlicher Befestigung bedürfen, bricht sich die weißschäumende Brandung und schlägt ihre Zungen in die ausgehöhlten Risse und Grotten. Auf der halben Höhe erheben sich die Etagen der Festungswerke mit umfangreichen Kasematten.

In verhältnismäßig kurzer Entfernung (kaum 500 Schritt) von der Linie der Festungswerke, laufen die Häuserreihen der Vorstadt, Borgo de Gaëta, entlang, denen sich Albano und Spiaggia anschließen. Einzelne Häuser und Villen ziehen sich weiter an der Küste hin bis zu den antiken Resten, die als Ciceros Grab bezeichnet werden, wo er von den Schergen des Antonius erreicht und erschlagen wurde. Am anderen Flügel der Bai, der äußersten Spitze der Festung fast gegenüber, liegt Castellone und Mola di Gaëta, mit der auf den Trümmern des berühmten Landhauses des Cicero erbauten Villa Reale, dem Hauptquartier Cialdinis. Die Sehne dieses Halbbogens beträgt etwa dreiviertel deutsche Meilen, bei der Klarheit der Luft also nur eine geringe Entfernung für das Auge.

Das Innere der Stadt Gaëta macht auf den Besucher einen wenig günstigen Eindruck. Die Stadt ist in ihrem oberen Teil so winkelig und gedrängt in die Felsmasse hineingebaut, daß der Sonnenschein kaum in ihre engen Gassen dringen kann. Eine einzige Straße durchläuft am Fuß der Felsmassen die Stadt und erweitert sich nur hier und da zu freieren Plätzen. Die Wege, oftmals stufig in den Felsen gehauen, steigen bergauf, bergab, kaum breit genug, den Begegnenden Raum zum Ausweichen zu lassen. Die hohen Häuser stützen sich gegenseitig durch Gewölbbogen; labyrinthische Gänge schlüpfen zwischen kahlen Felswänden finster und einsam hindurch, und hier und da hat man den Felsengrund selbst als Mauerwerk benutzt. In den Gebäuden winden sich dunkle Stiegen empor, eine eisige Steinluft durchfröstelt die Räume, die nur in den höheren Etagen vom Sonnenlicht erwärmt werden. Man ist froh, wenn man, dem donnernden Widerhall der Brandung folgend, bis zum Klippenrand vorgedrungen ist, auf dem der Leuchtturm sich erhebt, und wo das Auge frei über das Meer hinüber nach dem schönen Parthenope schweifen kann.

Der untere Teil der Stadt zeigt zwar weniger diesen finstern Charakter, aber von gemütlicher Wohnlichkeit ist auch hier nicht die Rede; unerträgliche Hitze im Sommer, quälende Kälte ohne Schutz im Winter. Zu den hervorragenden Gebäuden dieses Stadtteils gehört der sogenannte königliche Palast, ein einfaches zweistöckiges Wohnhaus, in dem Papst Pius IX. während seines Exils im Jahre 1849 residierte.

Von den Kirchen ist außer der von St. Francisco nur die aus der Zeit Kaiser Rotbarts stammende Kathedrale von St. Erasmo mit der Fahne des Siegers von Lepanto, und die außerhalb der Stadt auf jenem Berge am Meer stehende Kirche von Santa Trinita zu nennen, den nach der Sage der letzte Seufzer des sterbenden Heilands bis in seine Tiefen zerriß.

Wie wir bereits erwähnt, verliert sich die Geschichte Gaëtas ins graue Altertum und die wechselvollsten Schicksale sind ihr beschieden gewesen.



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