Hans Christian Andersen
Bilderbuch ohne Bilder
Hans Christian Andersen

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Elfter Abend.

»Es war ein Hochzeitsfest!« erzählte der Mond. »Lieder wurden gesungen, Gesundheiten ausgebracht, alles war reich und prächtig; die Gäste verabschiedeten sich, Mitternacht war vorüber; die Mütter küßten Bräutigam und Braut; ich sah diese allein, aber die Gardinen waren beinahe ganz vorgezogen; die Lampe beleuchtete das trauliche Gemach. ›Gott sei Dank, sie sind fort!‹ sagte er und küßte ihre Hände und Lippen; sie lächelte und weinte, ruhte an seiner Brust, bebend, wie die Lotosblume auf dem strömenden Wasser ruht; und sie flüsterten süße, glückselige Worte. ›Schlafe süß!‹ rief er und sie zog die Gardinen des Fensters auf die Seite. ›Wie schön doch der Mond scheint,‹ sagte sie, ›sieh, wie still und klar!‹ und sie löschte die Lampe aus, es wurde dunkel in dem behaglichen Zimmer, und doch strahlte mein Licht, wie seine Augen strahlten. – Weiblichkeit, küsse du des Dichters Harfe, wenn er von des Lebens Geheimnissen singt!«


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