Karl Emil Franzos
Der Stumme mit dem bösen Blick
Karl Emil Franzos

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Der Wind war verstummt, nur die leisen Stimmen des Waldes umklangen mich in der Dunkelheit. Zuweilen löste sich ein Büschel Nadeln los oder ein morsches Zweiglein und streifte im Herabsinken die anderen, daß sie heimlich hinter mir her zischelten. Oder es irrte ein seltsamer, gedämpfter Ton durch die Luft, aus der Kehle eines Vogels, der hoch oben saß und vielleicht im Traum sang. Dazwischen murmelte das Flüßlein, aber sein Rauschen klang mir leiser ins Ohr als am Tage, als schliefe es auch und ließe sich nur im Traume vernehmen ...

Da – urplötzlich und jäh – schlug ein schriller, durchdringender Ruf an mein Ohr, ein Klageruf, und er weckte den Widerhall, daß der ganze Wald bang aufächzte. Ich hielt entsetzt an und lauschte.

Der Ruf erklang zum zweiten Male, noch furchtbarer als vorhin, aber nun schreckte er mich nicht mehr. Ich kannte diese Stimme; es war ein Uhu, der sich in der Dunkelheit aus dem Urwald hinabgewagt in die Vorberge.

Weiter ging ich und weiter und fühlte, wie die Dunkelheit dieser Nacht, so schön wie unheimlich, immer tieferen Eindruck auf meine Sinne zu üben begann. Kaum empfand ich noch meine Ermüdung und vollends nicht mehr jenen Zwiespalt, jenes Schwanken und Kämpfen, das vorhin in meiner Seele gewaltet. Es war still in mir geworden; ich hatte ein Gefühl, als wäre ich selbst ein Stück des schlafenden Waldes.

Nur ein Sehnen füllte mir die Brust, ich sehnte mich, daß es licht wurde. Aber vielleicht sog ich auch diesen Wunsch nur aus dem, was um mich war, vielleicht schmachtete auch der Wald nach dem Monde. Denn plötzlich rauschten die Bäume auf, freudig und mächtig, und tausend Stimmen regten sich, und der Wind erwachte: am Himmel ging ein Leuchten dahin, und der Staub des Pfades begann zu schimmern; Ströme silbernen Lichts fielen auf die Wipfel und rieselten an den Zweigen herab – der Mond war voll und hell durch die Wolken gebrochen.

Ich blickte zu ihm empor, während ich weiterging, ich einsamer Wanderer, der nun nicht mehr einsam war. Bang und freudig, trostheischend und getröstet blickte ich zu ihm empor, und er neigte mir sein mildes Antlitz zu wie jedem, wie allem, was sehnend zu ihm emporstrebt, und sein Licht kühlte mir die beiden Augen ... In jener Stunde verstand ich ihn und mein Herz und alles, alles Weh der Menschen ...

Ein Schuß!

Dumpf dröhnend, überaus gewaltig ging der Schall durch die stille Luft, und hundertfach, grollend und ächzend, gab ihn der Wald zurück. Ich fuhr auf, griff nach meinem Revolver, spannte den Hahn und lauschte. Nicht hundert Schritt von mir war der Schuß gefallen, und aus einer Büchse, das hatte ich am Ton erkannt.

Wer war der Schütze? Ein Jäger nicht, was sollte der auch im Mondschein erpirschen wollen? Ein Heidamak! Es gibt ihrer viele im Gebirge, sie sind nicht ausrottbar; Auswürflinge der Ebene, zuweilen auch Bergbewohner, denen der Hunger die Flinte in die Hand gedrückt. Es konnte ein Räuber sein, welcher den fernen Genossen ein Signal gegeben. Ich lauschte, ob nicht von fern die Antwort ertöne. Aber es blieb still, nur in den Zweigen flüsterte der Wind. Das klang meinen erregten Sinnen wie ein Zischeln des Mitleids, dann der Schadenfreude: »Der ›Stumme‹!«

Ich wandte mich, zu gehen, zu entfliehen. Aber derselbe Drang der Seele, vielleicht nur der Nerven, der mich bis hierhergebracht, hielt mich nun fest und trieb mich vorwärts.

Vor mir war ein Tannendickicht, der Pfad führte in scharfer Krümmung um dasselbe. Langsam, klopfenden Herzens, ging ich dahin. Als ich das Gehölz umschritten, sah ich seitab vom Wege, in geringer Entfernung, zwischen den Baumstämmen ein flackerndes Feuerchen herüberschimmern, dem dichter Rauch entquoll. Der Wind trieb ihn in der Richtung, wo ich stand, einen Menschen konnte ich nicht gewahren. Ich hatte früher kaum gezweifelt, aus wessen Rohr der Schuß gekommen; nun wußte ich vollends, wer mir nahe sei.

Ich schritt vom Pfade ab und zwischen den Baumstämmen dem Feuer zu, welches mitten auf einer kleinen Waldhöhe züngelte. Vorsichtig bog ich das Gezweige auseinander, und lautlos versank mein Tritt in dem weichen Moder des Waldbodens. Dennoch mußte mein Nahen vernehmbar geworden sein, denn nach wenigen Sekunden schon – ich war eben an den Rand der Waldblöße gelangt – verdunkelte sich die Glut des Feuers; eine Menschengestalt war vor dasselbe getreten und hob sich ab von dem rötlichen Hintergrunde – eine riesige Gestalt, wie mir scheinen wollte, mehr konnte mein Auge noch nicht erspähen. Die Gestalt bewegte sich, sie kam auf mich zu. Wild rauschte das Blut in meinen Ohren, dann ging ich vorwärts, ihr entgegen. Es war ein Greis; nun konnte ich die mächtige Mähne weißen Haars unterscheiden, welche sein Haupt umstarrte. Er hielt an, als er mich nahen sah, und auch mein Schritt stockte wieder. Ich weiß nicht, wie lange wir so schweigend und regungslos in dem seltsamen Zwielicht, welches das Mondlicht und die züngelnde Glut über der Waldblöße schufen, einander gegenüberstanden, vielleicht wenige Atemzüge, vielleicht einige Minuten lang. Nur dies eine ist mir klar erinnerlich, wie mir plötzlich der Gedanke durchs Hirn schoß: Warum fürchtet sich dieser Mensch vor dir, warum fürchtet er sich so sehr? – Vielleicht schloß ich es aus seiner Haltung, noch deutlicher wahrscheinlich sagte mir's eine Ahnung, ein Instinkt. Aber dieser Gedanke linderte mir das Grauen dieses Moments nicht, im Gegenteil, er erhöhte es so sehr, daß ich fühlte, diese schmerzhafte Anspannung der Nerven keinen Augenblick länger ertragen zu können. Es wurde mir leichter ums Herz, als ich vorwärts schritt.

Der Greis blieb auf derselben Stelle, das Antlitz gegen mich gekehrt. Schon konnte ich die Umrisse der Gestalt, wenn der Wind den Rauch verwehte, im Lichte des Mondes, der Herdglut schärfer unterscheiden und dann, wie der silberweiße Bart sich abhob von dem dunklen Antlitz. Ich ging rasch, nur noch eine Spanne Raum lag zwischen mir und dem Unheimlichen.

Da regte er sich und hob die Hand; ich blieb stehen, und wieder ergriff mich jenes Grauen. Nicht die Gebärde schlimmster Drohung hätte mir solchen Eindruck gemacht wie dieses Betragen. Die Rechte wie beschwörend vorgestreckt, wich der Greis Schritt für Schritt zurück, ohne das Antlitz von mir zu wenden, bis er dicht vor dem brennenden Reisig stand.

»Gut Freund!« rief ich hinüber. »Lasset mich herankommen, Greis!«

Er schüttelte den Kopf.

»Ich bin ein Fremder, der den Weg zur Mühle sucht.«

Wieder nur dieselbe Gebärde. Dann streckte er die Hand aus und wies nach der Richtung, aus der ich gekommen. Doch auch diesmal war es keine befehlende, sondern eine demütige, ja flehende Gebärde.

Ich wollte gehen. Aber wie mein Blick über das matt erleuchtete, rauschende Geäst des Waldes hinstrich, da ward ich erst inne, in welch schlimme Lage ich mich gebracht. Es war unsicher, ob ich mich auf dem schmalen Pfad zurückfinden konnte, und selbst wenn mir dies glückte, konnte ich ihn bis zum Ausgange des Waldes, bis zur Mühle verfolgen? Eine Nacht im Karpatenwald verbringen, es war bedenklich, und nicht bloß der feuchten Kühle wegen, wie der freundliche Landsmann gewarnt ...

Was tun? Ein dunkler Drang hatte mich hierhergetrieben, Neugier und Mitleid und die Sehnsucht jugendlichen Gemüts, alles Rätselhafte zu ergründen. Nun aber band mich an diesen Greis die bittere, nüchterne Notwendigkeit.

Ich wandte mich wieder zu ihm und trat auf ihn zu. Abermals streckte er die Hand vor; als mich dies nicht aufhielt, bückte er sich zur Erde nieder und hob etwas auf. Es schimmerte metallen im rötlichen Lichte der Reisigglut; der Greis hatte nach seiner Büchse gegriffen.

Ich zog meinen Revolver. »Alter Mann«, rief ich hinüber, »wollt Ihr einen Menschen niederschießen, der Euch mitten im Walde und hilflos um den rechten Weg fragt?«

Das wirkte; das Rohr senkte sich, er duldete mein Nahen, gebeugten Hauptes stand er da. Nun konnte ich die Züge deutlich erkennen. Es war ein Antlitz, wie ich all meine Tage nichts Ähnliches gesehen; dieser Mensch mußte uralt sein, das wies die gelbe, mumienhafte, von tausend Fältchen durchfurchte Haut und das matte, gleichfalls gelblich überhauchte Weiß des Bartes, des Haupthaares. Aber die fest geschlossenen Lippen zitterten nicht, die Augen blickten scharf und klar; es war sonst keine Spur hoher Jahre, keine des Verfalls in diesen Zügen, dieser Gestalt, welche nicht so riesig war, wie sie mir vorher im Dämmerlicht erschienen, aber doch weit über gewöhnliche Mannesgröße. Ein Ledergewand, wie es die Jäger anzulegen pflegen, wenn sie auf die höchsten Kuppen dieses Gebirges ziehen, umschloß die mächtigen Glieder; es schien verwittert und doch wie unzerstörbar – ganz so wie der Mann, der es trug. Je länger ich ihn ansah, desto bedrückter ward mir das Herz, und unwillkürlich klang jenes Wort in mir auf, welches die unglückliche Frau unten im Dorfe gesprochen, die klagende, unheimliche Frage: Wer weiß, ob dies ein Mensch ist. – Das war eine Gestalt, wie sie Dichter und Maler und das Volk in ihren Träumen ausgestaltet; das war Ahasver, der sich und anderen zum Fluche ewig über die Erde wandern muß, uralt und urkräftig zugleich, zum Tode reif, vor dem Tode gefeit ... In eines Menschen Antlitz konnte nicht so viel dumpfe, hoffnungslose Trauer liegen, in eines Menschen Haltung sich nicht eine so furchtbare Müdigkeit ausprägen. Es war ein Anblick, der mir die Kehle zusammenschnürte, daß ich kaum sprechen konnte.

»Ich habe mir in der Mühle ein Nachtlager erbeten«, begann ich. »Bei dem Deutschen, den Ihr wohl auch kennt. Wie weit ist's dahin?«

Er erhob den Blick nicht, er antwortete nicht. Dann streckte er zwei Finger der Rechten aus. »Meilen?« Er schüttelte den Kopf. »Stunden?« Er nickte. »Wollt ihr mich dahin begleiten?«

Er begann ein seltsames Gebärdenspiel, nicht hastig und ausdrucksvoll, wie man es an Stummen findet, sondern gemessen, überlegend und mühsam nach dem Bezeichnendsten suchend, etwa so, wie es jeder von uns täte, wenn er einem Menschen gegenüberstünde, der seine Sprache nicht verstehen kann. Er faltete die Hände, dann wies er auf die Büchse, deutete auf sich und mich und ließ die Arme schlaff niedersinken.

Ich verstand ihn nicht. Erst als er die Gebärden wiederholte, rasch und ausdrucksvoller als vorhin, begriff ich, was er andeuten wollte: Ich habe dich im guten und bösen von mir fernhalten wollen; nun es vergeblich gewesen, so geschehe dein Wille.

»Warum?« fragte ich. »Ist Euch jeder Mensch so verhaßt, oder hättet Ihr mich zu fürchten? Und warum sprecht Ihr nicht? Daß ihr kein Stummer seid, ist ja gerade aus Euren Gebärden zu erkennen. Oder habt ihr die Sprache verlernt?«

Der Greis blieb regungslos stehen, als hätte er die Frage nicht gehört. Ich wiederholte: »Seid Ihr stumm?« Kein Muskel zuckte in dem ehernen Antlitz. »Ich verstehe«, sagte ich. »Ihr wollt nicht lügen, und die Wahrheit mögt ihr nicht bekennen. Ihr seid der Greis, den sie hier den ›Stummen‹ nennen?«

Er fuhr zusammen und richtete seine Augen auf mich; der Blick war scheu wie der eines gehetzten Wildes. Dann belebten sich die Züge, wie ein maßloses Erstaunen glomm es im Antlitz auf.

»Ihr wundert Euch, daß ich dennoch mit Euch spreche? Ich fürchte Euch nicht, sowenig wie der Mann da unten in der Mühle. Ihr seid ein Unglücklicher, der noch keinem mit seinem ›bösen Blick‹ Unheil gebracht. Euch tun die Leute schweres Unrecht; sie verfolgen Euch mit ihrem Aberglauben!«

Er zog die Brauen noch finsterer zusammen und machte mit dem erhobenen Finger eine Gebärde der Verneinung. In den Augen blitzte es unheimlich.

»Was wollt Ihr damit ausdrücken? Etwa, daß Ihr wirklich dem Unheil bringet, dem Ihr begegnet?«

Er nickte. Dann hob er die Rechte und wies feierlich gen Himmel.

»Das wäre Gottes Wille, meint Ihr? Das hätte er, der Allerbarmer, auf Euch gelegt?«

Er schlug die Hände vors Antlitz; sein Leib erzitterte, schwer ging sein Atem aus und ein. Dann raffte er sich auf; die Gestalt reckte, die Hände ballten sich; er hob die Fäuste empor, als zürnte, als drohte er dem da droben. Aber auch dies währte nur wenige Atemzüge lang; wieder verbarg er das Antlitz in den Händen. Mir aber, der ich allein mit diesem Greis war, allein im nächtlichen Bergwald und auf seine Hilfe angewiesen, mir strich es kalt über Haupt und Rücken. Er ist wahnsinnig – der Gedanke übermannte mich und trieb mir das Blut zum Herzen. »Kommt!« bat ich. Er nickte, kauerte sich dann jedoch zum Feuer nieder und begann, mit einem Ast darin zu stöbern. Einige Kartoffeln brieten in der Asche; er schob sie an den Rand, damit sie inzwischen nicht verkohlten. Es war die Abendmahlzeit des Greises, vielleicht der einzige warme Bissen, den er heute genießen sollte.

So gern ich fort wollte, dieses Opfer durfte ich nicht annehmen. Ich bat ihn, so lange zu verweilen, bis sein Mahl fertig geworden. Er sträubte sich dagegen, litt es aber, als ich darauf beharrte. Nun schob er die halbgaren Knollen wieder tiefer in die Asche, machte mir ein Zeichen, welches ich nicht verstand, und ging eilig davon, über die Waldblöße hin. Bald war er hinter den Tannen verschwunden.

Verblüfft blickte ich ihm nach. Wer weiß, dachte ich, welchen wirren Gedanken nun dies arme, umdunkelte Hirn ausgebrütet hat! Aber als er nach wenigen Minuten wieder erschien, konnte ich schon von ferne erkennen, wie grundlos meine Besorgnis gewesen. Schwer bepackt kam der Greis daher, über den Schultern ein Bärenfell, in der Hand eine Provianttasche. Er breitete das Fell auf die Erde hin, dicht an das Feuer, und lud mich durch eine Gebärde ein, es als Ruhelager zu benützen. Ich nahm die Freundlichkeit dankend an, fügte jedoch hinzu, daß die Bemühungen nicht notwendig gewesen, ich sei den Aufenthalt im Walde gewohnt. Und daraufhin überflog ein Ausdruck seine Züge, wie ich ihn in diesem verdüsterten, in Leid erstarrten Antlitz nimmer für möglich gehalten hätte; gutmütiger, neckender Spott lächelte aus Blick und Mienen. Das verschwand blitzschnell, aber sein Tun blieb ein freundliches. Er öffnete seine Vorratstasche und breitete ihren Inhalt vor mir aus: geräuchertes Wildbret, ein Stück Ziegenkäse, harten Maiskuchen und Haferbrot.

Es war eine schwere Zumutung, ich zauderte und hätte abgelehnt, wenn mir nicht der seltsame, spähende Blick aufgefallen wäre, mit dem er mich dabei musterte. Der Unglückliche sollte nicht glauben, daß ich die Bewirtung verschmähte, weil sie aus seiner Hand kam. So brach ich denn je ein Stücklein von Käse und Kuchen, würgte sie hinunter und lobte dann eifrig die Kost. Wieder erhellte sich sein Antlitz, und diesmal noch ganz anders als früher; aus den Augen sprach eine rührende Dankbarkeit, die mich tief ergriff. Vielleicht genoß dieser unsäglich einsame, verfolgte und gemiedene Greis in diesem Augenblick seit Jahrzehnten wieder zum ersten Male jene Freude, die zu den besten gehört, die wir Menschen uns selbst bereiten können, die Freude, einen Gast zu bewirten.

Dann kamen die Kartoffeln, die inzwischen gar geworden, an die Reihe; auch die teilte er mit mir, und da ich diesmal eifrig zulangte, war sein Behagen, mir zuzusehen, so groß, daß er darüber selbst das Essen vergaß. Der Pfad, der zum Herzen eines Nebenmenschen führt, ist oft genug der schmälste, längste und schwierigste, den wir am Leben zu gehen haben, hier war mir der Zugang leicht geglückt: durch einige Bissen!

Allerdings war ich noch nicht ganz am Ziele; zu jenen wenigen, mit denen sich der Unglückliche zu reden getraute, gehörte ich noch nicht. Er antwortete auf jede Frage, aber nur durch Gebärden. So erfuhr ich, daß er des Sommers im freien Walde schlafe, des Winters in einer Hütte, die fern von hier, gegen Osten liege, also wahrscheinlich irgendwo in der Ebene. Hier in der Nähe habe er nur seine Vorratskammer, und zwar die Höhlung eines morschen Baumes.

Es währte lange, bis er mir dies alles verständlich gemacht. Und da er so bereit war, mir gefällig zu sein, schöpfte ich daraus den Mut zu einem neuen Versuch, mir und ihm die viele Mühe zu sparen. »Ich weiß, Ihr seid nicht stumm«, begann ich. »Warum sprecht Ihr nicht mit mir? Doch nur deshalb, weil es nach Eurer Meinung mir, Eurem Nebenmenschen, Gefahr brächte!«

Sein Antlitz verfinsterte sich jählings wieder, dann schüttelte er das Haupt.

»Nicht? Also ein Gelübde?«

Er gab kein Zeichen der Antwort mehr. Das war ihm offenbar eine so schmerzhafte, so heilige Sache, daß ihm jedes Anrühren überaus peinlich war. Ich verstummte verlegen, und in diesem bangen Schweigen fiel mir die Unheimlichkeit dieses Menschen, dieser Stunde wieder einmal schwer aufs Herz. So mahnte ich denn gern zum Aufbruch. Er nickte, dann deutete er mir an, daß er vorher Pelz und Tasche wieder bergen müsse, belud sich mit beiden und ging. Aber da ereignete sich ein seltsamer und aufregender Zwischenfall, den ich niemals vergessen werde.

Nicht fünf Schritte weit war er gekommen, als er plötzlich innehielt und aufhorchte. Ich tat das gleiche, konnte aber nichts erlauschen als das Wehen und Zischeln des Windes im Geäst und jene leisen Stimmen der Nacht, die schon vorhin mich Einsamen bald erschreckt, bald getröstet. Der Greis jedoch schien mehr zu hören; seine Brauen zogen sich zusammen, die Lippen bebten, und ich glaubte zu gewahren, daß sein Gesicht noch bleicher geworden.

»Was gibt's?« rief ich. Er streckte die Hand gebieterisch gegen mich aus. Schweig und rühr dich nicht! bedeutete die Gebärde. Hierauf warf er blitzschnell Pelz und Tasche zu Boden, streckte sich der Länge nach neben sie hin und hielt das Ohr an die Erde.

Nur wenige Atemzüge – dann schnellte er wieder empor, sprang auf mich zu, faßte meine Hand und zog mich hinter sich her gegen den Rand der Waldblöße.

»Was gibt's?« wiederholte ich, und diesmal ernsthaft erschreckt. Denn sein Antlitz war verstört, und er stürmte, ohne meine Hand zu lassen, so rasch dahin, daß ich ihm kaum folgen konnte. Aber er achtete nicht darauf und riß mich mit sich fort, bis wir das Tannendunkel erreicht. »So sprecht doch!« stieß ich erregt hervor.

»Schweige!« Das war das erste Wort, das ich von den Lippen dieses Menschen hörte.

»Ist's ein Bär? Sind's Menschen?«

»Haidamaken!« flüsterte er.

»Viele?«

Darauf antwortete er nicht.

»Schlimm, Herr!« murmelte er.

»Und nun hab' ich bar ...«

Er vollendete den Satz nicht. Mit einer Behendigkeit, wie ich sie kaum je bei einem Jüngling gesehen, sprang er wieder vor, auf das Feuer zu, holte seine Büchse, die er hatte liegenlassen, und war mit gleicher Raschheit, binnen kaum einer Minute, wieder bei mir.

»Ist deine Waffe geladen?« fragte er atemlos.

Ich bejahte. Die seine war es nicht. Rasch griff er in das Patronensäckchen, das ihm an der Hüfte hing, und besorgte die Büchse. Seine Hand zitterte.

»Was kann Euch so erschrecken?« fragte ich. »Auch höre ich noch immer nichts!« Da vernahm ich aber schon den Laut ferner Stimmen. »Eine ganze Bande?«

Er nickte.

»Schlimm, Herr! Der Aniolek!«

Das war denn in der Tat das Schlimmste, was uns begegnen konnte. »Aniolek« heißt zu deutsch Engelchen; es war der Spitzname eines der fürchterlichsten Menschen, die je den Bergwald zwischen Ungarn und Galizien unsicher gemacht. Seine Herkunft wie sein Ende sind unbekannt geblieben, ebenso sein wirklicher Name; man weiß von ihm nur, daß er ein Mensch von besserem Stande und ein grausamer Wüterich gewesen. In jener Zeit, in welche diese Begebenheit fällt, klang sein Name von aller Lippen, so weit der Schatten dieser Berge fällt und bis tief in die Ebene hinein. Gestern abend war in der Wirtsstube im Städtchen unten nur vom »Aniolek« die Rede gewesen, und die Leute hatten Gott gedankt, daß er nun, den letzten Nachrichten zufolge, sein furchtbares Handwerk fünfzig Meilen weiter nordwärts treibe, im westlichen Galizien. Sonst sind, sagte ich schon, die Haidamaken nur der Habe gefährlich, nicht dem Leben; sie greifen nur in Notwehr zur Büchse; dieser Mensch mordete zum Zeitvertreib, und das Entsetzlichste wurde von ihm berichtet. Wenn er es wirklich war – ich dachte den Gedanken nicht aus. Der Lärm kam näher und näher. »Woher vermutet Ihr den Aniolek?« fragte ich.

»An dreißig Leuten oder mehr!« war die Antwort. »Nur diese Bande ist so zahlreich. Auch ist der Aniolek der einzige Mensch im Gebirge, der mich nicht fürchtet. Er hat mir seinen Besuch versprechen lassen!«

»Wozu?«

»Um mich kennenzulernen«, sagte er. Und mit ganz seltsamem Tone fügte er hinzu: »Vielleicht – vielleicht sendet ihn Gott?«

Ich hatte nicht mehr die Zeit, zu erfragen, wie dieser befremdende Beisatz gemeint sei, denn immer näher kam die Schar, und nun wurden auch schon einzelne Worte verständlich. »Hoio! Wo steckt er?« rief eine kreischende Stimme, und eine andere: »Gib acht, Michalko, heut lernt er reden!«

Der Greis stand unschlüssig, wie in tiefen Gedanken. »Was tun?« flüsterte ich und faßte seinen Arm.

Er fuhr empor und tat eine Frage, die ganz rätselhaft war und mich an seinem Verstande zweifeln ließ, dieselbe Frage, die heute bereits jene alte Frau im Dorfe an mich gerichtet: »Lebt noch deine Mutter, Herr?«

»Ja«, sagte ich. »Warum?«

Er richtete sich hoch empor und faßte meine Hand. »Dann weiß ich wieder, was zu tun ist ... Du bleibst hier, Herr«, fuhr er mit einer Entschiedenheit fort, die kaum zu schildern ist. »Regst du dich nicht, so sind wir hoffentlich beide gerettet; sehen sie dich, sind wir beide verloren.«

Was nun folgte, hat sich rascher begeben, als ich es in den kürzesten Worten erzählen könnte. Es steht greifbar klar vor mir, und ich werde es immer so sehen, all mein Leben.

Die Büsche drüben teilen sich; ein Haufe wild zerlumpter Männer, von Waffen klirrend, die Büchsen hochgeschwungen, bricht auf die Waldblöße. Schreiend und johlend eilen sie auf das Feuer zu; an ihrer Spitze ein junger, blonder Mensch mit feinen Zügen, und dieser Jüngling mit dem Mädchengesicht ist bereits an einem Dutzend Menschenleben der Mörder geworden; es ist der Aniolek. Um seine Lippen spielt nur ein spöttisches Lächeln, seine Leute hingegen johlen immer wilder. Da entfährt ihren Lippen ein Schrei, und dann wird es still, so still, als hätte sich plötzlich eine Riesenfaust um die Kehle all dieser Tobenden gelegt. Der »Stumme« ist hervorgetreten und schreitet ihnen langsam entgegen, das Antlitz erhoben, die Augen auf sie geheftet. Ich habe dieses Antlitz von meinem Standort nicht sehen können, ich weiß nicht, welchen Ausdruck es in jenem Augenblick hatte, aber den Eindruck, den es übte, habe ich gesehen.

Die Leute stehen stumm und wie angewurzelt. »So kommt doch!« ruft der Aniolek und schreitet vor. Keiner gehorcht. Nun stehen die beiden einander gegenüber. »So also siehst du aus?« beginnt der Aniolek. »Du Kinderschreck, möchtest du nicht mit mir sprechen?« Da reckt sich der Greis zu seiner vollen Höhe auf, tritt noch näher auf ihn zu und hebt die Hand. Hinweg! lautet die Gebärde. Ein kurzer Schrei aus dreißig Kehlen – die Schar zerstiebt.

»Feiglinge!« ruft der Aniolek und tastet nach der Pistole in seinem Gürtel, dann aber, wie er zurückblickt, die Flucht der anderen und ihre Schreckensmienen sieht, faßt und übermannt auch ihn ein jähes Entsetzen. Er weicht immer weiter zurück, und wenige Sekunden später steht auf der Waldblöße nur noch der Greis allein, das Antlitz dem Dickicht zugekehrt, in dem sie entschwunden.

Nun werden sie aus dem Dunkel auf ihn schießen, denk' ich angstvoll, und kaum daß mir der Gedanke durchs Hirn gefahren, kracht ein Schuß – aus einer Pistole. Aber der Greis zuckt nicht; die Kugel muß ihn gefehlt haben. Da ruft eine gellende Stimme: »Zurück! Nun wird er wieder die Hand heben!« Der »Stumme« tut dies nicht; auch ohnedies wird nun die eilige Flucht das Knistern der geknickten Zweige hörbar, und bald verhallt der letzte Ton in der Ferne.

Wie gesagt, unsäglich rasch spielte sich die Szene ab; vielleicht auch war dies nur der Eindruck, den meine fieberhaft erregten Sinne hievon behielten. Nie in meinem Leben habe ich eines Menschen Hand mit wärmerem Druck erfaßt als jene dieses gemiedenen, unseligen Greises, da er wieder auf mich zutrat. »Wie soll ich Euch danken?« begann ich.

Er zog die Hand hastig zurück. »Wofür?« sagte er. »Ohne mich wärest du längst auf dem Rückweg zur Mühle. Auch galt ja der Besuch nur mir. Im Gegenteil, Herr, wolltest du mir zürnen, du hättest Grund genug; mein Verhalten hätte dir das Leben kosten können. Mein erster Gedanke war, zu fliehen, um deinetwillen! Aber warum blieb ich so dicht in der Nähe, warum nützte ich nicht die Minute, wo sie herankam, zur Flucht?«

»Es wäre vielleicht klüger gewesen«, sagte ich. »Aber wer könnte in solchem Augenblick klar überlegen?«

»Da irrst du, Herr! Wer erlebt hat, was über mich gekommen ist, wer ein Leben führt wie das meine, ist durch nichts erschrocken und überlegt alles. Ich blieb, weil ich mir schon lange vorher fest vorgenommen hatte, auszuharren, wenn der Aniolek mir seinen angedrohten Besuch machte; ich blieb, weil Augenblicke hindurch die Selbstliebe in mir mächtiger war als das Erbarmen mit deinem jungen Leben.«

»Um Gott!« rief ich und trat einen Schritt zurück. »Die Selbstliebe ... Das nennt Ihr so?«

»Wie könnte ich es anders heißen? Ja, Herr, ich wollte sterben! Dieser Mensch soll furchtlos und verderbt wie ein Teufel sein, dachte ich, vielleicht vergönnt mir Gott durch seine Hand endlich diese Gnade! Aber dann übermannte mich doch das Erbarmen, und ich wählte das einzige Mittel, das noch zur Rettung übrigblieb. Währest du mir hervorgetreten, sie hätten keine Scheu empfunden. Aber wer weiß, ob ich's getan hätte, wenn dein Mütterchen, das dir Gott erhalten möge, etwa schon tot wäre, so aber – siehst du, Herr ...«

Er brach ab und fuhr dann mir fast gebrochener Stimme fort: »Was der Schmerz einer Mutter ist, weiß ich. Mir waren alle Menschen feindlich, nur meine Mutter nicht. Danke mir nicht, Herr, nicht dir, deiner Mutter habe ich dein Leben erhalten wollen, und es ist geglückt. Danke mir nicht, mir ist ja nichts dabei geschehen. Aber – oh, wenn du wüßtest, wie mir zumute war, als ich die Kugel heranpfeifen hörte –, Herr, so erwartet der Bräutigam seine Braut!«

Ich schwieg, was hätte ich auch sagen sollen?

»Nun aber komm«, fuhr er nach einer Weile fort. »Es ist nahe an Mitternacht und der Weg weit, du wirst ohnehin todmüde sein!«

»Todmüde!« erwiderte ich. Die Glieder waren mir wie gelöst, und jeden Schritt empfand ich schmerzhaft. Nach wenigen Minuten Wegs – ich hatte den Greis zu seinem Vorratsraume begleitet, wo er Pelz und Tasche wieder bergen wollte – fühlte ich meine Kraft gänzlich schwinden; es ging für heute nicht weiter.

»Fürchtest du dich vor mir, Herr?« fragte der Greis.

»Nein.«

»Dann ruhe dich hier bis zum Morgen aus. Der Aniolek kommt nicht wieder, auch fände er uns hier schwerlich auf.«

In der Tat war es ein eigentümlich versteckter Waldwinkel, vor dem wir uns befanden. Soviel ich im Scheine des Mondes sah, standen zwei riesige Tannen an einem Felsen an, und ihr dichtes Gezweig bildete eine Art Höhle, deren Rückwand das Gestein war. In einen dieser Bäume, der hohl war, ließ der Greis die Provianttasche gleiten; den Pelz breitete er längs der Felswand aus. »So, Herr«, sagte er, »nun schlaf! – Ich werde wachen.«

»Wollt Ihr nicht auch Ruhe suchen?«

»Nein, ich schlafe des Nachts selten. Aber freilich, eines hätte ich schier vergessen.«

Er griff nach der Büchse und legte die Finger an den Drücker; dann jedoch ließ er das Rohr wieder unschlüssig sinken.

»Soll ich es auch heute tun?« fragte er dann in einem Tone, als spräche er mit sich selbst. »Heute wird es nicht nötig sein, heute habe ich einer Mutter ihren Sohn erhalten.«

»Ich verstehe nicht ...«

Er gab keine Antwort mehr. Schweigend kauerte er sich unter einen der Bäume hin, wenige Schritte von meinem Lager entfernt, und als ich noch einmal den Kopf erhob, wiederholte er leise und mit sanfter Stimme, wie man einem Kinde zuspricht: »Schlaf, Herr, schlaf!«

Das war leichter angeraten als befolgt. Ich konnte den Schlummer nicht finden, trotzdem ich so müde war oder vielleicht eben deshalb und weil mir die Erregung der letzten Stunden qualvoll in den Nerven nachzitterte. Nur wie ein leichter Schleier senkte sich mir zuweilen der Schlummer auf die Augen; abenteuerliche Träume durchzuckten mein Hirn, und wenn ich die Lider aufschlug, dann war das Bild, das vor mir stand, seltsamer als mein Traum. Da saß der weißhaarige Greis im blassen Mondlicht vor mir, regungslos wie der Fels; aber ich brauchte nur den Kopf zu heben, und er wandte mir das düstere Antlitz zu. Und rings das Zwielicht des monderhellten Waldes, das Schimmern über dem Gestein, das Glimmern im morschen Holzwerk, dazu das leise Weben und Flüstern der Nacht; zuweilen, von ferne her, ein dumpfer Hall, vielleicht der Sturz eines morschen Baums, oder der gellende Ruf des Nachtvogels aus dem Geklüft. Und wer war's, der meinen Schlaf in der nächtlichen Wildnis bewachte vor den wilden Tieren, den wilderen Menschen? Diese Wirklichkeit war seltsamer als jeder Traum.

Die Lüfte wehten kühler, das blasse Gold des Mondes erstarb im matten Grau des erwachenden Tages, das war das letzte, was ich noch sah. Dann kam endlich der tiefe Schlaf über mich, und als ich erwachte, stand die Sonne schon hoch am Himmel. Freundlich und hell lag in ihrem Lichte der verwitterte Fels, und die tiefgrünen Tannen schimmerten. Der Greis war von seinem Platze verschwunden, aber als ich mich erhob und vor die Höhlung trat, die Gestein und Baum bildeten, gewahrte ich ihn. Er saß unfern und putzte eifrig sein Jagdmesser blank. »Endlich!« rief er mir entgegen, und wieder war jener freundliche Strahl in seinen Augen, wie gestern abend, da ich sein Gast geworden, aber die Züge blieben düster, und Antlitz und Gestalt erschienen mir auch nun, im grellen Tageslicht, noch immer unheimlich genug. »Es geht gegen neun Uhr! Der Quell dort wartet deiner und dann ein Frühstück, so gut ich's vermag.«

Ich wusch mich im klaren, eiskalten Gewässer, dann nahm ich einige Bissen vom Haferbrot und Wildfleisch. Ich hatte ein Fläschchen roten Kotnaers in meiner Provianttasche, das holte ich hervor und bot auch dem Greis einen Schluck an.

»Nein, Herr«, erwiderte er kurz, fast heftig. »Verzeih, es war ja gut gemeint«, lenkte er dann ein. »Aber Wein und Schnaps sind des Teufels Helfer. Seit vierzig Jahren ist kein Tropfen mehr über meine Lippen gekommen!«

»Wie alt seid Ihr?«

»Über die Siebenzig, Herr!«

»Und wie lange ...« Ich stockte.

»Seit vierzig Jahren bin ich der ›Stumme‹, flüchtig und unstet, mir selbst und den Menschen zum Fluche.« Er sagte es dumpf und ruhig, wie vorhin sein Alter, aber dann brach es ihm gellend, in leidenschaftlicher Klage, aus tiefster Brust hervor: »Vierzig Jahre!«

»Entsetzlich!« Ich hatte das Wort nicht aussprechen wollen, es war mir unwillkürlich auf die Lippen getreten.

Er nickte. »Entsetzlich! Und darum ist es schwer, so lange ein gehorsamer Mensch zu bleiben und zu tragen, was sie mir auferlegt haben: der dort«, er deutete gen Himmel, »und die Menschen, alle, die mich kannten, meine ganze Gemeinde. Ich bin ein ›Ausgestoßener‹, Herr – weißt du, was das bedeutet?«

Ich wußte es. Man hört vieles von diesem grausamen Brauch im Flachlande erzählen, obwohl er in unseren Tagen kaum mehr geübt wird. Er gründet sich auf die Anschauung des Slawen, dem die Gemeinde der heiligste Verband, der Verlust der Heimat die bitterste Strafe ist, und erhielt sich lebendig durch die Abneigung des Bauers gegen jegliches Herrengericht. Wer im Dorfe ein Verbrechen beging, welches dem Edelmann, dem Beamten nicht bekannt wurde, den strafte die Versammlung der Hausväter unter der Dorflinde, weil es »die Herren nicht zu kümmern braucht, was im Dorfe geschieht«. Wo vollends die Ehre der Gesamtheit ins Spiel kam, wurde alles aufgeboten, den Verbrecher dem Dominium zu entziehen. Sein Los wurde hiedurch wahrlich nicht leichter; die »Versammlung« war ein harter Richter, und wo sie auf Ausstoßung erkannte, da kam das Urteil nach der Anschauung dieser Menschen, nach dem Schicksal, das nun des Verurteilten harrte, dem Schlimmsten gleich. Er war vogelfrei, heimatlos, von allem Besitz vertrieben, und jegliches Band war zerschnitten, welches ihn an Menschen knüpfte, selbst das heiligste des Blutes. Der grausame Brauch erstirbt, der »Stumme« wird hoffentlich einer der letzten Ausgestoßenen in jener Landschaft gewesen sein, und es ist gut so, aber die Wahrheit zwingt hinzuzufügen, daß ein solches Urteil nie ohne schwerstes Verschulden ausgesprochen worden ist. Und weil mir dies alles bekannt war, darum schwieg ich.

»Du weißt es«, sagte der Greis, »es steht auf deinem Gesicht geschrieben. Auch ich will nicht lügen und die Meinen anklagen, sie haben gerecht geurteilt.«

»Was habt Ihr begangen?« fragte ich.

Der Greis schüttelte den Kopf. »Ich will es verschweigen – aus Schonung für dich. Du hast nur noch zwei Stunden neben mir herzugehen, denn ich zweifle, ob du selbst bei Tage, allein den Pfad zur Mühle fändest, warum sollt' ich dir die Wanderung noch unheimlicher machen, als sie dir ohnehin sein wird?«

»Dann müßte ich erst recht das Furchtbarste vermuten ...«

»Tu's, dann bist du auf richtiger Fährte. Aber das soll dir nicht das Herz mit Mißtrauen gegen mich erfüllen. Ich schwöre dir, daß ich seit jenem Tage, da sie mich ausstießen, keinem Menschen mehr wissentlich Böses getan, und lüge ich, dann mag mir Gott das Bitterste senden, was mich treffen kann, dann mag er mich noch länger leben lassen und mir die Gnade versagen zu sterben!«

Er sprach es feierlich, in einem Tone, der mich aufs tiefste erschütterte. »Beklage mich!« fuhr er fort. »Ich verdiene es! Nicht bloß, weil ich solche Tat begangen, solche Strafe erlitten. Härter kann man ja nicht mehr büßen – und das ist immerhin auch ein Trost; es muß Gottes, es muß der Menschen Zorn entwaffnen. Aber auf mir lastet noch anderes, was durch keine Reue, keine Buße erleichtert werden kann. Wenn man ...«

Er brach ab. Aber in seinen Zügen arbeitete die tiefste Erregung.

»Sieh!« sagte er flüsternd, fast heiser. »Wohl dem, der es mit Lebendigen zu tun hat. Der da droben lebt ja! Er kann mich hören, mir verzeihen! Aber ein Toter kann dies nicht! Das Schlimmste, was auf mir lastet, ist nicht die Tat, nicht mein Schicksal, sondern jener Fluch, der Fluch des Toten, weißt du, Herr. – Ach! du weißt es nicht!« schrie er auf.

Ich wich entsetzt zurück.

»Nein! Herr, ich bin nicht wahnsinnig! Leider – oder gottlob, ich bin's nicht! Was ich sagte, ist wahr, frage nur die Menschen nach mir, tausend Beispiele werden sie dir erzählen ... Aber genug! Komm. Herr, komm!«

Wir gingen.

Auf der Waldblöße, wo wir gestern abend das schlimme Abenteuer erlebt, hielten wir beide unwillkürlich an. Noch einmal maß ich mit den Augen den Raum von der Feuerstätte, wo wir gerastet, bis zu unserem Versteck. Es mochten zweihundert Schritte sein, und wie unglaublich rasch hatte sie der Greis durchmessen, seine Büchse zu holen! Ich äußerte mein Erstaunen darüber. »In Euren Jahren!«

»Das gehört mit zu meinem Fluche«, erwiderte er düster. »Ich bin langsam, sehr langsam gealtert, und seit zehn Jahren mag ich mich kaum mehr verändert haben. Wenn ich in einen Quell blicke, ist es immer dasselbe Antlitz. Auch an den Kräften fühle ich keine Abnahme ... Ach! wenn es sich etwas ganz und gar an mir erfüllen sollte ...«

Er stöhnte auf und legte die Hand an die Augen.

»Was?« fragte ich.

»Der Fluch, den er über mich aussprach, ehe er starb. Ach! ich sehe ihn immer vor mir und höre seine Worte ...« Ich fragte nicht, wen er meine; ich scheute mich davor. Er aber fügte kein Wort der Erklärung hinzu und starrte düster vor sich hin. Ich wollte ihn aus diesem unheimlichen Brüten emporrichten. »Warum war Eure Büchse gestern nicht geladen?« fragte ich, um ihn, wie ich hoffte, dadurch auf Gleichgültiges zu bringen.

»Des Nachts ist dies meine Gewohnheit«, erwiderte er. »Sobald es ganz dunkel geworden, ziehe ich den Schuß aus dem Rohr, oder ich lasse ihn in die Luft knallen. Gestern tat ich dies, kurz ehe du, Herr, auf mich stießest.«

»Ich habe den Schall gehört«, sagte ich. »Aber warum haltet Ihr es so? Es ist eine seltsame Gewohnheit, im Bergwald just für die Nacht sein Gewehr zu entladen.«

»Oh«, erwiderte er scheu und zögernd, »die Gefahr wäre sonst noch größer ... Nämlich bei Tage, siehst du, bei Tage fürchte ich mich vor mir und meiner Büchse nicht, aber wenn es dunkel geworden und all mein Weh doppelt schwer auf meinem Herzen lastet, da könnte es ja wohl sein, daß ich einmal der Versuchung unterläge und selbst ein Ende machte ...«

Wie so oft während der Aufzeichnung dieser Begegnung empfinde ich es auch diesmal als eine Schranke, daß ich nur die Worte mitteilen kann, soweit sie mir in Erinnerung geblieben, und nicht auch den Ton der Stimme, den Ausdruck der Züge. Könnte ich dies, dann müßte mir jeder nachfühlen, mit welcher Empfindung im Herzen ich neben dem Unseligen stand, ohne auch nur ein Wort des Trostes sagen zu können.

»Und wenn ich so täte«, fuhr er in gleichem Tone fort, »so wäre dies sehr schlimm für mich. Jetzt darf ich denken: Hier ist die Verdammnis, aber drüben wird vielleicht die Ruhe sein! – Dann aber wäre auch dort nur der schwarze Fluch auf mir! Freilich weiß ich nicht, ob es ein ›Drüben‹ für mich gibt ... ›Ewig!‹ – Ach, wenn sich etwa wirklich dasselbe Los an mir erfüllte, welches über jenen sündhaften Juden gekommen ist, wie mir einmal ein junger Schreiber beim Gerichte in Kolomea erzählt hat ...«

Es berührte mich seltsam, aus diesem Munde den Ahasver erwähnen zu hören. »Welcher Jude?« fragte ich. »Nun, wie er geheißen hat, weiß ich nicht, ich glaube Moschko. Aber es ist ja gleichgültig, es sind ja schon mehrere tausend Jahre her, seit er so gerufen wurde, jetzt nennen ihn die Menschen anders – wie, konnte ich mir nie merken.«

»Ahasver!« half ich ein.

»Also kennst du auch die Geschichte, wie er den Heiland verhöhnte und von ihm verflucht wurde? Sag, Herr, sag es mir auf dein Gewissen: Du bist ja, erzähltest du mir, viel herumgewandert, bist du ihm vielleicht je begegnet?«

»Nein!«

»Gewiß nicht?«

Ich beteuerte es nochmals. – Ja, hart grenzen im Leben das Entsetzliche und das Komische aneinander...

»Und du glaubst wohl auch gar nicht, daß er noch immer wandert?«

Auch dies verneinte ich.

Er nickte befriedigt. »Dasselbe hat mir auch der Deutsche in der Sägemühle gesagt, und es ist am Ende wirklich nicht wahr. Es gab freilich eine Zeit, wo ich fest daran glaubte und sehnlichst wünschte, ihm einmal zu begegnen. Und eines Abends – so vor neun Jahren, in der Dämmerung –, ich wanderte eben auf der Heerstraße gegen Kolomea – ach, wie seltsam das war, aber wozu es erzählen? Kurz, der Ewige Jude war es nicht, und wenn ich es recht überlege, so kann die Geschichte eigentlich gar nicht wahr sein. Der Heiland hätte ja längst verziehen, er, der Milde, Erbarmende, hätte ihn längst sterben lassen. Ja, jener Jude Moschko, oder wie er sonst hieß, hatte es gut: Er konnte zu einem Lebendigen flehen, und dieser hat ihn gewiß erhört. Ich jedoch, der ich es mit einem Toten zu tun habe..., aber das sagte ich schon einmal, und du kannst es doch nicht verstehen. Da müßtest du alles wissen, Herr, alles, wie es nacheinander gekommen ist. Und ich weiß nicht, ob du es ...« Er stockte und blickte mir scheu ins Antlitz.

»Ob ich es hören möchte?« fragte ich und sagte ihm, welchen Anteil ich an seinem Geschick nähme.

Sein Antlitz erhellte sich. »Siehst du«, sagte er, »so haben auch schon andere zu mir gesprochen, freilich nur wenige im Lauf der langen Jahre; aber wenn es geschah, so wärmte es mir recht das Herz. Denn wenn man so einsam ist – selbst das wilde Tier im Walde hat es besser als ich ... Aber was klage ich da, statt zu erzählen? Nun, wo fange ich nur an?«

Er blickte lange sinnend vor sich nieder, schüttelte den Kopf und bewegte die Lippen. Dann begann er: »Ja, auch dies gehört dazu, nämlich, wer meine Eltern waren. Ich habe oft darüber nachgegrübelt, ob nicht damit schon mein Schicksal besiegelt war. Dies ist gewiß nicht richtig, aber – hast du schon gesehen, wie die Leute hier in jenen Tälern, die von häufigen Überschwemmungen heimgesucht sind, ihre Hütten bauen? Zuerst wird ein Felsstück abgesprengt und zur Stelle geschafft; das ist freilich nur eben der Grundstein und nicht die Hütte selbst, und dennoch ist damit schon entschieden, wie groß diese wird und ob ihre Wände gerade aufstehen können. Ja, Herr, das ist schon durch das Felsstück entschieden!

Ich bin da unten in der Ebene geboren, im Dorfe Solowince bei Hussiatyn, nahe der Grenze. Es ist ein reiches, schönes Dorf mit herrlichen Obstgärten und fruchtbaren Feldern; man findet keines auf zwanzig Stunden in der Runde, das sich mit ihm messen könnte. Nun, und der reichste Bauer in diesem Dorfe war mein Vater; Thodor hieß er, Thodor Barlenkowicz. Wenn ich so heute an ihn denke und sein Bild vor mir auftaucht: das breite, rote, fröhliche Gesicht, die stattliche Gestalt, vom feinen Serdak mit den Silberknöpfen umschlossen, und das goldene Kreuz des Kaisers vorn auf der Brust, dann wird mir eigen zumute. Der Vater! – Er ist schon lange tot, und ich habe ihm vielen, bitteren Kummer bereitet – und dennoch, Herr, dennoch ...

Nein! Ich will nicht anklagen, nur berichten. Mein Vater hatte nichts ererbt; die bitterste Armut, ein elendes Leben schienen ihm vorbestimmt, und dennoch stieg er wie im Fluge zu Reichtum und Ansehen empor. Denn wohin er kam, war er wohlgelitten, was er anfaßte, gelang ihm. Warum? »Weil der Thodor eben von je Glück hatte«, meinten die Leute, aber damit ist noch nichts gesagt. »Weil ich brav und fleißig war«, pflegte er selbst zu sagen, aber daran lag es nicht allein; auch andere sind's und sterben als Knechte oder verkommen, selbst wenn sie als Bauern begonnen. Der wirkliche Grund war, daß mein Vater die Gabe hatte, sich der Menschen Herz rasch und sicher zuzuwenden, daß er jedem erfreulich war. Er war hübsch und lustig, sehr hübsch und sehr lustig, er machte sich das Herz leicht und anderen nicht schwer; was schwarz und weiß ist, wußte er ganz genau, aber wenn es andere nicht sahen, so drängte er ihnen seine Weisheit nicht auf. Es war keine Absicht dabei, nicht die List, die Herzen zu ködern, sondern Gott hatte ihm in seiner Gnade diese Gemütsart beschert wie das hübsche Gesicht. Nie habe ich einen Menschen gefunden, mit dem so angenehm zu verkehren war wie mit meinem Vater, freilich auch keinen, der ... Doch davon später, es will mir ohnehin nicht recht über die Lippen. Also kurz: mit ihm zankte niemand, ihn befehdete niemand, ihn beneidete niemand. Dies letzte ist mir, je vertrauter mir der Menschen Art wurde, immer als das merkwürdigste von allem erschienen. Nicht sieben Todsünden gibt es, Herr, sondern nur eine, eben den Neid, der faßt alle anderen in sich. Mein Vater war auch davor behütet, und wühlte sich irgendein verbitterter Mensch im Dorfe so recht in den Groll gegen den fremden Emporkömmling hinein, so brauchte mein Vater bloß auf ihn zuzutreten und ihm einige freundliche Worte zu geben, und auch er stimmte in das Lied der anderen ein: »Nun ja, unser Thodor da! Dem gelingt alles, aber wenigstens ist das Glück diesmal an keinen Unrechten gekommen!« Und dies will um so mehr bedeuten, als meines Vaters Glück wirklich beispiellos war.

Höre nur, wie es sich mit ihm fügte! Er war armer, blutarmer Taglöhner Kind, drüben in einem Gebirgsdörfchen der Bukowina. Die Mutter starb früh, der Vater gab den fünfjährigen Knaben als Hirten zu einem wenig bemittelten Bauer im selben Dorfe in den Dienst, ging nach Czernowitz und kümmerte sich nicht weiter um sein Fleisch und Blut. Das war so der Anfang, und schlimmer hätte er ja kaum sein können. Aber was folgt nun? Der Bauer behandelt den Knaben anfangs hart genug und gibt ihm zu vielen Schlägen wenig Brot, bis ihn das hübsche Gesicht, das geweckte Wesen gefangennimmt. Er ist Witwer und hat einen einzigen, kränklichen Sohn; als dieser stirbt, nimmt er den Jungen an Sohnes Statt an. Das heißt, dies gelobt er ihm und hält ihn auch von Stund an wie einen rechten Sohn, aber aufgeschrieben wird es nicht, und als der Bauer plötzlich stirbt, legen die Verwandten die Hand auf das geringe Erbe, und der Fremde geht leer aus. Gewiß ein Unglück, aber da ist auch schon das Glück wieder zur Stelle. Das ganze Dorf weiß um das Versprechen des Toten. Jeder bemitleidet den armen Jungen, der in seinem zwölften Jahre nun schon zum zweiten Male verwaist ist, und der Richter nimmt ihn in sein Haus. Der reiche Mann hat eine einzige Tochter, ein gutes, sanftes Geschöpf, aber häßlich wie eine Eule. Natürlich verliebt sie sich in den schönen Jüngling, der neben ihr aufwächst, der Vater hat auch nichts dagegen; der Thodor ist ja ein so lieber, flinker, fröhlicher Mensch. Dieser aber hätte eigentlich sehr viel dagegen; ernstlich graut ihm vor allem Häßlichen und daher auch vor der guten Stasia, zweitens fürchtet er das Gerede der Leute, wenn er auf solche Weise zu Geld und Gut kommen sollte, aber was will er tun? Nein sagen ist unmöglich, die Vernunft, die Dankbarkeit verbieten es; als der Alte meint, daß es nun Zeit zur Verlobung sei, ist der Jüngling derselben Meinung. Die Verlobung wird gefeiert; das Gerede ist gutmütiger, als zu befürchten war – alles steht aufs beste. Einen ärmlichen Besitz hat der Glückspilz durch den Tod seines Pflegevaters verloren und eben dadurch einen zehnfach größeren gewonnen! Aber da wiederholt sich dasselbe Spiel. Der Kaiser braucht Soldaten, mein Vater wird rekrutiert. Abermals ein furchtbares Unglück! Damals den weißen Rock anziehen hieß für zwanzig Jahre Abschied nehmen. Die Stasia weint sich die Augen blind und schwört, daß sie so lange warten will, aber der Verlobte glaubt es nicht und zieht davon, zum erstenmal in seinem Leben traurig und hoffnungslos. Aber gottlob, noch hat er dasselbe Gesicht, dieselbe Gemütsart! Ein hoher Offizier nimmt ihn als Diener zu sich; im Kriege gegen die Türken wird sein Herr krank, und er rettet ihm durch treue Pflege das Leben. Eine reiche Belohnung, des Kaisers Kreuz und der Abschied sind sein Lohn. Er darf heimkehren – zwei Jahre sind's, seit er gegangen, aber sie haben viel verändert. Nur der Richter lebt noch, die Stasia ist tot. Noch drei Jahre haust der Heimgekehrte mit dem alten Mann, dann stirbt dieser, und tritt das Erbe an. So hat ihm jener Schlag, der anderen Hoffnung für immer knickt, nur die häßliche Frau erspart, Geld und Ehre eingebracht. Der Sohn des Taglöhners ist nun der reichste Mann in seiner Gemeinde. Aber sein Sinn steht nach Höherem, als im kleinen Dörfchen im Gebirge das Leben zu verbringen. Er macht seinen Besitz zu Geld und sucht in der fetten Ebene ein preiswürdiges Anwesen. In Solowince steht ein stattlicher Hof frei, er erwirbt ihn.«

Plötzlich, mitten im Fluß der Erzählung, unterbrach sich der Greis. »Glaubst du mir das alles?« fragte er scharf. »Ich meine, weil es wie ein Märchen klingt.«

»Das finde ich nicht«, erwiderte ich. »Der Zufall ...«

»Es war ja kein Zufall!« fiel er mir heftig ins Wort. »Nichts ist Zufall auf Erden, merke es wohl, du junger Mensch, der du noch viel Leid erfahren, noch manche Schuld auf dich wirst laden müssen – nichts! Unser Wesen ist's, daß unser Schicksal bestimmt, und bei meinem Vater waren es das hübsche Gesicht und das fröhliche Gemüt. Aber warum gibt sie Gott dem einen und versagt sie dem anderen?« Und Hand und Antlitz zum Himmel emporhebend, stieß er in höchster Erregung hervor: »Warum hast du mich nicht auch schön und lustig werden lassen, du da droben?«

Viel Seltsames hatte ich bereits aus diesem Munde vernommen, nichts konnte mich absonderlich berühren als dieser bittere Klageruf von den Lippen eines siebzigjährigen Greises. Dann aber legte er die Hand an die Stirne. »Ich bin das Reden so wenig gewohnt, und nun gar das Erzählen ... Habe ich dir schon gesagt, wie mein Vater freite? Nicht? Nun, es geschah erst einige Jahre später, nachdem er sich in Solowince angekauft.

Natürlich hatte er es auch da von Anbeginn so gut wie überall. Siedelte sich sonst ein Fremder in einer Gemeinde an, so muß er mindestens durch ein Jahr und oft sein Leben lang die Hölle ausstehen. Ihm waren nach wenigen Monaten alle Hausväter freundlich und wohlgesinnt. Und nun erst die Mädchen! Er aber zögerte lange, weil es ihm schmeichelte, auf fünf Meilen in der Runde der beste Freier zu sein, und dann war ihm eben keine schön und vornehm genug. Nach Reichtum ging sein Streben nicht, und wenn ihm je ein solcher Gedanke gekommen wäre, er hätte ihn sofort niedergekämpft um des Geredes der Leute willen. Denn er wollte Lob verdienen, immer und von allen, er schmachtete darnach wie ein Verdurstender nach dem Wasser! Und seine Verheiratung war ja hiezu nicht bloß die beste Gelegenheit, sondern auch eine solche, die sich nur einmal im Leben bot! Denn mein Vater war – ich weiß nicht, wie ich es nennen soll –, er hatte zum Beispiel eine wirkliche, ehrliche Freude an einem schönen Gesicht, während ihn ein häßliches wahrhaft schmerzen oder doch verdrießen konnte, und auch dies hat seine spätere Wahl sicherlich bestimmt. Aber nicht nur deshalb hielt er just um jene Schöne, Gute an, die später meine Mutter wurde, sondern gewiß auch, weil er sich wahrhaft in sie verliebte. Sie war so arm, daß ihre ganze Mitgift in eine kleine Truhe ging, aber das schönste Mädchen weit und breit und noch dazu eines Pfarrers Tochter. Der Vater war ihr früh weggestorben, und sie lebte mit ihrer Mutter in einem Nachbardorfe in großer Dürftigkeit. Gleichwohl sträubte sich die alte Frau lange gegen die Werbung, denn wann hatte man je gehört, daß eines Pfarrers Tochter einen Bauern nahm? Endlich gab meine Großmutter nach, weil alle Leute es als Glück priesen, weil der Freier so sehr drängte und bat. Und warum wandte er, dem sonst alle Türen offenstanden, hier so unsägliche Mühe auf? Aus Liebe – gewiß! Aber auch deshalb, weil seine Erwählte arm war und daher alle Welt von seinem Edelmute sprechen, weil sie nicht seines Standes war und alle Welt sagen mußte: ›Eines Pfarrers Tochter – das bringt doch nur unser Thodor zustande!‹«

Doch da faßte den Greis die Reue. »Was sprech' ich da?« murmelte er. »Siehst du, das kommt vom unseligen Alleinsein! Da gewöhnt man sich, alles vor sich hin zu sagen, was sich in den verborgensten Winkeln des Herzens regt. Nein! ich mag selbst nicht daran glauben, was ich jetzt gesagt. Denn nichtswürdig wäre der Mann gewesen, der dieses Weib mit einem anderen Gedanken in sein Haus geführt hätte als mit dem Gebet zu Gott: ›Ich danke dir! Du hast mich die Beste und Schönste auf dieser Welt finden lassen!‹ Ja, gewiß, so hat auch mein Vater gedacht, und ich bin überzeugt, daß es nach der Hochzeit keinen fröhlicheren, keinen glücklicheren Menschen gegeben hat als meinen Vater. Sein Anwesen gedieh, sein junges Weib blühte, alle Welt rühmte ihn, seine Wahl, sein Glück – er muß wie trunken vor Seligkeit gewesen sein. Und nun sollte ihm auch der beste Segen zuteil werden: ein Kind. ›Gebt acht‹, sagte er seinen Nachbarn, ›was das für ein Junge wird!‹ – ›Und wenn dir der Himmel ein Mädchen schenkt?‹ warfen sie ein – ›Es wird ein Knabe‹, erwiderte er. ›Ich bin ja Thodor der Glückspilz. Ein Knabe, licht und schön wie der junge Tag und stark wie eine Tanne im Gebirge.‹

Ich kam an einem Sonntag zur Welt, da just die Glocke zur Kirche rief. ›Ein Knabe!‹ jauchzte mein Vater auf und konnte kaum erwarten, mich zu sehen. Die Pflegefrau, die alte Sofka, die mir dies erzählt hat, mußte ihn erst daran erinnern, daß der erste Kuß der Mutter gebühre. Meine Mutter sagte nichts, als sie mein Antlitz erblickte, sie küßte es schweigend, vielleicht auch sah sie es nicht deutlich, weil die Tränen des Glücks aus ihren Augen fluteten. Mein Vater aber wurde ganz bestürzt: ›Um Gott‹, seufzte er auf, ›wird er schön?‹ Die Sofka schalt tüchtig auf ihn ein: ›Ist das Euer erster Gedanke? Ein gesunder, starker Knabe, und noch obendrein zur Stunde des Sonntagsläutens geboren – Ihr solltet dem da droben auf den Knien danken, Thodor! Übrigens haben alle Neugeborenen dasselbe Gesicht, und ob's ein Affe oder ein Engel wird, kann heute niemand sagen!‹ Dies letzte war ihm ein Trost, und als er des Nachmittags zur Schenke kam, ließ er, was weit über seine Kräfte ging, den Leuten drei Fässer Schnaps vorsetzen. ›Der schönste Junge‹, rief er übermütig, ›mag auch mit dem größten Rausch gefeiert werden, den das Dorf je gesehen!‹ Am nächsten Morgen, nachdem die Leute leidlich nüchtern geworden, kamen sie in hellen Haufen in unser Haus, um schon aus Dankbarkeit das Wunderkind anzustaunen. Natürlich mußten sie unverrichteterdinge abziehen, aber dies steigerte ihre Neugier, und wochenlang war von nichts anderem die Rede als von meiner Schönheit. ›Ja, unser Thodor!‹

Meinem Vater, so geflissentlich er seinerzeit diese Reden nährte, wurde bei alledem doch allmählich immer schwüler. Täglich besah er mein Antlitz stundenlang und quälte dann die Sofka und meine Mutter mit Fragen. Die Alte schalt, meine Mutter weinte, er aber bohrte sich immer mehr in den Gedanken ein, ich müßte ein schöner Junge werden, sonst sei er für ewig dem Spott des Dorfes verfallen. Nun aber ward ich in Wahrheit immer häßlicher. Die breiten Backenknochen wurden sichtbar, der breitgeschlizte Mund, die tiefliegenden Augen. Wären einer Mutter Tränen ein Schönheitswasser, ich wäre ein Engelsbild geworden! Die Miene, mit der mich mein Vater betrachtete, traf sie jedesmal ins Herz, und als er ihr vollends verbot, mich jemals vors Haus, auf die Gasse zu tragen, da bäumte sie sich dagegen auf, so sanftmütig und gehorsam sie sonst war. ›Es ist mein Kind‹, schrie sie auf, ›ein gesunder, kräftiger Junge! Versündige dich an Gott nicht, der ihn uns geschenkt! Wenn es noch ein Mädchen wäre, aber so ... Thodor, bist du wahnsinnig, daß du dich seines Gesichtes schämst?‹ Er jedoch: ›Niemand darf das Kind sehen, das Gerede ist zu groß; sie würden mich verhöhnen, und das könnt' ich nicht überleben!‹ Sprach's, ging zur Schenke und ließ dort jedem das Glas füllen, der nach dem Wunderjungen fragte.

So bereitete sich langsam die erste schwarze Stunde meines Lebens vor – ach, eigentlich war's schon die zweite und die erste jene, da ich als dieses Vaters Sohn mit diesem Gesichte zur Welt kam ... Also, an einem Ostersonntag begab sich dies – ich war damals kaum zwei Jahre alt. Die Leute im Dorfe hatten mich natürlich schon gesehen; weil aber die Leute aus Schonung ihm gegenüber von mir schwiegen, wußte er um so mehr zu erzählen. Du wirst dies begreifen, Herr, es lag in seinem Wesen. Nun, die anderen gönnten ihrem gutherzigen Freunde das billige Vergnügen, aber der Richter, ein ernster, grämlicher Mann, schüttelte den Kopf und sagte endlich laut: ›Genug gelogen, Thodor! Wer wird so eitel sein! Der Junge ist häßlich wie die Nacht, aber dafür kannst du ja nichts. Ein tüchtiger Mensch kann er deshalb doch werden!‹ Einige lachten auf, andere blickten verlegen zu Boden, mein Vater aber wurde blaß wie ein Linnen, stammelte einige unverständliche Worte und ging heim. ›Diese Schmach überlebe ich nicht!‹ sagte er meiner Mutter, ging verstört im Hause umher und traute sich erst nach vier Tagen wieder auf die Gasse. Von dieser Stunde ab hat mein Vater mich, das schuldlose, zweijährige Kind – ach, Herr, es will schwer über die Lippen ...«

»Ich verstehe«, sagte ich. »Er haßte Euch!«

»Aber deshalb ist er nicht zu verdammen«, sagte der alte Mann seufzend. »Und wenn etwas – bald hatte er mehr Grund dazu! Höre, wie es sich ferner fügte und welches Schicksal von Anbeginn über meinem Leben war. Ein Jahr später wurde meinen Eltern ein Töchterlein geboren, und alle Freuden, die ihnen bei mir versagt geblieben, schienen ihnen in diesem Kinde aufzublühen. Marinia wurde es getauft, nach meinem Mütterchen, und glich ihm ganz und gar; goldhaarig war es und blauäugig, ein rechtes Engelsgesicht. Ich weiß nicht, ob ich dies von eigener Anschauung her weiß oder aus Erzählungen der alten Sofka; aber mir ist's, als wäre es meine erste Erinnerung, wie ich an der Wiege meines Schwesterleins sitze und ihm ins helle, rosige Gesichtchen schaue ... Mein Vater, erzählte mir die Sofka, litt dies nicht gerne. ›Der Matko‹, pflegte er zu sagen – so ist nämlich mein Name, Herr, Matko Barlenkowicz –, ›hat so düstere Augen, am Ende hat er den »bösen Blick«!‹ Ja, der eigene Vater hat dies furchtbare Wort zuerst ausgesprochen! Aber auch die ist ihm vielleicht nicht allzu schwer anzurechnen – eine dunkle Ahnung mag ihn gewarnt haben. Denn wenn dies holde Kind schon nach zwei Jahren dahinstirbt, so war dies eigentlich meine Schuld.

Siehst du, ich war ein sehr einsames Kind! Mütterchen und die alte Sofka hatten mich wohl sehr lieb, waren aber in der Wirtschaft beschäftigt; mit anderen Kindern durfte ich nicht spielen, weil mein Vater es verboten, und wenn ich allerdings schon deshalb düstere Augen hatte, weil mich eben der da oben so geschaffen, so geschah doch auch nicht viel, um mein Antlitz aufzuhellen. Nun aber kann ein Kind alles vertragen, nur das Alleinsein nicht; ich sehnte mich nach einem Gespielen und war ganz glücklich, als ich ihn gefunden hatte. Das war ein etwa fünfjähriger Knabe, der aus einem anderen Grund mit den anderen nicht spielen konnte, weil er nämlich verkrüppelt war, an beiden Füßen gelähmt. Valerian hieß dieses arme Bürschchen und war eines Häuslers Sohn, dessen dürftige Hütte hart an unserer Gartenhecke stand. Als ich ihn zuerst durch das Gesträuch erblickte, wie er so unbeweglich dasaß und mit dem bleichen, verkümmerten Gesichtchen traurig vor sich hin starrte, empfand ich ein Grauen vor ihm; dann aber gewöhnte ich mich an den Anblick und bohrte mir einen Weg durch die Hecke; endlich waren wir täglich beisammen und spielten mit den Sachen, die ich ihm zutrug. Meine Mutter litt es gerne; eines Morgens jedoch, als ich wieder in den Garten eilen wollte, hielt sie mich angstvoll zurück: ›Du darfst nicht zum Valerian; er ist krank.‹ Ich aber dachte: Das ist er ja immer! – Und schlich mich doch zu meinem Kameraden. Er saß nicht auf dem Vorsprung vor dem Hause wie gewöhnlich – dorthin trugen ihn seine Eltern, wenn sie zur Arbeit gingen –, und ich mußte lange rufen, bis er mir mit seinem schwachen, zwirndünnen Stimmchen Antwort gab; er lag in einem Winkel der Stube, auf einer Streu gebettet. ›Denke dir nur‹, sagte er, ›ich habe die Blattern und muß sterben‹ – aber nicht etwa kläglichen Tones, sondern mit jener Freude, welche Kinder äußern, wenn sie eine wichtige Neuigkeit erzählen können. Auch ich hörte es ohne Schmerz. ›So?‹ sagte ich. ›Dann komme ich eben auf den Friedhof, um mit dir zu spielen!‹ Erst als ich sein furchtbar entstelltes Antlitz sah, begann ich mich zu fürchten; dann aber spielte ich doch mit ihm, und von seinem Lager hinweg ging ich zu meinem Schwesterchen. Nun, am nächsten Morgen lagen wir beide danieder. Valerian starb, mein Schwesterchen starb, ich aber kam fast ohne Schmerzen davon.«

Er seufzte tief auf, dann fuhr er fort: »Damals, am Sarge seines Lieblings, hat mein Vater mir zuerst jenes furchtbare Wort, welches seither für immer mein Begleiter gewesen ist, ins Gesicht geschleudert: ›Hinweg vom Sarge, du Unhold, du hast das Kind mit deinem »bösen Blick« getötet!‹ Ich war wenig über fünf Jahre alt, aber wie mich dies traf, kann ich nicht sagen. Zu seiner Entschuldigung jedoch muß ich noch anführen, daß er in jenem Augenblicke auch überdies um das Leben meiner Mutter zittern mußte. Sie trug ein Kind unter dem Herzen; der Schreck, der Schmerz warfen sie nieder; eine Woche rang sie mit dem Tode ... Aber Gott war barmherzig; sie wurde gerettet. Auch das Kind, welches zu früh zur Welt gekommen, blieb am Leben; das war mein – mein Bruder Hawrilo.«

Er stieß diese Worte so mühsam hervor, daß ich verwundert aufblickte. Auch seine Züge waren verzerrt, er mußte sich mühsam zur Ruhe zwingen.

»Später«, murmelte er. »Später! Zuerst von mir und wie ich es im Hause hatte. Schlecht, Herr, und je älter ich wurde, immer schlechter. Mein Vater schlug mich nur selten; er vermied es, mich anzusehen, so groß war seine Abneigung, und sogar am Mittagstische wollte er mich nicht dulden, was doch dem letzten Knecht gestattet war. Darin freilich mußte er der Mutter nachgeben, aber als er mir verbieten ließ, mich je der Wiege meines Brüderchens zu nähern, da blieben ihre Einwendungen vergeblich. ›Soll ich auch für dies Kind zittern müssen?‹ schrie er auf, und sie verstummte. Eine Schule gab es im Dorfe nicht; mit den Knaben der Nachbarschaft durfte ich nicht spielen, und setzte ich mich über dieses Verbot hinweg, so stießen sie mich zurück. Warum? Weil ich nicht bloß düster und häßlich, sondern auch dessen wohl bewußt war; dies machte mich scheu und empfindlich, und wenn ich mit dem besten Willen zu guter Freundschaft auf sie zutrat, so gab es doch nach wenigen Minuten Prügel, und zwar ernsthafte, böse Prügel, nicht solche, welche eine Freundschaft unter Knaben einleiten und begründen. Insbesondere trieb mich eines zur Verzweiflung, so daß ich dann wie ein Wütender um mich hieb, wenn sie mir entgegenriefen: ›Fort! Du hast den »bösen Blick«!‹

Wie es in mir aussah, ist nicht leicht zu sagen. Gut und liebreich ward mein Herz gewiß nicht. Sieh dir jenes kümmerliche, verkrüppelte Bäumchen dort an – warum ist er so schief gewachsen und nicht in den Himmel hinein wie die anderen? Weil es sich im ewigen Schatten des Felsens emporringen mußte, an einer Stelle, wohin die Sonne niemals dringt. Auch ich hatte wenig, sehr wenig Sonne. Meine Mutter tat mir so viel Liebes an, als sie irgend durfte, aber ich teilte ihr Herz mit meinem Bruder, und daß nicht mir der größere Teil an Liebe zufiel, war natürlich! Denn der Hawrilo glich ja dem Vater: ein hübsches, lustiges Bürschchen, das jeden Fremden anlachte und jedem die Ärmchen entgegenstreckte. Mein Vater strahlte vor Freude, wenn er ihn den Besuchern wies, und oft genug hörte ich ihn sagen: ›So hat mich der Himmel für meine Marinia entschädigt und für – meinen Erstgeborenen!‹ Ich preßte die Lippen fest aufeinander, wenn ich dies hörte, pfiff meinem Britan und ging in die Heide. Da kauerte ich ins hohe Gras nieder und brütete vor mich hin. Seltsam – es fällt mir eben ein! Ich erinnere mich nicht, jemals als Kind geweint zu haben, so todtraurig mir auch ums Herz war. Denn es ist eine Torheit, zu glauben, daß Kinder ein Leid nicht empfinden können; es zerreißt ihnen das Herz just wie den Erwachsenen, und manches – so die Ungerechtigkeit – empfinden sie noch schmerzlicher. Mein Britan aber lag zu meinen Füßen und leckte mir die Hand. Wenn ich mein Mütterchen ausnehme und höchstens noch die Sofka, so war dieser Hund das einzige Geschöpf auf Erden, welches Freundlichkeit für mich empfand. Vielleicht rührte dies daher, weil wir ein ähnliches Geschick hatten; auch ihn sah jeder im Hause schief an, auch er war häßlich und machte immer ein Gesicht, als ob er beißen wollte, obwohl er lammfromm war.

Dies letztere kann ich freilich nicht von mir sagen. Mit jedem Jahr, mit jeder Woche sah es dunkler und häßlicher in mir aus. Oh, wen ich alles beneidete! Jeden hübschen Menschen um sein Gesicht, jeden fröhlichen um sein Lachen, jeden Knaben um seine Gespielen, jedes Kind um die Liebkosung seiner Eltern! Vor allem beneidete ich ihn, den kleinen Popanz mit dem rosigen Gesichtchen, das Prinzlein im Hause! Er hatte es so gut – und ich, war ich nicht auch meines Vaters Fleisch und Blut und sogar der Erstgeborene? Ja, Herr, es muß gesagt sein: Kaum zehn Jahre war ich alt, als mich schon ein stiller Grimm schüttelte, sooft mir das Kind in den Weg kam, und je mehr es heranwuchs, desto größere Ursache hatte ich auch zu diesem Grimme. Denn ich freilich durfte nicht an den Jungen heran, aber er an mich. Noch nicht fünf Jahre war das Knirpschen alt, da kannte er schon kein größeres Vergnügen, als mit der Gerte auf mich loszuschlagen. Litt ich dies nicht und entriß ihm die Gerte, so schrie es so lange, bis der Vater herbeieilte und mich furchtbar züchtigte; da stand dann das Kind daneben und lachte über das ganze Gesicht. Meine Mutter war ganz unglücklich darüber; ihr Trost war nur, daß der Hawrilo sonst jedermann gegenüber freundlich war – ich sagte schon: ganz wie der Vater, und er war natürlich auch der Liebling aller Leute im Dorfe. Ich habe später viel darüber gegrübelt, warum er just gegen mich so war? Ahnte er meine Gesinnung, hatte auch er den Abscheu vor allem Häßlichen? Und noch mehr habe ich aus jener Zeit zu erzählen. Kaum vierzehn Jahre war ich alt, als bereits eine so wüste und fürchterliche Stunde in mein Leben trat, wie sie wenige Menschen zu durchleben verdammt sind und vielleicht niemand vor mir in diesem Alter!

Vorausschicken muß ich, daß das Gerede von meinem ›bösen Blick‹ im Dorfe immer mehr angewachsen war. Einen tatsächlichen Grund hatte dies nicht; ich hatte damals noch keinem Menschen ein Unglück zugefügt, wahrscheinlich blitzte mir nur der Neid immer unheimlicher aus den Augen. Was ich selbst darüber dachte, war sehr verschieden, je nachdem sich das Böse oder das Gute in meinem Herzen regte. Manchmal wollte mir der Schmerz darüber, daß mir die Menschen solches zutrauten, die Brust zersprengen, und ich flehte Gott an, daß er ihnen diesen Wahn nehme; dann wieder bohrte ich mich immer tiefer in die grauenhafte Vorstellung hinein und dachte: Möglich ist es doch! Man erzählt so viele Beispiele von anderen, welche diese Kraft haben! – Ach, Herr, dies ist ja gräßlich, aber bedenke, wie einsam und schwach und verfolgt ich mich fühlte; das war ja eine Waffe für den getretenen Knaben, der nichts auf der Welt hatte, nicht einmal rechte Gelegenheit zur Arbeit, denn mein Vater verwendete mich nur sehr ungern in der Wirtschaft. So begann ich an die Kraft in mir zu glauben, und nur noch vor einem schauderte ich zurück, etwa absichtlich, mit bösem Willen einen Versuch zu machen. Aber auch dies kam – barmherziger Gott! –, es kam die Stunde ...

Ich sehe noch alles vor mir und weiß, wie es sich zugetragen, alles, obwohl es weit über fünfzig Jahre her sind ... Es war ein Sonntag im Sommer; sie waren zur Kirchweih gegangen, Vater, Mutter, das Gesinde. Nur ich war daheimgeblieben und mein Bruder, dann eine junge Dirne – auch ihren Namen weiß ich noch: Xenia, sie war blond und mager und hatte immer den Mund offen –, die sollte das neunjährige Kind überwachen. Ich kümmerte mich nicht um sie, pfiff dem Britan und ging in den Garten; dort schüttelte ich mir einige reife Äpfel herab und begann sie zu essen. Während ich so saß – der Hund lag neben mir –, kam der Knabe in den Garten. In meine Nähe traute er sich nicht, das tat er nur, wenn er den Vater im Hause wußte. So begann er denn, von ferne dem Hunde zu pfeifen, nur um ihn von mir wegzubringen, weil er wußte, daß das Tier meine einzige Freude war. Denn was unseren Haß betrifft, da waren wir älter als unsere Jahre. – Also, der Knabe pfeift; ich höre es ruhig an. Da kannst du lange locken, denke ich, der Britan gehört zu mir, und von dir hat er ja nur Schläge bekommen. Aber wie wird mir, als ich sehe, daß der Hund aufsteht und zu wedeln beginnt! ›Kusch dich‹, murmle ich, aber der Hund bleibt stehen und wedelt nur stärker. Noch einmal pfeift der Hawrilo, da macht der Hund einen Satz gegen ihn. ›Hierher, Britan!‹ schreie ich auf; ich weiß nicht, Herr, was mir damals ein noch größeres Weh hätte bereiten können; mir ist das Herz stillgestanden. Der Hund kehrt zurück und beginnt zu winseln. Da ruft und lockt der Knabe mit seinem süßen Stimmchen – und süß war es wirklich, Herr, wie eine Flöte klang es –, und der Hund, mein einziger Gefährte, das einzige Wesen, das zu mir gehört, reißt sich, obwohl ich ihn am Fell fasse, gewaltsam von mir los und springt mit einem Freudengebell auf den Knaben zu und leckt ihm die Hände. Ich stürme auf meinen Bruder los. ›Laß von dem Hunde!‹ schrei ich. – ›Wenn er aber nicht bei dir bleiben will, du Häßlicher! Dir ist nicht einmal ein Hund zu gönnen.‹ – Ich hebe die Faust, da reißt mich eine Hand zurück. Es ist Xenia. Sie geht mit dem Kinde wieder vors Haus, der Hund folgt ihnen. Ich aber werfe mich ins Gras nieder und drücke das Antlitz an die Erde, und in mir war die Hölle – die Hölle, wie später nur noch ein einziges Mal im Leben. Wie lange ich so gelegen bin, ich weiß es nicht, aber was ich dachte, als wäre es mir eben durch den Sinn gegangen, so genau weiß ich's: Räche dich, tue ihm Böses ... Du hast ja den ›bösen Blick‹ ... Du kannst es ja! – Dunkel war's schon, als ich mich erhob und gegen das Haus wankte. Noch war alles still, die Eltern, die Leute konnten noch nicht zurück sein. Nur in der Kammer, wo die Xenia mit dem Kinde schlief, war Licht.

Ich trete ans Fenster – der Knabe liegt in seinem Bette, der Hund hat sich daneben auf den Estrich hingestreckt, das Mädchen ist unfern, auf einem Stuhle sitzend, eingenickt. Ich schleiche zur Türe, ich klinke sie leise auf; beide schlummern ruhig weiter, nur der Hund knurrt, als ich nahe. Da beuge ich mich über den Schlafenden und schaue ihn an ... Und schaue ihn an, Herr, und alles Leben ist nur noch in meinen Augen; ich höre nicht, was um mich vorgeht ... Meine Mutter ist heimgekehrt, sie ist zuerst ans erleuchtete Fenster getreten und hat entsetzt aufgeschrien, als sie ihren Knaben mit diesen Mienen über das Antlitz seines Bruders gebeugt sah – der Ruf ist nicht an mein Ohr gedrungen. Ich taumle erst empor, als sie in die Stube stürzt und mich wegreißt. ›Matko!‹ schreit sie gellend. ›Was willst du mit dem Kinde?‹ Der Knabe erwacht, der Hund bellt auf, ich aber stürze meiner Mutter ohnmächtig vor die Füße hin ...

Als ich aus der tiefen Ohnmacht wieder zum Bewußtsein erwachte, lag ich in meinem Bette und fühlte etwas Heißes über meine Wangen rinnen; das waren die Tränen meiner Mutter, die ihr Antlitz über mich beugte. ›Du lebst!‹ stammelte sie. ›Du lebst!‹ schrie sie auf und beugte sich näher zu mir nieder, um mich zu küssen. Da jedoch wich sie, noch ehe mich ihre Lippen berührt, jählings zurück; ihre Züge verzerrten sich, ein Grauen schien sie zu übermannen. Aber sie überwand es. ›Mein Kind!‹ schluchzte sie. ›Mein armes Kind! Wir allein sind an allem schuldig!‹ Wie betäubt ließ ich ihre Worte, ihre Küsse und Tränen über mich ergehen, und ebenso stumpf litt ich es, als sie plötzlich gellend aufschrie: ›Entsetzlicher, was hast du vorgehabt! ‹ – ›Frau‹, rief die alte Sofka schluchzend – ich merkte nun erst, daß auch sie in meiner Kammer war –, ›geht zu Bette! Ich wache bei ihm!‹ Da schlich meine Mutter hinaus, es wurde still um mich, das Lämpchen gab nur mehr schwachen Schein, aber kein Schlaf senkte sich auf meine brennenden Lider. Ich hatte nur eine dunkle Vorstellung von dem, was sich in meiner Seele begeben, aber eine qualvolle, fieberhafte Unruhe rüttelte meine Glieder. ›Fort!‹ stammelte ich, und die alte Frau in der Ecke wiederholte wie ein Echo: ›Fort! – Ja, armes Kind, das wird das beste für euch alle sein!‹

Und so kam es auch. Als ich am nächsten Morgen erwachte, trat meine Mutter bei mir ein. ›Höre, Matko‹, sagte sie, ›du mußt aus dem Hause, um unsretwillen, um deinetwillen. Ich sende dich zu meiner Mutter nach Horowka. Die Greisin liebt dich, ohne dich zu kennen, du wirst es gut bei ihr haben!‹ Ein Wagen hielt vor der Türe. Noch einmal umarmten mich die beiden Frauen und winkten mir noch lange nach; meinen Vater bekam ich nicht zu Gesichte.

Es ist lange her, seit ich an jenem Sommermorgen unser Haus verließ und mit unserem Knechte Sophron ins Land hinausfuhr, aber wie mir dabei zumute war, weiß ich doch noch ganz genau – derlei vergißt sich nicht! Ich empfand kaum ein Weh, daß ich nun hinausgestoßen worden in die Fremde, aber wenn ich an das Vergangene zurückdachte, begann es schmerzhaft in meinen Schläfen zu pochen, und ich schloß die Augen aus Furcht vor mir und meinen Gedanken. Nur eine Frage füllte mir Herz und Hirn: Sogar der Britan ist ihm getreuer als mir, geschweige denn alle anderen Wesen – warum? Und ist's meine Schuld? Der Knecht – es war ein alter, brummiger Mensch, der sich sonst im guten und bösen nie und nimmer um mich bekümmert hatte – mochte Mitleid mit mir haben; er fragte, ob er mir von meiner Großmutter erzählen solle. ›Bei der wirst du es gut haben!‹ versicherte er. Ich horchte auf, an meine Zukunft hatte ich noch nicht gedacht, und begann nun eifrig zu fragen. Denn ich kannte die alte Frau nicht; ich wußte nur, daß sie ein einziges Mal unser Haus betreten, wenige Monate nach der Hochzeit meiner Eltern, und seither nie wieder. Er aber kannte sie, weil er meine Mutter einige Male von und nach Horowka gefahren; das Dorf liegt bei Sniatyn, etwa acht Wegstunden von Solowince. ›Was das für eine Art Weib ist?‹ begann er. ›Höre! Deinen Vater dürftest du nicht fragen; für Leute, die sich selbst sehr liebhaben, taugt sie schlecht; sie sagt jedem die Wahrheit, die alte Frau Katia. Auch weiß sie die Wahrheit – alle Heiligen! Was die für Augen hat; man glaubt immer, sie guckt einem durch und durch! Aber dabei ist sie gerecht wie – nein, etwas Ähnliches gibt es gar nicht. Die Leute in Horowka nennen sie auch nur »die Gerechte«. Aber was hast du nur?‹ unterbrach er sich. ›So ein Gesicht hab' ich ja an dir noch nie gesehen?‹ Und das muß die Wahrheit gewesen sein, Herr, wenn mein Gesicht es spiegelte, was in diesem Augenblicke in mir vorging. Gerecht! jubelte es in mir. Dann ist ja alles gut! Wie eine Offenbarung war es über mein armes, mißhandeltes und durch die Mißhandlungen hart und schlimm gewordenes Herz gekommen: Gerechtigkeit für mich – und dann ist alles gut. Ich will ja brav und fleißig sein und alle Menschen lieben, wenn sie mich nur nicht mehr verstoßen um meines Gesichts, um meiner Augen willen, für die ich ja nichts kann ... Gerechtigkeit! So überwältigend war mir dieser Gedanke, daß mir plötzlich die Tränen in die Augen schossen, zum ersten Male seit langen Jahren, vielleicht seit meiner ersten Kindheit. Kopfschüttelnd sah mich der Knecht an, doch fragte er nicht weiter, und da er fühlen mochte, wie wohl mir Lobesworte über die alte Frau taten, so erzählte er mir noch einiges von ihr. Mein armes Herz zog seine Worte in sich wie die vertrocknete Erde den Regen.

In der Dämmerung kamen wir nach Horowka und hielten vor der stattlichen Hütte. Die Greisin saß auf dem Vorbänkchen neben der Türe, zu ihren Füßen spielte ein kleines goldlockiges Mädchen. ›Um Gott!‹ schrie sie auf, als sie den Sophron erkannte. ›Ein Unglück? Wen bringst du?‹ Der Knecht sagte es ihr und überreichte einen Brief meiner Mutter. Denn meine Mutter, Herr«, flocht hier der Greis mit Stolz ein, »hat als Pfarrerstochter lesen und schreiben können. Wie mir zumute war, während sie las, läßt sich nicht sagen, besonders da ich wohl bemerkte, wie sie an einer Stelle so sehr erschrak, daß das Blatt in ihrer Hand zitterte. Und noch höher klopfte mein Herz, als sie nun an mich herantrat und mich scharf musterte. Ich hielt den Blick nicht aus; meine Knie wankten. ›Komm‹, sagte sie kurz, verabschiedete den Sophron und führte mich ins Haus. Als wir an dem Kinde vorüberkamen – es mochte achtjährig sein und war so schön und hold, daß es mich schon auf den ersten Blick an mein totes Schwesterchen erinnerte –, sagte sie: ›Dein Vetter Matko, Tiana, gib ihm die Hand!‹ Die Kleine starrte mich mit weit aufgerissenen Augen an und wich zurück. ›Die Hand, Tiana!‹ wiederholte die Greisin. – ›Ich kann nicht, Babusia‹, schluchzte das Kind auf, ›ich fürchte mich vor ihm.‹ Die alte Frau sagte nichts mehr, setzte mir ein Nachtessen vor und wies mir eine Schlafstätte an. Keine Frage kam an jenem Abend über ihre Lippen.

Am nächsten Morgen trat sie bei mir ein; wieder heftete sie ihre Augen fest auf mein Antlitz. ›Babusia!‹ stammelte ich, mehr konnte ich nicht hervorbringen; ich mußte auf die Knie sinken, als drückte mich eine fremde Faust hinunter, aus meinen Augen stürzten Tränen hervor. ›Babusia, hab Erbarmen!‹ Sie zog mich sacht empor und strich mir das wirre Haar aus der Stirne. ›Ich glaube dich zu kennen‹, sagte sie langsam, wie aus tiefem Sinnen heraus. ›Denn ich kenne deinen Vater und sehe nun dein Antlitz!‹ Und dann: ›Erzähle!‹ – ›Was, Babusia?‹ fragte ich schüchtern. – ›Was du willst! Von deinen Gespielen.‹ – ›Ich hatte keine, nur – nur den Britan!‹ Und wie ich mich daran erinnerte, erstickten wieder die Tränen meine Stimme. Zum erstenmal in meinem Leben, seit der Valerian gestorben, hörte mir ein Mensch zu und fragte mich aus. Wie wirr ich auch alles vorbringen mochte, sie schien es zu verstehen. Und auch die Ereignisse des vorgestrigen Tages verstand sie. Dann atmete sie tief auf. ›Wer noch nicht lügen kann, ist zu retten‹, sagte sie vor sich hin. Und zu mir gewendet: ›Du bleibst bei mir, ich will dich immer halten, wie du es verdienst. Mehr verspreche ich nicht; in deine Hand ist es gelegt, ob dir Gutes oder Schlimmes von mir zukommen soll. Von mir und allen anderen Menschen!‹ – ›Babusia‹, stammelte ich, ›was kann ich für mein Gesicht!‹ – ›Du kannst dafür‹, sagte sie strenge. ›Merke wohl, wir können für alles, was an uns ist, nicht bloß für unser Gemüt, auch für das Antlitz! Lerne den Menschen vertrauen, mühe dich, ihnen freundlich zu nahen, tue ihnen, wie du willst, daß sie dir tun, und sie werden nimmer von deinem »bösen Blick« sprechen!‹ Ich schüttelte den Kopf. – ›Du glaubst mir nicht?‹ – Lange schritt sie sinnend auf und nieder. ›Davon hängt alles ab‹, murmelte sie und blieb dann dicht vor mir stehen. ›Hast du gestern abend das Kind an meiner Seite gesehen?‹ – ›Freilich‹, sagte ich schluchzend, ›aber es hatte ja Abscheu vor mir! Und dies schmerzte mich tief, so tief, besonders weil es mir schien, als sähe es meinem toten Schwesterchen ähnlich, das ich so sehr geliebt und dem ich dennoch Unheil gebracht!‹ – ›Faselei!‹ sagte sie scharf. ›Weder hast du an deiner Schwester Tode ein Verschulden, noch verabscheut dich dein Bäschen. Denn dies ist die Kleine, die bei mir wohnt, meines verstorbenen Sohnes Tochter. Du sollst dies auch sofort erfahren, ich rufe das Kind hierher. Gib ihm die Hand und ein gutes Wort, denke daran, welch holdes Kind es ist und gut wie ein Engelchen – und es wird auch dir freundlich sein!‹ Sie schritt zur Türe. ›Tiana!‹ Das Kind trat lächelnd ein, schlug aber die Augen nieder, als es mich erblickte, und barg sein Antlitz am Knie der Greisin. Ich aber – ich denke zuerst: Kleine Kröte, was habe ich dir getan?, dann aber kämpfe ich den häßlichen Grimm nieder, trete an das Kind heran und sage ihm einige Worte aus dem Herzen heraus: daß ich nun auch hierbleiben und ihm gerne eine schöne Spielerei schnitzen wolle, so gut ich's könnte, und so ähnliches. Da blickt das Kind auf und – und gibt mir die Hand ... Mir aber tanzte in diesem Augenblicke alles vor den Augen, ich glaube, ich habe geschwankt wie ein Trunkener. Als ich wieder aufblickte, war das Kind wieder hinausgegangen, nur die alte Frau stand da und sagte mir nichts weiter als ›An die Arbeit, Matko. Du sollst bei der Ernte helfen. Mein Knecht bringt dich zu den Schnittern!‹

Ein großer Tag war's, Herr! Ich hatte einer andern Menschenseele die meinige erschlossen, und ein Kind hatte mich freundlich gegrüßt, und ich war gern und freudig zur Arbeit gegangen! Ein großer Tag!


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